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BIKO-Screening zur Entwicklung von Basiskompetenzen für 3- bis 6-Jährige

 PSYNDEX Tests-Dokument: 9006853
 

BIKO 3-6 - BIKO-Screening zur Entwicklung von Basiskompetenzen für 3- bis 6-Jährige (PSYNDEX Tests Review)

 

BIKO-Screening for the Development of Basic Skills of 3 to 6 Years Old Children/zpid
Synonym(e): BIKO-Screening 3-6; BIKO-Screening

 Souvignier, E., Holodynski, M., Seeger, D., Brunner, M., Krajewski, K., Schöler, H. & Zimmer, R.
 (2014). BIKO 3-6. BIKO-Screening zur Entwicklung von Basiskompetenzen für 3- bis 6-Jährige [Testmaterial komplett in weißer Tragebox: Manual, Anleitungsheft Sozio-emotionale Basiskompetenzen (KIPPS), Anleitungsheft Motorische Basiskompetenzen (MOT 4-8 Screen), Anleitungsheft Numerische Basiskompetenzen (MBK-0), Anleitungsheft Sprachliche Basiskompetenzen (HASE), 25 Protokoll- und Auswertungsbögen "Roter Faden", 25 Bildungsdokumentationen, Materialien MOT 4-8, Materialien MBK-0 und Materialien HASE]. Göttingen: Hogrefe.

Preis: Euro 898,00 (Test komplett; Stand: 25.7.2017)

 Bezugsquelle: Testzentrale Hogrefe Verlag GmbH & Co. KG, Herbert-Quandt-Straße 4, D-37081 Göttingen ; E-Mail: testzentrale@hogrefe.de ; URL: http://www.testzentrale.de/ ; Stand: 1.11.2017.
 Adresse(n): o Prof. Dr. Elmar Souvignier, Universität Münster, Institut für Psychologie in Bildung und Erziehung, Lehrstuhl: Diagnostik und Evaluation im schulischen Kontext, Fliednerstraße 21, D-48149 Münster ; E-Mail: elmar.souvignier@uni-muenster.de ; URL: http://www.uni-muenster.de/PsyIPBE/aesouvignier/personen/souvignier.html ; Stand: 21.01.2015
o Dr. Monika Brunner, Universitätsklinikum Heidelberg, Zentrum für Psychosoziale Medizin, Im Neuenheimer Feld 672, D-69120 Heidelberg ; E-Mail: monika.brunner@med.uni-heidelberg.de ; URL: https://www.klinikum.uni-heidelberg.de/Lese-Rechtschreib-Schwaeche.114888.0.html ; Stand: 10.6.2016
o Prof. Dr. Kristin Krajewski, Pädagogische Hochschule Ludwigsburg, Institut für Psychologie, Reuteallee 46, D-71634 Ludwigsburg ; E-Mail: krajewski@ph-ludwigsburg.de ; URL: https://www.ph-ludwigsburg.de/15991.html ; Stand: 9.11.2017
o Prof. Dr. Renate Zimmer, Universität Osnabrück, Institut für Sport- und Bewegungswissenschaften, Jahnstraße 75, D-49080 Osnabrück ; E-Mail: renate.zimmer@uos.de ; URL: http://www.renatezimmer.de/ ; Stand: 29.01.2016
o Prof. Dr. Manfred Holodynski, Westfälische Wilhelms-Universität Münster, Institut für Psychologie in Bildung und Erziehung, Fliednerstraße 21, D-48149 Münster ; E-Mail: manfred.holodynski@psy.uni-muenster.de ; URL: https://www.uni-muenster.de/PsyIPBE/AEHolodynski/personen/holodynski.html ; Stand: 18.05.2017
o Dipl.-Psych. Dorothee Seeger, Westfälische Wilhelms-Universität Münster, Institut für Psychologie in Bildung und Erziehung, Fliednerstraße 21, D-48149 Münster ; E-Mail: dorothee.seeger@uni-muenster.de ; URL: https://www.uni-muenster.de/PsyIPBE/AEHolodynski/personen/seeger.html ; Stand: 25.7.2017
 WWW-Informationen:
 

Abstract

Diagnostische Zielsetzung:
Das BIKO 3-6 ist ein aus vier Screenings bestehender Entwicklungstest, der in Kindertageseinrichtungen, sozial-pädiatrischen Beratungsstellen und Fördereinrichtungen sowie Kinderpraxen zur Dokumentation (auch Elterndokumentation) des sozio-emotionalen, motorischen, numerischen und sprachlichen Entwicklungstandes, zur Erstellung von Entwicklungsprognosen sowie Erkennung von möglichen Entwicklungsrisiken eingesetzt werden kann.


Aufbau:
Der Test umfasst insgesamt 12 Kompetenzskalen, die in vier Entwicklungsbereiche unterteilt sind: (1) Sozio-emotionale Basiskompetenzen mit (1a) Kooperationsbereitschaft gegenüber erwachsenen Erziehungspersonen, (1b) Integration in die Gruppe, (1c) Problemverhalten gegenüber Gleichaltrigen, (1d) Prosoziales Verhalten gegenüber Gleichaltrigen (6 Items), (1e) Spiel- und Aufgabenverhalten, (1f) Regulationsverhalten in Problemsituationen, (2) Motorische Basiskompetenzen, (3) Numerische Basiskompetenzen, (4) Sprachliche Basiskompetenzen mit (4a) Nachsprechen von Sätzen, (4b) Wiedergeben von Zahlenfolgen, (4c) Erkennen von Wortfamilien, (4d) Nachsprechen von Kunstwörtern.


Grundlagen und Konstruktion:
Das Verfahren ist nach den Prinzipien der Klassischen Testtheorie konzipiert worden. Ausgangspunkt für die Testkonstruktion war der von den Kultus- und Familienministerien seit 2003 geforderte elementare Bildungsauftrag an die Kindertagesstätten. Dabei sollten die sprachliche, numerische, motorische und sozio-emotionale Entwicklung anhand von vier getrennten Skalen erhoben werden, wobei das Verfahren möglichst zeitökonomisch, benutzerfreundlich, praxistauglich, reliabel und valide sein sollte. Darüber hinaus sollten die Items, die vorzugsweise zur besseren Beobachtbarkeit und Dokumentierbarkeit der Kompetenzen als Durchführungsaufgaben gestaltet sind, eine Differenzierung im unteren Drittel ermöglichen. Die Itemselektion bzw. die vier Kompetenzskalen wurden aus bestehenden Screeningverfahren gebildet: KIPPS-Skalen zur sozio-emotionalen Entwicklung von Kindern zwischen 3 und 6 Jahren, MOT 4-8 Screen, HASE und MBT-0. Das BIKO-Screening wurde psychometrisch überprüft und normiert. Die Trennschärfen und die Schwierigkeiten der einzelnen Skalen bzw. Items wurden ermittelt und variieren stark (rit = .18-.83, P = .01-.97).


