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Perceived Stress Questionnaire (PSYNDEX Tests Abstract)

 PSYNDEX Tests-Dokument: 9004426
 

PSQ - Perceived Stress Questionnaire (PSYNDEX Tests Abstract)

 

Perceived Stress Questionnaire (PSQ; Levenstein, S., Prantera, C., Varvo, V., Scribano, M.L., Berto, E., Luzi, C. & Andreoli, A., 1993) - German modified version/author

 Fliege, H., Rose, M., Arck, P., Levenstein, S. & Klapp, B.F.
 (2001). Validierung des "Perceived Stress Questionnaire" (PSQ) an einer deutschen Stichprobe. Diagnostica, 47 (3), 142-152.

Online im Internet: https://www.zpid.de/index.php?wahl=products&uwahl=frei&uuwahl=testarchiveintro

 Bezugsquelle: Das Verfahren ist im "Elektronischen Testarchiv" des ZPID enthalten und steht unter der "Creative Commons Namensnennung-NichtKommerziell-KeineBearbeitung 3.0 Unported (CC BY-NC-ND 3.0)"-Lizenz (http://creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/3.0/deed.de); es kann für nichtkommerzielle Forschungs- und Unterrichtszwecke kostenlos eingesetzt werden. ; URL: https://www.zpid.de/index.php?wahl=products&uwahl=frei&uuwahl=userlog ; Stand: 1.5.2016; Die Items sind auch abgedruckt bei Fliege, Rose, Arck, Levenstein und Klapp (2001, S. 145).
 Adresse(n): o PD Dr. Herbert Fliege, Psychosoziale Beratungsstelle, Gesundheitsdienst, Auswärtiges Amt, Werderscher Markt 1, D-10117 Berlin ; E-Mail: herbert.fliege@auswaertiges-amt.de ; URL: https://www.psychologie.hu-berlin.de/de/prof/the/pta/Ausbildung/personen/personen#fliegeh ; Stand: 15.2.2016
o Prof. Dr. med. Matthias Rose, Klinikdirektor, Medizinische Klinik mit Schwerpunkt Psychosomatik, Charité Universitätsmedizin Berlin, Charitéplatz 1, D-10117 Berlin ; E-Mail: leitung-psychosomatik@charite.de ; URL: http://psychosomatik.charite.de/metas/kontakt/adresse/rose-5/ ; Stand: 15.2.2016
o Prof. Dr.med. Burghard F. Klapp, Campus Charité Mitte Medizinische Klinik mit Schwerpunkt Psychosomatik, Chariteplatz 1, D-10117 Berlin ; E-Mail: burghard.klapp@charite.de ; URL: http://psychosomatik.charite.de/metas/kontakt/adresse/klapp-1/ ; Stand: 15.2.2016
 WWW-Informationen:
  • Fliege, H. (2006). Psychologische Diagnostik in der integrierten Psychosomatik und Psychotherapie - Entwicklung psychometrischer Verfahren und Untersuchungen an ausgewählten Krankheitsbildern mit Vertiefung bei autodestruktiven Syndromen (Habilitationschrift). Berlin: Freie Universität, Medizinische Fakultät der Charité - Universitätsmedizin Berlin. (http://www.diss.fu-berlin.de/diss/receive/FUDISS_thesis_000000002450) (Stand: 17.02.2016)
  • Karatzka, E., Kourou, D., Galanakis, M., Varvogli, L. & Darviri, C. (2014). Validation of the Greek version of Perceived Stress Questionnaire: Psychometric properties and factor structure in a population-based survey. Psychology, 5 (10), 1268-1284. (http://www.scirp.org/journal/PaperDownload.aspx?paperID=48880) (Stand: 17.02.2016)
  • Montero-Marin, J., Piva Demarzo, M. M, Pereira, J. P., Olea, M. & García-Campayo, J. (2014) Reassessment of the psychometric characteristics and factor structure of the "Perceived Stress Questionnaire" (PSQ): Analysis in a sample of dental students. PLoS ONE, 9 (1), e87071. (http://journals.plos.org/plosone/article?id=10.1371/journal.pone.0087071) (Stand: 17.02.2016)
  • Xiong, B., Skitmore, M. & Xia, B. (2014). Exploring the internal dimensions of work stress: Evidence from construction cost estimators in China. In A. Raiden & E. Aboagye-Nimo (Eds.), Proceedings of the 30th Annual ARCOM Conference, Association of Researchers in Construction Management (ARCOM), Portsmouth, UK (pp. 321-329). (http://eprints.qut.edu.au/76547/1/76547_AcceptedVersion.pdf) (Stand: 17.02.2016)
 

