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Bayley Scales of Infant Development Third Edition - deutsche Fassung

 PSYNDEX Tests-Dokument: 9006836
 

Bayley-III/D - Bayley Scales of Infant Development Third Edition - deutsche Fassung (PSYNDEX Tests Review)

 

Bayley Scales of Infant Development Third Edition (Bayley-III; Bayley, N., 2006) - German version/author
Synonym(e): BAYLEY-III

 Bayley, N.
 (2014). BAYLEY-III. Bayley Scales of Infant Development - Third Edition - deutsche Fassung (hrsg. von Gitta Reuner & Joachim Rosenkranz) [Gesamtsatz im schwarzen Rollkoffer mit Technischem Manual; Manual zur Durchführung und Auswertung der Bayley-III Skalen; Manual zur Durchführung und Auswertung des Bayley-III-Screening Tests; Screening Test Stimulusbuch; Stimulusbuch - Langform; 25 Protokollbögen Screener; 25 Protokollbögen - Langform; 2 Beobachtungslisten "Beiläufige Beobachtungen" - Langform und Screener sowie weitere zahlreiche Materialien]. Frankfurt am Main: Pearson.

Preis: Euro 1844,00 (Test komplett zzgl. Mwst. und Versand; Stand: 8.3.2017)

 Bezugsquelle: Pearson Assessment & Information GmbH, Baseler Straße 35-37, D-60329 Frankfurt/M. ; E-Mail: info.de@pearson.com ; URL: http://www.pearsonassessment.de/ ; Stand: 1.3.2016.
 Adresse(n): o Nancy Bayley (1899-1974), University of California, Berkeley, USA ; URL: https://en.wikipedia.org/wiki/Nancy_Bayley ; Stand: 19.6.2004
o PD Dr. Gitta Reuner, Universitätsklinikum Heidelberg, Kinderneurologie, Im Neuenheimer Feld 430, D-69120 Heidelberg ; E-Mail: Gitta.Reuner@med.uni-heidelberg.de ; URL: https://www.klinikum.uni-heidelberg.de/Psychologie.140904.0.html ; Stand: 8.3.2017
 WWW-Informationen:
 

Abstract

Diagnostische Zielsetzung:
Analog zu den Vorgängerversionen der Bayley Scales of Infant and Toddler Development können mit der aktuellen Neuauflage Bayley-III Entwicklungsauffälligkeiten bereits im Säuglings- und Kleinkindalter festgestellt und Interventionsmaßnahmen dementsprechend frühzeitig eingeleitet werden. Dabei sorgen verschiedene Neuerungen bspw. für eine noch präzisere Erfassung der einzelnen Teilbereiche und eine verbesserte Eignung für klinische Anwendungen.


Aufbau:
Das Verfahren besteht aus den folgenden drei Skalen: (1) Kognitive Skala, (2) Sprach-Skala a) Sprache Rezeptiv, b) Sprache Expressiv) und (3) Motorik-Skala a) Feinmotorik, b) Grobmotorik.


Grundlagen und Konstruktion:
Ziel der Überarbeitung der Bayley-II-Skalen war es, bei gleichbleibender Gesamtqualität deren a) Messgenauigkeit, b) Aktualität und c) Praktikabilität zu erhöhen. Hierzu wurden u. a. neue Aufgaben im niedrigen und hohen Leistungsbereich aufgenommen, Items modifiziert, das Testmaterial kindgerechter gestaltet, die Skalenstruktur verändert und die praktische Handhabung verbessert.


