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IMPULS-Test|2 Professional

 PSYNDEX Tests-Dokument: 9006911
 

IMPULS-Test|2 - IMPULS-Test|2 Professional (PSYNDEX Tests Review)

 

IMPULS Test|2 Professional/author

 Molnar, M., Scheck, T. & Schünemann, L.
 (2012). IMPULS Test|2 Professional [Online-Test]. Wien: humanware GmbH.

Online im Internet: http://www.impulstest2.info/

 Bezugsquelle: humanware GmbH, 1070 Wien, Pfeilgasse 8, Österreich; URL: http://www.humanware.at/; E-Mail: humanware@humanware.at; Stand: 27.10.2015
Anmerkung: IMPULS-Test2 Professional stellt die umfassende testtheoretische Überarbeitung mit Neunormierung des IMPULS-Tests von Molnar, Haiden und Geißler-Gruber (2002) dar. Er wird seit 2012 als IMPULS-Test2 Professional nunmehr als kostenpflichtiger Online-Test angeboten.

 Adresse(n): o Mag. Martina Molnar, humanware GmbH, Pfeilgasse 8/5, A-1080 Wien, Österreich ; URL: http://www.psychnet.at/martinamolnar ; E-Mail: martina.molnar@humanware.at ; Stand: 27.10.2015
o Mag. Thomas Scheck, humanware GmbH, Pfeilgasse 8/5, 1080 Wien, Österreich ; E-Mail: humanware@humanware.at ; Stand: 27.10.2015
o Mag. Leonard Schünemann, humanware GmbH, Pfeilgasse 8/5, 1080 Wien, Österreich ; E-Mail: humanware@humanware.at ; Stand: 27.10.2015
 WWW-Informationen:
 

Abstract

Diagnostische Zielsetzung:
Der IMPULS-Test|2 Professional ist ein schlanker Online-Fragebogen, der auf die Erfassung von Einflüssen auf die arbeitsbedingte psychische Belastung in Organisationen gemäß EN ISO 10075 abzielt.


Aufbau:
Der IMPULS-Test|2 Professional besteht aus mehreren fixen und variablen Software-Modulen, die für jedes Projekt individuell zusammengestellt und den befragten Personen online vorgegeben werden. Das Fragebogenmodul zur Erfassung arbeitsbedingter Einflüsse auf die psychische Belastung setzt sich aus 11 Subskalen und 5 Skalen (Umgebungsbedingungen, Aufgabe und Abläufe, Arbeitsanforderungen, Soziales Umfeld, Perspektiven und Beteiligung) mit insgesamt 25 Items zusammen. Darüber hinaus wird für jede der fünf Skalen die Verbesserungspriorität im erfragten Bereich erfasst. Ergänzend können im freien Antwortformat Kommentare zur wahrgenommenen Arbeitssituation verfasst werden.


Grundlagen und Konstruktion:
Der IMPULS-Test|2 Professional stellt eine Weiterentwicklung des IMPULS-Tests dar, welche sich durch eine völlig überarbeitete und robuste Faktorenstruktur, eine hohe Messgenauigkeit sowie das Vorhandensein von - teils repräsentativen - Eichtabellen auszeichnet.


