0001info@zpid.de | © 1996-2016 ZPID

 

 



 Vollansicht des PSYNDEX Tests-Dokuments:
Post-Traumatic Embitterment Disorder Selbstbeurteilungsfragebogen (PSYNDEX Tests Review)

 PSYNDEX Tests-Dokument: 9006580
 

PTED Skala - Post-Traumatic Embitterment Disorder Selbstbeurteilungsfragebogen (PSYNDEX Tests Review)

 

Post-Traumatic Embitterment Disorder Self-Rating Scale (PTED Scale)/author
Synonym(e): PTED-Skala

 Linden, M., Baumann, K., Lieberei, B. & Rotter, M.
 (2009). The Post-Traumatic Embitterment Disorder Self-Rating Scale (PTED Scale). Clinical Psychology and Psychotherapy, 16 (2), 139-147.

Online im Internet: https://www.zpid.de/index.php?wahl=products&uwahl=frei&uuwahl=testarchiveintro

 Bezugsquelle: Das Verfahren ist im "Elektronischen Testarchiv" des ZPID enthalten und steht unter der "Creative Commons Namensnennung-NichtKommerziell-KeineBearbeitung 3.0 Unported (CC BY-NC-ND 3.0)"-Lizenz (http://creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/3.0/deed.de); es kann für nichtkommerzielle Forschungs- und Unterrichtszwecke kostenlos eingesetzt werden. ; URL: https://www.zpid.de/index.php?wahl=products&uwahl=frei&uuwahl=userlog ; Stand: 1.5.2016.
Anmerkung: Das Verfahren ist zudem unter "Items" aufgeführt.
 Adresse(n): o Prof. Dr. Michael Linden, Leiter der Forschungsgruppe Psychosomatische Rehabilitation, Rehabilitationszentrum Seehof der Deutschen Rentenversicherung, Lichterfelder Allee 55, D-14513 Teltow ; E-Mail: michael.linden@charite.de ; URL: http://fpr.charite.de/kontakt/ ; Stand: 21.1.2015
o Marie Dietz, Forschungsgruppe Psychosomatische Rehabilitation, Rehabilitationszentrum Seehof der Deutschen Rentenversicherung, Lichterfelder Allee 55, D-14513 Teltow ; E-Mail: marie.dietz@charite.de ; Stand: 28.1.2013
 

Abstract

Diagnostische Zielsetzung:
Der Post-Traumatic Embitterment Disorder Selbstbeurteilungsfragebogen (PTED Skala) fragt nach anhaltenden und beeinträchtigenden Verbitterungsreaktionen in der Folgezeit von negativen Lebensereignissen.


Aufbau:
Der PTED-Selbstbeurteilungsbogen beinhaltet 19 Items zur Erfassung der Funktionen von Verbitterungsreaktionen auf negative Lebensereignisse. Der Fragebogen wird von den Patienten selbst ausgefüllt und beginnt mit der Zeile "In den vergangenen Jahren hatte ich ein einschneidendes Lebensereignis zu verkraften, ..." und ist gefolgt von 19 individuellen Aussagen (zu beantworten auf einer 5-Punkte-Skala: 0 trifft nicht zu, 1 trifft kaum zu, 2 trifft teilweise zu, 3 trifft zu, 4 trifft voll zu). Ein Durchschnittswert von > = 2.5 deutet eine klinisch signifikante Intensität von reaktiver Verbitterung an.


Grundlagen und Konstruktion:
Die PTED Skala wurde vier unabhängigen Stichproben von Patienten und Kontrollpersonen zur Bearbeitung vorgegeben. Interne Konsistenz und Test-Retestreliabilität waren hoch. Eine Faktorenanalyse deutete eine Zweifaktorenlösung an, die 55.25% der totalen Varianz erklärte.