Empirische Prüfung und Gütekriterien:
Reliabilität: Zur Bestimmung der Reliabilität wurden interne Konsistenzen berechnet. Diese lagen für die Langform zwischen rtt = .77 (Sprache Rezeptiv) und rtt = .89 (Grobmotorik) sowie für die Screeningversion zwischen rtt = .68 (Feinmotorik) und rtt = .83 (Grobmotorik).
Validität: Für die Konstruktvalidität sprechen erwartungskonforme Interkorrelationen und die faktorielle Struktur des Verfahrens. Die überwiegend hohen Korrespondenzen zwischen Elterneinschätzungen und den sprachlichen und kognitiven Leistungen im Bayley-III unterstreichen darüber hinaus dessen Kriteriumsvalidität. Ferner liegen erste Hinweise für die klinische Validität des Bayley-III vor.
Normen: Anders als noch bei der Vorgängerversion liegen für die deutsche Fassung der Bayley-III-Skalen erstmals deutsche Normen vor (N = 878 Kinder; n = 438 Mädchen, n = 440 Jungen im Alter von 0;16 Tagen bis 42;15 Monaten). Für die Bayley-III-Langform liegen standardisierte Untertest- und Skalenwerte, Prozentränge, Konfidenzintervalle, Wachstumswerte und Altersäquivalente vor. Für die Bayley-III-Screeningversion wurden Cut-off-Werte für den 2. und 25. Prozentrang ermittelt.

 

Testkonzept

 

Theoretischer Hintergrund

Die in der Entwicklungsdiagnostik seit vielen Jahren etablierten Bayley Scales of Infant and Toddler Development erlauben es, Entwicklungsauffälligkeiten bereits im Säuglings- und Kleinkindalter festzustellen. Auf diese Weise können Interventionsmaßnahmen frühzeitig eingeleitet und so der Behandlungs-/Trainingserfolg optimiert werden. Die aktuell vorliegende dritte Auflage der Bayley Skalen (Bayley-III) liegt sowohl in ihrer englischsprachigen Originalversion (Bayley, 2006) als auch in einer deutschen Übersetzung vor (Reuner & Rosenkranz, 2014a, 2014b). Dabei wurden im Vergleich zur Bayley-II verschiedene Neuerungen umgesetzt (z. B. Schultheiss, 2015). Mithilfe der neuen Skalenstruktur ist es künftig möglich, den kognitiven, sprachlichen und motorischen Entwicklungsstand eines Kindes getrennt voneinander zu erfassen. Dabei erhöht die im Vergleich zur Bayley-II geringere Konfundierung zwischen sprachlichen und kognitiven Fähigkeiten zum einen die Präzision der erfassten Teilbereiche und zum anderen die Eignung der Bayley-III für klinische Anwendungen. Bspw. können Kinder mit verspäteter Sprachentwicklung oder anderer Muttersprache als Deutsch gut über die weitgehend handlungsorientierten Aufgaben der kognitiven Skala erreicht werden. Mit der deutschen Übersetzung und Adaption liegen erstmalig auch deutschsprachige Normen vor.
Anders als in den beiden Vorgängerversionen müssen altersbezogene Aufgabenbereiche nicht mehr komplett durchgeführt werden. Vielmehr wurde die Testdurchführung mittels eindeutig festgelegter (altersabhängiger) Startpunkte und einfacher Einstiegs-, Umkehr- und Ausstiegsregeln erheblich vereinfacht.
 

Testaufbau

Der Test besteht aus den drei übergeordneten Skalen Kognition, Sprache und Motorik. Die letzten beiden Skalen gliedern sich in folgende Untertests: Sprache Rezeptiv, Sprache Expressiv, Feinmotorik und Grobmotorik. Tabelle 1 gibt Aufschluss über die diagnostische Zielsetzung sowie die Skalenzugehörigkeit der einzelnen Untertests.

