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Instrument zur Erfassung des Geschlechtsrollen-Selbstkonzepts im Jugendalter (PSYNDEX Tests Abstract)

 PSYNDEX Tests-Dokument: 9005895
 

GRI-JUG - Instrument zur Erfassung des Geschlechtsrollen-Selbstkonzepts im Jugendalter (PSYNDEX Tests Abstract)

 

Inventory for Measuring Gender Role Self-Concept in Adolescence/journal
Synonym(e): GRI-Jug

 Krahé, B., Berger, A. & Möller, I.
 (2007). Entwicklung und Validierung eines Inventars zur Erfassung des Geschlechtsrollen-Selbstkonzepts im Jugendalter. Zeitschrift für Sozialpsychologie, 38 (3), 195-208.

Online im Internet: https://www.zpid.de/index.php?wahl=products&uwahl=frei&uuwahl=testarchiveintro

 Bezugsquelle: Das Verfahren ist im "Elektronischen Testarchiv" des ZPID enthalten und steht unter der "Creative Commons Namensnennung-NichtKommerziell-KeineBearbeitung 3.0 Unported (CC BY-NC-ND 3.0)"-Lizenz (http://creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/3.0/deed.de); es kann für nichtkommerzielle Forschungs- und Unterrichtszwecke kostenlos eingesetzt werden. ; URL: https://www.zpid.de/index.php?wahl=products&uwahl=frei&uuwahl=userlog ; Stand: 1.5.2016.
Anmerkung: Die Items sind auch bei Krahé, Berger und Möller (2007, S. 199-200) vollständig aufgeführt.
 Adresse(n): o Prof. Dr. Barbara Krahé, Leiterin der Abteilung Sozialpsychologie, Universität Potsdam, Institut für Psychologie, Karl-Liebknecht-Straße 2425, D-14476 Potsdam OT Golm ; E-Mail: krahe@uni-potsdam.de ; URL: http://www.psych.uni-potsdam.de/people/krahe/index-d.html ; Stand: 18.8.2011
o Dr. Ingrid Möller, Universität Potsdam, Institut für Psychologie, Karl-Liebknecht-Straße 24-25, D-14476 Golm ; E-Mail: ingrid.moeller@uni-potsdam.de ; URL: http://www.psych.uni-potsdam.de/people/moeller/index-e.html ; Stand: 18.8.2011
o Anja Berger, Wissenschaftliche Mitarbeiterin, Universität Potsdam, Institut für Psychologie, Karl-Liebknecht-Straße 24-25, D-14476 Golm ; E-Mail: bergera@uni-potsdam.de ; URL: http://www.psych.uni-potsdam.de/people/berger/index-d.html ; Stand: 18.8.2011
 

Abstract

Diagnostische Zielsetzung:
Das GRI-Jug erfasst sowohl positive als auch negative Aspekte der Selbstkonstruktion auf den beiden Dimensionen der Maskulinität und Femininität im Jugendalter. Über die Einbeziehung der negativen Aspekte maskuliner und femininer Attribute der Geschlechterrolle wird die Möglichkeit eröffnet, psychologische Korrelate negativer Selbstkonstruktionen in Bezug auf geschlechtstypisierte Merkmale genauer zu analysieren und theoretisch zu verankern.
Das Verfahren wurde aufgrund der Befragung von Schülerinnen und Schülern im Alter zwischen 12 und 18 Jahren entwickelt und bildet die Vorstellungen und das Vokabular der Zielgruppe der Jugendlichen ab. Daher ist das Verfahren speziell für diese Altersgruppe geeignet.


Aufbau:
Es handelt sich um eine Selbstbeurteilungsskala mit 20 Items zur Erfassung positiver und negativer Aspekte des maskulinen und femininen Selbstkonzepts. Die Items sind inhaltlich auf das Jugendalter ausgerichtet. Es liegen vier Teilskalen mit jeweils 5 Items vor (Mask+, Mask-, Fem+ und Fem-), die einen spezifischen Beitrag im Zusammenhang zu anderen psychologisch relevanten Konstrukten leisten. Die 20 Items werden auf einer fünfstufigen Skala von 1 (trifft gar nicht zu), 2 (selten), 3 (gelegentlich), 4 (oft) bis 5 (trifft [fast] immer zu) beantwortet, deren Werte pro Teilskala gemittelt werden. Die Testung kann einzeln oder in der Gruppe erfolgen.


