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Fragebogen zu sexuellen Vorlieben

 PSYNDEX Tests-Dokument: 9004810
 

FSV - Fragebogen zu sexuellen Vorlieben (PSYNDEX Tests Review)

 

Sexual Preferences Questionnaire (SPQ)/author

 Sydow, K.v. & Ullmeyer, M.
 (1998). Fragebogen zu sexuellen Vorlieben. Gießen: Universität Gießen.

Online im Internet: https://www.zpid.de/index.php?wahl=products&uwahl=frei&uuwahl=testarchiveintro

 Bezugsquelle: Das Verfahren ist im "Elektronischen Testarchiv" des ZPID enthalten und steht unter der "Creative Commons Namensnennung - Nicht-kommerziell - Keine Bearbeitung 3.0 Unported (CC BY-NC-ND 3.0)"-Lizenz (http://creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/3.0/deed.de); es kann für nichtkommerzielle Forschungs- und Unterrichtszwecke kostenlos eingesetzt werden. ; URL: https://www.zpid.de/index.php?wahl=products&uwahl=frei&uuwahl=userlog ; Stand: 1.5.2016.
Anmerkung: Im Elektronischen Testarchiv findet sich die Version für Frauen.
 Adresse(n): o Prof. Dr. Kirsten von Sydow bei PsychAuthors: https://www.zpid.de/psychauthors/index.php?wahl=forschung&uwahl=psychauthors&uuwahl=p00463KV
 

Abstract

Diagnostische Zielsetzung:
Viele Studien zur Sexualität fokussieren allein auf die Häufigkeit von Geschlechtsverkehr und vernachlässigen das sexuelle Interesse und Erleben, vernachlässigen nichtkoitale sexuelle und zärtliche Aktivitäten und Besonderheiten des weiblichen Erlebens (z.B. oft tabuisierte Bedeutung der Klitoris). Demgegenüber erfasst der FSV unterschiedliche Varianten sexueller Aktivität (z.B. zärtlicher Körperkontakt, Geschlechtsverkehr, Selbstbefriedigung), das darauf bezogene sexuelle Erleben (angenehm vs. unangenehm; erregend; orgasmisch) nicht nur in der Selbst-, sondern auch in der auf den Partner bezogenen Fremdwahrnehmung.


Aufbau:
Der Fragebogen besteht aus 64 Items, die sowohl zur Selbst- als auch zur Fremdbeurteilung (Beurteilung des mutmaßlichen sexuellen Erlebens des jeweils anderen Partners) dienen. Die Items werden auf einer (meist) fünffach gestuften Likert-Skala beurteilt, wobei 10 sexuelle Aktivitäten hinsichtlich der kumulativen Lebenszeiterfahrung (Alter beim ersten Mal), der Erfahrung in den letzten drei Monaten bzw. innerhalb der letzten vier Wochen (Frequenz), des subjektiven Erlebens (angenehm, erregend, orgasmisch) und des mutmaßlichen Erlebens des Partners beurteilt werden.


Grundlagen und Konstruktion:
Die Testkonstruktion orientiert sich an der Grundlagenforschung zur Sexualität (Sydow, 1991, 1993; Sydow & Seiferth, 2015). Die Items wurden in Anlehnung an das Sexual Interaction Inventory (SII), den Fragebogen zum sexuellen Verhalten (FzSV) und den Fragebogen zur Messung des sexuellen Interesses (FMSI) generiert.


Empirische Prüfung und Gütekriterien:
Reliabilität: Zur Beurteilung der Reliabilität wurde das Ausmaß der Übereinstimmung zwischen den Angaben der beiden Partner eines Paares bestimmt, indem die jeweiligen Items miteinander korreliert wurden. Dabei zeigten sich mit Ausnahme der Angaben zum Analverkehr (r = .34) insgesamt relativ hohe Übereinstimmungsraten zwischen r = .52 und r = 1.00.
Validität: Zur Überprüfung der Validität wurden Korrelationen zur Skala "Zärtlichkeit" des PFB berechnet. Dabei erwies sich der Zusammenhang zwischen FSV und PFB nur in den ersten drei Monaten nach der Geburt als signifikant (r = .33).
Normen: Derzeit (März 2015) liegen keine Normwerte vor. Für eine grobe Orientierung können jedoch die deskriptiven Kennwerte mehrerer deutscher Stichproben herangezogen werden.