Empirische Prüfung und Gütekriterien:
Die PTED-Skala unterschied signifikant zwischen Patienten, die laut klinischer Einschätzung unter pathologischer Verbitterung litten. Korrelationen mit verwandten Instrumenten zeigten eine gute konvergente Validität auf. Die Daten von der nicht-klinischen Stichprobe zeigten eine Prävalenz von klinisch relevanter Verbitterung in der allgemeinen Population in Höhe von 2.5%. Die PTED Skala erlaubt eine reliable und valide Messung von Verbitterung als eine emotionale Reaktion auf ein negatives Lebensereignis. Außerdem zeigen die Resultate, dass reaktive Verbitterung im Zusammenhang mit einem negativen Lebensereignis ein verbreitetes Phänomen unter klinischen und nicht-klinischen Populationen darstellt.

 

Testkonzept

 

Theoretischer Hintergrund

Negative Lebensereignisse können sehr verschiedene psychologische Reaktionen hervorrufen, die von guter Bewältigung zu Angst, Depression oder Post-traumatischen Stress-(PTSD)-Erkrankungen reichen können (Bale, 2006; Boelen & Lensvelt-Mulders, 2005; Mancini & Bonanno, 2006; Mol et al., 2005; Viinameaki, Koskela, Niskanen, & Taehkae, 1994). Eine Antwort darauf kann Verbitterung sein, ein Gefühl, das die meisten Menschen kennen. Wie Angst, Depression oder Stressreaktionen kann das Gefühl der Verbitterung pathologisch werden, wenn sich dessen Intensität verstärkt und Gefühle von Hilflosigkeit, dysphorische Stimmung, aufdringliche Gedanken, Aggression, suizidale Gedanken, Zurückziehen von Anderen, phobisches Vermeiden von Plätzen oder Personen auftreten, die an das negative Ereignis erinnern oder mit somatischen Beschwerden einhergehen (Hauer, Wessel, & Merckelbach, 2006).
Linden, Baumann, Lieberei und Rotter (2009) beschrieben und fassten dieses klinische Syndrom als "Post-traumatische Verbitterungsstörung" (engl. Post-traumatic embitterment disorder, PTED) zusammen (Linden, 2003; Linden, Baumann, Lieberei & Rotter, 2009; Linden, Baumann, Rotter & Schippan, 2007a, 2007b). PTED wird als ein Subtyp der Anpassungsstörung und als eine Reaktion auf ein schwerwiegendes, doch normales negatives Erlebnis gesehen, wie bspw. Arbeitslosigkeit, Scheidung oder Tod einer geliebten Person.
Die häufige Gemeinsamkeit solcher Ereignisse ist, dass sie als unberechtigt und ungerecht erlebt werden und dass sie Grundüberzeugungen (Beck, Rush, Shaw & Emery, 1979; Janoff-Bulman, 1992) oder überbewertete Schemata verletzen (Dalgleish, 2004; Dalgleish & Power, 2004).
Der pathogene Mechanismus von PTED liegt nicht den Eigenschaften des Ereignisses zugrunde, sondern tritt bei einem Match zwischen Vorstellung und Wertesystem des Patienten einerseits und der Verletzung dieser Vorstellungen durch das negative Ereignis andererseits auf. PTED ist, wie PTSD, nicht durch ein bestimmtes stressvolles Lebensereignis, sondern durch verschiedene psychologische Prozesse (Erfahrungen von Ungerechtigkeit und Demütigung) und von einem schweren spezifischen psychopathologischen Profil (Verbitterung) charakterisiert. Linden et al. (2009) beschrieben als Erste ein Instrument, das nach Verbitterung und assoziierten psychologischen Symptomen in Reaktion auf ein stressvolles Lebensereignis fragt, nämlich den PTED Selbstbeurteilungsbogen.
 

