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Entwicklungsbeobachtung und -dokumentation 48-72 Monate

 PSYNDEX Tests-Dokument: 9006557
 

EBD 48-72 - Entwicklungsbeobachtung und -dokumentation 48-72 Monate (PSYNDEX Tests Review)

 

Developmental Observation and Documentation for 48- to 72-Month-Olds/zpid
Synonym(e): EBD 48-72 Monate

 Koglin, U., Petermann, F. & Petermann, U.
 (2010). Entwicklungsbeobachtung und -dokumentation. EBD 48-72 Monate. Eine Arbeitshilfe für pädagogische Fachkräfte in Kindergärten und Kindertagesstätten [Manual mit CD-ROM]. Berlin: Cornelsen Scriptor.

Bibliotheksstandort: Rheinische Landesbibliothek LBZ Koblenz 2015A 204 (Beilagen)
ISBN: 9783589159581
Preis: Euro 28,99 (Handbuch und CD-ROM in 5., aktualisierter Auflage; Stand: 8.11.2017)

 Bezugsquelle: Cornelsen Schulverlage GmbH, Mecklenburgische Straße 53, D-14197 Berlin ; E-Mail: service@cornelsen-schulverlage.de ; URL: http://www.cornelsen.de/ ; Stand: 29.10.2012.
Anmerkung: Inzwischen liegt eine 5., aktualisierte Auflage vor (Koglin, Petermann & Petermann, 2017). Eine entsprechende Entwicklungsbeobachtung und -dokumentation EBD 3-48 Monate liegt inzwischen in der 3., überarbeiteten Auflage vor (Koglin, Petermann & Petermann, 2012; PSYNDEX Tests-Nr. 9006268).
 Adresse(n): o Prof. Dr. Franz Petermann bei PsychAuthors: https://www.psychauthors.de/psychauthors/index.php?wahl=forschung&uwahl=psychauthors&uuwahl=p00366FP
o Prof. Dr. Ulrike Petermann, Zentrum für Klinische Psychologie und Rehabilitation (ZKPR), Universität Bremen, Grazer Straße 6, D-28359 Bremen ; E-Mail: upeterm@uni-bremen.de ; URL: http://www.zkpr.uni-bremen.de/zentrum/hochschullehrer/prof-dr-ulrike-petermann/ ; Stand: 15.5.2015
o Prof. Dr. Ute Koglin, Carl von Ossietzky Universität Oldenburg, Fachgruppe Sonder- und Rehabilitationspädagogische Psychologie, Ammerländer Heerstraße 114-118, D-26129 Oldenburg ; E-Mail: ute.koglin@uni-oldenburg.de ; URL: https://www.uni-oldenburg.de/ute-koglin/ ; Stand: 22.7.2016
 WWW-Informationen:
 

Abstract

Diagnostische Zielsetzung:
Die Entwicklungsbeobachtung und -dokumentation 48-72 Monate (EBD 48-72; Koglin, Petermann & Petermann, 2010) stellt ein hochstrukturiertes Beobachtungsverfahren dar, um eine genaue Kenntnis des Entwicklungsstandes eines Kindes zu bekommen sowie den Entwicklungsverlauf zu dokumentieren.


Aufbau:
Das Verfahren bietet in Halbjahresschritten spezifische Aufgaben zu den sechs Entwicklungsbereichen Haltungs- und Bewegungssteuerung, Fein- und Visuomotorik, Sprache, Kognitive Entwicklung, Soziale Entwicklung und Emotionale Entwicklung an. Insgesamt gibt es 24 Aufgaben, die innerhalb von vier Wochen beobachtet und dokumentiert werden sollen.


Grundlagen und Konstruktion:
Die EBD 48-72 wurde nach den Prinzipien der Klassischen Testtheorie konzipiert. Die Aufgabenselektion basiert auf einer Analyse einschlägiger Entwicklungstests. Anhand aktueller empirischer Ergebnisse aus der Entwicklungspsychologie wurden z. B. die Aufgaben zur sozialen und emotionalen Entwicklung zusammengestellt.