 

Testkonzept

 

Theoretischer Hintergrund

Für die meisten Paare ist die gemeinsame Sexualität bedeutsam. Allerdings sind nicht alle Paare immer sexuell aktiv miteinander und sexuelle Probleme sind nicht selten. Die Forschung zu Sexualität fokussiert stark auf die Häufigkeit von Geschlechtsverkehr. Weniger beachtet werden das sexuelle Erleben und nichtkoitale sexuelle Aktivitäten. Gleichzeitig ist gut belegt, dass für Frauen besondere Aspekte bedeutsam sind: Nichtkoitale sexuelle Aktivität, die Bedeutung klitoraler Stimulation und die z.T. geringe sexuelle Selbstkenntnis und sexuelle Selbstbestimmung von Frauen (Sydow, 1991, 1993; Sydow & Seiferth, 2015).
Das Verfahren (Sydow, 2014) orientiert sich an Grunddimensionen der menschlichen Erotik und Sexualität, wie unterschiedlichen erotisch-sexuellen Aktivitäten (z.B. Zärtlichkeit, Zungenküsse, vaginaler Geschlechtsverkehr, oral-genitaler Kontakt), sexueller Selbst- und Fremdwahrnehmung, sexueller Selbstbestimmung und Besonderheiten der weiblichen Sexualität (z.T. Tabuierung der Bedeutung der Klitoris gegenüber männlichen Partnern) und Grunddimensionen des Erlebens von Sexualität (angenehm vs. unangenehm; Grad der Erregung; Häufigkeit von Orgasmen) (Sydow, 1993; Sydow & Seiferth, 2015) sowie am Prinzip asystemischer/triadischer Fragen, die Bestandteil der systemischen Therapie sind (Sydow et al., 2007; Sydow & Seiferth, 2015) und die wiederum Bezüge zum Konzept der Mentalisierung aufweisen (Fonagy, Gergely, Jurist & Target, 2008).
Anders als in anderen Sexualfragebögen werden nicht nur Daten zum Geschlechtsverkehr erfasst, sondern auch Angaben zu weiteren erotisch-sexuellen Aktivitäten erhoben, von nichtgenitalem Körperkontakt und Zungenküssen bis hin zu oral-genitalen Kontakten und Analverkehr sowie mediengestütztem Sex. Darüber hinaus ist die Differenzierung bezüglich vaginalen Geschlechtsverkehrs mit und ohne klitorale Stimulation adaptiert an Besonderheiten der weiblichen Sexualität enthalten.
 

Testaufbau

Der Fragebogen besteht aus 64 Items, die sowohl zur Selbst- als auch zur Fremdbeurteilung (Beurteilung des mutmaßlichen sexuellen Erlebens des jeweils anderen Partners) dienen. Die Items werden auf einer (meist) fünffach gestuften Likert-Skala beurteilt, wobei 10 sexuelle Aktivitäten hinsichtlich der kumulativen Lebenszeiterfahrung (Alter beim ersten Mal), der Erfahrung in den letzten drei Monaten bzw. innerhalb der letzten vier Wochen (Frequenz), des subjektiven Erlebens (angenehm, erregend, orgastisch) und des mutmaßlichen Erlebens des Partners beurteilt werden. Die Items beziehen sich auf a) Zungenküsse, b) das Stimulieren der weiblichen Brust, c) die manuell-genitale Stimulation des Partners, d) Oralverkehr, e) Vaginalverkehr, f) Analverkehr, g) Zärtlichkeiten/nicht sexueller Körperkontakt und h) Selbstbefriedigung sowie i) Internet-Sex.
 

