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Index zur Messung von Einschränkungen der Teilhabe (PSYNDEX Tests Abstract)

 PSYNDEX Tests-Dokument: 9005870
 

IMET - Index zur Messung von Einschränkungen der Teilhabe (PSYNDEX Tests Abstract)

 

Index for the Assessment of Health Impairments/zpid

 Deck, R., Mittag, O., Hüppe, A., Muche-Borowski, C. & Raspe, H.
 (2007). Index zur Messung von Einschränkungen der Teilhabe (IMET) - Erste Ergebnisse eines ICF-orientierten Assessmentinstrumentes. Klinische Verhaltensmedizin und Rehabilitation, 20 (76), 113-120.

Online im Internet: https://www.zpid.de/index.php?wahl=products&uwahl=frei&uuwahl=testarchiveintro

 Bezugsquelle: Das Verfahren ist im "Elektronischen Testarchiv" des ZPID enthalten und steht unter der "Creative Commons Namensnennung-NichtKommerziell-KeineBearbeitung 3.0 Unported (CC BY-NC-ND 3.0)"-Lizenz (http://creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/3.0/deed.de); es kann für nichtkommerzielle Forschungs- und Unterrichtszwecke kostenlos eingesetzt werden. ; URL: https://www.zpid.de/index.php?wahl=products&uwahl=frei&uuwahl=userlog ; Stand: 1.5.2016.
 Adresse(n): o PD Dr. Oskar Mittag, Universitätsklinikum Freiburg, Abteilung Qualitätsmanagement und Sozialmedizin, Breisacherstraße 62 Haus 4, D-79106 Freiburg ; E-Mail: oskar.mittag@uniklinik-freiburg.de ; URL: https://www.uniklinik-freiburg.de/severa/mitarb/mittag.html ; Stand: 30.8.2016
o Prof. Dr. Dr. Heiner Raspe, Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Campus Lübeck, Institut für Sozialmedizin, Beckergrube 43-47, D-23552 Lübeck ; E-Mail: heiner.raspe@uk-sh.de ; URL: http://www.uksh.de/bevoelkerungsmedizin/Mitarbeiter.html ; Stand: 30.8.2016
o PD Dr. Ruth Deck, Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Campus Lübeck, Institut für Sozialmedizin, Beckergrube 43-47, D-23552 Lübeck ; E-Mail: ruth.deck@uksh.de ; URL: http://www.uksh.de/ike-luebeck/Proxy-a_id-40054.html ; Stand: 12.11.2007
 

Abstract

Diagnostische Zielsetzung:
Das Assessmentverfahren kann bei Patienten mit unterschiedlichen chronischen Erkrankungen eingesetzt werden, um deren Partizipation und Teilhabe (im Sinne der "Internationalen Klassifikation der Funktionsfähigkeit, Behinderung und Gesundheit" ICF) zu beurteilen. Sein Haupteinsatzgebiet liegt im Bereich der rehabilitationswissenschaftlichen Forschung. Zudem eignet sich der IMET als Screeningverfahren, um das Risiko einer misslingenden beruflichen Wiedereingliederung von Reha-Patienten einzuschätzen (Deck, 2007).


Aufbau:
Bei dem IMET handelt es sich um einen Fragebogen (Paper-and-Pencil-Verfahren), mit dem die subjektiven Beeinträchtigungen im Alltag von chronisch kranken Menschen erfasst werden können. Hierzu werden neun Lebensbereiche aufgeführt und jeweils durch kurze Erläuterungen präzisiert, z. B. "Übliche Aktivitäten des täglichen Lebens", "Soziale Aktivitäten" oder "Sexualleben". Auf 11-stufigen Skalen sollen die Patienten die für sie typische Stärke der Beeinträchtigung einschätzen. Die Skalen sind für acht der neun Items verbal mit den Polen 0 = "keine Beeinträchtigung" und 10 = "keine Aktivität mehr möglich" verankert; für ein Item ("Stress und außergewöhnliche Belastungen") werden die Anker 0 = "kann Belastung ertragen" bis 10 = "kann Belastung nicht mehr ertragen" vorgegeben.
Die Auswertung erfolgt zum Einen auf Ebene der Einzelitems, d.h. es werden bereichsspezifische Einschränkungen von Aktivität und Teilhabe betrachtet. Zum Anderen kann durch Aufsummieren aller neun Items ein Gesamtwert gebildet werden, der als Globalmaß für Einschränkungen der Teilhabe interpretiert wird.


