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Fragebogen zur Erhebung sozialer Fertigkeiten in sozialen Netzwerken

 PSYNDEX Tests-Dokument: 9006573
 

F-FIN - Fragebogen zur Erhebung sozialer Fertigkeiten in sozialen Netzwerken (PSYNDEX Tests Review)

 

Questionnaire for the Identification of Social Skills in Social Networks/author

 Röhrle, B. & Bornholdt, C.
 (2012). Fragebogen zur Erhebung sozialer Fertigkeiten in sozialen Netzwerken (F-FIN). Tübingen: dgvt-Verlag.

ISBN: 9783871593673
Preis: Euro 8,80 (Heft; Stand: 2.8.2017)

 Bezugsquelle: dgvt-Verlag, Hechinger-Straße 203, D-72072 Tübingen ; E-Mail: dgvt-verlag@dgvt.de ; URL: http://www.dgvt-verlag.de/ ; Stand: 2.8.2017.
 Adresse(n): o Prof. Dr. Bernd Röhrle bei PsychAuthors: https://www.psychauthors.de/psychauthors/index.php?wahl=forschung&uwahl=psychauthors&uuwahl=p00480BR
 WWW-Informationen:
 

Abstract

Diagnostische Zielsetzung:
Mit dem F-FIN sollen individuelle soziale Fertigkeiten in sozialen Netzwerken erfasst werden, die beim Aufbau und Erhalt dauerhafter Beziehungen in Familie, Partnerschaft und Freundschaften helfen.


Aufbau:
Der F-FIN besteht aus 47 Items, die fünf Skalen zugeordnet werden können: (1) Aufrechterhaltung familiärer Beziehungen (10 Items); (2) Abgrenzungs- und Selbstbehauptungsfähigkeit (7 Items); (3) Selbstöffnungsfähigkeit in engen Beziehungen(10 Items); (4) Aufrechterhaltung freundschaftlicher Beziehungen (6 Items); (5) Initiativen im Bekanntenkreis (14 Items). Aufgabe der Testperson ist es, ihre diesbezüglichen Fertigkeiten mit vierfach gestuften Antwortoptionen einzuschätzen (0 = "trifft gar nicht zu" bis 3 "trifft genau zu").


Grundlagen und Konstruktion:
Das Verfahren ist nach den Prinzipien der Klassischen Testtheorie konstruiert. Die Testkonstruktion erfolgte in mehreren Schritten und basiert auf den Datenerhebungen und Analysen von insgesamt acht Diplomarbeiten, die im Zeitraum zwischen 1996 und 2008 erstellt wurden. Der Itempool wurde auf der Basis einer inventarisierenden qualitativen Interviewstudie, inhaltsanalytischen Kategorisierungen und Expertenratings generiert und anschließend auf der Basis von Faktoren- und Itemanalysen in mehreren Schritten auf die Endfassung von 47 und fünf Faktoren respektive Skalen reduziert.


Empirische Prüfung und Gütekriterien:
Reliabilität: Die interne Konsistenz liegt über alle Erprobungsstichproben hinweg für die fünf Skalen zwischen Alpha = .65 und Alpha = .86, für den Gesamtfragebogen bei Alpha = .91. Die Retestreliabilität liegt nach durchschnittlich 56 Tagen (SD = 16) für die einzelnen Skalen zwischen rtt = .76 und .84 und für den Gesamtfragebogen bei rtt = .88. Die Profilreliabilität für die fünf Skalen wurde nicht berechnet.
Validität: Die faktorielle Validität wurde durch Faktorenanalysen belegt. Die Konstruktvalidität ließ sich durch Vergleiche mit anderen Instrumenten zur Erfassung der sozialen Kompetenz (SOZU-K-22, ICQ, SASS) bzw. zur Erfassung von Einsamkeit und sozialer Unsicherheit (HES, MEF, UFB) nachweisen. Der Vergleich mit Instrumenten zur Erfassung psychopathologischer Symptome (BSI, BDI, FDD, DAS) erbrachte eine nur geringe klinische Relevanz des F-FIN. Die kriterienbezogene Validität, überprüft anhand der quantitativen Selbsteinschätzung eigener Alltagskontakte, erwies sich erwartungsgemäß und in Übereinstimmung mit anderen Befunden als gering.
Normen: Normwerte liegen nicht vor. Es können jedoch Mittelwerte und Standardabweichungen verschiedener klinischer und nicht klinischer Stichproben sowie Gesamtwerte über alle Stichproben als Vergleichswerte herangezogen werden. Die Vergleichswerte wurden im Zeitraum zwischen 1997 und 2008 erhoben.

