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Vienna Frailty Questionnaire for Persons with Intellectual Disabilities - Revised - deutsche Fassung (PSYNDEX Tests Review)

 PSYNDEX Tests-Dokument: 9006699
 

VFQ-ID-R - Vienna Frailty Questionnaire for Persons with Intellectual Disabilities - Revised - deutsche Fassung (PSYNDEX Tests Review)

 

Vienna Frailty Questionnaire for Persons with Intellectual Disabilities - Revised (VFQ-ID-R; Brehmer-Rinderer, Zeilinger, Radaljevic & Weber, 2013)/author
Synonym(e): Gebrechlichkeitsfragebogen für erwachsene Menschen mit intellektueller Behinderung

 Brehmer-Rinderer, B., Zeitlinger, E.L. & Weber, G.
 (2009). Vienna Frailty Questionnaire for Persons with Intellectual Disabilities - Revised. Gebrechlichkeitsfragebogen für erwachsene Menschen mit intellektueller Behinderung [Fragebogen]. Wien: Universität Wien, Forschungsplattform Human Rights in the European Context.

Online im Internet: https://www.zpid.de/index.php?wahl=products&uwahl=frei&uuwahl=testarchiveintro

 Bezugsquelle: Das Verfahren ist im "Elektronischen Testarchiv" des ZPID enthalten und steht unter der "Creative Commons Namensnennung-NichtKommerziell-KeineBearbeitung 3.0 Unported (CC BY-NC-ND 3.0)"-Lizenz (http://creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/3.0/deed.de); es kann für nichtkommerzielle Forschungs- und Unterrichtszwecke kostenlos eingesetzt werden. ; URL: https://www.zpid.de/index.php?wahl=products&uwahl=frei&uuwahl=userlog ; Stand: 1.5.2016.
 Adresse(n): o Mag. phil. Barbara Brehmer-Rinderer, Universität Wien , Forschungsplattform Human Rights in the European Context, Liebiggasse 5, A-1010 Wien, Österreich ; E-Mail: barbara.brehmer@univie.ac.at ; URL: https://human-rights.univie.ac.at/forschungsplattform-2008-2014/initiativkolleg-empowerment-through-human-rights/fellows/barbara-brehmer-rinderer/ ; Stand: 30.8.2016
o Mag. Elisabeth Zeilinger, Universität Wien, Institut für Psychologische Grundlagenforschung und Forschungsmethoden, Liebiggasse 5, A-1010 Wien, Österreich ; E-Mail: elisabeth.zeilinger@univie.ac.at ; URL: http://online.univie.ac.at/pers?zuname=Zeilinger%2CElisabeth ; Stand: 30.01.2014
o Univ.-Prof. Dr. Germain Weber, Universität Wien, Institut für Angewandte Psychologie: Gesundheit, Entwicklung und Förderung, Liebiggasse 5, A-1010 Wien, Österreich ; E-Mail: germain.weber@univie.ac.at ; URL: http://ppcms.univie.ac.at/index.php?id=2902 ; Stand: 30.01.2014
 

Abstract

Diagnostische Zielsetzung:
Mithilfe des VFQ-ID-R kann Gebrechlichkeit bei erwachsenen Personen mit intellektueller Behinderung erfasst werden. Gebrechlichkeit wird hier im Sinne von Veränderungen altersspezifischer Einschränkungen und nicht nur als die bloße Existenz bestimmter Symptome verstanden. Da weiterhin auf die Einbindung objektiver Performanzmaße verzichtet wurde und die Items darüber hinaus von den Betroffenen selbst beurteilt werden können, kann die Testdurchführung auch durch Nicht-Fachpersonal stattfinden.


Aufbau:
Die insgesamt 34 Items des Fragebogens können folgenden vier Bereichen zugeordnet werden: a) Soziales Leben, b) Körperliches Befinden, c) Kognitive Aufgaben und d) Psychisches Befinden. Die Items werden hinsichtlich des aktuellen Status, etwaiger Veränderungen und ggf. des Zeitraums, innerhalb dessen diese Veränderungen stattgefunden haben, beantwortet. Hierzu werden sowohl freie Antworten als auch drei- und vierfach gestufte Likert-Skalen verwendet.