Testaufbau

Der PTED Selbstbeurteilungsbogen liegt im Paper-Pencil-Format vor und beinhaltet 19 Items zur Erfassung der Funktionen von Verbitterungsreaktionen auf negative Lebensereignisse.
Der Fragebogen wird von den Patienten selbst ausgefüllt und beginnt mit der Zeile "In den vergangenen Jahren hatte ich ein einschneidendes Lebensereignis zu verkraften, ..." und ist gefolgt von 19 individuellen Aussagen. Der Teilnehmer wird gebeten, diese durch eine 5-Punkte-Skala zu bewerten (0 trifft nicht zu, 1 trifft kaum zu, 2 trifft teilweise zu, 3 trifft zu, 4 trifft voll zu) und kein Item auszulassen. Ein totaler Durchschnittswert von > = 2.5 auf der PTED Skala deutet eine klinisch signifikante Intensität von reaktiver Verbitterung an.
 

Auswertungsmodus

Für die Auswertung werden die den Antworten zugeordneten Punktescores aufaddiert und durch die Zahl der Items geteilt.
 

Auswertungshilfen

Besondere Auswertungshilfen sind nicht notwendig.
 

Auswertungszeit

Die Auswertung beansprucht pro Fragebogen nur wenige Minuten.
 

Itembeispiele

In den vergangenen Jahren hatte ich ein einschneidendes Lebensereignis zu verkraften, ...
(0 trifft nicht zu, 1 trifft kaum zu, 2 trifft teilweise zu, 3 trifft zu, 4 trifft voll zu)
1. das mich äußerst gekränkt oder verbittert hat.
2. wodurch sich meine psychische Befindlichkeit deutlich und bis heute negativ verändert hat.
 

Alle Items

In den vergangenen Jahren hatte ich ein einschneidendes Lebensereignis zu verkraften, ...
(0 trifft nicht zu, 1 trifft kaum zu, 2 trifft teilweise zu, 3 trifft zu, 4 trifft voll zu)
1. das mich äußerst gekränkt oder verbittert hat.
2. wodurch sich meine psychische Befindlichkeit deutlich und bis heute negativ verändert hat.
3. das aus meiner Sicht äußerst ungerecht oder nicht fair war.
4. an das ich immer wieder denken muss.
5. das mich heftig aufregt, wenn ich daran erinnert werde.
6. das in mir Gedanken an Rache auslöst.
7. wegen dem ich mir Vorwürfe mache und ärgerlich auf mich selbst bin.
8. weswegen ich häufiger das Gefühl habe, dass es keinen Sinn macht, Dinge anzupacken und sich anzustrengen.
9. durch das meine Stimmung häufig niedergeschlagen und gedrückt ist.
10. das dazu geführt hat, dass ich mich in allgemein schlechter körperlicher Verfassung fühle.
11. weswegen ich bestimmte Orte oder Personen meide, um nicht daran erinnert zu werden.
12. dem gegenüber ich mich ohnmächtig und hilflos ausgeliefert fühle.
13. das in mir Gefühle der Genugtuung auslöst, beim Gedanken, der Verursacher würde einmal Ähnliches erleiden.
14. das dazu geführt hat, dass meine Kraft und mein Antrieb reduziert und nicht mehr wie früher sind.
15. das dazu geführt hat, dass ich gereizter bin als früher.
16. weshalb ich mich ablenken muss, wenn ich vorübergehend eine normale und ausgeglichene Stimmung erleben will.
17. das dazu geführt hat, dass ich meinen beruflichen und/oder familiären Aktivitäten nicht mehr wie früher nachgehe.
18. das dazu geführt hat, dass ich mich von Freunden und geselligen Aktivitäten zurückgezogen habe.
19. zu dem sich mir immer wieder belastende Erinnerungen aufdrängen.
 

Durchführung

 

Testformen

Das Verfahren kann als Einzel- oder Gruppentest durchgeführt werden. Neben der deutschen Fassung der PTED Selbstbeurteilungsskala gibt es Übersetzungen in Türkisch, Koreanisch, Kroatisch und Englisch. Die deutsche Version verfügt außerdem über ein diagnostisches Interview.
 

Altersbereiche

Das Verfahren ist konzipiert für Erwachsene ab 18 Jahren.
 

Durchführungszeit

Die Durchführung inklusive Instruktionszeit beansprucht nur wenige Minuten.
 

Material

Fragebogen und Schreibgerät.
 

