0001info@zpid.de | © 1996-2017 ZPID

 

 



 Vollansicht des PSYNDEX Tests-Dokuments:
Visueller Wege-Lerntest

 PSYNDEX Tests-Dokument: 9006800
 

VWLT - Visueller Wege-Lerntest (PSYNDEX Tests Review)

 

Visual Route Learning Test/zpid

 Schellig, D., Günther, T., Schächtele, B. & Schuri, U.
 (2014). VWLT. Visueller Wege-Lerntest [Testbox mit Manual, Instruktionsheft, je 5 Sätzen Aufgabenblätter A und B, Auswertungsschablonen A und B sowie je 5 Ergebnisbögen A und B]. Göttingen: Hogrefe.

Preis: Euro 174,00 (Test komplett; Stand: 13.01.2017)

 Bezugsquelle: Testzentrale Hogrefe Verlag GmbH & Co. KG, Herbert-Quandt-Straße 4, D-37081 Göttingen ; E-Mail: testzentrale@hogrefe.de ; URL: http://www.testzentrale.de/ ; Stand: 1.5.2016.
 Adresse(n): o Dipl.-Psych. Dieter Schellig, Hegau-Jugendwerk, Neurologisches Krankenhaus und Rehabilitationszentrum, für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene, Kapellenstraße 31, D-78262 Gailingen ; E-Mail: dschellig@t-online.de ; Stand: 19.06.2012
o Dr. Uwe Schuri, Klinikum Bogenhausen, Klinik für Neuropsychologie, Englschalkinger Straße 77, D-81925 München ; E-Mail: uwe.schuri@klinikum-muenchen.de ; Stand: 19.06.2012
o Beate Schächtele, Klinische Neuropsychologin GNP, Praxis für Neuropsychologie und Ergotherapie, Sägereistrasse 8, CH-8212 Neuhausen am Rheinfall, Schweiz ; E-Mail: bschaechtele@gmx.ch ; URL: http://www.ergotherapie.ch/index.cfm?ID=666&Nav=61 ; Stand: 13.01.2017
o PD Dr. Thomas Günther, Dipl.-Psych., Logopäde, RWTH Aachen, Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Klinische Neuropsychologie, Neuenhofer Weg 21, D-52074 Aachen ; E-Mail: thomas.guenther2@post.rwth-aachen.de ; URL: http://www.ukaachen.de/kliniken-institute/klinik-fuer-psychiatrie-psychosomatik-und-psychotherapie-des-kindes-und-jugendalters/klinische-neuropsychologie/team.html ; Stand: 13.01.2017
 WWW-Informationen:
 

Abstract

Diagnostische Zielsetzung:
Der Visuelle Wege-Lerntest (VWLT) erfasst die visuell-räumliche Gedächtnisleistung durch Lernen bzw. Speichern und Reproduktion visuell-räumlicher Informationen. Der Test kann bei Gesunden und auch bei Patienten mit Hirnschädigung angewandt werden.


Aufbau:
Als räumlicher Lerntest mit mehreren Lerndurchgängen soll der Proband einen Weg, der sukzessive gezeigt wird, reproduzieren. Für den Probanden werden neun Aufgabenblätter zur Bearbeitung vorgelegt. Seine Aufgabe besteht darin, einen auf einem Aufgabenblatt dargebotenen Weg von einem Startpunkt bis zu einem Zielpunkt zu reproduzieren. Hier gibt es fünf Lerndurchgänge (Lernphase). Nach Abschluss der Lernphase wird dem Probanden analog zu den fünf Lerndurchgängen des Lernweges ein Interferenzweg einmalig präsentiert, der ebenfalls reproduziert werden muss (Interferenzweg). Dann folgen drei weitere Phasen: Postinterferente Abfrage des Lernweges (A6) ohne erneute Darbietung des Weges, die verzögerte (postinterferente) Abfrage des Lernweges (A7) ohne erneute Darbietung des Weges und die verzögerte (postinterferente) Abfrage des Interferenzweges (IA-2). Nachdem die Lernwege reproduziert wurden, soll der Proband den einst dargebotenen Interferenzweg frei aus seinem Gedächtnis wiedergeben.


