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Skalen zu Fairnesseinstellungen im Fußball (PSYNDEX Tests Abstract)

 PSYNDEX Tests-Dokument: 9006009
 

SFFB - Skalen zu Fairnesseinstellungen im Fußball (PSYNDEX Tests Abstract)

 

Fairness Attitudes in Soccer Scale/zpid

 Herrmann, M., Dalbert, C. & Stoll, O.
 (2008). Fairness im Fußball. Zusammenhänge mit Gerechtigkeitsmotiv und Ungerechtigkeitserfahrungen. Zeitschrift für Sportpsychologie, 15 (1), 12-24.

Online im Internet: https://www.zpid.de/index.php?wahl=products&uwahl=frei&uuwahl=testarchiveintro

 Bezugsquelle: Das Verfahren ist im "Elektronischen Testarchiv" des ZPID enthalten und steht unter der "Creative Commons Namensnennung-NichtKommerziell-KeineBearbeitung 3.0 Unported (CC BY-NC-ND 3.0)"-Lizenz (http://creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/3.0/deed.de); es kann für nichtkommerzielle Forschungs- und Unterrichtszwecke kostenlos eingesetzt werden. ; URL: https://www.zpid.de/index.php?wahl=products&uwahl=frei&uuwahl=userlog ; Stand: 1.5.2016.
 Adresse(n): o Prof. Dr. Claudia Dalbert bei PsychAuthors: https://www.zpid.de/psychauthors/index.php?wahl=forschung&uwahl=psychauthors&uuwahl=p00384CD
o Prof. Dr. Oliver Stoll, Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, Sportpsychologie & Sportpädagogik & Sportsoziologie, Department Sportwissenschaft, Selkestraße 9, D-06099 Halle (Saale) ; E-Mail: oliver.stoll@sport.uni-halle.de ; URL: http://www.sport.uni-halle.de/arbeitsbereiche/sportpsychologie/ ; Stand: 19.10.2011
o Dr. Mario Herrmann, Erlenweg 3, D-06785 Kakau ; E-Mail: herrmann_mario@t-online.de ; Stand: 18.10.2011
 WWW-Informationen:
 

Abstract

Diagnostische Zielsetzung:
Der Fragebogen erfasst über Selbstauskünfte Einstellungen von Fußballspielern zu fairem Verhalten sowie Fairness im Spiel als Aspekte von "Fair Play". Das Verfahren eignet sich als Forschungsinstrument für die Sportpsychologie, z.B. zur Beantwortung gerechtigkeitspsychologischer und anderer motivationspsychologischer Fragestellungen (Herrmann, Dalbert & Stoll, 2008).


Aufbau:
Bei den SFFB handelt es sich um einen Fragebogen im Paper-and-Pencil-Format, der 24 Items umfasst. Die Items beschreiben in Form selbstbezogener Aussagesätze entweder Handlungsbereitschaften, die auf das Verhalten in Fußballspielen bezogen sind (z. B. "Wenn ich unter Druck stehe, würde ich mich im gegnerischen Strafraum absichtlich fallen lassen, um einen Elfmeter zu bekommen") oder in der Vergangenheit gezeigte Handlungen (z. B. "In der letzten Saison habe ich in entscheidenden Situationen ein Foul begangen"). Die Aussagen über Handlungsbereitschaften sind auf einer sechsstufigen Skala von 1 ("stimmt überhaupt nicht") bis 6 ("stimmt voll und ganz") zu beurteilen. Für die Items zum Handlungsbericht wird eine fünfstufige Häufigkeitsskala von 1 ("nie") bis 5 ("immer") verwendet. Die Antworten werden aufgrund der unterschiedlichen Antwortskalen zunächst z-standardisiert. Durch Aufsummieren der z-Werte und Bildung des arithmetischen Mittelwerts werden zwei Subskalenwerte errechnet; hohe Werte zeigen jeweils eine starke Ausprägung des gemessenen Konstrukts an:
(1) "Bereitschaft zu taktischen Regelverstößen (zu formeller Unfairness)" (k = 19): Einstellung gegenüber taktischen Regelverstößen sowie Häufigkeit selbst-berichteter taktischer Fouls (z.B. "Ich begehe im Spiel versteckte Fouls, das gehört für mich einfach zum Fußball").
(2) "Bereitschaft zu informeller Fairness" (k = 5): Einstellung, im Fußballpunktspiel faire Gesten zu zeigen, sowie selbst-berichtete informelle Fairness dem Gegner gegenüber (z.B. "Wenn mir ein Foul passiert, entschuldige ich mich anschließend dafür").


