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World Health Organization Quality of Life Assessment Instrument - Zusatzmodul OLD

 PSYNDEX Tests-Dokument: 9005624
 

WHOQOL-OLD - World Health Organization Quality of Life Assessment Instrument - Zusatzmodul OLD (PSYNDEX Tests Review)

 

World Health Organization Quality of Life Assessment Instrument - Old (WHOQOL-OLD; Power, M., Schmidt, S. & The WHOQOL Group., 2006) - German version/author
Synonym(e): WHOQOL-Old

 Winkler, I., Buyantugs, L., Petscheleit, A., Kilian, R. & Angermeyer, M. C.
 (2006). Handbuch für die deutschsprachige Version des WHO Instruments zur Erfassung von Lebensqualität WHOQOL-OLD. Leipzig: Universität Leipzig.

Preis: 198,00 Euro (Manual mit CD-ROM; Conrad, Matschinger, Kilian & Riedel-Heller, 2016; Stand: 27.3.2017)

 Bezugsquelle: Testzentrale Hogrefe Verlag GmbH & Co. KG, Herbert-Quandt-Straße 4, D-37081 Göttingen ; E-Mail: testzentrale@hogrefe.de ; URL: http://www.testzentrale.de/ ; Stand: 1.5.2016.
Anmerkung: 2016 erschien ein deutsches Handbuch mit CD-ROM (Conrad, Matschinger, Kilian & Riedel-Heller, 2016).
 Adresse(n): o Dr. phil. Ines Conrad, Universitätsklinikum Leipzig, Institute of Social Medicine, Occupational Health and Public Health, Philipp-Rosenthal-Straße 55, D-04103 Leipzig ; E-Mail: Ines.Conrad@medizin.uni-leipzig.de ; URL: http://isap.uniklinikum-leipzig.de/isap.site,postext,team,a_id,898.html ; Stand: 20.10.2016
o Dr. Herbert Matschinger, Zentrum für Psychosoziale Medizin, Institut für Gsundheitsökonomie und Versorgungsforschung, Martinistraße 52, D-20246 Hamburg ; E-Mail: h.matschinger@uke.de ; URL: https://www.uke.de/allgemein/mitarbeiterprofile/mitarbeiterprofilseite_herbert_matschinger.html ; Stand: 27.3.2017
o Prof. Dr. med. Steffi G. Riedel-Heller, Universität Leipzig, Institut für Sozialmedizin, Arbeitsmedizin und Public Health, Phillipp-Rosenthal-Straße 55, D-04103 Leipzig ; E-Mail: Steffi.Riedel-Heller@medizin.uni-leipzig.de ; URL: http://isap.uniklinikum-leipzig.de/isap.site,postext,mitarbeiter,a_id,234.html ; Stand: 28.02.2016
o Prof. Dr. rer.soc. Reinhold Kilian, Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie II, Universität Ulm, Ludwig-Heilmeyer-Straße 2, D-89312 Günzburg ; E-Mail: reinhold.kilian@bkh-guenzburg.de ; URL: http://www.uniklinik-ulm.de/struktur/kliniken/psychiatrie-und-psychotherapie/klinik-fuer-psychiatrie-und-psychotherapie-ii-guenzburg/home/forschung/sektion-gesundheitsoekonomie-und-versorgungsforschung-sektion-prozess-ergebnis-forschung/team/prof-reinhold-kilian.html ; Stand: 27.3.2017
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Abstract

Diagnostische Zielsetzung:
Mit dem WHOQOL-OLD lässt sich die Lebensqualität von älteren Erwachsenen ab 60 Jahren mehrdimensional erfassen. Als Ergänzungsmodul des WHOQOL-100 bzw. WHOQOL-BREF eignet er sich für den Einsatz in der klinischen Praxis, der Qualitätssicherung medizinischer Versorgungseinrichtungen sowie der Forschung.