Grundlagen und Konstruktion:
Das Material des VWLT ist in Anlehnung an den Visuellen und Verbalen Merkfähigkeitstest (VVM; Schächtele & Schellig, 2004) entwickelt worden. Für die Operationalisierung wurde auf das Untersuchungsdesign von Rey (1958, 1964) zurückgegriffen. Die psychometrische Güte wurde überprüft. Die Schwierigkeitsindizes streuen beim verzögerten Abruf (A7) zwischen p = .61 und p = .95. Die Trennschärfen liegen zwischen rit = .19 und rit = .74.


Empirische Prüfung und Gütekriterien:
Reliabilität: Die Reliabilitätskennwerte beruhen auf einer Stichprobe von N = 226 Probanden (117 männlich, Alter: M = 25.28, SD = 19.42). Die Split-half-Reliabilität für die Summe A1 bis A5 beträgt rtt = .97, für die Variable A7 liegt sie bei rtt = .98. Die interne Konsistenz (Cronbachs Alpha) liegt für die Summe A1 bis A5 bei Alpha = .96 und für die Variable A7 bei .92. Die Paralleltestreliabilität beträgt rtt = .87 für die Summe A1 bis A5 und rtt = .79 für die Variable A7.
Validität: Die Validität wurde an einer Stichprobe von 126 hirngeschädigten Patienten untersucht. Der VWLT ist demnach ein Verfahren, in dem eine große Gruppe unselegierter hirngeschädigter Patienten Beeinträchtigungen aufweist. Die Testleistung ist relativ unabhängig von intellektuellen Fähigkeiten. Der VWLT ist auch unabhängig von visuellen und räumlichen Wahrnehmungsprozessen wie der Objekterkennung, der Raumverarbeitung und visuell-räumlichen Operationen in der Vorstellung. Es ergaben sich Belege für einen engen Zusammenhang zwischen dem VWLT (räumliches Langzeitgedächtnis) und den exekutiven Funktionen sowie den kurzfristigen Speicherprozessen des räumlichen Arbeitsgedächtnisses. Der VWLT korreliert hochsignifikant mit dem VVM. Er grenzt sich ab von einem verbalen als auch einem figuralen Test, die ebenfalls beide auf dem Rey-Design basieren.
Normen: Die Normierung beruht auf zwei Stichproben (n = 89 Erwachsene, Alter: M = 43.90, SD = 18.34, und n = 196 Kinder/Jugendliche, Alter: M = 13.07, SD = 6.67). Es stehen Prozentränge und T-Werte zur Verfügung. Zum Teil sind die Normen nach Alter und Bildungsgruppe aufgegliedert.

 

Testkonzept

 

Theoretischer Hintergrund

Beim Visuellen Wege-Lerntest (VWLT; Schellig, Günther, Schächtele & Schuri, 2014) handelt es sich um einen Test des visuellen räumlichen Gedächtnisses. Werden alltägliche Aktivitäten ausgeführt, wie z. B. durch ein Gebäude gehen, zum Einkaufen fahren oder jemandem den Weg erklären, so wird das räumliche Gedächtnis aktiviert. Insbesondere, wenn neue Wege gelernt werden, wird ersichtlich, wie das räumliche Gedächtnis arbeitet und wo seine Grenzen liegen (S. 11). Tversky (2005) unterscheidet drei intrinsische Referenzsysteme, die das Steuern und Abrufen von Repräsentationen steuern. Diese sind das körperorientierte, das egozentrische und das allozentrische Referenzsystem. Da das erstgenannte Referenzsystem körpernahe Reize (Raum des Körpers und Raum um den Körper) erfordert, ist dieses für den VWLT irrelevant. Das egozentrische Referenzsystem entwickelt sich, wenn eine Person in natürlicher Umgebung neue Wege lernt (route learning). Sie eignet sich für das Routenlernen aus der Perspektive eines Beobachters, der sich im Raum befindet. Die räumlichen Eindrücke werden aus der eigenen, der egozentrischen Perspektive wahrgenommen. Die Wahrnehmungen werden gespeichert als sequenzielle Verknüpfungen von räumlichen Reizen (= Routenwissen). Das Routenlernen wird durch sogenannte Landmarken (= Landmarkenwissen) verbessert, die wiederum durch die Verknüpfung von mentalen Repräsentationen (= Ansichten von Objekten aus unterschiedlichen Perspektiven) und Richtungsinformationen erzeugt werden. Ganz anders erfolgt bei der allozentrischen Perspektive (= Überblicksperspektive, survey perspective) das Lernen außerhalb des egozentrischen Raumes. Man verschafft sich sozusagen einen groben Überblick über die räumlichen Reize. Es wird auch Kartenlernen genannt, da der Lernprozess aus einer fixen Perspektive verläuft (zitiert nach Schellig et al., 2014, S. 11).
Der VWLT überprüft den Aufbau und Abruf von Routenwissen und Kartenwissen, indem den Probanden auf einem abstrakten Stadtplan sukzessive ein Weg gezeigt wird. Hierbei müssen Routenwissen einerseits und Überblicks- bzw. Kartenwissen andererseits verknüpft werden (Schellig et al., 2014, S. 11-14).
 

