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Fragebogen Eigenverantwortung (PSYNDEX Tests Abstract)

 PSYNDEX Tests-Dokument: 9005366
 

EV-20 - Fragebogen Eigenverantwortung (PSYNDEX Tests Abstract)

 

Personal Responsibility Questionnaire/zpid

 Bierhoff, H.W., Wegge, J., Bipp, T., Kleinbeck, U., Attig-Grabosch, C. & Schulz, S.
 (2005). Entwicklung eines Fragebogens zur Messung von Eigenverantwortung oder "Es gibt nichts Gutes, außer man tut es". Zeitschrift für Personalforschung, 4 (1), 4-18.

Online im Internet: https://www.zpid.de/index.php?wahl=products&uwahl=frei&uuwahl=testarchiveintro

 Bezugsquelle: Das Verfahren ist im "Elektronischen Testarchiv" des ZPID enthalten und steht unter der "Creative Commons Namensnennung-NichtKommerziell-KeineBearbeitung 3.0 Unported (CC BY-NC-ND 3.0)"-Lizenz (http://creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/3.0/deed.de); es kann für nichtkommerzielle Forschungs- und Unterrichtszwecke kostenlos eingesetzt werden. ; URL: https://www.zpid.de/index.php?wahl=products&uwahl=frei&uuwahl=userlog ; Stand: 1.5.2016.
Anmerkung: Instruktion und Items des Fragebogens sind ferner abgedruckt in Bierhoff, Wegge, Bipp, Kleinbeck, Attig-Grabosch und Schulz (2005, S. 18).
 Adresse(n): o Prof. Dr. Hans-Werner Bierhoff, Ruhr-Universität Bochum, Fakultät für Psychologie, D-44780 Bochum ; E-Mail: hans.bierhoff@rub.de ; URL: http://www.psy.ruhr-uni-bochum.de/Arbeitseinheiten/bierhoff.html.de ; Stand: 30.8.2016
o Prof. Dr. Jürgen Wegge, Technische Universität Dresden, Fakultät Mathematik und Naturwissenschaften, Institut für Psychologie III, Professur für Arbeits- und Organisationspsychologie, D-01062 Dresden ; E-Mail: wegge@psychologie.tu-dresden.de ; URL: https://tu-dresden.de/mn/psychologie/wop/die-professur/inhaber-in ; Stand: 30.6.2016
 

Abstract

Diagnostische Zielsetzung:
Der Fragebogen zur Messung von Eigenverantwortung dient der Erfassung der allgemeinen Bereitschaft und Neigung einer Person zur Übernahme von Eigenverantwortung und zum eigenverantwortlichen Handeln. Eigenverantwortung stellt dabei ein komplexes Bündel personaler Ressourcen dar, das sowohl kognitive als auch motivationale Facetten umfasst. Zu der kognitiven Facette zählt die Fähigkeit zur Selbstregulation, unter die motivationale Facette fallen die Generierung von bestimmten Handlungszielen und das hartnäckige Anstreben von deren Umsetzung. Bedeutende Charakteristika der Eigenverantwortung sind damit das bewusste Abwägen zwischen verschiedenen Handlungsalternativen, die Intention, gesetzte Ziele zu erreichen sowie die Konzentration auf das Wesentliche (vgl. Koch & Kaschube, 2000). Da davon auszugehen ist, dass Eigenverantwortung ein zunehmend erfolgskritisches Erfordernis des Handelns in modernen Gesellschaften ist (vgl. Elias, 1997), erscheint eine diagnostische Abschätzung der Eigenverantwortung nützlich, beispielsweise bei Entscheidungen zur Personalauswahl für das mittlere und höhere Management.


Aufbau:
Der Fragebogen besteht aus 20 Items, von denen jedoch nur 18 ausgewertet werden (Item 5 und 11 bleiben unberücksichtigt). Die Antworten werden auf einer sechsstufigen Skala erhoben, wobei höhere Werte einer größeren Zustimmung entsprechen. Die verbalen Endpunkte der Skala werden mit "sehr falsch" und "sehr richtig" gekennzeichnet. Zur Verminderung von Urteilstendenzen sind vier der Items invertiert (Item 11, 14, 18 und 19). Die 18 Items werden zu einem Gesamtmittelwert zusammengefasst.