Abstract

Diagnostische Zielsetzung:
Ziel des Perceived Stress Questionnaire ist es, die subjektive Wahrnehmung, Bewertung und Weiterverarbeitung von Stressoren festzustellen und diese zu untersuchen. Hierdurch soll auch die Dominanz und Objektivierbarkeit äußerer Stressoren hinterfragt werden. Das subjektive Belastungsempfinden ist mit ausschlaggebend für den Verlauf verschiedener Krankheiten und Störungsbilder. Die genauere Kenntnis dieses Belastungsempfindens dient daher auch der Verbesserung einer Vielzahl von therapeutischen und medizinischen Behandlungen.


Aufbau:
Der PSQ besteht in der Normalversion aus 30 und in der Kurzversion aus 20 Items. Bei den Items handelt es sich um Feststellungen, für welche die Testperson auf einer Skala von 1 für "fast nie", über 2 für "manchmal", 3 für "häufig" bis zu 4 für "meistens" beurteilen soll, wie häufig das Beschriebene innerhalb einer bestimmten Zeitperiode auf sie zutrifft. Die Zeitperiode ist auf die letzten vier Wochen festgelegt, allerdings existiert bei der Kurzform noch eine Variante, bei welcher nach den letzten zwei Jahren gefragt wird.
(1) Normalversion: Die 30 Items sind bei der Normalversion folgenden sieben Skalen zugeordnet: Harassment, Overload, Irritability, Lack of Joy, Fatigue, Worries, Tension. Um das Resultat des Verfahrens in der Normalversion zu bestimmen, werden die angegebenen Ergebnisse der Items 01, 07, 10, 13, 17, 21, 25, 29 jeweils von fünf abgezogen. Diese werden anschließend zueinander und zu den Scores der übrigen Items addiert. Die entstandene Summe wird durch 30, also die Anzahl der Items, geteilt, um den Mittelwert "psq mean" zu bestimmen. Im Anschluss wird 1 von dem "psq mean" subtrahiert und das Ergebnis durch 3 geteilt, so dass ein Wert zwischen 0 und 1, der "psq", entsteht. Wird der "psq" mit 100 multipliziert, kann für jede Person ein Skalenrang zwischen 0 und 100 bestimmt werden.
(2) Kurzversion: Bei der gekürzten Fassung des PSQ entfallen die Items 03, 05, 06, 08, 11, 19, 20, 23, 24 und 28. Die verbleibenden 20 Items der Kurzversion sind lediglich vier Skalen zugeordnet: Sorgen (worries), Anspannung (tension), Freude (joy) und Anforderungen (demands). In der nachfolgenden Aufstellung entspricht die Zahl vor der Klammer jeweils der Nummer des Items in der gekürzten und die dahinterstehende Zahl in Klammern der Nummer des Items in der Normalversion. Bei Items mit einem * muss der Wert des Items von 5 abgezogen werden, bevor das Ergebnis mit den Werten der anderen Items in die Berechnung eingeht. Hierbei handelt es sich um die Items 01 (01), 06 (10) und 19 (29).
(a) Sorgen (worries): 05 (09), 07 (12), 10 (15), 13 (18), 15 (22);
(b) Anspannung (tension): 01* (01*), 06* (10*), 09 (14), 17 (26), 18 (27);
(c) Freude (joy): 04 (07), 08 (13), 12 (17), 14 (21), 16 (25);
(d) Anforderungen (demands): 02 (02), 03 (04), 11 (16), 19* (29*), 20 (30).
Die Werte der Items jeder Skala werden jeweils aufaddiert, mit -1 multipliziert und anschließend durch 3 dividiert. Hierdurch entsteht ein Wert zwischen 0 und 1, welcher im Anschluss mit 100 multipliziert wird. Das Ergebnis ist ein Skalenrang zwischen 0 und 100. Hohe Werte in einer Skala bedeuten jeweils auch eine hohe Ausprägung der betreffenden Eigenschaft.