Grundlagen und Konstruktion:
Den theoretischen Rahmen zur Analyse des Geschlechtsrollen-Selbstkonzepts liefert die "Gender Schema Theory" von Bem (1981). Die Theorie postuliert, dass Individuen sozial geteilte Vorstellungen über typisch männliche und typisch weibliche Attribute in ihr Selbstkonzept integrieren und sich sowohl zu geschlechtskongruenten als auch zu geschlechtsinkongruenten Merkmalen positionieren - unabhängig von ihrem biologischen Geschlecht. Das Geschlechtsrollen-Selbstkonzept steuert in diesem Zusammenhang die Aufnahme und Verarbeitung von geschlechtsbezogenen Informationen und steht mit anderen Personenvariablen wie z.B. Reaktionszeiten beim Erkennen geschlechtsbezogener Wörter (Mills, 1981) oder psychischer Gesundheit (Lefkowitz & Zeldow, 2006) in Zusammenhang.
Durch den nachgewiesen Wandel der Geschlechtsrollen über die Zeit (Twenge, 1997) wurde die Entwicklung eines neuen Instrumentes erforderlich, das den aktuellen Konsens in der betreffenden Zielgruppe hinsichtlich der Geschlechtstypizität von Eigenschaften sowie ihrer Bewertung widerspiegelt. Es wurden zunächst positive und negative geschlechtsspezifische Attribute von Jungen und Mädchen generiert, die anschließend von einer weiteren Stichprobe hinsichtlich der Typizität für beide Geschlechter eingeschätzt wurden. Die so ermittelten 20 Items für die vier Teilskalen wurden in einer dritten Studie schließlich an verschiedenen, theoretisch hergeleiteten Konstrukten validiert. Die psychometrische Überprüfung erfolgte nach Prinzipien der Klassischen Testtheorie.


Empirische Prüfung und Gütekriterien:
Reliabilität: Für die vier Teilskalen des GRI-Jug ergab sich in der Validierungsstudie (Krahé, Berger & Möller, 2007) eine hinreichende interne Konsistenz (Alpha = .63 - .75).
Validität: Die beiden positiven und negativen Teilskalen für Femininität (r = .13) und Maskulinität (r = .10) korrelierten jeweils positiv, aber gering miteinander; während die Zuschreibung positiver maskuliner Attribute signifikant mit der Zuschreibung positiver femininer Attribute (r = .35) korrelierte, sowie die Zuschreibung negativer maskuliner Attribute mit der Zuschreibung negativer femininer Attribute (r = .38). Zur weiteren Bestimmung der Validität des GRI-Jug wurden zunächst die Korrelationen mit den ausgewählten Validierungskonstrukten (Trait-Aggressivität, Empathiefähigkeit, Präferenz für typische Jungen- bzw. Mädchenberufe, Jungen- und Mädchen-Wünsche) bestimmt. Auf der Ebene der bivariaten Korrelationen korrelierte die Teilskala Mask+ positiv mit Aggressivität, der Präferenz für Jungenberufe und den Jungen-Wünschen, sowie positiv - aber geringer als die Femininitätsskalen - mit der Empathiefähigkeit. Die Teilskala Mask- korrelierte ebenfalls positiv mit Trait-Aggressivität und Präferenz für Jungenberufe bzw. -wünsche, aber negativ mit Empathiefähigkeit sowie der Präferenz für Mädchenberufe. Die Teilskala Fem+ korrelierte negativ mit der Trait-Aggressivität und der Präferenz für Jungenberufe und Jungenwünsche sowie positiv mit Empathiefähigkeit und der Präferenz für Mädchenberufe. Des Weiteren fanden sich positive Zusammenhänge zwischen Fem- und der Aggressivität, der Empathiefähigkeit und der Präferenz für Mädchen-Berufe und Mädchen-Wünsche. Erwartungsgemäß erwiesen sich die Teilskalen des GRI-Jug als signifikante Prädiktoren der Validierungskonstrukte. In Bezug auf die Trait-Aggressivität ergaben sich signifikant positive Regressionskoeffizienten für die Teilskalen Mask+ und Mask- sowie für die Teilskala Fem-. Die beiden femininen Teilskalen erwiesen sich als positive Prädiktoren der Empathiefähigkeit, während die beiden maskulinen Teilskalen negativ mit der Empathiefähigkeit in Beziehung standen.
Die beiden Maskulinitätsskalen erwiesen sich darüber hinaus als positive Prädiktoren der Attraktivität der Jungen-Berufe und sagten die Jungen-Wünsche vorher. Außerdem waren die beiden Maskulinitätsskalen negative Prädiktoren der Attraktivität der Mädchen-Berufe und -Wünsche. Umgekehrt sagten höhere Femininitätswerte auf beiden Teilskalen eine höhere Attraktivität der Mädchen-Berufe und -Wünsche und eine geringere Attraktivität der Jungen-Berufe und -Wünsche vorher.
Normen: Es liegen keine Normen vor.