Empirische Prüfung und Gütekriterien:
Reliabilität: Die Interne Konsistenz (Cronbachs Alpha) lag für die einzelnen Skalen zwischen Alpha = .70 (Subskala "Nachsprechen von Kunstwörtern") und Alpha = .90. Insgesamt konnten die höchsten Alpha-Werte bei den sozio-emotionalen Fähigkeitsskalen erzielt werden. Die Retestreliabilität nach einem Zeitraum von acht Monaten bewegte sich zwischen rtt = .52 (Subskala "Nachsprechen von Kunstwörtern") und .84 (Skala "Numerisches Denken").
Validität: Alle vier Kompetenzskalen sind inhaltsvalide. Die aus den Ursprungsverfahren entnommenen Skalen sind entweder theoriegeleitet entwickelt worden (und auch durch Expertenurteile abgesichert) oder es wurden Recherchen (meta-analytische Befunde, ähnliche Verfahren, Aufgabendefinition) angestellt, um Aufgaben zu finden, die die Messvariable genau abbilden. Zur Überprüfung der Konstruktvalidität der Sozio-emotionalen und Motorischen Skala liegen Ergebnisse aus Faktorenanalysen vor (Motorische Skala: Einfaktorlösung; Sozio-emotionale Skala: Fünffaktorenmodell). Zudem wurde eine Interkorrelationsstudie mit den sechs Sozio-emotionalen Skalen durchgeführt. Die Werte bewegen sich zwischen r = .13 und .69. Die Kriteriumsvalidität wurde für die Motorische, Numerische und Sprachliche Skala berechnet. Mit ähnlichen Verfahren bzw. Konstrukten finden sich erwartungsgemäß positive Zusammenhänge (z. B. r = .79-.80 mit den Motoriktests KTK und MOT 4-6; r = .60-.67 zwischen Numerischer Skala und Mathematiknote am Ende der ersten Klasse). Negative Korrelationen ergeben sich beispielsweise zwischen der Motorischen Skala und Intelligenztests (r = .08-.19) sowie zwischen der Sprachlichen Skala und mehreren schulischen Leistungsvariablen (z. B. Deutsch-, Lese-, Rechtschreib-, Mathematiknote, Wortschatz, Grammatik; r = -.13 bis -.54). Die prognostische Validität aller Skalen wurde anhand von Längsschnittstudien bestimmt und nachgewiesen.
Normen: Die Eichung fand im Sommer 2011 an N = 1 748 Kindern (49% weiblich) aus 40 Kitas statt. 382 der sechs Jahre alten Kinder (47.7% weiblich) wurden vor Schulbeginn erneut untersucht. Es liegen für alle vier Entwicklungsbereiche Normen in Form von Prozentrangwerten und -bändern sowie z- und T-Werte getrennt nach Altersgruppen in Halbjahresschritten (3;0-3;5, 3;6-3;11; 4;0-4;5 etc.) vor.

 

Testkonzept

 

Theoretischer Hintergrund

Das BIKO-Screening zur Entwicklung von Basiskompetenzen für 3- bis 6-Jährige (BIKO 3-6; Souvignier et al., 2014) dient der Erfassung von sozio-emotionalen, motorischen, numerischen und sprachlichen Basiskompetenzen von Kindergartenkindern. Es wurde im Rahmen eines Projekts entwickelt und erhielt so seinen Namen: "Bildung Im Kindergarten Organisieren" (= BIKO). Kindergärten stellen seit 2003 eine Bildungseinrichtung dar, sie sind weit mehr als nur eine Betreuungsstelle. Die Jugend- und Kultusministerien fordern eine systematische Beobachtung und Dokumentation der Bildungsprozesse der Kindergartenkinder. Zweck dieser Forderung ist es auch, Entwicklungsrückstände frühzeitig zu erkennen und diejenigen zu fördern, für die ein erfolgreicher Schuleintritt gefährdet ist (S. 7). Dadurch liegt ein Bedarf nach einer forschungsbasierten Entwicklungsdiagnostik vor (S. 3). Die schulischen Voraussetzungen, die sogenannten Vorläuferfertigkeiten, müssen standardisiert beobachtet und dokumentiert werden und es sind gegebenenfalls bei Entwicklungsdefiziten Fördermaßnahmen einzuleiten - rechtzeitig zur Einschulung. Studien belegen, dass es einen Zusammenhang zwischen schulischen Vorläuferfertigkeiten und dem späteren Lernerfolg gibt (Hasselhorn & Schneider, 2011). Der Fokus liegt demnach auf der Messung von schulischen Vorläuferfertigkeiten und möglichen Entwicklungsrisiken. Erziehern sollen akzeptable und einfach durchführbare und auswertbare Instrumente angeboten werden, deren Ergebnisse sie auch den Eltern auf einfachem Wege vermitteln können (Souvignier et al., 2014, S. 3). Hierfür müssen Erzieher die schulischen Basiskompetenzen kennen. Weitere Voraussetzungen sind zudem der Zugang zu Vorschultests und die Bereitstellung von Fördermaterial zur Vermeidung von Entwicklungsdefiziten.
Bisher mangelt es in den Bildungsplänen an konkreten Hinweisen, wie diese Beobachtung und Dokumentation sowie eine kompensatorische Entwicklungsförderung aussehen sollen. Auch fehlen Angaben darüber, über welche Kenntnisse Erzieher für die Anwendung von Verfahren besitzen sollen (Souvignier et al., 2014, S. 7).
Das BIKO-Screening sollte den testtheoretischen Gütekriterien genügen sowie alle Entwicklungsbereiche abdecken. Dazu wurden vier bereits existierende Screeningverfahren zusammengelegt. Zudem sollte mit dem Verfahren eine mehrjährige Entwicklungsdokumentation möglich sein, um Entwicklungsrisiken aufdecken und entsprechende Fördermaßnahmen einleiten zu können. Des Weiteren sollte es praxistauglich sein (Souvignier et al., 2014, S. 7-8).
 