Testaufbau

Mit dem VWLT wird die visuell-räumliche Gedächtnisleistung erfasst. Als räumlicher Lerntest mit mehreren Lerndurchgängen soll der Proband einen Weg, der sukzessive gezeigt wird, reproduzieren können (Schellig et al., 2014, S. 7). Für den Probanden werden neun Aufgabenblätter benötigt:
(1) A1 bis A5 für die unmittelbare Reproduktion des Lernweges (= fünf Aufgabenblätter);
(2) IA-1 für die unmittelbare Reproduktion des Interferenzweges;
(3) A6 für die postinterferente Reproduktion des Lernweges;
(4) A7 für die postinterferente und verzögerte Reproduktion des Lernweges;
(5) IA-2 für die verzögerte Reproduktion des Interferenzweges.
Der Ablauf des Tests sieht folgendermaßen aus (Schellig et al., 2014, S. 23-24):
(1) Lernphase (A1-A5)
In der Lernphase werden fünf Lerndurchgänge absolviert. Die Aufgabe des Probanden besteht darin, einen auf einem Aufgabenblatt dargebotenen Weg von einem Startpunkt bis zu einem Zielpunkt zu reproduzieren. Der Testleiter "zeichnet" auf dem Aufgabenblatt den Weg mit einem nicht schreibfähigen Stift "ein". Danach sollte der Proband diesen Weg wiedergeben. Nach jedem Durchgang wird das bearbeitete Aufgabenblatt weggelegt und es folgt der nächste Lerndurchgang. Auf den Aufgabenblättern ist jeweils ein Rechteck (Maße: 21 x 16 cm) eingezeichnet, das 105 mit Linien verbundene Kreise enthält und weiterhin zwei schwarze Vierecke mit den Inschriften "Start" und "Ziel".
(2) Interferenzweg (Aufgabenblatt IA-1)
Nach Abschluss der Lernphase wird dem Probanden analog zu den fünf Lerndurchgängen des Lernweges ein Interferenzweg einmalig präsentiert, der reproduziert werden muss.
(3) Postinterferente Abfrage des Lernweges (A6) - ohne erneute Darbietung des Weges
Der Lernweg wird erneut, jedoch ohne Vorzeigen abgefragt. Der Proband wird darüber informiert, dass die Lernwege später erneut gezeichnet werden müssen.
(4) Verzögerte (postinterferente) Abfrage des Lernweges (A7) - ohne erneute Darbietung des Weges
Der Lernweg soll nach 30 Minuten wieder frei gezeichnet werden.

(5) Verzögerte (postinterferente) Abfrage des Interferenzweges (IA-2)
Nachdem die Lernwege reproduziert werden sollten, soll der Proband den einst dargebotenen Interferenzweg frei aus seinem Gedächtnis wiedergeben.
 

Auswertungsmodus

Die Auswertung erfolgt, indem die vom Probanden eingezeichneten Wege mit den zuvor präsentierten Wegen mit Hilfe von Schablonen verglichen werden. Für jede eingezeichnete Linie, die mit einer Verbindungslinie auf der Schablone übereinstimmt, erhält der Proband einen Punkt. Der Rohwert ergibt sich aus den korrekt eingezeichneten Teilstücken des Weges. Es können maximal 31 Punkte erzielt werden. Die Summe der Rohwerte über die fünf Lerndurchgänge (Summe von A1 bis A5) wird ermittelt. Zudem wird die Differenz zwischen A5 und A7 als Maß des Verlustes zwischen dem letzten Lerndurchgang (A5) und der verzögerten Abfrage (A7) gebildet. Für alle Kennwerte können dann Vergleichswerte aus den Normtabellen abgelesen werden. Die Kennwerte "Summe A1 bis A5" sowie "Verzögerte Abfrage A7" sind für den VWLT sehr relevant (Schellig, et al., 2014, S. 24).
 

