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Leistungsprüfsystem für 50- bis 90-Jährige (2015) (PSYNDEX Tests Review)

 PSYNDEX Tests-Dokument: 9006916
 

LPS 50+ (2015) - Leistungsprüfsystem für 50- bis 90-Jährige (2015) (PSYNDEX Tests Review)

 

Archievement Measure for 50- to 90-Year-Olds/zpid

 Sturm, W., Willmes, K. & Horn, W.
 (2015). LPS 50+. Leistungsprüfsystem für 50- bis 90-Jährige (2., überarbeitete und neu normierte Auflage) [Testbox mit Manual, je 1 Testheft A + B, 10 Profilbögen, je 1 Schablonensatz A, B + A/B]. Göttingen: Hogrefe.

Preis: 178,00 Euro (Test komplett; Stand: 17.9.2015)

 Bezugsquelle: Testzentrale Hogrefe Verlag GmbH & Co. KG, Herbert-Quandt-Straße 4, D-37081 Göttingen ; E-Mail: testzentrale@hogrefe.de ; URL: http://www.testzentrale.de/ ; Stand: 1.5.2016.
 Adresse(n): o Prof. Dr. Walter Sturm, Leiter der Sektion Klinische Neuropsychologie, Neurologische Klinik, Universitätsklinikum der RWTH Aachen, Pauwelsstrasse 30, D-52074 Aachen ; E-Mail: sturm@neuropsych.rwth-aachen.de ; URL: http://www.neuroscience-aachen.de/mitarbeiter_klinische_neurowissenschaften.html ; Stand: 13.05.2015
o Prof. Dr. Klaus Willmes-von Hinckeldey, Universitätsklinikum RWTH Aachen, Lehr- und Forschungsgebiet Neuropsychologie, Neurologische Klinik, Pauwelsstraße 30, D-52074 Aachen ; E-Mail: willmes@neuropsych.rwth-aachen.de ; URL: http://www.ukaachen.de/kliniken-institute/klinik-fuer-neurologie/forschung-lehre/forschungsgebiet-neuropsychologie/kontakt.html ; Stand: 27.10.2014
 WWW-Informationen:
 

Abstract

Diagnostische Zielsetzung:
Das LPS 50+ dient der Erfassung intellektueller Funktionen bei älteren Probanden (50 bis 90 Jahre) und der Erstellung eines individuellen Leistungsprofils. Das Verfahren kann sowohl zu einer einmaligen Testung als auch in Verlaufsstudien angewandt werden. Das LPS 50+ ist sowohl geeignet für gerontopsychologische Fragestellungen (z. B. Früherkennung degenerativer Erkrankungen) als auch für den Einsatz bei neuropsychologischen Untersuchungen (z. B. Diagnostik Hirngeschädigter).


Aufbau:
Der Test beinhaltet 15 Untertests, die ansatzweise die Thurstone-Primärfaktoren der Intelligenz widerspiegeln (verbal factor, reasoning, fluency, space, closure, perceptual speed): (1) + (2) Rechtschreibkenntnisse, Wortschatz, (3) Erkennen von Regeln (figural), (4) Logisches Denken, Regelerkennen (symbolisch), (5) Worteinfall, (6) Wortflüssigkeit (formallexikalisch), (6a) Wortflüssigkeit (semantisch kategorial), (6b) Wortflüssigkeit (semantischer Kategorien-Wechsel), (7) Räumliches Rotieren, (9) Räumliches Vorstellungsvermögen, (10) Form- und Gestalterfassung, (11) Formerfassung und Benennung, (12) Erkennen unvollständiger Wörter, (13) Arbeitssorgfalt, Auffassungstempo, (14) Wahrnehmungstempo.


Grundlagen und Konstruktion:
Das LPS 50+ in der neunormierten Fassung basiert inhaltlich unverändert auf dem LPS 50+ aus dem Jahr 1993 mit Ausnahme von Untertest (6). Untertest (6) Formallexikalische Fluency-Aufgaben wurde um einen semantischen Fluency-Subtest (6a) und einen Fluency-Test mit semantischem Kategorienwechsel (6b) ergänzt. Grundlegend basieren beide Tests auf dem Leistungsprüfsystem von Horn (1983).