 

Altersbereiche

Das Verfahren ist speziell für Jugendliche entwickelt (Altersbereich etwa 12-18 Jahre).
 

Durchführungszeit

Die Bearbeitung dauert ca. 5 Minuten.
 

Bewertung

Gegenüber bislang existierenden Instrumenten wie dem BSRI oder dem PAQ hat das neu entwickelte Geschlechtsrolleninventar für Jugendliche (GRI-Jug) mehrere Vorteile: (1) Es basiert auf einem aktuellen Inventar geschlechtstypisierter Eigenschaften, die in einem mehrstufigen Auswahlverfahren gewonnen wurden. (2) Es umfasst neben positiven auch negative Attribute, die für die Konstruktion des Geschlechtsrollen-Selbstkonzepts von Bedeutung sind und in früheren Instrumenten vernachlässigt wurden. (3) Es bildet Vorstellungen und Vokabular von Jugendlichen ab. Insgesamt handelt es sich bei dem GRI-Jug um ein zuverlässiges und valides Instrument zur Erfassung positiver und negativer Aspekte des Geschlechtsrollen-Selbstkonzepts bei Jugendlichen, das nicht zuletzt durch seine Kürze in einer Vielzahl von Anwendungskontexten einsetzbar ist.
 

Literatur

  • Bem, S.L. (1981). Gender schema theory: A cognitive account of sex typing. Psychological Review, 88, 354-364.
  • Krahé, B., Berger, A. & Möller, I. (2007). Entwicklung und Validierung eines Inventars zur Erfassung des Geschlechtsrollen-Selbstkonzepts im Jugendalter. Zeitschrift für Sozialpsychologie, 38, 195-208.
  • Lefkowitz, E.S. & Zeldow, P. (2006). Masculinity and femininity predict optimal mental health: A belated test of the androgyny hypothesis. Journal of Personality Assessment, 87, 95-101.
  • Mills, C.J. (1981). Sex-typing and self-schemata effects on memory and response latency. Journal of Personality and Social Psychology, 45, 163-172.
  • Twenge, J.M. (1997). Changes in masculine and feminine traits over time: A meta-analysis. Sex Roles, 36, 305-325.
 
 Barbara Krahé (16.08.2011)
 APA-Schlagworte/PSYNDEX Terms:

Classical Test Theory; Computer Assisted Testing; Questionnaires; Rating Scales; Adjectives; Sex Role Attitudes; Sex Roles; Human Sex Differences; Masculinity; Femininity; Gender Identity; Adolescent Attitudes; Empathy; Aggressiveness

Klassische Testtheorie; Computerunterstütztes Testen; Fragebögen; Rating-Skalen; Adjektive; Einstellungen zur Geschlechtsrolle; Geschlechtsrollen; Geschlechtsunterschiede beim Menschen; Männlichkeit; Weiblichkeit; Geschlechtsidentität; Jugendlicheneinstellungen; Empathie; Aggressivität (Persönlichkeit)

 weitere Schlagworte:

2007; Open Access; Geschlechtsrollen-Selbstkonzept; Geschlechtsrollen-Identität; Geschlechtstypisches Verhalten; 20 Items; Skalen: 1 Maskulinitätsskala, 2 Femininitätsskala; Normierungsjahr: keine Angaben
 Klassifikation:

Persönlichkeitstests; Geschlechtsrollen und Frauenfragen; Persönlichkeitseigenschaften und Persönlichkeitsprozesse
Verfahren zur Erfassung verschiedener Aspekte von Rollenverhalten
9.11
 Anwendungstyp: Research (Tests)
 Art der Publikation: Test; Electronic Resources (90; 94)
 Sprache: German
 Land: Germany
 Publikationsjahr: 2007
 Änderungsdatum: 201108
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