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FAMILIEN-BEZIEHUNGS-TEST

 PSYNDEX Tests-Dokument: 9000844
 

F.B.T. - FAMILIEN-BEZIEHUNGS-TEST (PSYNDEX Tests Review)

 

Family Relations Indicators - German version/author
Synonym(e): FBT

 Howells, J.G. & Lickorish, J.R.
 (1982). Familien-Beziehungs-Test (F.B.T.) (3. Auflage). München: Reinhardt.

Bibliotheksstandort: Testsammlung Psychologie Saarländische Universitäts- und Landesbibliothek: 74-4970; PT 219 (3. Auflage 1982); PT 268 (4. Auflage 1989); PT 369 (5. Auflage 1994)

 Bezugsquelle: Ernst Reinhardt Verlag GmbH & Co KG, Kemnatenstraße 46, D-80639 München ; E-Mail: info@reinhardt-verlag.de ; URL: http://www.reinhardt-verlag.de/ ; Stand: 17.4.2018.
Anmerkung: 1994 erschien eine 5. Auflage. Seit 2010 liegt eine 7. Auflage vor.
 WWW-Informationen:
 

Testkonzept

 

Theoretischer Hintergrund

Als theoretische Basis des Familien-Beziehungs-Tests werden drei Prinzipien angegeben (Howells & Lickorish, 1982, S. 3):
(1) Bei der Vorlage genuegend unstrukturierten Materials wird jede Versuchsperson seine eigene Interpretation abgeben, da sich seine Vorstellungswelt bzw. seine Gefuehle, Haltungen und Beziehungsformen mit der Vorlage verbinden.
(2) Die Wahrnehmung der unstrukturierten Bilder wird durch fruehere Erfahrungen bestimmt.
(3) Eine Versuchsperson wird in entspannter Atmosphaere den auf den Bildern abgebildeten Figuren eigene entsprechende Gefuehle, Handlungen, Einstellungen etc. zuschreiben.

Die Verlagerung des klinischen Interesses vom Individuum auf die Familie machte es nach Ansicht der Autoren notwendig, den interpersonalen Aspekten des Familienlebens mehr Aufmerksamkeit zu widmen. Die Familie wird als funktionale Einheit und als Grundlage einer auftretenden Stoerung betrachtet.
 

Testaufbau

Der Familien-Beziehungs-Test setzt sich aus 40 Bildern auf 24 Karten zusammen. Davon sind 16 Bilder fuer Familien mit nur Jungen bestimmt, 16 Bilder fuer Familien mit nur Maedchen, 8 Bilder fuer Familien mit Jungen und/oder Maedchen. Familien mit nur Jungen oder nur Maedchen werden somit 24 Bilder vorgelegt, bei Familien mit sowohl Jungen als auch Maedchen soll der gesamte Satz von 40 Bildern Verwendung finden. Die Bilder werden den Kindern und den Eltern jeder Familie gezeigt. Sie sind aufgeteilt auf vier parallele Serien mit je 10 Bildern.

Bei der Auswertung werden die Antworten in ihre syntaktischen Einheiten (einfache Saetze, Nebensaetze, Ausrufe und Redensarten) unterteilt, die als Informationseinheiten betrachtet werden. Diese Informationseinheiten sind in vier Kategorien aufzuschluesseln:
(1) Beschreibung des Bildes ("Da ist ein Kuchen auf dem Tisch"),
(2) verbale und physische Interaktionen als gerichtete Aktivitaeten ("Mutter gibt dem Jungen eine Ohrfeige"),
(3) Persoenlichkeitsmerkmale, Haltungen, Gefuehle, Charakterzuege ("Mutter sieht gluecklich aus"),
(4) Verschiedenes als Restkategorie: Originalausdruecke, Ausrufe und Einwuerfe ("und oeh").
Die Angaben der Kategorien (2) und (3) werden in ein Beziehungsrater eingetragen (Matrix aus den Personen mit den Aktivitaeten in den Zellen), aus dem sich die Eigenarten der Beziehungen und die Charakterzuege ablesen lassen.
 

Auswertungshilfen

Am Ende des Manuals sind heraustrennbare Auswertungsblaetter enthalten, die auch separat bezogen werden koennen. Mittels einer schriftlichen Gespraechsprotokollierung oder einer Tonbandabschrift liegt das Gespraech zur Auswertung schriftlich vor. Im Manual wird eine Beispielauswertung aufgefuehrt. Hilfen zur Interpretation werden nicht gegeben.
 

Auswertungszeit

Die Auswertung ist zeitaufwendig: Gegebenenfalls muss eine Tonbandabschrift erstellt werden, alle "gerichteten Aktivitaeten" eines Familienmitglieds zu einem anderen muessen erfasst und in einem Beziehungsraster (= den Auswertungsboegen) notiert bzw. in "Merkmalsverzeichnissen" aufgefuehrt werden.
 