 

Testkonzept

 

Theoretischer Hintergrund

Soziale Fertigkeiten sind wichtige persönliche Ressourcen, die nicht nur dabei helfen, flüchtige soziale Kontakte mit Fremden befriedigend zu gestalten. Sie sind ebenfalls wichtig, um dauerhafte soziale Beziehungen in Familie, Partnerschaft oder Freundschaften aufzubauen und zu erhalten. Eine gute soziale Einbindung lässt sich als ein wichtiger Gesundheitsfaktor sehen, umgekehrt werden fehlende oder beeinträchtigte soziale Fertigkeiten mit einer Vielzahl von Risiken und Störungen wie Depression, Persönlichkeitsstörungen, Essstörungen oder Einsamkeit in Zusammenhang gebracht. Das Training sozialer Kompetenzen ist dementsprechend Teil der Therapie sehr unterschiedlicher psychischer Probleme und Störungen und lässt sich als ein wichtiges Element der allgemeinen Gesundheitsvorsorge sehen (zusammenfassend Röhrle & Bornholdt, 2011, S. 394).
Mit dem Fragebogen zur Erhebung sozialer Fertigkeiten in sozialen Netzwerken (F-FIN; Röhrle & Bornholdt, 2012) sollen solche Ressourcen erfasst werden, die dauerhafte soziale Beziehungen aufbauen und erhalten helfen. Erfragt werden die Selbsteinschätzungen von Netzwerkkompetenzen, im Alltagssprachgebrauch auch als "Verwandtschaftspflege" oder "gemeinsamer Hintergrund" bezeichnet, in unterschiedlichen Beziehungstypen (Familie/Verwandte, Freunde, Arbeit/Ausbildung, Bekannte). Damit unterscheidet sich der F-FIN von ähnlichen Instrumenten zur Messung sozialer Kompetenzen im deutschsprachigen Raum, die eher auf flüchtige soziale Kontakte mit Fremden konzentriert sind (Röhrle & Bornholdt, 2012, S. 10 f.).
Dem Netzwerksektoren-Modell von Pfingsten (2000) folgend gehen die Autoren davon aus, dass soziale Kompetenzen bereichs- und beziehungsspezifisch ausgebildet sind. Dementsprechend sind für die Bewertung von sozialem Verhalten der Beziehungskontext, die Art der Beziehung zum sozialen Gegenüber und die Dauer der Begegnung zu berücksichtigen. So kann ein Verhalten, das in einer kurzfristigen anonymen Begegnung als selbstsicher respektive kompetent gewertet wird, in einer dauerhaften sozialen Beziehungssituation als schädlich und inkompetent erscheinen (Burleson & Samter, 1994; Hogg & Heller, 1990).
 

Testaufbau

Der Fragebogen besteht aus 47 Items, die fünf Skalen sozialer Kompetenzen zugeordnet sind. Aufgabe der Testperson ist es, ihre eigenen Fertigkeiten in unterschiedlichen sozialen Netzwerkkonstellationen einzuschätzen. Die Antwortmöglichkeiten sind vierfach gestuft von 0 = "trifft gar nicht zu" bis 3 "trifft genau zu". Die fünf Skalen repräsentieren zugleich unterschiedliche Sektoren sozialer Netzwerke (Röhrle & Bornholdt, 2012, S. 18 f.):
(1) Aufrechterhaltung familiärer Bindungen (10 Items; Pflege und Aufrechterhaltung emotionaler Bindung innerhalb der Familie sowie Kontaktinitiative und Gestaltung der familiären Kohäsion).
(2) Abgrenzungs- und Selbstbehauptungsfähigkeit (7 Items; Fähigkeit, sich gegenüber anderen Menschen abzugrenzen; Selbstsicherheit und Selbstbehauptung).
(3) Selbstöffnungsfähigkeit in engen Beziehungen (10 Items; Fähigkeit, sich Freunden gegenüber emotional mitzuteilen und ihnen die eigenen Probleme zugänglich zu machen).
(4) Aufrechterhaltung freundschaftlicher Beziehungen (6 Items; Fertigkeiten für den langfristigen Erhalt einer Freundschaft).
(5) Initiativen im Bekanntenkreis (14 Items; Handlungen zur Entwicklung neuer Beziehungen sowie die Fähigkeit, sich in Beziehungen, die noch weniger eng sind, zu öffnen).
 

