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Affekt-Regulation und Affekt-Wahrnehmung Q-Sort Test (PSYNDEX Tests Abstract)

 PSYNDEX Tests-Dokument: 9005431
 

AREQ - Affekt-Regulation und Affekt-Wahrnehmung Q-Sort Test (PSYNDEX Tests Abstract)

 

Affect Regulation and Experience Q-Sort Test (AREQ; Westen, D. & Shedler, J., 1994) - German version/author
Synonym(e): Affektregulierung und Affekterleben Q-Sort Verfahren; ARE-Q

 Westen, D., Shedler, J. & Löffler-Stastka, H.
 (2004). Affekt-Regulation und Affekt-Wahrnehmung Q-Sort Test [Manual mit Anwenderleitfaden für die Durchführung des AREQ-Tests, Item-Liste für den AREQ-Test, Anleitung mit SPSS-Befehlen für die Auswertung der Faktoren, Kartenvorlagen zum Ausdrucken und Zurechtschneiden, Affektregulationsinterview]. Wien: Medizinische Universität Wien.

Online im Internet: https://www.zpid.de/index.php?wahl=products&uwahl=frei&uuwahl=testarchiveintro

 Bezugsquelle: Das Verfahren ist im "Elektronischen Testarchiv" des ZPID enthalten und steht unter der "Creative Commons Namensnennung-NichtKommerziell-KeineBearbeitung 3.0 Unported (CC BY-NC-ND 3.0)"-Lizenz (http://creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/3.0/deed.de); es kann für nichtkommerzielle Forschungs- und Unterrichtszwecke kostenlos eingesetzt werden. ; URL: https://www.zpid.de/index.php?wahl=products&uwahl=frei&uuwahl=userlog ; Stand: 1.5.2016.
Anmerkung: Bei Löffler-Stastka (2005, S. 40) sind Beispielitems aufgeführt.
 Adresse(n): o Dr. Henriette Löffler-Stastka, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapeutische Medizin, Psychoanalytikerin (Wiener Psychoanalytische Vereinigung/IPA), Universitätsklinik für Psychoanalyse und Psychotherapie Wien, Währinger Gürtel 18-20, A-1090 Wien, Österreich ; E-Mail: henriette.loeffler-stastka@meduniwien.ac.at ; URL: https://www.meduniwien.ac.at/hp/psychoanalyse/allgemeine-informationen/mitarbeiterinnen/assoc-prof-priv-doz-dr-henriette-loeffler-stastska/ ; Stand: 30.8.2016
 

Abstract

Diagnostische Zielsetzung:
Der AREQ wurde als Instrument zur klinischen Persönlichkeitsdiagnostik mittels eines Fremdratings durch erfahrene klinische Psychologen entwickelt. Sein Ziel ist eine Diagnostik des vorherrschenden Affekterlebens und der bevorzugten Affektregulationsmechanismen des Patienten. Aus den im Interview beschriebenen affektiven Erfahrungen und sowohl bedeutsamen als auch belastenden Begegnungen zieht der erfahrene Kliniker Schlüsse über die Coping- und Abwehrstrategien der betreffenden Person. Eine solche Beurteilung ist neben der Forschung besonders im Bereich der Diagnostik und Therapie von großer Bedeutung. Ausgehend davon, dass die Selbstbeurteilungsverfahren in diesem Bereich aufgrund von sozialer Erwünschtheit und Verzerrungen durch eigene Wünsche und Ängste relativ unzuverlässig sind, soll der AREQ eine objektivere und realistischere Einschätzung von Affekten und dem damit einhergehenden Anpassungs- und Vermeidungsverhalten ermöglichen.


