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Forensisches-Operationalisiertes Therapie-Risiko-Evaluations-System

 PSYNDEX Tests-Dokument: 9006454
 

FOTRES - Forensisches-Operationalisiertes Therapie-Risiko-Evaluations-System (PSYNDEX Tests Info)

 

Forensic Operationalized Therapy/Risk Evaluation-System/author
Synonym(e): FOTRES 3; TRET

 Urbaniok, F.
 (2003). FOTRES. Forensisches Operationalisiertes Therapie-Risiko-Evaluations-System [Handbuch und Web-Applikation]. Zürich: Psychiatrisch-Psychologischer Dienst.

 Bezugsquelle: Profecta AG, Postfach 118, CH-8807 Freienbach, Schweiz; E-Mail: info@fotres.ch; URL: http://www.fotres.ch/; Stand: 22.8.2017
Anmerkung: Inzwischen liegt eine Version FOTRES 3 vor. Das Verfahren wird detailliert beschrieben in Urbaniok (2016) und liegt in einer (kostenpflichtigen) Onlineversion vor.
 Adresse(n): o Prof. Dr. med. Frank Urbaniok, Psychiatrisch-Psychologischer Dienst, Feldstrasse 42, Postfach, CH-8090 Zürich, Schweiz ; E-Mail: sekretariat@knfp.ch ; URL: https://de.wikipedia.org/wiki/Frank_Urbaniok ; Stand: 22.8.2017
 WWW-Informationen:
 

Abstract

Diagnostische Zielsetzung:
Das FOTRES-Instrument basiert auf der gleichnamigen Theorie und soll eine systematische Diagnostik, Risikobeurteilung sowie ein ebensolches Risiko-Management ermöglichen. In der FOTRES-Theorie spielen insbesondere die Aspekte (1) Prägnante Persönlichkeitsmerkmale und Risiko-Eigenschaften, (2) Unterscheidung von störungsrelevanten und risikorelevanten Persönlichkeitsmerkmalen sowie phänomenologische statt ätiologische Perspektive, (3) Persönlichkeits- vs. Situationstäter, (4) Deliktmechanismus und (5) Zieldelikt eine zentrale Rolle.


Aufbau:
Das Instrument setzt sich aus zwei Skalen und insgesamt vier übergeordneten Beurteilungsebenen zusammen: (1) Risk-Needs-Assessment (RNA) mit 1a) Basis-Risiko (BR) und 1b) Basis-Beeinflussbarkeit (B-BE) sowie (2) Risk-Management mit 2a) Aktuelles Risiko (AR) und 2b) Aktuelle Beeinflussbarkeit (A-BE).


Grundlagen und Konstruktion:
Zur Testkonstruktion liegen im Handbuch keine Informationen vor. An mehreren Stellen wird jedoch betont, dass es sich bei der aktuellen Testversion um das Ergebnis langjähriger Studien handelt.


Empirische Prüfung und Gütekriterien:
Im Handbuch liegen weder Angaben zur Reliabilität vor noch spezifische Informationen zur Validität des Instruments. Dennoch wird wiederholt auf dessen umfassende Validität hingewiesen.
Normen: Aufgrund der einzelfallspezifischen Orientierung des Verfahrens wurde keine Normierung vorgenommen.

 

Testkonzept

 

Theoretischer Hintergrund

Das FOTRES-Instrument (Urbaniok, 2004, 2017, 2016) basiert auf der gleichnamigen Theorie, in welcher forensische und psychiatrisch/psychologische Aspekte so miteinander verknüpft sind, dass eine operationaliserte und damit systematische Diagnostik und Risikobeurteilung von Straftätern ebenso ermöglicht wird wie das damit verbundene Risikomanagement. In der FOTRES-Theorie spielen insbesondere folgende Aspekte eine zentrale Rolle:

(1) Prägnante Persönlichkeitsmerkmale und Risiko-Eigenschaften: Prägnante Persönlichkeitsmerkmale sind diejenigen Merkmale, die bei einem Menschen hoch ausgeprägt sind und ihn besonders gut charakterisieren. Sind prägnante Persönlichkeitsmerkmale mit einem erhöhten Risiko verbunden, eine Straftat zu begehen, ist in der FOTRES-Theorie von risikorelevanten Persönlichkeitsmerkmalen oder Risiko-Eigenschaften die Rede. Diese bilden die zentrale Grundlage bei der Beurteilung des Basis-Risikos und des Aktuellen Risikos (siehe hierzu unter "Testaufbau" und "Auswertungsmodus"). In FOTRES wird zwischen neun Gruppen von Risiko-Eigenschaften unterschieden:
A. Dissozialität, Gewalt und Dominanz (z. B. Dissozialität, Chronifizierte Gewaltbereitschaft, Dominanzproblematik oder Delinquenzfördernde Weltanschauung);
B. Fantasien, Erregung und Sexualität (z. B. Vergewaltigungsdisposition als Präferenz oder Affinität, Süchtiger Pornografiekonsum, Affinität für Feuer und Brände oder Gesteigert dranghafte Sexualität);
C. Impulsive Reaktionsbereitschaft/Reaktivität (z. B. Wutgeprägte Aggressivität, Gesteigerte Kränkbarkeit, Gesteigerte Eifersucht oder Polarisierendes Beziehungsverhalten);
D. Expansive Dispositionen (z. B. Querulatorische Persönlichkeit, Narzisstische Persönlichkeit, Geltungssucht oder Gesteigertes Autonomiebedürfnis);
E. Defizit Dispositionen (z. B. Dependenzproblematik, Mangelnde soziale Kompetenz Typ I (Alltagsbewältigung) bzw. II (Beziehungen) oder Identitätsstörung);
F. Schizophrenie und andere psychiatrische Erkrankungen (z. B. Verfolgungswahn, Größenwahn, Imperative oder kommentierende Stimmen);
G. Sucht, Depression und Trauma (z. B. Betrugssucht, Alkohol- oder Drogenproblematik, Trauma-Problematik oder Angst-, Depressions- oder Suizidalitätsproblematik);
H. Diverse Dispositionen (z. B. Beziehungstat-Disposition, Zwanghafte Persönlichkeit oder Doppelleben-Disposition);
I. Basale Wahrnehmungsmuster (z.B. Feindlich, Bedrohlich, Fordernd, Polarisiert, Leidvoll, Persönlicher Besitz).

(2) Unterscheidung von störungsrelevanten und risikorelevanten Persönlichkeitsmerkmalen und phänomenologische statt ätiologische Perspektive: Aufgrund der unterschiedlichen Schwerpunktsetzung in psychiatrisch-psychologischer und forensischer Diagnostik wird in der FOTRES-Theorie strikt zwischen beiden Konzepten unterschieden. Schließlich werden in ersterer eher "false rejections" (Verpasser) in Kauf genommen, während dies in letzterer eher "false alarms" (falsch-positive Aussagen) sind. Bei der Auswahl der Risiko-Eigenschaften ist deren Ursache bei FOTRES uninteressant. Wichtig ist nicht, welche Entwicklungen zur Ausprägung bestimmter Persönlichkeitsmerkmale geführt haben, sondern lediglich, wie hoch diese Ausprägung zu einem bestimmten Zeitpunkt ist.

(3) Persönlichkeits- vs. Situationstäter: Während bei Persönlichkeitstätern die individuelle Persönlichkeit Ursache der Tatmotivation ist, wird diese bei Situationstätern durch eine spezifische (Tatausgangs-)Situation bedingt und/oder ausgelöst. Dementsprechend spielt die Ausprägung relevanter Risiko-Eigenschaften nur bei Persönlichkeitstätern eine Rolle für das Rückfallrisiko und damit für das Risiko-Management.

(4) Deliktmechanismus: Der Deliktmechanismus ist die zentrale Konzeption der FOTRES-Theorie (Urbaniok, 2016, S. 22). Er erklärt das Tatverhalten und gibt Auskunft darüber, wie Risiko-Eigenschaften und spezifische Tatmerkmale miteinander in Verbindung stehen.

(5) Zieldelikt: Das Zieldelikt ist die Deliktart, für die das Rückfallrisiko bestimmt wird. Das Verbindungsglied zwischen Risiko-Eigenschaften und Zieldelikt ist der Deliktmechanismus (Urbaniok, 2016, S. 27).
 