Itembeispiele

Bild E1: Ein Mann und eine Frau stehen sich in der Bildmitte gegenueber, im Hintergrund, rechts hinter dem Vater, stehen ein ca. 10jaehriger Junge und ein etwa gleichaltriges Maedchen;
Bild Va1/J.: Ein Junge hantiert am gedeckten Tisch, ein Mann (der Vater) kommt durch die Tuer herein;
Bild Va1/M.: dasselbe Bild mit einem Maedchen statt des Jungen.
Bild Mu1/J.: Eine Frau mit einem Korb in der Hand geht auf einem Gehweg an einem Bretterzaun entlang, in einiger Entfernung hinter ihr geht ein Junge. Im Hintergrund sind Teile eines Hauses und eines Baumes sichtbar.
Bild JBy1: Ein Junge steht an einem Gitterbett, in dem sich ein Baby befindet. Ein Teddybaer liegt davor auf dem Boden. Im linken Hintergrund finden sich Umrisse eines Fensters.
 

Durchführung

 

Testformen

Das Verfahren kann nur im Einzeltest durchgefuehrt werden. Die deutsche Version entspricht weitgehend der englischen Originalfassung.
 

Altersbereiche

Der Familien-Beziehungs-Test kann mit Kindern zwischen 7 und 12 Jahren und Erwachsenen (Eltern) durchgefuehrt werden.
 

Durchführungszeit

Bei Familien mit Jungen und Maedchen wird den Eltern der ganze Bildersatz vorgelegt, was zweimal etwa eine halbe Stunde in Anspruch nimmt; den Kindern werden nur jeweils die geschlechtsspezifischen Bilder vorgelegt.
 

Material

In der Mappe finden sich 24 Karten, wobei auf den geschlechtsspezifischen Bildern Vorder- und Rueckseite mit einem Jungen bzw. einem Maedchen bedruckt sind. Insgesamt handelt es sich um 40 Bilder mit fortlaufender Numerierung und Seriennummer, die vom Verlag mit dem Manual bezogen werden koennen. Ausserdem wird ein Tonbandgeraet benoetigt, um das Gespraech aufzeichnen und spaeter transkribieren zu koennen.
 

Instruktion

Eine unverbindliche Beispielinstruktion fuer Kinder ist im Manual vorgegeben (Howells & Lickorish, 1982, S. 5).
 

Durchführungsvoraussetzungen

Die Bilder sollen dem Kind erst dann vorgelegt werden, wenn zwischen Versuchsleiter und Kind intensiver Rapport hergestellt wurde, also nicht bereits im ersten Gespraechskontakt. Der Versuchsleiter muss faehig sein, eine entspannte Atmosphaere herzustellen und das Kind bzw. die Eltern zu Antworten anzuregen. Er sollte ueber familientherapeutische Erfahrungen verfuegen. Falls kein Aufzeichnungsgeraet vorhanden ist, sollte der Versuchsleiter moeglichst mitschreiben bzw. -stenografieren.
 

Testkonstruktion

Der F.B.T. stellt ein projektives Verfahren dar und konfrontiert den Probanden aehnlich wie der Thematische Apperzeptionstest von Murray (1943) mit unstrukturiertem Bildmaterial. Das Verfahren wurde 1963 in England als Family Relations Indicator veroeffentlicht (Howells & Lickorish, 1963).

Folgende Kriterien spielten fuer die Auswahl des Bildmaterials eine Rolle (Howells & Lickorish, 1982, S. 4):
- Auf dem Bild sollte nur ein Minimum an emotionalem Ausdruck in Haltung, Gesten und Mimik dargestellt werden.
- Es sollte keine Beschraenkung auf eine bestimmte soziale Klasse sichtbar werden.
- Die Kinder sollten zwischen 7 und 12 Jahre alt erscheinen mit einem entsprechenden Alter fuer die Eltern.
- Ein Minimum an Details sollte den Ort der Handlung charakterisieren.
- Die Kinder sollten entsprechende Szenen aus eigener Erfahrung kennen.

In die Konstruktion des Verfahrens floss nach Angaben der Autoren eine sechsjaehrige klinische Erfahrung ein, "bis die Bildserie schliesslich als zufriedenstellend befunden wurde" (Howells & Lickorish, 1982, S. 4). Die deutsche Uebersetzung erfolgte durch K. Kluewer auf der Grundlage der englischen Ausgabe von 1967. Unklar bleibt allerdings, ob die angegebenen Revisionspunkte (z.B. Neugestaltung der Bildvorlagen; Howells & Lickorish, 1982, S. 3) sich auf die englische Fassung oder die deutsche Uebersetzung beziehen bzw. auf welche Auflage.
 