Testaufbau

Mit dem BIKO 3-6 werden anhand von 12 Skalen vier Entwicklungsbereiche gescreent (Souvignier et al., 2014, S. 25 ff.):
(1) Sozio-emotionale Basiskompetenzen (sechs Subskalen, insg. 38 Items)
(1a) Kooperationsbereitschaft gegenüber erwachsenen Erziehungspersonen (6 Items)
(1b) Integration in die Gruppe (6 Items)
(1c) Problemverhalten gegenüber Gleichaltrigen (6 Items)
(1d) Prosoziales Verhalten gegenüber Gleichaltrigen (6 Items)
(1e) Spiel- und Aufgabenverhalten (6 Items)
(1f) Regulationsverhalten in Problemsituationen (8 Items)
(2) Motorische Basiskompetenzen (Balancieren, Springen, Laufen, Fangen, Drehen; 6 Aufgaben)
(3) Numerische Basiskompetenzen (Mengen- und Zahlenverständnis; 9 Aufgaben)
(4) Sprachliche Basiskompetenzen (vier Subskalen, insg. 38 Items)
(4a) Nachsprechen von Sätzen (10 Items)
(4b) Wiedergeben von Zahlenfolgen (10 Items)
(4c) Erkennen von Wortfamilien (8 Items)
(4d) Nachsprechen von Kunstwörtern (10 Items).
Die sozio-emotionalen Fähigkeiten werden durch Fremdeinschätzung auf einer Skala von "0 = trifft nicht zu" bis "3 = trifft zu" ermittelt. Die anderen Kompetenzbereiche werden anhand von Durchführungsaufgaben gemessen (Souvignier et al., 2014, S. 73).
 

Auswertungsmodus

Für jede Entwicklungsskala bzw. Subskala werden die Punkte getrennt zu einem Skalenrohwert aufsummiert. Die Rohwerte werden dann anhand der Normtabellen im Anhang in Prozentrangwerte und Prozentrangbänder umgewandelt. Zudem liegen z- und T-Werte vor (Souvignier et al., 2014, S. 34 ff., S. 75 ff.).
Im Protokollbogen befinden sich Grenzwerte der Altersnormen. Zudem können Anwender ihre Beobachtungen mitnotieren. Sollte das Kind in dem Entwicklungsbereich bzw. in der Subskala altersgerecht entwickelt sein, wird das durch ein Ankreuzen vermerkt. Ebenso kann auf dem Bogen angekreuzt werden, ob bei Entwicklungsdefiziten eine Förderung vonnöten ist und ob dabei die Eltern miteinbezogen werden sollen. Auf der Rückseite des Protokollbogens können noch einmal die Ergebnisse grob zusammengefasst werden.
 

Auswertungshilfen

Als Auswertungshilfen stehen die Protokoll- und Auswertungsbögen, die in den Anleitungsheften und im Manual enthaltenen Auswertungs- und Interpretationshilfen, die Bildungsdokumentation, Fallbeispiele sowie die Normtabellen im Anhang zur Verfügung (Souvignier et al., 2014, S. 34-47, S. 48, S. 75 ff.).
 

Auswertungszeit

Die Auswertung erfolgt bei den Durchführungsaufgaben zeitgleich zur Durchführung, sodass Durchführung und Auswertung laut der Angaben in den jeweiligen Anleitungsheften ca. 15 Minuten beanspruchen. Auch das Ausfüllen und Auswerten des Screenings zur sozio-emotionalen Kompetenz beträgt etwa 15 Minuten (Souvignier et al., 2014).
 

Itembeispiele

Anmerkung: Im Folgenden wird für jeden Screeningteil ein Item (mit Angabe der Trennschärfe rit) vorgestellt.
(1) Sozio-emotionale Basiskompetenzen
(1b) Integration in die Gruppe:
"Das Kind ist oft abseits der anderen Kinder." (rit = .79)
Antwortmodus: 3 = trifft nicht zu, 2 = trifft eher nicht zu, 1 = trifft eher zu, 0 = trifft zu

(2) Motorische Basiskompetenzen
(2a) Balancieren vorwärts (rit = .78):
"Kannst du vorwärts über diesen Teppichstreifen gehen? Versuche, wie viele Schritte du schaffst, ohne auf den Boden zu treten - du kannst dabei so langsam gehen, wie du willst. Ich zähle deine Schritte."
0 = 0-4 Schritte und Gesamtstrecke geschafft
1 = 5-6 Schritte und Gesamtstrecke geschafft
2 = 7 und mehr Schritte oder Gesamtstrecke geschafft

(3) Numerische Basiskompetenzen
Aufgabe 3: Rückwarts zählen (rit = .72)
"Beim Raketenstart zählt ein Mann:
10, 9, 8, 7, 6 ...
Wie geht es weiter? " (Zahlen notieren, die das Kind selbst nennt)
0 = Keine oder nur eine Zahl richtig genannt
1 = mind. 2 Zahlen nacheinander richtig
2 = 5, 4, 3, 2, 1 richtig genannt

(4) Sprachliche Basiskompetenzen
(4c) Erkennen von Wortfamilien (rit = .52):
Nr. 21 auf der CD: Haus - Hans - Häuser
"Findet Kind das Wort, das nicht zur Familie passt?"
Anmerkung: Item mit einer Ankreuzmöglichkeit. Zur einheitlichen Darstellung der Punktevergabe:
0 = nicht passende Wort nicht gefunden
1 = nicht passende Wort gefunden
 

Durchführung

 

Testformen

Das BIKO 3-6 wird in der Regel als Einzeltest durchgeführt, kann aber auch in Kleingruppen eingesetzt werden (Souvignier et al., 2014, S. 73). Für alle vier Instrumente liegt jeweils ein englischsprachiges Original vor.
 

Altersbereiche

Das Verfahren wurde für Drei- bis Sechsjährige konzipiert (Souvignier et al., 2014, S. 73).
 

Durchführungszeit

Für jeden Entwicklungsbereich werden ca. 15 Minuten benötigt, sodass von insgesamt einer Stunde Durchführungszeit auszugehen ist (Souvignier et al., 2014, S. 73).
 

