Navigation

Service-Menü

Hauptmenü



Bereichsmenü


Demenz

Eine neue Volkskrankheit

Demenz (aus dem Lateinischen: Dementia „ohne Geist/Unvernunft“) ist eine erworbene Störung mehrerer Funktionsbereiche, wobei Störungen im Bereich

  • Lernen und Gedächtnis,
  • Denken und
  • Sprache

am häufigsten sind. Beeinträchtigt werden vor allem Alltagsaktivitäten, aber auch Persönlichkeits- und Verhaltensstörungen, Depressionen und Angstzustände können hinzukommen. Der ICD-10-Schlüssel lautet je nach Krankheitsbild F00 bis F03.

Die Situation in Deutschland:

Die mit der zunehmenden Alterung der Gesellschaft einhergehende soziodemografische Entwicklung bringt neben verschiedenen weiteren Aspekten auch eine starke Zunahme dementieller Erkrankungen mit sich. Dementsprechend spielen Demenzen, insbesondere die Alzheimer-Demenz, eine zunehmend wichtige Rolle.

Derzeit leiden in Deutschland ca. 1,5 Millionen Menschen an einer Demenzerkrankung, wobei die Alzheimer-Demenz mit 60-80% die bei weitem häufigste dementielle Erkrankung ist. Der Leidensdruck für Patienten und Angehörige ist enorm. Grobe Schätzungen gehen von jährlichen Kosten für die Heimunterbringung Alzheimer-Erkrankter in Höhe von 10 Milliarden Euro aus. In der vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderten Studie "Gedächtnis im Alter: Früherkennung, natürlicher Verlauf und Versorgungsaufwand von Demenz in der hausärztlichen Versorgung (AgeCoDe)" wurden jährliche Kosten pro Patient von 15.000 Euro im Falle einer leichten und von bis zu 42.000 Euro bei einer schweren Demenz berechnet.

Demografische Entwicklung:

2005 lebten in Deutschland 3,7 Millionen 80-Jährige und ältere Menschen. 2020 werden es 6 Millionen sein, 2050 fast 10 Millionen. Legt man die gegenwärtige Lebenserwartung zu Grunde, so liegt die Wahrscheinlichkeit einer Demenzerkrankung für Männer bei etwa 33%, bei Frauen sogar bei 50%. Dieses geschlechtsspezifische Erkrankungsrisiko lässt sich durch das im Durchschnitt höhere Lebensalter von Frauen erklären. Bei der prognostizierten steigenden Lebenserwartung ist künftig sogar von einem noch höheren Erkrankungsrisiko auszugehen, so dass im Jahr 2050 3 Millionen Menschen an einer Demenz erkrankt sein könnten.

Problematik:

Die Demenzkrankheit ist nicht nur schockierend für den Betroffenen, sondern stellt auch eine enorm hohe Belastung für dessen Umfeld und Familie dar. Hausärzte übersehen bei 40-60% aller Patienten die Erkrankung. Allerdings ist die frühzeitige Diagnose der Alzheimer-Demenz die entscheidende Voraussetzung für eine erfolgreiche Therapie. Daneben spielen soziale Faktoren eine große Rolle: Wie der Welt-Alzheimer-Bericht von 201216 zu Tage förderte, verschleiern fast ein Viertel (24%) der befragten Demenzerkrankten Ihre Krankheit aus Angst vor Stigmatisierung, 40 Prozent fühlen sich ausgegrenzt und nehmen den Rückzug von Freunden sowie Familienangehörigen aktiv wahr. Dementsprechend sind Aufklärung, Information und Sensibilisierung der Bevölkerung Maßnahmen, um der Stigmatisierung und Ausgrenzung entgegen treten zu können.

Aktuelle Forschungsergebnisse – Neurorezeptor verbessert Gedächtnis:

Wissenschaftler der Universitäten Nürnberg und Düsseldorf konnten in einer 2013 publizierten Studie6 zeigen, dass der Neurokinin3-Rezeptor im Gehirn die Ausschüttung des Botenstoffs Acetylcholin aktiviert und sich dadurch die Gedächtnisleistung verbessert. Grundlage des Experiments war der Vergleich der Gedächtnisleistungen von Probanden und des Volumens einer für das Gedächtnis zentralen Hirnregion (Hippocampus). Dabei konnten verschiedene Genvarianten des Neurokinin3-Rezeptors zuverlässig den Hippocampusvolumina zugeordnet und so der Zusammenhang zwischen Rezeptor und Gedächtnisleistung erklärt werden. Langfristig könnte dieser Nachweis sowohl für die Demenzdiagnostik als auch zur Entwicklung medikamentöser Therapieformen hilfreich sein.