Gütekriterien

 

Objektivität

Wie alle projektiven Verfahren hat der Familien-Beziehungs-Test Schwierigkeiten, eine objektive Durchfuehrung und Auswertung zu garantieren. Sowohl der Verlauf des Gespraechs wie auch die Auswertung werden wesentlich durch die Person des Interviewers bzw. Auswerters bestimmt. Angaben ueber Auswerteruebereinstimmungen fehlen.
 

Reliabilität

Keine Angaben. Gerade bei einem projektiven Test waeren naehere Angaben zur Reliabilitaet wuenschenswert.
 

Validität

Das Verfahren besitzt inhaltlich-logische Gueltigkeit.

Die von Howells und Lickorish (1982) beschriebene Validierung wurde an einer Stichprobe von Familien in Familienpsychotherapie durchgefuehrt. Sie umfasste 7 Vaeter und 8 Muetter im Alter zwischen 35 und 50 Jahren sowie 4 Jungen und 5 Maedchen zwischen 7 und 16 Jahren. Den Versuchspersonen wurden die Bilder vorgelegt und die Antworten gemaess dem Auswertungsschema analysiert. Validitaetskriterium waren die Einschaetzungen und Beurteilungen des Psychotherapeuten der Familie, der sie schon laengere Zeit kannte. Der Psychotherapeut sollte die im F.B.T. sichtbaren gerichteten Aktivitaeten den "tatsaechlichen Auffassungen" der betreffenden Personen gegenueberstellen und die F.B.T.-Aussagen als zutreffend ("richtig") oder unzutreffend ("falsch") charakterisieren. In einem Chi-Quadrat-Test zeigte sich ein signifikantes Ueberwiegen der "richtigen" (d.h. von Psychotherapeuten als zutreffend bezeichneten) F.B.T.-Aussagen der Familienmitglieder (siehe Tabelle 1). Weiterhin wurde ein Sammelverzeichnis der gerichteten Aktivitaeten (Interaktionen) erstellt, das nach Howells und Lickorish (1982, S. 15) ebenfalls auf die Gueltigkeit des Verfahrens hinweisen soll.

Tabelle 1
Signifikante Differenzen zwischen den "richtigen" und "falschen" Aussagen der Familienmitglieder auf den F.B.T. (Howells & Lickorish, 1982, S. 15)
 --------------------------------------- 
Gruppe: Vaeter Muetter Jungen Maedchen
n 7 8 4 5
+ 65 102 39 45
- 45 47 18 20
chi2 3.6 20 7.4 9.6
d.f. 1 1 1 1
p .1 .001 .01 .01
---------------------------------------
Anmerkungen. n = Groesse der Versuchsgruppe, p = Signifikanzniveau, + = Anzahl "richtiger" Merkmale, - = Anzahl "falscher" Merkmale, d.f. = Freiheitsgrade.
 

Normierung

Keine Angaben.
 

Anwendungsmöglichkeiten

Der Familien-Beziehungs-Test soll vor allem als Instrument in der Familientherapie Verwendung finden, indem er "charakteristische Zuege" der Familien und Beziehungsformen zwischen den Familienmitgliedern aufdeckt (Howells & Lickorish, 1982, S. 1). Auch ohne die genaue Auswertung, wie die Autoren sie ausfuehren, kann der F.B.T. fuer die Strukturierung von Gespraechen mit Eltern oder Kindern verwendet werden, indem die Karten als Stimuli fuer das Interview dienen.
Vereinzelt hat das Verfahren im deutschen Sprachraum auch als Forschungsinstrument Anwendung gefunden, so fuer die Untersuchung von Muettern autistischer und normaler Kinder (Weissensteiner, 1987), fuer familiendynamische Untersuchungen zum Asthma bronchiale und zur Colitis ulcerosa (Guenther, 1985) oder bei der Suche nach den Ursachen gestoerten Leistungsverhaltens in der Schule (Jansen, 1983).
 

Bewertung

Wie bei vielen projektiven Verfahren besteht das Handicap des Familien-Beziehungs-Tests in methodischen Maengeln. Objektivitaet und Reliabilitaet wurden ueberhaupt nicht ueberprueft, die Untersuchung zur Validitaet wurde an einer zu kleinen, nicht repraesentativen Stichprobe mit einem zweifelhaften Validitaetskriterium durchgefuehrt, naemlich einem Psychotherapeuten, der die "wahre Familiensituation" aus seiner therapeutischen Erfahrung kennt, mit statistischen Verfahren, ueber deren Angemessenheit ebenfalls Zweifel angebracht werden koennen. Von den Autoren werden auch keine Hinweise dazu gegeben, wie die Befunde interpretiert werden koennten bzw. weiterzubehandeln sind. Das Manual gibt auf insgesamt 16 Seiten eher duerftige Informationen.