Empirische Prüfung und Gütekriterien:
Reliabilität: Es liegen keine Reliabilitätsbelege vor.
Validität: Die drei Entwicklungsbereiche korrelieren signifikant untereinander (r = .26-.37; Konstruktvalidität). Die Ergebnisse der EBD 48-72 (Entwicklungsbereiche: Sprache, Soziale und Emotionale Entwicklung) korrelieren auch signifikant mit den Ergebnissen anderer Entwicklungstests (r = .34-.71). Kinder von Eltern mit keinem oder niedrigen Schulabschluss sind fünf- bis achtmal häufiger auffällig in ihrer Entwicklung als Kinder von Eltern mit höheren Schulabschlüssen (Kriteriumsvalidität).
Normen: Das Verfahren ist nicht normiert.

 

Testkonzept

 

Theoretischer Hintergrund

Die Entwicklungsbeobachtung und -dokumentation für Kinder im Alter zwischen 48 und 72 Monaten (EBD 48-72; Koglin, Petermann & Petermann, 2010) erfasst als hochstrukturiertes Beobachtungsverfahren den Entwicklungsstand und -verlauf von 4- bis 6-jährigen Kindergartenkindern. Sie stellt eine Fortführung der EBD 3-48 von Petermann, Petermann und Koglin (2009; Koglin, Petermann & Petermann, 2012) dar. Mit diesen beiden Verfahren kann die Entwicklung eines Kindes über die gesamte Krippen- und Kindergartenzeit beobachtet und dokumentiert werden.
Das Verfahren umfasst Aufgaben, die sich am Meilenstein-Prinzip der Entwicklung orientieren. Danach sollte jedes Kind unabhängig vom interindividuellen Entwicklungsverlauf bis zu einem bestimmten Lebensabschnitt bestimmte Fertigkeiten in den einzelnen Entwicklungsbereichen angeeignet haben. Es sind Fertigkeiten, deren Erlangen für eine ungestörte Entwicklung zentral sind und von 90% bis 95% aller Kinder im vorgegebenen Zeitrahmen erreicht werden. Insofern zielt der EBD 48-72 darauf ab, mit leichten Aufgaben entwicklungsgefährdete Kinder rechtzeitig zu entdecken und normalentwickelte Kinder weiter zu fördern (Koglin et al., 2010, S. 8-9).
 

Testaufbau

Die EBD 48-72 enthält je vier Aufgaben zu sechs Entwicklungsbereichen. In jeder Aufgabe werden zunächst die Materialien benannt, die für die Durchführung der Aufgabe notwendig sind. Es folgt eine Anleitung zur Durchführung der Aufgabe und eine Beschreibung, wann die Anforderungen der Aufgabe erfüllt und wann sie nicht erfüllt sind. Die sechs Entwicklungsbereiche lauten folgendermaßen (Koglin et al., 2010, S. 10-21):
(1) Haltungs- und Bewegungssteuerung;
(2) Fein- und Visuomotorik;
(3) Sprachentwicklung;
(4) Kognitive Entwicklung;
(5) Emotionale Entwicklung;
(6) Soziale Entwicklung.
Die Reihenfolge der Aufgaben wird nicht vorgegeben. Zudem werden z. B. zur sprachlichen Entwicklung das Verhalten des Kindes in den letzten vier Wochen berücksichtigt. Die Beobachtungen werden fünfmal in regelmäßigen Zeitabständen und innerhalb von vier Wochen durchgeführt und dokumentiert (Koglin et al., 2010, S. 30-33).
 

Auswertungsmodus

Jede Aufgabe wird als gelöst (= 1 Punkt) oder nicht gelöst (= 0 Punkte) bewertet. Daraufhin werden die Anzahl der gelösten Aufgaben für jeden Entwicklungsbereich aufsummiert und in Protokollbögen übertragen. Maximal können vier Punkte pro Entwicklungsbereich erzielt werden. Zudem liegt ein Protokollbogen vor, in dem fortlaufend die Beobachtungsergebnisse von mehreren Beobachtungen eingetragen werden können und so ein Profil erstellt werden kann. Es werden drei Cut-off-Werte definiert: Je nach Anzahl der erreichten Punkte werden die Ergebnisse als "kein Hinweis auf eine auffällige Entwicklung" (drei bis vier Aufgaben pro Entwicklungsbereich gelöst), "grenzwertiger Befund, der keine eindeutige Aussage zulässt" (zwei Aufgaben gelöst) oder "Hinweis für eine bereichsspezifische oder allgemeine Entwicklungsstörung" (keine oder eine Aufgabe gelöst) interpretiert (Koglin et al., 2010, S. 30-39).
Auf der letzten Seite des Bogens "Übersicht über den Entwicklungsverlauf", welches sowohl auf der CD als auch im Anhang (S. 130 ff.) ist, kann eine fünfstufige Einschätzung des Entwicklungsstandes durch eine Erzieherin oder externe Beobachterin gemacht werden:
1 = deutlich unterdurchschnittlich
2 = etwas unterdurchschnittlich
3 = durchschnittlich
4 = leicht überdurchschnittlich
5 = deutlich überdurchschnittlich.
Außerdem können bei einem nicht-durchschnittlichem Entwicklungsstand Stärken und Schwächen des Kindes mitnotiert werden.
 