Grundlagen und Konstruktion:
Der Perceived Stress Questionnaire wurde 1993 von Levenstein et al. faktorenanalytisch für den anglo-amerikanischen und für den italienischen Sprachraum entwickelt, um die aktuelle, subjektiv erlebte Belastung einer Person zu erfassen, und basiert auf der Klassischen Testtheorie. In der ursprünglichen Fassung von Levenstein et al. (1993) besteht der PSQ aus 30 Items, welche den sieben Skalen Harassment, Overload, Irritability, Lack of Joy, Fatigue, Worries und Tension zugeordnet sind. Die Konstruktion des PSQ erfolgte nach den folgenden vier Kriterien:
(1) Die Itemformulierung erfolgte möglichst aus der Perspektive der Person, da Stress als subjektives Belastungserleben verstanden wird.
(2) Die Erfassung der Belastung erfolgt nicht personen- oder situationsspezifisch, sondern abstrahiert als übergeordnete Klassen.
(3) Es wird nur nach dem Belastungserleben selbst, nicht aber nach dem Umgang mit der Belastung gefragt, um das Belastungserleben von Bewältigungsbemühungen abzugrenzen.
(4) Die Erfassung über die Selbsteinschätzung bezieht lediglich bewusste Teile des Belastungserlebens mit ein.
1994 konnten Levenstein et al. bei gastro-enterologischen Patienten einen Zusammenhang zwischen Stresserleben und Krankheitsentwicklung aufzeigen. Mit dem Ziel, ein deutschsprachiges, ökonomisches Instrument zu erhalten, das bei geringem Umfang das Ausmaß des Belastungserlebens abfragt, übersetzten Fliege et al. (2001) den PSQ ins Deutsche und beauftragten eine Rückübersetzung von dessen Items in die englische Sprache. Die Ergebnisse wurden in Hinblick auf eine möglichst einheitliche Bedeutung der deutschen und der englischen Version mit einbezogen. Für die Validierung des Verfahrens in Deutschland wurde die daraus entstandene Normalversion verwendet, deren Ergebnisse jedoch dann eine Verkürzung auf 20 Items als sinnvoll erscheinen ließen. Die Validierung erfolgte anhand einer Stichprobe von N = 650 Erwachsenen, die 17 Jahre oder älter waren. Diese setzte sich zusammen aus (a) psychosomatisch behandelten Patienten, (b) Frauen nach Geburten und (c) Fehlgeburten sowie (d) Medizinstudenten.
Bei einer Faktorenanalyse der 30 Items des Normalverfahrens, die in Form einer Hauptkomponentenanalyse mit Varimaxrotation durchgeführt wurde, konnte die siebenfaktorielle Zuordnung der Items zu Skalen von Levenstein nicht beibehalten werden. Diese sprach für eine Aufteilung der Items in vier Skalen mit je fünf Items. Neben der durch die Übersetzung entstandenen normalen Version mit 30 Items wurde daher eine entsprechende Kurzversion konstruiert. Beibehalten wurden jeweils die fünf Items jeder Skala mit den höchsten Trennschärfen. Hierdurch entfielen aus Faktor 1 "Sorgen" sieben Items, aus Faktor 2 "Anspannung" ein Item und aus Faktor 3 "Freude" sowie Faktor 4 "Anforderungen" gar kein Item. Zwei Items, die auf keinem Faktor Ladungen von über Alpha = .50 besaßen, waren bereits zuvor entfernt worden. Für die gekürzte Version mit lediglich 20 Items wurden somit die Items 03, 05, 06, 08, 11, 19, 20, 23, 24 und 28 und mit ihnen auch die Skalen Harassment, Overload, Irritability und Fatigue gestrichen. Aus der Skala "Lack of Joy" wurde "Joy".
Es verblieben für die gekürzte Version die folgenden vier Skalen mit je fünf Items: Sorgen (worries), Anspannung (tension), Freude (joy) und Anforderungen (demands). Alle Einzelskalen und besonders die drei Skalen Sorgen (worries), Anspannung (tension) und Freude (joy) korrelieren hoch miteinander. Die Itemschwierigkeit variiert mit .32 bis .57 um einen Mittelwert von .45. Die vierfaktorielle Struktur wurde überprüft, indem die Stichprobe in zwei Zufallsteilstichproben mit je n = 325 Personen zerlegt wurde. Während die eine Teilstichprobe das vierfaktorielle Modell perfekt wiedergab, luden bei der zweiten die Items 01 und 10 auf den Faktor "Freude" anstatt auf "Anspannung". Zusätzlich gab es bei dieser je eine Mehrfachladung bei Item 16 und 17. Auf eine Veränderlichkeit dieser Struktur in klinischen Substichproben weisen auch die Ergebnisse einer Multi-Sample-Analyse mit Hilfe linearer Strukturgleichungsmodellierung (AMOS) hin. Die wichtigsten Itemkennwerte der beibehaltenen Items können Tabelle 1 entnommen werden.