Grundlagen und Konstruktion:
Vor dem Hintergrund der von Fried (1994) formulierten Gebrechlichkeitsmerkmale sowie des von Rockwood und Kollegen (1994, 2000) vorgeschlagenen multisystemischen Modells wurden die Items des VFQ-ID aus aktuellen Forschungsarbeiten generiert und von 42 Experten beurteilt. Zur Verbesserung der Verständlichkeit der Items wurden diese im Rahmen der revidierten Fragebogenversion von drei Personen mit intellektueller Behinderung bewertet und anschließend von den Testautoren u.a. im Hinblick auf deren psychometrische Kennwerte selektiert.


Empirische Prüfung und Gütekriterien:
Reliabilität: Die interne Konsistenz des VFQ-ID-R betrug für den gesamten Fragebogen Alpha = .74, für die Skala Körperliches Befinden Alpha = .75, für die Skala Psychisches Befinden Alpha = .57, für die Skala Soziales Leben Alpha = .47 und für die Skala Kognitive Aufgaben Alpha = .41. Der Median der für alle 34 Items berechneten Retestreliabilität nach vier Wochen (n = 17) erzielte einen Kennwert in Höhe von rtt = .79.
Validität: Die Inhaltsvalidität des Verfahrens ist aufgrund des Konstruktionsprozesses gegeben. Dessen vierfaktorielle Faktorenstruktur wurde anhand einer Hauptkomponentenanalyse mit Varimax-Rotation bestätigt, wobei eine Varianzaufklärung in Höhe von 64.33% erzielt werden konnte. Die mit den Schätzungen für die Normalbevölkerung ab 65 Jahren übereinstimmenden Prävalenzraten in Höhe von 17.7% sprechen weiterhin für die Konstruktvalidität des Fragebogens. Normen: Derzeit liegt noch keine Normierung vor.

 

Testkonzept

 

Theoretischer Hintergrund

Im Einklang mit der zugleich schrumpfenden und alternden Bevölkerungsentwicklung vieler westlicher Industrieländer rücken gerontologische und geriatrische Themenfelder vermehrt in den Fokus von Öffentlichkeit und Forschung. Vor diesem Hintergrund gewinnt u.a. auch das Gebrechlichkeitssyndrom zunehmend an Bedeutung: So leben gebrechliche Personen oft mit einem erhöhten Risiko negativer gesundheitlicher Auswirkungen (z.B. erhöhte Sterblichkeit und erhöhtes Sturzrisiko) und nehmen Angebote des Gesundheitssystems überproportional häufig in Anspruch (vgl. Brehmer & Weber, 2010). Ungeachtet der hohen gesundheitspolitischen Bedeutung von Gebrechlichkeit existieren bislang weder eine offizielle Definition noch ein allgemein anerkanntes Verfahren zu dessen Erfassung (Hogan, MacKnight & Bergman, 2003; Lacas & Rockwood, 2012; Rockwood, 2005).
Mit dem vorliegenden Vienna Frailty Questionnaire for Persons with Intellectual Disabilities - Revised (VFQ-ID-R; Brehmer-Rinderer, Zeilinger, Radaljevic & Weber, 2013) soll Gebrechlichkeit bei erwachsenen Personen mit intellektueller Behinderung erfasst werden. Im Unterschied zur Normalbevölkerung verfügen Personen mit intellektueller Behinderung meist über störungsspezifische Einschränkungen, die leicht mit dem Gebrechlichkeitssyndrom verwechselt werden können (Brehmer-Rinderer et al., 2013). Zur validen Messung von Gebrechlichkeit ist die Konstruktion eines für diese Personengruppe spezifischen Fragebogens dementsprechend wichtig.
Bei der Testkonstruktion stützten sich Brehmer und Weber (2010) auf die von Fried (1994) formulierten Merkmale sowie das von Rockwood und Kollegen (1994, 2000) vorgeschlagene multisystemische Modell der Gebrechlichkeit. Dabei sollten einerseits Veränderungen altersspezifischer Einschränkungen introspektiv erfasst werden können, d.h. von den Betroffenen selbst beurteilt werden. Andererseits sollte durch den Verzicht auf objektive Performanzmaße aber auch die Möglichkeit bestehen, das Verfahren nicht nur durch Fachpersonal durchführen zu lassen.
 

Testaufbau

Der VFQ-ID-R besteht aus insgesamt 34 Items, die den vier Bereichen a) Soziales Leben (11 Items), b) Körperliches Befinden (12 Items), c) Kognitive Aufgaben (5 Items) und d) Psychisches Befinden (6 Items) zugeordnet werden können. Zu jedem Item werden der aktuelle Status, etwaige Veränderungen und ggf. der Zeitraum, innerhalb dessen diese Veränderungen aufgetreten sind, erfasst. Hierzu werden sowohl freie Antworten als auch drei- und vierfach gestufte Likert-Skalen verwendet (vgl. hierzu die Itembeispiele).
 

