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Essener Fragebogen zur Krankheitsverarbeitung (PSYNDEX Tests Abstract)

 PSYNDEX Tests-Dokument: 9004126
 

EFK - Essener Fragebogen zur Krankheitsverarbeitung (PSYNDEX Tests Abstract)

 

Essen Coping Questionnaire/author

 Franke, G.H., Mähner, N., Reimer, N., Spangemacher, B. & Esser, J.
 (2000). Erste Überprüfung des Essener Fragebogens zur Krankheitsverarbeitung (EFK) an sehbeeinträchtigten Patienten. Zeitschrift für Differentielle und Diagnostische Psychologie, 21 (2), 166-172.

Online im Internet: https://www.zpid.de/index.php?wahl=products&uwahl=frei&uuwahl=testarchiveintro

 Bezugsquelle: Das Verfahren ist im "Elektronischen Testarchiv" des ZPID enthalten und steht unter der "Creative Commons Namensnennung-NichtKommerziell-KeineBearbeitung 3.0 Unported (CC BY-NC-ND 3.0)"-Lizenz (http://creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/3.0/deed.de); es kann für nichtkommerzielle Forschungs- und Unterrichtszwecke kostenlos eingesetzt werden. ; URL: https://www.zpid.de/index.php?wahl=products&uwahl=frei&uuwahl=userlog ; Stand: 1.5.2016.
 Adresse(n): o Prof. Dr. Gabriele Helga Franke, Hochschule Magdeburg-Stendal (FH), Studiengang Rehabilitationspsychologie, Osterburger Straße 25, D-39576 Stendal ; E-Mail: gabriele.franke@hs-magdeburg.de ; URL: http://www.franke-stendal.de/ ; Stand: 3.5.2016
 

Abstract

Diagnostische Zielsetzung:
Der Essener Fragebogen zur Krankheitsverarbeitung (EFK) von Franke, Mähner, Reimer, Spangemacher und Esser (2000) ist ein kurzes krankheitsübergreifendes Screeningverfahren und erfasst das Krankheitsverarbeitungsverhalten sehbeeinträchtigter Patienten.


Aufbau:
Der EFK erfasst mit 45 Items folgende neun Bewältigungsbereiche auf emotionaler, kognitiver und Verhaltensebene (Franke et al., 2000):
(1) Handelndes, problemorientiertes Coping
(2) Abstand und Selbstaufbau
(3) Informationssuche und Erfahrungsaustausch
(4) Bagatellisierung, Wunschdenken und Bedrohungsabwehr
(5) Depressive Verarbeitung
(6) Bereitschaft zur Annahme von Hilfe
(7) Aktive Suche nach sozialer Einbindung
(8) Vertrauen in die ärztliche Kunst
(9) Erarbeiten eines inneren Haltes.
Die Items werden auf einer fünfstufigen Ratingskala (0 = überhaupt nicht bis 4 = sehr stark) beantwortet.


Grundlagen und Konstruktion:
Die Testkonstruktion beruht auf der Klassischen Testtheorie. Die Krankheitsverarbeitung beschreibt die Auseinandersetzung mit bzw. Anpassung an Belastungssituationen. Sie umfasst Copingprozesse, die auf emotionaler, kognitiver oder behavioraler Ebene Belastungen verarbeiten (Klauer & Filipp, 1993; Muthny, 1994). Nach Weber (1990) sollte das Copingverhalten für das Wohlbefinden, die körperliche Gesundheit und das Sozialverhalten förderlich sein.
Ende der Neunziger nahm die Forschung mit sehbeeinträchtigten Patienten zu (Franke, Esser, Voigtländer & Mähner, 1998). Der Mangel an Studien über die Krankheitsverarbeitung sehbeeinträchtigter Patienten hat die Autoren dazu veranlasst, den EFK zu entwickeln, um eine erste psychometrische Prüfung an diesen Patienten vorzunehmen (Franke et al., 2000). Als Grundlagen wurden mehrere Verfahren heranzogen:
(1) die Skala zur Erfassung des Bewältigungsverhaltens (SEBV; Ferring & Filipp, 1989),
(2) der Fragebogen zur Erfassung von Formen der Krankheitsbewältigung (FEKB; Klauer, Filipp & Ferring, 1989),
(3) die Trierer Skalen zur Krankheitsbewältigung (TSK; Klauer & Filipp, 1993)
(4) und die Kurzform des Freiburger Fragebogens zur Krankheitsverarbeitung (FKV-LIS; Muthny, 1989).
Bei der Testkonstruktion wurde berücksichtigt, dass im Gegensatz zum FKV-LIS die Items in der Ich-Form dargeboten werden und anders als beim FEKB die Items zur Vermeidung von Selektions- und Erinnerungseffekten im Präsens stehen. Der EFK wurde an N = 210 sehbeeinträchtigten Personen hinsichtlich seiner Reliabilität und Validität überprüft. Die Gesamtstichprobe besteht aus 117 Patienten mit malignem Aderhautmelanom nach Radioapplikatortherapie (48.7% Männer, 51.3% Frauen, Durchschnittsalter Anfang 60) sowie 93 Patienten mit degenerativen Netzhauterkrankungen im mittleren Lebensalter (64.5% Männer, 35.5% Frauen, Durchschnittsalter Ende 40). Bei dieser Patientengruppe handelt es sich um ein erkranktes Auge, welches sich im Erwachsenenalter bildete. Mit Ausnahme einer Patientin konnte der Fragebogen von allen selbst gelesen und ausgefüllt werden.