Testaufbau

Das Instrument setzt sich aus zwei Skalen und insgesamt vier übergeordneten Beurteilungsebenen zusammen (Urbaniok, 2016, S. 41 ff.):
(1) Risk-Needs-Assessment (RNA): Das RNA stellt eine Eingangsbeurteilung dar und bezieht sich immer auf einen tatzeitnahen Beurteilungszeitraum. Es beschreibt risikorelevante Persönlichkeitsmerkmale, Verhaltensweisen und Einstellungen der betroffenen Person zum Tatzeitpunkt und umfasst folgende zwei Beurteilungsebenen:
1a) Basis-Risiko (BR): Das Basis-Risiko repräsentiert die Persönlichkeitsdisposition des Betroffenen, erneut mit einem ausgewählten Zieldelikt in Erscheinung zu treten.
1b) Basis-Beeinflussbarkeit (B-BE): Die B-BE stellt eine Prognose über die Veränderungsmöglichkeiten des BR dar. Diese Prognose kann sich sowohl auf allgemeine Veränderungen als auch auf die Erfolgsaussichten einer Therapie beziehen.

(2) Risk-Management: Das RM stellt im Unterschied zum RNA eine Verlaufsbeurteilung dar und bezieht sich demensprechend immer auf den aktuellen Beurteilungszeitraum. Es beschreibt die aktuelle Ausprägung risikorelevanter Persönlichkeitsmerkmale, Verhaltensweisen und Einstellungen und kann bei Bedarf mehrfach beurteilt werden, bspw. um den Verlauf einer Therapie abzubilden. Das RM umfasst folgende zwei Beurteilungsebenen:
2a) Aktuelles Risiko (AR): Das AR repräsentiert die aktuelle Ausprägung der für das Zieldelikt relevanten aktuellen Risiko-Eigenschaften (AARE).
2b) Aktuelle Beeinflussbarkeit (A-BE): Analog zur Einschätzung der B-BE werden auch bei der A-BE Veränderungsmöglichkeiten im Hinblick auf das Zieldelikt beurteilt. Da es sich an dieser Stelle um den aktuellen Beurteilungszeitraum handelt, können anhand des Vergleichs zwischen B-BE und A-BE Veränderungen dokumentiert bzw. Interventionseffekte abgeschätzt werden.
 

Auswertungsmodus

Die zur Bewertung der einzelnen Beurteilungsebenen notwendigen Auswertungsregeln (Bewertungsskalen, Ausschlusskriterien, Itemeigenschaften etc.) befinden sich im Anhang des Handbuchs, weiterführende Informationen in den entsprechenden Kapiteln. Im Online-Portal finden sich all diese Informationen automatisch an den jeweils geeigneten Stellen (z. B. bei der Auswahl der Risiko-Eigenschaften). Auswertung und Ergebnisdarstellung erfolgen dort automatisch.

Basis-Risiko (BR): Zur Beurteilung des BR werden die für das Zieldelikt zentralen Risiko-Eigenschaften ausgewählt und im Hinblick auf ihre Relevanz (Relevanzfaktor) bewertet (für eine Übersicht der Risiko-Eigenschaften siehe unter "Theoretischer Hintergrund"). Die vom Gutachter ausgewählten Risiko-Eigenschaften werden auf einer fünfstufigen Skala von 0 = "nicht vorhanden/sehr gering", über 1 = "gering", 2 = "moderat" und 3 = "deutlich" bis hin zu 4 = "sehr stark/sehr hoch" bewertet. Zur Prüfung der Plausibilität stehen die beiden Module (1) Tatmuster und (2) Delinquenznahe Persönlichkeitsdisposition zur Verfügung. Diese helfen dabei, a) den Tatablauf zu analysieren und herauszufinden, inwieweit b) eine Person über eine Persönlichkeitsdisposition verfügt, welche eine grundsätzliche Nähe zu delinquenten Verhaltensweisen bzw. entsprechende Handlungsbereitschaften aufweist (Urbaniok, 2016, S. 398).

Basis-Beeinflussbarkeit (B-BE): Zur Beurteilung der B-BE werden neben verschiedenen Aspekten der allgemeinen Erfolgsaussicht auch die persönlichen Ressourcen des Betroffenen herangezogen. Hierzu werden folgende Merkmalsgruppen berücksichtigt: a) Verantwortungsübernahme, b) Offenheitsfokus, c) Veränderungspotenzial, d) Veränderungsfördernde Faktoren und ggf. e) Frühere Therapien.