Empirische Prüfung und Gütekriterien:
Reliabilität: Die Reliabilitäten (Split-half-Koeffizienten nach der Odd-Even-Methode) liegen für die Untertests größtenteils über .90, teilweise sogar über .95. Für die Untertests (6), (6a) und (6b) wurde der Konsistenzkoeffizient bestimmt (Cronbachs Alpha). Auch diese Koeffizienten lagen mit einer geringen Abweichung alle über Alpha = .90. Für den Gesamttest lagen die Reliabilitätsschätzungen sowohl für die Lang- wie für die Kurzform über rtt = .98. Zur Profilreliabilität finden sich keine Angaben.
Validität: Zur Überprüfung der Konstruktvalidität wurde das Verfahren einer Hauptkomponentenanalyse mit anschließender Varimaxrotation unterzogen. In der Sechskomponentenlösung spiegeln sich ansatzweise die Thurstone-Primärfaktoren der Intelligenz wieder, wenngleich nicht in reiner Form (verbal factor, reasoning, fluency, space, closure, perceptual speed). Die Lösung erklärt ca. 80% der Varianz.
Normen: Es stehen T-Werte zur Verfügung, die für den Einfluss von Schultyp und Alter korrigiert werden können. Die Normen wurden für die Neunormierung 2009 in einer 300 Probanden großen Stichprobe gewonnen, die in Deutschland gezogen wurde.

 

Testkonzept

 

Theoretischer Hintergrund

Beim Leistungsprüfsystem für 50- bis 90-Jährige (LPS 50+; Sturm, Willmes & Horn, 1993, 2015) handelt es sich um einen standardisierten Intelligenztest für 50- bis 90-Jährige. Der Test besteht aus den inhaltlich unveränderten Untertests des Leistungsprüfsystems (LPS; Horn, 1983; Untertest 8 ist nicht enthalten). Die entscheidende Weiterentwicklung des neu herausgegebenen LPS 50+ (Sturm et al., 2015; PSYNDEX Tests-Nr. 9006916) gegenüber der Ausgabe aus dem Jahr 1993 (Sturm et al., 1993; PSYNDEX Tests-Nr. 9002630) liegt in der Neunormierung des Verfahrens nach 22 Jahren. Zudem wurde Untertest 6 um einen semantischen Fluency-Subtest und einen Fluency-Test mit semantischem Kategorienwechsel ergänzt. Bisher existieren nur wenige Verfahren zur Erfassung intellektueller Leistungen bei älteren Probanden und zur Erstellung eines differenzierten Leistungsprofils (NAI, Oswald & Fleischmann, 1983, 1999; WAIS-IV, Petermann, 2012).
Verfahren für ältere Menschen sind laut Kendrick (1982) zum Beispiel bei der Früherkennung degenerativer Erkrankungen, bei der Erfassung der Nebenwirkungen von Medikamenten und bei der Erhebung des kognitiven Status in Verlaufsuntersuchungen relevant. Die Anforderungen speziell an Verfahren für Ältere bestehen darin, dass auf Basis der Ergebnisse des Verfahrens ein differenziertes Leistungsprofil erstellt werden kann. Das Leistungsprofil sollte aufgrund hoher Reliabilitäten auch im Einzelfall gültig sein. Zudem sollte das Verfahren wiederholte Untersuchungen in kurzen Zeitabständen erlauben. Eine Kontrolle von Testwiederholungseffekten ist nur mit Instrumenten möglich, von denen eine Parallelform vorliegt.
Das Leistungsprüfsystem (LPS) eignet sich besonders gut für die Intelligenzdiagnostik bei Älteren. Die Untertests konstruierten die Autoren intelligenztheoretisch orientiert (Thurstones Primärfaktoren der Intelligenz, Thurstone, 1947; Drei-Ebenen-Modell von Carroll, Carroll, 1993, 2005).
 