Tabelle 1
Skalen und Untertests der Bayley Scales of Infant Development - Third Edition (Reuner & Rosenkranz, 2014b, S. 9 ff.)
--------------------------------------------------------------------- 
Skala UT Diagnostische Zielsetzung
---------------------------------------------------------------------
Kog Kog (91) Untersuchung der sensomotorischen Entwicklung, des
Explorations- und Manipulationsverhaltens, der
Objektbezogenheit und Begriffsbildung sowie des
Gedächtnisses und verschiedener Aspekte der
kognitiven Verarbeitung
Spr SprR (49) Untersuchung der kindlichen Reaktionen auf Zuwen-
dung, Geräusche und Kommunikationsangebote, der
passiven Wortschatzentwicklung, rezeptiven morpho-
logischen Sprachentwicklung und des Verstehens
morphologischer Marker; außerdem soziales Referen-
zieren und Verstehen von Tätigkeitswörtern
SprE (46) Untersuchung der präverbalen Kommunikation, des
aktiven Wortschatzes, der morpho-syntaktischen
Entwicklung und aktiven Sprache
Mot MotF (66) Untersuchung der visuellen Verfolgung von
Objekten, des Greifens, der Objektmanipulation,
Handfertigkeiten und Reaktionen auf taktile
Informationen
MotG (72) Untersuchung des Sich-Aufrichtens, der dynamischen
Bewegung, Balance und Bewegungsplanung
---------------------------------------------------------------------
Anmerkungen. UT = Untertest, Kog = Kognition, Spr = Sprache, Mot = Motorik, SprR = Sprache Rezeptiv, SprE = Sprache Expressiv, MotF = Feinmotorik, MotG = Grobmotorik. Itemanzahl in Klammern.
 

Auswertungsmodus

Itemantworten (0 = Kriterium wurde nicht erfüllt, 1 = Kriterium wurde erfüllt) und etwaige Kommentare werden bereits während der Testdurchführung im Protokollbogen vermerkt. Informationen zur Auswertung der einzelnen Items können im Manual nachgeschlagen werden. Im Anschluss an die Testdurchführung werden alle beantworteten sowie all jene Items aufaddiert, die vor dem altersabhängigen Startpunkt liegen. Der auf diese Weise errechnete Rohwert kann dann anhand der entsprechenden Tabellen in standardisierte Untertestwerte (M = 10, SD = 3), Skalenwerte (M = 100, SD = 15), Prozentränge und 90%- bzw. 95%-Konfidenzintervall transformiert werden. Für eine grafische Veranschaulichung der resultierenden Werte dient ein Profildiagramm. Darüber hinaus können diskrepante Untertestwerte auf Signifikanz geprüft und bei Messwiederholungen Wachstumswerte bestimmt werden.
Die Auswertung der anhand der Screeningversion erzielten Testwerte erfolgt über altersabhängige Cut-off-Werte. Je nach Rohwert kann die Leistung eines Kindes damit als "unauffällig" (PR > 25), "gefährdet" (PR 2-25) oder "auffällig" (PR < 2) klassifiziert werden.
 

Auswertungshilfen

Es liegen keine speziellen Auswertungshilfen vor.
 

Auswertungszeit

Es liegen keine Angaben zur Auswertungszeit vor.
 

Itembeispiele

Im Folgenden werden Itembeispiele für jeden Untertest angegeben.
(1) Kognitive Skala:
65. "Symbolisches Spiel"
Einsatz verschiedener Gegenstände (z. B. Plastikbecher, Löffel, Puppe, Waschlappen) zum Symbolspiel, wobei das Spielverhalten des Testleiters aufgegriffen wird.

(2) Sprachskala:
(a) Sprache Rezeptiv:
28. "Versteht die Beziehung zwischen einem Teil zu seinem Ganzen"
Korrektes Zeigen im Stimulusbuch abgedruckter und vom Testleiter benannter Gegenstände (z. B. "Tür des Autos").
(b) Sprache Expressiv:
32. "Stellt Mehr-Wort-Fragen"
Verwendung von mindestens einer Zwei- oder Mehr-Wort-Frage während der Untersuchung.

(3) Motorikskala:
(a) Feinmotorik:
50. "Baut Mauer"
Korrektes Nachbauen einer Mauer aus vier Bauklötzen.
(b) Grobmotorik:
62. "Läuft 4 Schritte auf Zehenspitzen"
Gehen von mindestens vier Schritten auf Zehenspitzen.
 

Durchführung

 

Testformen

Neben der englischsprachigen Originalversion existiert auch eine niederländische Adaption des Verfahrens (Van Baar, Steenis & Verhoeven, 2014). Es liegen jeweils eine Lang- und eine Screeningversion vor. Der Test wird im Einzelsetting durchgeführt.
 