Auswertungshilfen

Als Auswertungshilfen stehen Auswertungsschablonen zur Verfügung, ein Ergebnisbogen zum übersichtlichen Eintragen der Ergebnisse und Interpretationshinweise der Kennwerte mit Fallbeispielen (Schellig et al., 2014, S. 59-63).
 

Auswertungszeit

Die Auswertung dauert circa 5 Minuten (Schellig et al., 2014, S. 39).
 

Itembeispiele

Die Items sind an dieser Stelle nicht darstellbar.
 

Durchführung

 

Testformen

Es existieren zwei Parallelformen: Form A und B. Die Zeichnungen auf Form B sind im Vergleich zu Forma A um 180 Grad gedreht.
 

Altersbereiche

Das Verfahren ist geeignet für Kinder und Jugendliche (7 bis 19 Jahre) sowie Erwachsene (20 bis 79 Jahre).
 

Durchführungszeit

Der erste Testteil dauert circa 15 bis 20 Minuten. Für die verzögerte Abfrage werden circa 5 Minuten benötigt (Schellig et al., 2014, S. 39).
 

Material

Die Testbox enthält ein Manual, ein Instruktionsheft, zwei Auswertungsschablonen (Form A und B), je fünf Ergebnisbögen (Form A und B) und je fünf Sätze Aufgabenblätter für Form A und B (= mit je neun Aufgabenblättern). Zudem werden eine Stoppuhr und ein heller Farbstift benötigt. Verbrauchsmaterial (Ergebnisbögen) kann separat bezogen werden.

Materialliste Testbox (Stand: Januar 2017):
- Manual (Artikelnummer: 0144302)
- Instruktionsheft (Artikelnummer: 0144303)
- fünf Sätze Arbeitsblätter (Form A) (Artikelnummer: 0144304)
- fünf Sätze Arbeitsblätter (Form B) (Artikelnummer: 0144305)
- Auswertungsschablone für Form A (Artikelnummer: 0144306)
- Auswertungsschablone für Form B (Artikelnummer: 0144307)
- fünf Ergebnisbögen (Form A) (Artikelnummer: 0144308)
- fünf Ergebnisbögen (Form B) (Artikelnummer: 0144309).
 

Instruktion

Die Instruktion erfolgt standardisiert durch Ablesen aus dem Testmanual. Es liegen unterschiedliche Instruktionstexte für Erwachsene und Kinder vor (Schellig et al., 2014, S. 25).
 

Durchführungsvoraussetzungen

Die Interpretation der Testergebnisse sollte durch einen fachkundigen Anwender erfolgen, der sowohl über Kenntnisse zum theoretischen Hintergrund des VWLT als auch zu räumlichen Gedächtnisstörungen verfügt. Bei Personen mit visuellen oder motorischen Problemen eignet sich der Test weniger. Der Testleiter sollte prüfen, ob dieser dennoch sinnvoll eingesetzt werden kann (Schellig et al., 2014, S. 53).
 