Auswertungsmodus

Primäre Zielsetzung des Fragebogens ist die Deskription sexuellen Verhaltens und Erlebens im Partnerschaftskontext sowie der sexuellen Selbst- und Fremdwahrnehmung. Bislang (März 2015) können die Items je nach Forschungsinteresse hinsichtlich folgender Aspekte ausgewertet werden:
- Art und Umfang der sexuellen Aktivität (Lebenszeitprävalenz; 4-Wochen-Prävalenz; in der Studie mit werdenden und jungen Eltern wurde zusätzlich retrospektiv gefragt nach der sexuellen Aktivität vor Eintritt der Schwangerschaft, im 1., 2., 3. Schwangerschaftstrimester und im Monat 1-3 sowie Monat 4-6 postpartum);
- Subjektives Erleben unterschiedlicher sexueller Aktivitäten (Angenehm-Unangenehm? Erregend? Orgasmisch?);
- Grad der Übereinstimmung der Angaben beider Partner bzgl. der gemeinsamen sexuellen Aktivitäten?
- Inwiefern stimmen Fremd- und Selbstwahrnehmung überein?
- Gibt es geschlechtsspezifische Unterschiede bzgl. des sexuellen Erlebens?
 

Auswertungshilfen

Es liegen keine speziellen Auswertungshilfen vor.
 

Auswertungszeit

Für die Auswertung müssen ca. 5 bis 10 Minuten veranschlagt werden.
 

Itembeispiele

1) Zärtlichkeit ohne genitalen Kontakt (Umarmen, Streicheln)
- Haben Sie das je gemacht?
- Wir haben diese Aktivität in den letzten 3 Monaten ... ausgeübt
- Ich empfinde diese Aktivität derzeit als ...
- Ich vermute, mein Partner empfindet diese Aktivität derzeit als ...
 

Alle Items

Zu 10 sexuellen Aktivitäten (bei der Internet-Studie zusätzlich auch noch zu Medien-Sex; s. Jachmann, 2010) wird jeweils die kumulative Lebenszeit-Erfahrung (je Aktivität; Alter beim ersten Mal), die Erfahrung in den letzten drei Monaten bzw. im letzten Monat (Frequenz), das subjektive Erleben (Angenehm? Erregend? Orgasmisch?) und das mutmaßliche Erleben des Partners (analog) erfasst.
Im Folgenden werden die Items des Fragebogens für Frauen aufgeführt:
1) Zärtlichkeit ohne genitalen Kontakt (Umarmen, Streicheln)
- Haben Sie das je gemacht?
- Wir haben diese Aktivität in den letzten 3 Monaten ... ausgeübt
- Ich empfinde diese Aktivität derzeit als ...
- Ich vermute, mein Partner empfindet diese Aktivität derzeit als ...
2) Zungenküsse
- Haben Sie das je gemacht?
- Wir haben diese Aktivität in den letzten 3 Monaten ... ausgeübt
- Ich empfinde diese Aktivität derzeit als ...
- Ich vermute, mein Partner empfindet diese Aktivität derzeit als ...
3) Stimulation der weiblichen Brust mit der Hand oder dem Mund durch den Partner
- Haben Sie das je erlebt?
- Wir haben diese Aktivität in den letzten 3 Monaten ... ausgeübt
- Ich empfinde diese Aktivität derzeit als ...
- Ich komme dadurch ... zum Orgasmus
- Ich vermute, mein Partner empfindet diese Aktivität derzeit als ...
4) Stimulation der weiblichen Genitalien mit der Hand durch den Partner
- Haben Sie das je erlebt?
- Wir haben diese Aktivität in den letzten 3 Monaten ... ausgeübt
- Ich empfinde diese Aktivität derzeit als ...
- Ich komme dadurch ... zum Orgasmus
- Ich vermute, mein Partner empfindet diese Aktivität derzeit als ...
5) Stimulation der männlichen Genitalien mit der Hand durch die Partnerin
- Haben Sie das je gemacht?
- Wir haben diese Aktivität in den letzten 3 Monaten ... ausgeübt
- Ich empfinde diese Aktivität derzeit als ...
- Ich vermute, mein Partner empfindet diese Aktivität derzeit als ...
- Er kommt dadurch ... zum Orgasmus
6) Oraler Sex: der Mann stimuliert die Frau (Cunnilingus)
- Haben Sie das je erlebt?
- Wir haben diese Aktivität in den letzten 3 Monaten ... ausgeübt
- Ich empfinde diese Aktivität derzeit als ...
- Ich komme dadurch ... zum Orgasmus
- Ich vermute, mein Partner empfindet diese Aktivität derzeit als ...
7) Oraler Sex: die Frau stimuliert den Mann (Fellatio)
- Haben Sie das je gemacht?
- Wir haben diese Aktivität in den letzten 3 Monaten ... ausgeübt
- Ich empfinde diese Aktivität derzeit als ...
- Ich vermute, mein Partner empfindet diese Aktivität derzeit als ...
- Er kommt dadurch ... zum Orgasmus
8) Vaginaler Geschlechtsverkehr
- Haben Sie das je gemacht?
- Wir haben diese Aktivität in den letzten 3 Monaten ... ausgeübt
- Ich empfinde diese Aktivität derzeit als ...
- Ich komme dadurch ... zum Orgasmus
- Ich vermute, mein Partner empfindet diese Aktivität derzeit als ...
- Er kommt dadurch ... zum Orgasmus
9) Analverkehr
- Haben Sie das je gemacht?
- Wir haben diese Aktivität in den letzten 3 Monaten ... ausgeübt
- Ich empfinde diese Aktivität derzeit als ...
- Ich komme dadurch ... zum Orgasmus
- Ich vermute, mein Partner empfindet diese Aktivität derzeit als ...
- Er kommt dadurch zum Orgasmus
10) Selbstbefriedigung
- Haben Sie das je gemacht?
- Wir haben diese Aktivität in den letzten 3 Monaten ... ausgeübt
- Vermuten Sie, dass Ihr Partner in den letzten 3 Monaten Selbstbefriedigung praktiziert hat?
- Ich empfinde diese Aktivität derzeit als ...
- Ich komme dadurch ... zum Orgasmus
- Ich vermute, mein Partner empfindet Selbstbefriedigung als ...
- Ich vermute, dass mein Partner dadurch ... zum Orgasmus kommt.
 