Altersbereiche

Die Bayley-III-Skalen können bei Säuglingen und Kleinkindern zwischen 1 und 42 Monaten eingesetzt werden.
 

Durchführungszeit

Für die Durchführung aller Untertests müssen bei Kindern zwischen 1 und 12 Monaten etwa 50 Minuten, bei Kindern zwischen 13 und 42 Monaten etwa 90 Minuten veranschlagt werden. Wird hingegen nur der Screeningtest eingesetzt, beträgt die Durchführungszeit zwischen 15 und 30 Minuten.
 

Material

Das Testmaterial befindet sich in einem Rollkoffer und enthält neben einem technischen Manual jeweils für die Lang- und Screeningversion ein Manual zur Testdurchführung, ein Stimulusbuch, 25 Protokollbögen und eine laminierte Checkliste "Beiläufige Beobachtungen". Außerdem sind im Testkoffer als Materialien enthalten: ein Pappbilderbuch "Im Zoo mit Lasse", 25 Elternberichte, ein Aufsteller aus Pappe, 12 Bauklötze, 16 Stifte, eine Spardose, ein Maßband, ein Spielzeugbär, eine Glocke, blaue und rote Steckteile, ein Steckbrett, eine Flasche, ein Glitzerarmband, ein Tuch mit Knopfloch, ein Auto, eine durchsichtige Box, ein Kamm, Steckbausteine, eine Tasse mit Henkel, eine Puppe, ein Beutel, fünf Farbscheiben, eine Fädelkarte, ein großer Ball, Memory-Karten, ein Spiegel, ein Bilderbuch, ein Formbrett, drei Puzzles, eine Rassel, ein Ring mit/ohne Schnur, sieben Spielzeugenten, ein Schnürsenkel, ein Quietschspielzeug, ein blaues Maßband, ein Vorlesebuch, drei Plastikbecher, drei Löffel, zwei Bleistifte, zwei rote Buntstifte und zwei Waschlappen.
 

Instruktion

Die Instruktionen sind nicht standardisiert und werden vom Testanwender individuell vorgegeben. Hinweise zur Durchführung der einzelnen Untertests können im Manual nachgeschlagen werden.
 

Durchführungsvoraussetzungen

Wenngleich die Reihenfolge der Untertests beliebig variiert werden kann, müssen alle Untertests in einer Sitzung bearbeitet werden. Zur Bestimmung des individuellen Startpunktes muss vor der Testdurchführung zunächst das exakte Testalter berechnet werden. Während der Testdurchführung wiederum sind die (für alle Untertests identischen) Umkehr- und Abbruchregeln zu beachten. Für eine reliable und valide Testung sind zudem hinreichende Kenntnisse und Erfahrungen im Bereich der Entwicklungsdiagnostik seitens des Testanwenders wesentlich.
 

Testkonstruktion

Das Verfahren basiert auf der Klassischen Testtheorie.
Ziel der Überarbeitung der Bayley-II Skalen war es, bei gleichbleibender Gesamtqualität, deren a) Messgenauigkeit, b) Aktualität und c) Praktikabilität zu erhöhen (Reuner & Rosenkranz, 2014a, S. 29 ff.).
a) Durch die Aufnahme neuer Aufgaben im niedrigen und hohen Leistungsbereich sollten Boden- und Deckeneffekte künftig geringer ausfallen. Außerdem wurden Maßnahmen zur Verbesserung der Reliabilität und Validität vorgenommen sowie ein etwaiger Itembias überprüft.
b) Zur Verbesserung der Aktualität des Verfahrens wurden Items modifiziert und das Testmaterial noch kindgerechter gestaltet. Hierzu wurden zwei Items aus dem Untertest "Sprache Expressiv" entfernt und neue Items zur frühkindlichen Spielentwicklung in der "Kognitiven Skala" aufgenommen. Die Items für die Screeningversion wiederum bilden Items der Langform, die von 25% der Kinder einer Altersgruppe nicht gelöst wurden. Anhand dieser "leichten" Items soll der Screeningtest Kinder mit Werten in den unteren 25 Prozenträngen identifizieren.
c) Die veränderten und nun eindeutig festgelegten altersbezogenen Startpunkte sollen zusammen mit einfachen Einstiegs-, Umkehr- und Abbruchregeln die praktische Handhabung der Bayley-III deutlich verbessern. Die veränderte Skalenstruktur soll darüber hinaus eine differenziertere Diagnostik bei unterschiedlichen klinischen Patientengruppen gewährleisten.
Die englischsprachige Originalversion wurde von Reuner und Rosenkranz (2014a, 2014b) übersetzt und zusammen mit Mitarbeiten von Pearson Assessment Deutschland redigiert.
 