Testkonstruktion

Die Testentwicklung erfolgte in Anlehnung an das von Rey (1958, 1964) konzipierte Untersuchungsdesign: "Serielles Listenlernen mit nachfolgender Interferenzliste, freier Abruf nach jedem Lerndurchgang und nach der Interferenzliste sowie nach einem halbstündigen Behaltensintervall" (Schellig et al., 2014, S. 7). Das Material des VWLT orientiert sich am Visuellen und Verbalen Merkfähigkeitstest (VVM; Schächtele & Schellig, 2004). In beiden Verfahren wird der gleiche Weg (auf einer unterschiedlich gestalteten Landkarte) präsentiert. Während beim VWLT der Weg sukzessive gezeigt wird (räumlicher Lerntest mit mehreren Lerndurchgängen), wird er im VVM (Behaltenstest) als Ganzes für eine begrenzte Zeit präsentiert (Schellig et al., 2014, S. 7).
Einmal wurde der Einfluss von Geschlecht, Alter und Bildung auf die Testleistung in zwei Stichproben überprüft: Erwachsene (n = 89, davon n = 37 männlich, n = 52 weiblich; Alter: 27-79 Jahre mit M = 43.90 und SD = 18.34) und Kinder/Jugendliche (n = 196, davon n = 108 männlich, n = 88 weiblich; Alter: 7-19 Jahre mit M = 13.07 und SD = 6.67). Insgesamt zeigt sich ein Lernzuwachs. Bei den Erwachsenen hat das Geschlecht keinen signifikanten Einfluss auf die Testleistung, wohingegen bei Alter und Bildungsniveau ein entsprechender Einfluss deutlich wurde. Bei den Kindern und Jugendlichen zeigt sich das gleiche Ergebnis (Schellig et al., 2014, S. 26-28).
Zum anderen wurde untersucht, inwiefern Intrusionen aus dem Interferenzweg oder dem Lernweg auftreten. Es zeigten sich Intrusionen, die sich in weitaus geringerem Ausmaß beim Abruf des Lernweges beobachten ließen (Schellig et al., 2014, S. 34).
Außerdem wurde eine Itemanalyse durchgeführt (N = 226, n = 117 männlich, n = 109 weiblich; Alter: M = 25.28, SD = 19.42). Die Schwierigkeitsindizes streuen beim verzögerten Abruf (A7) zwischen p = .61 und p = .95. Die Trennschärfen liegen zwischen rit = .19 und rit = .74. Die Lernsumme (A1 bis A5) erweist sich als zentrale Variable des VWLT. Sie korreliert hochsignifikant mit fast allen anderen Variablen (Schellig et al., 2014, S. 34-36).
 

Gütekriterien

 

Objektivität

Durchführungs- und Auswertungsobjektivität sind durch die standardisierte Vorgehensweise (Instruktionen, Auswertungsschablone, Normtabellen) gewährleistet. Die Interpretation sollte durch einen fachkundigen Testanwender erfolgen (Schellig et al., 2014, S. 37).
 

Reliabilität

Die Reliabilitätskennwerte beruhen auf einer Stichprobe von N = 226 Probanden (n = 117 männlich, n = 109 weiblich; Alter: M = 25.28, SD = 19.42). Die Split-Half-Reliabilität für die Summe A1 bis A5 beträgt rtt = .97, für die Variable A7 liegt sie bei rtt = .98 (Odd-Even-Methode mit Spearman-Brown-Korrektur). Die interne Konsistenz (Cronbachs Alpha) liegt für die Summe A1 bis A5 bei Alpha = .96 und für die Variable A7 bei Alpha = .92. Die Paralleltestreliabilität beträgt rtt = .87 für die Summe A1 bis A5 und rtt = .79 für die Variable A7 (Schellig et al., 2014, S. 34, S. 37).
Bei Gedächtnistests mit mehreren Abfragezeitpunkten kann zudem eine spezifische Form der Reliabilität bestimmt werden, die sogenannte Behaltensstabilität (Korrelation zwischen einer ersten und einer späteren Abfrage des Behaltenen ohne erneute Reizdarbietung). Hierzu wurde zusätzlich bei einem Teil der Normierungsstichprobe die Abfrage am darauffolgenden Tag verlangt (n = 52, davon n = 21 männlich und n = 31 weiblich; Alter: M = 19.44, SD = 3.55). Bis zum nächsten Tag (A8) beträgt der Verlust weniger als einen Rohwertpunkt. Die statistischen Kennwerte für den Abruf postinterferent, mittelfristig (d. h. nach 30 Minuten) und längerfristig (d. h. nach einem Tag) sind in Tabelle 1 einzusehen (Schellig et al., 2014, S. 37-39).

Tabelle 1
Längerfristiges Behalten; Mittelwerte und Standardabweichungen der Testleistung (Schellig, Günther, Schächtele & Schuri, 2014, S. 39)
---------------------------------------- 
M SD
----------------------------------------
A6 postinterferent 29.46 2.48
A7 mittelfristig 29.44 2.53
A8 laengerfristig 28.86 3.33
----------------------------------------
Anmerkungen. Stichprobe n = 52.
 