Instruktion

Dem Fragebogen ist eine Kürzestinstruktion vorangestellt: "In den vergangenen Jahren hatte ich ein einschneidendes Lebensereignis zu verkraften, ..."
 

Durchführungsvoraussetzungen

Spezifische Anforderungen an den Testleiter werden nicht gestellt.
 

Testkonstruktion

Um die Häufigkeit und Intensität von Verbitterung zu überprüfen, wurde die PTED Skala an vier unabhängige Stichproben gegeben: eine stationäre PTED-Gruppe (n = 49) mit einer angepassten Kontrollgruppe (n = 48), ausgewählt durch ein klinisches Interview in der Heinrich-Heine-Klinik Potsdam; eine Gruppe von unselektierten stationären Patienten "UI" (n = 100), die an anderen psychischen Krankheiten litten; eine Gruppe von Patienten, die in einer normalen Praxis behandelt wurden "GP" (n = 221) und einer Bahnstichprobe "TS" (n = 158). Die TS-Stichprobe beinhaltet eine Gruppe von zufällig ausgewählten Personen, die in einem öffentlichen Zug reisten, und wird als eine Schätzung von Verbitterung in der allgemeinen Bevölkerung verwendet. Hier erinnerten sich 34.8% an ein zeitnahes Erlebnis, das Gefühle der Verbitterung hervorrief; 2.5% hatten ein Ergebnis von 2 oder höher auf der PTED Skala, was auf eine PTED-Erkrankung hindeutet.
 

Gütekriterien

 

Objektivität

Aufgrund der Fragebogenform, der standardisierten Vorgehensweise und der schriftlichen Instruktion kann das Verfahren Objektivität hinsichtlich seiner Durchführung und Auswertung in Anspruch nehmen.
 

Reliabilität

Die Reliabilität der PTED Skala wurde durch Messung der internen Konsistenz ermittelt. Außerdem wurde eine Test-Retestberechnung mit der UI-Stichprobe ausgeführt. Der Alpha-Koeffizient betrug .93 und weist auf eine hohe interne Konsistenz hin. Die Spearman rho-Korrelation betrug .71 für den Gesamtwert, mit einer Reichweite von .53-.86 für individuelle Items. Dies spricht für eine gute Test-Retest-Reliabilität der PTED Skala.
 