Auswertungsmodus

Für die Berechnung des individuellen Gesamtwertes werden die Rohwerte des F-FIN über alle Skalen addiert, wobei zu beachten ist, dass einige Items zuvor umgepolt werden müssen. Des Weiteren können Rohwertsummen auf Skalenebene gebildet werden, um bereichsspezifische Defizite zu analysieren. Voraussetzung dafür ist jedoch, dass maximal 1 Item unbeantwortet blieb (Röhrle & Bornholdt, 2012, S. 21). Höhere Summenwerte können als Indikatoren zufriedenstellender sozialer Fertigkeiten in sozialen Netzwerken interpretiert werden.
 

Auswertungshilfen

Die Ergebnisinterpretation erfolgt auf der Basis von Rohwertsummen, Normwerte liegen nicht vor. Für die weitere inhaltliche Interpretation können Vergleichswerte (Mittelwerte und Standardabweichungen) von sieben klinischen und nicht klinischen Stichproben herangezogen werden, die im Rahmen von Diplomarbeiten im Zeitraum zwischen 1997 und 2008 gewonnen wurden (Röhrle & Bornholdt, 2012, S. 13). Es stehen sowohl stichprobenspezifische als auch über alle Stichproben zusammengefasste Verteilungsstatistiken zur Verfügung, jeweils für den Gesamtfragebogen und aufgeschlüsselt für die fünf Skalen (S. 22).
 

Auswertungszeit

Die Auswertung kann sehr rasch durchgeführt werden, da sie nur das Umpolen einiger Items und das anschließende Aufsummieren von Punktwerten erfordert.
 

Itembeispiele

Anmerkung: Aufgeführt werden die ladungsstärksten Items je Skala; vorangestellt ist die Nummer des Items im Fragebogen.

5. Ich bin in der Lage, meiner Familie zu zeigen, wie wichtig mir ihr Trost ist (Skala "Aufrechterhaltung familiärer Bindungen"; a = .77).
18. Wenn mir ein Freund zu wenig helfen würde, würde ich das ansprechen (Skala "Abgrenzungs- und Selbstbehauptungsfähigkeit"; a = .65).
47. Ich kann gegenüber meinen Freunden meine eigene seelische Verfassung gut darstellen (Skala "Selbstöffnungsfähigkeit in engen Beziehungen"; a = .78).
28. Ich schaffe es, gemeinsame Aktivitäten mit vielen Freunden unter einen Hut zu bringen ("Aufrechterhaltung freundschaftlicher Beziehungen"; a = .68).
30. Im Bereich Arbeit/Ausbildung fällt es mir schwer, auf andere zuzugehen ("Initiativen im Bekanntenkreis"; a = .69; negative Polung).
 

Durchführung

 

Testformen

Der F-FIN kann als Einzel- oder Gruppenverfahren durchgeführt werden.
 

Altersbereiche

Spezifische Altersangaben werden nicht ausdrücklich mitgeteilt. Der Altersbereich bei den Stichproben für die Vergleichswerte liegt zwischen 15 und 80 Jahren (Röhrle & Bornholdt, 2012, S. 13).
 

Durchführungszeit

Für die Durchführung sind ca. 10-15 Minuten zu rechnen.
 

Material

Der Fragebogen mit Instruktion kann aus dem Anhang des Manuals kopiert werden. Daneben ist für die Durchführung nur ein Schreibgerät erforderlich.
 

Instruktion

Auf der ersten Seite des Fragebogens findet sich eine ausführliche Instruktion. Die Autoren empfehlen eine kurze Einführung durch den Testleiter (Aufklärung über den Untersuchungszweck, Abfrage der Teilnahmebereitschaft sowie Bitte um ehrliche Beantwortung) und anschließend das laute Vorlesen der Fragebogeninstruktion, um eine standardisierte Durchführung zu gewährleisten (Röhrle & Bornholdt, 2012, S. 20).
 

Durchführungsvoraussetzungen

Der Testleiter sollte mit den Grundsätzen der Anwendung psychodiagnostischer Verfahren vertraut sein und eine angenehme und störungsfreie Atmosphäre für die Fragebogenbearbeitung sicherstellen.
 