Auswertungsmodus

Der Fragebogen gibt den Blick frei auf negative Veränderungen im Status der Person bzw. auf die Bereiche im Leben der Person, die derzeit störungsfrei verlaufen. Wird der Fragebogen in einem regelmäßigen Zeitabstand (z.B. alle 3 Monate) durchgeführt, kann so ein Verlauf strukturiert beobachtet und erfasst werden.
 

Auswertungshilfen

Es sind keine Auswertungshilfen notwendig.
 

Auswertungszeit

Je nach Anwendungsgrund (z.B. nur Blick auf negative Veränderungen, Forschungszweck) kann die Auswertungszeit zwischen 5 und 20 Minuten dauern.
 

Itembeispiele

Anmerkung: Angegeben sind diejenigen Items mit der höchsten Trennschärfe.
Skala Soziales Leben (SW2): "Wie viele Stunden arbeiten Sie pro Woche?" - 1. Status, 2. Veränderung (0 = Mehr Arbeitsstunden, 1 = Weniger Arbeitsstunden, 2 = Nein, keine Veränderung), 3. "Seit wann hat sich ... verändert?" (rit = .36)
Skala Körperliches Befinden (PHY4): Balance/Gleichgewicht halten - 1. Status (0 = Gut, 1 = Schlecht, 2 = Weder noch), 2. Veränderung (0 = Verbessert, 1 = Verschlechtert, 2 = Keine Veränderung), 3. "Seit wann hat sich ... verändert?" (rit = .57)
Skala Kognitive Aufgaben (IADL3): Einkaufen - 1. Status (0 = Allein möglich, 1 = Benötigt etwas Hilfe, 2 = Benötigt viel Unterstützung/wird von jemandem erledigt), 2. Veränderung (0 = Nein, 1 = Ja, verbessert, 2 = Ja, verschlechtert), 3. "Seit wann hat sich ... verändert?" (rit = .37)
Skala Psychisches Befinden (PSY6): "Haben Sie andere seelische/psychische Probleme?" - 1. Status (0 = Nein, 1 = Ja), 2. "Seit wann hat sich ... verändert (Zeitrahmen ..., 0 = war schon immer so)?" (rit = .32)
 

Durchführung

 

Testformen

Der Fragebogen wird als Individualtest in Form eines strukturierten Interviews entweder mit der betroffenen Person mit Behinderung oder ihrer Bezugsperson durchgeführt. Neben der deutschsprachigen liegt eine ins Englische übersetzte Testversion vor.
 

Altersbereiche

Der Fragebogen eignet sich für erwachsene Personen ab 18 Jahren. Eine obere Altersgrenze ist nicht gegeben.
 

Durchführungszeit

Je nach sprachlichem Verständnis der Testperson liegt die Durchführungszeit zwischen 10 und 25 Minuten bei einer Selbsteinschätzung. Im Falle von Fremdeinschätzungen, d.h. wenn Bezugspersonen Auskunft erteilen, liegt die Bearbeitungszeit bei rund 15 Minuten.
 

Material

Das Testmaterial besteht lediglich aus dem Fragebogen. Für die Protokollierung der Antworten ist zusätzlich ein Stift notwendig.
 

Instruktion

Die Instruktionen erfolgen standardisiert und sind auf dem Fragebogen abgedruckt. Sie werden zusammen mit den einzelnen Items vom Testleiter wortwörtlich vorgelesen und können bei Bedarf (z.B. wenn eine Frage nicht verstanden wurde) umformuliert werden. Dabei kann die Beantwortung der Items durch gezieltes Nachfragen erleichtert bzw. vervollständigt werden.
 