Aufbau:
Der Fragebogen setzt sich aus insgesamt 24 Items zu den Facetten (1) Sinnesfunktionen, (2) Autonomie, (3) Aktivitäten in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft, (4) Soziale Partizipation, (5) Ängste und Befürchtungen vor Tod und Sterben und (6) Intimität zusammen. Jede Facette wird mittels vier Items erfasst. Die Items werden hinsichtlich eines Beurteilungszeitraums von zwei Wochen auf einer fünfstufigen Antwortskala beantwortet.


Grundlagen und Konstruktion:
Im Rahmen des WHO Quality of Life-Projekts wurden Messinstrumente entwickelt, welche der interkulturellen Vergleichbarkeit dienen sollten. Aufgrund spezifischer Anforderungen der Erfassung der Lebensqualität im höheren Alter wurde der WHOQOL-OLD als Ergänzung zum WHOQOL-100 und dessen Kurzversion WHOQOL-BREF entwickelt. Zur Identifikation der für ältere Erwachsene relevanten Bereiche der Lebensqualität wurden auf Grundlage des WHOQOL-100 in 23 internationalen Forschungszentren Untersuchungen mit gesunden und kranken Älteren sowie medizinischen Experten und pflegenden Angehörigen durchgeführt. Es wurden sechs Facetten mit insgesamt 40 Items gebildet und überprüft. Anschließend wurde die Facettenstruktur noch einmal überarbeitet und die Itemanzahl reduziert (n = 433). Die überarbeitete Fragebogenversion wurde in allen Forschungszentren einzeln überprüft (n = 354 Probanden in Deutschland). Anhand der psychometrischen Kennwerte wurden neun Items eliminiert, sodass in der Endversion jede Facette durch vier Items erfasst wird.


Empirische Prüfung und Gütekriterien:
Reliabilität: Es liegen Werte der internen Konsistenz von Cronbachs Alpha = .75 bis .92 für die sechs Facetten vor (N = 1 133). Darüber hinaus wurde die Reliabilität mithilfe eines Partial Credit Models (PCM) bestimmt. Es wurden Kennwerte für Andrichs Reliabilität in Höhe von .70 bis .89 ermittelt (n = 1 124 gesunde Personen, n = 264 Personen mit leichten kognitiven Störungen). Angaben zur Profilreliabilität fehlen.
Validität: Das Sechsfaktorenmodell konnte mittels einer konfirmatorischen Faktorenanalyse bestätigt werden. Ein Faktor zweiter Ordnung konnte nicht identifiziert werden. Darüber hinaus wurde die dimensionale Struktur mit Hilfe des Partial Credit Model (PCM) geprüft. Hierbei konnte jede der sechs Facetten des WHOQOL-OLD durch ein PCM dargestellt werden (N = 1 133). Hinsichtlich der konvergenten Validität zeigten sich überwiegend bedeutsame Korrelationen zwischen dem WHOQOL-OLD dem WHOQOL-BREF sowie dem SF-12 in Höhe von r = .31 bis r = .75.
Normen: Das Verfahren wurde 2012 im Rahmen einer bundesweiten Untersuchung zur subjektiven Lebensqualität der Bevölkerung ab 60 Jahren an einer repräsentativen Stichprobe von N = 1 031 Personen (54% Frauen) normiert. Es liegen alters- und geschlechtsspezifische Vergleichswerte in Form von Perzentilen, Mittelwerten und Standardabweichungen vor.

 

Testkonzept

 

