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Kurzskalen zur Erfassung von Vertrauen in der Psychotherapie (PSYNDEX Tests Abstract)

 PSYNDEX Tests-Dokument: 9006229
 

VTT-TAB - Kurzskalen zur Erfassung von Vertrauen in der Psychotherapie (PSYNDEX Tests Abstract)

 

Short Scales to Assess Trust in Psychotherapy/author
Synonym(e): Skalen zur Vertrauens-Trias in der therapeutischen Beziehung

 Hewig, M., Hank, P. & Krampen, G.
 (2009). Rasch-basierte Prüfung von Kurzskalen zur Erfassung von Vertrauen in der Psychotherapie. Klinische Diagnostik und Evaluation, 2 (3), 175-193.

Online im Internet: https://www.zpid.de/index.php?wahl=products&uwahl=frei&uuwahl=testarchiveintro

 Bezugsquelle: Das Verfahren ist im "Elektronischen Testarchiv" des ZPID enthalten und steht unter der "Creative Commons Namensnennung-NichtKommerziell-KeineBearbeitung 3.0 Unported (CC BY-NC-ND 3.0)"-Lizenz (http://creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/3.0/deed.de); es kann für nichtkommerzielle Forschungs- und Unterrichtszwecke kostenlos eingesetzt werden. ; URL: https://www.zpid.de/index.php?wahl=products&uwahl=frei&uuwahl=userlog ; Stand: 1.5.2016.
 Adresse(n): o Prof. em. Dr. Günter Krampen bei PsychAuthors: https://www.zpid.de/psychauthors/index.php?wahl=forschung&uwahl=psychauthors&uuwahl=p00001GK
o Dr. Petra Hank, Universität Trier, Fachbereich I - Psychologie, Universitätsring 15, D-54286 Trier ; E-Mail: hank@uni-trier.de ; URL: http://www.uni-trier.de/index.php?id=32191 ; Stand: 11.10.2011
o Dr. Martina Hewig, Grundweg 10, D-97204 Höchberg ; E-Mail: msimbrey@gmx.de ; Stand: 11.10.2011
 

Abstract

Diagnostische Zielsetzung:
Die Skalen wurden für Erwachsene konstruiert, die sich in psychotherapeutischer Behandlung befinden. Sie dienen der Erfassung von Vertrauen in die behandelnde Psychotherapeutin bzw. den behandelnden Psychotherapeuten, von Selbstvertrauen im psychotherapeutischen Setting und von Vertrauen in die persönliche Zukunft durch die Psychotherapie.


Aufbau:
Bei den Kurzskalen handelt es sich um Selbstbeurteilungsskalen zur Erfassung von drei Vertrauensaspekten bezogen auf die therapeutische Beziehung. Die Skala Soziales Vertrauen in der therapeutischen Beziehung (SV-TAB) misst mit 14 Items das Vertrauen in die behandelnde Psychotherapeutin bzw. den behandelnden Psychotherapeuten. Die Skala Selbstvertrauen in der therapeutischen Beziehung (SVT-TAB) erfasst mit 12 Items Selbstwirksamkeitserwartungen bezogen auf die laufende Psychotherapie. Die Skala Zukunftsvertrauen in der therapeutischen Beziehung (ZUK-TAB) erfasst mit 10 Items das Vertrauen in die persönliche Zukunft durch die Therapie und über die Therapie hinaus. Die Skalen können gemeinsam oder einzeln eingesetzt werden.
Es handelt sich um eindimensionale Skalen. Die Items sind als Aussagesätze formuliert, die auf Antwortskalen mit jeweils sechsstufigem Antwortformat von "sehr falsch" (- - -) bis "sehr richtig" (+++) zu bewerten sind. Der individuelle Testwert ergibt sich aus der Aufsummierung aller Antworten einer Skala, wobei die Antwort "sehr falsch" mit dem Punktewert "1" gewertet wird und entsprechend die Antwort "sehr richtig" mit dem Punktewert "6". Da die Items nicht alle gleichsinnig gepolt sind, müssen vor der Aufsummierung folgende Items zur Auswertung umgepolt werden:
(1) Skala Soziales Vertrauen in der therapeutischen Beziehung (SV-TAB): Items 2, 7, 10, 14. Damit ergibt sich für diese Skala ein Summenwert zwischen 14 und 84.
(2) Skala Selbstvertrauen in der therapeutischen Beziehung (SVT-TAB): Items 2, 3, 6, 12. Damit ergibt sich für diese Skala ein Summenwert zwischen 12 und 72.
(3) Skala Zukunftsvertrauen in der therapeutischen Beziehung (ZUK-TAB): Items: 3, 10. Damit ergibt sich für diese Skala ein Summenwert zwischen 10 und 60.


