0001info@zpid.de | © 1996-2016 ZPID

 

 



 Vollansicht des PSYNDEX Tests-Dokuments:
Mindful Attention and Awareness Scale - deutsche Version (PSYNDEX Tests Abstract)

 PSYNDEX Tests-Dokument: 9006040
 

MAAS - Mindful Attention and Awareness Scale - deutsche Version (PSYNDEX Tests Abstract)

 

Mindful Attention Awareness Scale (MAAS; Brown, K.W. & Ryan, R.M., 2003) - German version/author
Synonym(e): Achtsamkeits-Aufmerksamkeits-Bewusstseins-Skala

 Michalak, J., Heidenreich, T., Ströhle, G. & Nachtigall, C.
 (2008). Die deutsche Version der Mindful Attention and Awareness Scale (MAAS). Psychometrische Befunde zu einem Achtsamkeitsfragebogen. Zeitschrift für Klinische Psychologie und Psychotherapie, 37 (3), 200-208.

Online im Internet: https://www.zpid.de/index.php?wahl=products&uwahl=frei&uuwahl=testarchiveintro

 Bezugsquelle: Das Verfahren ist im "Elektronischen Testarchiv" des ZPID enthalten und steht unter der "Creative Commons Namensnennung-NichtKommerziell-KeineBearbeitung 3.0 Unported (CC BY-NC-ND 3.0)"-Lizenz (http://creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/3.0/deed.de); es kann für nichtkommerzielle Forschungs- und Unterrichtszwecke kostenlos eingesetzt werden. ; URL: https://www.zpid.de/index.php?wahl=products&uwahl=frei&uuwahl=userlog ; Stand: 1.5.2016; Das Verfahren ist enthalten bei Psychometrikon, dem wissenschaftlichen psychologisch-medizinischen Testportal mit Open Access beim Institut für Medizinische Psychologie und Medizinische Soziologie, UniKlinik Aachen ; E-Mail: info@psychometrikon.de ; URL: http://www.psychometrikon.de/ ; Stand: 1.8.2016.
 Adresse(n): o Prof. Dr. Thomas Heidenreich, Psychologie für Soziale Arbeit und Pflege, Hochschule Esslingen, University of Applied Sciences, Flandernstraße 101, D-73732 Esslingen ; E-Mail: Thomas.Heidenreich@hs-esslingen.de ; URL: http://www.hs-esslingen.de/mitarbeiter/thomas-heidenreich.html ; Stand: 24.10.2013
o Prof. Dr. Johannes Michalak, Universität Witten/Herdecke, Alfred-Herrhausen-Straße 44, D-58455 Witten ; E-Mail: Johannes.Michalak@uni-wh.de ; URL: http://www.uni-wh.de/gesundheit/psychologie/department/lehrstuehle-und-professuren/ ; Stand: 25.8.2016
o Richard M. Ryan, Ph.D., University of Rochester, Department of Clinical & Social Psychology, University of Rochester, RC Box 270266, Rochester, NY 14627-0266, USA ; E-Mail: richard.ryan@rochester.edu ; URL: http://www.psych.rochester.edu/faculty/ryan/ ; Stand: 25.8.2011
 WWW-Informationen:
 

Abstract

Diagnostische Zielsetzung:
Die Mindful Attention and Awareness Scale (MAAS) dient der Erfassung von (selbsteingeschätzter) dispositioneller "Achtsamkeit". Ein Einsatz kommt derzeit primär im Forschungskontext in Frage; hier kann das Verfahren beispielsweise genutzt werden, um die Wirksamkeit von Therapieverfahren zu evaluieren, die auf eine Steigerung von Achtsamkeit abzielen, und um die vermittelnden Mechanismen ihrer Wirksamkeit aufzuklären (Michalak, Heidenreich, Ströhle & Nachtigall, 2008).


Aufbau:
Der im Paper-and-Pencil-Format vorliegende Fragebogen umfasst 15 selbstbezogene Aussagesätze, die sich auf die Neigung von Personen beziehen, ihre Aufmerksamkeit auf den gegenwärtigen Moment zu richten. Alle Items weisen die gleiche Schlüsselrichtung auf, d.h. sie sind in Richtung niedriger Achtsamkeit formuliert (z.B. "Ich merke, wie ich Dinge tue, ohne auf sie zu achten"). Die Probanden werden gebeten anzugeben, wie häufig sie derzeit die in den Items beschriebenen Erlebnisse haben. Hierzu steht eine sechsstufige Häufigkeitsskala zur Verfügung (1 = fast immer, 2 = sehr häufig, 3 = eher häufig, 4 = eher selten, 5 = sehr selten, 6 = fast nie). Als Skalenwert wird das arithmetische Mittel der Itemrohwerte berechnet. Hohe Skalenwerte sprechen für eine hohe Ausprägung des Merkmals Achtsamkeit.