Testkonstruktion

Die Testentwicklung beruht auf der Klassischen Testtheorie und erfolgte in mehreren Schritten, wobei die zugehörigen Daten im Zeitraum zwischen 1996 und 2008 erhoben wurden (Röhrle & Bornholdt, 2012, S. 13-18): (1) Um eine möglichst vollständig Abbildung des Verhaltensbereiches im Sinne einer Inventarisierung zu erreichen, wurden semistrukturierte Interviews mit 31 Personen durchgeführt (n = 27 Studenten, n = 4 Personen aus der Normalbevölkerung; 20-37 Jahre; 21 Frauen, 10 Männer). Die Interviewten wurden nach ihren Zielen, Plänen und Fertigkeiten zur Pflege ihres sozialen Netzwerks befragt. Die Einleitung war: "Um ihr soziales Netzwerk ihren Bedürfnissen entsprechend zu gestalten, wählen Menschen unterschiedliche soziale Aktivitäten. Uns interessiert nun, was Sie zur Pflege Ihres sozialen Netzwerkes tun und welche Vorstellungen und Pläne Sie bezüglich der Veränderung Ihres sozialen Netzwerks haben" (S. 14).
(2) Aus diesen Interviews resultierte eine Liste von 6 564 Paraphrasen, die Handlungen, Ziele und Fertigkeiten beschreiben (z. B. "Bindung zur Familie pflegen" oder "Freundschaftsdichte erhöhen"). Diese Paraphrasen wurden im Weiteren unter drei verschiedenen Gesichtspunkten kategorisiert: (a) gemäß ihrem Handlungsbezug wurden sie fünf inhaltlichen Hauptkategorien zugeordnet ("Selbst", "Andere/r", "Selbst und andere/r", "Beziehung" und "Netzwerkteile"); (b) entsprechend den zum Ausdruck kommenden Zielen wurden sie weiterhin 15 Teilkategorien zugeordnet (z. B. "Möglichkeiten zur Selbstdarstellung", "soziale Initiative selbst ergreifen", "soziale Unterstützung geben" oder "Unterstützung suchen"); (c) durch weitere kategoriale Differenzierung wurden 62 "Kleinstkategorien" gebildet und darauf basierend 200 Rohitems für einen Itempool formuliert (S. 15).
(3) In einem weiteren Schritt wurden die Items zu sieben Skalen zusammengefasst, die die wichtigsten relationalen, strukturellen und funktionalen Merkmale des Netzwerks abdecken ("Bindung pflegen", "Größe aufrechterhalten", "Größe des Netzwerks ausbauen", "materielle und kognitive Hilfe einfordern", "emotionale Unterstützungspotenziale pflegen", "Dichte pflegen" und "eigenen sozialen Freiraum schaffen"; Röhrle & Bornholdt, 2012, S. 15).
(4) Anschließend wurden Items, die eine Einstellung abfragen, eliminiert oder umformuliert; aufgenommen bzw. beibehalten wurden Items, die Fertigkeiten oder Ausführungen beschreiben bzw. das Können und Handeln einer Person abbilden. Ergebnis dieser Revisionsstufe war eine Fassung mit 134 Items, die als Aussagen über das eigene Verhalten formuliert waren (Röhrle & Bornholdt, 2012, S. 15).
(5) Auf der Basis von Expertenratings wurden insgesamt 70 Items für eine erste Fragebogenfassung ausgewählt. Selektionskriterium war, dass die mit dem Item beschriebene Fertigkeit in der Expertensicht zum einen möglichst relevant für das zugeordnete Ziel ist und zum anderen eine gute Verständlichkeit aufwies. Im Zuge der weiteren Erprobung wurde den Items eine vierstufige, bipolare Ratingskala zugewiesen (siehe unter "Testaufbau"). Eine erste explorative Faktorenanalyse (Hauptkomponentenanalyse mit Varimaxrotation) der 70 Items erbrachte fünf Faktoren, die 37.1 % der Gesamtvarianz aufklären. Diese fünf Faktoren wurden als Skalen für die Endfassung beibehalten (siehe unter "Testaufbau").
(6) Nach Ausschluss von Items mit geringer Trennschärfe (rit < .40 oder niedrigste Trennschärfe), geringem Reliabilitätsbeitrag, Faktorladungen unter .40 sowie extremer Schwierigkeit (definiert als nicht oder zu stark besetzte Randkategorien mit n > 20) ergab sich eine Zwischenform mit 56 Items.
(7) Aufgrund zweier weiterer explorativer Faktorenanalysen und erneuter Prüfung der Itemmerkmale wurden neun weitere Items mit geringen Ladungen (a < .40) bzw. in einem Fall mit geringer Trennschärfe (rit = -.11) eliminiert, so dass die endgültige Fragebogenfassung mit 47 Items resultierte.