Aufbau:
Maximal 24 Stunden vor dem Rating wird ein etwa 60-80 minütiges narratives klinisches Interview geführt, dessen bedeutsame Inhalte notiert oder auf Band aufgenommen werden. Auf redundante Fragen wird dabei verzichtet. Die grundsätzlichen Fragen sind vorgegeben, können jedoch vom Interviewer für die individuelle Person und Situation angepasst, gekürzt oder erweitert werden. Das Interview ist in 12 Themengebiete mit je einer Hauptfrage und einer unterschiedlichen Anzahl ergänzender Fragen aufgeteilt, welche gestellt werden, sofern sie nicht bereits zuvor beantwortet wurden. Bei den 12 Themengebieten handelt es sich um Informationen zu: (1) sich selbst als Mensch, (2) Beschwerden und psychiatrische Krankengeschichte, (3) Kindheit, (4) Beziehung zur Mutter mit einem Ereignis, (5) Beziehung zum Vater mit einem Ereignis, (6) Verhältnis zu Geschwistern, (7) Freundschaften und Hobbies, (8) Liebesbeziehungen, (9) Arbeitssituation und beruflicher Werdegang, (10) schwierige oder stressreiche Zeiten und der Umgang damit, (11) Kinder und der Umgang damit, wenn sich jemand anderer um diese kümmert, und (12) Stimmungen und Gefühle. Abschließend erhält der Patient die Möglichkeit, sich zum Interview zu äußern, Fragen zu stellen und Ergänzungen vorzunehmen.
Der Untersucher trifft anschließend mit Hilfe eines Sets von 98 Karten mit je einer Aussage eine Entscheidung darüber, wie ein Patient im affektiven Bereich psychologisch funktioniert, Affekte wahrnimmt und welche Abwehrmechanismen oder Copingstrategien er verwendet. Auf einem Tisch müssen die Karten auf acht Stapel verteilt werden, die mit "0" bis "7" benannt sind. Das Kriterium der Zuordnung besteht darin, wie sehr die Aussage einer Karte auf den Patienten zutrifft. Je höher die Nummer des Stapels, umso zutreffender sollte die Aussage für den Patienten sein. Stapel 0, welcher ganz links platziert wird, beinhaltet daher Aussagen, welche in keinster Weise zu dem Patienten passen, und Stapel 7, welcher ganz rechts platziert wird, solche, welche die zentralsten Persönlichkeitsaspekte exakt wiedergeben.
Stapel 7 wird anschließend nach der Priorität des Zutreffens der Aussage sortiert. Vier Aussagen müssen auf dem Stapel verbleiben, der Rest wird in Stapel 6 übernommen, der nun gleichfalls auf diese Art sortiert wird, bis lediglich sechs Aussagen verbleiben. Auf diese Weise wird für jeden Stapel von rechts nach links eine Auslese getroffen, bis die in Tabelle 1 angegebene Anzahl von Karten erreicht ist. Wenn dagegen nicht genug Karten in einem Stapel sind, werden die zutreffendsten vom nächst niedrigeren Stapel gewählt und dazu gelegt, bis der Stapel die benötigte Anzahl enthält.
Bei der Auswertung wird zwischen den zwei Dimensionen Affekterleben und Affektregulation unterschieden. Affekterleben ist aufgeteilt in die drei Faktoren: (A) Sozialisiert negativer Affekt, (B) Positiver Affekt und (C) Intensiv negativer Affekt. Dagegen besteht die Dimension Affektregulation aus den Faktoren: (D) Realitätsfokussierte Antwort, (E) Externalisierende Abwehr und (F) Vermeidende Abwehr. Für jeden der sechs Faktoren wird mittels einer Auflistung von SPSS-Auswertungsbefehlen ein numerischer Wert berechnet.

Tabelle 1
Kartenanzahl der Stapel

---------------------------------------------------------------------- 
Stapelnummer 0 1 2 3 4 5 6 7
----------------------------------------------------------------------
Kartenanzahl 30 20 10 10 10 8 6 4
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Grundlagen und Konstruktion:
1994 entwickelte Westen aus evolutionstheoretischen, behavioristischen, kognitiven und insbesondere psychodynamischen Theorien sein "Modell der Affektregulation", wonach Affekte eine zentrale Stellung in der Persönlichkeit einnehmen. Die psychoanalytische Theorie geht davon aus, dass Menschen Informationen über andere und auch sich selbst ihren Wünschen und Ängsten gemäß verdrehen, wodurch objektive Selbstbeurteilungsangaben nicht mehr möglich sind. Mit dem AREQ sollte ein Fremdbeurteilungsverfahren entwickelt werden, das aufgrund der erfahrenen Anwender und der vorhergehenden intensiven Interviews eine weitestmöglich objektive Beurteilung zulassen soll. Noch im Jahr 1994 begannen Westen und Shedler mit der Konstruktion des Verfahrens. Hierfür wurden Aussagen zum Erleben und zur Regulation von Affekten gesammelt und kategorisiert. Kliniker beurteilten auf dieser Grundlage je drei Patienten und kennzeichneten unklare Items und fehlende Aspekte. Auf dieser Grundlage entstand schließlich das Itemset mit den 98 Karten. Im Jahr 1997 wurde das Verfahren von Westen, Muderrisoglu, Shedler, Fowler und Koren erstmals evaluiert. Erste Studien mit dem AREQ erfolgten für die Diagnosen Narzisstische und Borderline-Persönlichkeitsstörung, Dysthymie sowie Bulimia nervosa beziehungsweise Anorexia nervosa. Drei Affektverarbeitungsmodi wurden dabei als Prädiktoren für das generelle Funktionsniveau ausgemacht (Westen & Harnden-Fischer, 2001). Eine Übersetzung und Rückübersetzung der Originalversion ins Deutsche wurde von Löffler-Stastka und Tischlinger unabhängig voneinander 2003 durchgeführt. Die ersten Ergebnisse und eine Übersicht über das deutsche Verfahren wurden von Loeffler-Stastka (2005) berichtet.


