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Ungewissheitstoleranzskala (PSYNDEX Tests Abstract)

 PSYNDEX Tests-Dokument: 9003844
 

UGTS - Ungewissheitstoleranzskala (PSYNDEX Tests Abstract)

 

Uncertainty Tolerance Scale (UTS)/author

 Dalbert, C.
 (1999). Die Ungewißheitstoleranzskala: Skaleneigenschaften und Validierungsbefunde (Hallesche Berichte zur Pädagogischen Psychologie Nr. 1, 1999). Halle (Saale): Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg.

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 Bezugsquelle: Das Verfahren ist im "Elektronischen Testarchiv" des ZPID enthalten und steht unter der "Creative Commons Namensnennung-NichtKommerziell-KeineBearbeitung 3.0 Unported (CC BY-NC-ND 3.0)"-Lizenz (http://creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/3.0/deed.de); es kann für nichtkommerzielle Forschungs- und Unterrichtszwecke kostenlos eingesetzt werden. ; URL: https://www.zpid.de/index.php?wahl=products&uwahl=frei&uuwahl=userlog ; Stand: 1.5.2016.
 Adresse(n): o Prof. Dr. Claudia Dalbert bei PsychAuthors: https://www.zpid.de/psychauthors/index.php?wahl=forschung&uwahl=psychauthors&uuwahl=p00384CD
 WWW-Informationen:
 

Abstract

Diagnostische Zielsetzung:
Bei dem Instrument handelt es sich um ein Selbstbeurteilungsverfahren mit 8 Items zur Erfassung der Bewertung ungewisser Situationen (z.B. eine ungewisse Zukunft oder eine schwer lösbare Aufgabe). Die UGTS erlaubt so die bereichsübergreifende Differenzierung von Personen anhand ihrer Ungewissheitstoleranz.
Bezug zur Psychotherapie: Die UGTS erlaubt Prognosen über das Belastungserleben und das Bewältigungsverhalten und trägt zu Entscheidungen über das Interventionsverfahren (selektive Indikation) bei: Ungewissheitsintolerante Personen richten ihre Meinungsbildung in Belastungssituationen eher an Expertenmeinungen aus als ungewissheitstolerante Personen. Sie werden daher eher von strukturierten Interventionsformen profitieren. Stark reflexionsorientierte Verfahren überfordern ihre Informationsverarbeitungskapazität. Zur Therapieprozessdiagnostik, Veränderungsmessung oder Therapieevaluation ist die UGTS hingegen nicht geeignet, da sie eine relativ stabile Persondisposition erfasst.


Aufbau:
Die UGTS umfasst 8 Items, von denen drei Ungewissheitsintoleranz beschreiben und vor der Skalenbildung umcodiert werden müssen. Jedes Item ist auf einer sechsstufigen Antwortskala mit Abstufungen von "stimmt genau" bis "stimmt überhaupt nicht" zu beurteilen.


Grundlagen und Konstruktion:
Die Forschung zur Ambiguitäts- oder Ungewissheitstoleranz geht auf Frenkel-Brunswik (1949) zurück, die beobachtete, dass sich Menschen im Umgang mit ambiguitären Situationen systematisch unterscheiden. Nicht zuletzt der Mangel an ökonomischen und homogenen Skalen hatte zu einer Vernachlässigung dieses Forschungsbereiches beigetragen. In der letzten Dekade erfuhr dieser Konstruktbereich jedoch - vor allem in der nordamerikanischen sozialpsychologischen Forschung - eine Renaissance. Die unter verschiedenen Konstruktnamen oder bezüglich verschiedener Teilaspekte der Ungewissheitstoleranz (vgl. z.B. Cacioppo, Petty, Feinstein & Jarvis, 1996; Sorrentino & Hewitt, 1984; Thompson, Naccarato & Parker, 1989; Webster & Kruglanski, 1994) durchgeführten Untersuchungen belegen klar, dass ungewissheitstolerante Personen eher ungewisse Situationen aufsuchen und anders, zumeist erfolgreicher mit diesen umgehen als ungewissheitsintolerante Personen, die ungewisse Situationen zu meiden oder zu verlassen suchen und meist weniger gut im Umgang mit solchen Situationen abschneiden.
Mangels homogener, ökonomischer, bereichsübergreifender Skalen zur Messung der Ungewissheitstoleranz wurde zu Beginn der 90er Jahre aus einem größeren Itempool die vorliegende 8-Item-Skala entwickelt. Die einfaktorielle Struktur und Homogenität der Skala konnte transkulturell (alte und neue Bundesländer, Spanien, USA) belegt werden (Dalbert, 1996). Die UGTS wurde bisher vor allem in klinischen und pädagogisch-psychologischen Studien angewendet.


