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Multidimensionales Zwangsstörungsinventar

 PSYNDEX Tests-Dokument: 9006718
 

MZI - Multidimensionales Zwangsstörungsinventar (PSYNDEX Tests Review)

 

Vancouver Obsessional-Compulsive Inventory (VOCI; Thordarson, D. S., Radomsky, A. S., Rachman, S., Shafran, R., Sawchuck, C. N. & Hakstian, A. R., 2004) - German revision/author
Synonym(e): VOCI-R - Vancouver Obsessional Compulsive Inventory - Revised

 Gönner, S., Ecker, W., Leonhart, R. & Limbacher, K.
 (2016). MZI. Multidimensionales Zwangsstörungsinventar. Deutsche Revision des Vancouver Obsessional-Compulsive Inventory [Testbox mit Manual, 10 Fragebögen, 10 Auswertungsbögen und Schablonensatz]. Göttingen: Hogrefe.

Preis: 89,00 Euro (Test komplett; Stand: 23.3.2017)

 Bezugsquelle: Testzentrale Hogrefe Verlag GmbH & Co. KG, Herbert-Quandt-Straße 4, D-37081 Göttingen ; E-Mail: testzentrale@hogrefe.de ; URL: http://www.testzentrale.de/ ; Stand: 1.5.2016.
 Adresse(n): o Prof. Dr. Willi Ecker, Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg, Arbeitseinheit Klinische Psychologie und Psychotherapie, Hauptstraße 47-51, D-69117 Heidelberg ; E-Mail: sekretariat-klips@psychologie.uni-heidelberg.de ; URL: http://lsf.uni-heidelberg.de/qisserver/rds?state=verpublish&status=init&vmfile=no&moduleCall=webInfo&publishConfFile=webInfoPerson&publishSubDir=personal&keep=y&purge=y&personal.pid=17985 ; Stand: 14.07.2016
o Dr. Sascha Gönner bei PsychAuthors: https://www.zpid.de/psychauthors/index.php?wahl=forschung&uwahl=psychauthors&uuwahl=p06955SG
o Dr. Rainer Leonhart bei PsychAuthors: https://www.zpid.de/psychauthors/index.php?wahl=forschung&uwahl=psychauthors&uuwahl=p00382RL
o Dr. med. Klaus Limbacher, AHG Klinik für Psychosomatik Bad Dürkheim, Kurbrunnenstraße 12, D-67098 Bad Dürkheim ; E-Mail: duerkheim@ahg.de ; URL: http://www.depressionsliga.de/unser-angebot/kliniken-details.html?art=5423&search= ; Stand: 18.04.2016
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Abstract

Diagnostische Zielsetzung:
Das MZI ist ein Screeninginstrument zur Erfassung der Schwere von Zwangssymptomen und kann als Einzel- oder Gruppentest im Rahmen der klinischen Praxis und Forschung eingesetzt werden.


Aufbau:
Der Fragebogen besteht aus insgesamt 30 Items. Jeweils sechs Items erfassen die fünf Skalen (1) Kontaminationsbefürchtungen/Waschzwänge, (2) Kontrollzwänge, (3) Zwangsgedanken (unmoralische Zwangsgedanken und aggressive Zwangsgedanken), (4) Zwanghaftes Horten und (5) Symmetrie/Ordnungszwänge. Die Items sind auf einer fünfstufigen Likertskala von 0 = "gar nicht" bis 4 = "sehr stark" zu beantworten.


Grundlagen und Konstruktion:
Aufgrund der Uneinigkeit über die Symptomstruktur der Zwangsstörung wurden bei der Entwicklung des MZI die sechs am häufigsten identifizierten Dimensionen aus zahlreichen faktorenanalytischen Untersuchungen herangezogen. Auf Grundlage des VOCI sowie einiger Items des SOAQ wurde der Itempool für das MZI erstellt. Die Items wurden den sechs postulierten Dimensionen zugeordnet. Unter Berücksichtigung inhaltlich-theoretischer Aspekte und psychometrischer Kennwerte wurden 39 Items eliminiert und die verbleibenden 36 Items in die Analysen eingeschlossen. Das postulierte Sechsfaktorenmodell konnte mittels einer konfirmatorischen Faktorenanalyse bestätigt werden. Aufgrund der hohen Korrelation zwischen den Dimensionen "Aggressive/schädigende Zwangsgedanken" und "Unmoralische Zwangsgedanken", wurde ein übergeordneter Faktor "Zwangsgedanken" für diese beiden Dimensionen gebildet. Die Anzahl der Items wurde auf 30 reduziert, um eine gleiche Itemanzahl pro Dimension zu erhalten. Durch die Eliminierung der sechs Items konnte der Modellfit verbessert werden.


