0001info@zpid.de | © 1996-2016 ZPID

 

 



 Vollansicht des PSYNDEX Tests-Dokuments:
Acceptance of Modern Myths about Sexual Aggression Scale - deutsche Fassung (PSYNDEX Tests Abstract)

 PSYNDEX Tests-Dokument: 9005980
 

AMMSA - Acceptance of Modern Myths about Sexual Aggression Scale - deutsche Fassung (PSYNDEX Tests Abstract)

 

Acceptance of Modern Myths about Sexual Aggression Scale (AMMSA; Gerger, H., Kley, H., Bohner, G. & Siebler, F., 2007) - German version/author
Synonym(e): Skala zur Erfassung von zeitgenössischen Mythen über sexuelle Aggression (SAM)

 Gerger, H., Kley, H., Bohner, G. & Siebler, F.
 (2007). The Acceptance of Modern Myths about Sexual Aggression Scale. Development and validation in German and English. Aggressive Behavior, 33 (5), 422-440.

Online im Internet: https://www.zpid.de/index.php?wahl=products&uwahl=frei&uuwahl=testarchiveintro

 Bezugsquelle: Das Verfahren ist im "Elektronischen Testarchiv" des ZPID enthalten und steht unter der "Creative Commons Namensnennung-NichtKommerziell-KeineBearbeitung 3.0 Unported (CC BY-NC-ND 3.0)"-Lizenz (http://creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/3.0/deed.de); es kann für nichtkommerzielle Forschungs- und Unterrichtszwecke kostenlos eingesetzt werden. ; URL: https://www.zpid.de/index.php?wahl=products&uwahl=frei&uuwahl=userlog ; Stand: 1.5.2016.
 Adresse(n): o Prof. Dr. Gerd Bohner, Universität Bielefeld, Fakultät für Psychologie und Sportwissenschaft, Abteilung für Psychologie, Postfach 100131, D-33501 Bielefeld ; E-Mail: Gerd.Bohner@uni-bielefeld.de ; URL: http://www.uni-bielefeld.de/psychologie/personen/ae05/bohner.html ; Stand: 13.10.2011
o Dr. Frank Siebler, Universität Tromsø, Institut für Psychologie, 9037 Tromsø, Norwegen ; E-Mail: frank.siebler@uit.no ; URL: https://uit.no/om/enhet/ansatte/person?p_document_id=44050&p_dimension_id=88120 ; Stand: 30.8.2016
 WWW-Informationen:
 

Abstract

Diagnostische Zielsetzung:
Bei der AMMSA handelt es sich um eine Selbstbeurteilungsskala mit 30 Items zur Erfassung von Vergewaltigungsmythenakzeptanz (bzw. Mythen bzgl. sexueller Aggression im Allgemeinen).


Aufbau:
Die AMMSA umfasst 30 Items, welche auf einer siebenstufigen Antwortskala mit den Endpunkten "lehne vollkommen ab" und "stimme vollkommen zu" zu beantworten sind. Der gemittelte Wert über alle Items bildet den Skalenwert. Es existieren verschiedene Kurzversionen der Skala, welche eine ökonomische Erhebung ermöglichen. Durch die parallele Entwicklung auf Englisch und Deutsch ist die Skala insbesondere für den Einsatz in unterschiedlichen Kulturen geeignet. Neben der deutschen und englischen Fassung liegt eine spanische Variante vor (Megias, Romero-Sanchez, Duran, Moya & Bohner, 2011).