Testaufbau

Der Test beinhaltet 15 Untertests (Untertest 8 wurde nicht übernommen):
(1) + (2) "Rechtschreibkenntnisse, Wortschatz" (verbal factor; 80 Items). Bei 80 sechsbuchstabigen Wörtern ist jeweils ein falscher Buchstabe zu erkennen und durchzustreichen.
Itembeispiel: "R a i t e r"
(3) "Erkennen von Regeln (figural)" (reasoning; 80 Items). Beim Aufgabentyp (3) widerspricht in jeder Zeile je eines von acht Zeichen einer zugrundeliegenden Regel. Die Regel soll erkannt und das falsche Zeichen durchgestrichen werden.
Itembeispiel: "I + I + I + I I"
(4) "Logisches Denken, Regelerkennen (symbolisch)". Test (4) enthält statt verschiedener Symbole nur Buchstaben oder Zahlen.
Itembeispiel: "12 11 10 9 9 7 6 5 4"
(5) "Worteinfall" (word fluency; 80 Items). Im Subtest (5) sind bei fünfbuchstabigen Substantiven die Buchstaben in ihrer Reihenfolge vertauscht. Das richtige Wort soll erkannt und sein Anfangsbuchstabe angestrichen werden. Itembeispiel: " I L C H M " (MILCH)
(6) "Wortflüssigkeit (formallexikalisch)", (6a) "Wortflüssigkeit (semantisch kategorial)", (6b) "Wortflüssigkeit (semantischer Kategorien-Wechsel)". Im Untertest (6) werden die Buchstaben "F, f", "K, k" und "R, r" bzw. in der Parallelform "L, l", "P, p" und "R, r" vorgegeben. In jeweils einer Minute soll der Prüfling möglichst viele Wörter mit diesen Anfangsbuchstaben zu Papier bringen. Im Untertest (6a) soll der Prüfling möglichst viele verschiedene Wörter passend zu Wortgruppen schreiben (z. B. Blumen: Tulpe, Rose, Nelke etc.). Im Untertest (6b) soll der Prüfling möglichst viele verschiedene Wörter zu Papier bringen, die abwechselnd zu zwei unterschiedlichen Wortgruppen gehören (z. B. nicht alkoholisches Getränk und Werkzeug).
(7) "Räumliches Rotieren" (space 1; 40 Items). In 40 Zeilen sind je vier Buchstaben oder Zahlen in verschiedenen Drehungen gedruckt. Ein fünftes Zeichen ist spiegelbildlich verkehrt abgebildet und soll erkannt und durchgestrichen werden.
(9) "Räumliches Vorstellungsvermögen" (space). Bei dreidimensional dargestellten geometrischen Figuren soll die Anzahl der Flächen (einschließlich der verdeckten Flächen) bestimmt werden.
(10) "Form- und Gestalterfassung" (closure 2; 40 Items). Fünf verschiedene Symbole sind vorgegeben. Pro Aufgabe ist eines dieser Zeichen in einem komplexen Muster "versteckt" und soll herausgefunden werden.
(11) "Formerfassung und Benennung" (closure; 40 Items). Verschiedene, durch unterbrochene Linien nur unvollständig dargestellte Objekte (z. B. Apfel, Haus) sollen vom Prüfling identifiziert werden.
(12) "Erkennen unvollständiger Wörter" (closure 1; 40 Items). Wörter mit je sechs Buchstaben wurden unvollständig (mit unterbrochenen Linien) gedruckt. Sie enthalten je einen falschen Buchstaben, der durchgestrichen werden soll.
(13) "Arbeitssorgfalt, Auffassungstempo" (perceptual speed, accuracy; 80 Items). In Aufgabengruppe (13) ist jede achte "0" durchzustreichen, danach jede achte "1", "2" usw.
(14) "Wahrnehmungstempo". Im Subtest (14) soll jede Zeile mit jeder des Subtests (13) verglichen werden. Nicht übereinstimmende Zeichen sind zu streichen.
Itembeispiel: "2 0 2 0 0 1 - 1 0 2 0 0 8"
 

Auswertungsmodus

Die Anzahl der richtigen Lösungen pro Untertest wird in den Profilbogen eingetragen. Die Summe der Untertestrohwerte ergibt den Gesamttestrohwert. Vor der Überführung in T-Werte können die Rohwerte für Bildungs- als auch für Alterseinflüsse korrigiert werden. Abschließend können die Kennwerte in Profilform dargestellt werden (Sturm et al., 2015, S. 28-29).
 

Auswertungshilfen

Als Auswertungshilfen stehen Schablonen und Profilbögen zum übersichtlichen Eintragen der Ergebnisse zur Verfügung.
 

Auswertungszeit

Die Auswertung nimmt nur wenige Minuten in Anspruch.
 