Material

Die Tragebox beinhaltet neben dem Manual und den 25 Protokollbögen ("Roter Faden"), für die eine zusätzliche Box zur Verfügung steht, für jeden der vier Fragebögen ein Anleitungsheft sowie Zusatzmaterialien für die Testbestandteile MOT 4-8 Screen, KIPPS, MBK-0 und HASE (s. u.). Weiterhin werden 25 Bildungsdokumentationen bereitgestellt. Es werden zudem eine Stoppuhr, ein CD-Player, ein Kreppband und ein Maßband bzw. Zollstock benötigt, die jedoch nicht im Testkoffer enthalten sind. Alle anderen Materialien können einzeln nachbestellt werden.

Materialliste (Stand: Mai 2017):
- Manual (Artikelnummer 0146802)
- Anleitungsheft sozio-emotionale Basiskompetenzen (KIPPS)
- Anleitungsheft motorische Basiskompetenzen (MOT 4-8)
- Anleitungsheft numerische Basiskompetenzen (MBK-0)
- Anleitungsheft sprachliche Basiskompetenzen (HASE)
- 25 Protokoll- und Auswertungsbögen "Roter Faden" (Artikelnummer 0146807)
- 25 Bildungsdokumentationen (Artikelnummer 0146808)
- Zusatzmaterialien MOT 4-8 Screen: Teppichstreifen 5,5 cm breit, 2 m lang, vier Teppichfliesen 40x40 cm, rutschfest, drei Wurfsäckchen 300g, 15x20cm (Artikelnummer 0146809)
- Zusatzmaterialien MBK-0: Ziffernkärtchen am Band Ziffern 1-10 und Ziffern 11-20, Ziffernreihe 1 bis 10 im Querformat und fünf Kärtchen mit Abbildung von kleinen Kindern in unterschiedlicher Anzahl, Rote Reihe "Anzahlkäfer" mit roter Reihe "Auswahlkäfer", Blaue Reihe "Anzahlkäfer" mit blauer Reihe "Auswahlkäfer", Grüne Reihe "Anzahlkäfer" mit grüner Reihe "Auswahlkäfer", zwei Holzwürfel und 12 Spielfiguren (Artikelnummer 0146810)
- Zusatzmaterialien HASE: CD und sechs Bildkarten (Artikelnummer 0146811)
 

Instruktion

Die Instruktionen sind in den Anleitungsheften enthalten und werden vom Testleiter vorgelesen. Beim sozio-emotionalen Screeningverfahren (Fremdeinschätzung) ist die Instruktion im Protokollbogen aufgeführt.
 

Durchführungsvoraussetzungen

Vor der Durchführung sind die in den Anleitungsheften enthaltenen Durchführungshinweise genau zu beachten. Die Testleiter sollten sich auch vorher mit allen Materialien (Protokollbogen, Aufgabenutensilien) vertraut machen (Souvignier et al., 2014, S. 48). Bei Gruppentestungen empfehlen die Autoren, jedes Screeningverfahren blockweise durchzuführen (S. 73).
 

Testkonstruktion

Das Verfahren ist nach den Prinzipien der Klassischen Testtheorie konzipiert worden.
Ausgangspunkt für die Testkonstruktion war der von den Kultus- und Familienministerien seit 2003 geforderte elementare Bildungsauftrag an die Kindertagesstätten. Dabei wurden folgende Gesichtspunkte berücksichtigt (Souvignier et al., 2014, S. 19-20):
(1) Die vier wesentlichen Kompetenz- bzw. Entwicklungsbereiche (sprachlich, numerisch, motorisch, sozio-emotional) sollten als vier getrennte Hauptskalen erhoben werden.
(2) Das Verfahren sollte ein zeitökonomisches Screeninginstrument darstellen. Die Durchführung und Auswertung sollte in ein bis zwei Monaten abgeschlossen sein.
(3) Die vier Kompetenzskalen bzw. die Aufgaben sollten in ihrer Durchführung und Auswertung einheitlich aufgebaut sein.
(4) Das Verfahren sollte Aufgaben beinhalten, die eine Differenzierung im unteren Drittel ermöglichen.
(5) Die Aufgaben sollten vorzugsweise Durchführungsaufgaben sein, weil diese direkt beobachtbar und dokumentierbar sind.
(6) Die psychometrische Güte der vier Hauptskalen sollte überprüft und sichergestellt sein.
(7) Das Verfahren sollte praxistauglich und benutzerfreundlich sein.
(8) Eine Entwicklungsdokumentation über mehrere Jahre sollte anhand der Ergebnisse vereinfacht dargestellt und den Eltern vermittelt werden können.
Die Itemselektion bzw. die vier Kompetenzskalen wurden aus bestehenden Screeningverfahren gebildet (Souvignier et al., 2014, S. 20-24):
(1) Die sozio-emotionale Skala stammte aus den KIPPS-Skalen zur sozio-emotionalen Entwicklung von Kindern zwischen 3 und 6 Jahren von Holodynski, Souvignier und Seeger (in Vorb.). Das Verfahren ist ein Fremdeinschätzungsverfahren, welches von den Erziehern ausgefüllt wird. Die Items stellen sozio-emotionale Verhaltensweisen von Kleinkindern dar und können im Kitaalltag, also in Gruppen, beobachtet werden.
(2) Die motorische Skala basiert auf dem Motoriktest für 4- bis 8-jährige Kinder, Screeningverfahren (MOT 4-8 Screen; Zimmer, 2012). Sie besteht aus acht Durchführungsaufgaben, die auch im MOT 4-6 (Zimmer & Volkamer, 1987) vorkommen. Erfasst werden die allgemeinen motorischen Grundfähigkeiten.
(3) Die Aufgaben der numerischen Skala sind ein Teil der Aufgaben aus dem Test mathematischer Basiskompetenzen im Kindergartenalter (MBK-0; Krajewski, im Druck).
(4) Die sprachliche Kompetenzskala hat als Grundlage das Heidelberger Screening in der Einschulungsuntersuchung (HASE; Schöler & Brunner, 2008).
Das BIKO-Screening wurde psychometrisch überprüft und normiert (siehe unter "Gütekriterien"). Die Trennschärfe und die Schwierigkeit der einzelnen Skalen bzw. Items wurden ermittelt. Die Trennschärfe innerhalb einer Skala variiert sehr stark. Sie liegt zwischen rit = .46 und .83 (sozio-emotionale Skala), rit = .37 und .56 (motorische Skala), rit = .31 und .84 (numerische Skala) und rit = .18 und .77 (sprachliche Skala). Die Schwierigkeitindizes bewegen sich für die sozio-emotionale Skala zwischen P = .55 und .86, für die motorische Skala zwischen P = .20 und .78, für die numerische Skala zwischen P = .28 und .65 und für die sprachliche Skala zwischen P = .01 und .97.
 