Auswertungshilfen

Als Hilfe bei der Auswertung ist bei jeder Aufgabe genau beschrieben, wann deren Anforderungen gelöst oder nicht gelöst wurden. Zum übersichtlichen Eintragen der Ergebnisse stehen Protokollbögen zur Verfügung. Zudem liegt dem Test ein Protokollbogen bei, auf dem die Ergebnisse mehrerer Beobachtungszeiträume eingetragen werden können, sodass der Entwicklungsverlauf eines Kindes dokumentiert werden kann (Koglin et al., 2010, S. 30-37). Des Weiteren werden im Manual Interpretationshinweise, Auswertungsschritte und drei Fallbeispiele genannt (S. 37-46). Die CD-ROM enthält neben den Protokollbögen ein Übersichtsblatt über den Entwicklungsverlauf.
 

Auswertungszeit

Die Auswertung dauert nur wenige Minuten.
 

Itembeispiele

Haltungs- und Bewegungssteuerung, 48 Monate (Koglin et al., 2010, S. 57)
3. Aufgabe: Fängt einen großen Ball mit den Händen
Material: z. B. großer Schaumstoffball
Stellen Sie sich dem Kind in etwa 2 Meter Entfernung gegenüber und werfen ihm einen großen weichen Ball zu. Ermuntern Sie es, den Ball aufzufangen. Mehrere Versuche sind erlaubt.
Erfüllt: Das Kind wendet seinen Körper dem Ball zu, streckt die Arme gezielt aus und fängt den Ball mit den Händen auf.
Nicht erfüllt: Der Ball kann auch nach mehreren Versuchen nicht oder nur unter Zuhilfenahme von Brust und Armen gefangen werden.

Sprache, 72 Monate (Koglin et al., 2010, S. 109)
2. Aufgabe: Spricht die Laute eines Wortes korrekt aus
Beobachten Sie, ob das Kind die Laute eines Wortes richtig ausspricht. Das Kind sollte alle Laute korrekt beherrschen.
Erfüllt: Das Kind zeigt keine Fehler in der Aussprache.
Nicht erfüllt: Das Kind zeigt Fehler in der Aussprache.
 

Durchführung

 

Testformen

Das Beobachtungsverfahren liegt in erster Auflage vor. Die Testung sollte möglichst in Einzelsituationen erfolgen. Die EBD 48-72 ist eine Fortführung der Version EBD 3-48 (Petermann et al., 2009).
 

Altersbereiche

Das Verfahren ist für Kinder im Alter von 48 bis 72 Monaten konzipiert (Koglin et al., 2010, S. 33).
 

Durchführungszeit

Die Durchführungszeit richtet sich nach der Art der Aufgaben. Die gesamte Testung sollte innerhalb von vier Wochen abgeschlossen sein (Koglin et al., 2010, S. 33).
 

Material

Das 132-seitige Manual bietet eine ausführliche Einführung in die Thematik Entwicklungsüberprüfung, die sechs Entwicklungsbereiche und Entwicklungs- und Verhaltensstörungen bei Kindern. Auf der beiliegenden CD-ROM finden sich zum Selbstausdrucken Protokollbögen, um die Ergebnisse einer einmaligen Beobachtung einzutragen, und ein Protokollbogen zum Dokumentieren des Entwicklungsverlaufs.
 

Instruktion

Bei der jeweiligen Aufgabe ist grob beschrieben, wie das Kind instruiert werden soll. Bei der Instruktion sollte darauf geachtet werden, dass das Kind die Handlungen der pädagogischen Fachkraft verfolgt und ihnen ungeteilte Aufmerksamkeit schenkt (Koglin et al., 2010, S. 55 ff.).
 