Itembeispiele

Anmerkung: Die graphischen Items können hier nicht wiedergegeben werden.
Aufgabengruppe 1 und 2 - Rechtschreibkenntnisse, Wortschatz
"In jedem Wort ist immer ein Druckfehler. Dieser eine Buchstabe soll von Ihnen in jedem Wort kräftig durchgestrichen werden." (Auszug aus der mündlichen Instruktion)
RAITER (Lösung: A)

Aufgabengruppe 4 - Logisches Denken, Regelerkennen (symbolisch)
"Auch in der Aufgabengruppe 4 ist also in jeder Zeile ein Fehler enthalten. Auch hier sollen Sie auf die Unterschiede zwischen den einzelnen Zahlen oder Buchstaben achten. Dann fällt Ihnen am ehesten auf, was in eine Zeile nicht hineinpasst." (Auszug aus der mündlichen Instruktion)
V O V O V O V O O (O)
3 4 5 6 7 8 8 10 11 (8)

Aufgabengruppe 5 - Worteinfall
"Diese besteht aus Hauptwörtern, bei denen die Buchstaben durcheinander gewürfelt sind [...]. Damit man erkennt, dass ein Wort richtig erraten wurde, sollen Sie den Anfangsbuchstaben, mit dem das Wort normalerweise beginnt, kräftig durchstreichen." (Auszug aus der mündlichen Instruktion)
I L C H M (M)

Aufgabengruppe 6 - Wortflüssigkeit (formallexikalisch)
"Hier sollen nachher möglichst viele Wörter mit Anfangsbuchstaben geschrieben werden [...]. Wenn z. B. Wörter mit dem Anfangsbuchstaben 'e' zu schreiben wären, dann könnten Sie schreiben: Erich, Esel, er, es, eine, Essen, erkennen usw." (Auszug aus der mündlichen Instruktion)

Aufgabengruppe 13 - Arbeitssorgfalt, Auffassungstempo
"In dieser sollen Sie zunächst alle Nullen immer von links nach rechts Zeile für Zeile zählen. Jede achte Null soll durchgestrichen werden." (Auszug aus der mündlichen Instruktion)
A 0 0 B 0 0
0 0 L 0 M 0 (die Null hinter dem M)

Aufgabengruppe 14 - Wahrnehmungstempo "Bitte vergleichen Sie [...] Zeile für Zeile die linke mit der rechten Hälfte von Aufgabe 14. Auf der rechten Seite sollen Sie alles kräftig durchstreichen, was von der linken Seite falsch abgedruckt wurde." (Auszug aus der mündlichen Instruktion)
A O O B O O A O 3 B O O (3)
 

Durchführung

 

Testformen

Der Test liegt in zwei parallelen Formen in einer Langform sowie in einer Kurzform vor. Er liegt in einer älteren Version von 1993 vor (LPS 50+; Sturm et al., 1993). Die aktuelle Version (LPS 50+; Sturm et al., 2015) wurde neu normiert.
 

Altersbereiche

Der Test ist für 50- bis 90-Jährige geeignet.
 

Durchführungszeit

Für die Durchführung werden circa 80 Minuten benötigt. Bei Anwendung der Kurzform reduziert sich die Gesamttestzeit auf ca. 30 Minuten (Sturm et al., 2015, S. 23).
 

Material

Als Material stehen zur Verfügung das 48-seitige Manual, die jeweils 12-seitigen Testhefte in der Form A und B, Auswertungsschablonen und Profilbögen. Zudem werden für die Durchführung eine Stoppuhr sowie Stifte benötigt. Verbrauchsmaterial (Profilbögen, Testheft A und B) kann separat bezogen werden.
 

Instruktion

Die standardisierten Instruktionen werden möglichst wörtlich aus dem Manual abgelesen, sollen jedoch dennoch in lebendiger, motivierender Weise vorgetragen werden (Sturm et al., 2015, S. 23).
 

Durchführungsvoraussetzungen

Die Untersuchung sollte in einem ruhigen, störungsfreien Umfeld stattfinden. Der Test sollte nicht früh morgens, unmittelbar nach dem Mittagessen oder spät abends durchgeführt werden, um aufmerksamkeitsbedingte Ergebnisverzerrungen zu vermeiden (Sturm et al., 2015, S. 23).
 