Grundlagen und Konstruktion:
Die Kurzskalen sind auf der theoretischen Grundlage des von Krampen (1997) entwickelten Modells der Vertrauens-Trias (VTT) entstanden. Das Modell der VTT basiert auf dem theoretisch fundierten und empirisch überprüften handlungstheoretischen Partialmodell der Persönlichkeit (HPP; Krampen, 1987), aus dem sich direkt die drei zentralen Konstituenten der VTT ableiten lassen: (1) Soziales Vertrauen, (2) Selbstvertrauen und (3) Zukunftsvertrauen. Die VTT bietet damit eine Integration dieser drei Bedeutungsvarianten von Vertrauen in einem umfassenden Persönlichkeits- und Entwicklungsmodell. Während die VTT sich auf der Ebene von Persönlichkeitsvariablen auf generalisierte Erwartungen und Einstellungen gegenüber anderen Personen (soziales Vertrauen), sich selbst (Selbstvertrauen) und gegenüber der Zukunft (Zukunftsvertrauen) im Allgemeinen bezieht, erfassen die vorliegenden Kurzskalen entsprechend diese drei Vertrauensfacetten bezogen auf die therapeutische Beziehung. Damit handelt es sich um bereichs- bzw. situationsspezifische Skalen, die jeweils in ihrem entsprechenden Kontext zu interpretieren sind.
Die Konstruktion der Items der Vertrauensskalen erfolgte nach rationaler Strategie und basiert maßgeblich auf den bereits psychometrisch evaluierten Verfahren zur Erfassung der drei Vertrauenskonstituenten auf Persönlichkeitsebene (vgl. Krampen & Hank, 2004). Um das Verfahren ökonomisch zu gestalten und den zusätzlichen Einsatz zu den im psychotherapeutischen Kontext gebräuchlichen Screening- und/oder störungsspezifischen Instrumenten zu ermöglichen, wurde darauf geachtet, die Itemanzahl pro Skala möglichst gering zu halten. Die Skala (1) Soziales Vertrauen in der therapeutischen Beziehung (SV-TAB, 14 Items) wurde überwiegend auf der Basis der SV-R-Skalen nach Krampen, Viebig und Walter (1982) entwickelt, die Skala (2) Selbstvertrauen in der therapeutischen Beziehung (SVT-TAB, 12 Items) aufbauend auf der Skala Selbstkonzept eigener Fähigkeiten aus dem Fragebogen zu Kompetenz- und Kontrollüberzeugungen (FKK; Krampen, 1991) und die Skala (3) Zukunftsvertrauen in der therapeutischen Beziehung (ZUK-TAB, 10 Items) auf der Basis der Skalen zur Erfassung von Hoffnungslosigkeit (H-Skalen; Krampen, 1994). Das Antwortformat ist sechsstufig von "sehr falsch", was im Fragebogen durch drei Minuszeichen (- - -) symbolisiert ist, bis "sehr richtig", was durch drei Pluszeichen (+ + +) veranschaulicht ist. Um den Einfluss von Response Sets (z.B. Tendenz zum mittleren Urteil oder Akquieszenz) möglichst gering zu halten, wurden - zusätzlich zur Wahl einer geraden Anzahl an Antwortkategorien - die Items sowohl in Richtung Vertrauen als auch Misstrauen formuliert und müssen bei den Skalenanalysen entsprechend rekodiert werden.