Durchführungsvoraussetzungen

Die Autoren nennen zahlreiche Bedingungen, die erfüllt sein sollten, um eine erfolgreiche Durchführung durch pädagogische Fachkräfte zu gewährleisten (Koglin et al., 2010, S. 31-33). Die Beobachtung sollte in einer Einzelsituation erfolgen. In einem warmen und hellen Raum sollte eine "positive Beobachtungsituation" mit einer angenehmen, entspannten und ablenkungsfreien Atmosphäre realisiert werden. Ablenkungsfrei bedeutet, dass das Kind nicht in der Nähe großer und geöffneter Fenster sitzt. Zudem sollten keine weiteren als die zur Testung der jeweiligen Aufgabe notwenigen Materialien im Raum sein. Der Raum sollte neben dem Aufgabenmaterial lediglich über einen Tisch und Stühle für die pädagogische Fachkraft und das Kind verfügen. Es sollten kurze Pause eingelegt werden oder die Beobachtung sollte abgebrochen und an einem anderen Tag fortgesetzt werden, wenn das Kind Anzeichen von Unruhe oder Müdigkeit zeigt. Die Grundbedürfnisse des Kindes sollten vor der Testung befriedigt sein und es sollte sich in entsprechender Stimmung befinden. Die zu beobachtenden Verhaltensweisen können auch stellvertretend durch die Eltern oder andere Erzieher beantwortet werden, z. B. im Bereich der sozio-emotionalen Entwicklung oder beispielsweise wenn das Kind eine andere Muttersprache spricht oder sich die Verhaltensweisen besser zu Hause beobachten lassen. Bei Nicht-Muttersprachlern sollte immer ein entsprechender Vermerk gemacht werden.
 

Testkonstruktion

Die EBD 48-72 wurde nach den Prinzipien der Klassischen Testtheorie konzipiert. Die Aufgabenselektion basiert auf einer Analyse einschlägiger Entwicklungstests, z. B. dem Entwicklungstest von 6 Monate bis 6 Jahre (ET 6-6; Petermann, Stein & Macha, 2006), dem Kognitiven Entwicklungstest für das Kindergartenalter (KET-KID; Daseking & Petermann, 2009), dem Sprachstandserhebungstest für Kinder im Alter zwischen 5 und 10 Jahren (SET 5-10; Petermann, Fröhlich & Metz, 2010) oder dem Psychosozialen Entwicklungsgitter (Kiphard, 1975). Zudem wurden insbesondere bei der Zusammenstellung der Aufgaben im Bereich der sozialen und emotionalen Entwicklung aktuelle empirische Ergebnisse der Entwicklungspsychologie herangezogen. Es wurden solche Verhaltensweisen gewählt, die im normalen Kitaalltag beobachtbar sind. Es wurde darauf geachtet, dass Material verwendet wird, das üblicherweise in Kindertageseinrichtungen verfügbar oder einfach zu besorgen ist und praktisch anwendbar ist. Zudem sollten Aufgaben, Antworten und die Interpretation der Ergebnisse eindeutig sein. Das Verfahren wurde in Kindertageseinrichtungen erprobt und die Aufgaben wurden mit den Erziehern diskutiert. Die Überprüfung der psychometrischen Güte sollte laut der Autoren ab Herbst 2010 in Gang gesetzt worden sein (Koglin et al., 2010, S. 28-29).
 

Gütekriterien

 

Objektivität

Zur Gewährleistung der Durchführungs- und Auswertungsobjektivität sind die durchzuführenden Aufgaben jeweils kurz beschrieben, einige Fallbeispiele werden erläutert, das benötigte Material wird benannt und es sind Kriterien zum Erfüllen bzw. Nicht-Erfüllen der Aufgabe genannt (Koglin et al., 2010, S. 29). Die Interpretation richtet sich nach der Anzahl der gelösten Aufgaben in einem Entwicklungsbereich. Es wird eindeutig beschrieben, welche Schlussfolgerungen gezogen werden sollten, wenn das Kind eine bestimmte Anzahl von Aufgaben gelöst oder nicht gelöst hat. Auswertungshinweise und Fallbeispiele erhöhen die Interpretationsobjektivität (S. 38-39).
 