Validität

Die Validität wurde untersucht an einer Stichprobe von n = 126 hirngeschädigten Patienten (n = 68 männlich, n = 58 weiblich; Alter: M = 19.67, SD = 3.31).
Zum Nachweis der differentiellen Validität wurde untersucht, wie viele der hirngeschädigten Patienten im VWLT Beeinträchtigungen aufweisen. 60% der Patienten erreichen in den beiden Hauptvariablen (Summe A1 bis A5 und A7) ein auffälliges Ergebnis, d. h. liegen über dem Cut-off-Wert. Somit ist der VWLT ein Verfahren, in dem eine große Gruppe unselegierter hirngeschädigter Patienten Beeinträchtigungen aufweist. Zudem wurden die Patienten mit 110 Gesunden verglichen. Die Korrelationen der VWLT-Parameter untereinander sind in der Patientengruppe deutlich höher als bei der gesunden Kontrollgruppe. Die Summe A1 bis A5 zeichnet sich als ein zentraler Parameter des VWLT aus. Mit diesem Wert werden sehr hohe Zusammenhänge mit allen erhobenen Variablen erreicht. Die größte Differenz zwischen Gesunden und Patienten besteht im siebten Durchgang (A7) und im Summenwert A1 bis A5 (Schellig et al., 2014, S. 41-44).
Zur Prüfung der Konstruktvalidität wurden vier Fragen untersucht (Schellig et al., 2014, S. 44 ff.):
(1) Erstens wurde untersucht, welchen Einfluss allgemeine intellektuelle Fähigkeiten auf den VWLT haben. Es zeigte sich, dass der VWLT relativ unabhängig von den allgemeinen intellektuellen Fähigkeiten ist (kristalline Intelligenz: kein bedeutsamer Zusammenhang; fluide Intelligenz: signifikante, geringe Zusammenhänge von r = .27 bis r = .41), gemessen mit dem Mehrfachwahl-Wortschatz-Test Form A (MWT-A; Lehrl, Merz, Erzigkeit & Galster, 1974) und den Standard-Progressive-Matrices (SPM; Heller, Kratzmeier & Lengfelder, 1998).
(2) Zweitens wurde untersucht, wie abhängig der VWLT von visuellen und räumlichen Wahrnehmungsprozessen wie der Objekterkennung, der Raumverarbeitung und visuell-räumlichen Operationen in der Vorstellung ist. Hierzu wurde eine Faktorenanalyse berechnet, in die neben dem VWLT insgesamt neun Maße für die genannten Konstrukte eingeflossen sind. Es ergab sich eine Dreifaktorenlösung. Der VWLT (Faktor 1) erwies sich als unabhängig vom Faktor "Objekterkennung". Zudem erwiesen sich die Faktoren "Räumliches Gedächtnis" (operationalisiert durch den VWLT) und "Raumverarbeitung" als unabhängig.
(3) Drittens wurde untersucht, inwieweit der VWLT von den Speicherfunktionen und den exekutiven Funktionen des Arbeitsgedächtnisses abhängig ist. Hierzu wurden neben dem VWLT sechs weitere Verfahren angewandt, die Speicherfunktionen und exekutive Funktionen des Arbeitsgedächtnisses erfassen. Es ergaben sich Belege für einen engen Zusammenhang zwischen dem VWLT (räumliches Langzeitgedächtnis) und den exekutiven Funktionen sowie den kurzfristigen Speicherprozessen des räumlichen Arbeitsgedächtnisses.
(4) Viertens wurde die Leistung im VWLT verglichen mit Lerntests sowie Verfahren, die das langfristige Speichern operationalisieren. Hierzu wurde der Zusammenhang zum VVM ermittelt, einem Lerntest, der vergleichbares Material wie der VWLT verwendet. Die Korrelationen sind durchweg hochsignifikant. Auch zwischen dem verbalen Subtest ("Bau") des VVM und den VWLT-Parametern ergaben sich hochsignifikante Zusammenhänge mit r = .65 bis .70. Zudem wurde der Zusammenhang bestimmt zu zwei Tests von Rey, der einen verbalen als auch einen figuralen Test basierend auf dem Rey-Design entwickelte. Der VWLT möchte eine diagnostische Lücke schließen: Operationalisiert werden sollen die Lern- und Behaltensprozesse des räumlichen Gedächtnisses. Eine Faktorenanalyse zeigt eine Dreifaktorenlösung, bei dem der VWLT einen eigenen Faktor bildet und damit seine Eigenständigkeit gegenüber den in der Analyse integrierten Lerntests belegt (Schellig et al., 2014, S. 41-53).
 