Grundlagen und Konstruktion:
"Achtsamkeit" lässt sich verstehen als eine spezifische Form der Aufmerksamkeitslenkung, die durch drei Merkmale gekennzeichnet ist: (1) absichtsvoll, (2) auf den gegenwärtigen Moment bezogen und (3) nicht wertend (Kabat-Zinn, 1990). Das Prinzip entstammt östlichen Meditationstraditionen und wurde seit den 1970er Jahren zunehmend in der psychotherapeutischen Behandlung von Patienten mit körperlichen Erkrankungen und psychischen Störungen berücksichtigt (Michalak, Heidenreich, Ströhle et al., 2008; zum Überblick siehe auch Heidenreich & Michalak, 2003). Achtsamkeit im beschriebenen Sinne, so die Annahme, fördert einen heilsamen Umgang mit Gedanken, Gefühlen und Handlungstendenzen. Sie ist damit etwa abzugrenzen von Selbstaufmerksamkeit (z.B. Filipp & Freudenberg, 1989), die eine reflexive Form der Aufmerksamkeitslenkung auf Aspekte der eigenen Person bzw. deren Wirkung auf andere Menschen beschreibt und sich in hoher Ausprägung als eher dysfunktional erwiesen hat.
Die deutschsprachige MAAS basiert auf dem englischsprachigen Original von Brown und Ryan (2003), das im Bereich der Grundlagenforschung entwickelt wurde. Das eindimensionale Verfahren bildet primär die Disposition von Probanden ab, ihre Aufmerksamkeit auf den gegenwärtigen Moment (d.h. die inneren und äußeren Gegebenheiten des Hier-und-Jetzt) zu richten und diese umfassend und differenziert wahrzunehmen; der Aspekt eines freundlichen, nicht wertenden Umgangs mit diesen Wahrnehmungen wird somit nicht erfasst.
Die 15 Items und die Instruktion der englischsprachigen MAAS wurden von den Autoren der deutschen Fassung übersetzt, durch einen Übersetzer mit englischer Muttersprache rückübersetzt, von den Autoren noch einmal überprüft und unter Beibehaltung der sechsstufigen Antwortskala einer Stichprobe von N = 469 studentischen Versuchspersonen im Alter von 18 bis 48 Jahren (M = 24.04 Jahre, SD = 6.01 Jahre, 84.6% weiblich, 15.4% männlich) vorgegeben. Die psychometrische Überprüfung erfolgte nach Prinzipien der Klassischen Testtheorie. In der Konstruktionsstichprobe variierten die Itemschwierigkeiten zwischen p = .48 und p = .76 (Mittelwert: p = .66). Die part-whole korrigierten Trennschärfekoeffizienten lagen zwischen rit-i = .18 und rit-i = .65, wobei 12 der 15 Items Werte von rit-i > .40 erreichten. Eine zur Prüfung der Eindimensionalität der Skala berechnete konfirmatorische Faktorenanalyse ergab für ein Einfaktorenmodell akzeptable bis gute Anpassungskennwerte (RMSEA = .063; SRMR = .049; Michalak, Heidenreich, Ströhle et al., 2008).


