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Chronic Pain Acceptance Questionnaire - deutsche Fassung (PSYNDEX Tests Abstract)

 PSYNDEX Tests-Dokument: 9005784
 

CPAQ-D - Chronic Pain Acceptance Questionnaire - deutsche Fassung (PSYNDEX Tests Abstract)

 

Chronic Pain Acceptance Questionnaire (CPAQ; McCracken, L.M., Vowles, K.E. & Eccleston, C., 2004) - German version/author

 Nilges, P., Köster, B. & Schmidt, C.O.
 (2007). Schmerzakzeptanz - Konzept und Überprüfung einer deutschen Fassung des Chronic Pain Acceptance Questionnaire. Der Schmerz, 21 (1), 57-67.

Online im Internet: https://www.zpid.de/index.php?wahl=products&uwahl=frei&uuwahl=testarchiveintro

 Bezugsquelle: Das Verfahren ist im "Elektronischen Testarchiv" des ZPID enthalten und steht unter der "Creative Commons Namensnennung-NichtKommerziell-KeineBearbeitung 3.0 Unported (CC BY-NC-ND 3.0)"-Lizenz (http://creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/3.0/deed.de); es kann für nichtkommerzielle Forschungs- und Unterrichtszwecke kostenlos eingesetzt werden. ; URL: https://www.zpid.de/index.php?wahl=products&uwahl=frei&uuwahl=userlog ; Stand: 1.5.2016.
 Adresse(n): o Dr. Paul Nilges, DRK-Schmerzzentrum Mainz, Auf der Steig 1416, D-55131 Mainz ; E-Mail: nilges@uni-mainz.de ; URL: http://www.drk-schmerz-zentrum.de.drktg.de/mz/06_team/6-6-1_psychotherapie-uebersicht.php ; Stand: 10.08.2011
o Dr. Carsten Oliver Schmidt, Universität Greifswald, Institut für Community Medicine, Abt. Methoden der Community Medicine, Walther-Rathenau-Straße 48, D-17487 Greifswald ; E-Mail: carsten.schmidt@uni-greifswald.de ; Stand: 10.08.2011
o Lance M. McCracken, Ph.D., University of Bath, Centre for Pain Services at the Royal National Hospital for Rheumatic Diseases, Bath, BA2 7AY, United Kingdom ; E-Mail: L.McCracken@bath.ac.uk ; Stand: 10.08.2011
 

Abstract

Diagnostische Zielsetzung:
Der Fragebogen dient der Messung von Aspekten der "Schmerzakzeptanz", definiert als "Bemühungen, das eigene Funktionsniveau trotz bestehender Einschränkungen zu erhalten sowie die Tendenz, Schmerzen nicht um jeden Preis vermeiden zu wollen" (Nilges et al., 2007, S. 60). Personen mit hoher Schmerzakzeptanz richten demnach ihren Aufmerksamkeitsfokus weniger auf den Schmerz und dessen Beseitigung als vielmehr auf Möglichkeiten, trotz gewisser schmerzbedingter Beeinträchtigungen aktiv am privaten, sozialen und beruflichen Leben teilzuhaben. Das Instrument kann in Forschung und klinischer Praxis bei Patienten mit chronischen Schmerzproblemen eingesetzt werden, um Hinweise auf dysfunktionale schmerzbezogene Kognitionen und Bewältigungsstile zu gewinnen.


Aufbau:
Der CPAQ-D enthält 20 Aussagen, sich auf den Umgang mit bzw. die Bewertung von chronischen Schmerzen beziehen und von Patienten auf einer siebenstufigen Häufigkeitsskala von 0 = "nie" bis 6 = "immer" zu beurteilen sind. 18 der 20 Items werden durch Addition der Rohwerte zu zwei Subskalen zusammengefasst:
(1) Aktivitätsbereitschaft (AB; k = 10: Items 1, 2, 3, 6, 8, 9, 10, 12, 15, 19; Wertebereich 0-60): Fortführung der täglichen Aufgaben und Freizeitaktivitäten in der gewohnten Weise, auch wenn Schmerzen bestehen (Beispielitem: "Ich komme mit meinen täglichen Aufgaben klar, egal wie stark meine Schmerzen sind").
(2) Schmerzbereitschaft (SB; k = 8: Items 4, 7, 11, 13, 14, 16, 17, 18; Wertebereich: 0-48): Erkenntnis, dass Versuche, Schmerzen zu vermeiden oder zu kontrollieren, häufig wirkungslos sind und eine Orientierung auf andere weniger beeinträchtigte Lebensbereiche und erreichbare Ziele sinnvoll ist (alle Items sind negativ formuliert und daher zu invertieren; Beispielitem: "Bevor ich irgendwelche ernsthaften Pläne schmieden kann, muss ich zunächst etwas Kontrolle über meine Schmerzen gewinnen").
Über die 18 Items hinweg kann ein Gesamtwert für die Schmerzakzeptanz gebildet werden, dessen Wertebereich zwischen 0 und 108 liegt.
Zwei Items gehen in keine der beiden Skalen ein, sollten jedoch im Fragebogen belassen werden, um im Forschungskontext die Vergleichbarkeit des CPAQ-D mit internationalen Versionen des Verfahrens zu gewährleisten.