Reliabilität

Es liegen keine Reliabilitätsbelege vor.
 

Validität

Das Verfahren ist inhaltsvalide, da einschlägige Verfahren und Expertenurteile (Erzieher) bei der Testentwicklung herangezogen wurden (Koglin et al., 2010, S. 28-29).
Die im Folgenden berichteten Ergebnisse beruhen auf der Studie von Koglin, Gust, Ulrich, Petermann und Petermann (2014, S. 180 ff.). Die Autoren untersuchten eine Stichprobe von 127 Kindern (Alter: 48-73 Monate; M = 60.85 Monate, SD = 7.31). Die Kinder besuchten 19 Kindertageseinrichtungen in den Städten Bremen, Berlin und im Raum Niedersachsen. In der Studie wurden ausschließlich die drei ausgewählten Entwicklungsbereiche Sprache, Soziale und Emotionale Entwicklung untersucht.
In den Bereichen Sprache und Soziale Entwicklung wurden 5-10% der Kinder als auffällig identifiziert (jeweils 7.1%). Im Bereich Emotionale Entwicklung gab es keine auffälligen Kinder. Wertet man die Bereiche "grenzwertig" und "auffällig" zusammen aus, werden durchgängig 18.9% der Kinder als Risikokinder eingestuft. Zur Untersuchung der Konstruktvalidität berechneten die Autoren die Zusammenhänge zwischen den drei ausgewählten Entwicklungsbereichen des EBD 48-72. Es fanden sich signifikante Zusammenhänge zwischen den Bereichen Emotionale Entwicklung und Sprache (r = .35), Sprache und Soziale Entwicklung (r = .26) und Emotionale und Soziale Entwicklung (r = .37) des EBD.
Koglin et al. (2014) verwendeten neben den Bereichen Sprachentwicklung, soziale und emotionale Entwicklung der EBD 48-72 andere Entwicklungstests zur Untersuchung der Kriteriumsvalidität, wobei sie solche ausschlossen, auf denen die EBD 48-72 beruht: (1) Sprachliche Entwicklung: Sprachscreening für das Vorschulalter (SSV; Grimm, 2003), Kognitiver Entwicklungstest für das Kindergartenalter (KET-KID; Daseking & Petermann, 2009) und (2) Soziale und emotionale Entwicklung: Strengths and Difficulties Questionnaire (SDQ; Goodman, 1997). Der EBD 48-72 korrelierte signifikant mit den Außenkriterien, wie in den Tabellen 1 und 2 ersichtlich ist - ein Beleg für die Kriteriumsvalidität des Verfahrens. Für den EBD-Bereich Sprache liegt die Sensitivität zwischen 85.7% und 87.5%, die Spezifizität zwischen 84.2% und 84.9%. Von den acht Kindern, die gemäß des SSV als Risikokinder eingestuft wurden, erhielten sieben im EBD-Bereich Sprache ebenfalls ein auffälliges oder grenzwertiges Ergebnis. Von sieben Kindern, die im KET-KID ein auffälliges Ergebnis erzielten, wurden sechs gemäß EBD als grenzwertig oder auffällig eingeordnet. Für die Bereiche Soziale Entwicklung und Emotionale Entwicklung betrug die Sensitivität jeweils 100%, die Spezifizität 79% bzw. 83.7%. Die drei Kinder, die gemäß des SDQ-Gesamtproblemwertes als verhaltensauffällig beurteilt wurden, erhielten im EBD-Bereich Soziale Entwicklung ebenfalls eine Einstufung als grenzwertig oder auffällig. Kinder, die im prosozialen Verhalten (SDQ) als auffällig eingeschätzt wurden, erzielten im EBD-Bereich Emotionale Entwicklung ein grenzwertiges Ergebnis. Als weiteren Validitätsbeleg führen die Autoren an, dass auffällige Kinder solche sind, deren Eltern keinen oder einen Sonder-/Hauptschulabschluss haben. Sie sind fünf- bis achtmal häufiger auffällig in den Bereichen Sprache und Emotionale Entwicklung als Kinder von Eltern mit höherem Bildungsgrad (Realschulabschluss, Abitur/Studium). Schreyer-Mehlhop, Petermann, Petermann und Koglin (2012) berichten den gleichen Zusammenhang zwischen dem Bildungsstatus der Eltern und Entwicklungsstand der Kinder, wobei sie diesen Zusammenhang für alle Entwicklungsbereiche fanden. Auch fanden sie heraus, dass sich eine schlechte Erziehungs- und Beziehungsqualität zwischen Erziehern und Kindern negativ auf die Fein- und Visuomotorik, kognitive und soziale Entwicklung auswirkt (S. 74-75).