Testkonstruktion

Das LPS 50+ (1993, 2015) basiert inhaltlich unverändert auf dem LPS. Untertest (8) wurde nicht in die altersmodifizierte Form aufgenommen. Zum einen erwies er sich als zu schwer für die Altersgruppe, zum anderen erfasst er nicht räumliches Vorstellungsvermögen (Putz-Osterloh & Lüer, 1975). Alle Untertests und alle Items wurden unverändert und in gleicher Reihenfolge aus dem LPS übernommen. Untertest (6) (formallexikalische Fluency-Aufgaben) wurde im LPS 50+ von 2015 um einen semantischen Fluency-Subtest (6a) und einen Fluency-Test mit semantischem Kategorienwechsel (6b) ergänzt. Der semantische Fluency-Test wurde ergänzt, da sich semantisch-kategoriale Wortflüssigkeitsaufgaben sensitiver gegenüber kognitiven Defiziten nach Hirnfunktionsstörungen zeigen als formallexikalische Fluency-Aufgaben. Der ursprüngliche Subtest wurde aus Gründen der Vergleichbarkeit und weil sich solche Aufgaben gut zur Beurteilung von Restsymptomen nach Aphasie nutzen lassen, beibehalten. In die Gesamttest-Bewertung fließt nur Subtest 6a ein.
Alle Testvorlagen wurden auf die doppelte Größe vergrößert. Jeder Untertest steht im LPS 50+ auf einem separaten Testblatt. Die Testanweisung wurde sinngemäß übernommen und an die besonderen Erfordernisse der Zielgruppe angepasst sowie um Instruktionen für die Untertests 6a und 6b ergänzt. Es wurde auch eine Kurzform des Testverfahrens entwickelt (Sturm et al., 2015, S. 7-8).
 

Gütekriterien

 

Objektivität

Durchführungs- und Auswertungsobjektivität sind durch die standardisierten Instruktionen gegeben. Die Interpretationsobjektivität wird gewährleistet durch die Überführung in altersstufenspezifische T-Werte.
 

Reliabilität

Die Reliabilitäten (Split-half-Koeffizienten nach der Odd-Even-Methode) liegen für die Untertests größtenteils über .90, teilweise sogar über .95. Für die Untertests (6), (6a) und (6b) wurden Konsistenzkoeffizienten bestimmt (Cronbachs Alpha). Auch diese Koeffizienten lagen mit einer geringen Abweichung alle über Alpha = .90. Für den Gesamttest lagen die Reliabilitätsschätzungen sowohl für die Lang- wie für die Kurzform über rtt = .98 (Sturm et al., 2015, S. 18-19). Zur Profilreliabilität finden sich keine Angaben.
 

Validität

Das Verfahren besitzt inhaltlich-logische Gültigkeit. Zur Überprüfung der Konstruktvalidität wurde das Verfahren einer Hauptkomponentenanalyse mit anschließender Varimaxrotation unterzogen. In der Lösung mit zwei Hauptkomponenten (60.5 % Varianzaufklärung) repräsentiert Komponente 1 deutlicher Exekutivfunktionen (Flexibilität, Reasoning) und Raumverarbeitung als Komponente 2, welche eher sprachliche Schwerpunkte hat. Bei einer Dreikomponentenlösung (67 % Varianzaufklärung) laden die nonverbalen Exekutivfunktionen auf Komponente 1, sprachliche (Exekutiv-)Funktionen auf den Komponenten 2 oder 3 und Raumverarbeitung sowie rasche visuelle Suche auf Komponente 3. In der Sechskomponentenlösung spiegeln sich ansatzweise die Thurstone-Primärfaktoren der Intelligenz wieder, wenngleich nicht in reiner Form (verbal factor, reasoning, fluency, space, closure, perceptual speed). Die Lösung erklärt ca. 80 % der Varianz (Sturm et al., 2015, S. 8, S. 14-16).
 

Normierung

Die neue Normierungsstichprobe aus dem Jahr 2009 setzt sich aus insgesamt 300 Probanden zusammen (156 weiblich, Alter: M = 70.4 Jahre; 144 männlich, Alter: M = 70.4 Jahre). Die Verteilung der Probanden auf die Altersgruppen kann in Tabelle 1 eingesehen werden. Je 156 bzw. 144 der Probanden wurde die Testform A bzw. B gegeben. Es gab bezüglich der Geschlechter weder Altersunterschiede noch Unterschiede bezüglich der Verteilung auf die Bildungsgruppen (Sturm et al., 2015, S. 9).