Als Itemkennwerte des F-FIN sind im Manual die Faktorladungen angegeben, die zwischen .28 und .78 liegen (Röhrle & Bornholdt, S. 16 f.; insgesamt 6 Items weisen eine Faktorladung unter .40 auf, was im Widerspruch zur o. g. Autorenangabe steht, wonach dies ein Ausschlusskriterium war; dieser Widerspruch wird im Manual nicht aufgeklärt). Die Interkorrelationen der fünf Skalen liegen zwischen .20 und .52 (S. 19). Die Skala "Aufrechterhaltung familiärer Beziehungen" korreliert mit den übrigen vier Skalen gering bis mittelgradig (.20 < r < .39), was die Autoren als Hinweis auf deren Unabhängigkeit sehen und als Unterstützung der theoretischen Annahme, dass soziale Fertigkeiten bereichsspezifisch sind (S. 20; siehe unter "Theoretischer Hintergrund").
 

Gütekriterien

 

Objektivität

Die standardisierten Instruktionen sichern zusammen mit der einfachen Auswertung sowohl die Durchführungs- als auch die Auswertungsobjektivität. Zur Beurteilung der Interpretationsobjektivität liegen hingegen zu wenige Informationen vor; es können jedoch Vergleichswerte als Interpretationshilfe herangezogen werden (siehe unter "Auswertungshilfen").
 

Reliabilität

Die interne Konsistenz (Cronbachs Alpha) liegt über alle Erprobungsstichproben hinweg für die fünf Skalen zwischen .65 und .86 und für den Gesamtfragebogen bei Alpha = .91 (Röhrle & Bornholdt, 2012, S. 22). Die Retestreliabilitäten nach durchschnittlich 56 Tagen (SD = 16; Minimum 30; Maximum = 95) betragen bei einer untersuchten Teilstichprobe (n = 90) für den Gesamtwert rtt =.88 und für die einzelnen Skalen zwischen rtt =.76 und rtt =.84 (S. 24). Insgesamt bewerten die Autoren die erreichten Reliabilitätskennwerte als einen positiven Beleg der Messgenauigkeit des F-FIN und als vergleichbar mit Reliabilitätswerten anderer Fragebögen zur Messung sozialer Kompetenz (S. 24). Die hohe Reliabilität des Gesamtwertes sehen sie als möglichen Hinweis auf einen zu homogenen Test, weisen jedoch gleichzeitig darauf hin, dass die mäßigen Interkorrelationen der einzelnen Skalen sowie die Validitätsbelege dafür sprechen, dass - wie mit der Testkonstruktion beabsichtigt - verschiedene Bereiche der sozialen Kompetenz erfasst werden.
Die Profilreliabilität für die fünf Skalen wurde nicht berechnet.
 

Validität

Zur Überprüfung verschiedener Aspekte der Konstruktvalidität wurde der F-FIN mit einer Reihe anderer Fragebögen zur Erhebung sozialer Verhaltensweisen verglichen. Im Rahmen unterschiedlicher Studien mit unterschiedlichen Stichproben wurden Korrelations- und Regressionsanalysen des Gesamtwertes und der Skalen des F-FIN mit den Vergleichsmaßen berechnet sowie Mittelwertunterschiede zwischen klinischen und nicht klinischen Stichproben überprüft.

Konvergente Validität. Drei Fragebögen wurden zur konvergenten Validierung des F-FIN herangezogen und erbrachten folgende Befunde (Röhrle & Bornholdt, 2012, S. 25 f.):
(1) Mit der Kurzform des Fragebogens zur Sozialen Unterstützung (SozU-K-22; Fydrich, Sommer & Brähler, 2007; siehe PSYNDEX Tests-Nr. 9002580) zeigten sich in fünf verschiedenen Stichproben (28, 38, 75, 84 und 293 Personen) mittlere bis starke Zusammenhänge des F-FIN Gesamtwertes (.44 < r < .82).
(2) Mit zwei Subskalen des Interpersonal Competence Questionnaire (ICQ; Riemann & Allgöwer, 1993) zeigten sich mittlere Zusammenhänge (ICQ-Initiierung r = .58, n = 286; ICQ-Preisgabe r = .56, n = 291).
(3) Mit der Selbstbeurteilungsskala Soziale Aktivität (SASS; Duschek, Schandry & Hege, 2003; siehe PSYNDEX Tests-Nr. 9004960) zeigte sich ein mittlerer Zusammenhang (r = .54, n = 295).