Tabelle 1
Korrelationen zwischen EBD-Bereich Sprache (N = 127) und Außenkriterien (SSV, n = 125; KET-KID, n = 127; Koglin, Gust, Ulrich, Petermann & Petermann, 2014, S. 184)
---------------------------------------------------------------------- 
1 2 3 4
----------------------------------------------------------------------
1 Sprache (EBD) - .34** .42** .46**
2 Phonologisches Arbeitsgedächtnis für
Nichtwoerter (SSV 4-6) - .51** .52**
3 Satzgedaechtnis (SSV 4-6) - .71**
4 Verbale Skala (KET-KID) -
----------------------------------------------------------------------
Anmerkungen. ** = p < .01.

Tabelle 2
Korrelationen zwischen den EBD-Bereichen Soziale Entwicklung und Emotionale Entwicklung (n = 127) und Außenkriterien (SDQ, n = 127; Koglin, Gust, Ulrich, Petermann & Petermann, 2014, S. 184)
---------------------------------------------------------------------- 
1 2 3 4
----------------------------------------------------------------------
1 Soziale Entwicklung (EBD) - .37** -.39** .37**
2 Emotionale Entwicklung (EBD) - -.39** .35**
3 Gesamtproblemwert (SDQ) - -.55**
4 Prosoziales Verhalten (SDQ) -
----------------------------------------------------------------------
Anmerkungen. ** = p < .01.
 

Normierung

Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung war das Verfahren nicht normiert. Laut der Angaben im Manual wird eine Analyse der Gütekriterien und damit anzunehmen auch die Normierung seit Herbst 2010 angestrebt (Koglin et al., 2010, S. 28-29).
 

Anwendungsmöglichkeiten

Die EBD 48-72 dient der systematischen Beobachtung und Dokumentation der kindlichen Entwicklung. Stärken und Schwächen können identifiziert werden. Gefährdete Kinder sollten bereits zu einem sehr frühen Zeitpunkt ausgemacht werden, sodass die langfristigen negativen Folgen einer Entwicklungsverzögerung verhindert oder verringert werden können. Die Ergebnisse sind als Ausgangspunkt für eine individuelle Förderung zu nehmen.
Zu beachten ist, dass es sich bei der EBD 48-72 um ein Screeningverfahren für pädagogische Fachkräfte handelt, das lediglich eine erste Orientierung darüber bietet, ob ein Kind angemessen entwickelt ist und in welchen Entwicklungsbereichen es möglicherweise gefördert werden sollte. Mit der EBD 48-72 kann keine Diagnose gestellt werden. Vielmehr sollte eine genauere Diagnostik durch einen Kinderarzt oder Klinischen Psychologen erfolgen, wenn ein auffälliges Ergebnis vorliegt (Koglin et al., 2010, S. 28, S. 36-37).
 