Validität

Die Validität des Tests wurde durch eine Diskriminanzanalyse der PTED-Stichprobe und der Kontrollgruppe getestet. Eine Chi-Quadrat-Transformation von Wilks Lambda zeigte, dass die beiden Gruppen einen signifikanten Unterschied aufwiesen (Chi-Quadrat = 76.94, p < 0.001). Es wurden 44 von den 49 Patienten aus der PTED-Gruppe und 4 der 48 Patienten aus der Kontrollgruppe anhand der Skala mit PTED diagnostiziert. Dies weist auf eine Sensitivität der Skala von 89.8% und eine Spezifität von 91.7% hin. Im Allgemeinen war die vorhergesagte Klassifikation der PTED-Skala in Übereinstimmung mit der klinischen Diagnose.
Die Diskriminanzfunktion zeigte einen totalen Durchschnittswert von 1.6 als den kritischen Wert zwischen den beiden Gruppen an. Hinsichtlich der klinischen Anwendbarkeit und um die Spezifität zu erhöhen, wird ein Durchschnittswert von 2.5 auf der Skala als Cut-off-Wert empfohlen. Ein Wert von > = 2.5 zeigt eine klinisch signifikante Intensität von reaktiver Verbitterung an.
Es wurden durchgängig moderate bis hohe Korrelationen für jedes Item gefunden. Besonders hohe Korrelationen wurden für Items gefunden, die nach aufdringlichen Erinnerungen (Items 5, 19 und 4), nach Gefühlen von Entmachtung, Hilflosigkeit und Ungerechtigkeit (Items 12, 8, 3) und nach Verschlechterung des Gemütszustands und Gefühllosigkeit (Items 9, 15, 16) fragen. Diese Resultate spiegeln die drei charakteristischen Merkmale der PTED-Symptomatik wider:
- die zentrale Rolle von negativen Lebensereignissen, welche häufig schmerzhafte und aufdringliche Erinnerungen hervorrufen;
- das Gefühl von Hilflosigkeit und Ungerechtigkeit, verursacht durch das Ereignis;
- die resultierende Verschlechterung des psychologischen Wohlbefindens.
Die konvergente Validität der PTED Skala wurde durch einen Vergleich mit der Bern Embitterment Scale (BVI; Znoj, 2009), einer modifizierten Version der Impact of Event Scale (IES-R; Maercker & Schützwohl, 1998) und der Symptom Checkliste SCL-90-R (Derogatis, 1977; deutsche Fassung Franke, 1995) an der PTED- und der Kontrollgruppe getestet. Die PTED Skala korrelierte signifikant (p < 0.001) mit der IES-Skala (r = .76) und der Bern Embitterment Scale (r = .67). Außerdem wurden signifikante Korrelationen zwischen der PTED Skala und globalen Kennwerten der SCL-90-R gefunden. Die PTED Skala korrelierte mit dem GSI (Global Severity Index, misst die grundsätzliche psychische Belastung) (r = .57), dem PST (Positive Symptom Total, erfasst die Anzahl der Symptome, bei denen eine Belastung vorliegt) (r = .53) und mit der SCL Depression Skala (r = .52). Dies spricht für eine gute konvergente Validität.
Eine explorative Hauptkomponentenanalyse mit allen Items der PTED Skala wurde von der UI-Stichprobe aufgenommen, um die faktorielle Struktur zu ermitteln. Die Anzahl der zu extrahierenden Faktoren wurde durch die "scree plot method" (Cattell, 1966) ermittelt. Zwei Faktoren bildeten sich heraus, die 55.25% der totalen Varianz aufklärten. Faktor 1 wurde von Items definiert, die nach psychologischem Status und sozialer Funktionsfähigkeit fragen. Faktor 2 beinhaltet Items, die nach emotionaler Reaktion auf ein Ereignis und nach Gedanken von Rache fragen. Diese Faktorenlösung beinhaltet die zwei Kerndimensionen von reaktiver Verbitterung: die pathologisch emotionale Reaktion gefolgt von einem negativen Ereignis und der resultierenden Beeinträchtigung der Befindlichkeit und sozialer Funktionen (Linden, Rotter, Baumann & Lieberei, 2007). Deshalb scheint es angemessen, dass die Schwere der reaktiven Verbitterung und die Symptomatik von PTED durch einen Totalwert der Skala evaluiert werden.
 

Normierung

Eine Normierung wurde nicht durchgeführt.
 

Anwendungsmöglichkeiten

Der Post-Traumatic Embitterment Disorder Selbstbeurteilungsfragebogen (PTED Skala) fragt nach anhaltenden und beeinträchtigenden Verbitterungsreaktionen in der Folgezeit von negativen Lebensereignissen.
 