Empirische Prüfung und Gütekriterien:
Reliabilität: Die Reliabilitätskoeffizienten (Cronbachs Alpha) betreffend die repräsentative Gesamtstichprobe liegen für die Skalen zwischen Alpha = .79 und Alpha = .83 und für die Subskalen zwischen Alpha = .53 und Alpha = .88.
Validität: Die Faktorenstruktur des IMPULS-Test|2 Professional wurde durch Faktorenanalysen belegt. Darüber hinaus sprechen Korrelationen für die diskriminante Validität des IMPULS-Test|2 Professional in Bezug auf das Konstrukt Arbeitszufriedenheit.
Normen: Basis für die Eichung bildete eine 4 014 Personen umfassende Anfallsstichprobe aus dem Jahr 2010. Für die Erstellung der Eichtabellen wurde nachträglich Repräsentativität (Erwerbstätige in Österreich; Stand 2011) betreffend die Merkmale Alter, Bildungsgrad und Geschlecht hergestellt. Es liegen repräsentative Eichtabellen für die erwerbstätige Bevölkerung in Österreich insgesamt sowie getrennt nach Geschlecht, Alter (4 Klassen) oder Bildungsgrad (4 Kategorien) für die 5 Skalen und 11 Subskalen in Form von Prozenträngen und z-Werten vor. Darüber hinaus liegen nicht-repräsentative Eichtabellen für sieben Branchen sowie sechs Gruppen (Führungskraft - ja/nein, Vollzeit/Teilzeit, Schichtarbeit - ja/nein) vor.

 

Testkonzept

 

Theoretischer Hintergrund

Der IMPULS-Test|2 Professional (Molnar, Scheck & Schünemann, 2012) ist ein psychologisch-diagnostisches Verfahren zur Erfassung psychischer Belastungsfaktoren am Arbeitsplatz (Molnar, 2013, 2014; Molnar, Scheck & Schünemann, 2014). Der Fragebogen stellt eine Weiterentwicklung des IMPULS-Tests (Molnar, Haiden & Geißler-Gruber, 2002; PSYNDEX Tests-Nr. 9006202) dar, welcher 2002 als eine - mit J. Prümper abgestimmte - Modifikation des Kurzfragebogens zur Arbeitsanalyse (KFZA; Prümper, Hartmannsgruber & Frese, 1995) veröffentlicht wurde. Mit dem IMPULS-Test wurde das Konzept der Wunsch-Werte eingeführt; für jedes Item erfolgte dabei sowohl die Einschätzung der aktuellen als auch einer wünschenswerten Arbeitssituation. Zudem wurde eine visuelle Ergebnisdarstellung in Form eines Netzdiagramms kreiert (Vergleich von Real- und Wunschwerten) und es wurden Wertebereiche zur orientierenden Interpretation der Skalen-Ergebnisse festgelegt. Das Konzept des IMPULS-Test wurde zwischen 2002 und 2012 in mehreren Publikationen veröffentlicht: IMPULS-Test und IMPULS-Broschüre (Molnar, Haiden & Geißler-Gruber, 2002-2012a, 2002-2012b, 18 Auflagen) und IMPULS-Projektleitfaden sowie IMPULS-Test online (Molnar, 2006-2012, 5 Auflagen).
Im Rahmen von 10 Jahren Anwendungserfahrung mit dem IMPULS-Test zeigte sich in mehreren wissenschaftlichen Studien die Revisionsbedürftigkeit des Fragebogens (Molnar & Steurer, 2012a, 2012b; Molnar, v.d. Klaauw & Zimpel, 2012; Scheck & Schünemann, 2012a, 2012b; Steurer, 2011; van der Klaauw, 2010; Zimpel, 2011). Zudem kam es durch dessen weite Verbreitung auch zu zahlreichen modifizierten Versionen und damit zu einer Revisionsnotwendigkeit des IMPULS-Tests. Daher entschlossen sich die Autoren zu einer grundlegenden Überarbeitung des Verfahrens (vgl. humanware GmbH, 2015), welche in den IMPULS-Test|2 Professional mündete.
 

Testaufbau

Der IMPULS-Test|2 Professional besteht aus mehreren fixen und variablen Software-Modulen, die für jedes Projekt individuell zusammengestellt und den befragten Personen online vorgegeben werden (siehe Tabelle 1).