Grundlagen und Konstruktion:
Zahlreiche Studien belegen, dass der Verlauf chronischer Schmerzprobleme nur sehr eingeschränkt durch die Effektivität medizinischer Behandlungsmaßnahmen, aber wesentlich durch schmerzbezogene Kognitionen und Bewältigungsstile bestimmt wird. (zum Überblick siehe z.B. Turk & Okifuji, 2002). Wenngleich eine aktive Rolle der Patienten eine wichtige Voraussetzung für eine erfolgreiche Schmerzbewältigung ist, stoßen handlungsorientierte, kompromisslos kämpferische oder auf Genesung zielende Bewältigungsformen bei chronifizierten Schmerzproblemen an Grenzen: Die Erwartung, durch immer neue Therapien und Medikationsversuche die weitgehende oder gar völlige Freiheit von Schmerzen und schmerzbedingten Beeinträchtigungen zu erreichen, stellt bei vielen Patienten ein unrealistisches Ziel dar. Für diese Patienten lässt sich "Schmerzakzeptanz" - im Sinne einer Modifikation von Erwartungen, Zielen und Bewertungen - als funktionalere Form der Bewältigung ansehen (Nilges et al., 2007): Es gilt die Bereitschaft zu entwickeln, Aktivitäten trotz bestehender Schmerzen im Rahmen des Möglichen aufrecht zu erhalten, dauerhafte physische Einschränkungen und soziale Veränderungen zu akzeptieren und sich neue, durch die Schmerzen nicht bedrohte Ziele zu setzen. Mit dem CPAQ-D werden als zwei Facetten der Schmerzakzeptanz die Konstrukte "Aktivitätsbereitschaft" und "Schmerzbereitschaft" operationalisiert. Der Fragebogen stützt sich auf kognitive bewältigungstheoretische Konzepte. Er greift insbesondere auf das Zwei-Prozess-Modell von Brandtstädter (1992) zurück. Schmerzakzeptanz lässt sich demnach als eine Form des Umgangs mit chronischen Schmerzen interpretieren, die dem akkommodativen, flexiblen Bewältigungsmodus zuzuordnen ist: Diskrepanzen zwischen der realen und erwünschten Situation werden reduziert, indem die reale Situation akzeptiert oder umgedeutet wird und indem unerreichbar gewordene Ziele durch neue, realistischere ersetzt werden. Hohe dispositionale Flexibilität erwies sich unter anderem als ein protektiver Faktor, der Effekte der Schmerzintensität auf Depressivität abpufferte (Schmitz, Saile & Nilges, 1996).
Die deutsche Version CPAQ-D basiert auf der überarbeiteten Fassung des englischsprachigen Originalverfahrens von McCracken (1998; McCracken, Vowles & Eccleston, 2004) und wurde in Zusammenarbeit mit dem Erstautor der englischen Fassung erarbeitet. Das Verfahren wurde zunächst ins Deutsche übertragen, von einer unabhängigen Person ins Englische zurückübersetzt und von den Autoren mit dem Original verglichen. Bei zwei Items wurden daraufhin inhaltliche Korrekturen vorgenommen. Die psychometrische Überprüfung der korrigierten deutschen Fassung orientierte sich an der Klassischen Testtheorie. Die Konstruktionsstichprobe umfasste N = 150 stationäre Patienten des DRK-Schmerzzentrums Mainz und setzte sich aus zwei Teilstichproben (n = 100 bzw. n = 50) zusammen. Eine zur Ermittlung der faktoriellen Struktur berechnete Hauptkomponentenanalyse mit anschließender schiefwinkliger Rotation nach dem Direct Oblimin-Kriterium erbrachte eine Zweifaktorenlösung (Varianzaufklärung: 43.2%). Die beiden Faktoren ließen sich erwartungskonform als "Aktivitätsbereitschaft" und "Schmerzbereitschaft" interpretieren und 18 der 20 Items wiesen den theoretischen Erwartungen entsprechende Ladungsmuster auf, so dass auf ihrer Grundlage die zwei Skalen des CPAQ-D konstruiert werden konnten. Die part whole-korrigierten Itemtrennschärfen lagen nach Eliminierung der beiden ungeeigneten Items mit Werten von .39 bis .67 ("Aktivitätsbereitschaft") bzw. .44 bis .72 ("Schmerzbereitschaft") durchweg im befriedigenden bis guten Bereich (Nilges et al., 2007).