Durchführungsvoraussetzungen

Alle Items des VFQ-ID-R können von der befragten Person selbst beantwortet werden. Diese muss dementsprechend sowohl physiologisch als auch kognitiv in der Lage sein, die Fragen verbal zu beantworten. Um die Testdurchführung dabei mit einer möglichst geringen Belastung zu verbinden, sollte die befragte Person jederzeit selbstbestimmte Pausen einlegen können. Im Falle einer Fremdeinschätzung werden alle Items von einer Bezugsperson beantwortet.
Die Testdurchführung sollte in einem möglichst ruhigen Raum stattfinden, welcher ausreichend Platz für alle Beteiligten (Interviewer, befragte Person und ggf. Begleitperson) bieten sollte. Vor der Durchführung des Interviews sollte sich der Testleiter hinreichend mit den Spezifika der Testdurchführung und -auswertung bekannt gemacht und im Idealfall eine entsprechende Schulung durchlaufen haben. In diesem Fall kann die Testdurchführung durchaus auch durch Studierende oder psychologische Hilfskräfte erfolgen. Die Interpretation und Kommunikation der Ergebnisse sollte jedoch (psychologischen) Fachkräften oder Personen mit vergleichbarer Qualifikation vorbehalten sein.
 

Testkonstruktion

Die Testkonstruktion des VFQ-ID-R erfolgte in mehreren Schritten: Für die ursprüngliche Version des Fragebogens (VFQ-ID) wurden auf der Basis geeigneter Forschungsarbeiten zunächst 67 Items generiert und den Bereichen a) körperlich, b) psychisch, c) kognitiv und d) sozial zugeordnet. Sowohl die Items als auch die gewählten Kategorien wurden anschließend von 42 Experten u.a. aus den Bereichen Geriatrie und Klinische Psychologie im Hinblick auf ihre Bedeutsamkeit für den Beginn und die Entwicklung von Gebrechlichkeit beurteilt. Der auf dieser Grundlage entstandene VFQ-ID umfasste die vier Subskalen a) Körperliches Befinden (16 Items), b) Psychisches Befinden (6 Items), c) Kognitive Aufgaben (7 Items) und d) Soziales Leben (4 Items).
Im Unterschied zu der ursprünglichen Fragebogenversion sollten die Items der revidierten Fassung nur von den befragten Personen selbst beantwortet werden können. Dementsprechend mussten die Itemformulierungen vereinfacht und ggf. inhaltlich angepasst werden. Darüber hinaus musste der gesamte Fragebogen umstrukturiert werden. Anders als noch beim VFQ-ID sollte der VFQ-ID-R nicht mehr Bestandteil einer umfangreicheren Studie (in diesem Fall war es das EU-Projekt POMONA II; Perry et al., 2010) sein, sondern sollte als eigenständiges Instrument fungieren.
Vor diesem Hintergrund wurde die veränderte Fragebogenversion zunächst durch drei Personen mit intellektueller Behinderung ("self-advocates") im Hinblick auf die Verständlichkeit der Items und anschließend durch die Testautoren im Hinblick auf forschungsbezogene Bedeutsamkeit und psychometrische Kennwerte beurteilt. Bei unveränderter Skalenstruktur umfasst die auf diese Weise revidierte Form des VFQ-ID nun 34 Items.
 

Gütekriterien

 

Objektivität

Die Durchführungsobjektivität ist aufgrund der standardisierten Instruktionen sowie der auf dem Fragebogen abgedruckten Hinweise zum Umgang mit kritischen Items gegeben. Diesbezüglich untermauern die im Rahmen der Validierungsstudie berechneten Interraterreliabilitäten Notwendigkeit und Nutzen einer im Vorfeld stattfindenden Interviewerschulung. So betrug der Median der Kennwerte aller Items AC1 = 1.00, was auf eine perfekte Beobachterübereinstimmung schließen lässt (zur Berechnung von Interraterreliabilitäten mithilfe des AC1-Koeffizienten vgl. Gwet, 2008). Indes liegen zur Bewertung der Auswertungs- und Interpretationsobjektivität zu wenige Angaben vor.
 

Reliabilität

Die Reliabilität des VFQ-ID-R wurde in Form interner Konsistenzen (Cronbachs Alpha) und Retestreliabilitäten (Spearmans Rho; Retest-Zeitraum: vier Wochen) untersucht. Für den gesamten Fragebogen betrug die interne Konsistenz Alpha = .74, für die Skala Körperliches Befinden Alpha = .75, für die Skala Psychisches Befinden Alpha = .57, für die Skala Soziales Leben Alpha = .47 und für die Skala Kognitive Aufgaben Alpha = .41. Der Median der für alle 34 Items berechneten Retestreliabilität (n = 17) erzielte einen Kennwert in Höhe von rtt = .79.
 