Durchführung

 

Testformen

Der FSV existiert jeweils in einer Version für Frauen und Männer und einer Version für werdende/junge Eltern. Alle Testformen sind entweder als Paper-Pencil- oder Online-Version zu bearbeiten.
 

Altersbereiche

Der Fragebogen eignet sich für Jugendliche ab 16 Jahren sowie für Erwachsene, die in einer Partnerschaft leben. Reduzierte Versionen sind auch möglich für Singles.
 

Durchführungszeit

Die Durchführungsdauer beträgt ca. 5 bis 10 Minuten.
 

Material

Neben dem Fragebogen wird lediglich ein Stift zum Ausfüllen benötigt.
 

Instruktion

Die Instruktionen sind standardisiert und auf dem Fragebogen abgedruckt.
 

Durchführungsvoraussetzungen

Eine Voraussetzung seitens des Anwenders ist eine vorab verbale oder schriftliche Instruktion: (a) Der Proband bzw. die Probandin soll den Fragebogen nur so weit ausfüllen, wie es für ihn bzw. sie akzeptabel ist. (b) Man sollte Informationen darüber geben, dass generell viele Menschen/Paare (insbesondere nach der Geburt von Kindern) ohne Sex oder mit sehr wenig sexueller Aktivität leben (als Gegenmittel zum Leistungsdruck, den Fragebogen zu sexueller Aktivität immer induzieren können).
Eine ungestörte Befragungssituation sollte sichergestellt werden. Der Befragte sollte allein mit dem Interviewer bzw. bei der Online-Erhebung alleine im Raum sein. Voraussetzungen seitens des Probanden sind hinreichende deutsche Sprach-/Lese-/Schreibkompetenz, Offenheit bezüglich der erfragten Themen sowie ausreichende intellektuelle und Mentalisierungs-Kompetenz, um Fragen zum mutmaßlichen sexuellen Erleben von Partner oder Partnerin zu verstehen und beantworten zu können. Bei Interviews kann es hilfreich sein, gleichgeschlechtliche Befragungssituationen herzustellen.
 