Gütekriterien

 

Objektivität

Auswertungs- und Interpretationsobjektivität sind aufgrund der relativ einfachen Auswertungsregeln sowie der detaillierten Anweisungen im Testmanual gegeben. Hingegen liegt aufgrund der unstandardisierten Instruktionen und der flexiblen Gestaltung der Untertestreihenfolge keine Durchführungsobjektivität vor.
 

Reliabilität

Zur Bestimmung der Reliabilität wurden interne Konsistenzen berechnet. Hierzu diente die Testhalbierungsmethode sowie die Berechnungsformel nach Guilford (1954). Die Koeffizienten wurden für 14 Altersgruppen bestimmt und lagen für die Langform zwischen rtt = .77 (Sprache Rezeptiv) und rtt = .89 (Grobmotorik) sowie für die Screeningversion zwischen rtt = .68 (Feinmotorik) und rtt = .83 (Grobmotorik).
Ergebnisse zur Retestreliabilität liegen derzeit (Juli 2015) nur exemplarisch vor. Bei n = 54 frühgeborenen Kindern im Alter von korrigiert 7 (Test) und 24 (Retest) Monaten betrug die Retestreliabilität zwischen rtt = .20 (Sprache Expressiv) und rtt = .46 (Grobmotorik).
 

Validität

Für die Konstruktvalidität der Bayley-III Skalen sprechen erwartungskonforme Interkorrelationen und die faktorielle Struktur des Verfahrens. Die überwiegend hohen Korrespondenzen zwischen Elterneinschätzungen und den sprachlichen und kognitiven Leistungen im Bayley-III unterstreichen darüber hinaus dessen Kriteriumsvalidität. Ferner liegen erste Hinweise für die klinische Validität der Bayley-III vor.
Konstruktvalidität:
Die insgesamt erwartungskonformen Interkorrelationsmuster unterstützen den Herausgebern zufolge "die A-priori-Hypothese (sic!) von eng miteinander verbundenen Entwicklungsleistungen in der frühen Kindheit" (Reuner & Rosenkranz, 2014a, S. 71). Darüber hinaus konnte mittels konfirmatorischer Faktorenanalyse das zugrunde gelegte dreifaktorielle Modell der englischsprachigen Testversion bestätigt werden. Dieses gilt sowohl bezogen auf die Gesamt- als auch auf die unterschiedlichen Altersgruppen (Gruppe 1: 0;16 bis 6;22 Monate, Gruppe 2: 6;23 bis 43;15 Monate).
Kriteriumsvalidität:
Für den Vergleich zwischen Testwerten und Elterneinschätzungen absolvierten n = 54 ehemals frühgeborene Kinder sowohl die kognitive als auch die sprachliche Skala des Bayley-III. Zusätzlich schätzten die Eltern der Kinder deren kognitive und sprachliche Leistungen mithilfe des a) Parent-Based Assessment of the Cognitive Abilities of 2-Year-Old Infants (PARCA; Saudino et al., 1998; Johnson et al., 2004) und der b) Sprachbeurteilung durch die Eltern - Kurztest für die U7 (SBE-2-KT; Suchodoletz, 2008) ein. Wenngleich für beide Skalen signifikante Korrespondenzen gefunden werden konnten, fielen jene der sprachlichen Leistungen besonders hoch aus. So korrelierten SprE und SBE-2-KT zu r = .69 (p < .01), Sprache und SBE-2-KT zu r = .67 (p < .001), Kognition und SBE-2-KT zu r = .45 (p < 0.1) und SprR und SBE-2-KT zu r = .43 (p < .01).
Darüber hinaus unterstreichen erwartungskonforme Übereinstimmungen zwischen den Klassifikationen des Bayley-III-Screeningtests und den Untertestwerten der Bayley-III-Skalen die Kriteriumsvalidität des Screeningtests. Die Sensitivitätswerte lagen zwischen 72% (MotF) und 91% (SprE), die Spezifitätswerte zwischen 80% (MotF) und 89% (SprR).
Klinische Validierung:
Bislang liegen nur wenige Informationen zur klinischen Validierung der Bayley-III-Skalen vor. Erste Hinweise liefern jedoch die Ergebnisse einer Untersuchung von Reuner, Rosenkranz, Buschmann, Bach und Pietz (2015) an n = 23 Kindern mit Trisomie 21 (Alter: M = 32.9 Monate, SD = 6.5; Geschlecht: n = 17 Jungen, n = 6 Mädchen). Erwartungskonform waren deren kognitive und sprachliche Leistungen (die Motorik-Skala wurde nicht bearbeitet) im Mittel deutlich unterdurchschnittlich. Dabei lagen die sprachlichen Leistungen nochmal acht Standardwertpunkte unterhalb der kognitiven Leistungen, wobei die schwächsten Ergebnisse in SprR erzielt wurden.
 