Grundlagen und Konstruktion:
Ziel der Fragebogenkonstruktion war es, einen psychometrisch abgesicherten Fragebogen zu entwickeln, der die direkte Erfassung der Selbsteinschätzung der Eigenverantwortung einer Person gestattet. Die Items wurden auf Basis der Beiträge zur Tagung "Eigenverantwortung in Organisationen" (Koch, Kaschube & Fisch, 2003) formuliert. Des Weiteren wurden die Items inhaltlich an das Rubikonmodell der Handlungsphasen (Heckhausen, 1989; Gollwitzer, 1996) angelehnt. Somit fanden die verschiedenen Phasen des Handlungsprozesses (Wählen, Planen, Handeln) in den Items Berücksichtigung. Die Konstruktion des Fragebogens erfolgte in zwei Schritten. Zunächst wurde die Dimensionalität der Eigenverantwortung überprüft. Auf Basis zweier Stichproben (n = 103 und n = 120) wurde auf der Basis der Faktorenanalyse eine einfaktorielle Struktur des Fragebogens nahegelegt. Somit ist davon auszugehen, dass der Test die globale Eigenverantwortung erfasst. In einem zweiten Schritt wurde die psychometrische Qualität der Skala getestet. Diese erwies sich als angemessen; so zeigte sich unter anderem eine zufriedenstellende interne Konsistenz der Fragebogenitems (siehe unten).


Empirische Prüfung und Gütekriterien:
Reliabilität: Für den 20-Item-Fragebogen wurde in der Itemanalyse festgestellt, dass zwei Items unzureichende Trennschärfen aufweisen. Daher basiert die Auswertung der Eigenverantwortung auf 18 Items, für die in zwei Studien zufriedenstellende interne Konsistenzen mit Werten von Alpha = .75 bzw. Alpha = .67 festgestellt wurden (Bierhoff et al., 2005). In einer weiteren Studie (Bierhoff, Lemiech & Rohmann, 2012) ergab sich mit Alpha = .67 ein vergleichbarer Reliabilitätskoeffizient für die 18-Item-Skala. Die mäßig hohen internen Konsistenzen gehen vermutlich darauf zurück, dass einige Items bestimmte inhaltliche Bereiche ansprechen (berufsbezogene Themen und den Gesundheitsbereich), während andere Items thematisch nicht festgelegt sind.
Validität: Die faktorielle Validität des Fragebogens konnte mittels Hauptkomponentenanalyse wiederholt belegt werden. In einem Laborexperiment konnte zudem die Konstruktvalidität aufgezeigt werden. Die Skala zur Messung von Eigenverantwortung korrelierte positiv mit der Zielbindung bei einer neuen, schwierigen Aufgabe, wenn die Person ein entsprechendes Ziel mit einem Vorgesetzten zuvor verbindlich ausgehandelt hatte. Zudem wurden moderate positive Zusammenhänge mit mehreren Persönlichkeitsdimensionen der Big Five (McCrae & Costa, 1999) ersichtlich: Gewissenhaftigkeit und Offenheit für Erfahrung erklären zwischen 23% und 25% der Varianz des EV-20. Darüber hinaus fällt die Korrelation mit sozialer Verantwortung wie erwartet positiv aus. Allerdings liegt die gemeinsame Varianz nur bei 12%, so dass es gerechtfertigt ist, Eigenverantwortung als ein eigenständiges psychologisches Konstrukt aufzufassen. Ein wichtiger Unterschied zwischen Eigenverantwortung und sozialer Verantwortung besteht darin, dass nur Letztere einen hohen Zusammenhang mit der Dimension Verträglichkeit aus den Big Five aufweist, während nur Erstere mit Offenheit für Erfahrung bedeutsam zusammenhängt.
Normen: Normwerte liegen nicht vor.