Testkonstruktion

Das Grundprinzip der Konstruktion ist rational und orientiert sich an der empirischen Sexual- und Partnerschaftsforschung (Sydow, 1991, 1993, 2014; Sydow & Seiferth, 2015). Primäres Ziel des Verfahrens ist die Deskription des sexuellen Erlebens und Verhaltens auf Itemebene, differenziert für unterschiedliche sexuelle Aktivitäten sowie Zärtlichkeit, die Deskription unterschiedlicher Erlebensdimensionen (angenehm vs. unangenehm; erregend? orgasmisch?) sowie die Erfassung der sexuellen Selbst- und Fremdwahrnehmung. (Große) Diskrepanzen zwischen Erleben und Verhalten lassen sich als Indikatoren für (geringe) sexuelle Selbstbestimmung verstehen, (große) Diskrepanzen zwischen Selbstbeschreibung und Fremdeinschätzung durch den Partner/die Partnerin lassen sich als Indikator (schwacher) sexueller Kommunikation sowie (geringer) Fremdkenntnis der Sexualität von Partner oder Partnerin verstehen.
Die Items wurden in Anlehnung an das Sexual Interaction Inventory (SII; LoPiccolo & Stegar, 1974), den Fragebogen zum sexuellen Verhalten (FzSV; Arentewicz, Bulla, Schoof-Tams & Schorsch, 1975) und den Fragebogen zur Messung des sexuellen Interesses (FMSI; Harbison, Graham, Quinn, McAllister & Woodward, 1974) generiert (Sydow & Ullmeyer, 1998). Geeignete Analysestrategien auf Score-Ebene werden derzeit entwickelt (s. auch Jachmann, 2010).
 

Gütekriterien

 

Objektivität

Die Durchführungs- und Auswertungsobjektivität sind aufgrund der hohen Standardisierung und der einfachen Auswertung gegeben. Zur Beurteilung der Interpretationsobjektivität liegen hingegen zu wenige Informationen vor.
 

Reliabilität

Zur Beurteilung der Reliabilität wurde das Ausmaß der Übereinstimmung zwischen den Angaben der beiden Partner eines Paares bestimmt, indem die jeweiligen Items miteinander korreliert wurden. Dabei zeigten sich mit Ausnahme der Angaben zum Analverkehr (r = .34) insgesamt relativ hohe Übereinstimmungsraten zwischen r = .52 und r = 1.00 (vgl. Tabelle 1).

Tabelle 1
Übereinstimmung der Partner bzgl. verschiedener sexueller Aktivitäten (Sydow, Ullmeyer & Happ, 2001, S. 34)
--------------------------------------------------------------------- 
Häufigkeit pro Monat (Pearson Korrelationen)
---------------------------------------------------------------------
Paare(n) t1 t2 t3 t4 t5 t6
---------------------------------------------------------------------
Zaertlichkeiten 25-27 -.18 -.22 1.00** 1.00** 1.00** 1.00**
Zungenkuesse 27 .52** .67** .51** .55** .65** .59**
Stim. Brust 26 .06 .17 .01 -.10 .29 .61**
-----------------
Manuelle Stim.
(Mann stim. Frau) 27 .06 .11 .13 .10 .35 .52**
(Frau stim. Mann) 27 .13 .47 .55** .52** -.12 .63**
-----------------
Cunnilingus 25-28 .78 .73** .41* .41* -.14 .84**
Fellatio 23-24 .28 .70** .74** .65** .87** .85**
Vaginalverkehr 26-27 .28 .69** .68** .68** .33 .69**
Analverkehr 27-28 .93 1.00** -- -- -- .34
---------------------------------------------------------------------
Anmerkungen. Stim. Brust = Stimulation der weiblichen Brust, Manuelle Stim. = manuelle Stimulation der Genitalien des Partners, Cunnilingus = Oralverkehr (Mann stimuliert Frau), Fellatio = Oralverkehr (Frau stimuliert Mann), t1 = ein Jahr vor der Schwangerschaft, t2 = erstes Trimester der Schwangerschaft, t3 = zweites Trimester der Schwangerschaft, t4 = drittes Trimester der Schwangerschaft, t5 = erstes Trimester postpartum, t6 = zweites Trimester postpartum.
 