Empirische Prüfung und Gütekriterien:
Reliabilität: Die interne Konsistenz der MAAS lag in der Konstruktionsstichprobe (N = 469) bei Cronbachs Alpha = .83. Die Testwiederholungsreliabilität (n = 51 Studierende, Test-Retest-Intervall: 21 Tage) betrug rtt = .82; eine vorherige Prüfung des Modells essenziell tau-äquivalenter Variablen mit gleichen Fehlervarianzen (Steyer & Eid, 2001) hatte ergeben, dass die Annahme der absoluten zeitlichen Stabilität des gemessenen Merkmals nicht verworfen werden muss.
Validität: Die strukturelle Validität der deutschsprachigen MAAS wird durch die Ergebnisse der konfirmatorischen Faktorenanalyse belegt. Für die konvergente Validität spricht eine in der Konstruktionsstichprobe ermittelte Korrelation von r = .43 mit dem Freiburger Fragebogen zur Achtsamkeit (FFA; Walach et al., 2004). Zur Konstruktvalidität werden des Weiteren aus zwei Teilstichproben der Konstruktionsstichprobe (A: n = 253; B: n = 216) folgende - im Wesentlichen hypothesenkonforme und mit den Befunden zur englischsprachigen Originalfassung übereinstimmende - Zusammenhänge berichtet (Michalak, Heidenreich, Ströhle et al., 2008):
- r = -.51 mit der Skala "Neurotizismus" und r = .11 (n.s.) mit "Offenheit für Erfahrungen" aus dem NEO-Fünf-Faktoren-Inventar (Borkenau & Ostendorf, 1993);
- r = -.32 mit dem Beck-Depressions-Inventar (BDI; Hautzinger, Bailer, Worall & Keller, 1995);
- r = -.26 mit dem Beck-Angst-Inventar (BAI; Margraf & Ehlers, 2002);
- r = .30 mit der Satisfaction With Life Scale (Diener, Emmons, Larson & Griffin, 1985);
- r = .06 (n.s.) mit Privater Selbstaufmerksamkeit, r = -.14 mit Öffentlicher Selbstaufmerksamkeit (Fragebogen zur Erfassung der dispositionalen Selbstaufmerksamkeit; Filipp & Freudenberg, 1989).
Erste Hinweise auf die Änderungssensitivität der MAAS erbrachte eine Interventionsstudie an N = 25 Patienten mit wiederkehrenden depressiven Störungen (Michalak, Heidenreich, Meibert & Schulte, 2008). Die Patienten wurden außerhalb akuter Krankheitsphasen mit einer die Achtsamkeit fördernden Form der kognitiven Therapie (Mindfulness-based Cognitive Therapy, MBCT; Segal, Williams & Teasdale, 2002) behandelt. Über den Verlauf der 8-wöchigen Behandlungsphase nahm die mittels der MAAS erhobene Achtsamkeit signifikant zu (Effektstärke: d = 0.70). Zudem erwiesen sich in einer logistischen Regressionsanalyse die MAAS-Werte (erhoben am Ende der Therapie) als geeignet, um depressive Rückfälle ein Jahr nach dem Ende der Behandlung vorherzusagen; dies galt selbst dann, wenn die Anzahl vorheriger depressiver Episoden und die BDI-Werte statistisch kontrolliert wurden.
Normen: Eine Normierung wurde bislang nicht vorgenommen.

 

Altersbereiche

Das Verfahren eignet sich für Erwachsene.
 

Durchführungszeit

Die Bearbeitung des kurzen Fragebogens dauert etwa 5 Minuten.
 

Bewertung

Die deutsche Übersetzung der MAAS erlaubt vorliegenden Befunden zu Folge eine ökonomische, reliable und valide Erfassung von Achtsamkeit und stellt damit eine wertvolle Alternative zu mehrdimensionalen Inventaren dar (z.B. FFA, Walach et al., 2004; Kentucky Inventory of Mindfulness Skills, Ströhle, 2004). Die bislang überwiegend an studentischen Stichproben gewonnen Daten sollten durch klinische Studien ergänzt werden, die zusätzliche Belege für die Veränderungssensitivität und den prädiktiven Wert der MAAS liefern. Zudem bietet sich an, im Sinne einer Multitrait-Multimethod-Validierung Daten, die mit unterschiedlichen methodischen Zugänge zum Achtsamkeitsprinzip gewonnen wurden (Fragebögen, standardisierte Tests), zueinander in Beziehung zu setzen (Michalak, Heidenreich, Ströhle et al., 2008).
 