Normierung

Anders als noch bei der Vorgängerversion liegen zur deutschen Fassung der Bayley-III-Skalen erstmals auch deutsche Normen vor. Dabei erfolgte die Normwertberechnung u. a. mithilfe des sog. inferential norming (Zhu & Chen, 2011). Auf diese Weise wurden sowohl beobachtete als auch geschätzte Werte und Parameter (M, SD, Schiefe) bei der Kennwerteberechnung berücksichtigt.
Die Stichprobe umfasste N = 878 Kinder, davon n = 438 Mädchen und n = 440 Jungen, im Alter von 0;16 Tagen bis 42;15 Monaten, wobei Kinder mit bekannten Entwicklungsstörungen, genetischen Defekten, Frühgeburtlichkeit etc. von vornherein ausgeschlossen wurden. Die untersuchten Kinder verteilen sich über alle 17 Altersgruppen, für die ein Startpunkt definiert war. Da für die Altersgruppen 1 und 2 (0;16 Tage bis 2;15 Monate) insgesamt nur 17 Fälle zur Verfügung standen, wurden hierfür Daten aus der niederländischen Normierung eingeschlossen. Es konnten keine signifikanten Zusammenhänge zwischen dem Bildungsniveau der Eltern und den Leistungen der Kinder festgestellt werden.
Für die Bayley-III-Langform liegen standardisierte Untertest- und Skalenwerte, Prozentränge, Konfidenzintervalle, Wachstumswerte und Altersäquivalente vor. Für die Bayley-III-Screeningversion wurden Cut-off-Werte für den 2. und 25. Prozentrang ermittelt. Das Funktionsniveau der Kinder kann dementsprechend als "auffällig" (PR < 2), "gefährdet" (PR 2-25) oder "unauffällig" (PR > 25) klassifiziert werden.
 