Validität

Zur Überprüfung der konvergenten Validität wurden Korrelationen zur Skala "Zärtlichkeit" des Partnerschaftsfragebogens (PFB; Hahlweg, 1979) berechnet, welche ähnliche Facetten wie der FSV erfasst. Dabei resultierten moderate Zusammenhänge in Höhe von r = .21 (t1, ein Jahr vor der Schwangerschaft), r = .11 (t2, während der Schwangerschaft), r = .33 (t3, erste drei Monate postpartum), wobei lediglich die Korrelation zu t3 signifikant wurde (Sydow et al., 2001).
Darüber hinaus wurde untersucht, inwiefern die Angaben zur Häufigkeit verschiedener sexueller Aktivitäten a) innerhalb eines Paares und b) über verschiedene Methoden (Fragebogen und Interview) hinweg übereinstimmen. Hierbei zeigten sich 4-6 Monate nach der Geburt a) relativ hohe Korrelationen hinsichtlich aller sexueller Aktivitäten (vgl. unter "Reliabilität") und b) akzeptable Übereinstimmungen bzgl. Vaginalverkehr und Selbstbefriedigung (jeweils kappa = .63 bei Frauen; kappa = .44-.78 bei Männern).
 

Normierung

Derzeit (März 2015) liegen keine Normwerte vor. Für eine grobe Orientierung können jedoch die deskriptiven Kennwerte mehrerer deutscher Stichproben herangezogen werden. Für die Paper-Pencil-Version wurden in den Studien von Sydow et al. (2001) und Sydow (2002) n = 30 Paare sowie für die Online-Version in den Studien von Jachmann (2010), Redelstorff, (2010), Sydow, Redelstorff und Prochnow (2010) sowie Sydow und Seiferth (2015) n = 179 Paare untersucht. Beispielhaft sind in Tabelle 2 nur die deskriptiven Kennwerte für die Paper-Pencil-Version aufgeführt.

Tabelle 2
Kumulative und aktive Prävalenz sexueller Aktivitäten (Sydow, Ullmeyer & Happ, 2001, S. 35)
--------------------------------------------------------------------- 
Kumulativ Aktiv
---------------------------------------------------------------------
Paare(n) % Paare(n) t1(%) t2(%) t3(%)
---------------------------------------------------------------------
Zaertlichkeiten
Frau 30 100 30 100 100 100
Mann 28 100 30 100 100 100
------------------
Zungenkuesse
Frau 30 100 29-30 100 100 100
Mann 30 100 30 100 100 100
------------------
Stimulation Brust
Frau 29 100 28 96 89 71
Mann 30 100 30 97 90 73
------------------
Manuelle Stimulation
(Mann stim. Frau)
Frau 29 100 29 100 90 79
Mann 30 100 30 100 93 90
------------------
Manuelle Stimulation
(Frau stim. Mann)
Frau 29 100 29 100 93 76
Mann 30 100 30 100 87 80
------------------
Cunnilingus
Frau 29 97 29 90 59 55
Mann 30 90 30 80 67 57
------------------
Fellatio
Frau 29 93 27 93 85 59
Mann 30 90 29 83 66 62
------------------
Vaginalverkehr
Frau 29 100 29 100 93 90
Mann 30 100 30 100 97 83
------------------
Analverkehr
Frau 30 30 29 7 3 3
Mann 30 37 29 14 3 7
------------------
Selbstbefriedigung
Frau 30 93 28-29 66 64 54
Mann 30 100 29 93 83 76
---------------------------------------------------------------------
Anmerkungen. Kumulativ = kumulative Lebenszeitprävalenz, Aktiv = aktive Prävalenz, Stimulation Brust = Stimulation der weiblichen Brust, Manuelle Stimulation = manuelle Stimulation der Genitalien des Partners, Cunnilingus = Oralverkehr (Mann stimuliert Frau), Fellatio = Oralverkehr (Frau stimuliert Mann), t1 = vor der Schwangerschaft, t2 = während der Schwangerschaft, t3 = nach der Schwangerschaft.
 

Anwendungsmöglichkeiten

Der FSV wurde ursprünglich zur Beurteilung der sexuellen Vorlieben heterosexueller Paare während und nach der Schwangerschaft entwickelt. Er kann aber von Paaren und/oder Individuen in jeder Lebensphase bearbeitet werden. Der Fragebogen eignet sich gleichermaßen für den Einsatz in forschungsbezogenen und angewandten Bereichen (z.B. zur Therapieerfolgsbeurteilung oder -dokumentation) und kann sowohl bei klinischen als auch nicht klinischen Gruppen eingesetzt werden.
 