Grundlagen und Konstruktion:
"Vergewaltigungsmythen sind deskriptive oder präskriptive Überzeugungen über Vergewaltigung (d.h. über Ursachen, Kontext, Folgen, Täter, Opfer und deren Interaktion), die dazu dienen, sexuelle Gewalt von Männern gegen Frauen zu leugnen, zu verharmlosen oder zu rechtfertigen" (Bohner, 1998, S. 14). Einen Überblick über allgemeine und geschlechtstypische Funktionen von Vergewaltigungsmythen geben Bohner, Eyssel, Pina, Siebler und Viki (2009).
Wesentliches Ziel bei der Entwicklung der AMMSA war es, Veränderungen in den Inhalten von Vergewaltigungsmythen durch subtilere Iteminhalte Rechnung zu tragen. Neben Vergewaltigungsmythen sprechen die Items der AMMSA auch allgemeinere Überzeugungen zu sexueller Aggression an. Das Konzept der AMMSA orientiert sich an der Forschung zum Modernen Sexismus (Swim, Aikin, Hall & Hunter, 1995). Die Auswahl der 30 Items erfolgte entsprechend nach theoretischen Gesichtspunkten, wobei die Itemgenerierung sich an folgenden fünf Inhaltsbereichen orientierte:
(a) Leugnung der Reichweite des Problems sexueller Aggression (z.B. "Viele Frauen neigen dazu, eine nett gemeinte Geste zum 'sexuellen Übergriff' hochzuspielen"); (b) Ablehnung von Ansprüchen der Opfer (z.B. "Obwohl die Opfer bewaffneter Raubüberfälle um ihr Leben fürchten müssen, erhalten sie wesentlich weniger psychologische Unterstützung als Vergewaltigungsopfer"); (c) mangelnde Unterstützung von Maßnahmen, welche die Auswirkungen sexueller Gewalt lindern sollen (z.B. "Für die Opfer sexueller Gewalt wird heutzutage durch Frauenhäuser, Therapieangebote und Selbsthilfegruppen schon genug getan"); (d) Meinung, dass die Ausübung von Zwang einen natürlichen Aspekt männlicher Sexualität darstellt (z.B. "Wenn eine Frau mit einem Mann eine Beziehung eingeht, muss sie sich darüber im Klaren sein, dass der Mann sein Recht auf Sex einfordern wird"); (e) Entlastung der Täter durch Schuldverschiebung auf das Opfer oder die Umstände (z.B. "Wenn Männer vergewaltigen, ist oft der Alkohol schuld").
Durch die subtileren Iteminhalte weist die AMMSA höhere Mittelwerte und symmetrischere Verteilungen der Skalenwerte auf, als man sie typischerweise bei anderen Skalen zur Messung von Vergewaltigungsmythenakzeptanz findet. Damit eignet sich die AMMSA besser zur Evaluation von Interventionen, die Mythenakzeptanz reduzieren sollen, und erfüllt besser die Voraussetzungen zur Nutzung parametrischer Analyseverfahren.
Validiert wurde die Skala zunächst in vier Studien. In den ersten beiden Studien wurde die Skala Bielefelder Studierenden vorgelegt. In Studie 3 wurden Bahnreisende befragt. Bei Studie 4 handelt es sich um eine Online-Studie (parallel in Deutsch und Englisch), an der Personen aus 35 Ländern teilnahmen (Gerger, Kley, Bohner & Siebler, 2007).


Empirische Prüfung und Gütekriterien:
Durch standardisierte Auswertung und Durchführung ist die AMMSA als objektiv einzuschätzen.
Reliabilität: Die Skala erzielt sehr gute Homogenitätskoeffizienten (Cronbachs Alpha zwischen .90 und .95). Die Retestreliabilität ist befriedigend bis gut mit Werten zwischen rtt = .67 (Studie 1, mehr als 3 Wochen) und rtt = .88 (Studie 3, zwischen 6 und 10 Wochen). Die Trennschärfekoeffizienten der Items liegen zwischen rit = .21 und rit = .82.
Validität: Explorative Faktorenanalysen aus den Validierungsstudien sowie Kongruenzkoeffizienten (Tucker, 1951, zitiert nach Bortz, 1999, S. 538) unterstützen eine einfaktorielle Interpretation der AMMSA-Gesamtskala und sprechen damit für ihre faktorielle Validität.
Die Konstruktvalidität wird durch folgende Befunde belegt: Die AMMSA ist hoch korreliert mit anderen Maßen zur Erfassung von Vergewaltigungsmythenakzeptanz (Illinois Rape Myth Acceptance Scale: r = .79 bis .88) sowie der selbstberichteten Neigung von Männern, sexuell zu belästigen (Likelihood to Sexually Harass, r = .60), was für die konvergente Validität der AMMSA spricht. Korrelationen der AMMSA mit Skalen zur Erfassung sozial erwünschten Antwortverhaltens liegen nahe Null, was die diskriminante Validität der Skala belegt. In mehreren experimentellen Studien konnte gezeigt werden, dass sich aus AMMSA-Werten Urteile über Schuld und Verantwortung in spezifischen Fällen sexueller Gewalt vorhersagen lassen. Für weitere korrelative Zusammenhänge der AMMSA siehe Süssenbach und Bohner (2011).
Normen: Für die AMMSA liegen keine Normen vor. Itemkennwerte und Verteilungsparameter berichten Gerger et al. (2007) für die 30-Item-Skala (mehrere heterogene Stichproben) sowie Süssenbach und Bohner (2011) für eine 9-Item-Kurzskala (Zufallsstichprobe der deutschen Bevölkerung).

 

Altersbereiche

Die AMMSA kann bei ProbandInnen ab 16 Jahren eingesetzt werden.
 