Anwendungsmöglichkeiten

Die Bayley-III-Skalen dienen primär zur frühzeitigen Diagnostik von Entwicklungsverzögerungen, wobei sie sich u. a. auch für den Einsatz bei verschiedenen klinischen Patientengruppen eignen. Für eine erste grobe Klassifizierung sowie als Entscheidungshilfe für weitere Untersuchungen kann die Screeningversion des Verfahrens verwendet werden. Anwender sind in erster Linie Psychologen sowie Kinder- und Jugendpsychotherapeuten/-psychiater. Hinreichende diagnostische Fähigkeiten vorausgesetzt, können sie jedoch auch von anderen Berufsgruppen (Pädagogen, (Kinder-)Ärzten, Ergotherapeuten etc.) eingesetzt werden.
Die relativ große Altersspanne sowie die internationale Verbreitung des Verfahrens ermöglichen zudem längsschnittliche Untersuchungen und eine hohe (internationale) Vergleichbarkeit (Schultheiss, 2015). Dementsprechend eignen sich die Bayley-III Skalen nicht nur für praxisbezogene, sondern auch für forschungsbezogene Kontexte.
 

Bewertung

Mit den Bayley-III-Skalen liegt die aktuell dritte Auflage des im Bereich der Entwicklungsdiagnostik bereits seit vielen Jahren etablierten Verfahrens vor. Dabei bringen die umgesetzten Veränderungen eine höhere Messgenauigkeit, Aktualität und Praktikabilität mit sich. So ist künftig eine differenziertere Diagnostik der einzelnen Entwicklungsbereiche möglich und das Verfahren damit besser für den klinischen Anwendungsbereich geeignet.
Neben der praktischen Bewährtheit des Bayley-III sprechen sowohl die verschiedenen Validitätsaspekte der Lang- und Screeningversion als auch deren entsprechende Reliabilitätskennwerte für das Verfahren. Beispielsweise unterstützen die erwartungskonformen Übereinstimmungen zwischen Elterneinschätzungen und den Testleistungen im kognitiven und sprachlichen Bereich die Kriteriumsvalidität. Mit Kennwerten zwischen rtt = .77 und rtt = .89 (Langform) sowie zwischen rtt = .68 und rtt = .83 (Screeningversion) verfügen die Bayley-III-Skalen darüber hinaus über mittlere bis hohe Reliabilitäten. Lediglich die Untersuchungen zur klinischen Validität sollten in naher Zukunft ausgebaut werden.
Die Neugestaltung des Testmaterials ist anspruchsvoll und sehr kindgerecht. Zusammen mit den gut strukturierten Test- und Durchführungsmanualen und dem übersichtlichen Protokollbogen gewährleisten die eindeutig festgelegten Startpunkte sowie die einfachen Einstiegs-, Umkehr- und Abbruchregeln eine hohe Praktikabilität bei der Testdurchführung. Die Existenz einer Lang- und Screeningversion ermöglicht außerdem eine gute Abstimmung der Testanwendung auf die jeweilige Zielgruppe. Es sollte jedoch nicht aus den Augen verloren werden, dass mit einer hohen Einarbeitungszeit zu rechnen ist. Darüber hinaus sichert die feste Itemreihenfolge zwar einerseits eine hohe Interraterreliabilität, schränkt andererseits aber auch die Flexibilität des Testanwenders ein.
 