Normierung

Die Normierung beruht auf den bereits beschriebenen Stichproben: n = 89 Erwachsene (Alter: M = 43.90, SD = 18.34) und n = 196 Kinder/Jugendliche (Alter: M = 13.07, SD = 6.67). Es stehen Prozentränge und T-Werte zur Verfügung. Aufgrund der Altersunterschiede in der Testleistung wurden folgende Altersbereiche zu Normgruppen zusammengefasst: 7 bis 14 Jahre, 15 bis 19 Jahre, 20 bis 79 Jahre. In der Altersgruppe der 20- bis 79-Jährigen werden die Rohwerte entsprechend der mit dem Lebensalter abnehmenden Reproduktionsleistung getrennt für zwei Bildungsgruppen korrigiert. In der Normgruppe der 15- bis 19-Jährigen werden alle 81 Probanden zu einer Normgruppe zusammengefasst. Für die Gruppe der 7- bis 14-Jährigen werden Normen getrennt für Grundschüler (7-10 Jahre) und Sekundarschüler (10-14 Jahre) zur Verfügung gestellt. In der Gruppe der 7- bis 10-Jährigen werden die Rohwerte entsprechend der mit dem Lebensalter zunehmenden Reproduktionsleistung korrigiert (Schellig et al., 2014, S. 64-67).
 

Anwendungsmöglichkeiten

Der Visuelle Wege-Lerntest überprüft das räumliche Gedächtnis. Die Vielfalt an Situationen, in denen wir das räumliche Gedächtnis benötigen, ist unüberschaubar. Der Test wurde bisher bei Gesunden und auch bei Patienten mit Hirnschädigung angewandt (Schellig et al., 2014, S. 41).
 

Bewertung

Beim Visuellen Wege-Lerntest (VWLT; Schellig et al., 2014) handelt es sich um einen Test des visuellen räumlichen Gedächtnisses. Die diagnostische Zielsetzung wird lediglich im Allgemeinen beschrieben. Hilfreich wären konkrete Fallbeispiele für den Einsatz des Tests in unterschiedlichen Anwendungssituationen. Die theoretische Grundlage wird ausführlich geschildert. Wie der Test konstruiert wurde, wird im Manual hingegen nur unzureichend beschrieben. Die Objektivität in Durchführung und Auswertung ist gegeben durch die standardisierte Vorgehensweise, die Interpretation sollte durch einen fachkundigen Anwender erfolgen. Es wurden verschiedene Reliabilitätskennwerte gebildet. Die Split-half-Reliabilität ist hoch (Bühner, 2006), ebenso die interne Konsistenz (Bühner, 2006; Lienert, 1969). Die Paralleltestreliabilitäten liegen knapp unter bzw. über dem Kriterium von Lienert (1969) von rtt = .80. Die Gültigkeit wurde ausschließlich in einer Gruppe von hirngeschädigten Patienten untersucht. Konvergente und divergente Validität konnten überzeugend durch Abgrenzung bzw. durch substantielle Zusammenhänge zu einer großen Anzahl von Referenzvariablen nachgewiesen werden.
Ein Pendant zum VWLT im räumlichen Bereich existiert bisher nicht. Er schließt eine Lücke im bisherigen Testspektrum. Zudem ist das Verfahren fair (Anwendung bei nicht sprachgewandten oder sprachgestörten Personen möglich; keine Einschränkungen nach Alter, Bildung oder Geschlecht; Untersuchung von Kindern möglich; keine Diskriminierung von Personen mit Migrationshintergrund). Auf Grund der langen Durchführungsdauer (15 bis 20 Minuten für ersten Testteil, 5 Minuten für verzögerte Abfrage nach 30 Minuten) ist der Test wenig ökonomisch. Allerdings lässt sich nur mit diesem zeitlichen Aufwand Lernen und Behalten überprüfen. Das Verfahren ist in Durchführung und Auswertung transparent. Die Testwerte können nicht verbessert werden, allerdings kann ein Proband versuchen, ein absichtlich schlechtes Ergebnis zu erreichen. Der Test ist zumutbar - auch für Kinder und Ältere. Er ist vergleichbar mit anderen Gedächtnistests nach dem Rey-Design. Insgesamt handelt es sich um ein nützliches Instrument.
 