Empirische Prüfung und Gütekriterien:
Reliabilität: Die interne Konsistenz der Gesamtskala liegt bei Cronbachs Alpha > = .90 in den klinischen Stichproben (n = 228 Zwangspatienten, n = 302 Patienten mit Angst- und/oder depressiven Störungen) und Alpha = .86 in der nicht-klinischen Stichprobe (n = 320). Die interne Konsistenz der einzelnen Skalen variiert zwischen Alpha = .73 bis Alpha = .95 in den klinischen Stichproben. In der gesunden Stichprobe fällt die interne Konsistenz der Skalen mit Werten von Alpha = .68 bis Alpha = .86 etwas geringer aus. Für die Retestreliabilität an einer gemischten klinischen Stichprobe (n = 32) mit einem durchschnittlichen Testintervall von neun Tagen wurden Werte von rtt = .94 für die Gesamtskala und Werte zwischen rtt= .70 und rtt = .93 für die einzelnen Skalen ermittelt.
Validität: Die Konstruktvalidität wird gestützt durch signifikante Zusammenhänge in Höhe von r = .73 bis r = .88 zu anderen Verfahren, welche die Zwangssymptomatik mehrdimensional erfassen. Zu Verfahren, welche Angstsymptome, depressive Symptome, pathologische Besorgnis, Zwangshaftigkeit oder Perfektionismus erfassen, zeigten sich Korrelationen mit dem MZI-Gesamtwert in Höhe von r = .22 bis r = .41. Weitere Befunde zeigen, dass das MZI mit einer hohen Genauigkeit zwischen Zwangspatienten und Patienten mit Angst- und/oder depressiven Störungen bzw. gesunden Personen unterscheiden kann. Darüber hinaus konnte die Änderungssensitivität des Verfahrens anhand einer Therapiestudie bei stationären Patienten mit einer Zwangsstörung (n = 88) bestätigt werden.
Normen: Die Normierung fand an einer Stichprobe von n = 162 Zwangspatienten mit einem Altersdurchschnitt von 36 Jahren statt. Die Daten wurden in der Fachklinik Bad Dürkheim sowie einer ambulanten Schwerpunktpraxis erhoben, in denen sich die Patienten in der stationären oder ambulanten Behandlung befanden. Daneben wurde eine nicht-klinische Stichprobe von n = 320 Personen über eine Online-Studie der Universität Freiburg untersucht. Es liegen Normwerte in Form von Prozenträngen für die Gesamtskala und die einzelnen Skalen vor. Das Normierungsjahr wird nicht genannt.

 

Testkonzept

 

Theoretischer Hintergrund

Das Multidimensionale Zwangsstörungsinventar (MZI; Gönner, Ecker, Leonhart & Limbacher, 2016) ist ein Selbstbeurteilungsverfahren zur Erfassung der Ausprägung von Zwangssymptomen. Es stellt die deutsche Revision des Vancouver Obsessional-Compulsive Inventory (VOCI; Thordarson et al., 2004) dar.
Mit einer 12-Monats-Prävalenz von 3.8% zählt die Zwangsstörung zu den häufigsten psychischen Erkrankungen in Deutschland (Jacobi et al., 2014). Betroffene leiden meist stark unter den Konsequenzen der Erkrankung, wie Einschränkungen in der Leistung und der Beziehungsgestaltung zur Familie und dem sozialen Umfeld. Häufig treten Depression und Angststörungen komorbid auf (Antony, Downie & Swinson, 1998; Brown, Campbell, Lehman, Grisham & Mancill, 2001). Eine zuverlässige Differentialdiagnostik der Zwangsstörung ist daher unabdingbar.
Nach den etablierten diagnostischen Klassifikationssystemen ICD-10 (Dilling, Mombour & Schmidt, 2013) und DSM-5 (American Psychiatric Association, 2015) bilden Zwangsgedanken und Zwangshandlungen die Kernsymptome der Zwangsstörung. Jedoch zeigt sie im Vergleich zu anderen psychischen Störungen ein sehr heterogenes Störungsbild (Mataix-Cols, do Rosario-Campos & Leckman, 2005). Es herrscht nach wie vor Uneinigkeit darüber, wie viele und welche Dimensionen die Symptome der Zwangsstörung abbilden sollen. Basierend auf zahlreichen Untersuchungen der Struktur der Zwangssymptomatik wurden für das vorliegende Verfahren die am häufigsten genannten Symptome zusammengefasst.
 