Empirische Prüfung und Gütekriterien:
Um mit dem AREQ valide und reliable Ergebnisse zu erzielen, sollten die Untersucher erfahrene Kliniker sein und eine Einführung vom Forschungslabor an der Emory University in Atlanta bekommen oder ein Interrater-Training absolviert haben. Zudem sorgt ein strukturierter Interviewleitfaden für eine möglichst hohe Durchführungs- und ein vorgegebenes Berechnungsschema für eine möglichst exakte Auswertungsobjektivität. Die Interpretationsobjektivität verbleibt aufgrund fehlender Normen ungewiss. Westen et al. (1997) erreichten mit .78 bei zwei Beurteilern eine relativ hohe Interrater-Reliabilität und von Löffler-Stastka et al. (2003) wurde eine Interrater-Übereinstimmung von .70 erzielt.
Reliabilität: Außer zur Interrater-Reliabilität liegen keine Angaben zur Reliabilität vor.
Validität: Hohe Korrelationen werden berichtet von den Skalen "Realitätsfokussierte Antworten" und "Sozialisiert negativer Affekt" mit Außenkriterien wie der Anzahl der Aufnahmen in psychiatrischen Kliniken und Suizidversuchen, dem GAF-Score sowie dem Funktionsniveau der Persönlichkeitsorganisation nach Kernberg. Zudem zeigten sich betreffs der diskriminanten Validität Unterschiede zwischen der narzisstischen Persönlichkeitsstörung, dem Borderline-Syndrom und der Dysthymie, obgleich sowohl Borderline- als auch die narzisstische Persönlichkeitsstörung demselben Cluster angehören und häufig gemeinsam mit depressiven Störungen auftreten.
Normen: Die angegebenen Werte beziehen sich auf die beschriebenen Studien. Hierbei ist insbesondere die Studie an Patienten mit Bulimia nervosa beziehungsweise Anorexia nervosa zu nennen, bei der drei Affektverarbeitungsmodi als Prädiktoren für das generelle Funktionsniveau ausgemacht wurden (Westen & Harnden-Fischer, 2001). Darüber hinausgehende Normen großer Populationen lagen 2005 nicht vor.

 

Altersbereiche

Der Affekt-Regulation und Affekt-Wahrnehmung Q-Sort Test (AREQ; Westen, Shedler & Löffler-Stastka, 2004) eignet sich zur Persönlichkeitsdiagnostik bei Erwachsenen jeden Alters.
 

Durchführungszeit

Das narrative Interview dauert in etwa 60-80 Minuten. Hinzu kommt die Zeit für das Sortieren der Karten, also das Rating, welche bei geübten Klinikern circa 20 Minuten beträgt. Das Rating muss dabei innerhalb von 24 Stunden auf das Interview erfolgen. Anschließend findet abhängig von den Kalkulationshilfen eine 10-50-minütige Auswertung statt.
 

Bewertung

Beim "Affektregulierung und Affekterleben Q-Sort Verfahren" handelt es sich um ein Instrument zur klinischen Persönlichkeitsdiagnostik mittels eines Fremdratings. Aufgrund der benötigten Erfahrungen und des Vorwissens ist es ausschließlich für klinisch erfahrene Psychologen, Therapeuten und Psychiater geeignet. Ausgehend davon, dass durch soziale Erwünschtheit und Verzerrungen aufgrund eigener Wünsche und Ängste die Selbstbeurteilungsverfahren in dem Bereich der Coping- und Abwehrmanöver sowie Affekte relativ unzuverlässig sind, ermöglicht der AREQ als Fremdbeurteilungsverfahren eine objektivere und realistischere Einschätzung. Da noch keine größeren Stichproben untersucht wurden, existierten 2005 noch keine Normen. Auch bezüglich der Testgütekriterien und dabei insbesondere der Reliabilität wären weitere Studien und Untersuchungen wünschenswert. Um die Ökonomie und den diagnostischen Wert des Verfahrens sinnvoll beurteilen zu können, wäre ein Vergleich mit einer entsprechenden Diagnose eines Therapeuten, die ausschließlich aufgrund der Ergebnisse von Therapiesitzungen getroffen wurde, sinnvoll. Abgesehen von dem gegenüber einer herkömmlichen klinischen Diagnose erhöhten, jedoch für das Verfahren unumgehbaren Aufwand ist der AREQ benutzerfreundlich gestaltet. Die Kärtchen sind druckerfreundlich vorgearbeitet und auch die Befehle für die Auswertung mit SPSS sind bereits mit angegeben.
Als Ergänzung für Selbstbeurteilungsverfahren ist der AREQ in jedem Fall eine Bereicherung in der Diagnostik und Therapievorbereitung und kann erfahrenen Klinikern somit empfohlen werden.
 

