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Gefahrenerwartungsfragebogen bei Flugreisen (PSYNDEX Tests Abstract)

 PSYNDEX Tests-Dokument: 9005016
 

GES - Gefahrenerwartungsfragebogen bei Flugreisen (PSYNDEX Tests Abstract)

 

Danger Expectancy Scale Fear of Flying (DES; Gursky, D.M. & Reiss, S., 1987) - German version/author

 Mühlberger, A., Herrmann, M.J. & Pauli, P.
 (1996). Gefahrenerwartungsfragebogen bei Flugreisen (GES). Tübingen: Eberhard-Karls-Universität, Psychologisches Institut.

Online im Internet: https://www.zpid.de/index.php?wahl=products&uwahl=frei&uuwahl=testarchiveintro

 Bezugsquelle: Das Verfahren ist im "Elektronischen Testarchiv" des ZPID enthalten und steht unter der "Creative Commons Namensnennung-NichtKommerziell-KeineBearbeitung 3.0 Unported (CC BY-NC-ND 3.0)"-Lizenz (http://creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/3.0/deed.de); es kann für nichtkommerzielle Forschungs- und Unterrichtszwecke kostenlos eingesetzt werden. ; URL: https://www.zpid.de/index.php?wahl=products&uwahl=frei&uuwahl=userlog ; Stand: 1.5.2016.
 Adresse(n): o Prof. Dr. Andreas Mühlberger, Lehrstuhl für Klinische Psychologie, Fakultät für Psychologie, Pädagogik und Sportwissenschaft und Psychotherapie, Universität Regensburg, Universitätsstraße 31, D-93053 Regensburg ; E-Mail: andreas.muehlberger@ur.de ; URL: http://www.uni-regensburg.de/psychologie-paedagogik-sport/psychologie-muehlberger/team/muehlberger-andreas/ ; Stand: 7.7.2016
o Prof. Dr. Paul Pauli, Lehrstuhl für Psychologie I, Bayerische Julius-Maximilians-Universität Würzburg, Psychologisches Institut, Markusstraße 9-11, D-97070 Würzburg ; E-Mail: pauli@psychologie.uni-wuerzburg.de ; URL: http://www.i1.psychologie.uni-wuerzburg.de/klin/personen/pauli_paul/prof_dr_paul_pauli/ ; Stand: 24.2.2012
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Abstract

Diagnostische Zielsetzung:
Der GES für Flugreisen erfasst eine Komponente von Flugangst, nämlich die Häufigkeit, mit der während einer Flugreise Befürchtungen auftreten, äußeren physikalischen oder sozialen Bedrohungen ausgeliefert zu sein. Die Skala wurde als Forschungsinstrument entwickelt, um die Überprüfung des theoretischen Modells ängstlichen Verhaltens von Gursky und Reiss (1987) zu ermöglichen. Im Anwendungskontext könnte sie gegebenenfalls eingesetzt werden, um durch die Erfassung spezifischer Komponenten von Phobien eine differenzielle Therapiezuweisung vorzunehmen.


Aufbau:
Der GES enthält neun Items, die konkret und zeitlich nicht terminiert formuliert sind. Sie beschreiben Gefahren, die während einer Flugreise auftreten können (z.B. "Ein Triebwerk könnte ausfallen"). Auf einer fünffach gestuften Likert-Skalen mit den Polen 1 ("sehr selten") und 5 ("sehr oft") soll eingeschätzt werden, wie wahrscheinlich Gedanken an diese Vorkommnisse während einer Flugreise auftreten würden. Zur Auswertung werden der Summenscore oder der Mittelwert über alle Items berechnet.