Divergente Validität. Drei Fragebögen wurden zur divergenten Validierung des F-FIN herangezogen mit folgenden Befunden:
(1) Mit der Hamburger Einsamkeitsskala (HES; Schwab, 1986; siehe PSYNDEX Tests-Nr. 9002580) zeigten sich in zwei Stichproben hohe negative Zusammenhänge des F-FIN Gesamtwertes (r = -.73, n = 75; r = -.67, n = 28).
(2) Mit dem Multidimensionalen Einsamkeitsfragebogen (MEF; Schwab, 2002; siehe PSYNDEX Tests-Nr. 9003585) zeigten sich in zwei Stichproben ebenfalls hohe bis mittlere negative Zusammenhänge (r = -.73, n = 75; r = -.63, n = 28).
(3) Mit dem Gesamtwert des Unsicherheitsfragebogens (UFB; Ullrich de Muynck & Ullrich, 1990) zeigten sich in zwei Stichproben ebenfalls mittlere negative Zusammenhänge (r = -.59, n = 84; r = -.58, n = 253).

Die insgesamt mittelstarken Zusammenhänge mit einschlägigen Verfahren zur Erhebung sozialer Kompetenzen sind für die Autoren erwartungsgemäß und ein Beleg dafür, dass der F-FIN nur zum Teil Gemeinsames mit diesen Verfahren misst. Zusammen mit den gefundenen mittelhohen negativen Zusammenhängen mit Erhebungsverfahren zur Einsamkeit und sozialen Unsicherheit sehen sie sowohl die konvergente als auch die divergente Validität des F-FIN gestützt (Röhrle & Bornholdt, 2012, S. 29).

Klinische Bedeutsamkeit. Vier verschiedene Fragebögen wurden eingesetzt, um Aspekte der klinischen Bedeutsamkeit des F-FIN zu überprüfen (Röhrle & Bornholdt, 2012, S. 25):
(1) Brief Symptom Inventory (BSI; Franke, 2000; siehe PSYNDEX Tests-Nr. 9003761);
(2) Beck-Depressions-Inventar (BDI; Kurzform nach Kammer, 1983);
(3) Fragebogen zur Depressionsdiagnostik nach DSM-IV (FDD; Kühner, 1997; siehe PSYNDEX Tests-Nr. 9002959);
(4) Skala Dysfunktionale Einstellungen (DAS; Hautzinger, Luka & Trautmann, 1985).
Geprüft wurden zum einen Zusammenhänge des F-FIN mit psychopathologischen Phänomenen, wie sie mit diesen Instrumenten erfasst werden. Auf der Ebene des F-FIN-Gesamtwertes zeigten sich in verschiedenen Stichproben insgesamt mittlere negative Zusammenhänge (zwischen r = -.32, n = 35 und r = -.63, n = 28; Röhrle & Bornholdt, 2012, S. 26); zwischen klinischen und nicht klinischen Stichproben zeigten sich bedeutsame erwartungsgemäße Mittelwertunterschiede, klinisch auffällige Personen gaben deutlich niedrigere F-FIN-Gesamtwerte an als Personen aus der Normalbevölkerung (S. 28 f.). Regressionsanalysen mit zeitversetzten Messungen des Kriteriums zeigten einen (schwachen) Vorhersagebeitrag der Skala "Selbstöffnung in Beziehungen" zu depressiven Symptomen (S. 28). Auf der Basis dieser Befunde schätzen die Autoren die klinische Relevanz des F-FIN als "noch" eingeschränkt bzw. mäßig ein (S. 30).

Kriterienbezogene Validität. Angaben von Personen (n = 336, Normalbevölkerung) zur durchschnittlichen Häufigkeit ihrer Alltagskontakte wurden mit dem F-FIN-Gesamtwert sowie mit einzelnen Skalen korreliert (Kendalls-Tau B). Die gefundenen Zusammenhänge sind sowohl auf Gesamtwert- als auch auf Skaleneben gering, die von den Autoren beispielhaft berichteten Koeffizienten bewegen sich zwischen .09 und .22 (Röhrle & Bornholdt, 2012, S. 27). Dieses Ergebnis sei aber erwartungskonform und entspreche vielen weiteren Befunden, die ebenfalls nur schwache Zusammenhänge zwischen quantitativen und subjektiv wertenden Angaben zu sozialen Interaktionen finden, so die Autoren (S. 27).
 