Bewertung

Verbitterung ist eine Emotion, die wahrscheinlich jedermann bekannt ist. Die Daten von Linden et al. (2009) lassen vermuten, dass ein Drittel der allgemeinen Bevölkerung sich an Gefühle von Verbitterung erinnern und bei einem Viertel dies in intensiverer Art auftritt (PTED-Totalwert > 1). Jedoch wurden nur 2-3% mit einer Form von reaktiver Verbitterung mit einer klinisch relevanten Intensität gefunden. Demnach sollte Verbitterung als ein dimensionales Phänomen verstanden werden, ähnlich wie Angst oder depressive Stimmung.
Die PTED-Skala ist ein Instrument, das für eine Klassifizierung von reaktiver Verbitterung und dessen Schwere verwendet werden kann. Basierend auf den Resultaten der UI- und GP-Stichproben kann angenommen werden, dass manche Fälle, die als Depression oder Phobie diagnostiziert wurden, eigentlich Fälle von PTED sind (Power & Tarsia, 2007). Die PTED-Skala kann in solchen Fällen Ärzte auf diese speziellen Aspekte der Krankheit aufmerksam machen und entsprechende Konsequenzen für die Behandlung nach sich ziehen (Linden, Baumann, & Schippan, 2006; Linden, Rotter et al., 2007; Schippan, Baumann, & Linden, 2004). Die Daten lassen vermuten, dass ein durchschnittlicher Totalwert von > = 2.5 auf der PTED Skala eine klinisch signifikante Intensität von reaktiver Verbitterung andeutet.
Die interne Konsistenz und die Test-Retest-Reliabilität waren hoch. Die Konstruktvalidität der Skala wurde durch das Level der Übereinstimmung (90.7%) mit klinischen Beurteilungen dargestellt. Die konvergente Validität wurde durch signifikante Korrelationen mit der Bern Embitterment Scale, der IES und der SCL-90-R gezeigt.
Bei der Interpretation der Studie sollte berücksichtigt werden, dass die Daten mit zwei unterschiedlichen Versionen der PTED Skala (17- und 19-Item-Versionen) erhoben wurden. Die Instruktionen in jeder Stichprobe waren standardisiert und jeder Proband unterschrieb eine Einwilligungserklärung. Jedoch wurden an die PTED- und die GP-Gruppe eine 17-Item Version gegeben, von der später aus Gründen der Übersichtlichkeit zwei Items in jeweils zwei Items aufgeteilt wurden. Dies resultierte in einer Version von 19 Items, die an die UI- und GP- Stichprobe gegeben wurde. Dies könnte eine Limitation der Studie sein, obwohl es unwahrscheinlich ist, dass dadurch die Resultate beeinflusst wurden.
 

Literatur

  • Bale, T.L. (2006). Stress sensitivity and the development of affective disorders. Hormones and Behavior, 50, 529-533.
  • Beck, A.T., Rush, A.J., Shaw, B. & Emery, G. (1979). Cognitive therapy of depression. New York: Guilford Press.
  • Boelen, P.A. & Lensvelt-Mulders, G.J.M.L. (2005). Psychometric properties of the grief cognition questionnaire. Journal of Psychopathology and Behavioral Assessment, 27, 291-303.
  • Cattell, R.B. (1966). The scree test for the number of factors. Multivariate Behavioral Research, 1, 245-276.
  • Dalgleish, T. (2004). Cognitive approaches to posttraumatic stress disorder: The evolution of multirepresentational theorizing. Psychological Bulletin, 130, 228-260.
  • Dalgleish, T. & Power, M.J. (2004). Emotion-specific and emotion-non-specific components of posttraumatic stress disorder (PTSD): Implications for a taxonomy of related psychopathology. Behaviour Research and Therapy, 42, 1069-1088.
  • Derogatis, L.R. (1977). SCL-90-R, administration, scoring and procedures manual-I for the r(evised) version. Baltimore: John Hopkins University School of Medicine.
  • Franke, G.H. (1995). SCL-90-R. Die Symptom-Checkliste von Derogatis - Deutsche Version. Weinheim: Beltz.
  • Hauer, B.J.A., Wessel, I., & Merckelbach, H. (2006). Intrusions, avoidance and overgeneral memory in nonclinical sample. Clinical Psychology and Psychotherapy, 13, 264-268.
  • Janoff-Bulman, R. (1992). Shattered assumptions: Towards a new psychology of trauma. New York: Free Press.
  • Linden, M. (2003). The Posttraumatic Embitterment Disorder. Psychotherapy and Psychosomatics, 72, 195-202.
  • Linden, M., Baumann, K., Lieberei, B. & Rotter, M. (2009). The Post-Traumatic Embitterment Disorder Self-Rating Scale (PTED Scale). Clinical Psychology and Psychotherapy, 16, 139-147.
  • Linden, M., Baumann, K., Rotter, M. & Schippan, B. (2007a). The psychopathology of posttraumatic embitterment disorders (PTED). Psychopathology, 40, 159-165.
  • Linden, M., Baumann, K., Rotter, M. & Schippan, B. (2007b). Posttraumatic embitterment disorder (PTED) in comparison to other mental disorders. Psychotherapy and Psychosomatics, 77, 50- 56.
  • Linden, M., Baumann, K. & Schippan, B. (2006). Weisheitstherapie. Kognitive Therapie der Posttraumatischen Verbitterungsstörung. In A. Maercker & R. Rosner (Hrsg.), Psychotherapie der posttraumatischen Belastungsstörungen. Krankheitsmodelle und Therapiepraxis - störungsspezifisch und schulenübergreifend (S. 208-227). Stuttgart: Thieme.
  • Linden, M., Rotter, M., Baumann, K. & Lieberei, B. (2007). Posttraumatic embitterment disorder. Toronto: Hogrefe and Huber.
  • Maercker, A. & Schützwohl, M. (1998). Erfassung von psychischen Belastungsfolgen: Die Impact of Event Skala - revidierte Version (IES-R). Diagnostica, 44, 130-141.
  • Mancini, A.D. & Bonanno, G.A. (2006). Resilience in the face of potential trauma: Clinical practices and illustrations. Journal of Clinical Psychology, 62, 971-985.
  • Mol, S.S.L., Arntz, A., Metsemakers, J.F.M., Dinant, G.-J., Vilters-Van Montfort, P.A.P. & Knottnerus, J.A. (2005). Symptoms of post-traumatic stress disorder after non-traumatic events: Evidence from an open population study. British Journal of Psychiatry, 186, 494-499.
  • Power, M.J. & Tarsia, M. (2007). Basic and complex emotions in depression and anxiety. Clinical Psychology and Psychotherapy, 14, 19-31.
  • Schippan, B., Baumann, K. & Linden, M. (2004). Weisheitstherapie - kognitive Therapie der posttraumatischen Verbitterungsstörung. Verhaltenstherapie, 14, 284-293.
  • Viinameaki, H., Koskela, K., Niskanen, L. & Taehkae, V. (1994). Mental adaptation to unemployment. European Journal of Psychiatry, 8, 243-252.
  • Znoj, H. (2008). BVI. Berner Verbitterungs-Inventar. Bern: Huber.
 