Grundlagen und Konstruktion:
Der GES wurde von Gursky und Reiss (1987) zur Abschätzung der Gefahrenerwartung in verschiedenen Situationen entwickelt. Die Skalen für verschiedene Situationen unterscheiden sich im Gegensatz zum Fragebogen zur Angsterwartung (AES; PSYNDEX Tests-Nr. 9005017) in den einzelnen Items, da für verschiedene Situationen verschiedene Bedrohungen relevant sind. Das dahinterstehende theoretische Konzept von Gursky und Reiss (1987) geht davon aus, dass sich ängstliches Verhalten in einer Situation aus zwei unterschiedlichen Vermeidungsmotivationen zusammensetzt, der Gefahrenerwartung und der Angsterwartung. Angsterwartung beinhaltet die Befürchtung, Angstsymptome während Flugreisen zu erleben, die Gefahrenerwartung hingegen die Befürchtung, einer äußeren physikalischen oder sozialen Bedrohung ausgeliefert zu sein. Das Modell besagt, dass sich ängstliches Verhalten additiv aus der Gefahrenerwartung und dem Produkt der Angsterwartung mal der Angstsensitivität (gemessen mit dem Anxiety Sensitivity Index ASI) zusammensetzt.
Die psychometrische Konstruktion und Überprüfung der Skala erfolgte nach Prinzipien der Klassischen Testtheorie. Von Gursky und Reiss (1987) wurden jeweils ein AES und ein GES mit je zehn Items für drei verschiedene Phobien (Flugphobie, Höhenphobie, Phobie vor öffentlichem Sprechen) entwickelt. Diese ersten Versionen wurden von N = 79 Studierenden bearbeitet. Analysen der Reliabilitäts- und Trennschärfekoeffizienten ergaben, dass ein Item des GES eliminiert werden musste, sodass die Endfassung nur noch neun Items beinhaltete. Der Fragebogen wurde von Mühlberger, Herrmann und Pauli (1996) ins Deutsche übertragen.


Empirische Prüfung und Gütekriterien:
Reliabilität: Die Gütekriterien der Originalversion wurden von Gursky und Reiss (1987) an n = 135 Studenten untersucht. Die interne Konsistenz (Cronbachs Alpha) lag bei Alpha = .88. Die Retestreliabilität wird nicht exakt angegeben; sie betrug zwischen rtt = .76 und rtt = 82 (n = 121). Die interne Konsistenz der deutschen Version wurde an einer Stichprobe von n = 119 Personen mit Flugangst untersucht. Sie lag bei Alpha = .86. Die Schätzung der 3-Monats-Retestreliabilität (n = 37) erbrachte einen Wert von rtt = .67 (Mühlberger, 1997).
Validität: Für die Originalversion der Skala von Gursky und Reiss (1987) ergab eine Hauptkomponentenanalyse mit Varimaxrotation über den Itempool von AES und GES für Flugreisen, dass alle Items der richtigen Skala zugeordnet werden konnten. Eine analoge vorläufige Faktorenanalyse für die deutsche Version unterstützt dieses Ergebnis (Mühlberger & Pauli, in Vorbereitung). Die beiden Skalen bilden also zwei unterschiedliche Faktoren ab. Die konvergente und divergente Validität wurde an einer Stichprobe von n = 237 Personen mit Flugangst untersucht (Mühlberger, 2003). Zur Überprüfung der konvergenten Validität wurden ein globales Flugangst- und ein Flugvermeidensrating sowie die Fear of Flying Scale (FFS) eingesetzt, für die divergente Validität der Anxiety Sensitivity Index (ASI) und die Anxiety Expectancy Scale (AES). Die Ergebnisse entsprechen nur zum Teil den Vorhersagen: Der GES korrelierte mit der Frage nach der Flugangst zu r = .16, mit dem Vermeidungsverhalten jedoch nicht (r = -.01). Positive Korrelationen fanden sich - im Einklang mit der theoretischen Konzeption - zum FFS (r = .18) und den beiden Subskalen Turbulenzen (r =.19) und Landen (r = .23). Zu der divergenten Skala AES ergab sich hypothesenkonform nur ein geringer Zusammenhang (r = .12), ebenso blieb eine bedeutsame Korrelation mit dem ASI erwartungsgemäß aus (r = -.01). Zehender (2003) ermittelte schließlich an n = 180 Erwachsenen eine hohe Korrelationen von r = .74 zwischen GES und FFS (Mühlberger, 2003).
Normen: Für die Originalversion liegen Mittelwerte und Standardabweichungen aus der Untersuchung von Gursky und Reiss (1987) an n = 135 Studenten vor. Für den Summenscore ergab sich ein Mittelwert von M = 15.6 bei einer Standardabweichung von SD = 5.5. Für die deutsche Version existieren bislang keine Normen.