Normierung

Eine Normierung wurde nicht durchgeführt. Als Vergleichswerte können Mittelwerte und Standardabweichungen von sieben klinischen und nicht klinischen Stichproben sowie Gesamtwerte über alle Stichproben hinweg herangezogen werden, jeweils für den Gesamtfragebogen und für die fünf Skalen, die im Rahmen von Diplomarbeiten im Zeitraum zwischen 1997 und 2008 gewonnen wurden (Röhrle & Bornholdt, 2012, S. 22).
 

Anwendungsmöglichkeiten

Das Verfahren kann sowohl in klinischen als auch in außerklinischen Bereichen eingesetzt werden. Die Autoren sehen den F-FIN aber vor allem als geeignetes Instrument, um damit klinische Fragestellungen und insbesondere netzwerkorientierte Interventionsprogramme diagnostisch vorzubereiten und im Verlauf zu evaluieren (Röhrle & Bornholdt, 2012, S. 31). Der F-FIN kann auch für Forschungszwecke eingesetzt werden, bei denen die Erhebung individueller Fertigkeiten zum Erhalt und zur Pflege des persönlichen sozialen Netzwerkes von Interesse ist.
 

Bewertung

Der F-FIN ist ein sorgsam konstruiertes Verfahren, das mit überschaubarem Aufwand die Messung sozialer Fertigkeiten zur Pflege familiärer und freundschaftlicher Beziehungen erlaubt - einer wichtigen Facette der sozialen Kompetenz. Es eignet sich dementsprechend gut als Forschungsinstrument für Fragestellungen, die sich mit sozialen Fertigkeiten in komplexen und dauerhaften Netzwerken befassen (Netzwerkkompetenz). Da soziale Fertigkeiten eine wichtige Basis für das Wohlbefinden und die psychische Gesundheit sind, ist das Verfahren auch für gesundheitspsychologische Fragestellungen interessant. Für individualdiagnostische Fragestellungen liefert der F-FIN beim bisherigen Entwicklungsstand eher ergänzende Informationen mit heuristischer Qualität, da bislang keine Normen vorliegen - hier sehen auch die Autoren selbst noch Entwicklungsbedarf. Wünschenswert bei einer künftigen Normierung wären Differenzierungen nach Geschlecht und Bildungsgrad, da sich beide Faktoren in einzelnen Erprobungsstudien als relevant erwiesen hatten (Röhrle & Bornholdt, 2012, S. 20). Auch wären bei Überarbeitungen der Dokumentation Fallbeispiele, die Angabe von Itemkennwerten und Konfidenzintervallen wünschenswert. Wenngleich der Nutzen des F-FIN in der klinischen Individualdiagnostik noch eher eingeschränkt ist, so kann er nach vorliegender Auffassung in der psychosozialen Beratung durchaus eine wertvolle Hilfe für die Reflexion des Selbstbildes sozialer Netzwerkfertigkeiten sein, im Idealfall ergänzt um korrespondierende Fremdeinschätzungen.
Dass der Fragebogen mit Instruktion allerdings aus dem Anhang des Manuals kopiert werden muss, ist umständlich und nicht mehr zeitgemäß.
 