Testaufbau

Der Fragebogen setzt sich aus fünf Skalen zu Zwangsgedanken und Zwangshandlungen zusammen. Die Skalen lauten wie folgt: (1) Kontaminationsbefürchtungen/ Waschzwänge, (2) Kontrollzwänge, (3) Zwangsgedanken, (4) Zwanghaftes Horten und (5) Symmetrie/ Ordnungszwänge. Die Skala "Zwangsgedanken" ist untergliedert in die beiden Subskalen (a) Unmoralische Zwangsgedanken und (b) Aggressive Zwangsgedanken. Mit jeweils sechs Items pro Skala umfasst der Fragebogen insgesamt 30 Items. Diese sind auf einer fünfstufigen Likertskala von 0 = "gar nicht" bis 4 = "sehr stark" zu beantworten. Auf der Vorderseite des Fragebogens werden Angaben zur Person gemacht sowie eine schriftliche Instruktion gegeben.
 

Auswertungsmodus

Die Auswertung erfolgt auf einem separaten Auswertungsbogen. Zunächst werden unter Zuhilfenahme der Auswertungsschablonen die Punktwerte der jeweiligen Items einer Skala aufsummiert und auf dem Auswertungsbogen notiert. Einzelne fehlende Werte werden durch den Mittelwert der restlichen Items einer Skala ersetzt. Der Gesamtwert des MZI ergibt sich aus der Summe der fünf Skalenrohwerte. Bei mehr als vier fehlenden Items sollte der Gesamtwert nicht gebildet werden. Anschließend kann für die Skalenwerte und den Gesamtwert ein Prozentrang für eine klinische und eine gesunde Vergleichsstichprobe aus den Normtabellen im Anhang entnommen werden. Diese Werte können auf dem Auswertungsbogen eingetragen und als Profil abgetragen werden. Zusätzlich werden auf dem Auswertungsbogen die optimalen Cut-off-Werte für die Skalen und den Gesamtwert angegeben. Dem Manual können Referenzwerte in Form von Mittelwerten und Standardabweichungen für verschiedene Vergleichsgruppen (Gesunde, Patienten mit Zwangsstörung, Angststörungen oder depressiven Störungen) entnommen werden.
 

Auswertungshilfen

Zur Unterstützung bei der Auswertung stehen dem Anwender Auswertungsschablonen sowie Hinweise zur Auswertung und Interpretation mit einem kurzen Fallbeispiel zur Verfügung.
 

Auswertungszeit

Für die Auswertung werden etwa fünf Minuten benötigt.
 

Itembeispiele

Anmerkung: Nachfolgend wird für jede Skala ein Item als Beispiel gegeben.
(1) Kontaminationsbefürchtungen/Waschzwänge: "Ich verbringe viel zu viel Zeit mit dem Waschen meiner Hände."
(2) Kontrollzwänge: "Ich kontrolliere immer wieder Dinge wie z. B. Wasserhähne oder Lichtschalter, nachdem ich sie zu-/ausgemacht habe."
(3) Zwangsgedanken: "Ich werde häufig von meinen unerwünschten Gedanken bzw. Vorstellungen von sexuellen Handlungen beunruhigt."
(4) Zwanghaftes Horten: "Es bereitet mir Schwierigkeiten, normale Aktivitäten im Haushalt zu verrichten, da mein Heim so vollgestopft mit Dingen ist, die ich gesammelt habe."
(5) Symmetrie/Ordnungszwänge: "Es bringt mich aus der Fassung, wenn sich meine Möbel oder andere persönliche Dinge nicht immer in der genau gleichen Position befinden."
 

Durchführung

 

Testformen

Das MZI ist ein Paper-Pencil-Verfahren, welches je nach diagnostischer Zielsetzung als Einzel- oder Gruppentest durchgeführt werden kann.
 