Theoretischer Hintergrund

Das World Health Organization Quality of Life Assessment Instrument - Old (WHOQOL-OLD; Conrad, Matschinger, Kilian & Riedel-Heller, 2016) stellt die deutsche Version des Instruments der World Health Organization zur Erfassung der gesundheitsbezogenen Lebensqualität (Quality of Life) im Alter dar. Bislang liegt keine einheitliche Definition des Begriffes "gesundheitsbezogene Lebensqualität" vor. Dennoch ist man sich darüber einig, dass es sich um ein mehrdimensionales Konstrukt handelt, welches die Bewertung körperlicher, psychischer, sozialer und alltagsbezogener Aspekte beinhaltet (Daig & Lehmann, 2007; Schumacher, Klaiberg & Brähler, 2003; Steinbüchel, Lischetzke, Gurny, Winkler & The WHOQOL-OLD Group, 2005). Studienergebnisse zeigen, dass neben der Gesundheit und kognitiven Leistungsfähigkeit auch soziale Beziehungen und die Anpassungsfähigkeit einen entscheidenden Einfluss auf die Lebensqualität haben (Mayer & Baltes, 1996; Thomae, 1993). Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) schlägt vor, Lebensqualität als "individuelle Wahrnehmung der eigenen Lebenssituation im Kontext der jeweiligen Kultur und des jeweiligen Wertesystems und in Bezug auf die eigenen Ziele, Erwartungen, Beurteilungsmaßstäbe und Interessen" zu definieren (The WHOQOL-Group, 1998, zitiert nach Conrad et al., 2016, S. 12). Diese Definition rückt die Bedeutung der subjektiven Bewertung der Lebensbedingungen in den Vordergrund. Denn wie Untersuchungen zeigen, unterscheiden sich objektive und subjektive Einschätzung der Gesundheit und Lebensbedingungen älterer Menschen (Lehr, 1997a; Perrig-Chiello, Perrig, Stähelin, Krebs-Roubicek & Ehrsam, 1996). Eine Erklärung für die Diskrepanz sind Regulationsprozesse älterer Menschen, welche ermöglichen, sich an die gegebenen Lebensumstände anzupassen und trotz objektiv schlechterer Gesundheit Wohlbefinden im Alter zu bewahren (Baltes, 1993; Mayer & Baltes, 1996; Pearlman & Uhlmann, 1991). Die subjektive Einschätzung der Gesundheit weist darüber hinaus einen engen positiven Zusammenhang zur Aktivität, Stimmung und Anregbarkeit auf (Lehr, 1997a; Lehr, 1997b; Thomae, 1993).
Daneben betont die WHO in ihrer Definition die Bedeutung kultureller Aspekte in Hinblick auf die Lebensqualität. Im Rahmen des WHO Quality of Life-Projekts wurden daher Messinstrumente entwickelt, welche der interkulturellen Vergleichbarkeit dienen sollen. Aufgrund spezifischer Anforderungen der Erfassung der Lebensqualität im Alter wurde der WHOQOL-OLD als Ergänzung zum WHOQOL-100 (Angermeyer, Kilian & Matschinger, 2000) und dessen Kurzversion WHOQOL-BREF (Angermeyer et al., 2000) entwickelt, welche die Lebensqualität bei Erwachsenen ab 18 Jahren erfassen (Conrad et al., 2016, S. 9-10).
 

Testaufbau

Der Fragebogen besteht aus insgesamt 24 Items, welche sechs Facetten mit je vier Items zugeordnet werden können. Die Items werden hinsichtlich eines Beurteilungszeitraums von zwei Wochen (mit Ausnahme von vier Items ohne zeitliche Relation) auf einer fünfstufigen Antwortskala beantwortet. Je nach Inhalt der Aussagen unterscheiden sich die Formulierungen der Antwortalternativen leicht voneinander. Die sechs Facetten lauten:
(1) Sinnesfunktionen: Erfragt wird, inwieweit Veränderungen der Sinnesfunktionen (Sehen, Hören, Riechen, Schmecken, Appetit und Tastsinn) einen Einfluss auf die Lebensqualität der Person haben.
(2) Autonomie: Diese Facette erfasst die Unabhängigkeit, Entscheidungsfreiheit und Kontrolle einer Person sowie den Einfluss auf die Lebensqualität.
(3) Aktivitäten in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft: Erfasst wird die Zufriedenheit mit der Leistung im Verlauf des Lebens sowie Gedanken und Gefühle im Hinblick auf zukünftige Tätigkeiten.
(4) Soziale Partizipation: Erfragt wird die Meinung einer Person zur Nutzung und Gestaltung ihrer Zeit, d. h. inwieweit sie sich mit Dingen beschäftigten kann, die ihr wichtig sind.
(5) Ängste und Befürchtungen vor Tod und Sterben: Diese Facette bezieht sich auf die Einstellung einer Person zum Tod.
(6) Intimität: Diese Facette erfasst, inwieweit eine Person körperliche Nähe und Vertrautheit zu einer nahestehenden Person erfährt.
Auf der ersten Seite des Fragebogens werden eine schriftliche Instruktion sowie ein Beispielitem zur Verdeutlichung des Antwortformats gegeben. Auf der letzten Seite kann die Testperson Anmerkungen zum Fragebogen machen.
 