Bewertung

Bei der Entwicklungsbeobachtung und -dokumentation 48-72 Monate (EBD 48-72) handelt es sich um ein strukturiertes Beobachtungsverfahren, welches zur Erhebung des Entwicklungsstandes eines Kindes sowie zur Dokumentation des Entwicklungsverlaufs dient. Des Weiteren schlagen die Autoren je nach Entwicklungsstand Förderziele vor. Die diagnostische Zielsetzung des Verfahrens wird präzise beschrieben. So wird explizit darauf hingewiesen, dass es sich nur um ein Screeningverfahren handelt und dass eine genauere Diagnostik durch einen Kinderarzt oder Klinischen Psychologen erfolgen sollte, wenn ein auffälliges Ergebnis vorliegt. Die theoretischen Grundlagen werden lediglich im Allgemeinen beschrieben. Die Autoren beschreiben das Meilensteinprinzip der Entwicklung, das den meisten Aufgaben zugrunde liegt, erläutern die sechs Entwicklungsbereiche und fügen im Manual ein Kapitel über Entwicklungs- und Verhaltensstörungen bei Kindern im Kindergarten ein. Die Nachvollziehbarkeit der Testkonstruktion ist nicht gegeben. Die Objektivität in Durchführung und Auswertung ist aufgrund der standardisierten Gestaltung des Screeningverfahrens erfüllt. Empfehlenswert wäre eine präzise, wortwörtliche Instruktion und eine genauere Beschreibung der Kriterien. Die Interpretationsobjektivität ist gegeben. Es wird eindeutig beschrieben, welche Schlussfolgerungen gezogen werden sollten, wenn das Kind eine bestimmte Anzahl von Aufgaben gelöst oder nicht gelöst hat. Zur Illustration sind Fallbeispiele angegeben, sodass insgesamt die Objektivität - wie Unzner (2014, S. 3) erläutert - positiv beeinflusst wird, jedoch fehlen Angaben zur Beobachterübereinstimmung. Auch zur Zuverlässigkeit des Testverfahrens werden keine Angaben gemacht. Die Kriteriumsvalidität wurde durch Abgleich mit anderen Testverfahren, die ähnliche Konstrukte erfassen, lediglich für die Bereiche Sprache, Soziale und Emotionale Entwicklung untersucht. Weitere Validitätsbelege stehen noch aus. Empfehlenswert wären eine umfassende psychometrische Überprüfung der Aufgaben sowie eine Aktualisierung des Manuals um die Ergebnisse. Zudem sollte auf die theoretische Grundlage und die Testentwicklung präziser eingegangen werden. Das Verfahren ist nicht normiert, obwohl nachgewiesen wurde, dass sich die Prozentzahl an Kindern, die als auffällig diagnostiziert wurden, in den einzelnen Entwicklungsbereichen unterscheidet. Im Manual finden sich zahlreiche Hinweise, um die Störanfälligkeit des Verfahrens zu minimieren. Die Verfälschbarkeit ist gering, da es sich um einen Leistungstest handelt.
Insgesamt ist das Verfahren sehr übersichtlich gestaltet. Unzner (2014) beschreibt das Verfahren bzw. das Manual als verständlich geschrieben, klar gegliedert und durch die farbliche Kennzeichnung leicht handzuhaben. Überdies erlaubt die EBD 48-72 eine Dokumentation des Entwicklungsstands für den weiteren Kitaalltag. Schreyer-Mehlhop et al. (2012) berichten von einer hohen Akzeptanz der EBD-Serie 3-48 und 48-72 bei den Kita-Fachkräften.
 

Literatur

  • Daseking, M. & Petermann, F. (2009). KET-KID. Kognitiver Entwicklungstest für das Kindergartenalter. Göttingen: Hogrefe.
  • Goodman, R. (1997). The Strengths and Difficulties Questionnaire: A research note. Journal of Child Psychology and Psychiatry, 38, 581-586. (DOI: 10.1111/j.1469-7610.1997.tb01545.x)
  • Grimm, H. (2003). SSV. Sprachscreening für das Vorschulalter. Kurzform des SETK 3-5. Göttingen: Hogrefe.
  • Kiphard, E. J. (1975). Wie weit ist ein Kind entwickelt? Eine Anleitung zur Entwicklungsüberprüfung. Dortmund: Verlag Modernes Lernen.
  • Koglin, U., Gust, N., Ulrich, F., Petermann, F. & Petermann, U. (2014). Zur Validierung der Entwicklungsbeobachtung und -dokumentation EBD 48-72 Monate. Psychologie in Erziehung und Unterricht, 61 (3), 175-188.
  • Koglin, U., Petermann, F. & Petermann, U. (2010). Entwicklungsbeobachtung und -dokumentation 48-72 Monate (EBD 48-72). Berlin: Cornelsen Scriptor.
  • Koglin, U., Petermann, F. & Petermann, U. (2012). Entwicklungsbeobachtung und -dokumentation EBD 3-48 Monate. Eine Arbeitshilfe für pädagogische Fachkräfte in Kindergärten und Kindertagesstätten (3., überarbeitete Auflage) [Beilage: CD-ROM]. Berlin: Cornelsen Scriptor.
  • Petermann, F., Fröhlich, L.P. & Metz, D. (2010). SET 5-10. Sprachstandserhebungstest für Kinder im Alter zwischen 5 und 10 Jahren. Göttingen: Hogrefe.
  • Petermann, U., Petermann, F. & Koglin, U. (2009). Entwicklungsbeobachtung und -dokumentation. Eine Arbeitshilfe für pädagogische Fachkräfte in Krippen und Kindergärten. Berlin: Cornelsen Scriptor.
  • Petermann, F., Stein, I. A. & Macha T. (2006). Entwicklungsdiagnostik mit dem ET 6-6 (3., veränderte Auflage). Frankfurt/M.: Harcourt Test Services.
  • Schreyer-Mehlhop, I. S., Petermann, F., Petermann, U. & Koglin, U. (2012). Entwicklungsbeobachtung und - dokumentation mit der EBD 3-48 und der EBD 48-72. Frühe Bildung, 1 (2), 71-77.
  • Unzner, L. (2014). Rezension zu: Ute Koglin, Franz Petermann, Ulrike Petermann: Entwicklungsbeobachtung und -dokumentation [...]. Cornelsen Schulverlage GmbH (Berlin) 2013. 2., überarb. Auflage. 140 Seiten. ISBN 978-3-589-24798-1. In socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245 |u http://www.socialnet.de/rezensionen/15721.php (Stand: 03.03.2014)
 