Bewertung

Mit dem Fragebogen zu sexuellen Vorlieben (FSV) liegt erstmals ein deutschsprachiges Verfahren vor, welches neben sexueller Aktivität auch sexuelles Interesse und Erleben erfasst. Entgegen anderer deutsch- und englischsprachiger Fragebögen umfassen die Items neben dem Koitus auch vielfältige andere sexuelle Aktivitäten, wie z.B. Zärtlichkeiten, Zungenküsse, Oralverkehr und manuell-genitale Stimulation des Partners. Durch die Unterscheidung zwischen Geschlechtsverkehr mit und ohne Stimulation der Klitoris werden darüber hinaus die Besonderheiten der weiblichen Sexualität bzw. des weiblichen Orgasmus berücksichtigt. Die Items zur Fremdbeurteilung erlauben es weiterhin, das Ausmaß der Übereinstimmung des partnerschaftlichen sexuellen Erlebens zu bestimmen (vgl. Sydow, 2002).
Mit dem Verfahren wird zwar ein erweitertes Spektrum sexueller Verhaltensweisen erfasst, dennoch sind viele weitere sexuelle Varianten (z.B. aus dem SM-Bereich) nicht berücksichtigt. Zudem wäre aufgrund der aktuellen gesellschaftlichen Entwicklungen zu überlegen, den Fragebogen auch auf homosexuelle Beziehungen auszudehnen.
Der hohen Nützlichkeit des Verfahrens stehen jedoch nur wenige Angaben zur Testkonstruktion und Reliabilität gegenüber. Hier wären ausführlichere Informationen sowie weitere Untersuchungen zur Reliabilität und Validität des Fragebogens wünschenswert. Wenngleich auf Itemebene derzeit keine Verrechnungsvorschriften existieren, befinden sich diese in Arbeit (Jachmann, 2010). Bisher fehlen Normwerte zum FSV. Doch auf dem Hintergrund einer systemisch-paartherapeutischen Haltung ist es fragwürdig, ob es hier überhaupt Normen geben kann oder sollte. Der FSV lässt sich insofern als Forschungsinstrument einsetzen, er ist aber auch nützlich im Kontext von Einzel- und besonders Paartherapien, da er Einblicke in subjektiv unterschiedliches Erleben ermöglicht, die den Austausch beider Partner bereichern können.
 