Altersbereiche

Das Verfahren ist bei Erwachsenen ab 18 Jahren einsetzbar.
 

Durchführungszeit

Die Bearbeitungsdauer liegt bei ca. 10 Minuten.
 

Material

Die Testbox enthält ein Manual, 10 Fragebögen, 10 Auswertungsbögen sowie einen Schablonensatz. Alle Materialien sind separat erhältlich.

Materialliste Testbox (Bestell-/Artikelnummer Testzentrale: 01 489 01; Stand 18.04.2016):
- Manual (Artikelnr. 01 489 02)
- 10 Fragebögen (Artikelnr. 01 489 03)
- 10 Auswertungsbögen (Artikelnr. 01 489 04)
- Schablonensatz (Artikelnr. 01 489 05)
- Testbox (Artikelnr. 01 489 06).
 

Instruktion

Die Instruktionen sind schriftlich auf dem Fragebogen abgedruckt. Falls erforderlich, können die Instruktionen und Items vom Testleiter vorgelesen werden.
 

Durchführungsvoraussetzungen

Es sind keine spezifischen klinischen oder testmethodischen Kenntnisse für die Durchführung erforderlich. Die Auswertung und Interpretation der Testergebnisse sollten jedoch ausschließlich durch psychologisch geschulte Personen erfolgen.
 

Testkonstruktion

Die Testkonstruktion beruht auf der Klassischen Testtheorie.
Bei der Entwicklung des MZI wurde das übergeordnete Ziel verfolgt, ein Verfahren zu erstellen, welches die wesentlichen Symptombereiche der Zwangsstörung abdeckt. Hierfür wurden die am häufigsten identifizierten Dimensionen (Kontamination/Waschzwänge, Symmetrie/Ordnungszwänge, zwanghaftes Horten, Kontrollzwänge, aggressive/schädigende Zwangsgedanken und unmoralische Zwangsgedanken) aus zahlreichen faktorenanalytischen Untersuchungen herangezogen (Leckman, Rauch & Mataix-Cols, 2007).
Die Erstellung des Itempools erfolgte auf Grundlage des Vancouver Obsessional-Compulsive Inventory (VOCI; Thordarson et al., 2004). Zusätzlich wurden einige Items dem Symmetry Ordering and Arranging Questionnaire (SOAQ; Radomsky & Rachman, 2004) entnommen. Die Items wurden aus dem Englischen ins Deutsche übersetzt und von einer bilingualen Expertin rückübersetzt. Die Übereinstimmung der Übersetzung mit der Originalversion wurde anschließend von einem spezialisierten Übersetzer geprüft.
Die Items des VOCI und des SOAQ wurden den sechs postulierten Dimensionen zugeordnet. Anhand inhaltlich-theoretischer Aspekte und unter Berücksichtigung der psychometrischen Kennwerte wurden die Skalen "Unentschlossenheit" (6 Items) und "Perfektionismus" (12 Items) sowie sieben weitere Items des VOCI und 14 Items des SOAQ ausgeschlossen. Die verbleibenden 36 Items wurden in die Analysen eingeschlossen. Das postulierte Sechsfaktorenmodell konnte mittels einer konfirmatorischen Faktorenanalyse mit einem guten Fit (RMSEA = 0.064, TLI = 0.896, CFI = 0.910) bestätigt werden (Gönner, Ecker, Leonhart & Limbacher, 2010). Aufgrund der hohen Korrelation zwischen den Dimensionen "aggressive/schädigende Zwangsgedanken" und "unmoralische Zwangsgedanken" wurde ein übergeordneter Faktor "Zwangsgedanken" für diese beiden Dimensionen gebildet. In einem weiteren Schritt wurde die Anzahl der Items auf 30 reduziert, um eine vergleichbare Itemanzahl für jede Dimension zu erhalten. Durch die Eliminierung der sechs Items konnte der Modellfit verbessert werden (RMSEA = 0.059, TLI = 0.928, CFI = 0.939).
 

Gütekriterien

 

Objektivität

Die Durchführung kann aufgrund der Fragebogenform mit gebundener Beantwortung und der schriftlichen Instruktion als objektiv gelten. Die Objektivität der Auswertung und Interpretation der Ergebnisse sind durch das Vorliegen von Schablonen, Norm- und Cut-off-Werten als hoch einzuschätzen.
 