Grundlagen und Konstruktion:
Der IMET basiert auf einem ganzheitlichen Denkmodell, das auch der ICF zu Grunde liegt. Im Modell der ICF werden (funktionale) Gesundheit und Krankheit als Ausdruck eines dynamischen biopsychosozialen Geschehens interpretiert und Krankheitsfolgen werden auf verschiedenen Ebenen systematisch und hochdifferenziert beschrieben und klassifiziert. Angesichts ihres hohen Komplexitätsgrads ist die ICF jedoch für einen Einsatz in rehawissenschaftlichen Studien weniger geeignet (Körner, 2005; Linden & Baron, 2005). Ihre Umsetzung erfolgt daher mit Hilfe spezieller Assessmentinstrumente (Schuntermann, 2003), z. B. dem in mehreren Versionen zur Selbst- und Fremdeinschätzung vorliegenden World Health Organization Disability Assessment Schedule WHODAS (World Health Organization, 2010) oder Fremdbeurteilungsverfahren wie dem Mini-ICF-Rating (Linden & Baron, 2005).
Als ein weiteres derartiges Assessmentinstrument wurde im Jahre 2005 der IMET konstruiert. Seine Grundlage stellte der "Pain Disability Index" (PDI; Chibnall, Raymond & Tait, 1994; Dillmann, Nilges, Saile & Gerbershagen, 1994) dar, der speziell schmerzbedingte Beeinträchtigungen von Alltagsfunktionen abbilden soll. Da der IMET für chronisch kranke Menschen mit unterschiedlichen Erkrankungen geeignet sein sollte, wurden die Items des PDI von einer interdisziplinär zusammengesetzten Arbeitsgruppe im Hinblick auf ihre Relevanz für Rehabilitationspatienten unterschiedlicher Indikationen geprüft, teilweise reformuliert und mit den Domänen der ICF abgeglichen; zudem wurden die Antwortformate des PDI adaptiert (Deck, Mittag, Hüppe, Muche-Borowski & Raspe, 2007). Der resultierende Fragebogen, der neun Aspekte alltäglicher Aktivitäten und Teilhabe abbildet, erwies sich in einer Pilotstudie als praktikabel und fand hohe Akzeptanz. In der Folgezeit wurde er im Rahmen der Qualitätsgemeinschaft medizinische Rehabilitation in Schleswig-Holstein (Deck & Raspe, 2006) in 19 Reha-Einrichtungen an Patienten aus sechs Indikationsgruppen eingesetzt. Der IMET war dabei in eine umfangreiche Fragebogenbatterie eingebettet, die von den Patienten vor sowie vier Monate nach der Rehabilitation bearbeitet wurde. Daten aus fünf dieser Indikationsgruppen (Orthopädie-Anschlussrehabilitation, Orthopädie-Heilverfahren, Psychosomatik, Onkologie, Pneumologie) wurden zur Prüfung der psychometrischen Eigenschaften des IMET nach Kriterien der Klassischen Testtheorie und zur Validierung herangezogen (Deck, 2007; Deck et al., 2007).