Empirische Prüfung und Gütekriterien:
Reliabilität: Die interne Konsistenz liegt für alle Patienten zwischen Alpha = .65 (Skala "Vertrauen in die ärztliche Kunst") und Alpha = .80 (Skalen "Handelndes, problemorientiertes Coping" und "Vertrauen in die ärztliche Kunst").
Validität: Eine faktorenanalytische Untersuchung (Varimaxrotation) ergab eine 12-Faktorenstruktur. Es wurden Korrelationen (nach Pearson) mit dem FKV-LIS und dem Fragebogen zur sozialen Unterstützung (F-SOZU; Fydrich, Sommer, Menzel & Höll, 1987) berechnet. Tabelle 1 fasst die Ergebnisse zusammen.

Tabelle 1
Korrelationen zwischen dem EFK und Skalen anderer Tests (modifiziert nach Franke, Mähner, Reimer, Spangemacher & Esser, 2000)

---------------------------------------------------------------------- 
EFK-Skalen
----------------------------------------------------------------------
1 2 3 4 5 6 7 8 9
----------------------------------------------------------------------
FKV-LIS-Skalen
DV .13 .21** .19** .15* .66** .23** .02 -.21** .14**
APC .52** .41** .44** -.04 .14* .27** .19** .08 .16*
AUS .49** .60** .41** .16* .15* .36** .37** .22** .42**
RUS .25** .34** .32** .14* .15* .26** .26** .13 .68**
BUW .01 .19** .15* .31** .36** .17* .08 -.09 .07
----------------------------------------------------------------------
F-SOZU
Gesamt .23** .12 .01 .03 -.37** .19** .30** .23** .01
----------------------------------------------------------------------
Anmerkungen. EFK-Skalen: 1 = Handelndes, problemorientiertes Coping, 2 = Abstand und Selbstaufbau, 3 = Informationssuche und Erfahrungsaustausch, 4 = Bagatellisierung, Wunschdenken und Bedrohungsabwehr, 5 = Depressive Verarbeitung, 6 = Bereitschaft zur Annahme von Hilfe, 7 = Aktive Suche nach sozialer Einbindung, 8 = Vertrauen in die ärztliche Kunst, 9 = Erarbeiten eines inneren Haltes; FKV-LIS-Skalen: DV = Depressive Verarbeitung, APC = Aktives, problemorientiertes Coping, AUS = Ablenkung und Selbstaufbau, RUS = Religiosität und Sinnsuche, BUW = Bagatellisierung und Wunschdenken; * = p < .05, ** = p < .001.

Die interne Konsistenz und die Validität wurden nochmals in einer weiteren Studie an einer Stichprobe von N = 529 chronisch niereninsuffizienten Patienten bestimmt. Für Erstere wurden "zufriedenstellende Ergebnisse", für Letztere "Hinweise zur konvergenten und divergenten sowie zur faktoriellen und differentiellen Validität" gefunden (Jagla, Franke & Salewski, 2007, zit. nach Jagla, Reimer, Phillip & Franke, 2009, S. 65).

Normen: Das Verfahren ist nicht normiert. Als Vergleichswerte wurden die Studienergebnisse einer Stichprobe herangezogen (für einen Überblick über die Stichprobenzusammensetzung siehe unter "Grundlagen und Konstruktion").
 

Altersbereiche

Es liegen keine Angaben zur Altersbeschränkung vor.
 

Durchführungszeit

Für das Ausfüllen des EFK werden ca. 5 bis 10 Minuten benötigt.
 

Bewertung

Der EFK ist ein kurzes krankheitsübergreifendes Screeningverfahren und erfasst das Krankheitsverarbeitungsverhalten sehbeeinträchtigter Patienten auf emotionaler, kognitiver und Verhaltensebene. Der EFK ist ökonomisch in der Anwendbarkeit (Ronel, Mitzdorf, Wolf, Jägel-Guedes & Jäger, 1999). Er ist psychometrisch überprüft. Es liegen Kennwerte zur Reliabilität vor (Cronbachs Alpha = .65 bis .80). Eine faktorenanalytische Untersuchung erbrachte eine 12-Faktorenstruktur. In Bezug auf die konvergente Validität liegen erwartungsgemäße Zusammenhänge mit ähnlichen Testverfahren vor.
"Zusammenfassend sprechen psychometrische Analysen für die Anwendung des EFK, um Krankheitsverarbeitungsmechanismen zum Beispiel bei sehbeeinträchtigten Patienten zu erfassen. Weitere Studien an Patienten mit anderen Erkrankungen im Verlaufe der Zeit sind notwendig, um die Nützlichkeit des EFK zur Erfassung von Krankheitsverarbeitung in klinischen Studien in Zukunft noch genauer beurteilen zu können" (Franke et al., 2000, S. 166).
 