Tabelle 1
Faktorladungen und Itemkennwerte des PSQ (Fliege, Rose, Arck, Levenstein & Klapp, 2001, S. 145)

---------------------------------------------------------------------- 
Item* Faktor (Skala) a(i) M SD rit (t-i) p
----------------------------------------------------------------------
10/15 I. Sorgen .71 2.10 0.96 .73 .36
13/18 I. Sorgen .71 2.23 0.98 .71 .41
15/22 I. Sorgen .71 2.08 1.01 .68 .36
05/09 I. Sorgen .66 2.18 0.94 .67 .39
07/12 I. Sorgen .59 1.97 0.89 .65 .32
----------------------------------------------------------------------
09/14 II. Anspannung .67 2.45 0.81 .67 .48
01/01 II. Anspannung -.65 2.69 0.89 .62 .56
17/26 II. Anspannung .62 2.18 0.88 .66 .39
18/27 II. Anspannung .58 2.28 1.00 .67 .43
06/10 II. Anspannung -.55 2.64 0.99 .66 .55
----------------------------------------------------------------------
04/07 III. Freude -.72 2.31 0.89 .61 .44
14/21 III. Freude -.65 2.34 0.87 .75 .45
16/25 III. Freude -.58 2.71 0.95 .64 .57
08/13 III. Freude -.58 2.63 0.90 .60 .54
12/17 III. Freude -.50 2.35 1.04 .63 .45
----------------------------------------------------------------------
03/04 IV. Anforderungen .80 2.42 0.91 .60 .47
19/29 IV. Anforderungen -.72 2.59 1.01 .53 .53
20/30 IV. Anforderungen .71 2.17 0.93 .58 .39
11/16 IV. Anforderungen .55 2.06 0.87 .56 .35
02/02 IV. Anforderungen .53 2.17 0.79 .55 .39
----------------------------------------------------------------------
Anmerkungen. Die Werte beziehen sich auf eine Stichprobe von N = 650 Erwachsenen; a (i) = Faktorenladung, M = Mittelwert, SD = Standardabweichung, rit (t-i) = Trennschärfe, p = Itemschwierigkeit. * Die Itembezeichnungen vor dem Querstrich entsprechen der Kurzversion, die Bezeichnungen der Normalversion für die gleichen Items sind dahinter angegeben.