 Marie Dietz (28.01.2013)
 APA-Schlagworte/PSYNDEX Terms:

Classical Test Theory; Questionnaires; Rating Scales; Screening Tests; Personality Measures; Clinical Psychology; Emotional Trauma; Emotional Adjustment; Pessimism; Dissatisfaction; Posttraumatic Stress Disorder; Stress Reactions

Klassische Testtheorie; Fragebögen; Rating-Skalen; Screening Tests; Persönlichkeitstests; Klinische Psychologie; Emotionales Trauma; Emotionale Bewältigung; Pessimismus; Unzufriedenheit; Posttraumatische Belastungsstörung; Stressreaktionen

 weitere Schlagworte:

2009; Open Access; Verbitterungsreaktionen auf negative Lebensereignisse; 19 Items; Faktoren: 1 Psychologischer Status und soziale Funktionsfähigkeit, 2 Emotionale Reaktion auf ein Ereignis und Gedanken von Rache; PTED-Symptomatik: 1 Zentrale Rolle von negativen Lebensereignissen, 2 Gefühle von Hilflosigkeit und Ungerechtigkeit, verursacht durch das Ereignis, 3 Verschlechterung des psychologischen Wohlbefindens
 Klassifikation:

Klinische Psychodiagnostik; Persönlichkeitseigenschaften und Persönlichkeitsprozesse; Neurosen und Angststörungen
Sonstige Verfahren im Bereich der Klinischen Psychologie
11.99
 Anwendungstyp: Research (Tests)
 Art der Publikation: Test; Electronic Resources (90; 94)
 Sprache: German
 Übersetzungen: English, Korean, Portuguese, Serbo-Croatian (Roman), Turkish
 Land: Germany
 Publikationsjahr: 2009
 Änderungsdatum: 201304
 info@zpid.de | © 1996-2016 ZPID