Grundlagen und Konstruktion:
Die SFFB basieren auf einer Differenzierung von "Fair Play" in formelle Fairness und informelle Fairness (Lenk, 1964). "Formelle Fairness" bezeichnet die bloße Regelkonformität von Verhalten, d.h. das strikte Einhalten verbindlicher Spielregeln und den Verzicht auf "taktische Regelverstöße" (z.B. Zeitspiel, "Schwalben" oder das Ziehen am Trikot des Gegners), die je nach Schwere durch Ermahnungen, Gelbe bzw. Rote Karten sanktioniert werden. "Informelle Fairness" lässt sich hingegen als moralisches Handeln beschreiben, das auf Achtung gegenüber dem Gegner und dem Schiedsrichter basiert. Es drückt sich beispielsweise in Form fairer Gesten aus (z.B. Gratulation für den Gegner nach dessen Sieg; absichtliches Spielen des Balls ins Aus, um die medizinische Versorgung eines verletzten Gegenspielers zu ermöglichen). Sowohl formelle als auch informelle Fairness werden als spezifische gerechtigkeitsthematische Dispositionen interpretiert, die nicht allein durch wahrgenommene situative Bedingungen und Anforderungen (z.B. Befürwortung von Regelverstößen durch den Trainer), sondern auch durch individuelle Ausprägungen des expliziten und impliziten Gerechtigkeitsmotivs erklärbar sind (Herrmann et al., 2008).
Die Fragebogenkonstruktion erfolgte nach Prinzipien der Klassischen Testtheorie. Der Itempool wurde in gemeinsamen Überlegungen mit den Spielern eines Vereins entwickelt. Die Datenerhebung erfolgte an einer Konstruktionsstichprobe von N = 117 Feldspielern im Alter von 18 bis 41 Jahren (M = 23.8 Jahre) aus ostdeutschen Fußballvereinen der fünft- bis achthöchsten deutschen Spielklassen (Hermann et al., 2008). Eine exploratorische Faktorenanalyse der 24 Items zeigte, dass sich selbst-berichtetes Fairnessverhalten faktoriell nicht von Fairnesseinstellungen abgrenzen ließ, so dass die beiden gebildeten Skalen lediglich die Unterscheidung zwischen formellem und informellem Fair Play, nicht jedoch zwischen Handlungen und Handlungsbereitschaften widerspiegeln.


Empirische Prüfung und Gütekriterien:
Reliabilität: Die interne Konsistenz (Cronbachs Alpha a) der Skala "Bereitschaft zu taktischen Regelverstößen" betrug in der Konstruktionsstichprobe (n = 111) a = .94, die der Subskala "Bereitschaft zu informeller Fairness" a = .76.
Validität: Für die Validität der Differenzierung zwischen den zwei Aspekten "Bereitschaft zu informeller Fairness" und "Bereitschaft zu taktischen Regelverstößen" spricht ihre geringe Korrelation von r = -.24. Mit dem Validitätskriterium "Tatsächliche Regelverstöße" (operationalisiert durch einen Index, in dem die Anzahl gelber, gelb-roter und roter Karten eines Spielers in der Vorsaison an der Anzahl seiner Spieleinsätze relativiert wurde), waren die "Bereitschaft zu taktischen Regelverstößen" zu r = .36 und die "Bereitschaft zu informeller Fairness" zu r = -.23 ebenfalls bedeutsam, wenngleich niedrig korreliert.
Normen: Eine Normierung wurde nicht vorgenommen. Vergleichswerte sind der Arbeit von Herrmann et al. (2008) zu entnehmen.

 

Altersbereiche

Die SFFB können von älteren Jugendlichen und von Erwachsenen bearbeitet werden.
 

Durchführungszeit

Die Bearbeitung des Fragebogens dauert etwa 5 bis 10 Minuten.
 

Bewertung

Ersten empirischen Befunden zufolge können mit den SFFB interindividuelle Unterschiede in Fairnesseinstellungen reliabel und valide abgebildet werden. In weiteren Studien wäre u.a. zu prüfen, inwieweit die Skalenwerte zeit- und situationsabhängigen Fluktuationen unterliegen. Gleichwohl haben sich die Skalen bereits in ihrer vorliegenden Form als fruchtbar zur Analyse motivationaler Dynamiken erwiesen, die der Fairness im Fußball zu Grunde liegen.
 

Literatur

  • Herrmann, M., Dalbert, C. & Stoll, O. (2008). Fairness im Fußball. Zusammenhänge mit Gerechtigkeitsmotiv und Ungerechtigkeitserfahrungen. Zeitschrift für Sportpsychologie, 15 (1), 12-24.
  • Lenk, H. (1964). Werte, Ziele und Wirklichkeit der modernen Olympischen Spiele. Schorndorf: Hofmann.
 
 Anne-Kathrin Mayer (18.10.2011)
 APA-Schlagworte/PSYNDEX Terms:

Classical Test Theory; Questionnaires; Rating Scales; Attitude Measures; Human Males; Social Psychology; Sport Psychology; Soccer; Justice; Organizational Behavior

Klassische Testtheorie; Fragebögen; Rating-Skalen; Einstellungstests; Männer; Sozialpsychologie; Sportpsychologie; Fußball; Gerechtigkeit; Organisationsverhalten

 weitere Schlagworte:

2008; Open Access; Formelle und informelle Fairness; Handlungsbereitschaften; 24 Items; Skalen: 1 Bereitschaft zu taktischen Regelverstößen, 2 Bereitschaft zu informeller Fairness; Normierungsjahr: 2006
 Klassifikation:

Persönlichkeitstests; Soziale Wahrnehmung und soziale Kognition; Sport
Tests zur Erfassung sozialer Werte
7.2.1
 Anwendungstyp: Research (Tests)
 Art der Publikation: Test; Electronic Resources (90; 94)
 Sprache: German
 Übersetzungen: English
 Land: Germany
 Publikationsjahr: 2008
 Änderungsdatum: 201110
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