Validität

Inhaltsvalidität:
Zur Sicherstellung eines ausreichenden Maßes an Inhaltsvalidität wurden bei der Generierung und Überarbeitung der einzelnen Items mehrere Beurteilerperspektiven berücksichtigt. So wurden zunächst die 67, in Übereinstimmung mit der Forschungsliteratur gewonnenen Items der ursprünglichen Fragebogenversion von 42 Experten aus verschiedenen Bereichen der Medizin, Psychologie und Erziehungswissenschaften im Hinblick auf deren Bedeutsamkeit für Beginn und Entwicklung von Gebrechlichkeit beurteilt. Da sich bei der psychometrischen Auswertung des VFQ-ID jedoch deutliche Unterschiede zwischen den Antwortenden (betroffene vs. betreuende Personen) zeigten, sollte die revidierte Testversion im besten Fall von den Betroffenen selbst beantwortet werden - ist jedoch ihre verbale Sprache beeinträchtigt, können die Fragen auch durch eine Bezugsperson beantwortet werden. Dementsprechend wurden die 44 überarbeiteten und neu hinzugefügten Items der revidierten Fragebogenversion nun durch drei Personen mit intellektueller Behinderung ("self-advocates") hinsichtlich Inhalt und Formulierung beurteilt.
Konstruktvalidität:
Zur Überprüfung der Faktorenstruktur des Fragebogens wurde eine Hauptkomponentenanalyse (HCA) mit Varimaxrotation durchgeführt. Es resultierte zunächst eine 12-Faktorenlösung, woraufhin 19 Items mit einer Ladung < .30 entfernt und die HCA erneut berechnet wurde. Hierbei ergaben sich nun erwartungskonform vier Faktoren mit einer Varianzaufklärung von 64.33%.
Um darüber hinaus die Eignung des Fragebogens zur Feststellung von Gebrechlichkeit (altersbedingter Veränderungen) bei Personen mit intellektueller Behinderung zu prüfen, wurden die mithilfe des VFQ-ID-R bestimmten Prävalenzraten mit denen in der Literatur beschriebenen verglichen. Hierbei konnten in Übereinstimmung mit der für die Normalbevölkerung ab 65 Jahren geschätzten Prävalenzrate von 10-25% (Ostir, Ottenbacher & Markides, 2004), 17.7% der Validierungsstichprobe (N = 147; Geschlecht: weiblich = 69, männlich = 78; Alter: Range = 20-72, M = 43) als gebrechlich diagnostiziert werden.
 

Normierung

Derzeit (Januar 2014) liegt noch keine Normierung vor.
 

Anwendungsmöglichkeiten

Mithilfe des VFQ-ID-R kann Gebrechlichkeit bei erwachsenen Personen mit intellektueller Behinderung erfasst werden. Gebrechlichkeit wird hier im Sinne von Veränderungen altersspezifischer Einschränkungen und nicht nur als die bloße Existenz bestimmter Symptome verstanden. Der VFQ-ID-R kann sowohl in der klinischen Anwendungspraxis (z.B. zur Behandlungsplanung) als auch in forschungsbezogenen Kontexten angewandt werden. Da nicht nur das bloße Vorliegen spezifischer Defizite, sondern insbesondere deren zeitliche Veränderung erfasst wird, kann er sowohl bei Personen mit intellektueller Behinderung als auch bei allen anderen Personengruppen eingesetzt werden.
 

Bewertung

Mit dem Vienna Frailty Questionnaire for Persons with Intellectual Disabilities - Revised (VFQ-ID-R; Brehmer-Rinderer et al., 2013) liegt erstmals ein deutschsprachiges Verfahren zur Erfassung von Gebrechlichkeit bei Personen mit intellektueller Behinderung vor. Zusammen mit der verständlichen Itemformulierung und einfachen Testdurchführung gewährleistet der veränderungsorientierte Fokus des Fragebogens ein praktikables und breit einsetzbares Verfahren.
Obwohl es sich beim VFQ-ID-R um einen in Interviewform darzubietenden Fragebogen handelt, ist dessen Durchführungsobjektivität außerordentlich gut. Dabei weisen die nahezu perfekten Interraterreliabilitäten auf Notwendigkeit und Nutzen einer der Testdurchführung vorangehenden Interviewschulung hin. Darüber hinaus liegen die internen Konsistenzen für die beiden wichtigsten, nicht jedoch für die anderen Skalen, in einem akzeptablen Bereich. Die bis zum gegenwärtigen Zeitpunkt (Januar 2014) durchgeführten Untersuchungen sprechen für die Konstruktvalidität des Verfahrens. Für diesbezüglich fundiertere Aussagen sind jedoch weitere Studien notwendig.
Unklar bleibt, weshalb die Retestreliabilität nur in Form des Medians angegeben und keine skalenspezifischen Kennwerte berechnet wurden. Ferner sind die Trennschärfen der einzelnen Items (mit Ausnahme der Skala Körperliches Befinden) mit rit < .30 häufig unbefriedigend. Letztlich sollten insbesondere vor dem Hintergrund des praxisbezogenen Einsatzes die derzeit noch fehlenden Normwerte innerhalb der nächsten Jahre zur Verfügung gestellt werden.
 