Empirische Prüfung und Gütekriterien:
Reliabilität: Die interne Konsistenz (Cronbachs Alpha) der beiden Subskalen beträgt jeweils Alpha = .84, die der aus 18 Items bestehenden Gesamtskala Alpha = .87 (Nilges et al., 2007).
Validität: Beide CPAQ-D-Subskalen und die Gesamtskala korrelierten in der Konstruktionsstichprobe (N = 150) moderat bis hoch negativ mit Indikatoren psychischer Belastung (Nilges et al., 2007, S. 64). Für den CPAQ-D-Gesamtwert ergaben sich Korrelationen von r = .64 mit der Allgemeinen Depressionsskala ADS-L (Hautzinger & Bailer, 1993), r = .49 mit der Subskala "Depression" und r = .54 mit der Subskala "Angst" aus der Hospital Anxiety and Depression Scale HADS-D (Herrmann, Buss & Snaith, 1995) sowie r = .45 mit der Subskala "Katastrophisierendes Coping" aus dem Coping Strategies Questionnaire CSQ (Rosenstiel & Keefe, 1983). Moderate negative Korrelationen fanden sich auch zwischen dem CPAQ-D und Maßen der schmerzbedingten Beeinträchtigung (r = .43 mit dem Pain Disability Index PDI; Dillmann, Nilges, Saile & Gerbershagen, 1994) sowie der affektiven Schmerzintensität (r = .45 mit der entsprechenden Subskala der Schmerzempfindungsskala SES; Geissner, 1996). Hingegen zeigten sich keine oder nur geringe Zusammenhange mit weiteren Schmerzmaßen, z.B. dem Chronifizierungsstadium nach dem Mainzer Stadienkonzept chronischer Schmerzen (r = .01), der sensorischen Schmerzintensität (r = .17), der bisherigen Schmerzdauer in Jahren (r = .01) und weiteren Indikatoren der Schmerzintensität sowie - untersucht an einer Subgruppe von n = 50 Patienten - experimentell erfassten Unterschieden in der thermischen Schmerzschwelle. Zudem ließ sich kein Zusammenhang zwischen der momentanen Schmerzstärke und der Schmerzakzeptanz nachweisen (r = .16). Insgesamt gibt es damit keine Hinweise darauf, dass das Ausmaß aktueller Beschwerden die Beantwortung der CPAQ-D-Fragen beeinflusst und dass "Schmerzakzeptanz" eine Form der kognitiven Auseinandersetzung darstellt, die primär durch die Ausprägung des Schmerzes selbst bestimmt wird.
Normen: Für die 18-Item-Fassung liegen Perzentilnormen (10., 25., 50., 75., 90. Perzentil) vor (Nilges et al., 2007, S. 64). Die Werte wurden an den N = 150 Probanden der deutschen Konstruktionsstichprobe gewonnen. Es handelte sich um stationäre Patienten des DRK-Schmerzzentrums Mainz im Alter von 19 bis 77 Jahren (M = 48.3 Jahre, SD = 11.5 Jahre; 36.7% Männer, 63.3% Frauen) mit einer durchschnittlichen Schmerzdauer von fast 10 Jahren.

 

Altersbereiche

Der Chronic Pain Acceptance Questionnaire (CPAQ-D; Nilges, Köster & Schmidt, 2007) wurde an Stichproben von Erwachsenen entwickelt und validiert.
 