Empirische Prüfung und Gütekriterien:
Die Auswertungsobjektivität kann als gegeben angesehen werden. Der Untersucher addiert, subtrahiert, dividiert und multipliziert bei der Auswertung lediglich im unteren Zahlenbereich. Somit ist es sehr wahrscheinlich, dass unterschiedliche Auswerter zum gleichen Ergebnis kommen. Mittels des resultierenden Wertes von 0 bis 1 bei der Normalversion beziehungsweise von 0 bis 100 bei der Kurzversion kann ein Vergleich zu den Mittelwertangaben der unterschiedlichen Gruppen angestellt werden.
Reliabilität: Es wurden sowohl die innere Konsistenz als auch die Split-half-Reliabilität für die unterschiedlichen Stichproben berechnet. Dabei befanden sich die Ergebnisse für alle Skalen im oberen Bereich. Die Werte für Cronbachs Alpha lagen bezüglich der Gesamtstichprobe bei Alpha = .86 (Faktor I Sorgen), .84 (Faktor II: Anspannung), .85 (Faktor III: Freude), .80 (Faktor IV: Anforderungen) und bezogen auf alle vier Skalen bei .85 für die Summe des Stresserlebens. Bezüglich der Split-half-Reliabilität ergaben sich ähnliche Werte, weswegen von einer mittleren bis hohen Reliabilität ausgegangen werden kann. Tabelle 2 gibt einen Überblick über die Konsistenz- und Reliabilitätswerte der Gesamtstichprobe. Alle Werte fielen bei den Stichprobengruppen meist geringfügig niedriger aus.

Tabelle 2
Konsistenz- und Reliabilitätswerte der Gesamtstichprobe (N = 650) des PSQ (Fliege, Rose, Arck, Levenstein & Klapp, 2001, S. 148)

---------------------------------------------------------------------- 
PSQ-Skalen I II III IV Stresserleben
----------------------------------------------------------------------
Cronbachs Alpha .86 .84 .85 .80 .85
r Guttmann .80 .82 .83 .69 .86
r Spearman-Brown .86 .83 .85 .74 .88
----------------------------------------------------------------------
Anmerkungen. I = Sorgen, II = Anspannung, III = Freude, IV = Anforderungen, Stresserleben = Gesamtwert.

Validität: Als Validierungsinstrumente zur Überprüfung der konvergenten Validität wurden der WHOQOL-Bref (Angermeyer, Kilian & Matschinger, 1999) und der Fragebogen zur sozialen Unterstützung (F-SOZU; Sommer & Fydrich, 1991) verwendet. Dabei korrelierten besonders die Faktoren I & II (Sorgen & Anspannung) sowie das gesamte Stresserleben (zu -.79) hoch negativ und der Faktor III (Freude) hoch positiv mit der psychischen Domäne des WHO-Lebensqualitätsfragebogen. Faktor II (Anspannung) korrelierte zudem hoch negativ mit der körperlichen LQ-Dimension des WHOQOL. Der Faktor IV (Anforderungen) wies die geringsten Korrelationen auf. Die mit dem F-SOZU erfasste soziale Unterstützung korrelierte negativ mit dem Stresserleben. Die genauen Korrelationen der Gesamtverfahren sowie des WHOQOL-Bref psychisch mit den einzelnen Faktoren sowie dem gesamten Stresserleben des PSQ können Tabelle 3 entnommen werden.
Die Kriteriumsvalidität wurde bei n = 50 Personen aus der Gruppe der Frauen mit Fehlgeburt ermittelt, welche in solche mit hohem und solche mit niedrigerem Stressscore unterteilt wurden. Hierbei zeigte sich bei der Gruppe mit höherem Stressfaktor eine höhere immunologische Imbalance, gekennzeichnet durch ein signifikant höheres Vorkommen von Tryptase-Plus-Mastzellen (TMC-Plus), CD8-Plus-T-Zellen und Tumornekrosefaktor-Alpha-Zellen. Weiterhin konnten in einem Zeitraum von fünf Wochen Verbesserungen im Belastungserleben bei stationär behandelten psychosomatischen Patienten festgestellt werden. Diese Testwiederholung spricht für die Veränderlichkeit des Gemessenen, was in diesem Fall unter Umständen auf die Behandlung zurückzuführen ist. Insgesamt sprechen die Ergebnisse für die Validität des Verfahrens, was auch durch weitere Untersuchungen von Fliege et al. (2005) und Kocalevent et al. (2007) bestätigt wird.