Auswertungsmodus

Die Auswertung des Fragebogens kann manuell oder computergestützt vorgenommen werden. Die manuelle Auswertung erfolgt auf einem separaten Auswertungsbogen. Zunächst werden unter Berücksichtigung der sieben negativ gepolten Items die angekreuzten Antworten der Items für jede Facette einzeln auf dem Antwortbogen notiert. Der Wert einer Facette ergibt sich aus dem arithmetischen Mittel der Items multipliziert mit vier. Er kann Werte von 4 bis 20 annehmen. Bei mehr als einem fehlenden Item pro Facette wird diese nicht ausgewertet. Anschließend wird der Facettenwert zur besseren Vergleichbarkeit in einen Wertebereich von 0 bis 100 transformiert. Hierfür wird von dem Facettenwert die Zahl 4 abgezogen und das Ergebnis mit 6.25 multipliziert. Der Gesamtwert resultiert aus der Summe der transformierten Facettenwerte dividiert durch die Anzahl der Facettenwerte. Der Gesamtwert sollte bei Fehlen von mehr als einem Facettenwert nicht berechnet werden. Für die einzelnen Rechenschritte sind jeweils Felder auf dem Auswertungsbogen vorhanden, um die Zwischenergebnisse festzuhalten.
Für die einzelnen Facetten und den Gesamtwert können den Normtabellen im Anhang die entsprechenden Perzentile (10, 25, 50, 75, 90) entnommen werden. Es wird jenes Perzentil als Vergleichswert ausgewählt, dessen obere Konfidenzintervallgrenze den Wert einschließt. Bei Überschneidungen der Konfidenzintervalle wird das jeweils höhere Perzentil gewählt.
 

Auswertungshilfen

Zur Unterstützung bei der Auswertung sind im Manual Hinweise zur Auswertung und Interpretation mit einem kurzen Fallbeispiel und einer Abbildung des Auswertungsbogens gegeben. Daneben ist eine computergestützte Auswertung des Fragebogens mit Hilfe eines Statistikprogramms möglich.
 

Auswertungszeit

Für die Auswertung werden ca. fünf Minuten benötigt.
 

Itembeispiele

Anmerkung: Angegeben ist für jede Skala das trennschärfste Item (rit).

(1) Sinnesfunktionen: Wie sehr beeinträchtigt das Nachlassen von z. B. Hören, Sehen, Schmecken, Riechen, Tasten Ihre Fähigkeit an Aktivitäten teilzunehmen? (.83)
(2) Autonomie: Wie viel Freiraum haben Sie, um Ihre eigenen Entscheidungen zu treffen? (.61)
(3) Aktivitäten: Inwieweit sind Sie mit Ihren Möglichkeiten, weiterhin im Leben etwas zu erreichen, zufrieden? (.61)
(4) Partizipation: Wie zufrieden sind Sie mit Ihrem Maß an Aktivität? (.79)
(5) Tod und Sterben: Wie sehr fürchten Sie sich davor, keinen Einfluss darauf zu haben, wie Sie sterben werden? (.77)
(6) Intimität: Inwieweit erfahren Sie Liebe in Ihrem Leben? (.85)
 

Durchführung

 

Testformen

Der WHOQOL-OLD kann als Einzel- oder Gruppentest durchgeführt werden. Das Verfahren existiert in 20 verschiedenen Sprachen und kann in Kombination mit dem WHOQOL-100 oder dessen Kurzversion, WHOQOL-BREF, angewandt werden.
 

Altersbereiche

Das Verfahren wird bei Personen ab 60 Jahren eingesetzt.
 

Durchführungszeit

Für die Durchführung werden 10 bis 15 Minuten benötigt. Die Durchführung in Kombination mit dem WHOOL-BREF nimmt ca. 30 Minuten in Anspruch.
 