Reliabilität

Zur Überprüfung der Reliabilität wurde die interne Konsistenz (Cronbachs Alpha der Skalen an zwei klinischen Stichproben (n = 228 Patienten mit einer Zwangsstörung; n = 302 Patienten mit einer Angst- und/oder depressiven Störung) sowie einer nicht-klinischen Stichprobe (n = 320) ermittelt (siehe Tabelle 1). Für die Gesamtskala ergab sich eine interne Konsistenz von Alpha > = .90 in den klinischen Stichproben und Alpha = .86 in der gesunden Stichprobe. Die interne Konsistenz der einzelnen Skalen variiert zwischen Alpha = .73 bis Alpha = .95 in den klinischen Stichproben. In der gesunden Stichprobe fällt die interne Konsistenz der Skalen mit Werten von Alpha = .68 bis Alpha = .86 etwas geringer aus. Für die Subskalen "Unmoralische Zwangsgedanken" und "Aggressive Zwangsgedanken" werden Werte zwischen Alpha = .55 bis Alpha = .83 berichtet (siehe Tabelle 1).

Tabelle 1
Interne Konsistenzen (Cronbachs Alpha) der Skalen des MZI in zwei klinischen Stichproben und einer nicht-klinischen Stichprobe (nach Gönner, Ecker, Leonhart & Limbacher, 2016, S. 17 f.)
---------------------------------------------------------------------- 
Skala Zwang Angst/Depression Gesunde
----------------------------------------------------------------------
1 Kontrollzwaenge .90 .94 .86
2 Kontaminationsbefuerchtungen/
Waschzwaenge .92 .82 .69
3 Symmetrie/Ordnungszwaenge .95 .93 .86
4 Zwanghaftes Horten .90 .91 .81
5 Zwangsgedanken .82 .73 .68
5a Unmoralische Zwangsgedanken .83 .71 .58
5b Aggressive Zwangsgedanken .70 .55 .57
----------------------------------------------------------------------
MZI Gesamt .90 .91 .86
----------------------------------------------------------------------
Stichprobe 228 302 320
----------------------------------------------------------------------
Anmerkungen. MZI = Multidimensionale Zwangsstörungsinventar.

Darüber hinaus wurde die Retestreliabilität an einer gemischten klinischen Stichprobe mit n = 32 Patienten (56% Zwangsstörung, 19% depressive Störung, 19% Angststörung, 6% Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) oder Anpassungsstörung) berechnet. Das Testintervall variierte zwischen sechs bis 22 Tage (M = 9.6 Tage). Für die Gesamtskala wurde eine Retestreliabilität von rtt = .94 ermittelt. Hinsichtlich der einzelnen Skalen zeigten sich Werte von rtt = .70 (Subskala "Unmoralische Zwangsgedanken") bis rtt = .93 (Skala "Symmetrie/Ordnungszwänge").
 