Gütekriterien

 

Objektivität

Eine hohe Standardisierung durch eine einheitliche Gestaltung der vier Screeningteile wurde realisiert (Souvignier et al., 2014, S. 48).
Die Durchführungsobjektivität wird durch vorgegebene Instruktionen und Durchführungshinweise (Anleitungshefte) angestrebt. Die Auswertungs- und Interpretationsobjektivität werden durch genaue Anleitung der Punktevergabe und Skalenwertberechnung, durch Normtabellen, altersabhängige Grenzwerte, Fallbeispiele sowie Auswertungs- und Interpretationshinweise gewährleistet (Souvignier et al., 2014, S. 48).
In jedem Fall ist Vorsicht geboten, da z. B. Hörprobleme die Ergebnisse aus dem sprachlichen Teil verzerren können. Auch Motivation, Müdigkeit und andere Störfaktoren wie Interaktionsschwierigkeiten können die Ergebnisse stark beeinflussen. Für die sechs Screeningskalen zu den sozio-emotionalen Basiskompetenzen wurde die Interraterreliabilität zwischen zwei Kita-Fachkräften berechnet (N = 371). Sie lag zwischen ICC = .61 und .75 (Souvignier et al., 2014, S. 49).
 

Reliabilität

Cronbachs Alpha bewegt sich allgemein zwischen Alpha = .70 und Alpha = .94 (Souvignier et al., 2014, S. 73).
(1) Für die sechs Skalen zur sozio-emotionalen Fähigkeit liegen die Alpha-Werte über Alpha = .87 (max. Alpha = .90) und die Stabilität nach einem Intervall von acht Monaten zwischen rtt = .64 und rtt = .73 (Souvignier et al., 2014, S. 49, Tabelle 6.2).
(2) Für die motorische Kompetenzskala fanden Souvignier und Kollegen (2014, S. 49) vergleichsweise niedrige Werte: Cronbachs Alpha = .77 und eine Stabilität von rtt = .70 (Intervall: 8 Monate), während für den MOT 4-6 (Zimmer & Volkamer, 1987) beide Reliabilitätswerte höher waren: Die Interne Konsistenz lag bei Alpha = .79 und die Stabilität (Intervall: 7-21 Tage) bei rtt = .82 (Zimmer, 2012; Souvignier et al., 2014, S. 49).
(3) Für die numerische Skala bzw. das Ursprungsverfahren MBK-0 betrug die Interne Konsistenz Alpha = .94 und die Stabilität nach drei bis sechs Monaten zwischen rtt = .83 und rtt = .88 sowie nach einem 10-Monats-Intervall rtt = .78 (Krajewski & Ennemoser, 2013; Souvignier et al., 2014, S. 49-50). Zu ähnlichen Ergebnissen kamen auch die BIKO-Autoren (Alpha = .87-.88 und rtt = .84).
(4) Für die sprachliche Kompetenzskalen werden folgende Koeffizienten berichtet: Alpha = .70-.87 und rtt = .52-.70 (8-Monats-Intervall), wohingegen die Originalautoren vom HASE (Schöler & Brunner, 2008; Souvignier et al., 2014, S. 50) niedrigere interne Konsistenzen fanden (Alpha = .62-.83). Sie berechneten auch die Split-half-Reliabilität, die zwischen rtt = .63 und rtt = .90 (nach Spearman-Brown und Guttman) lag. In der folgenden Tabelle sind die Ergebnisse zur Reliabilität, die anhand der BIKO-Normstichprobe gewonnen wurden, separat zu den einzelnen Testinstrumenten aufgelistet.

Tabelle 1
Reliabilität des BIKO 3-6 (N = 1 748): Interne Konsistenz (Cronbachs Alpha) und Test-Retest-Reliabilität (rtt) nach acht Monaten (modifiziert nach Souvignier et al., 2014, S. 49-50)
------------------------------------------------------------ 
Kompetenzskala Alpha rtt
------------------------------------------------------------
(1) Sozio-emotionale Basiskompetenz
(1a) Kooperationsbereitschaft .90 .73
(1b) Integration in die Gruppe .90 .72
(1c) Problemverhalten .89 .70
(1d) Prosoziales Verhalten .88 .67
(1e) Spiel- und Aufgabenverhalten .87 .64
(1f) Regulationsverhalten .87 .73
------------------------------------------------------------
(2) Motorische Basiskompetenz .77 .70
------------------------------------------------------------
(3) Numerische Basiskompetenz .87 .84
------------------------------------------------------------
(4) Sprachliche Basiskompetenz
(4a) Nachsprechen von Saetzen .87 .70
(4b) Wiedergeben von Zahlenfolgen .77 .62
(4c) Erkennen von Wortfamilien .80 .57
(4d) Nachsprechen von Kunstwoertern .70 .52
------------------------------------------------------------
n 895 825
------------------------------------------------------------
 