Literatur

  • Bayley, N. (2006). Bayley Scales of Infant and Toddler Development (BSID-III) (3rd ed.). San Antonio, TX: Harcourt.
  • Johnson, S., Marlow, N., Wolke, D., Davidson, L., Marston, L., O'Hare, A., Peacock, J. & Schulte, J. (2004). Validation of a parent report measure of cognitive development in very preterm infants. Developmental Medicine and Child Neurology, 46 (6), 389-397.
  • Reuner, G. & Rosenkranz, J. (Hrsg.). (2014a). BAYLEY-III. Bayley Scales of Infant Development Third Edition - Deutsche Fassung. Technisches Manual zu den Bayley-III Skalen und dem Bayley-III Screening Test. Frankfurt a.M.: Pearson.
  • Reuner, G. & Rosenkranz, J. (Hrsg.). (2014b). BAYLEY-III. Bayley Scales of Infant Development Third Edition - Deutsche Fassung. Manual zur Durchführung und Auswertung der Bayley-III Skalen. Frankfurt a.M.: Pearson.
  • Reuner, G., Rosenkranz, J., Buschmann, A., Bach, C. & Pietz, J. (2015). German version and Standardization of the Bayley Scales of Infant and Toddler Development, 3rd Edition: First results on clinical validity and criteria validity of the cognitive scale and language scale. Neuropediatrics, 46 - FV01-01. (DOI: 10.1055/s-0035-1548560).
  • Saudino, K. J., Dale, P. S., Oliver, B., Petrill, S. A., Richardson, V., Rutter, M., Simonoff, E., Stevenson, J. & Plomin, R. (1998). The validity of parent-based assessment of the cognitive abilities of 2-year-olds. British Journal of Developmental Psychology, 16 (3), 349-362.
  • Schultheiss, D. (2015). BAYLEY-III. Bayley Scales of Infant and Toddler Development - Third Edition. Einführung in die Bayley-III Skalen und den Bayley-III Screening Test inklusive eines Vergleichs mit der Vorgängerversion (Bayley-II) (White Paper). Frankfurt a.M.: Pearson.
  • Suchodoletz, W. v. (2008). Der SBE-2-KT - ein neuer Kurztest zur Früherkennung von Late Talkers bei der U7. Kinderärztliche Praxis, 79 (5), S. 308.
  • Van Baar, A. L., Steenis, L. J. P. & Verhoeven, M. (2014). Bayley-III-NL. Administration manual. Amsterdam: Pearson.
  • Zhu, J. & Chen, H.-Y. (2011). Utility of inferential norming with smaller sample sizes. Journal of Psychoeducational Assessment, 29, 570-580.
 

Originalfassung/Anderssprachige Fassungen

  • Bayley, N. (2006). Bayley Scales of Infant and Toddler Development - Third Edition. San Antonio, TX: Harcourt.
  • Van Baar, A. L., Steenis, L. J. P. & Verhoeven, M. (2014). Bayley-III-NL. Administration manual. Amsterdam: Pearson.
 

Rezensionen

  • Macha, T. & Petermann, F. (2015). Bayley Scales of Infant and Toddler Development, Third Edition - Deutsche Fassung (Klinische Untersuchungsverfahren). Zeitschrift für Psychiatrie, Psychologie und Psychotherapie, 63 (2), 139-143.
 
 Jennifer Schroth (01.07.2015)
 APA-Schlagworte/PSYNDEX Terms:

Classical Test Theory; Observation Methods; Pictorial Stimuli; Subtests; Test Norms; Screening Tests; Developmental Measures; Bayley Scales of Infant Development; Developmental Psychology; Infant Development; Cognitive Development; Motor Development; Language Development; Psychosocial Development; Delayed Development

Klassische Testtheorie; Beobachtungsmethoden; Bild-Stimuli; Untertests; Testnormen; Screening Tests; Entwicklungstests; Bayley Scales of Infant Development; Entwicklungspsychologie; Entwicklung im Säuglings- und Kleinkindalter; Kognitive Entwicklung; Motorische Entwicklung; Sprachentwicklung; Psychosoziale Entwicklung; Entwicklungsverzögerung

 weitere Schlagworte:

1969 (englischsprachige Originalversion); 1993 (2nd ed.); 2007 (2nd ed., deutschsprachige Version); 2006 (3rd ed.); 2014 (3rd ed., deutschsprachige Version); Fremdbeurteilung; Screeningversion; Rezeptive Sprachfähigkeiten; Expressive Sprachfähigkeiten; Feinmotorik; Grobmotorik; ab 1 Monat; bis 42 Monate; 324 Items; Skalen: 1 Kognition, 2 Sprache, 3 Motorik; Normierungsjahr: 2014; Normstichprobe: 878
 Klassifikation:

Entwicklungstests; Kognitive Entwicklung und Wahrnehmungsentwicklung
Allgemeine Entwicklungstests
1.2
 Anwendungstyp: Individual Diagnosis, Clinical Diagnosis
 Art der Publikation: Test; Test in Print (90; 911)
 Sprache: German
 Übersetzungen: Dutch, English
 Land: United States
 Publikationsjahr: 2014
 Änderungsdatum: 201705
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