 

Altersbereiche

Der Fragebogen zur Messung von Eigenverantwortung (EV-20; Bierhoff et al., 2005) kann von Erwachsenen bearbeitet werden.
 

Durchführungszeit

Die Bearbeitungsdauer beträgt etwa 5 Minuten.
 

Bewertung

Mit dem Fragebogen zur Messung von Eigenverantwortung liegt ein Instrument vor, welches die Erfassung der allgemeinen Bereitschaft zur Übernahme von Eigenverantwortung und zum eigenverantwortlichen Handeln ermöglicht. Berechnungen zur psychometrischen Qualität belegen die Eignung dieses Fragebogens zur Messung von Eigenverantwortung. Angesichts der nur 20 Items handelt es sich um ein ökonomisches Messinstrument, das schnell bearbeitet werden kann. Folgt man der kulturell-historischen Entwicklung in den Industrienationen, ist davon auszugehen, dass die Bedeutung der Eigenverantwortung in Zukunft noch weiter zunehmen wird. Daher wird das Thema der Eigenverantwortung in der Personalpsychologie voraussichtlich an Relevanz gewinnen.
 

Literatur

  • Bierhoff, H.W., Lemiech, K. & Rohmann, E. (2012). Eigenverantwortung, Selbstwirksamkeit und Freiwilliges Arbeitsengagement. Wirtschaftspsychologie, 14 (1), 83-90.
  • Bierhoff, H.W., Wegge, J., Bipp, T., Kleinbeck, U., Attig-Grabosch, C. & Schulz, S. (2005). Entwicklung eines Fragebogens zur Messung von Eigenverantwortung. Zeitschrift für Personalpsychologie, 4 (1), 4-18.
  • Elias, N. (1997). Über die Zeit. Frankfurt: Suhrkamp.
  • Gollwitzer, P.M. (1996). Das Rubikonmodell der Handlungsphasen. In J. Kuhl & H. Heckhausen (Hrsg.), Motivation, Volition und Handlung (S. 531-582). Göttingen: Hogrefe.
  • Heckhausen, H. (1989). Motivation und Handeln (2. Auflage). Berlin: Springer.
  • Koch, S. & Kaschube, J. (2000). Eigenverantwortliches Handeln in Organisationen. Konzeptualisierung des Phänomens und Exploration am Beispiel von Führungskräften. Zeitschrift für Personalforschung, 14, 5-27.
  • Koch, S., Kaschube, J. & Fisch, R. (2003). Eigenverantwortung für Organisationen - Einführung und Überblick. In S. Koch, J. Kaschube & R. Fisch (Hrsg.), Eigenverantwortung in Organisationen (S. 3-16). Göttingen: Hogrefe.
  • McCrae, R. & Costa, P.T. (1999). A five-factor theory of personality. In L.A. Pervin & O.P. John (Eds.), Handbook of personality. Theory and research (2nd ed., pp. 139-153). New York, NY: Guilford Press.
 
 Autorenbeschreibung: Hans-Werner Bierhoff (31.05.2012)
 APA-Schlagworte/PSYNDEX Terms:

Classical Test Theory; Questionnaires; Rating Scales; Test Norms; Personality Measures; Industrial and Organizational Psychology; Personality Traits; Responsibility

Klassische Testtheorie; Fragebögen; Rating-Skalen; Testnormen; Persönlichkeitstests; Arbeits- und Organisationspsychologie; Persönlichkeitsmerkmale; Verantwortlichkeit

 weitere Schlagworte:

2005; Open Access; Kognitive und motivationale Facetten der Eigenverantwortung; 18 Items; Normierungsjahr: keine Angaben
 Klassifikation:

Persönlichkeitstests; Persönlichkeitseigenschaften und Persönlichkeitsprozesse
Sonstige Persönlichkeitsverfahren
9.99
 Anwendungstyp: Research (Tests)
 Art der Publikation: Test; Electronic Resources (90; 94)
 Sprache: German
 Land: Germany
 Publikationsjahr: 2005
 Änderungsdatum: 201306
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