Tabelle 1
Fixe und optionale Module des Testaufbaus
-------------------------------------------------------------------------------- 
Modul 1 fix Test-Instruktion (Ziele, Inhalte, Zeitbedarf, Anonymität etc.)
Modul 2 fix Je nach Organisation definierte Items zur Erfassung der
Organisationseinheiten und Tätigkeitsgruppen, denen die
befragte Person angehört.
Modul 3 fix Der IMPULS-Test|2 Professional besteht aus 25 Items (5-stufige
Antwortskala zur Einschätzung von Merkmalen der
Arbeitsbedingungen), die 11 Subskalen und 5 Skalen bilden.
---------------------------------------------------------------
Skalen Subskalen Itemzahl
---------------------------------------------------------------
Umgebungsbedingungen Expositionen, Ergonomie 5 Items
Aufgabe und Ablaeufe Vielseitigkeit, 7 Items
Ganzheitlichkeit,
Gestaltungsspielraum
Arbeitsanforderungen Quantitative und qualitative 4 Items
Arbeitsanforderungen
Soziales Umfeld Kommunikation, Rückhalt 5 Items
Perspektiven und Perspektiven, Beteiligung 4 Items
Beteiligung
Bei jeder der 5 Skalen wird ergänzend auch die subjektive
Wichtigkeit einer Verbesserung des jeweiligen Skalenthemas
abgefragt (10-stufige Antwortskala von 0 % = unwichtig bis
100 % = wichtig). Zusätzlich können frei formulierte Kommentare
(z. B. Erläuterungen, Vorschläge) zu den einzelnen Items
eingegeben werden.
Modul 4 optional Demografische Variablen (z. B. Alter, Geschlecht, Bildungs-
niveau, Schichtarbeit, Voll- oder Teilzeitbeschäftigung etc.).
Modul 5 optional Generierung eines individuellen anonymen Personencodes zur
Verwendung bei etwaigen Folgebefragungen bzw. Datenvergleichen.
--------------------------------------------------------------------------------
 

Auswertungsmodus

Es können softwarebasierte und standardisierte Ergebnisberichte für beliebige Gruppen erstellt werden.
1. SKALEN/SUBSKALEN-ERGEBNISSE: Pro Skala bzw. Subskala werden Mittelwerte berechnet, die automatisch in Prozentränge der zugrunde liegenden Normgruppe transformiert werden (repräsentative Gesamtnorm, sieben Branchennormen, demografische Normgruppen). Die Ergebnisse werden in Prozenträngen und visuell dargestellt (unkritische Werte: grün = 0 bis 25 %, durchschnittliche Werte: orange = 25 bis 75 %, kritische Werte: rot = 75 bis 100 %) sowie durch Interpretationstexte ergänzt. Für Gruppenauswertungen werden die Prozentränge der Einzelpersonen für jede Skala und Subskala automatisch durch das Programm aufsummiert und gemittelt.
2. VERBESSERUNGSPRIORITÄTEN: Die Ergebnisse der Verbesserungsprioritäten pro Skala können bei der Einzelperson bei 0 %, 10 %, 20 %, 30 % und in weiteren 10 %-Schritten bis 100 % liegen. Bei Gruppenauswertungen werden Mittelwerte aus den Werten der Einzelpersonen berechnet, wobei die Wichtigkeit einer Verbesserung mit der Zunahme des Wertes steigt.
3. FREIE KOMMENTARE: Die Anzahl der frei formulierten Kommentare wird pro Item summiert angezeigt und zusätzlich werden alle Kommentare pro Item als Kommentarliste ausgegeben.
4. INTERNE BENCHMARKS, ZEITVERGLEICHE: Neben der Ergebnisinterpretation auf Basis von Eichtabellen können in den Auswertungen auch Bezüge zu internen Vergleichsgruppen (unterschiedliche Benchmarks auf Ebene der Gesamtorganisation oder ausgewählten Organisationseinheiten, Tätigkeitsgruppen oder demografischen Gruppen) oder zu früheren Befragungsergebnissen hergestellt werden.
 