Empirische Prüfung und Gütekriterien:
Reliabilität: Für die Gesamtskala wurde in umfangreichen Stichproben von Reha-Patienten eine hohe interne Konsistenz von Cronbachs Alpha = .90 (N = 1 047; Deck et al., 2007) bzw. Alpha = .91 (N = 1 472; Deck, 2007) ermittelt.
Validität: Hinweise auf die strukturelle Validität des IMET ergeben sich aus exploratorischen Faktorenanalysen: Einfaktorielle Lösungen erbrachten hier eine Varianzaufklärung von 60% (Deck, 2007) bzw. 61% (Deck et al., 2007). Zweifaktorielle Lösungen, wie sie in der Literatur für den PDI diskutiert wurden, waren zwar ebenfalls inhaltlich interpretierbar, indem eine körperliche und eine eher psychische Dimension der Beeinträchtigungen identifiziert wurden. Der zusätzlich erklärte Varianzanteil war jedoch nur gering und die Faktoren waren in der Studie von Deck et al. (2007) zudem mit r = .59 hoch korreliert. Für die konvergente Validität sprechen moderate bis hohe Korrelationen des IMET-Gesamtwerts mit folgenden Instrumenten (Deck et al., 2007):
- Short-Form-36-Questionnaire - Vitalität (SF-36-V; Bullinger & Kirchberger, 1998): r = -.44;
- Funktionsfragebogen Hannover-Rücken (FFbH-R; Kohlmann & Raspe, 1996): r = -.61;
- Fragebogen zu schmerzbezogenen Selbstinstruktionen - Subskala Katastrophisieren (FSS; Flor & Turk, 1988): r = .39;
- Subjektive Prognose der Erwerbsfähigkeit (SPE; Mittag & Raspe, 2003): r = .35;
- numerisches Rating der Leistungsfähigkeit im Alltag (LF-A): r = -.54;
- numerisches Rating der Leistungsfähigkeit in der Freizeit (LF-F): r = -.53.
In den fünf betrachteten Indikationsgruppen (Orthopädie-Anschlussrehabilitation, Orthopädie-Heilverfahren, Psychosomatik, Onkologie, Pneumologie) zeigten sich vergleichbar hohe Korrelationen wie in der Gesamtstichprobe.
Deck (2007) berichtet zusätzlich geringe bis mittlere Zusammenhänge des IMET-Gesamtwerts von r = -.32 mit der Skala "Stimmung" aus dem SF-36 (Bullinger & Kirchberger, 1998) sowie von r = .34 mit dem Ausmaß der Arbeitsunfähigkeit in den letzten 12 Monaten (Anzahl von Fehltagen). Der IMET besaß ferner in einer logistischen Regressionsanalyse, in der neben dem IMET auch Alter und Geschlecht sowie körperliche und psychische Outcome-Maße als Prädiktoren verwendet wurden, neben dem Alter den höchsten Vorhersagewert für das Risiko von Reha-Patienten, aus dem Beruf auszuscheiden.
Zur Änderungssensitivität des IMET werden die standardisierten Prä-Post-Differenzen bei Reha-Patienten berichtet, die den Index vor und vier Monate nach der Rehabilitation bearbeiteten. Deck et al. (2007) fanden in der Gesamtstichprobe sowohl auf der Ebene der Einzelitems als auch bei der Gesamtskala lediglich geringe bis mittlere Effekte (Effektstärke ES = 0.20 bis 0.44 bzw. 0.43). Orthopädische Patienten in Anschlussrehabilitationsbehandlungen, die zu Beginn der Rehabilitation die höchsten Beeinträchtigungen angegeben hatten, berichteten eine vergleichsweise deutliche Verringerung der Einschränkungen (ES = .75), bei pneumologischen Patienten zeigten sich hingegen nur minimale Veränderungen (ES = .10).
Normen: Vergleichswerte für Reha-Patienten (Patienten der Orthopädie, Psychosomatik, Onkologie, Pneumologie) können den Studien von Deck (2007) sowie Deck et al. (2007) entnommen werden. Nach Deck (2008) existieren Normen aus dem Bereich der medizinischen Rehabilitation (Orthopädie, Psychosomatik, Onkologie, Pneumologie, Kardiologie und Neurologie, N = 1 739) sowie der Versorgungsforschung (Patienten mit Morbus Crohn und Colitis ulcerosa, N = 1 080).

 

Altersbereiche

Das Verfahren eignet sich für Erwachsene.
 

Durchführungszeit

Die Bearbeitungs- und Auswertungszeit betragen jeweils etwa 3 Minuten.
 

Bewertung

Mit dem IMET wurde ein sehr ökonomisches, sehr einfach handhabbares Selbstbeurteilungsverfahren entwickelt, das subjektive Einschränkungen der Teilhabe im Sinne der ICF reliabel und valide abbildet und von Patienten im Allgemeinen sehr gut akzeptiert wird. Das Instrument weist eine gute Differenzierungsfähigkeit und Veränderungssensitivität bei mittel bis stark ausgeprägten Krankheitszuständen auf, während Veränderungen bei leichten Beeinträchtigungen weniger gut abgebildet werden können (Deck et al., 2007). Wünschenswert wäre indes eine Erhebung von Vergleichswerten an Stichproben gesunder Personen, um den Grad der erlebten Beeinträchtigung noch eindeutiger interpretieren zu können. In konfirmatorischen Faktorenanalysen sollte zudem die Überlegenheit des gewählten einfaktoriellen Modells gegenüber dem konkurrierenden Zweifaktorenmodell geprüft werden, um die strukturelle Validität des IMET zu belegen.
 