Validität

Anmerkung: Die Angaben zur Validität wurden zum größten Teil aus den Originalverfahren entnommen.
Sozio-emotionale Basiskompetenzskala
Die Skala ist inhaltsvalide. Die Items sind laut den Autoren repräsentativ und bilden die Messvariable ab. Hierfür wurden meta-analytische Befunde sowie ähnliche Verfahren herangezogen. Nähere Angaben fehlen im Manual. Eine Korrelationsstudie mit einem ähnlichen Verfahren, dem Strengths and Difficulties Questionnaire (SDQ-Deu; Goodman, 1999-2001) bestätigen die konvergente Validität des Verfahrens. So korrelieren z. B. die Skalen "Kooperationsbereitschaft" (BIKO 3-6) und "Verhaltensauffälligkeiten" (SDQ-Deu) mit r = -.71 oder "Integration" und "Probleme mit Gleichaltrigen" in Höhe von r = -.73. Zudem wurden Korrelationen zwischen Expertenurteilen (Erzieher) und einem nicht näher beschriebenen Verfahren, welches zur Globaleinschätzung dient, berechnet (Grygoruk, 2010). Laut den Angaben der Autoren konnte eine Übereinstimmung in Höhe von r = .55 bis r = .72 nachgewiesen werden (Souvignier et al., 2014, S. 51-52).
Zur Überprüfung der Konstruktvalidität wurden die sechs sozio-emotionalen Kompetenzskalen (insg. 30 Items) hinsichtlich ihrer faktoriellen Struktur überprüft. Eine Hauptachsenanalyse mit obliquer Rotation ergab eine Fünffaktorenstruktur mit 67.3% Varianzaufklärung (Grygoruk, 2010). Die Skaleninterkorrelationen in der Normstichprobe des BIKO 3-6 (N = 1 743) wurden berechnet. Die sechs Skalen korrelieren zwischen r = .13 (Integration in der Gruppe - Problemverhalten) und r = .69 (Kooperationsbereitschaft - Regulation von Emotionen) miteinander.
Zur prognostischen Validität der sozio-emotionalen Skala liegen ebenfalls Angaben vor: In einer Längsschnittstudie sollten Erzieher die sozio-emotionalen Kompetenzen von n = 253 Kindern über einen Zeitraum von einem Jahr beobachten und einschätzen. In fünf von sechs Skalen zeigten sich signifikant bessere Einschätzungen. Der Effekt lag zwischen d = .17 und d = .42, wobei die Skala "Problemverhalten" einen Wert von d = .93 erzielte (Souvignier et al., 2014, S. 51). Mit dem BIKO-Screening ist es auch möglich, den unbeliebten Sozialstatus anhand der Skalen "Integration in die Gruppe" und/oder "Spielverhalten" mit einer Sensitivität von 60% und Spezifität von 78% vorherzusagen. Der Sozialstatus gilt als "etabliertes und aussagekräftiges Kriterium für eine sozio-emotionale Entwicklung" (S. 53). Der Sozialstatus wird mit der Frage "Mit wem spielst du überhaupt nicht gerne?" erfasst. Erzieherurteile sind im Vergleich zu den Schülereinschätzungen sehr ungeeignet zur Vorhersage des unbeliebten Status, denn Erzieher stufen lediglich 1.2% (vs. 15.3%) der Kinder als unbeliebt ein, wenn sie gefragt werden, ob ein Kind unbeliebt ist. Auch aggressives und streitsüchtiges Verhalten ist ein Prädiktor für eine gefährdete sozio-emotionale Entwicklung. Mittels der Skala "Problemverhalten" kann mit einer Sensitivität von 77% und einer Spezifität von 89.3% vorhergesagt werden, welches Kind als aggressiv eingestuft werden kann. In einer Längsschnittstudie (n = 38 Kinder; Ein-Jahres-Intervall) konnte nachgewiesen werden, dass der soziale Status sowie die Aggressivität mit mehreren sozio-emotionalen Subskalen mittelmäßig korrelieren (Souvignier et al., 2014, S. 54).

Motorische Basiskompetenzskala
Diese Skala bildet das Originalverfahren MOT 4-8 Screen komplett ab. Die folgenden Ergebnisse können für das BIKO-Screening übernommen werden Souvignier et al., 2014, S. 54).
Zur Gewährleistung der Inhaltsvalidität wurden Aufgaben aufgenommen, die die gestellten Bedingungen für die motorische Fähigkeit von Kindergartenkindern erfüllen und die durch Expertenurteile bestätigt wurden. Die faktorielle Validität wurde überprüft. Ein Einfaktormodell mit einer 42%igen Varianzaufklärung konnte nachgewiesen werden. Weiterhin zeigten sich hohe Interkorrelation zwischen den acht Aufgaben. Der Faktor wurde als "Koordinative motorische Kompetenz" definiert und bildet ganzheitlich die Skala ab, womit sie als konstruktvalide gelten kann. Eine korrelative Untersuchung mit ähnlichen Verfahren, dem Motoriktest für vier- bis sechsjährige Kinder (MOT 4-6; Zimmer & Volkamer, 1987) und dem Körperkoordinationstest für Kinder (KTK; Kiphard & Schilling, 1974) ergab eine Übereinstimmung in Höhe von r = .80 (MOT 4-8 Screen - MOT 4-6) und r = .79 (MOT 4-8 Screen - KTK). Die Ergebnisse sprechen für eine hohe konvergente Validität (Zimmer, 2012; Souvignier et al., 2014, S. 54). Als Nachweis der diskriminanten Validität liegen Korrelationskoeffizienten zwischen r = .08 und r = .19 mit verbaler und nonverbaler Intelligenz sowie schlussfolgerndem Denken vor, die mit zwei Intelligenztests erfasst wurden: Hannover-Wechsler-Intelligenztest für das Vorschulalter (HAWIVA; Schuck & Eggert, 1975) und Columbia Mental Maturity Scale (CMMS; Bondy, Cohen, Eggert & Lüer, 1975; Ahnert, Bös & Schneider, 2003). Weiterhin wurden als Außenkriterien die Mitgliedschaft in einem Sportverein und Übergewicht herangezogen. Kinder aus einem Sportverein hatten höhere Scores in der motorischen Skala. Kinder ohne Mitgliedschaft und mit Übergewicht erzielten entsprechend niedrigere Scores (Zimmer, 2012; Souvignier et al., 2014, S. 54-55). Ebenso stieg die motorische Leistung, wenn Kinder motorisch gefördert wurden (Zimmer, 2008; Souvignier et al., 2014, S. 55).