Empirische Prüfung und Gütekriterien:
Die psychometrische Qualität wurde anhand von Daten einer klinischen Stichprobe von N = 280 geprüft (Hewig, 2008).
Reliabilität: Die Eindimensionalität der Skalen konnte mithilfe von Berechnungen nach dem eindimensionalen Rasch-Modell bestätigt werden (Hewig, Hank & Krampen, 2009). Die interne Konsistenz (Cronbachs Alpha) liegt für die Skala SV-TAB bei Alpha = .91, für die Skalen SVT-TAB und ZUK-TAB jeweils bei Alpha = .88. Die Trennschärfen der Items liegen bei allen drei Skalen über rit-i = .40.
Validität: Die Skaleninterkorrelationen liegen theoriekonform zwischen .58 und .81. Die Konstruktvalidität ist anhand der Profilreliabilität mit prof(rtt)= .63 bestätigt. Die explorative Hauptkomponentenanalyse legt mit 47.1 Prozent Varianzaufklärung eine zweifaktorielle Lösung nahe, die aus inhaltlich-konzeptuellen Überlegungen plausibel ist, da Zukunftsvertrauen als molares Konstrukt die beiden anderen Bedeutungsvarianten beinhaltet und damit Doppelladungen der Items der Skala ZUK-TAB auf beiden Faktoren erwartungskonform sind. Die Konstruktvalidität wurde anhand von Korrelationsbefunden mit anderen relevanten Vertrauensskalen (SV-R-Skala, modifiziert nach Krampen et al., 1982; Skala "Selbstkonzept eigener Fähigkeiten" aus dem FKK von Krampen, 1991; H-RA-Skala aus den H-Skalen von Krampen, 1994) überprüft. Die Korrelationen der Skalen SVT-TAB und ZUK-TAB mit den entsprechenden Vertrauensskalen auf Persönlichkeitsebene liegen bei r = .47. Die Skala SV-TAB korreliert dagegen mit dem generalisierten Vertrauen in andere Personen nur gering mit r = .20, was bedeutet, dass die Ausprägung des spezifischen Vertrauens in den Therapeuten nur gering mit dem generalisierten Vertrauen in Andere zusammenhängt. Ein weiterer bedeutsamer Zusammenhang von r = .35 fand sich zwischen der Skala SV-TAB und der Skala "Vertrauen" aus der Adult Attachment Scale (AAS) in der deutschen Version von Schmidt, Strauß, Höger und Brähler (2004), die Bindungseinstellungen bei Erwachsenen erfasst. Das bedeutet, dass Personen mit hohen Werten in der Bindungsskala "Vertrauen in Andere" auch tendenziell ein hoch ausgeprägtes Vertrauen in die Psychotherapeutin oder den Psychotherapeuten aufweisen. Die externe Validität wurde durch Berechnungen zur prognostischen Bedeutung der drei Vertrauensskalen für den Therapieerfolg anhand einer Stichprobe von N = 203 überprüft und bestätigt. Als Kriterium wurde eine globale Einschätzung der Symptomverbesserung durch die/den behandelnde/n Therapeutin/en zu Therapieende verwendet. Die Korrelation zwischen der Skala SV-TAB und dem Therapeutenurteil zur Symptomverbesserung fiel mit r = .17 signifikant (p < .05) aus. Numerisch höher fielen die Korrelationen zwischen der Symptomverbesserung und den therapiebezogenen Skalen zum Selbstvertrauen (r = .23, p < .01) und Zukunftsvertrauen (r = .26, p < .01) aus. Die multiple Regressionsanalyse zeigt eine bedeutsame Varianzaufklärung durch alle drei Vertrauensskalen (R2 = .07, F = 4.49, p < .01), die allerdings als klein einzustufen ist. Das therapiebezogene Zukunftsvertrauen stellt dabei den varianzstärksten Prädiktor für die Symptomverbesserung dar, wurde allerdings knapp nicht signifikant (Beta = .23, p = .08).
Normen: Eine Normierung der Kurzskalen liegt bislang nicht vor. Zum Vergleich können Mittelwerte und Standardabweichungen aus der klinischen Konstruktionsstichprobe herangezogen werden (Hewig, 2008). Die Mittelwerte (M) und Standardabweichungen (SD) liegen für die Skala SV-TAB bei M = 64.83 und SD = 10.27, für die Skala SVT-TAB bei M = 50.64 und SD = 9.95 und bei der Skala ZUK-TAB bei M = 44.13 und SD = 7.65.

 

Altersbereiche

Der Fragebogen eignet sich zum Einsatz an Erwachsenen.
 

Durchführungszeit

Die Bearbeitungszeit liegt bei ca. 15 Minuten.
 

Bewertung

Bei den Kurzskalen zur Erfassung von Vertrauen in der Psychotherapie handelt es sich um ein ökonomisches Instrument, dessen Subskalen zusammen oder separat eingesetzt werden können. Die psychometrische Qualität ist ausreichend überprüft, die Eindimensionalität der Skalen ist empirisch belegt. Die prognostische Bedeutung der Vertrauensskalen für den Therapieerfolg ist ebenfalls belegt. Damit bieten die Kurzskalen zur Erfassung von Vertrauen in der Psychotherapie die Möglichkeit, spezifische Vertrauensaspekte von Patienten im Rahmen der Psychotherapie systematisch zu erfassen und entsprechend das therapeutische Vorgehen an das vorliegende Vertrauen der Patienten anzupassen.
 