Auswertungshilfen

Es werden softwarebasierte und standardisierte Ergebnisberichte für Einzelpersonen und für beliebige Gruppen (definierte Organisationseinheiten und Tätigkeitsgruppen auf unterschiedlichen Ebenen, demografische Gruppen sowie Kreuzauswertungen zwischen den Gruppen wie z. B. Tätigkeitsgruppe A in Organisationseinheit 3) beliebig selektiert und erstellt.
Ergänzt werden die einzelnen Gruppenauswertungen durch eine halbautomatische Erstellung von Ergebnisübersichten, die einen raschen Überblick (Skalen, Subskalen, Verbesserungspriorität, Anzahl Kommentare) auf Ebene der Gesamtorganisation bezüglich aller Organisationseinheiten, aller Tätigkeitsgruppen oder aller demografischer Gruppen auf einen Blick erlauben.
Die automatische Auswertung hat - neben der Sicherung der Auswertungs- und Interpretationsobjektivität - viele Vorteile: Sie ermöglicht die laufende Auskunft über die Rücklaufquote während einer Befragung. Unmittelbar nach Befragungsende können zahlreiche Auswertungsgruppen unter Verwendung verschiedener Normen und interner Benchmarks in kurzer Zeit erstellt werden.
 

Auswertungszeit

Die computerunterstützte Auswertung dauert nur wenige Minuten. Die Zeitdauer für die halbautomatische Erstellung von Ergebnisübersichten hängt von der Komplexität der Organisation ab.
 

Itembeispiele

Ergebnisse werden nicht auf Item-Ebene, sondern nur auf Skalen- und Subskalen-Ebene interpretiert. Jede der fünf Skalen verfügt über 4 bis 7 Items (siehe Tabelle 2).

Tabelle 2
Beispiele der Inhalte von zwei Skalen, deren Subskalen und Items
-------------------------------------------------------------------------------- 
2 Beispiele von 5 Skalen Subskalen Item-Inhalte
--------------------------------------------------------------------------------
Umgebungsbedingungen Expositionen Lärm
Staub
Ergonomie Licht
Klima
Körperhaltung
Arbeitsanforderungen Quantitative Anforderungen Zeitdruck
Arbeitsmenge
Qualitative Anforderungen Arbeit kompliziert
Konzentration
--------------------------------------------------------------------------------
 

Durchführung

 

Testformen

Das softwarebasierte Verfahren ist als Instrument für Organisationsdiagnosen konzipiert. Bei Erhebungen in Organisationen gibt es aber die Möglichkeit, den an der Befragung mitwirkenden Personen ein individuelles und anonymes Einzelergebnis als pdf-Dokument online zur Verfügung zu stellen.
 

Altersbereiche

Nachdem es sich um die Erfassung von arbeitsbedingten psychischen Belastungsfaktoren handelt, werden Altersstufen von 15 bis 69 Jahren erfasst. Für diese liegen auch demografische Normen vor.
 

Durchführungszeit

Die Durchführung der Befragung hängt vom Umfang der gewählten Module und von der Anzahl der freien Kommentare ab. Durchschnittlich benötigen die Testpersonen ca. 8 Minuten.
 

Material

Das Online-Verfahren benötigt internetfähige Medien wie PC, Tablet oder Smartphone zur Dateneingabe und kann daher überall angewendet werden, wo es einen Zugang zum Internet gibt.
 

Instruktion

Die Instruktion erfolgt am Bildschirm am Beginn der Befragung und ist standardisiert (z. B.: "Im folgenden IMPULS-Test|2 Professional werden Sie gebeten, die Eigenschaften Ihrer Arbeitsbedingungen zu bewerten. Es gibt dabei keine richtigen oder falschen Antworten, sondern es geht um Ihre persönliche Einschätzung."). Nachdem die Einladung zur Befragung via E-Mail erfolgt, kann dies für jedes Projekt individuell gestaltet werden.
 