Tabelle 1
Stichprobencharakteristika (Sturm, Willmes & Horn, 2015, S. 9)
-------------------------------------------------- 
Alter 50-59 J. 60-69 J. 70-79 J. 80-90 J.
n 53 82 90 75
--------------------------------------------------
 

Anwendungsmöglichkeiten

Im Vergleich zum LPS, das für Probanden zwischen 9 und 50 Jahren und älter geeicht ist, dient das LPS 50+ der gezielten Erfassung intellektueller Funktionen bei älteren Probanden (50 bis 90 Jahre alt) und der Erstellung eines individuellen Leistungsprofils. Das Verfahren kann sowohl bei einer einmaligen Testung als auch in Verlaufsstudien angewandt werden. Das LPS 50+ ist sowohl geeignet für gerontopsychologische Fragestellungen (z. B. Früherkennung degenerativer Erkrankungen) als auch für den Einsatz bei neuropsychologischen Untersuchungen (z. B. Diagnostik Hirngeschädigter; Sturm et al., 2015, S. 5). Bei der klinisch-neuropsychologischen Diagnostik werden Intelligenztests eher zur differenzierten Erfassung unterschiedlicher, neuropsychologisch wichtiger kognitiver Funktionen eingesetzt als zur Intelligenzmessung (Sturm, 2009; Sturm & Willmes, 1983).
 

Bewertung

Beim LPS 50+ handelt es sich um einen durchdacht konstruierten Intelligenztest für 50- bis 90-Jährige, der auf dem LPS basiert und leicht modifiziert wurde. 2015 fand eine Neunormierung des LPS 50+ von 1993 statt. Die diagnostische Zielsetzung ist klar ersichtlich. Auf die theoretische Grundlage wird nur kurz eingegangen. Die Testkonstruktion wird nachvollziehbar geschildert. Objektivität in der Durchführung, Auswertung und Interpretation ist durch das standardisierte Vorgehen gewährleistet. Der Test wird als "Verfahren zur Erfassung verschiedener Fähigkeiten" und nicht als Intelligenztest vorgestellt, wodurch die Transparenz gemindert wird. Ob das Verfahren für ältere Probanden zumutbar ist, muss der Testleiter im Einzelnen entscheiden. Die Verfälschbarkeit des Verfahrens ist niedrig, da es sich um einen Leistungstest handelt. Hilfreich wären Richtlinien, die bei der Entscheidung helfen, ob man mit einem älteren, gegebenenfalls beeinträchtigten Menschen, den Test durchführen sollte. Die Zuverlässigkeit des Testverfahrens ist gut. Die Split-half-Koeffizienten (wurden für alle Untertests außer 6, 6a und 6b ermittelt) liegen über rtt = .80 und damit über dem Kriterium von Lienert (1969). Die internen Konsistenzen (wurden für Untertests 6, 6a, 6b ermittelt) liegen meist über Alpha = .90 und damit im hohen Bereich und zum Teil mit unter Alpha = .90 immer noch im mittleren Bereich (Bühner, 2006). Die Konstruktvalidität des Verfahrens wurde umfassend überprüft, speziell zum LPS 50+ liegen keine weiteren Validitätsbelege vor. Die Informationsausschöpfung ist sehr hoch, ein individuelles Leistungsprofil kann erstellt werden, das beispielsweise zur neuropsychologischen Einzelfalldiagnostik herangezogen werden kann. Die Änderungssensitivität wurde nicht überprüft, das Verfahren wird jedoch in zwei Parallelformen (um Lerneffekte zu verhindern) zur Veränderungsmessung empfohlen. Das Verfahren ist sehr ökonomisch und fair und dürfte auf eine hohe Akzeptanz stoßen. Das Handbuch und die Testmaterialien sind klar und übersichtlich gestaltet. Insgesamt handelt es sich um ein nützliches Verfahren.
 