Validität

Zur Überprüfung der Gültigkeit des Verfahrens wurden die konvergente und divergente Validität an unterschiedlichen Patientengruppen (n = 228 Zwangspatienten, n = 302 Patienten mit Angst- und depressiven Störungen) und einer gesunden Vergleichsstichprobe (n = 320) ermittelt. Hierbei zeigten sich in allen Stichproben hohe Zusammenhänge zwischen dem MZI-Gesamtwert und dem Gesamtwert des Obsessive-Compulsive Inventory - Revised (OCI-R; Foa et al., 2002) sowie dem Gesamtwert des Padua Inventory-Palatine Revision (PI-PR; Gönner, Ecker & Leonhart, 2010) (r = .73-.88). Beide Verfahren erfassen wie das MZI die Zwangssymptome mehrdimensional. Daneben wurde ein mittlerer Zusammenhang in Höhe von r = .48 zur Yale Brown Obsessive-Compulsive Scale - Selbstratingversion (Y-BOCS-SR; Baer, 1991) ermittelt, welche das Vorliegen und den Schweregrad von 58 Zwangssymptomen erhebt. Zu Verfahren, welche vordergründig Angstsymptome (Beck-Angst-Inventar BAI; Beck & Steer, 1993), depressive Symptome (Beck-Depressions-Inventar BDI; Beck & Steer, 1987) und pathologische Besorgnis (Penn State Worry Questionnaire-Deutsch PSWQ; Stöber, 1995) erfassen, zeigten sich Korrelationen mit dem MZI-Gesamtwert in Höhe von r = .34 bis r = .41. Darüber hinaus ergaben sich Zusammenhänge in Höhe von r = .32 zur Subskala "Sorgfältiger Stil" (Zwangshaftigkeit) des Persönlichkeits-Stil- und Störungs-Inventars (PSSI-ZW; Kuhl & Kazén, 1997) sowie zur Frost Multidimensional Perfectionism Scale-Deutsch (FMPS-D; Stöber, 1998) in Höhe von r = .22.
Die Ergebnisse einer Untersuchung von Gönner und Kollegen (2013) zur Unterscheidung zwischen Zwangspatienten und anderen Patienten bzw. einer gesunden Vergleichsgruppe stützen die Kriteriumsvalidität des Verfahrens. Hierfür wurden mittels einer ROC-Analyse die Sensitivität und Spezifität für verschiedene Cut-off-Werte bestimmt. Zwangspatienten konnten mit einer sehr hohen diagnostischen Genauigkeit von Patienten mit Angst- und depressiven Störungen sowie von gesunden Personen unterschieden werden.
In einer weiteren Untersuchung (Gönner, Gönner & Ecker, in Vorbereitung) wurde die Änderungssensitivität des Verfahrens geprüft. Hierfür wurden die Daten von n = 88 stationären Patienten mit einer Zwangsstörung erhoben, welche an einer kognitiven Verhaltenstherapie mit einer durchschnittlichen Dauer von M = 51 Tagen (SD = 12.2) teilnahmen. Es konnte ein Therapieeffekt in Höhe von d = .80 ermittelt werden, welcher die Änderungssensitivität des MZI bestätigt.
 

Normierung

Die Normierung fand an einer Stichprobe von n = 162 Zwangspatienten mit einem durchschnittlichen Alter von M = 36.6 Jahren (SD = 10.9; 60% weiblich) statt. Die Daten wurden in der Fachklinik Bad Dürkheim sowie einer ambulanten Schwerpunktpraxis erhoben, in denen sich die Patienten in der stationären oder ambulanten Behandlung befanden. Daneben wurde eine nicht-klinische Stichprobe von n = 320 Personen (M = 31.6 Jahre; SD = 11.7; 71% weiblich) über eine Online-Studie der Universität Freiburg untersucht (Falk, 2008; Tödter, 2009). Von den Teilnehmern der Online-Studie gaben 83% an, das Abitur oder die Fachholschulreife und 8% einen Real- oder Hauptschulabschluss zu haben. Es liegen Normwerte in Form von Prozenträngen sowohl für die Gesamtskala als auch die einzelnen Skalen vor.
Darüber hinaus werden Referenz- und Cut-off-Werte für die Gesamtskala und die einzelnen Skalen hinsichtlich der Gruppen Zwangspatienten allgemein, Zwangspatienten mit spezifischen Hauptsymptomen, Patienten mit Angst- und depressiven Störungen und gesunde Vergleichspersonen berichtet. Die Referenzwerte für Patienten mit Angst- und depressiven Störungen wurden anhand der Daten einer Stichprobe von n = 302 Patienten (M = 44.5 Jahre; SD = 12.0; 63% weiblich) ohne Zwangsstörung als Zweitdiagnose berechnet (Gönner et al., 2013). Das Normierungsjahr wird nicht genannt.
 

Anwendungsmöglichkeiten

Das Screeningverfahren dient einer ersten diagnostischen Abklärung von Zwangsstörungen. Es eignet sich für den Einsatz in der klinischen Praxis u. a. zur Behandlungsplanung, Verlaufsdiagnostik und Katamneseerhebung. Darüber hinaus ist eine Anwendung in Forschungsprojekten möglich.
 