Tabelle 3
Korrelationen des PSQ mit den eigenen Faktoren des Stresserlebens (PSQ), mit der Lebensqualität (WHOQOL-Bref) und der sozialen Unterstützung (F-SOZU) (Fliege, Rose, Arck, Levenstein & Klapp, S. 148)
---------------------------------------------------------------------- 
PSQ-Skalen I II III IV Stresserleben
----------------------------------------------------------------------
F-SOZU -.62 -.43 .49 -.37 -.61
WHOQOL-Bref global -.58 -.56 .63 -.17 -.58
WHOQOL-Bref psychisch -.78 -.69 .79 -.33 -.79
PSQ-I .72 -.71 .44 .89
PSQ-II -.72 .54 .87
PSQ-III -.36 -.82
PSQ-IV .67
----------------------------------------------------------------------
Anmerkungen. I = Sorgen, II = Anspannung, III = Freude, IV = Anforderungen, Stresserleben = Gesamtwert; WHOQOL-Bref psychisch bezieht sich auf die psychische Domäne als diejenige der vier Domänen des WHOQOL, mit denen der PSQ am deutlichsten korreliert.

Normen: Die deutsche Untersuchung wurde an N = 650 Personen zwischen 17 und 79 Jahren erhoben. Hierbei handelte es sich um n = 249 stationäre psychosomatische Patienten, n = 81 Frauen nach einer Fehlgeburt, n = 74 Frauen nach einer komplikationslosen Entbindung und n = 246 Medizinstudierende. Dabei wurden von den Patienten, im Gegensatz zu den Studenten, auch die Validierungsinstrumente bearbeitet. Es existieren Angaben zu Mittelwerten und Standardabweichungen für verschiedene Personengruppen. Dabei wiesen die psychosomatischen Patienten bei den Faktoren I-III die höchsten Werte auf, gefolgt von den Frauen mit Fehlgeburt, den Medizinstudenten und schließlich den Frauen nach erfolgreicher Entbindung. Die Frauen nach einer komplikationslosen Entbindung hatten auch die niedrigsten Werte bei den Anforderungen, wogegen die Medizinstudenten in Bezug auf diese (äußeren) Anforderungen hohe Werte aufwiesen. Die linear transformierten Mittelwerte (Wertebereich zwischen 0 und 1) für das Stresserleben betrugen M = .52 (SD = .18) bei den psychosomatischen Patienten, M = .39 (SD = .18) bei den Frauen mit Fehlgeburt, M = .34 (SD = .16) bei den Medizinstudenten und M = .30 (SD = .16) bei den Frauen mit komplikationsloser Entbindung. Sollten weitere standardisierte Normen für das Verfahren erfasst werden, ist gegebenenfalls aufgrund der Geschlechtsunterschiede in der Untersuchung eine unterschiedliche Auflistung nach Geschlecht sinnvoll. Hierzu stellte sich heraus, dass Frauen signifikant höhere Werte als Männer aufwiesen.
 