Literatur

  • Borkenau, P. & Ostendorf, F. (1993). NEO-Fünf-Faktoren- Inventar (NEO-FFI) nach Costa und McCrae. Göttingen: Hogrefe.
  • Brown, K.W. & Ryan, R.M. (2003). The benefits of being present: Mindfulness and its role in psychological wellbeing. Journal of Personality and Social Psychology, 84, 822-848.
  • Diener, E., Emmons, R., Larsen, R. & Griffin, S. (1985). The Satisfaction With Life Scale. Journal of Personality Assessment, 47, 1105-1117.
  • Filipp, S.-H. & Freudenberg, E. (1989). Fragebogen zur Erfassung dispositionaler Selbstaufmerksamkeit (SAM). Göttingen: Hogrefe.
  • Hautzinger, M., Bailer, M., Worall, H. & Keller, F. (1995). Beck-Depressions-Inventar. Bern: Huber.
  • Heidenreich, T. & Michalak, J. (2003). Achtsamkeit ("Mindfulness") als Therapieprinzip in Verhaltenstherapie und Verhaltensmedizin. Verhaltenstherapie, 13, 264-274.
  • Kabat-Zinn, J. (1990). Full catastrophe living: The program of the Stress Reduction Clinic at the University of Massachusetts Medical Center. New York, NY: Delta.
  • Margraf, J. & Ehlers, A. (2002). Beck Angstinventar - Deutsche Version - (BAI). Göttingen: Hogrefe.
  • Michalak, J., Heidenreich, T., Meibert, P. & Schulte, D. (2008). Mindfulness predicts relapse / recurrence in major depressive disorder following MBCT. Journal of Nervous and Mental Disease, 196 (8), 630-633.
  • Michalak, J., Heidenreich, T., Ströhle, G. & Nachtigall, C. (2008). Die deutsche Version der Mindful Attention and Awareness Scale (MAAS). Psychometrische Befunde zu einem Achtsamkeitsfragebogen. Zeitschrift für Klinische Psychologie und Psychotherapie, 37 (3), 200-208.
  • Segal, Z.V., Williams, J.M.G. & Teasdale, J.D. (2002). Mindfulness-based cognitive therapy for depression: a new approach to preventing relapse. New York, NY: Guilford Press.
  • Steyer, R. & Eid, M. (2001). Messen und Testen (2., korrigierte Auflage). Berlin: Springer.
  • Ströhle, G. (2004). Deutsche Fassung des Kentucky Inventory of Mindfulness Skills. Unveröffentlichtes Manuskript, Universität Jena.
  • Walach, H., Buchheld, N., Buttenmüller, V., Kleinknecht, N., Grossman, P. & Schmidt, S. (2004). Empirische Erfassung der Achtsamkeit - die Konstruktion des Freiburger Fragebogens zur Achtsamkeit (FFA) und weitere Validierungsstudien. In T. Heidenreich & J. Michalak (Hrsg.), Achtsamkeit und Akzeptanz in der Psychotherapie (S. 727-770). Tübingen: DGVT-Verlag.
 

Wichtige neuere Publikationen

  • Höfling, V., Moosbrugger, H., Schermelleh-Engel, K. & Heidenreich, T. (2011). Mindfulness or mindlessness? A modified version of the Mindful Attention and Awareness Scale (MAAS). European Journal of Psychological Assessment, 27 (1), 59-64.
  • Sauer, S., Lemke, J., Zinn, W., Buettner, R. & Kohls, N. (2015). Mindful in a random forest: Assessing the validity of mindfulness items using Random Forests methods. Personality and Individual Differences, 81, 117-123. -PSYNDEX-Lit Dok.-Nr. 0296190
  • Van Dam, N. T., Earleywine, M. & Borders, A. (2010). Measuring mindfulness? An Item Response Theory analysis of the Mindful Attention Awareness Scale. Personality and Individual Differences, 9 (7), 805-810. (DOI: 10.1016/j.paid.2010.07.020)
 

Originalfassung/Anderssprachige Fassungen

  • *Brown, K.W. & Ryan, R.M. (2003). The benefits of being present: Mindfulness and its role in psychological wellbeing. Journal of Personality and Social Psychology, 84, 822-848. [English items included p. 826]
 
 Anne-Kathrin Mayer (22.08.2011)
 APA-Schlagworte/PSYNDEX Terms:

Classical Test Theory; Questionnaires; Rating Scales; Personality Measures; Psychometrics; Clinical Psychology; Mindfulness; Awareness; Distractibility

Klassische Testtheorie; Fragebögen; Rating-Skalen; Persönlichkeitstests; Psychometrie; Klinische Psychologie; Achtsamkeit; Bewusstheit; Ablenkbarkeit

 weitere Schlagworte:

2003; Open Access; Achtsamkeit; ab 18 Jahre; 15 Items; Normierungsjahr: keine Angaben; Normstichprobe: keine Angaben
 Klassifikation:

Persönlichkeitstests; Aufmerksamkeit; Persönlichkeitseigenschaften und Persönlichkeitsprozesse
Sonstige Persönlichkeitsverfahren; Sonstige Verfahren im Bereich der Klinischen Psychologie
9.99; 11.99
 Anwendungstyp: Research (Tests)
 Art der Publikation: Test; Electronic Resources (90; 94)
 Sprache: German
 Übersetzungen: English
 Land: United States
 Publikationsjahr: 2008
 Änderungsdatum: 201608
 info@zpid.de | © 1996-2016 ZPID