Nichtmedikamentöse Behandlung: Musiktherapie verbessert Wohlbefinden

In einer bisher unveröffentlichten Pilotstudie11 wurden die Auswirkungen einer musiktherapeutischen Behandlung auf neun Patienten mit fortgeschrittener Demenz untersucht. Die Patienten wurden häuslich gepflegt und litten unter stark eingeschränktem Sprachvermögen. Eine Musiktherapeutin besuchte die Erkrankten über einen Zeitraum von sechs Monaten wöchentlich. Unter Beachtung der musikalischen Biographie jedes Einzelnen wurden in jeder 30- bis 45-minütigen Sitzung sowohl aktive als auch rezeptive Therapieelemente berücksichtigt. Einen Schwerpunkt bildete dabei die Arbeit mit mitgebrachten Instrumenten, die dann idealerweise in einer gemeinsamen Improvisation mündete. Die Ergebnisse zeigten eine Verbesserung des Wohlbefindens, des emotionalen Ausdrucks und der nonverbalen Fähigkeiten. Die Forscher führen dies u.a. darauf zurück, dass die Musik möglicherweise als Ventil für Emotionen diene, welche verbal nicht mehr geäußert werden können. Fortschreitender kognitiver Verfall kann jedoch nicht durch die Musiktherapie aufgehalten werden. Weiterführende Informationen zu Musiktherapie und Demenz finden Sie auch in diesem in PSYNDEX nachgewiesenen Sammelband (Wosch, 2011).

Hinweise auf Zusammenhang zwischen Demenzrisiko und Schlafquantität bzw. -qualität

Wenngleich es bisher wenige Studien am Menschen gibt, so gibt es dennoch einige Anhaltspunkte für einen Zusammenhang zwischen der Schlafqualität und dem Risiko, an Demenz zu erkranken. So zeigte sich in einer 2014 veröffentlichten Studie12, dass Mikroinfarkte dreimal häufiger bei Personen mit einer geringen Sauerstoffsättigung des Gehirns zu beobachten waren. Weiterhin litten Personen mit wenigen Tiefschlafphasen doppelt so häufig unter einer generalisierten Hirnatrophie (Schwund von Hirngewebe). Dementsprechend scheint ein Zusammenhang zwischen Demenzerkrankungen und Mikroinfarkten bzw. Hirnatrophien zu existieren.

Weitere Studien an Mensch und Maus lassen vermuten, dass Schlafentzug das Risiko an Demenz zu erkranken erhöht. Allerdings weisen viele der entsprechenden Studien methodische Mängel auf, so dass an dieser Stelle weitere Forschung von Nöten ist.

Demenz bedeutet auch Schmerzvergessen

Die Verweigerung von Essen und/oder Trinken ist ein verbreitetes Phänomen bei Demenzkranken, wobei zugrundeliegende Schmerzen als mögliche Ursache diskutiert werden. Da die Betroffenen diese jedoch aufgrund ihrer kognitiven Einschränkungen oftmals nicht äußern können, besteht die Vermutung einer Unterversorgung mit Schmerzmitteln (Analgetika). So konnten Studien zeigen, dass Patienten ohne kognitive Einschränkungen dreimal häufiger Analgetika erhalten als Demenzpatienten (u.a. Clyne et al., 201114). Weiterhin kam eine in Berlin und Brandenburg durchgeführte Studie zu dem Ergebnis, dass 59% der untersuchten Demenzpatienten unter unentdeckten – somit auch unbehandelten – Schmerzen litten (Wulff et al., 201013).

Oftmals wird das Verhalten der Betroffenen fehlinterpretiert, sofern dieses von der Norm nicht-dementieller Patienten abweicht. Die Schmerzfeststellung bei Demenzkranken ist somit fast immer eine Fremdeinschätzung. Dennoch existieren in dem noch wenig erforschten Bereich einige Diagnoseinstrumente, z.B. der BISAD-Bogen und die BESD-Skala10.

Das ZPID bietet Ihnen eine Reihe von Angeboten, die Ihnen einen vertieften Umgang mit der Thematik ermöglichen.