Altersbereiche

Der Perceived Stress Questionnaire (PSQ; Fliege, Rose, Arck, Levenstein & Klapp, 2001) ist für alle Erwachsenen und für verschiedene Lebenssituationen geeignet. Die deutsche Stichprobe, auf die sich die Werte beziehen, wurde an Probanden zwischen 17 und 79 Jahren erhoben.
 

Durchführungszeit

Die Durchführungszeit beträgt geschätzte fünf Minuten.
 

Bewertung

Der PSQ ist ein sorgsam konstruiertes Verfahren zur Erfassung der aktuellen subjektiven Belastung, das nun für den deutschen Sprachraum aus dem Englischen übersetzt und validiert wurde. Die Veränderungen, die an dem Verfahren aufgrund der Faktorenanalyse durchgeführt wurden, sind dabei nachvollziehbar und ausführlich dokumentiert. Inwieweit die vierfaktorielle Lösung aufgrund der widersprüchlichen Ergebnisse der Untersuchung weiterhin anzunehmen ist, bleibt bis auf weitere Untersuchungen abzuwarten. Dies betrifft in besonderem Maße Faktor IV "Anforderungen".
Etwas bedauerlich ist, dass die Angaben der Itemnummern bei Fliege et al. (2001) nur in Bezug auf die Normalversion gemacht wurden. Da diese jedoch aufgrund der Resultate der deutschen Untersuchung zu der Kurzversion verändert wurde, ist anzunehmen, dass diese Kurzversion für vergleichbare deutsche Stichproben die angemessenere Orientierungshilfe darstellt. Bei der Kurzversion liegen jedoch andere Itemnummern vor, so dass der Vergleich erschwert wird.
Die Auswertung des PSQ erfolgt in einfachen Rechenschritten, wodurch die Auswertungsobjektivität als gegeben anzusehen ist. Allerdings sind keine genauen oder beispielhaften Daten für die Interpretation der Ergebnisse angegeben. Hier ist der Auswerter zu weiten Teilen auf sich selbst gestellt und kann den Wert seiner Testperson lediglich mit den Mittelwerten der unterschiedlichen untersuchten Gruppierungen vergleichen. Als positiv sind dagegen die solide Validierung, die ökonomische Durchführung und die Anregungen in Bezug auf weiteren Entwicklungs- beziehungsweise Forschungsbedarf des PSQ anzusehen. Insgesamt kann der Perceived Stress Questionnaire von Fliege et al. (2001) daher zur Diagnostik des subjektiven Belastungserlebens bei Erwachsenen zweifellos empfohlen werden.
 

Literatur

  • Angermeyer, M.C., Kilian, R. & Matschinger, H. (1999). WHOQOL-100 und WHOQOL-BREF. Handbuch für die deutschsprachige Version der WHO Instrumente zur internationalen Erfassung von Lebensqualität. Göttingen: Hogrefe.
  • Fliege, H., Rose, M., Arck, P., Levenstein, S. & Klapp, B.F. (2001). Validierung des "Perceived Stress Questionnaire" (PSQ) an einer deutschen Stichprobe. Diagnostica, 47 (3), 142-152.
  • Fliege, H., Rose, M., Arck, P., Walter, O., Kocalevent, R.-D., Weber, C. & Klapp, B. (2005). The Perceived Stress Questionnaire (PSQ) reconsidered: validation and reference values from different clinical and healthy adult samples. Psychosomatic Medicine, 67, 78-88.
  • Kocalevent, R.-D., Levenstein, S., Fliege, H., Schmid, G., Hinz, A., Brähler, E. & Klapp, B.F. (2007). Contribution to the construct validity of the Perceived Stress Questionnaire from a population-based survey. Journal of Psychosomatic Research, 63 (1), 71-81. -PSYNDEX-Lit Dok.-Nr. 0200271
  • Levenstein, S., Prantera, C., Varvo, V., Scribano, M.L., Berto, E., Andreoli, A. & Luzi, C. (1994). Psychological stress and disease activity in ulcerative colitis: A multidimensional cross-sectional study. American Journal of Gastroenterology, 89, 1219-1225.
  • Levenstein, S., Prantera, C., Varvo, V., Scribano, M.L., Berto, E., Luzi, C., & Andreoli, A. (1993). Development of the Perceived Stress Questionnaire: a new tool for psychosomatic research. Journal of Psychosomatic Research, 37 (1), 19-32.
  • Sommer, G. & Fydrich, T. (1991). Entwicklung und Überprüfung eines Fragebogens zur sozialen Unterstützung (F-SOZU). Diagnostica, 37, 160-178.
 