Material

Die Testmaterialien bestehen aus einem Handbuch mit einer beiliegenden CD-ROM, auf welcher sich die Fragebögen, Auswertungsbögen sowie Syntaxdateien zum Download bzw. zur Auswertung befinden.
 

Instruktion

Die Instruktionen sind schriftlich auf dem Fragebogen abgedruckt.
 

Durchführungsvoraussetzungen

Der Testleiter sollte die Testperson über den Inhalt der Untersuchung informieren und darauf achten, dass notwendige Hilfsmittel zur Bearbeitung (z. B. Lesebrille) vorhanden sind.
 

Testkonstruktion

Basierend auf dem Konzept des WHOQOL-100 (Angermeyer et al., 2000) wurde der WHOQOL-OLD in einem internationalen Forschungsprojekt in den Jahren 2001 bis 2004 entwickelt. Zur Identifikation der für ältere Erwachsene relevanten Bereiche der Lebensqualität wurden in einer qualitativen Pilotstudie in 23 internationalen Forschungszentren in 22 Ländern Untersuchungen mit gesunden und kranken Älteren sowie medizinischen Experten und pflegenden Angehörigen durchgeführt (Winkler et al., 2003). Sie umfassten sowohl eine offene Diskussion über die für die Teilnehmer relevanten Aspekte der Lebensqualität sowie eine Untersuchung mit dem WHOQOL-100. Die Untersuchungsergebnisse zeigten, dass der WHOQOL-100 einen Großteil der wesentlichen Aspekte abdeckt, jedoch spezifische Bereiche der Lebensqualität älterer Menschen unzureichend Berücksichtigung finden (Veränderung der Sinnenfunktionen, persönliche Autonomie, Aktivitäten in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft, Nutzen und Einteilung der Zeit, Partizipation und Isolation sowie Einstellung zum Tod und Sterben). Zu den sechs identifizierten Bereichen wurden insgesamt 40 Items generiert und in einer quantitativen Pilotstudie in den einzelnen Forschungszentren hinsichtlich ihrer psychometrischen Eigenschaften überprüft. Für die Überprüfung der deutschen Version wurde eine nach Alter und Geschlecht geschichtete Stichprobe von N = 900 Personen mit einem Alter von über 60 Jahren aus dem Einwohnermelderegister der Stadt Leipzig gezogen. Von den angeschriebenen Personen gab es eine Rücklaufquote von 48% (n = 433). Die Ergebnisse der Untersuchung legten eine Überarbeitung der Facettenstruktur nahe. So wurden die Facetten "Nutzen und Einteilung der Zeit" und "Soziale Partizipation und Isolation" aufgrund ihrer inhaltlichen Überschneidung und psychometrischen Eigenschaften zusammengelegt. Zusätzlich wurde eine neue Facette "Intimität" gebildet und die Itemanzahl unter Berücksichtigung der psychometrischen Eigenschaften auf 33 Items reduziert. Die überarbeitete Fragebogenversion wurde in allen Forschungszentren einzeln überprüft. Für das deutsche Forschungszentrum wurde erneut eine für Alter und Geschlecht repräsentative Stichprobe von über 60-Jährigen (N = 900) aus dem Leipziger Einwohnermelderegister gezogen. An der Untersuchung nahmen schließlich n = 354 Personen teil. Anhand der psychometrischen Kennwerte wurden neun Items eliminiert, sodass in der Endversion jede Facette durch vier Items erfasst wird (Winkler, Matschinger, Angermeyer & The WHOQOL-OLD Group, 2006). Power und Kollegen (2005) fassen in ihrer Arbeit die Ergebnisse aus allen Forschungszentren zusammen.
 

Gütekriterien

 

Objektivität

Die Durchführung und Auswertung sind aufgrund der Fragebogenform mit gebundener Beantwortung und der schriftlichen Instruktion als objektiv anzusehen. Die Objektivität der Interpretation der Ergebnisse wird durch Normwerte und Interpretationshinweise gesichert.
 