Numerische Basiskompetenzskala
Die Skala ist inhaltsvalide, da sie theoretisch fundiert ist. Die Itembildung basiert auf dem Entwicklungsmodell früher mathematischer Kompetenzen (ZGV-Modell; Krajeweski, 2008). Die Skala erweist sich auch als kriteriumsvalide. So fanden Sinner, Ennemoser und Krajewski (2011) hohe Zusammenhänge mit der Mathematiknote am Ende der ersten Schulklasse (r = .60-.67), während niedrigere Korrelationskoeffizienten mit weniger ähnlichen Konstrukten wie allgemeine Intelligenz, Sprachentwicklung, phonologische Bewusstheit und Arbeitsgedächtnisleistung gefunden wurden (r = .24-.50). Die prognostische Validität des MBK-O, also der numerischen Skala des BIKO-Screening, konnte längsschnittlich nachgewiesen werden. Vorschulkinder mit guten numerischen Leistungen zeigen stabile Leistungen im Fach Mathematik bis zur neunten Klasse (Krajeweski & Schneider, 2009a, 2009b; Souvignier et al., 2014, S. 55).
Sprachliche Basiskompetenzskala
Für die Inhaltsvalidität dieser Skala (HASE) spricht die theoriegeleitete Itemkonstruktion (Souvignier et al., 2014, S. 55). In einer längsschnittlich angelegten Studie (Schöler & Brunner, 2008) wurde der HASE-Wert mit mehreren Leistungsindikatoren aus der dritten Klasse korrelativ verglichen. Es konnten mehrheitlich negative Zusammenhänge nachgewiesen werden. Positive Zusammenhänge fanden sich mit Lese- und Rechtschreibtests, die für die konvergente Validität der Skala sprechen (DRT 3, Knuspel, WLLP; im Manual fehlen Angaben zu Autoren und Auflage). Im Vergleich dazu konnten keine Zusammenhänge mit den Verhaltensmaßen Ablenkbarkeit und Konzentration gefunden werden (Souvignier et al., 2014, S. 55-56). Eine weitere Längsschnittstudie zur Überprüfung der prognostischen Validität mit einer Einschulungsstichprobe Mannheimer Schulkinder im Jahre 2003 (Treutlein, Roos & Schöler, 2007) wurde untersucht, ob die HASE-Werte spätere Lese- und Rechtschreibprobleme vorhersagen können. Für jede Skala wurden Grenzwerte zur Bestimmung von Risikokindern festgelegt. Anhand des RATZ-Indices wurde der relative Steigerungsbetrag der Risikoprognose gegenüber einer Zufallsprognose ermittelt. Werte, die zwischen 34 und 66 lagen, deuten auf eine gute, aber unspezifische Klassifikation hin. Werte, die drüber lagen, stellen eine sehr gute und spezifische Klassifikation dar. Die Werte lagen zwischen 33 und 70, was ein Beleg für die prognostische Validität des HASE-Verfahrens und somit der BIKO-Skala Sprachliche Basiskompetenz ist.
 

Normierung

Das Verfahren wurde im Sommer 2011 an N = 1 748 Kindern (49% weiblich) aus 40 Kitas normiert. Zudem wurden n = 382 der 6 Jahre alten Kinder (47.7% weiblich) vor Schulbeginn erneut untersucht (Souvignier et al., 2014, S. 58 ff., S. 73). Es liegen für alle vier Entwicklungsbereiche Normen in Form von Prozentrangwerten und -bändern sowie z- und T-Werten getrennt nach Altersgruppen in Halbjahresschritten (3;0-3;5, 3;6-3;11; 4;0-4;5, 5;0-5;5, 5;6-5;11, 6;0-6;5, 6;6-6;11) vor.
 

Anwendungsmöglichkeiten

Das BIKO-Screening 3-6 kommt in Kindertageseinrichtungen, sozial-pädiatrischen Beratungsstellen und Fördereinrichtungen sowie Kinderpraxen zum Einsatz. Es dient der Dokumentation des sozio-emotionalen, motorischen, numerischen und sprachlichen Entwicklungstandes und kann auch als Elterndokumentation (für Eltern- bzw. Entwicklungsgespräche) ausgegeben werden. Aus den Testergebnissen können Entwicklungsprognosen erstellt werden (Souvignier et al., 2014, S. 31, S. 73). Es können Entwicklungsrisiken frühzeitig erkannt und weiterführende Maßnahmen bzw. Fördermöglichkeiten eingeleitet werden. Diese werden im Protokollbogen festgehalten.
 

Bewertung

Das BIKO 3-6 ist ein aus vier Screenings bestehender Entwicklungstest, der die sozio-emotionalen, motorischen, numerischen und sprachlichen Basiskompetenzen erfasst. Für pädagogische Fachkräfte in Kindertagesstätten, in sozial-pädiatrischen Beratungsstellen und Fördereinrichtungen sowie Kinderpraxen dient es zur Erkennung von Entwicklungsrisiken, zur Entwicklungsdokumentation über mehrere Jahre sowie zur Erstellung von Entwicklungsprognosen. Die Besonderheit des Verfahrens liegt darin, dass es aus vier bereits existierenden Screeningverfahren besteht. Für alle Bestandteile wurden Reliabilität (Interne Konsistenz und Stabilität) und Validität (Inhalts-, Konstrukt-, Kriteriums- und Prognosevalidität) überprüft und bestätigt. Der Großteil der ausführlich dargestellten Ergebnisse wurde aus den Untersuchungen der Ursprungsverfahren entnommen. Zu kritisieren ist jedoch, dass veraltete oder nicht näher beschriebene Tests zur Bestimmung der Kriteriumsvalidität herangezogen worden sind. Für fast alle dieser Tests liegen aktuellere Versionen vor.
Das Manual ist sehr kompakt. Die einzelnen Skalen werden getrennt beschrieben, für die auch separate Anleitungshefte vorliegen. Der Protokollbogen dient der Erfassung aller Skalen. Das Inventar enthält viele Zusatzmaterialien. Der Testleiter benötigt Zeit, um sich mit den Unterlagen auseinanderzusetzen. Demgegenüber wurde versucht, die Durchführung und Auswertung aller Bestandteile möglichst einheitlich zu gestalten sowie ein benutzerfreundliches und praxistaugliches Verfahren zu liefern, was für die Brauchbarkeit des Verfahrens spricht.
 