Literatur

  • Bullinger, M. & Kirchberger, I. (1998). Der SF-36 Fragebogen zum Gesundheitszustand. Göttingen: Hogrefe.
  • Chibnall, J.T., Raymond, M.S. & Tait, C. (1994). The Pain Disability Index: Factor structure and normative data. Archives of Physical Medicine and Rehabilitation, 75, 1082-1086.
  • Deck, R. (2007). Veränderungen von Teilhabestörungen nach Reha. Praxis Klinische Verhaltensmedizin und Rehabilitation, 20 (78), 229-236.
  • Deck, R. (2008). IMET. Index zur Messung von Einschränkungen der Teilhabe. In J. Bengel, M. Wirtz & C. Zwingmann (Hrsg.), Diagnostische Verfahren in der Rehabilitation (S. 372-374). Göttingen: Hogrefe.
  • Deck, R., Mittag, O., Hüppe, A., Muche-Borowski, C. & Raspe, H. (2007). Index zur Messung von Einschränkungen der Teilhabe (IMET) - Erste Ergebnisse eines ICF-orientierten Assessmentinstrumentes. Klinische Verhaltensmedizin und Rehabilitation, 20, 113-120.
  • Deck, R. & Raspe, H. (2006). Regionale Qualitätssicherung in der medizinischen Rehabilitation. Qualitätsgemeinschaft medizinische Rehabilitation in Schleswig-Holstein - Initiative und Erprobung. Rehabilitation, 45, 146-151.
  • Dillmann, U., Nilges, P., Saile, H. & Gerbershagen, H. U. (1994). Behinderungseinschätzung bei chronischen Schmerzpatienten. Schmerz, 8, 100-110.
  • Flor, H. & Turk, D.C (1988). Rheumatoid arthritis and back pain: Predicting pain and disability from cognitive variables. Journal of Behavioral Medicine, 11, 251-265.
  • Kohlmann, T. & Raspe, H. (1996). Der Funktionsfragebogen Hannover zur alltagsnahen Diagnostik der Funktionsbeeinträchtigung durch Rückenschmerzen (FFbH-R). Rehabilitation, 35, I-VIII.
  • Körner, M. (2005). ICF und sozialmedizinische Beurteilung der Leistungsfähigkeit im Erwerbsleben: Alles klar? - Ein Diskussionsbeitrag. Rehabilitation, 44, 229-236.
  • Linden, M. & Baron, S. (2005). Das "Mini-ICF-Rating für psychische Störungen (Mini-ICF-P)". Ein Kurzinstrument zur Beurteilung von Fähigkeitsstörungen bei psychischen Erkrankungen. Rehabilitation, 44, 144-151.
  • Mittag, O. & Raspe, H. (2003). Eine kurze Skala zur Messung der subjektiven Prognose der Erwerbstätigkeit: Ergebnisse einer Untersuchung an 4279 Mitgliedern der gesetzlichen Arbeiterrentenversicherung zu Reliabilität (Guttman-Skalierung) und Validität der Skala. Rehabilitation, 42, 169-174.
  • Schuntermann, M. (2003). Grundsatzpapier der Rentenversicherung zur Internationalen Klassifikation der Funktionsfähigkeit, Behinderung und Gesundheit (ICF) der Weltgesundheitsorganisation (WHO). Deutsche Rentenversicherung, 1-2, 52-59.
  • World Health Organization. (Ed.). (2010). Measuring health and disability: Manual for WHO Disability Assessment Schedule (WHODAS 2.0). Geneva, Switzerland: World Health Organization.
 
 Anne-Kathrin Mayer (22.08.2011)
 APA-Schlagworte/PSYNDEX Terms:

Classical Test Theory; Questionnaires; Rating Scales; Rehabilitation; Health Impairments; Activities of Daily Living

Klassische Testtheorie; Fragebögen; Rating-Skalen; Rehabilitation; Gesundheitliche Beeinträchtigungen; Alltagsfertigkeiten

 weitere Schlagworte:

2007; Open Access; ICF; 9 Items alltäglicher Aktivitäten und Teilhabe
 Klassifikation:

Gesundheitspsychologische Tests; Physische und psychosomatische Störungen; Rehabilitation
Verfahren aus dem Bereich der Rehabilitation
11.27
 Anwendungstyp: Research (Tests)
 Art der Publikation: Test; Electronic Resources (90; 94)
 Sprache: German
 Land: Germany
 Publikationsjahr: 2007
 Änderungsdatum: 201108
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