Reliabilität

Zur Überprüfung der Zuverlässigkeit des Verfahrens wurde die interne Konsistenz (Cronbachs Alpha) der einzelnen Facetten an der Normierungsstichprobe (siehe unter "Normierung") sowie einer weiteren Stichprobe von n = 102 Personen in der Altersgruppe 80 Jahre und älter berechnet (Conrad, Matschinger, Riedel-Heller, Gottberg & Kilian, 2014). Es ergaben sich Werte von Alpha = .88 für die Facette "Sinnesfunktionen" und Alpha = .75 bis .76 für die Facetten "Autonomie" und "Aktivitäten". Für die Facetten "Partizipation" und "Tod und Sterben" liegt die interne Konsistenz bei Alpha = .85 bis .86. Die Facette "Intimität" weist eine interne Konsistenz von Alpha = .92 auf.
Darüber hinaus wurde die Reliabilität mithilfe eines Partial Credit Models (PCM) bestimmt, welches eine Erweiterung des Raschmodells darstellt (Rasch, 1980). Es wurden Kennwerte für Andrichs Reliabilität für die Gesamtstichprobe (N = 1 124) sowie für eine Stichprobe mit leichten kognitiven Störungen (n = 264) in Höhe von .70 bis .89 ermittelt. Die Profilreliabilität wurde nicht berechnet.
 

Validität

Zur Überprüfung der Konstruktvalidität des Verfahrens wurde für das Sechsfaktorenmodell eine konfirmatorische Faktorenanalyse gerechnet. Die resultierten Faktorladungen liegen mit Ausnahme eines Items (Item 15 mit einer Ladung von .43) zwischen .53 bis 1.0. Die sechsfaktorielle Struktur konnte überwiegend bestätigt werden (CFI = .94, TLI = .93, SRMR = .04, RMSEA = .05). Aufgrund hoher Korrelationen zwischen mehreren Facetten wurde in einer weiteren konfirmatorischen Faktorenanalyse ein Modell mit einem Faktor zweiter Ordnung geprüft. Die Ergebnisse weisen darauf hin, dass das Sechsfaktorenmodell ohne Faktor zweiter Ordnung zu bevorzugen ist. Darüber hinaus wurde zur Überprüfung der faktoriellen Struktur im Rahmen der Item Response Theorie das Partial Credit Model (PCM) eingesetzt. Hierbei konnte jede der sechs Facetten des WHOQOL-OLD durch ein PCM dargestellt werden (N = 1 133; Conrad et al., 2014).
Die konvergente Validität wurde mittels Korrelationen zwischen den Facettenwerten des WHOQOL-OLD und den vier Domänen sowie dem Globalwert des WHOQOL-BREF und den beiden Skalen "Körperliche Summenskala" und "Psychische Summenskala" des "Short Form-12 - Health Survey" (SF-12; Morfeld, Kirchberger & Bullinger, 2011) geprüft. Es zeigen sich positive Korrelationen von r = .31 bis r = .75. Lediglich für die WHOQOL-OLD-Facette "Ängste und Befürchtungen vor Tod und Sterben" wurden niedrigere Zusammenhänge (r = .19 - .29) ermittelt.
Im Rahmen des WHOQOL-OLD-Projektes untersuchten Winkler, Kilian, Matschinger und Angermeyer (2006) die Lebensqualität von älteren pflegenden Angehörigen Demenzkranker als auch von nichtpflegenden älteren Menschen (> 60 Jahre) mit den Instrumenten WHOQOL-BREF und WHOQOL-OLD. Auch wurde erhoben, ob Komorbidität vorliegt. Im Vergleich zu nichtpflegenden Angehörigen berichteten pflegende Angehörige von einer signifikant schlechteren Lebensqualität, was auf die Belastung durch die Umstände zurückgeführt wird.
 