Durchführungszeit

Die 30 Items umfassende Vollskala ist in ca. 7 bis 9 Minuten zu bearbeiten. Die Bearbeitung der Kurzskalen nimmt etwa 3 bis 5 Minuten in Anspruch.
 

Bewertung

Die AMMSA weist bisher vorliegenden Studien zufolge sowohl in ihrer Langfassung als auch in den verschiedenen Kurzfassungen überzeugende Reliabilitäts- und Validitätskennwerte auf. Weitere Vorteile des Instruments sind seine Fundierung in aktuellen sozialpsychologischen Theorien sowie das Vorliegen mittlerweile dreier Versionen in unterschiedlichen Sprachen, die wertvolle kulturvergleichende Analysen von Vergewaltigungsmythen erlauben.
 

Literatur

  • Bohner, G. (1998). Vergewaltigungsmythen. Landau: Verlag Empirische Pädagogik.
  • Bohner, G., Eyssel, F., Pina, A., Siebler, F., & Viki, G.T. (2009). Rape myth acceptance: Cognitive, affective, and behavioural effects of beliefs that blame the victim and exonerate the perpetrator. In M.A.H. Horvath & J.M. Brown (Eds.), Rape: Challenging contemporary thinking (pp. 17-45). Cullompton, UK: Willan.
  • Bortz, J. (1999). Statistik für Sozialwissenschaftler. Berlin: Springer.
  • Gerger, H., Kley, H., Bohner, G. & Siebler, F. (2007). The Acceptance of Modern Myths about Sexual Aggression Scale. Development and validation in German and English. Aggressive Behavior, 33 (5), 422-440.
  • Megías, J.L., Romero-Sánchez, M., Durán, M., Moya, M. & Bohner, G. (2011). Spanish validation of the Acceptance of Modern Myths about Sexual Aggression scale (AMMSA). Spanish Journal of Psychology, 14, 912-925. (DOI: 10.5209/rev_SJOP.2011.v14.n2.37)
  • Süssenbach, P. & Bohner, G. (2011). Acceptance of sexual aggression myths in a representative sample of German residents. Aggressive Behavior, 37, 374-385.
  • Swim, J.K., Aikin, K.J., Hall, W.S. & Hunter, B.A. (1995). Sexism and racism: Old-fashioned and modern prejudices. Journal of Personality and Social Psychology, 68, 199-214.
 

Wichtige neuere Publikationen

  • Kley, H. & Bohner, G. (2014). AMMSA. Skala zur Akzeptanz moderner Mythen über sexuelle Aggression. In D. Richter, E. Brähler & B. Strauß (Hrsg.), Diagnostische Verfahren in der Sexualwissenschaft (S. 21-26). Göttingen: Hogrefe.
 

Originalfassung/Anderssprachige Fassungen

  • Megías, J.L., Romero-Sánchez, M., Durán, M., Moya, M. & Bohner, G. (2011). Spanish validation of the Acceptance of Modern Myths about Sexual Aggression scale (AMMSA). Spanish Journal of Psychology, 14, 912-925. [Spanish version appended] (DOI: 10.5209/rev_SJOP.2011.v14.n2.37)
 
 Gerd Bohner und Philipp Süssenbach (25.08.2011)
Anne-Kathrin Mayer (25.08.2011)
 APA-Schlagworte/PSYNDEX Terms:

Classical Test Theory; Questionnaires; Rating Scales; Personality Measures; Sex Role Attitudes; Self-Report; Attitude Measurement; Sexual Abuse; Sexuality; Violence; Aggressive Behavior; Psychosexual Behavior; Rape

Klassische Testtheorie; Fragebögen; Rating-Skalen; Persönlichkeitstests; Einstellungen zur Geschlechtsrolle; Selbstbericht; Einstellungsmessung; Sexuelle Gewalt; Sexualität; Gewalt; Aggressionsverhalten; Sexualverhalten; Vergewaltigung

 weitere Schlagworte:

2007; Open Access; Vergewaltigungsmythenakzeptanz; ab 16 Jahre; Langform mit 30 Items; 9-Item-Kurzskala; Normierungsjahr: keine Angaben
 Klassifikation:

Klinische Psychodiagnostik; Geschlechtsrollen und Frauenfragen; Rechtspsychologie und Kriminologie
Einstellungstests zu Sexualität
7.4.2
 Anwendungstyp: Research (Tests)
 Art der Publikation: Test; Electronic Resources (90; 94)
 Sprache: German
 Übersetzungen: English, Spanish
 Land: Germany
 Publikationsjahr: 2007
 Änderungsdatum: 201608
 info@zpid.de | © 1996-2016 ZPID