Literatur

  • Löffler-Stastka, H. (2005). AREQ. Affect Regulation and Experience Q-Sort. In B. Strauß & J. Schumacher (Hrsg.), Klinische Interviews und Ratingskalen (S. 38-42). Göttingen: Hogrefe.
  • Löffler-Stastka, H., Hämmerle, M.K. & Tischlinger, A. (2003). Affektregulierung und Affekterleben Q-Sort Verfahren [Manual, Affektregulationsinterview, Itemliste]. Wien: Medizinische Universität Wien.
  • Westen, D. (1994). Toward an integrative model of affect regulation: Applications to social-psychological research. Journal of Personality, 62, 641-667.
  • Westen, D. & Harnden-Fischer, J.L. (2001). Personality profiles in eating disorders: Rethinking the distinction between axis I and axis II. American Journal of Psychiatry, 158, 547-562.
  • Westen, D., Muderrisoglu, S., Fowler, C., Shedler, J., & Koren, D. (1997). Affect regulation and affective experience: individual differences, group differences, and measurement using a Q-sort procedure. Journal of Consulting and Clinical Psychology, 65 (3), 429-439.
  • Westen, D. & Shedler, J. (1994). Affect Regulation and Experience Q-Sort (AREQ) [unpublished manual]. Cambridge, Massachusetts: Harvard Medical School, Cambridge Hospital.
 

Wichtige neuere Publikationen

  • Löffler-Stastka, H. (2011). Q-sort-Methoden in Diagnostik und Therapieverlaufsbeobachtung. Psychosomatische Medizin und Psychotherapie, 57 (4), 319-324.
  • Löffler-Stastka, H. & Stigler, K. (2011). Der Affektwahrnehmung und Affektregulation Q-Sort-Test (AREQ): Validierung und Kurzform. Psychotherapie, Psychosomatik, Medizinische Psychosomatik, 61 (5), 225-232.
 

Originalfassung/Anderssprachige Fassungen

  • Westen, D. & Shedler, J. (1994). Affect Regulation and Experience Q-Sort (AREQ). Cambridge, Massachusetts: Harvard Medical School, Cambridge Hospital.
 
 Saskia Naescher (02.12.2008)
 APA-Schlagworte/PSYNDEX Terms:

Classical Test Theory; Interviews; Q-Sort; Rating Scales; Personality Measures; Clinical Psychology; Psychoanalytic Theory; Defense Mechanisms; Emotional Adjustment; Emotional Control; Emotional States; Stress Reactions; Cognitive Style; Coping Behavior

Klassische Testtheorie; Interviews; Q-Sort; Rating-Skalen; Persönlichkeitstests; Klinische Psychologie; Psychoanalytische Theorie; Abwehrmechanismen; Emotionale Bewältigung; Emotionale Kontrolle; Emotionale Zustände; Stressreaktionen; Kognitiver Stil; Bewältigungsverhalten

 weitere Schlagworte:

1994; 1997; 2003; Open Access; Semistrukturierte Interviews; Fremdbeurteilung; 98 Items; Dimensionen: 1 Affekterleben mit den Faktoren: a Sozialisiert negativer Affekt, b Positiver Affekt, c Intensiv negativer Affekt, 2 Affektregulation mit den Faktoren: a Realitätsfokussierte Antwort, b Externalisierende Abwehr, c Vermeidende Abwehr; Normierungsjahr: keine Angaben
 Klassifikation:

Klinische Psychodiagnostik; Persönlichkeitstests; Persönlichkeitseigenschaften und Persönlichkeitsprozesse; Psychoanalytische Theorie
Sonstige Verfahren im Bereich der Klinischen Psychologie
11.99
 Anwendungstyp: Research (Tests), Clinical Diagnosis
 Art der Publikation: Test; Electronic Resources (90; 94)
 Sprache: German
 Übersetzungen: English
 Land: United States
 Publikationsjahr: 2004
 Änderungsdatum: 201204
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