Normierung

Das Verfahren wurde 2012 im Rahmen einer bundesweiten Untersuchung zur subjektiven Lebensqualität der Bevölkerung ab 60 Jahren an einer repräsentativen Stichprobe von N = 1 031 Personen (54% Frauen) in sechs Altersgruppen (60-65 Jahre; 66-70 Jahre; 71-75 Jahre; 76-80 Jahre; 81-85 Jahre; > 85 Jahre) normiert. Die Hälfte der Befragten gab an, verheiratet zu sein (51%) und mit dem Partner zusammen zu leben (54%). Daneben gaben 32% der Personen an verwitwet, 13% geschieden/getrennt und ca. 3% ledig zu sein. Alleinlebend waren 42% der Befragten. Der höchste Schulabschluss der Mehrheit der Befragten war der Haupt-/Volksschulabschluss (53%; 20% Realschulabschluss; 10% Hochschulreife/Abitur; 8% Polytechnische Oberschule; 5% ohne Abschluss; 4% Fachhochschulreife). Es liegen alters- und geschlechtsspezifische Vergleichswerte in Form von Perzentilen, Mittelwerten und Standardabweichungen vor.
 

Anwendungsmöglichkeiten

Das Verfahren eignet sich für den Einsatz in der klinischen Praxis, der klinischen und epidemiologischen Forschung sowie im Bereich der Qualitätssicherung medizinischer Versorgungseinrichtungen, um die Lebensqualität von älteren Erwachsenen ab 60 Jahren mehrdimensional zu erfassen.
 

Bewertung

Das WHOQOL-OLD ist ein WHO-Instrument zur mehrdimensionalen Erfassung der Lebensqualität bei Personen ab 60 Jahren. Es stellt ein Ergänzungsmodul zum WHOQOL-100 bzw. WHOQOL-BREF dar, welches spezifisch auf die Aspekte der Lebensqualität von älteren Menschen abgestimmt ist. Besonders hervorzuheben ist die Testentwicklung und -erprobung auf internationaler Ebene. Damit eignet sich das Verfahren insbesondere für interkulturelle Forschungsprojekte. Das Manual ist übersichtlich gestaltet und enthält Informationen zu allen wesentlichen Aspekten des Verfahrens. Darüber hinaus beinhaltet es auch eine ausführliche Darstellung des WHOQOL-BREF mit den Frage- und Auswertungsbögen auf der beiliegenden CD-ROM. Positiv zu bewerten ist, dass dem Anwender mit Kauf des Handbuchs eine beliebige Anzahl von Fragebögen des WHOQOL-OLD und WHOQOL-BREF zur Verfügung steht. Zudem ist eine computergestützte Auswertung möglich, welche insbesondere bei einer großen Teilnehmer(an)zahl sehr hilfreich ist.
Die Durchführungs- und Auswertungsobjektivität können als uneingeschränkt gegeben angesehen werden. Die Interpretationsobjektivität wird durch das Hinzuziehen von Vergleichswerten in Form von Perzentilen gestützt. Die Reliabilität des Verfahrens ist als befriedigend bis sehr gut zu beurteilen. Das Verfahren weist mit seinen sechs Facetten eine befriedigende faktorielle Validität auf. Aufgrund eines schlechten Modellfits für das eindimensionale Modell ist eine Interpretation des Gesamtwertes der Lebensqualität nicht zu empfehlen.
Insgesamt handelt es sich um einen ökonomischen Fragebogen mit einer sehr einfachen Handhabung, welcher als sinnvoll und nützlich für einen Einsatz in Praxis und Forschung zu bewerten ist.
 