Aktuelles Risiko (AR): Zur Beurteilung des AR werden neben der Beurteilung der aktuellen Ausprägung der Risiko-Eigenschaften (AARE) auch die Selbstkontrolle (SK) des Betroffenen sowie umweltbezogene Risiko- bzw. Schutzfaktoren (U-Risk bzw. U-Protect) beurteilt. Damit wird berücksichtigt, dass zur Einschätzung des AR nicht nur die Ausprägung relevanter Persönlichkeitsmerkmale eine bedeutsame Rolle spielt, sondern risikorelevante Eigenschaften, Verhaltensweisen und Einstellungen in hohem Maße auch durch kompensatorische Fähigkeiten gemindert werden können. Aktuelle Umweltfaktoren werden nur dann bewertet, wenn sie in einer bestimmten Situation ausgeprägt sind (z. B. aktuelle Trennungssituation bei bestehender Trennungssensitivität).

Aktuelle Beeinflussbarkeit (A-BE): Die Beurteilung der A-BE erfolgt analog zur Beurteilung der B-BE.
 

Auswertungshilfen

Als Auswertungshilfen können die im Anhang des Handbuchs dargestellten Bewertungsregeln genutzt werden. Da im Online-Portal Auswertung und Ergebnisdarstellung automatisch erfolgen, sind keine weiteren Hilfsmittel notwendig.
 

Auswertungszeit

Aufgrund der automatischen Auswertung ist hierfür keine zusätzliche Zeit zu veranschlagen.
 

Itembeispiele

Anmerkung: Als Itembeispiele werden im Folgenden jeweils eine Risiko-Eigenschaft mit hoher, mittlerer, geringer und sehr geringer forensischer Spezifität dargestellt:
Gruppe 1: Dissozialität, Gewalt und Dominanz - Dominanzproblematik (hohe forensische Spezifität): will andere beherrschen; Bedürfnis nach Kontrolle über Personen und Situationen; andere Menschen sind Statisten für das eigene Leben. Merkmale sind a) Kontrollbedürfnis, b) Dominanzstreben und c) Ignorieren der Bedürfnisse anderer.
Gruppe 2: Fantasien, Erregung und Sexualität - Gesteigert dranghafte Sexualität (mittlere forensische Spezifität): häufige dranghaft erlebte sexuelle Impulse; sehr häufige sexuelle Betätigungen; häufige Beeinträchtigung anderer Lebensbereiche. Merkmale sind a) Ausmaß gesteigert dranghafter Sexualität, b) deliktrelevante Motivationsstärke der Risiko-Eigenschaft und c) Hemmschwelle für deliktrelevante Handlungen (inverses Merkmal).
Gruppe 4: Expansive Dispositionen - Narzisstische Persönlichkeit (geringe forensische Spezifität): hält sich für besonders und besser als alle anderen; braucht Bewunderung; oft gekränkt und dann sehr wütend. Merkmale sind a) kompensatorische Inszenierung eigener Großartigkeit, b) gesteigerte Kränkbarkeit, c) Hemmschwelle für deliktrelevante Handlungen (inverses Merkmal) und d) Ignorieren der Bedürfnisse anderer.
Gruppe 5: Defizit Dispositionen - Identitätsstörung (sehr geringe forensische Spezifität): Gefühl für eigene, stabile Identität fehlt; im Zentrum der Persönlichkeit ist kein Kern, sondern ein Vakuum; häufig Trauma oder Vernachlässigung in der Kindheit. Merkmale sind a) Ausmaß Identitätsstörung.
 

Durchführung

 

Testformen

FOTRES wurde als Individualtest konzipiert und wird online durchgeführt. Aktuell liegt die dritte Testversion (FOTRES 3) vor. Es liegen keine parallelen oder anderssprachigen Testversionen vor.
 

Altersbereiche

Das Instrument kann in allen Altersbereichen eingesetzt werden.
 

Durchführungszeit

Gemäß den Angaben auf der FOTRES-Homepage sind bei sehr guter Fallkenntnis pro Beurteilungsebene etwa 20 Minuten zu veranschlagen. Es sollte jedoch mit einer längeren Durchführungsdauer gerechnet werden.
 

Material

Das Instrument ist online über http://www.fotres.ch/ zu beziehen und zu nutzen. Darüber hinaus wird die Nutzung des zugehörigen Handbuchs empfohlen.
 