 

Altersbereiche

Der Fragebogen wurde für Erwachsene mit Flugangst entwickelt.
 

Durchführungszeit

Die Durchführungszeit dürfte maximal 5 Minuten betragen.
 

Bewertung

Der GES ist kurz und einfach zu beantworten. Der Fragebogen eignet sich bisherigen Befunden zufolge sehr gut, um die Gefahrenerwartung als spezifische Komponente von Flugangst zu erfassen. Er hat sich bei der Therapieevaluation als veränderungssensitives Messinstrument bewährt, das allerdings in einer Untersuchung zwischen den untersuchten Therapieformen kaum differenzierte (Mühlberger, Herrmann, Wiedemann, Ellgring & Pauli, 2001).
 

Literatur

  • Gursky, D.M. & Reiss, S. (1987). Identifying danger and anxiety expectations as components of common fears. Journal of Behavior & Experimental Psychiatry, 18 (4), 317-324.
  • Mühlberger, A. (1997). Exposition in virtuellen Welten zur Therapie von Flugangst. Prozessanalyse. Unveröffentlichte Diplomarbeit, Julius-Maximilians-Universität Würzburg.
  • Mühlberger, A. (2003). Flugangstfragebogen (FFS). In J. Hoyer & J. Margraf (Hrsg.), Angstdiagnostik. Grundlagen und Testverfahren (S. 431-434). Berlin: Springer.
  • Mühlberger, A., Herrmann, M.J. & Pauli, P. (1996). Gefahrenerwartungsfragebogen bei Flugreisen (GES). Tübingen: Eberhard-Karls-Universität, Psychologisches Institut.
  • Mühlberger, A., Herrmann, M.J., Wiedemann, G., Ellgring, H. & Pauli, P. (2001). Repeated exposure of flight phobics to flights in virtual reality. Behaviour Research and Therapy, 39, 1033-1050.
  • Mühlberger, A. & Pauli, P. (in Vorbereitung). Validierung des Angsterwartungsfragebogens (Anxiety Expectancy Scale, AES) und des Gefahrenerwartungsfragebogens (Danger Expectancy Scale, GES) - deutsche Bearbeitung.
  • Zehender, B.W. (2007). Untersuchungen zum Thema Flugangst. Digitale Dissertation, Eberhard-Karls-Universität Tübingen, Medizinische Fakultät. Verfügbar im Internet unter http://tobias-lib.uni-tuebingen.de/volltexte/2007/2766/pdf/doktorarbeit_bernd_zehender.pdf (Datum des Abrufs: 06.03.2012)
 

Originalfassung/Anderssprachige Fassungen

  • Gursky, D.M. & Reiss, S. (1987). Identifying danger and anxiety expectancies as components of common fears. Journal of Behavior Therapy and Experimental Psychiatry, 18 (4), 317-324.
 
 Anne-Kathrin Mayer (06.03.2012)
 APA-Schlagworte/PSYNDEX Terms:

Classical Test Theory; Questionnaires; Rating Scales; Clinical Psychology; Anxiety; Phobias; Fear; Panic; Air Transportation

Klassische Testtheorie; Fragebögen; Rating-Skalen; Klinische Psychologie; Angst; Phobien; Furcht; Panik; Luftverkehr

 weitere Schlagworte:

1987; 1996; Open Access; Eingangsdiagnostik; Flugangst; 9 Items; Normierungsjahr: keine Angaben
 Klassifikation:

Klinische Psychodiagnostik; Neurosen und Angststörungen
Persönlichkeitstests zur Angst; Klinische Tests zur Angsterfassung
9.3; 11.6
 Anwendungstyp: Research (Tests), Clinical Diagnosis
 Art der Publikation: Test; Electronic Resources (90; 94)
 Sprache: German
 Übersetzungen: English
 Land: United States
 Publikationsjahr: 1996
 Änderungsdatum: 201203
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