Empirische Prüfung und Gütekriterien:
Zwischenzeitlich wurde die UGTS in zahlreichen Studien an etwa 1800 Deutschen eingesetzt.
Reliabilität: Für die UGTS konnten befriedigende Homogenitätskoeffizienten erzielt werden. In der Konstruktionsstichprobe (n = 200) betrug die interne Konsistenz (Cronbachs Alpha) .72 und in der heterogenen Gesamtstichprobe (N = 1793) betrug die interne Konsistenz .66, was in Anbetracht der Kürze der Skala als befriedigend betrachtet werden darf (Dalbert, 1999).
Stabilität: Die UGTS erwies sich bei Rückenschulpatienten für einen Zeitraum von 6 Monaten (r = .72), bei Patienten einer orthopädischen Klinik über einen Zeitraum von 3 Wochen (r = .75) als stabil (Dalbert, 1999) und auch bei GymnasialschülerInnen (n = 217; 9. bis 12. Klasse) für einen Zeitraum von 6 bis 8 Monaten (r = .71; Stöber, 2002).
Validität: (Faktorielle Validität:) In der Konstruktionsstichprobe führte ein Einfaktormodell (geschätzt mit Lisrel 7; Jöreskog & Sörbom, 1988) zu einer sehr guten Reproduktion der empirischen Varianz-Kovarianz-Matrix (Chi-Quadrat/227 = 39.21; p = .06; GFI = .95). Die manifesten Trennschärfen variierten zwischen rit = .32 und rit = .50. In der Gesamtstichprobe variierten sie zwischen rit = .22 und rit = .42.
(Differentielle Validität:) Mehrere Studien belegen, dass die UGTS bei verschiedenen Vorhersagen nicht durch eine Autoritarismusskala ersetzt werden konnte (Dalbert, 1992, 1996). Darüber hinaus belegen Huber et al. (1995), dass Intelligenz und manifeste Angst (auch Ebersbach, 2000) mit der UGTS unkorreliert waren. Die Tendenz zu sozial erwünschtem Antwortverhalten und die UGTS waren ebenfalls unkorreliert (Dalbert, 1996, 1999).
(Konstruktvalidität:) Subjektives Wohlbefinden: Unter Belastung wiesen ungewissheitstolerante Personen ein besseres aktuelles Wohlbefinden auf als ungewissheitsintolerante (Dalbert, 1999; Dalbert & Warndorf, 1995; Friedel, 2000). Über Situationen aggregiert korrelierte die UGTS positiv mit dem habituellen Wohlbefinden (Dalbert, 1992, 1996).
Bewältigung kritischer Lebensereignisse: Hohe Werte auf der UGTS gingen mit einer hohen Wahrscheinlichkeit positiver Umdeutungen (Dalbert, 1996, 1999) und einer geringen Wahrscheinlichkeit vermeidender Bewältigungsreaktionen (Friedel, 2000) einher.
Informationsverarbeitung unter Belastung: Ungewissheitsintolerante Personen wiesen in ihren Problemeinschätzungen eine höhere Übereinstimmung mit den behandelnden TherapeutInnen auf als ungewissheitstolerante Personen (Dalbert & Warndorf, 1995).
Aufsuchen und Vermeiden neuer Informationen: Hohe Werte auf der UGTS gingen eher mit dem Aufsuchen von neuen Informationen einher (hier: der beschwerdefreie Besuch einer Rückenschule; Dalbert, 1999). Geringe Werte gingen eher mit der Beendigung einer ungewissen Situation einher (hier: die Beendigung der Ungewissheit, schwanger zu sein, mittels ärztlicher Feststellung einer Schwangerschaft; Dalbert, 1999).
Normen: Für die UGTS liegen keine Normen vor. Männer und jüngere Personen erwiesen sich als ungewissheitstoleranter als Frauen und ältere Personen (Vergleichswerte siehe Dalbert, 1999). Zwischen belasteten und unbelasteten Personen traten keine systematischen Unterschiede in der UGTS auf.

 

Altersbereiche

Die UGTS ist ein Erhebungsinstrument für das Jugendalter und den Erwachsenenbereich. Leicht gekürzte Fassungen konnten erfolgreich bei Kindern ab 9 Jahren eingesetzt werden (Ebersbach, 2000; Goch, 1998; Schmidt, 1997).
 

Durchführungszeit

Die UGTS ist in 5 Minuten zu bearbeiten.
 