Literatur

  • Angermeyer, M. C., Kilian, R. & Matschinger, H. (2000). WHOQOL-100 und WHOQOL-BREF. Handbuch für die deutschsprachige Version der WHO Instrumente zur Erfassung von Lebensqualität. Göttingen: Hogrefe.
  • Baltes, P. (1993). The aging mind: Potential and limits. The Gerontologist, 33, 580-594.
  • Conrad, I., Matschinger, H., Kilian, R. & Riedel-Heller, S. (2016). WHOQOL-OLD und WHOQOL-BREF. Handbuch für die deutschsprachige Version der WHO-Instrumente zur Erfassung der Lebensqualität im Alter (Beilage: CD-ROM). Göttingen: Hogrefe.
  • Conrad, I., Matschinger, H., Riedel-Heller, S. G., Gottberg, C. v. & Kilian, R. (2014). The psychometric properties of the German version of the WHOQOL-OLD in the German population aged 60 and older. Health and Quality of Life Outcomes, 12 (105), 1-15.
  • Daig, I. & Lehmann, A. (2007). Verfahren zur Messung der Lebensqualität. Zeitschrift für Medizinische Psychologie, 16, 5-23.
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  • Lehr, U. (1997b). Gesundheit und Lebensqualität im Alter. Zeitschrift für Gerontopsychologie und -psychiatrie, 10, 277-287.
  • Mayer, K. & Baltes, P. (Hrsg.) (1996). Die Berliner Altersstudie. Das höhere Alter in interdisziplinärer Perspektive. Berlin: Akademie Verlag.
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  • Pearlman, R. A. & Uhlmann, R. E. (1991). Quality of life in elderly, chronically ill outpatients. Journal of Gerontology, 46 (2), M31-M38.
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Originalfassung/Anderssprachige Fassungen

  • Fleck, M. P., Chachamovich, E. & Trentini, C. M. (2006). Development and validation of the Portuguese version of the WHOQOL-OLD module. Revista de Saúde Pública, 40 (5), 785-791.
  • González-Celis, A.L. & Gómez-Benito, J. (2013). Quality of life in the elderly: Psychometric properties of the WHOQOL-OLD module in Mexico. Health, 5, 110-116.
  • Halvorsrud, L. (2009). Measuring quality of life among older adults: Validation of the Norwegian WHOQOL-Old. Digitale Dissertation, Institutet for Sykepleievitenskap og Helsefag Det Medisinske Fakultet, Universitet i Oslo.
  • Liu, R., Wu, S., Hao, Y., Gu, J., Fang, J., Cai, N. & Zhang, J. (2013). The Chinese version of the World Health Organization Quality of Life Instrument-Older Adults Module (WHOQOL-OLD): Pychometric evaluation. Health and Quality of Life Outcomes, 11, 156.
  • Organização Mundial da Saúde, Divisão de Saúde Mental, Grupo WHOQOL. (Ed.). (1998). WHOQOL-OLD. Manual. Versão em Português dos Instrumentos de Avaliação de Qualidade de Vida (WHOQOL) 1998. Porto Alegre: Universidade Federal do Rio Grande do Sul, Departamento de Psiquiatria e Medicina Legal.
  • Power, M., Schmidt, S. & The WHOQOL Group. (2006). The WHOQOL-OLD Manual. Copenhagen: World Health Organization, European Office.
 
 Lena Antony (13.02.2017)
 APA-Schlagworte/PSYNDEX Terms:

Classical Test Theory; Interviews; Questionnaires; Rating Scales; Symptom Checklists; Test Norms; Quality of Life; Aging; Health Care Psychology; Medical Psychology; Life Satisfaction

Klassische Testtheorie; Interviews; Fragebögen; Rating-Skalen; Symptomlisten; Testnormen; Lebensqualität; Altern; Psychologie im Gesundheitswesen; Medizinische Psychologie; Lebenszufriedenheit

 weitere Schlagworte:

2006 (WHOQOL-OLD Manual); 2006 (Handbuch Universität Leipzig); 2016 (Publikation); 24 Items; ab 60 Jahre; Facetten: 1 Sinnesfunktionen, 2 Autonomie, 3 Aktivitäten in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft, 4 Soziale Partizipation, 5 Ängste und Befürchtungen vor Tod und Sterben, 6 Intimität; Normierungsjahr: 2012; Normstichprobe: 1031
 Klassifikation:

Gesundheitspsychologische Tests; Klinische Psychodiagnostik; Psychische und physische Störungen
Verfahren zur Erfassung von Lebensqualität und Lebenszufriedenheit
11.15
 Anwendungstyp: Clinical Diagnosis
 Art der Publikation: Test; Other Publication (90; 922)
 Sprache: German
 Übersetzungen: Chinese, English, Norwegian, Portuguese, Spanish
 Land: United Nations
 Publikationsjahr: 2006
 Änderungsdatum: 201705
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