Literatur

  • Burleson, B. R. & Samter, W. (1994). A social-skills approach to relationship maintenance. How individual differences in communication skills affect the achievement of relationship functions. In D. J. Canary & L. Staford (Eds.), Communication and relational maintenance (pp. 61-90). San Diego, CA: Academic Press.
  • Duschek, S., Schandry, R. & Hege, B. (2003). SASS. Soziale Aktivität Selbstbeurteilungs-Skala. Diagnostik sozialer Funktionsfähigkeit bei depressiven Störungen. Göttingen: Beltz.
  • Franke, G. H. (2000). Brief Symptom Inventory von L.R. Derogatis (Kurzform der SCL-90-R) - Deutsche Version. Göttingen: Beltz.
  • Fydrich, T., Sommer, G. & Brähler, E. (2007). F-SozU. Fragebogen zur sozialen Unterstützung. Göttingen: Hogrefe.
  • Hautzinger, M., Luka, U. & Trautmann, R. D. (1985). Skala dysfunktionaler Einstellungen. Eine deutsche Version der Dysfunctional Attitude Scale. Diagnostica, 31 (4), 312-323.
  • Hogg, J. R. & Heller, K. (1990). A measure of relational competence for community-dwelling of elderly. Psychology of Aging, 5, 580-588.
  • Kammer, D. (1983). Eine Untersuchung der psychometrischen Eigenschaften des deutschen Beck-Depressionsinventars (BDI). Diagnostica, 29 (1), 48-60.
  • Kühner, C. (1997). Fragebogen zur Depressionsdiagnostik nach DSM-IV (FDD-DSM-IV). Göttingen: Hogrefe.
  • Pfingsten, U. (2000). Training sozialer Kompetenz. In J. Margraf (Hrsg.), Lehrbuch der Verhaltenstherapie Band 1: Grundlagen, Diagnostik, Verfahren, Rahmenbedingungen (S. 473-480). Heidelberg: Springer.
  • Riemann, R. & Allgöwer, A. (1993). Eine deutschsprachige Fassung des "Interpersonal Competence Questionnaire" (ICQ). Zeitschrift für Differentielle und Diagnostische Psychologie, 14 (3), 153-163.
  • Röhrle, B. & Bornholdt, C. (2011). Ein Fragebogen zur Erhebung sozialer Fertigkeiten in sozialen Netzwerken (F-FIN). Klinische Diagnostik und Evaluation, 4 (4), 393-416. -PSYNDEX-Lit Dok.-Nr. 0252416
  • Röhrle, B. & Bornholdt, C. (2012). Fragebogen zur Erhebung sozialer Fertigkeiten in sozialen Netzwerken (F-FIN). Tübingen: dgvt-Verlag.
  • Schwab, R. (1986). Zur Messung und klinisch-psychologischen Bedeutung von Einsamkeit: Eine deutschsprachige Version der "Rev. UCLA Loneliness Scale" von Russell, Peplau und Cutrona (1980). In A. Schorr (Hrsg.), Bericht über den 13. Kongress für Angewandte Psychologie (Band II, S. 75-79). Bonn: Deutscher Psychologen Verlag.
  • Schwab, R. (2002). MEF. Multidimensionaler Einsamkeitsfragebogen. In E. Brähler, J. Schumacher & B. Strauß (Hrsg.), Diagnostische Verfahren in der Psychotherapie (S. 245-247). Göttingen: Hogrefe.
  • Ullrich, R. & Ullrich de Muynck, R. (1990). Der Unsicherheitsfragebogen. Testmanual und Anleitung. München: Pfeiffer.

 APA-Schlagworte/PSYNDEX Terms:

Classical Test Theory; Questionnaires; Rating Scales; Attitude Measures; Personality Measures; Clinical Psychology; Psychotherapy; Family Relations; Friendship; Social Interaction; Social Networks; Social Support

Klassische Testtheorie; Fragebögen; Rating-Skalen; Einstellungstests; Persönlichkeitstests; Klinische Psychologie; Psychotherapie; Familienbeziehungen; Freundschaft; Soziale Interaktion; Soziale Netzwerke; Soziale Unterstützung

 weitere Schlagworte:

2011 (F-FIN); Klinische Verlaufsevaluation; Kommunikationskompetenz; Netzwerkkkompetenz; Soziale Fertigkeiten; Soziale Netzwerke; 47 Items; Skalen: 1 Aufrechterhaltung familiärer Bindungen, 2 Abgrenzungs- und Selbstbehauptungsfähigkeit, 3 Selbstöffnungsfähigkeit in engen Beziehungen, 4 Aufrechterhaltung freundschaftlicher Beziehungen, 5 Initiativen im Bekanntenkreis; Normierungs-/Untersuchungsjahr: 2008; Stichprobe(n): 31+84+336+79+30+39+30+101
 Klassifikation:

Gesundheitspsychologische Tests; Kommunikationssysteme; Soziale Wahrnehmung und soziale Kognition; Gesundheitsförderung und Vorsorge
Verfahren zur Erfassung des sozialen Netzwerks und der sozialen Unterstützung
11.18
 Anwendungstyp: Individual Diagnosis
 Art der Publikation: Test; Other Publication (90; 922)
 Sprache: German
 Land: Germany
 Publikationsjahr: 2012
 Änderungsdatum: 201708
 info@leibniz-psychology.org | © 1996-2018 ZPID