Instruktion

Da es sich bei FOTRES um ein Fremdeinschätzungsverfahren handelt, richten sich die Instruktionen nicht an den Betroffenen, sondern an den Gutachter. Diese werden im Handbuch ausführlich beschrieben.
 

Durchführungsvoraussetzungen

Zur Durchführung werden möglichst vielfältige Informationen über die zu beurteilende Person benötigt. Dies können z. B. Zeugenaussagen, Polizeiberichte, Verfahrensprotokolle, Geständnisse, Gespräche mit der zu beurteilenden Person selbst, Angehörigen oder anderen involvierten Personen sein. Darüber hinaus empfiehlt sich aufgrund der Komplexität des Verfahrens zum einen die intensive Lektüre des Handbuchs und zum anderen eine Schulung durch den Testautor bzw. dessen Team.
 

Testkonstruktion

Zur Testkonstruktion liegen im Handbuch keine Informationen vor. An mehreren Stellen wird jedoch betont, dass es sich bei der aktuellen Testversion um das Ergebnis langjähriger Studien handelt. Informationen zur Entwicklung sind nur sehr verstreut zu finden.
FOTRES wurde seit 1998 erprobt und weiterentwickelt, 2004 veröffentlicht und in Neuauflagen 2007 und 2016 weiterentwickelt (Urbaniok, 2004, 2007, 2016).
Die Computerprogramme wurden in verschiedenen Programmversionen zur Verfügung gestellt. FOTRES 1.8 wurde zum 30.07.2016 beendet. FOTRES 2 wurde bis zum 30.04.2017 weiter betrieben und dann abgelöst vom aktuellen FOTRES 3.
 

Gütekriterien

 

Objektivität

Aufgrund der umfangreichen Informationen und Anweisungen zur Anwendung und Auswertung des Instruments, liegen Durchführungs- und Auswertungsobjektivität vor. Da zur Interpretation der Ergebnisse neben den standardisierten FOTRES-Kennwerten auch fallspezifische Informationen berücksichtigt werden müssen, ist die Interpretationsobjektivität teilweise vorhanden.
 

Reliabilität

Im Handbuch liegen keine Angaben zur Reliabilität vor.
 

Validität

Im Handbuch gibt es keine spezifischen Angaben zur Validität des Instruments. Dennoch wird wiederholt auf dessen umfassende Validität hingewiesen.
 

Normierung

Aufgrund der einzelfallspezifischen Orientierung des Verfahrens wurde keine Normierung vorgenommen.
 

Anwendungsmöglichkeiten

FOTRES eignet sich für alle forensisch-psychiatrischen Berufsfelder und kann bspw. von Gutachtern, Therapeuten oder Bewährungshelfer zur Einschätzung des Rückfallrisikos, der Verlaufsdokumentation oder der erneuten Beurteilung der Therapierbarkeit eingesetzt werden.
 