PSYNDEX Lit & AV

In der Literaturdatenbank PSYNDEX finden Sie zu dem Thema Demenz mehr als 2300 Nachweise. Neben Veröffentlichungen zu empirischen Studien, Büchern zu unterschiedlichsten Aspekten der Demenz, Kongressbeiträgen und Artikeln in Fachzeitschriften sind unter anderem auch Beiträge über Therapieleitlinien zur Behandlung von Demenz dokumentiert. Exemplarisch sind einige wenige Nachweise hier aufgeführt:

  • - Förstl, H., Polidori, M.C., Pientka, L. et al. (2012). Themenschwerpunkt: Demenz (Mit 9 Einzelbeiträgen). Zeitschrift für Gerontologie und Geriatrie, 45(1), 5-54.Datensatz 0249598
  • - DGPPN: Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde, & DGN Deutsche Gesellschaft für Neurologie (Eds.). (2010). Diagnose- und Behandlungsleitlinie Demenz. Interdisziplinäre S 3 Praxisleitlinien. Berlin: Springer.Datensatz 0229203
  • - Gather, J., Vollmann, J., & Kruse, A. (2014). Die ärztlich assistierte Selbsttötung und advance care planning – Medizinethische Überlegungen zur Selbstbestimmung am Lebensende von Menschen mit Demenz. Psychiatrische Praxis, 41(7), 385-391.Datensatz 0284342
  • - Luck, T., Riedel-Heller, S.G., Luppa, M., Wiese, B., Bachmann, C., Jessen, F., ... Maier, W. (2014). A hierarchy of predictors for dementia-free survival in old-age. Results of the AgeCoDe study. Acta Psychiatrica Scandinavica, 129(1), 63-72.Datensatz 0274262
  • - Alheit, P., Page, K., & Smilde, R. (2015). Musik und Demenz. Das Modellprojekt " Music for Life " als innovativer Ansatz der Arbeit mit Demenzkranken. Giessen: Psychosozial-VerlagDatensatz 0288328

Was ist eigentlich PSYNDEX?

PSYNDEX ist eine Literaturdatenbank (keine Volltexte) der psychologischen Literatur2 und Testverfahren3, sowie der für die Psychologie relevanten audiovisuellen Medien4 und Interventionsprogramme5. Es werden die für das Fach Psychologie wichtigen Publikationen aus dem deutschen Sprachraum dokumentiert.

Durch sein breites Auswertungsspektrum und die hohe dokumentarische Qualität unterstützt PSYNDEX interdisziplinär fundierte Problemlösungen und evidenzbasierte Praxis in allen Bereichen des Gesundheitswesens.

PSYNDEX wird vom Leibniz-Zentrum für Psychologische Information und Dokumentation (ZPID) hergestellt. Das ZPID ist Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft5 und wird gemeinschaftlich gefördert vom Bundesministerium für Gesundheit und den Bundesländern.

PubPsych

Mit PubPsych können Sie selbständig nach weiteren Dokumenten rund um das Thema Demenz und Demenztests recherchieren.

Im psychologischen Thesaurus (in gedruckter Form als PSYNDEX Terms erhältlich) finden Sie zu dem Begriff Demenz Unterbegriffe und verwandte Begriffe, die Ihnen helfen Ihre Anfrage genauer zu spezifizieren.

Suchen Sie nur mit dem Begriff Demenz liefert der Begriff im Mai 2015 im Suchinterface PubPsych über 2300 Treffer.
Beschränken Sie sich auf den Thesaurusbegriff Demenz CT="Demenz" reduzieren Sie die Ergebnismenge deutlich. Die Thesaurusbegriffe ermöglichen es Ihnen ihre Suche weiter zu präzisieren, z.B. mit Einschränkungen auf 'senile Demenz' oder 'Alzheimersche Krankheit'.
PubPsych bietet Ihnen bei jeder Suche auch Limitierungen nach Publikationstyp, Jahrgang, Sprache etc. an.

PubPsych ist ein kostenloses Suchportal für Psychologie-Publikationen. Es bietet eine umfassende und ausgewogene Auswahl von Ressourcen von einer wachsenden Anzahl von internationalen Datenbanken mit europäischer Ausrichtung, angepasst an die Bedürfnisse von Psychologen.

PubPsych ist ein Gemeinschaftsprojekt des Leibniz-Zentrums für Psychologische Information und Dokumentation (ZPID), Institut de l'Information Scientifique et Technique (INIST-CNRS), Centro de Ciencias Humanas y Sociales (CCHS-CSIC), National Library of Norway (NB). Zusätzliche Datensegmente sind lizensiert von: U.S. National Library of Medicine (NLM), Education Resources Information Center (ERIC), Data Archiving and Networked Services (DANS).

