In seinem gut besuchten Kolloquiumsbeitrag vertrat Herbstritt die These, dass das etablierte Publikationssystem Wissenschaftler
konditioniere, Karrieregesichtspunkte beim Publizieren in den Vordergrund zu stellen. Es sei nicht länger das Heureka des
wissenschaftlichen Erkenntnisfortschritts und der Ideenfindung, das eine Publikation motiviere. Vielmehr sei die stets
steigende Flut der Publikationen dem Fokus auf Zitationsraten und Impact Factor geschuldet. Der Satz »Publish or perish« sei zur allgegenwärtigen Handlungsmaxime geworden. Dies rundete er ab mit den
Publikationsgewohnheiten in der Informatik, wo Konferenzen einen deutlich höheren Stellenwert als Journals besitzen.
Da auch das Renommee einer wissenschaftlichen Zeitschrift von großer Bedeutung sei, könnten es sich die etablierten hart
umkämpften Zeitschriften leisten, für ihre hochkarätigen Beiträge entsprechend hohe Preise zu verlangen. Dadurch werde der
Zugang zu Forschungsergebnissen behindert. Eine Lösung für dieses Problem stelle das Publizieren unter Open Access dar,
das einen freien Zugang zu Artikeln ermögliche. Diese kostenlosen (Open Access)-Zeitschriften hätten jedoch bislang neben
den etablierten Toll-Access-Journals einen schweren Stand.
In einer sehr lebhaften Diskussion im Anschluss an den Vortrag entstand ein reger Austausch über die vielfältigen Teilaspekte
dieser Problematik: Vertreter der Universitätsbibliothek Trier führten die sinkenden Budgets für Anschaffungen und
fortlaufende Lizensierungen von elektronischen Fachzeitschriften an. Hierdurch werde ihre Aufgabe der Informationsversorgung
für die Wissenschaft erschwert. Jungwissenschaftler äußerten die Sorge, beim Wettbewerb um Professuren benachteiligt
zu werden, wenn sie in Open-Access-Fachzeitschriften veröffentlichten, deren Renommee noch nicht an das etablierter
Journals heranreiche. Open-Access-Verleger bestätigten den mühsamen Weg, Reputation aufzubauen und forderten die Anwesenden
dazu auf, selbst die Initiative zu ergreifen und bei eigenen Veröffentlichungen die etablierten Publikationswege kritisch
zu hinterfragen und nach Alternativen zu suchen. Mehrere Diskussionsteilnehmer äußerten die Meinung, die Vermarktung der
Forschungsergebnisse sei mittlerweile wichtiger geworden als Inhalte und persönliche Forschungsinteressen. Alle Diskutanten waren
sich einig, dass die Unterstützung renommierter Fachvertreter für Open-Access-Publikationen wichtig sei – wie es auch in
einem kürzlich veröffentlichten Memorandum der Harvard University gefordert wird – »[to] move prestige to open access«
(http://governancexborders.com/2012/04/25/move-prestige-to-open-access-harvard-university-weighs-in-on-open-access/).