Wichtige neuere Publikationen

  • Koglin, U. (2017). Entwicklungsbeobachtung und -dokumentation (EBD 3-48 und 48-72). In F. Petermann & S. Wiedebusch (Hrsg.), Praxishandbuch Kindergarten. Entwicklung von Kindern verstehen und fördern (S. 153-171). Göttingen: Hogrefe. -PSYNDEX-Lit Dok.-Nr. 0322631
  • Koglin, U., Petermann, F. & Petermann, U. (2017). Entwicklungsbeobachtung und -dokumentation. EBD 48-72 Monate. Eine Arbeitshilfe für pädagogische Fachkräfte in Kindergärten und Kindertagesstätten (5., aktualisierte Auflage). Berlin: Cornelsen Scriptor.

 APA-Schlagworte/PSYNDEX Terms:

Classical Test Theory; Observation Methods; Rating Scales; Pictorial Stimuli; Developmental Measures; Kindergarten Students; Preschool Teachers; Early Childhood Development; Infant Development; Cognitive Development; Emotional Development; Psychosocial Development; Perceptual Development; Motor Development; Language Development; Developmental Stages; Delayed Development; Early Intervention

Klassische Testtheorie; Beobachtungsmethoden; Rating-Skalen; Bild-Stimuli; Entwicklungstests; Kindergarten Students (US-Bildungssystem); Kindergartenerzieher; Entwicklung in der frühen Kindheit; Entwicklung im Säuglings- und Kleinkindalter; Kognitive Entwicklung; Emotionale Entwicklung; Psychosoziale Entwicklung; Wahrnehmungsentwicklung; Motorische Entwicklung; Sprachentwicklung; Entwicklungsstufen; Entwicklungsverzögerung; Frühförderung

 weitere Schlagworte:

2008 (EBD 3-48 Monate); 2010 (EBD 48-72 Monate); 2017 (EBD 48-72 in 5., aktualisierter Auflage); Entwicklungsverlauf; Entwicklungsstörungen; ab 4 Jahre; bis 6 Jahre; 24 Aufgaben; Entwicklungsbereiche: 1 Haltungs- und Bewegungssteuerung, 2 Fein- und Visuomotorik, 3 Sprachentwicklung, 4 Kognitive Entwicklung, 5 Emotionale Entwicklung, 6 Soziale Entwicklung; Normierungs-/Untersuchungsjahr: keine Angaben
 Klassifikation:

Entwicklungstests; Kognitive Entwicklung und Wahrnehmungsentwicklung; Psychosoziale Entwicklung und Persönlichkeitsentwicklung; Gesundheitsförderung und Vorsorge
Allgemeine Entwicklungstests
1.2
 Anwendungstyp: Individual Diagnosis, Remedial Diagnosis
 Art der Publikation: Test; Test in Print (90; 911)
 Sprache: German
 Land: Germany
 Publikationsjahr: 2010
 Änderungsdatum: 201711
 info@leibniz-psychology.org | © 1996-2018 ZPID