Literatur

  • Hewig, M. (2008). Generalisierte und spezielle Vertrauensaspekte in der Psychotherapie - Eine empirische Studie zur prognostischen Bedeutung der Vertrauens-Trias für das Ergebnis stationärer Psychotherapie. Unveröffentlichte Dissertation, Universität Trier, FB I - Psychologie. -PSYNDEX-Lit Dok.-Nr. 0212695
  • Hewig, M., Hank, P. & Krampen, G. (2009). Rasch-basierte Prüfung von Kurzskalen zur Erfassung von Vertrauen in der Psychotherapie. Klinische Diagnostik und Evaluation, 2 (3), 175-193. -PSYNDEX-Lit Dok.-Nr. 0222062
  • Krampen, G. (1987). Handlungstheoretische Persönlichkeitspsychologie. Göttingen: Hogrefe.
  • Krampen, G. (1991). Fragebogen zu Kompetenz- und Kontrollüberzeugungen (FKK). Göttingen: Hogrefe.
  • Krampen, G. (1994). Skalen zur Erfassung von Hoffnungslosigkeit (H-Skalen). Göttingen: Hogrefe.
  • Krampen, G. (1997). Zur handlungs-, persönlichkeits- und entwicklungstheoretischen Einordnung des Konstrukts Vertrauen. In M.K.W. Schweer (Hrsg.), Vertrauen und soziales Handeln. Facetten eines alltäglichen Phänomens (S. 16-61). Neuwied: Luchterhand.
  • Krampen, G. & Hank, P. (2004). Biographische Rekonstruktion seelischer Gesundheit und psychischer Störungen anhand der Vertrauens-Trias. Stand der Forschung, theoretische Konzeptualisierung und empirische Fragestellungen (Trierer Psychologische Berichte, 31, Heft 1). Trier: Universität Trier, Fachbereich I - Psychologie.
  • Krampen, G., Viebig, J. & Walter, W. (1982). Entwicklung einer Skala zur Erfassung dreier Aspekte von sozialem Vertrauen. Diagnostica, 28, 242-247.
  • Schmidt, S., Strauß, B., Höger, D. & Brähler, E. (2004). Die Adult Attachment Scale (AAS) - Teststatistische Prüfung und Normierung der deutschen Version. Psychotherapie, Psychosomatik und medizinische Psychologie, 54, 375-382.
 
 Autorenbeschreibung: Martina Hewig (30.09.2011)
 APA-Schlagworte/PSYNDEX Terms:

Classical Test Theory; Item Response Theory; Questionnaires; Rating Scales; Clinical Psychology; Psychotherapy; Psychotherapeutic Techniques; Therapeutic Processes; Psychotherapeutic Outcomes; Client Characteristics; Trust (Social Behavior); Self-Confidence; Optimism; Hope; Self-Efficacy

Klassische Testtheorie; Item-Response-Theorie; Fragebögen; Rating-Skalen; Klinische Psychologie; Psychotherapie; Psychotherapeutische Techniken; Therapeutische Prozesse; Psychotherapieergebnisse; Klientenmerkmale; Vertrauen; Selbstvertrauen; Optimismus; Hoffnung; Selbstwirksamkeit

 weitere Schlagworte:

2008; Open Access; Patientenversion; Therapeutenversion; Vertrauens-Trias; 36 Items; 14 Items; Skalen: 1 Soziales Vertrauen in der therapeutischen Beziehung SV-TAB, 2 Selbstvertrauen in der therapeutischen Beziehung SVT-TAB, 3 Zukunftsvertrauen in der therapeutischen Beziehung ZUK-TAB; Therapeutenversion: Soziales Vertrauen in der therapeutischen Beziehung SV-TAB-T; Normierungsjahr: keine Angaben
 Klassifikation:

Klinische Psychodiagnostik; Persönlichkeitseigenschaften und Persönlichkeitsprozesse; Psychotherapie und psychotherapeutische Beratung
Verfahren zur Therapieverlaufs-, Therapieprozess- und Therapieveränderungsdiagnostik; Sonstige Verfahren im Bereich der Klinischen Psychologie
11.24; 11.99
 Anwendungstyp: Research (Tests)
 Art der Publikation: Test; Electronic Resources (90; 94)
 Sprache: German
 Land: Germany
 Publikationsjahr: 2009
 Änderungsdatum: 201110
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