Literatur

  • Ferring, D. & Filipp, S.-H. (1989). Bewältigung kritischer Lebensereignisse: Erste Erfahrungen mit einer deutschsprachigen Version der "Ways of Coping Checklist". Zeitschrift für Differentielle und Diagnostische Psychologie, 10 (4), 189-199.
  • Franke, G. H., Esser, J., Voigtländer, A. & Mähner, N. (1998). Erste Ergebnisse zur psychometrischen Prüfung des NEI-VFQ (National Eye Institute Visual Function Questionnaire), eines psychodiagnostischen Verfahrens zur Erfassung der Lebensqualität bei Sehbeeinträchtigten. Zeitschrift für Medizinische Psychologie, 7, 178-184.
  • Franke, G.H., Mähner, N., Reimer, N., Spangemacher, B. & Esser, J. (2000). Erste Überprüfung des Essener Fragebogens zur Krankheitsverarbeitung (EFK) an sehbeeinträchtigten Patienten. Zeitschrift für Differentielle und Diagnostische Psychologie, 21 (2), 166-172.
  • Fydrich, T., Sommer, G., Menzel, U. & Höll, B. (1987). Fragebogen zur Sozialen Unterstützung (Kurzform: SOZU-K-22). Kurzbericht. Zeitschrift für Klinische Psychologie, 16 (4), 434-436.
  • Jagla, M., Franke, G. H. & Salewski, C. (2001). The Essener Coping Questionnaire (EFK) measuring coping with diseases [Abstract]. In J.v.d. Pligt (Ed.), Health Psychology Review Abstract Book 2l'st Annual Conference of the European Health Psychologgy Society in Maastricht (p. 80). London: Routledge.
  • Jagla, M., Reimer, J., Philipp, T. & Franke, G.H. (2009). Krankheitsverarbeitung chronisch Nierenkranker vor und nach Nierentransplantation - Einsatz des Essener Fragebogens zur Krankheitsverarbeitung. Zeitschrift für Medizinische Psychologie, 18 (2), 63-71.
  • Klauer, T. & Filipp, S.-H. (1993). Trierer Skalen zur Krankheitsbewältigung (TSK). Göttingen: Hogrefe.
  • Klauer, R., Filipp, S.-H. & Ferring, D. (1989). Der "Fragebogen zur Erfassung von Formen der Krankheitsbewältigung" (FEKB): Skalenkonstruktion und erste Befunde zu Reliabilität, Validität und Stabilität. Diagnostica, 35, 316-335.
  • Muthny, F. A. (1989). Freiburger Fragebogen zur Krankheitsverarbeitung. Weinheim: Beltz.
  • Muthny, F. A. (1994). Krankheitsverarbeitung bei Kranken und Gesunden. In G. Schüßler & E. Leibing (Hrsg.), Verlaufs- und Therapiestudien chronischer Erkrankungen (S. 17-34). Göttingen: Hogrefe.
  • Ronel, J., Mitzdorf, U., Wolf, E., Jägel-Guedes, E. & Jäger, H. (1999). Psychosoziale Faktoren und Krankheitsprogression bei HIV-infizierten Long-Term-Non-Progressoren und Short-Term-Progressoren. In H. Jäger (Hrsg.), Mit AIDS leben. Prävention, Therapie, Behandlungsalternativen, psychosoziale Aspekte 1999 (S. 167-173). Landsberg/Lech: Ecomed.
  • Weber, H. (1990). Emotionsbewältigung. In R. Schwarzer (Hrsg.), Gesundheitspsychologie (S. 279-294). Göttingen: Hogrefe.
 
 Gülay Karadere (18.05.2016)
 APA-Schlagworte/PSYNDEX Terms:

Classical Test Theory; Questionnaires; Rating Scales; Screening Tests; Clinical Psychology; Coping Behavior; Strategies; Depression (Emotion)

Klassische Testtheorie; Fragebögen; Rating-Skalen; Screening Tests; Klinische Psychologie; Bewältigungsverhalten; Strategien; Depressive Stimmung

 weitere Schlagworte:

2000; Open Access; 45 Items; Subskalen: 1 Handelndes, problemorientiertes Coping, 2 Abstand und Selbstaufbau, 3 Informationssuche und Erfahrungsaustausch, 4 Bagatellisierung, Wunschdenken und Bedrohungsabwehr, 5 Depressive Verarbeitung, 6 Bereitschaft zur Annahme von Hilfe, 7 Aktive Suche nach sozialer Einbindung, 8 Vertrauen in die ärztliche Kunst, 9 Erarbeiten eines inneren Halts; Normierungsjahr: keine Angaben; Normstichprobe: 210
 Klassifikation:

Klinische Psychodiagnostik; Persönlichkeitseigenschaften und Persönlichkeitsprozesse
Copingskalen und -verfahren
11.19
 Anwendungstyp: Research (Tests)
 Art der Publikation: Test; Electronic Resources (90; 94)
 Sprache: German
 Land: Germany
 Publikationsjahr: 2000
 Änderungsdatum: 201609
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