Bewertung

Das Multidimensionale Zwangsstörungsinventar ist ein faktorenanalytisch begründetes Verfahren zur differenzierten Erfassung von Zwangssymptomen und ihrer Schwere. Es handelt sich um einen ökonomischen Fragebogen mit einer sehr einfachen Handhabung. Das Manual ist übersichtlich gestaltet und enthält Informationen zu allen wesentlichen Aspekten des Verfahrens. Etwas irritierend sind die unterschiedlichen Stichprobengrößen zur Überprüfung der Güte des Verfahrens.
Die Durchführungs-, Auswertungs- und Interpretationsobjektivität können als uneingeschränkt gegeben angesehen werden. Die interne Konsistenz ist in verschiedenen Patientengruppen als ausreichend bis sehr gut zu bewerten. Die Retestreliabilität für die Gesamtskala fällt sehr gut aus. Für die einzelnen Skalen ist die zeitliche Stabilität als zufriedenstellend bis gut zu beurteilen. Die Konstruktvalidität wird durch zahlreiche erwartungskonforme Zusammenhänge zu anderen Verfahren gesichert. Dabei ist besonders darauf hinzuweisen, dass das Verfahren über eine gute divergente Validität verfügt und Zwangssymptome unabhängig von Ängstlichkeit, Depressivität, pathologischer Besorgnis, Perfektionismus und zwanghaften Persönlichkeitsmerkmalen erfasst. Das MZI weist ebenso eine hohe Kriteriumsvalidität auf, welche für eine sehr zuverlässige Unterscheidung von Zwangspatienten und anderen Patientengruppen bzw. gesunden Personen spricht. Darüber hinaus konnte eine hohe Änderungssensitivität festgestellt werden, was den Einsatz des Verfahrens zur Verlaufsdiagnostik ermöglicht.
Hinsichtlich der Normwerte weist Petermann (2016) darauf hin, dass das Bildungsniveau der gesunden Vergleichsstichprobe nicht repräsentativ ausfällt, da 91% der Personen angaben, die Hochschulreife zu haben. Außerdem wird das Normierungsjahr nicht angegeben. Zusätzlich zu den Normwerten werden Referenz- und Cut-off-Werte für Zwangspatienten, Patienten mit Angst- und depressiven Störungen und gesunde Personen berichtet, was unterstützend für die Differentialdiagnostik ist.
Insgesamt ist das Verfahren als sinnvoll und nützlich für einen Einsatz in Praxis und Forschung zu bewerten.
 

Literatur

  • American Psychiatric Association. (2015). Diagnostisches und statistisches Manual Psychischer Störungen - DSM-5 (Deutsche Ausgabe herausgegeben von Peter Falkai und Hans Ulrich Wittchen, mitherausgegeben von Manfred Döpfner, Wolfgang Gaebel, Wolfgang Maier, Winfried Rief, Henning Saß und Michael Zaudig). Göttingen: Hogrefe.
  • Antony, M. M., Downie, F. & Swinson, R. P. (1998). Diagnostic issues and epidemiology in obsessive-compulsive disorder. In R. P. Swinson, M. M. Antony, S. Rachman & M. A. Richter (Eds.), Obsessive-compulsive disorder: theory, research, and treatment (pp. 3-32). New York: Guilford Press.
  • Baer, L. (1991). Getting control. Boston, MA: Little, Brown & Co.
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  • Beck, A. T. & Steer, R. A. (1993). Beck Anxiety Inventory. San Antonio, TX: The Psychological Corporation.
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  • Dilling, H., Mombour, W. & Schmidt, M. H. (Hrsg.). (2013). Internationale Klassifikation psychischer Störungen: ICD-10 Kapitel V (F) Klinisch-diagnostische Leitlinien (9. Auflage). Bern: Huber.
  • Falk, S. (2008). OCI-R - Evaluation eines Fragebogens zu Zwangsstörungen mittels klassischer und probabilistischer Testtheorie. Unveröffentlichte Diplomarbeit, Universität Freiburg.
  • Foa, E. B., Huppert, J. D., Leiberg, S., Langner, R., Kichic, R., Hajcak, G. et al. (2002). The Obsessive-Compulsive Inventory: development and validation of a short version. Psychological Assessment, 14, 485-496.
  • Gönner, S., Ecker, W. & Leonhart, R. (2010). The Padua Inventory: do revisions need revision? Assessment, 17 (1), 89-106.
  • Gönner, S., Ecker, W., Leonhart, R. & Limbacher, K. (2010). Multidimensional assessment of OCD: integration and revision of the Vancouver Obsessional-Compulsive Inventory and the Symmetry Ordering and Arranging Questionnaire. Journal of Clinical Psychology, 66 (7), 739-757. -PSYNDEX-Lit Dok.-Nr. 0230263
  • Gönner, S., Ecker, W., Leonhart, R. & Limbacher, K. (2016). MZI. Multidimensionales Zwangsstörungsinventar. Deutsche Revision des Vancouver Obsessional-Compulsive Inventory. Göttingen: Hogrefe.
  • Gönner, S., Gönner, S. & Ecker, W. (in Vorb.). Measuring change in OCD: sensitivity and specificity of four self-report measures. Manuskript in Vorbereitung.
  • Gönner, S., Schmid, J., Gönner, S., Leonhart, R., Ecker, W. & Limbacher, K. (2013). Das Vancouver Obsessional-Compulsive Inventory - Revised (VOCI-R): Ist sein Einsatz in der Diagnostik und Therapieplanung bei Zwangspatienten sinnvoll? Zeitschrift für Klinische Psychologie und Psychotherapie, 42 (1), 14-23.
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  • Kuhl, J. & Kazén, M. (1997). Persönlichkeits-Stil- und Störungs-Inventar (PSSI). Göttingen: Hogrefe.
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  • Stöber, J. (1995). Besorgnis: Ein Vergleich dreier Inventare zur Erfassung allgemeiner Sorgen. Zeitschrift für Differentielle und Diagnostische Psychologie, 16, 50-63.
  • Stöber, J. (1998). The Frost Multidimensional Perfectionism Scale: more perfect with four (instead of six) dimensions. Personality and Individual Differences, 24, 481-491.
  • Thordarson, D. S., Radomsky, A. S., Rachman, S., Shafran, R., Sawchuk, C. N. & Hakstian, A. R. (2004). The Vancouver Obsessional Compulsive Inventory (VOCI). Behavior Research and Therapy, 42, 1289-1314.
  • Tödter, N. (2009). Evaluierung einer gemeinsamen Struktur dreier Fragebogenverfahren zur Messung von Zwangssymptomen. Unveröffentlichte Diplomarbeit, Universität Freiburg.
 

