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ZPID startet Kolloquiumsreihe zu wissenschaftlichen Infrastrukturen

Zum Auftakt der Kolloquiumsreihe zu wissenschaftlichen Infrastrukturen des Leibniz-Zentrums für Psychologische Information und Dokumentation (ZPID) stellte Dr. Marc Herbstritt vom Leibniz-Zentrum für Informatik, Schloss Dagstuhl, unter dem Titel »Pawlow, Turing und OpenAccess – Gedanken zur Konditionierung in der Informatik« seine Überlegungen zum Open-Access-Publizieren zur Diskussion.

Imression

In seinem gut besuchten Kolloquiumsbeitrag vertrat Herbstritt die These, dass das etablierte Publikationssystem Wissenschaftler konditioniere, Karrieregesichtspunkte beim Publizieren in den Vordergrund zu stellen. Es sei nicht länger das Heureka des wissenschaftlichen Erkenntnisfortschritts und der Ideenfindung, das eine Publikation motiviere. Vielmehr sei die stets steigende Flut der Publikationen dem Fokus auf Zitationsraten und Impact Factor geschuldet. Der Satz »Publish or perish« sei zur allgegenwärtigen Handlungsmaxime geworden. Dies rundete er ab mit den Publikationsgewohnheiten in der Informatik, wo Konferenzen einen deutlich höheren Stellenwert als Journals besitzen.

Da auch das Renommee einer wissenschaftlichen Zeitschrift von großer Bedeutung sei, könnten es sich die etablierten hart umkämpften Zeitschriften leisten, für ihre hochkarätigen Beiträge entsprechend hohe Preise zu verlangen. Dadurch werde der Zugang zu Forschungsergebnissen behindert. Eine Lösung für dieses Problem stelle das Publizieren unter Open Access dar, das einen freien Zugang zu Artikeln ermögliche. Diese kostenlosen (Open Access)-Zeitschriften hätten jedoch bislang neben den etablierten Toll-Access-Journals einen schweren Stand.

In einer sehr lebhaften Diskussion im Anschluss an den Vortrag entstand ein reger Austausch über die vielfältigen Teilaspekte dieser Problematik: Vertreter der Universitätsbibliothek Trier führten die sinkenden Budgets für Anschaffungen und fortlaufende Lizensierungen von elektronischen Fachzeitschriften an. Hierdurch werde ihre Aufgabe der Informationsversorgung für die Wissenschaft erschwert. Jungwissenschaftler äußerten die Sorge, beim Wettbewerb um Professuren benachteiligt zu werden, wenn sie in Open-Access-Fachzeitschriften veröffentlichten, deren Renommee noch nicht an das etablierter Journals heranreiche. Open-Access-Verleger bestätigten den mühsamen Weg, Reputation aufzubauen und forderten die Anwesenden dazu auf, selbst die Initiative zu ergreifen und bei eigenen Veröffentlichungen die etablierten Publikationswege kritisch zu hinterfragen und nach Alternativen zu suchen. Mehrere Diskussionsteilnehmer äußerten die Meinung, die Vermarktung der Forschungsergebnisse sei mittlerweile wichtiger geworden als Inhalte und persönliche Forschungsinteressen. Alle Diskutanten waren sich einig, dass die Unterstützung renommierter Fachvertreter für Open-Access-Publikationen wichtig sei – wie es auch in einem kürzlich veröffentlichten Memorandum der Harvard University gefordert wird – »[to] move prestige to open access« (http://governancexborders.com/2012/04/25/move-prestige-to-open-access-harvard-university-weighs-in-on-open-access/).


News erstellt am: 15.6.2012



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Leibniz-Zentrum für Psychologische Information und Dokumentation (ZPID)
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54286 Trier
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Fax: +49 (0)651 201-2071


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