PSYNDEX Tests

Das Datenbanksegment PSYNDEX Tests liefert die relevantesten Testverfahren, die unter anderem sowohl eine Feststellung der Krankheit im Frühstadium als auch des Schweregrades ermöglichen. Sie können diese Verfahren sehr einfach mit dem Suchbegriff 'Demenztests' finden (Suchsyntax SH=demenztests in PubPsych), da für diese Tests die neue Klassifikation 11.22.1 Demenztests eingeführt wurde.

a) Testverfahren zur Erfassung der kognitiven Leistung:

  • DemTect - Screening-Verfahren zur Unterstützung der Demenzdiagnostik
  • UT - Uhrentest (Clock Completion Test (CC); Clock Test; Uhren-Test)
  • TFDD - Test zur Früherkennung von Demenzen mit Depressionsabgrenzung (Demenzscreening)
  • und viele mehr ...

b) Testverfahren zur Erfassung des Demenzschweregrades:

  • MMST - MINI-MENTAL-STATUS-TEST - DEUTSCHE FASSUNG (Mini-Mental-State (MMS); Mini-Mental State Examination (MMSE))
  • Reisberg-Skalen (GDS, FAST, BCRS)
  • NOSGER II - Nurses' Observation Scale for Geriatric Patients
  • ...

c) Erfassung nicht-kognitiver Veränderungen:

  • CDR - Klinische Einschätzung des Schweregrades einer Demenz (Clinical Dementia Rating - deutsche Fassung; Washington University Clinical Dementia Rating)
  • Neuropsychiatrisches Inventar (NPI)
  • ...

PsychSpider

Mit PsychSpider, der Psychologie Suchmaschine des ZPID, können Sie im Datenbestand von PSYNDEX, PubMed/MEDLINE, E-Journals, ERIC, Hochschulschriftenservern und des Sondersammelgebietes Psychologie der Saarländischen Hochschulbibliothek zum Thema Demenz recherchieren.

Suchen in PSYNDEX, MEDLINE, E-Journals etc.

tooltip

tooltip

PsychLinker

Im PsychLinker finden Sie in der Rubrik "Demenzen" eine Fülle qualitativ hochwertiger Internet-Informationen zu verschiedenen Formen der Demenz.

Sie finden dort Informations- und Hilfsangebote für erkrankte Personen, ihr soziales Umfeld und für (professionelle) Betreuer ebenso wie Zugang zu Behandlungsleitlinien und weiteren Hinweisen zur Diagnostik und Therapie. Sie können kostenfrei online verfügbare wissenschaftliche Veröffentlichungen lesen und sich einen Überblick über nationale und internationale Forschungseinrichtungen und deren Schwerpunkte verschaffen. Ferner werden Sie auf Fortbildungen sowie auf Tagungen und Kongresse mit dem Schwerpunkt Demenzen hingewiesen.

Quellen:

URLs der Links auf dieser Seite:

  1. www.zpid.de/index.php?wahl=PSYNDEX&uwahl=Lit
  2. www.zpid.de/index.php?wahl=PSYNDEX&uwahl=AV
  3. www.zpid.de/index.php?wahl=PSYNDEX&uwahl=Interventionsprogramme
  4. www.zpid.de/index.php?wahl=PSYNDEX&uwahl=Tests
  5. http://www.leibniz-gemeinschaft.de/
  6. www.pnas.org/content/110/37/15097.long/
  7. https://www.deutsche-alzheimer.de/fileadmin/alz/pdf/factsheets/infoblatt1_haeufigkeit_demenzerkrankungen_dalzg.pdf
  8. https://www.deutsche-alzheimer.de/fileadmin/alz/pdf/empfehlungen/empfehlungen_fruehdiagnostik_demenz_dalzg.pdf
  9. http://www.bib-demografie.de/SharedDocs/Publikationen/DE/Broschueren/bevoelkerung_2013.pdf
  10. http://www.dgss.org/die-gesellschaft/arbeitskreise/schmerz-und-alter/downloads/
  11. http://www.muk.uni-frankfurt.de/47750439/209
  12. http://www.neurology.org/content/84/3/296
  13. http://bmjopen.bmj.com/content/1/1/e000355.full
  14. http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/20687036
  15. https://www.uke.de/kliniken-institute/institute/allgemeinmedizin/forschung/ged%C3%A4chtnis-im-alter-fr%C3%BCherkennung-nat%C3%BCrlicher-verlauf-und-versorgungsaufwand-von-demenz-in-der-haus%C3%A4rztlichen-versorgung-(agec.html


weiterführende Informationen

Weitere Informationen

Das Projekt Demenz anders sehen der Hochschule Magdeburg-Stendal und dem Berliner Forschungsinstitut Delphi-Gesellschaft unterstützt Angehörige bei der Bewältigung der Erkrankung.

Das ZPID verfügt mit seinen vielfältigen Produkten, über Möglichkeiten, sowohl in den Bereichen der Diagnostik und Therapie als auch den Umgang der Angehörigen mit der Krankheit Demenz, zu informieren.

Haben Sie Fragen oder Anregung zum Thema Demenz? Schreiben Sie uns.

Folgen Sie uns auf Twitter

Kontakt und Funktionen

URL der Seite: https://www.zpid.de/psychologie/demenz.php