Literatur

  • Ahnert, J., Bös, K. & Schneider, W. (2003). Motorische und kognitive Entwicklung im Vorschul- und Schulalter: Befunde der Münchner Längsschnittstudie LOGIK. Zeitschrift für Entwicklungspsychologie und Pädagogische Psychologie, 35 (4), 185-199.
  • Bondy, C., Cohen, R., Eggert, D. & Lüer, G. (1975). Columbia Mental Maturity Scale. Weinheim: Beltz.
  • Goodman, R. (1999-2001). Fragebogen zu Stärken und Schwächen (SDQ-Deu). London: Institute of Psychiatry, Department of Child and Adolescent Psychiatry.
  • Grygoruk, K. (2010). Konstruktion eines Screenings zur sozial-emotionalen Kompetenz im Vorschulalter. Unveröffentlichte Diplomarbeit, Westfälische Wilhelms-Universität Münster.
  • Hasselhorn, M. & Schneider, W. (2011). Frühprognose schulischer Kompetenzen. Göttingen: Hogrefe.
  • Holodynski, M., Souvignier, M. & Seeger, D. (in Vorb.). KIPPS-Skalen zur sozio-emotionalen Entwicklung von Kindern zwischen 3 und 6 Jahren. Göttingen: Hogrefe.
  • Kiphard, E.J. & Schilling, F. (1974). Körperkoordinationstest für Kinder. KTK. Weinheim: Beltz.
  • Krajeweski, K. (2008). Vorschulische Förderung mathematischer Kompetenzen. In F. Petermann & W. Schneider (Hrsg.), Angewandte Entwicklungspsychologie (S. 275-304). Göttingen: Hogrefe.
  • Krajewski, K. (i.Vorb.). Test mathematischer Basiskompetenzen im Kindergartenalter (MBK-0). Göttingen: Hogrefe.
  • Krajewski, K. & Ennemoser, M. (2013). Entwicklung und Diagnostik mathematischer Basiskompetenzen im Kindegarten- und frühen Grundschulalter (MBK-0 und MBK-1). In M. Hasselhorn & W. Schneider (Hrsg.), Frühdiagnose schulischer Kompetenzen. Tests und Trends, Band 11 (S. 41-65). Göttingen: Hogrefe.
  • Krajewski, K. & Schneider, W. (2009a). Early development of quantity to number-word linkage as a precurser of mathematical school achievement and mathematical difficulties: Findings from a four-year longitudinal study. Learning and Instruction, 19 (6), 513-526.
  • Krajewski, K. & Schneider, W. (2009b). Exploring the impact of phonological awareness, visual-spatial working memory, and preschool quantity-number competencies on mathematics achievement in elementary school: Findings from a 3-year-longitudinal study. Journal of Experimental Child Psychology, 103, 516-531.
  • Schöler, H. & Brunner, M. (2008). HASE - Heidelberger Auditives Screening in der Einschulungsuntersuchung (2. Auflage). Binswangen: Westra.
  • Schuck, K. D. & Eggert, D. (1975). Hannover-Wechsler-Intelligenztest für das Vorschulalter. Bern: Huber.
  • Sinner, D., Ennemoser, M. & Krajewski, K. (2011). Entwicklungspsychologische Frühdiagnostik mathematischer Basiskompetenzen im Kindergarten- und frühen Grundschulalter (MBK-0 und MBK-1). In M. Hasselhorn & W. Schneider (Hrsg.), Frühprognose schulischer Kompetenzen (S. 109-129). Göttingen: Hogrefe.
  • Souvignier, E., Holodynski, M., Seeger, D., Brunner, M., Krajewski, K., Schöler, H. & Zimmer, R. (2014). BIKO 3-6. BIKO-Screening zur Entwicklung von Basiskompetenzen für 3- bis 6-Jährige. Göttingen: Hogrefe.
  • Treutlein, A., Roos, J. & Schöler, H. (2007). Zur prognostischen Validität des Heidelberger Auditiven Screenings in der Einschulungsdiagnostik HASE. Abschlussbericht des Projekts EVER. Online im Internet, URL: http://www.ph-heidelberg.de/wp/schoeler/Datein/Abschlussbericht_EVER-HASE_Feb-2007.pdf (Stand: 23.06.2014).
  • Zimmer, R. (2012). MOT 4-8 Screen. Motoriktest für 4- bis 8-jährige Kinder, Screeningverfahren (Forschungsversion unter Mitarbeit von Brigitte Ruploh). Osnabrück: Universität Osnabrück.
  • Zimmer, R. & Volkamer, M. (1987). MOT 4-6. Motoriktest für vier- bis sechsjährige Kinder (2., überarbeitete und erweiterte Auflage). Weinheim: Beltz.
 

Rezensionen

  • Petermann, F. (2015). Seeger, D., Holodynski, M. & Souvignier, E. (Hrsg.). (2014). BIKO 3-6. BIKO-Screening zur Entwicklung von Basiskompetenzen für 3- bis 6-Jährige (Testbesprechung). Zeitschrift für Entwicklungspsychologie und Pädagogische Psychologie, 47 (1), 52-55.
  • Petermann, F. (2016). BIKO-Screening zur Entwicklung von Basiskompetenzen für 3- bis 6-Jährige (BIKO). Zeitschrift für Psychiatrie, Psychologie und Psychotherapie, 64 (4), 311-313.
 
 Gülay Karadere (12.06.2017)
 APA-Schlagworte/PSYNDEX Terms:

Observation Methods; Rating Scales; Pictorial Stimuli; Screening Tests; Developmental Measures; Preschool Students; Childhood Development; Psychosocial Development; Emotional Development; Motor Development; Motor Skills; Language Development; Mathematical Ability

Beobachtungsmethoden; Rating-Skalen; Bild-Stimuli; Screening Tests; Entwicklungstests; Kindergartenkinder; Entwicklung in der Kindheit; Psychosoziale Entwicklung; Emotionale Entwicklung; Motorische Entwicklung; Motorische Fertigkeiten; Sprachentwicklung; Mathematische Fähigkeit

 weitere Schlagworte:

2014 (BIKO 3-6); Basiskompetenzen; Vorläuferfertigkeiten; 87 Items; ab 3 Jahre; bis 6 Jahre; Skalen: 1 Sozio-emotionale Basiskompetenzen: 1a Kooperationsbereitschaft gegenüber erwachsenen Erziehungspersonen, 1b Integration in die Gruppe, 1c Problemverhalten gegenüber Gleichaltrigen, 1d Prosoziales Verhalten gegenüber Gleichaltrigen, 1e Spiel- und Aufgabenverhalten, 1f Regulationsverhalten in Problemsituationen, 2 Motorische Basiskompetenzen, 3 Numerische Basiskompetenzen, 4 Sprachliche Basiskompetenzen: 4a Nachsprechen von Sätzen, 4b Wiedergeben von Zahlenfolgen, 4c Erkennen von Wortfamilien, 4d Nachsprechen von Kunstwörtern; Normierungsjahr: 2011; Normstichprobe: 1748
 Klassifikation:

Entwicklungstests; Kognitive Entwicklung und Wahrnehmungsentwicklung; Psychosoziale Entwicklung und Persönlichkeitsentwicklung; Entwicklungsstörungen und Autismus
Allgemeine Entwicklungstests
1.2
 Anwendungstyp: Individual Diagnosis, Remedial Diagnosis
 Art der Publikation: Test; Test in Print (90; 911)
 Sprache: German
 Land: Germany
 Publikationsjahr: 2014
 Änderungsdatum: 201707
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