Literatur

  • Bühner, M. (2006). Einführung in die Test- und Fragebogenkonstruktion (2., aktualisierte und erweiterte Auflage). München: Pearson.
  • Heller, K. A., Kratzmeier, H. & Lengfelder, A. (1998). Matrizen-Test-Manual, Band 1. Ein Handbuch mit deutschen Normen zu den Standard Progressive Matrices von J. C. Raven. Göttingen: Beltz.
  • Lehrl, S., Merz, J., Erzigkeit, H. & Galster, V. (1974). Der MWT-A - ein wiederholbarer Intelligenz-Kurztest, der weitgehend unabhängig von seelisch-geistigen Störungen ist. Nervenarzt, 45, 364-369.
  • Lienert, G. A. (1969). Testaufbau und Testanalyse (3., durch einen Anhang über Faktorenanalyse ergänzte Auflage). Weinheim: Beltz.
  • Rey, A. (1958). Memorisation d'une serie de 15 mots en 5 repetitions. In A. Rey (Ed.), L'examination clinique en psychologie (pp. 141-193). Paris: Presses Universitaires de France.
  • Rey, A. (1964). Memorisation d'une serie de 15 mots en 5 repetitions In A. Rey (Ed.), L'examination clinique en psychologie. Paris: Presses Universitaires de France.
  • Schächtele, B. & Schellig, D. (2004). Verbaler und Visueller Merkfähigkeitstest 2 (VVM-2). Frankfurt: Pearson.
  • Schellig, D., Günther, T., Schächtele, B. & Schuri, U. (2014). VWLT. Visueller Wege-Lerntest. Göttingen: Hogrefe.
  • Tversky, B. (2005). Functional significance of visuospatial representations. In P. Shah & A. Miyake (Eds.), Handbook of higher-level visuospatial thinking (pp. 1-34). Cambridge: Cambridge University Press.
 
 Johannes F. Gorges (10.11.2015)
 APA-Schlagworte/PSYNDEX Terms:

Classical Test Theory; Pictorial Stimuli; Test Norms; Neuropsychological Assessment; Performance Tests; Neuropsychology; Psychiatry; Learning; Visual Memory; Verbal Memory; Brain Damage; Wayfinding; Cognitive Processes; Interference (Learning)

Klassische Testtheorie; Bild-Stimuli; Testnormen; Neuropsychologische Messung; Leistungstests; Neuropsychologie; Psychiatrie; Lernen; Visuelles Gedächtnis; Verbales Gedächtnis; Hirnschädigung; Wegfindung; Kognitive Prozesse; Interferenz (Lernen)

 weitere Schlagworte:

2014 (VWLT); Parallelformen; Mentale Repräsentation des Raumes; Routenwissen; Egozentrische Perspektive; Allozentrische Perspektive; ab 7 Jahre; bis 79 Jahre; 9 Items; Variablen: 1 Summe der korrekten Wegstücke in den Lerndurchgängen A1 bis A5, 2 Postinterferente Abfrage, 3 Verzögerte Abfrage, 4 Verlust der Reproduktionsleistung nach zeitlicher Verzögerung, 5 Anzahl der korrekten Teilstücke des Interferenzweges bei unmittelbarer Abfrage, 6 Anzahl der korrekten Teilstücke des Interferenzweges bei verzögerter Abfrage; Normierungsjahr: keine Angaben; Normstichprobe: 285
 Klassifikation:

Neuropsychologische Diagnostik; Kognitive Prozesse; Lernen und Gedächtnis; Neurologische Störungen und Hirnschädigung
Gedächtnistests; Neuropsychologische Verfahren
2.8; 11.22
 Anwendungstyp: Clinical Diagnosis
 Art der Publikation: Test; Test in Print (90; 911)
 Sprache: German
 Land: Germany
 Publikationsjahr: 2014
 Änderungsdatum: 201705
 info@zpid.de | © 1996-2017 ZPID