Literatur

  • Bühner, M. (2006). Einführung in die Test- und Fragebogenkonstruktion (2., aktualisierte und erweiterte Auflage). München: Pearson Studium.
  • Carroll, J.B. (1993). Human cognitive abilities: A survey of factor-analytic studies. Cambridge: Cambridge University Press.
  • Carroll, J. B. (2005). The three-stratum theory of cognitive abilities. In D. P. Flanagan & P. L. Harrison (Hrsg.), Contemporary intellectual assessment (pp. 69-76). New York: Guilford.
  • Horn, W. (1983). LPS. Leistungsprüfsystem. Handanweisung (2., erweiterte und verbesserte Auflage). Göttingen: Hogrefe.
  • Kendrick, D. C. (1982). Why assess the aged? A clinical psychologist's view. British Journal of Clinical Psychology. 21, 47-54.
  • Lienert, G. A. (1969). Testaufbau und Testanalyse (3., durch einen Anhang über Faktorenanalyse ergänzte Auflage). Weinheim: Beltz.
  • Oswald, W. D. & Fleischmann, U. M. (1983). Gerontopsychologie. Stuttgart: Kohlhammer.
  • Oswald, W. D. & Fleischmann, U. M. (1999). Nürnberger-Alters-Inventar (NAI) (4. Auflage) [NAI-Testmanual und -Textband sowie Materialkasten]. Göttingen: Hogrefe.
  • Petermann, F. (Hrsg.). (2012). WAIS-IV. Wechsler Adult Intelligence Scale - Fourth Edition. Deutschsprachige Adaptation der WAIS-IV von D. Wechsler. Frankfurt a.M.: Pearson.
  • Putz-Osterloh, W. & Lüer, G. (1975). Informationsverarbeitung bei einem Test zur Erfassung der Raumvorstellung. Diagnostica, 21, 166-181.
  • Sturm, W. (2009). Aufgaben und Strategien neuropsychologischer Diagnostik. In W. Sturm, M. Herrmann & T. F. Münte (Hrsg.), Lehrbuch der Klinischen Neuropsychologie (2. Auflage, S. 317-328). Heidelberg: Spektrum.
  • Sturm, W. & Willmes, K. (1983). LPS-K - Eine LPS-Kurzform für hirngeschädigte Patienten mit Anleitung zur psychometrischen Einzelfalldiagnostik. Diagnostica, 29, 346-358.
  • Sturm, W., Willmes, K. & Horn, W. (1993). Leistungsprüfsystem für 50-90jährige (LPS 50+). Göttingen: Hogrefe.
  • Sturm, W., Willmes, K. & Horn, W. (2015). LPS 50+. Leistungsprüfsystem für 50- bis 90-Jährige (2., überarbeitete und neu normierte Auflage). Göttingen: Hogrefe.
  • Thurstone, L. L. (1947). SRA Primary Mental Abilities. Chicago: Science Research Associates.
 
 Johannes F. Gorges (31.08.2015)
 APA-Schlagworte/PSYNDEX Terms:

Classical Test Theory; Questionnaires; Pictorial Stimuli; Test Norms; Subtests; Intelligence Measures; Performance Tests; Gerontology; Orthography; Divergent Thinking; Reasoning; Spatial Ability

Klassische Testtheorie; Fragebögen; Bild-Stimuli; Testnormen; Untertests; Intelligenztests; Leistungstests; Gerontologie; Orthographie; Divergentes Denken; Schlussfolgerndes Denken; Räumliches Vorstellungsvermögen

 weitere Schlagworte:

1983 (LPS); 1993 (LPS 50+); 2010 (LPS-neu); 2013 (LPS-2); 2015 (LPS 50+; 2., überarbeitete und neu normierte Auflage); Kurzform; Parallelformen; ab 50 Jahre; bis 90 Jahre; Untertests: 1 + 2 Rechtschreibkenntnisse, Wortschatz, 3 Erkennen von Regeln (figural), 4 Logisches Denken, Regelerkennen (symbolisch), 5 Worteinfall, 6 Wortflüssigkeit (formallexikalisch), 6a Wortflüssigkeit (semantisch kategorial), 6b Wortflüssigkeit (semantischer Kategorien-Wechsel), 7 Räumliches Rotieren, 9 Räumliches Vorstellungsvermögen, 10 Form- und Gestalterfassung, 11 Formerfassung und Benennung, 12 Erkennen unvollständiger Wörter, 13 Arbeitssorgfalt, Auffassungstempo, 14 Wahrnehmungstempo; Normierungsjahr: 2009; Normstichprobe: 300
 Klassifikation:

Persönlichkeitstests; Klinische Psychodiagnostik; Kognitive Prozesse; Gerontologie
Mehrdimensionale Intelligenztests; Gerontologische Verfahren
2.2; 1.10
 Anwendungstyp: Individual Diagnosis
 Art der Publikation: Test; Test in Print (90; 911)
 Sprache: German
 Land: Germany
 Publikationsjahr: 2015
 Änderungsdatum: 201509
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