Bewertung

Das FOTRES ermöglicht eine operationalisierte und damit systematische Diagnostik und Risikobeurteilung sowie ein ebensolches Risikomanagement von Straftätern. Es verbindet die individuelle klinische Urteilsbildung mit der standardisierten Diagnostik, sodass die Vorzüge beider Verfahrensklassen genutzt werden können.
Positiv zu bewerten ist die Trennung von Basis-Risiko und Aktuelles-Risiko, durch die eine transparente und nachvollziehbare Verlaufsbeurteilung ermöglicht wird. Ebenfalls positiv zu bewerten ist der Fokus des Risikomanagements auf der Beurteilung persönlicher Eigenschaften, Verhaltensweisen und Einstellungen des Betroffenen (Ressourcen, Selbstkontrolle). Umweltfaktoren wie z. B. das familiäre oder berufliche Umfeld werden hingegen nur dann zur Beurteilung herangezogen, wenn diese in einer bestimmten Situation aktuell ausgeprägt sind. Die dem Instrument zugrundeliegende Theorie ist in sich schlüssig und durch die phänomenologische Perspektive sehr verhaltensnah formuliert. Dabei ist das Handbuch trotz seines erheblichen Umfangs gut zu lesen. Vielleicht würde jedoch eine Übersicht über die Skalen und Beurteilungsebenen, wie sie im Anhang dargestellt ist, den Einstieg erleichtern. Die Beurteilungsebenen sind ausführlich beschrieben und werden durch zahlreiche Beispiele anschaulich erklärt. Aufgrund der hohen Komplexität des Verfahrens verliert man als Leser jedoch manchmal den Überblick, an welcher Stelle der Urteilsbildung man sich gerade befindet. Zu den Gütekriterien können bei alleiniger Lektüre des Handbuchs leider nur Aussagen zur Objektivität und Normierung getroffen werden, da dort keine Angaben zur Reliabilität und Validität des Verfahrens enthalten sind. So ist aufgrund der ausführlichen Instruktionen und der automatischen Auswertung im Online-Portal die Durchführungs- und Auswertungsobjektivität als hoch zu bewerten. Da zur Interpretation der Ergebnisse neben den standardisierten FOTRES-Kennwerten auch fallspezifische Informationen berücksichtigt werden müssen, fällt die Bewertung der Interpretationsobjektivität moderat aus. Wenngleich keine Normierung vorgenommen wurde, ist eine solche aufgrund der einzelfallspezifischen Orientierung des Verfahrens auch nicht als notwendig zu erachten. Insgesamt fallen die Angaben im Handbuch, was die Entwicklung des Verfahrens betrifft sowie bisherige Untersuchungen oder Publikationen dazu, sehr lückenhaft aus. Angesichts eines Handbuchumfangs von über 600 Seiten wäre es auf ein zusätzliches Kapitel zur Geschichte des Verfahrens auch nicht angekommen; zudem fehlt vollständig eine Validierung durch beispielsweise Delinquentenmerkmale oder Rückfallraten.
 

Literatur

  • Kahl, B. (2015). Optimierung der Kriminalprognose und deliktorientierter Therapiemodelle zugunsten des Opferschutzes und der Rückfallminimierung in Deutschland anhand der Vorstellung von FOTRES und des Zürcher Modells. Hamburg: Kovac.
  • Urbaniok, F. (2004). FOTRES: Forensisches Operationalisiertes Therapie-Risiko-Evaluations-System. Bern: Zytglogge.
  • Urbaniok, F. (2007). FOTRES. Forensisches Operationalisiertes Therapie-Risiko-Evaluations-System (2., vollständig überarbeitete und aktualisierte Auflage). Bern: Zytglogge.
  • Urbaniok, F. (2016). FOTRES. Diagnostik, Risikobeurteilung und Risikomanagement bei Straftätern (3., vollständig aktualisierte und erweiterte Auflage). Berlin: Medizinisch Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft. -PSYNDEX-Lit Dok.-Nr. 0310325

 APA-Schlagworte/PSYNDEX Terms:

Classical Test Theory; Computer Assisted Testing; Psychological Report; Expert Testimony; Forensic Evaluation; Criminals; Psychopathology; Criminal Behavior; Risk Assessment; Risk Management; Violence

Klassische Testtheorie; Computerunterstütztes Testen; Psychologisches Gutachten; Gerichtliches Sachverständigengutachten; Forensische Begutachtung; Straftäter; Psychopathologie; Kriminelles Verhalten; Risikoerfassung; Risiko-Management; Gewalt

 weitere Schlagworte:

2004 (FOTRES); 2007 (2., vollständig überarbeitete und akualisierte Auflage); 2016 (3., vollständig aktualisierte und erweiterte Auflage); Fremdeinschätzung; Rückfallrisiko; Gewalt; FOTRES-Theorie; FOTRES-Instrument; > 700 Items; Beurteilungsebenen: 1 Risk-Needs-Assessment (RNA), 1a Basis-Risiko (BR), 1b Basis-Beeinflussbarkeit (B-BE), 2 Risk-Management, 2a Aktuelles Risiko (AR), 2b Aktuelle Beeinflussbarkeit (A-BE); Normierungs-/Untersuchungsjahr: keine Angaben; Stichprobe(n): keine Angaben
 Klassifikation:

Klinische Psychodiagnostik; Kriminelles Verhalten; Strafvollzug und Resozialisierung; Rechtspsychologie und Kriminologie
Delinquenzneigungstests
9.8
 Anwendungstyp: Individual Diagnosis
 Art der Publikation: Test; Online Test (90; 942)
 Sprache: German
 Land: Switzerland
 Publikationsjahr: 2003
 Änderungsdatum: 201708
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