Originalfassung/Anderssprachige Fassungen

  • Thordarson, D. S., Radomsky, A. S., Rachman, S., Shafran, R., Sawchuk, C. N. & Hakstian, A. R. (2004). Vancouver Obsessional-Compulsive Inventory (VOCI). Behaviour Research and Therapy, 42 (11), 1289-1314.
  • Radomsky, A. S., Ouimet, A. J., Ashbaugh, A. R., Lavoie, S. L., Parrish, C. L. & O'Connor, K. P. (2006). Psychometric properties of the French and English versions of the Vancouver Obsessional-Compulsive Inventory and the Symmetry Ordering and Arranging Questionnaire. Cognitive Behaviour Therapy, 35 (3), 164-173.
 

Rezensionen

  • Petermann, F. (2016). Multidimensionales Zwangsstörungsinventar (MZI) [Klinische Untersuchungsverfahren]. Zeitschrift für Psychiatrie, Psychologie und Psychotherapie, 64 (3), 221-222.
 
 Lena Antony (30.01.2017)
 APA-Schlagworte/PSYNDEX Terms:

Classical Test Theory; Questionnaires; Rating Scales; Screening Tests; Test Norms; Clinical Psychology; Obsessive Compulsive Disorder; Obsessions; Compulsions; Symptoms

Klassische Testtheorie; Fragebögen; Rating-Skalen; Screening Tests; Testnormen; Klinische Psychologie; Zwangsstörung; Zwangsvorstellungen; Zwänge; Symptome

 weitere Schlagworte:

2004 (VOCI); 2010 (VOCI-R); 2016 (MZI); 30 Items; Subskalen: 1 Kontaminationsbefürchtungen/Waschzwänge, 2 Kontrollzwänge, 3 Zwangsgedanken, 3a Unmoralische Zwangsgedanken, 3b Aggressive Zwangsgedanken, 4 Zwanghaftes Horten, 5 Symmetrie/Ordnungszwänge; Normierungsjahr: keine Angaben; Normstichprobe: 228+302+320+32
 Klassifikation:

Klinische Psychodiagnostik; Neurosen und Angststörungen
Klinische Tests zu Zwängen
11.7
 Anwendungstyp: Clinical Diagnosis
 Art der Publikation: Test; Test in Print (90; 911)
 Sprache: German
 Übersetzungen: English
 Land: United States
 Publikationsjahr: 2016
 Änderungsdatum: 201705
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