Literatur

  • Arentewicz, G., Bulla, R., Schoof-Tams, K. & Schorsch, E. (1975). Verhaltenstherapie sexueller Funktionsstörungen: Erfahrungen mit 23 Paaren. In E. Schorsch & G. Schmidt (Hrsg.), Ergebnisse zur Sexualforschung (S. 154-223). Köln: Wissenschafts-Verlag.
  • Fonagy, P., Gergely, G., Jurist, E.L. & Target, M. (2008). Affektregulierung, Mentalisierung und die Entwicklung des Selbst (3. Auflage). Stuttgart: Klett-Cotta.
  • Hahlweg, K. (1979). Konstruktion und Validierung des Partnerschaftsfragebogens PFB. Zeitschrift für Klinische Psychologie, 8, 17-40.
  • Harbison, J.J.M., Graham, P.J., Quinn, J.T., McAllister, H. & Woodward, R. (1974). A questionnaire measure of sexual interest. Archives of Sexual Behavior, 3 (4), 357-366.
  • Jachmann, S. (2010). Die Validierung des Fragebogens für Sexuelle Vorlieben (FSV). Unveröffentlichte Diplomarbeit, Universität Hamburg, Fachbereich Psychologie.
  • LoPiccolo, J. & Stegar, J.C. (1974). The Sexual Interaction Inventory: a new instrument for assessment of sexual dysfunction. Archives of Sexual Behavior, 3, 585-595.
  • Redelstorff, J. (2010). Partnerschaft, Sexualität und Bindung: Eine internetbasierte Studie mit Paaren. Unveröffentlichte Diplomarbeit, Universität Hamburg, Fachbereich Psychologie.
  • Sydow, K.v. (1991). Psychosexuelle Entwicklung im Lebenslauf. Eine biographische Studie bei Frauen der Geburtsjahrgänge 1895-1936. Regensburg: S. Roderer. [von der Philosophischen Fakultät der Universität Bonn als Dissertation angenommen]
  • Sydow, K.v. (1993). Lebenslust. Weibliche Sexualität von der frühen Kindheit bis ins hohe Alter. Bern: Huber.
  • Sydow, K.v. (2002). Sexual enjoyment and orgasm postpartum: Sex differences and perceptual accuracy concerning partners' sexual experience. Journal of Psychosomatic Obstetrics & Gynecology, 23 (3), 147-155.
  • Sydow, K.v. (2014). FSV (SPQ). Fragebogen zu sexuellen Vorlieben (Sexual Preferences Questionnaire). In D. Richter, E. Brähler & B. Strauß (Hrsg.), Diagnostische Verfahren in der Sexualwissenschaft (S. 103-106). Göttingen: Hogrefe.
  • Sydow, K.v., Beher, S., Retzlaff, R. & Schweitzer-Rothers, J. (2007). Die Wirksamkeit Systemischer Therapie/Familientherapie. Göttingen: Hogrefe.
  • Sydow, K.v., Redelstorff, J. & Prochnow, S. (2010). Bindung und Sexualität: Eine internetbasierte Studie mit Paaren. Präsentation beim DGPs-Kongress. Bremen, 26.-30.09.2010.
  • Sydow, K.v. & Seiferth, A. (2015). Sexuelle Beziehungen. Göttingen: Hogrefe.
  • Sydow, K.v. & Ullmeyer, M. (1998). Fragebogen zu sexuellen Vorlieben. Gießen: Universität Gießen.
  • Sydow, K.v., Ullmeyer, M. & Happ, N. (2001). Sexual activity during pregnancy and after childbirth: Results from the Sexual Preferences Questionnaire (SPQ). Journal of Psychosomatic Obstetrics and Gynecology, 22, 29-40. -PSYNDEX-Lit Dok.-Nr. 0154108
 

Wichtige neuere Publikationen

  • Fischer, C. (2016). Kirsten von Sydow, Andrea Seiferth. Sexualität in Paarbeziehungen (Rezension). Psychotherapie aktuell, 9 (1), 45-46.
 
 Jennifer Schroth (19.11.2014)
Autorenbeschreibung: Kirsten von Sydow (29.02.2015)
 APA-Schlagworte/PSYNDEX Terms:

Classical Test Theory; Questionnaires; Rating Scales; Attitude Measurement; Sexuality; Psychosexual Behavior; Sexual Attitudes; Sexual Satisfaction; Sexual Intercourse (Human); Masturbation; Sexual Abstinence; Pleasure; Pregnancy; Postnatal Period

Klassische Testtheorie; Fragebögen; Rating-Skalen; Einstellungsmessung; Sexualität; Sexualverhalten; Einstellungen zur Sexualität; Sexuelle Zufriedenheit; Geschlechtsverkehr (Mensch); Masturbation; Sexuelle Enthaltsamkeit; Vergnügen; Schwangerschaft; Postnatale Phase

 weitere Schlagworte:

1998; Open Access; Paper-Pencil-Version; Online-Version; Version für Männer; Version für Frauen; Version für werdende/junge Eltern; Selbstbeurteilung; Fremdbeurteilung; 64 Items; Bereiche: 1 Sexual Activities, 2 Researched Periods of Time, 3 Enjoyment, 4 Partner's Enjoyment; Normierungsjahr: keine Angaben; Normstichprobe: 30+179
 Klassifikation:

Klinische Psychodiagnostik; Sexualverhalten und sexuelle Orientierung
Klinische Tests für sexuelle Probleme; Einstellungstests zu Sexualität
11.10; 7.4.2
 Anwendungstyp: Research (Tests)
 Art der Publikation: Test; Electronic Resources (90; 94)
 Sprache: German
 Land: Germany
 Publikationsjahr: 1998
 Änderungsdatum: 201701
 info@zpid.de | © 1996-2017 ZPID