Der Familien-Beziehungs-Test stellt eher ein Hilfsmittel zur Exploration als einen Test dar. Mittels seiner Durchfuehrung kann bestenfalls ein engerer Kontakt zu den Familienmitgliedern gefunden werden oder er kann als Anknuepfungspunkt fuer Diskussionen mit Kindern und Eltern dienen.
 

Literatur

  • Guenther, C. (1985). Vorstellungen der Indexpatienten und ihrer Geschwister uebr ihre Familien. Vergleich der Familien anhand einiger Ergebnisse aus zwei projektiven Kinder-Test-Verfahren. In G. Overbeck (Hrsg.), Familiendynamische Untersuchungen zum Asthma bronchiale und zur Colitis ulcerosa (S. 242-276). Goettingen: Vandenhoeck & Ruprecht.
  • Hank, G., Hahlweg, K, & Klann, N. (1990). Diagnostische Verfahren fuer Berater. Materialien zur Diagnostik und Therapie in Ehe-, Familien- und Lebensberatung (Kurzdarstellung S. 203-204). Weinheim: Beltz.
  • Hiltmann, H. (1977). Kompendium der psychodiagnostischen Tests (3. neubearbeitete Auflage) (Kurzdarstellung S. 240-242). Bern: Huber.
  • Howells, J.G. & Lickorish, J.R. (1963). The Family Relations Indicator. A projective technique for investigating intra-family relationships. British Journal of educational Psychology, 33, 286-296.
  • Howells, J.G. & Lickorish, J.R. (1967). Family Relations Indicator (rev. ed.). London: Oliver & Boyd.
  • Howells, J.G. & Lickorish, J.R. (1982). Familien-Beziehungs-Test (F.B.T.) (3. Auflage). Muenchen: Reinhardt.
  • Jansen, F. (1983). Verhaltenstherapie bei Schulschwierigkeiten. Ein Fallbericht. Partnerberatung, 20, 80-86.
  • Murray, H.A. (1943). Thematic Apperception Test. Cambridge, Mass.: Harvard University Press.
  • Selg, H. (1968). J.G. Howells und J.R. Lickorish: Familiy Relations Indicator. Diagnostica, 14, 51-52.
  • Weissensteiner, G. (1987). Belastende Faktoren in der Fruehsozialisation autistischer Kinder. Unveroeffentlichte Dissertation, Universitaet Wien, Grund- und integrativwissenschaftliche Fakultaet.
 

Wichtige neuere Publikationen

  • Howells, J.G. & Lickorish, J.R. (2003). Familien-Beziehungs-Test FBT (6. Auflage). München: Reinhardt. [ISBN 3-497-01657-8, Preis 29,90 Euro]
  • Howells, J.G. & Lickorish, J.R. (2010). Familien-Beziehungs-Test. FBT (7. Auflage) [Beilage: 24 Testkarten]. München: Reinhardt.
 

Rezensionen

  • Bödiker, M. (1973). Howells, J.G. & Lickorish, L.R.: Familien-Beziehungs-Test. Psychologie in Erziehung und Unterricht, 20, S. 142.
  • Selg, H. (1968). J.G. Howells and J.R. Lickorish: Family Relations Indicator. Diagnostica, 14, 51-52.
 
 Manfred Eberwein (02.03.1993)
 APA-Schlagworte/PSYNDEX Terms:

Projective Techniques; Pictorial Stimuli; Interviews; Parents; Family; Clinical Psychology; Family Relations; Parent Child Relations; Parent Child Communication; Child Guidance Clinics

Projektive Tests; Bild-Stimuli; Interviews; Eltern; Familie; Klinische Psychologie; Familienbeziehungen; Eltern-Kind-Beziehungen; Eltern-Kind-Kommunikation; Erziehungsberatungsstellen

 weitere Schlagworte:

1963; 1982; 1994 (5. Auflage); 2003 (6. Auflage); 2010 (7. Auflage); Interaktionsanalyse; ab 7 Jahre; bis 12 Jahre
 Klassifikation:

Klinische Psychodiagnostik; Gruppen-, Familien- und Partnertherapie; Ehe und Familie; Soziale Wahrnehmung und soziale Kognition
Projektive Verbal-thematische Verfahren; Diagnostische Verfahren in der Ehe-, Partner- und Familientherapie
10.3; 11.23
 Anwendungstyp: Clinical Diagnosis
 Art der Publikation: Test; Test in Print (90; 911)
 Sprache: German
 Übersetzungen: English
 Land: United Kingdom
 Publikationsjahr: 1982
 Änderungsdatum: 201203
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