Literatur

  • Cacioppo, J.T., Petty, R.E., Feinstein, J.A. & Jarvis, W.B.G. (1996). Dispositional differences in cognition motivation; the life and times of individual varying in need for cognition. Psychological Bulletin, 119, 197-253.
  • Dalbert, C. (1992). Der Glaube an die gerechte Welt: Differenzierung und Validierung eines Konstrukts. Zeitschrift für Sozialpsychologie, 23, 268-276.
  • Dalbert, C. (1996). Ungewißheitstoleranz und der Umgang mit Ungerechtigkeit. In C. Dalbert, Über den Umgang mit Ungerechtigkeit. Eine psychologische Analyse (S. 189-230). Bern: Huber.
  • Dalbert, C. (1999). Die Ungewißheitstoleranzskala: Skaleneigenschaften und Validierungsbefunde (Hallesche Berichte zur Pädagogischen Psychologie Nr. 1, 1999). Halle (Saale): Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg.
  • Dalbert, C. & Warndorf, P.K. (1995). Informationsverarbeitung und depressive Symptome bei Müttern behinderter Kinder: Die Bedeutung von Ungewißheitstoleranz, Selbstzuschreibungen und Heilungsprognosen. Zeitschrift für Klinische Psychologie, 24 (4), 328-336.
  • Ebersbach, M. (2000). Entwicklung eines Fragebogens zur Ungewissheitstoleranz bei Grundschulkindern. Unveröffentlichte Diplomarbeit, Martin-Luther-Universität Halle, Institut für Psychologie.
  • Frenkel-Brunswik, E. (1949). Intolerance of ambiguity as an emotional and perceptual personality variable. Journal of Personality, 18, 108-143.
  • Friedel, A. (2000). Belastung und Bewältigung bei Grundschullehrerinnen - Ergebnisse einer quantitativen Studie. Unveröffentlichte Diplomarbeit, Martin-Luther-Universität Halle, Institut für Psychologie.
  • Goch, I. (1998). Entwicklung der Ungewißheitstoleranz. Die Bedeutung der familialen Sozialisation. Regensburg: Roderer.
  • Huber, G.L., Scholz, G., Kahlert, M., Schmidt, M., Standke, C. & Stauche, H. (1995). Entscheidungsprozesse von Schülern in Lernsituationen. Unveröffentlichter Abschlußbericht für die Deutsche Forschungsgemeinschaft.
  • Jöreskog, K.G. & Sörbom, D. (1988). Lisrel 7 - A guide to the program and applications. Chicago: SPSS Inc.
  • Schmidt, M. (1997). Ungewißheitsorientierung und Entscheidungsverhalten in Lernprozessen. Tübingen: Medien Verlag Köhler.
  • Sorrentino, R.M. & Hewitt, E.C. (1984). The uncertainty-reducing properties of achievement tasks revisited. Journal of Personality and Social Psychology, 47, 884-899.
  • Stöber, J. (2002). Skalendokumentation "Persönliche Ziele von SchülerInnen" (Hallesche Berichte zur Pädagogischen Psychologie, Nr. 3). Halle: Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, Arbeitsbereich Pädagogische Psychologie, Institut für Pädagogik.
  • Thompson, M.M., Naccarato, M.E. & Parker, K.E. (1989). Assessing cognitive need: The development of the Personal Need for Structure and Personal Fear of Invalidity Scales. Paper presented at the annual meeting of the Canadian Psychological Association, Halifax, Nova Scotia, Canada. (zitiert nach Neuberg, S.L., Judice, T.N. & West, S.G. (1997). What the Need for Closure Scale measures and what it does not: Toward differentiating among related epistemic motives. Journal of Personality and Social Psychology, 72, 1396-1412).
  • Webster, D.M. & Kruglanski, A.W. (1994). Individual differences in need for cognitive closure. Journal of Personality and Social Psychology, 67, 1049-1062.
 

Wichtige neuere Publikationen

  • Dalbert, C. (2002). UGTS. Ungewissheitstoleranzskala. In E. Brähler, J. Schumacher & B. Strauß (Hrsg.), Diagnostische Verfahren in der Psychotherapie (S. 374-377). Göttingen: Hogrefe.
  • Dalbert, C. (2003). Ungewissheitstoleranzskala (UGTS). In J. Hoyer & J. Margraf (Hrsg.), Angstdiagnostik. Grundlagen und Testverfahren (S. 172-175). Berlin: Springer.
  • Dalbert, C., Kulla, C. & Samer, E. (2002). Individuelle Unterschiede im Aufsuchen gesundheitsrelevanter Informationen. Der Einfluss der Ungewissheitstoleranz. Report Psychologie, 27 (4), 246-251.
 
 Autorenbeschreibung: Claudia Dalbert (09.04.2002)
 APA-Schlagworte/PSYNDEX Terms:

Classical Test Theory; Questionnaires; Test Norms; Personality Measures; Clinical Psychology; Tolerance for Ambiguity; Uncertainty; Justice; Cognitive Processes; Stress; Emotional States

Klassische Testtheorie; Fragebögen; Testnormen; Persönlichkeitstests; Klinische Psychologie; Ambiguitätstoleranz; Ungewissheit; Gerechtigkeit; Kognitive Prozesse; Stress; Emotionale Zustände

 weitere Schlagworte:

1996; Open Access; ab 9 Jahren; 8 Items; Normierungsjahr: keine Angaben
 Klassifikation:

Persönlichkeitstests; Persönlichkeitseigenschaften und Persönlichkeitsprozesse; Psychoanalytische Therapie
Sonstige Persönlichkeitsverfahren
9.99
 Anwendungstyp: Research (Tests)
 Art der Publikation: Test; Electronic Resources (90; 94)
 Sprache: German
 Land: Germany
 Publikationsjahr: 1999
 Änderungsdatum: 201411
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