Durchführungszeit

Die Bearbeitung des Fragebogens beansprucht etwa 5 bis 10 Minuten.
 

Bewertung

Mit dem CPAQ-D liegt ein ökonomisches deutschsprachiges Instrument zur Messung des Konstrukts "Schmerzakzeptanz" vor, das einer ersten Studie zufolge sehr günstige psychometrische Eigenschaften aufweist und sich auch international bewährt hat. Wünschenswert wäre eine Ergänzung der Befunde um weitere Studien zur Prüfung der Skalenstruktur, zur prognostischen Validität des Instruments und zur Veränderbarkeit der Kognitionen, z.B. durch kognitive bzw. kognitiv-behaviorale schmerztherapeutische Interventionsprogramme.
 

Literatur

  • Brandtstädter, J. (1992). Personal control over development: Some developmental implications of self-efficacy. In R. Schwarzer (Ed.), Self-efficacy: thought control of action (pp. 127-145). New York, NY: Cambridge University Press.
  • Dillmann, U., Nilges, P., Saile, H. & Gerbershagen, H.U. (1994). Behinderungseinschätzung bei chronischen Schmerzpatienten. Schmerz, 8, 100-110.
  • Geissner, E. (1996) Die Schmerzempfindungsskala (SES). Göttingen: Hogrefe.
  • Hautzinger, M. & Bailer, M. (1993) Allgemeine Depressionsskala. Weinheim: Beltz.
  • Herrmann, C., Buss, U. & Snaith R.P. (1995). HADS-D. Hospital Anxiety and Depression Scale - Deutsche Version. Bern: Huber.
  • McCracken, L.M. (1998). Learning to live with the pain: acceptance of pain predicts adjustment in persons with chronic pain. Pain, 74, 21-27.
  • McCracken, L.M., Vowles, K.E. & Eccleston, C. (2004). Acceptance of chronic pain: component analysis and a revised assessment method. Pain, 107, 159-166.
  • Nilges, P., Köster, B. & Schmidt, C.O. (2007). Schmerzakzeptanz - Konzept und Überprüfung einer deutschen Fassung des Chronic Pain Acceptance Questionnaire. Der Schmerz, 21 (1), 57-67.
  • Rosenstiel, A.K. & Keefe, F.J. (1983). The use of coping strategies in chronic low back pain patients: relationship to patient characteristics and current adjustment. Pain, 17, 33-44.
  • Schmitz, U., Saile, H. & Nilges, P. (1996). Coping with chronic pain: flexible goal adjustment as an interactive buffer against pain-related distress. Pain, 67, 41-51.
  • Turk, D.C. & Okifuji, A. (2002). Psychological factors in chronic pain: evolution and revolution. Journal of Consulting and Clinical Psychology, 70, 678-690.
 

Originalfassung/Anderssprachige Fassungen

  • Geiser, D.S. (1992). A comparison of acceptance-focused and control-focused psychological treatments in a chronic pain treatment center. Unpublished doctoral dissertation, University of Nevada.
  • McCracken, L.M., Vowles, K.E. & Eccleston, C. (2004). Acceptance of chronic pain: component analysis and a revised assessment method. Pain, 107, 159-166.
 
 Anne-Kathrin Mayer (16.08.2011)
 APA-Schlagworte/PSYNDEX Terms:

Classical Test Theory; Questionnaires; Rating Scales; Clinical Psychology; Chronic Pain; Pain Perception; Coping Behavior; Disease Management

Klassische Testtheorie; Fragebögen; Rating-Skalen; Klinische Psychologie; Chronischer Schmerz; Schmerzwahrnehmung; Bewältigungsverhalten; Disease Management

 weitere Schlagworte:

2004; 2007; Open Access; Klassische Testtheorie; Chronische Schmerzen; Schmerzakzeptanz; ab 19 Jahre; bis 77 Jahre; 20 Items; Subskalen: 1 Aktivitätsbereitschaft, 2 Schmerzbereitschaft
 Klassifikation:

Gesundheitspsychologische Tests; Persönlichkeitseigenschaften und Persönlichkeitsprozesse; Physische und psychosomatische Störungen
Schmerzskalen; Copingskalen und -verfahren
11.14; 11.19
 Anwendungstyp: Research (Tests)
 Art der Publikation: Test; Electronic Resources (90; 94)
 Sprache: German
 Land: United States
 Publikationsjahr: 2007
 Änderungsdatum: 201108
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