Schaflitzel, B. (1997). Entwicklung und Validierung einer Skala zur Messung der subjektiven Stärke des Entzugssyndroms nach multiplem Substanzgebrauch. Unveröffentlichte Diplomarbeit, Universität Regensburg.
Dipl.-Psych. Birgit Schaflitzel, Lortzingstraße 16, 81241 München.
Die Skala stellt ein quantitatives Maß für die subjektive Stärke des Entzugssyndroms nach multiplem Substanzgebrauch für Forschung und klinische Praxis zur Verfügung. Im Besonderen kann der individuelle Wert Anhaltspunkte für die konkrete Therapieplanung geben (Rückfallprophylaxe, Entlassung aus dem stationären Entzug, Methadon-Menge bei einem "warmen" Entzug, andere erleichternde Medikamente).
Die insgesamt 35 Items beschreiben jeweils bestimmte Entzugssymptome (z.B. "Ich fühle mich erschöpft und müde"). Mittels einer einfachen schriftlichen Anweisung werden die Probanden aufgefordert, die Stärke ihrer Entzugserscheinungen am Tag der Fragebogenbearbeitung anzugeben, wofür eine fünfstufige Skala zur Verfügung steht ("überhaupt nicht" bis "sehr stark"). Der Skalengesamtwert wird durch einfaches Aufaddieren aller einzelnen Itemwerte errechnet.
Ausgangspunkt ist der von der WHO 1964 geprägte Begriff der Drogenabhängigkeit (drug dependence) als ein Zustand psychischer oder psychischer und physischer Abhängigkeit von einer Substanz mit zentralnervöser Wirkung, die zeitweise oder fortgesetzt eingenommen wird. Entzugserscheinungen sind bei der Entstehung von Abhängigkeit von zentraler Bedeutung. Die bisher entwickelten Meßinstrumente beziehen sich allerdings nur auf Entzugssyndrome, die durch das Absetzen einer einzigen Substanzklasse entstehen. Zu 18 Kategorien, die sich aus den möglichen psychischen und physischen Symptomen und aus den neun Drogenabhängigkeitsvarianten der WHO ergeben (2x9) wurden fünf möglichst spezifische Symptome so ausgewählt,dass trotz der Überschneidungen der Entzugssyndrome der einzelnen Drogenarten kein Kennzeichen doppelt genannt ist. Anschließend wurden die Items formuliert.
Reliabilität: Für die interne Konsistenz wurde ein Alpha-Koeffizient nach Cronbach von .95 ermittelt.
Validität: Untersucht wurden der Zusammenhang zwischen dem Skalenwert für subjektive Entzugsstärke und dem objektiven Wert für die Abnahme der Drogenmenge Urin (r=.21 bis .27). Eine schriftliche Befragung des Pflegepersonals als Experten erbrachte signifikante Zusammenhänge zwischen Skalenwert einerseits und Gesamtwert der Expertenbefragung und einzelnen Symptomeinschätzungen andererseits (rmax=.47). Festgestellt wurde außerdem ein signifikanter Zusammenhang zwischen der anfänglichen Substitutionsmenge als Maß für die vor dem Entzug konsumierte Drogenmenge und der Entzugsskala (r=.20-.30).
Normen: Angegeben werden Mittelwert und Standardabweichung der untersuchten Stichprobe (n=42).
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