Literatur

  • Brehmer, B. & Weber, G. (2010). Frailty vs. disability distinctions in people with intellectual disabilities. Journal of Policy and Practice in Intellectual Disabilities, 7 (1), 49-58. -PSYNDEX-Lit Dok.-Nr. 0233716
  • Brehmer-Rinderer, B., Zeilinger, E.L., Radaljevic, A. & Weber, G. (2013). The Vienna Frailty Questionnaire for Persons with Intellectual Disabilities - Revised. Research in Developmental Disabilities, 34, 1958-1965.
  • Fried, L.P. (1994). Frailty. In W. Hazzard, J. Ouslander, J. Blass, J. Halter & M. Tinetti (Eds.), Principles of geriatric medicine and gerontology (3rd ed., pp. 1149-1155). New York: McGraw-Hill.
  • Gwet, K.L. (2008). Computing inter-rater reliability and its variance in the presence of high agreement. British Journal of Mathematical & Statistical Psychology, 61, 29-48.
  • Hogan, D.B., MacKnight, C. & Bergman, H. (2003). Models, definitions, and criteria of frailty. Aging Clinical and Experimental Research, 15, 1-29.
  • Lacas, A. & Rockwood, K. (2012). Frailty in primary care: A review of its conceptualization and implications for practice. BMC Medicine, 10, 4.
  • Ostir, G.V., Ottenbacher, K.J. & Markides, K.S. (2004). Onset of frailty in older adults and the protective role of positive affect. Psychology and Aging, 19, 402-408.
  • Perry, J., Linehan, C., Kerr, M., Salvador-Carulla, L., Zeilinger, E., Weber, G., et al. (2010). The P15 - a multinational assessment battery for collecting data on health indicators relevant to adults with intellectual disabilities. Journal of Intellectual Disability Research, 54, 981-991.
  • Rockwood, K. (2005). Frailty and its definition: A worthy challenge. Journal of the American Geriatrics Society, 53, 1069-1070.
  • Rockwood, K., Fox, R.A., Stolee, P., Robertson, D. & Beattie, B.L. (1994). Frailty in elderly people: An evolving concept. Canadian Medical Association Journal, 150, 489-495.
  • Rockwood, K., Hogan, D.B. & MacKnight, C. (2000). Conceptualization and measurement of frailty in elderly people. Drugs and Aging, 17, 295-302.
 
 Jennifer Schroth (21.01.2014)
 APA-Schlagworte/PSYNDEX Terms:

Classical Test Theory; Questionnaires; Interviews; Rating Scales; Self-Evaluation; Gerontology; Clinical Psychology; Social Mobility; Social Interaction; Health Impairments; Physical Disorders; Cognitive Ability; Mental Health

Klassische Testtheorie; Fragebögen; Interviews; Rating-Skalen; Selbsteinschätzung; Gerontologie; Klinische Psychologie; Soziale Mobilität; Soziale Interaktion; Gesundheitliche Beeinträchtigungen; Körperliche Krankheiten; Kognitive Fähigkeiten; Psychische Gesundheit

 weitere Schlagworte:

2013 (VFQ-ID-R); Open Access; Personen mit geistiger Behinderung; Gebrechlichkeit; Fremdbeurteilung; 34 Items; Bereiche: 1 Soziales Leben, 2 Körperliches Befinden, 3 Kognitive Aufgaben, 4 Psychisches Befinden; Normierungsjahr: keine Angaben
 Klassifikation:

Gesundheitspsychologische Tests; Kognitive Prozesse; Gerontologie; Physische und psychosomatische Störungen
Gerontologische Verfahren; Gesundheitspsychologische und Verhaltensmedizinische Verfahren
1.10; 11.25
 Anwendungstyp: Research (Tests), Clinical Diagnosis
 Art der Publikation: Test; Electronic Resources (90; 94)
 Sprache: German
 Übersetzungen: English
 Land: Austria
 Publikationsjahr: 2009
 Änderungsdatum: 201401
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