Wichtige neuere Publikationen

  • Kocalevent, R.-O., Hinz, A., Brähler, E. & Klapp, B.F. (2011). Regionale und individuelle Faktoren von Stresserleben in Deutschland: Ergebnisse einer repräsentativen Befragung mit dem Perceived Stress Questionnaire (PSQ). Das Gesundheitswesen, 73 (12), 829-834.
  • Montero-Marin, J., Piva Demarzo, M. M, Pereira, J. P., Olea, M. & García-Campayo, J. (2014) Reassessment of the psychometric characteristics and factor structure of the "Perceived Stress Questionnaire" (PSQ): Analysis in a sample of dental students. PLoS ONE, 9 (1), e87071.
 

Originalfassung/Anderssprachige Fassungen

  • Karatzka, E., Kourou, D., Galanakis, M., Varvogli, L. & Darviri, C. (2014). Validation of the Greek version of Perceived Stress Questionnaire: Psychometric properties and factor structure in a population-based survey. Psychology, 5 (10), 1268-1284.
  • *Levenstein, S., Prantera, C., Varvo, V., Scribano, M.L., Berto, E., Luzi, C. & Andreoli, A. (1993). Development of the Perceived Stress Questionnaire: a new tool for psychosomatic research. Journal of Psychosomatic Research, 37 (1), 19-32. (Appendix S. 32: The Perceived Stress Questionnaire - Instructions for the general questionnaire)
  • Sanz-Carrillo, C., Garcia-Campayo, J., Rubio, A., Santed, M., Montoro, M. (2002). Validation of the Spanish version of tbe Perceived Stress Questionnaire (PSQ). Journal of Psychosomatic Research, 52, 167-172.
 
 Saskia Naescher (29.01.2009)
 APA-Schlagworte/PSYNDEX Terms:

Classical Test Theory; Questionnaires; Rating Scales; Personality Measures; Biographical Data; Life Experiences; Clinical Psychology; Coping Behavior; Stress; Stress Management; Stress Reactions; Personality Development

Klassische Testtheorie; Fragebögen; Rating-Skalen; Persönlichkeitstests; Biographische Angaben; Lebensereignisse; Klinische Psychologie; Bewältigungsverhalten; Stress; Stressverarbeitung; Stressreaktionen; Persönlichkeitsentwicklung

 weitere Schlagworte:

2001; Open Access; 20 Items (Kurzversion); 30 Items (Normalversion); Skalen Normalversion: 1 Harassment, 2 Overload, 3 Irritability, 4 Lack of Joy, 5 Fatigue, 6 Worries, 7 Tension; Skalen Kurzversion: 1 Sorgen (worries), 2 Anspannung (tension), 3 Freude (joy), 4 Anforderungen (demands); Normierungsjahr: keine Angaben
 Klassifikation:

Klinische Psychodiagnostik; Persönlichkeitstests; Persönlichkeitseigenschaften und Persönlichkeitsprozesse; Psychische Störungen
Sonstige Verfahren im Bereich der Klinischen Psychologie
11.99
 Anwendungstyp: Research (Tests), Clinical Diagnosis
 Art der Publikation: Test; Electronic Resources (90; 94)
 Sprache: German
 Übersetzungen: English, French, Greek, Italian, Spanish
 Land: United States
 Publikationsjahr: 2001
 Änderungsdatum: 201602
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