Durchführungsvoraussetzungen

Testpersonen müssen von ihrer Erfahrung her in der Lage sein, an einer Online-Befragung teilzunehmen. Für die fachgerechte Einrichtung (insbesondere die Definition von Erhebungsgruppen) und die qualitätsgesicherte Ergebnisinterpretation einer Online-Befragung mit dem IMPULS-Test|2 Professional ist testtheoretisches Basiswissen und eine Verfahrensschulung erforderlich.
 

Testkonstruktion

Mit dem IMPULS-Test|2 Professional liegt eine aktuelle und normierte Weiterentwicklung des IMPULS-Tests vor. Basis für die testtheoretische Überarbeitung des IMPULS-Tests bildete ein 4 014 Personen umfassender online erhobener Datensatz des "Ich mess' den Stress"-Projekts (Molnar & Steurer, 2012a; Steurer, 2011). Der IMPULS-Test|2 Professional unterscheidet sich vom IMPULS-Test durch eine völlig überarbeitete und robuste Faktorenstruktur. Zudem wurde durch die Aufnahme neuer beziehungsweise das Ersetzen von bisherigen Items eine Verbesserung der Messgenauigkeit erzielt. Die Wunsch-Items aus dem IMPULS-Test wurden durch eine Frage nach der subjektiven Verbesserungspriorität pro Skala ersetzt. Für den IMPULS-Test|2 Professional liegen - teils repräsentative - Eichtabellen vor (Scheck & Schünemann, 2012a, 2012b).
 

Gütekriterien

 

Objektivität

Die freie Zugänglichkeit des IMPULS-Tests führte häufig zur nicht-standardisierten Vorgabe, Anwendung und Auswertung. Entsprechende Optimierungen wurden im IMPULS-Test|2 Professional umgesetzt. Die Durchführungsobjektivität ist durch eine schriftliche Online-Instruktion gegeben. Die schriftliche Instruktion bzw. das Fehlen eines Testleiters stellt somit die Testleiterunabhängigkeit sicher. Die Eingabe und Verrechnung der Daten erfolgt computergestützt, daher ist die Auswertungsobjektivität (Verrechnungssicherheit) gewährleistet. Durch die softwarebasierte Ausgabe der Ergebnisberichte und die darin enthaltenen Erläuterungen kann von einer hohen Interpretationsobjektivität ausgegangen werden. Nach Kubinger (2009) ist bei Angabe der Ergebnisse in Prozenträngen die Anforderung der Interpretationseindeutigkeit gegeben.
 

Reliabilität

Reliabilitätskoeffizienten (Cronbachs Alpha, Split-half-Koeffizienten einerseits nach Spearman-Brown korrigiert und andererseits gemäß Guttman) liegen pro Stichprobe/Eichtabelle für jede Skala vor. Die Reliabilitätskoeffizienten der Skalen für die repräsentative Gesamtstichprobe (n = 508) lassen sich Tabelle 3 entnehmen. Für die Subskalen wurden lediglich die internen Konsistenzen (Cronbachs Alpha) pro Stichprobe/Eichtabelle berechnet, welche für die repräsentative Gesamtstichprobe zwischen Alpha = .53 und Alpha = .88 liegen (Scheck & Schünemann, 2012b).

Tabelle 3
Interne Konsistenzen (Cronbachs Alpha) und Split-half-Koeffizienten nach Spearman-Brown korrigiert für die Skalen des IMPULS-Test|2 Professional (Molnar, Scheck & Schünemann, 2012) der repräsentativen Gesamtstichprobe (n = 508; Scheck & Schünemann, 2012b, S. 209)
------------------------------------------------------------ 
Skala Split-half Cronbachs Alpha
------------------------------------------------------------
Umgebungsbedingungen .86 .83
Aufgaben und Ablaeufe .86 .81
Arbeitsanforderungen .88 .79
Soziales Umfeld .84 .83
Perspektiven und Beteiligung .87 .80
------------------------------------------------------------
 

Validität

Zur Überprüfung der Konstruktvalidität wurden explorative und konfirmatorische Faktorenanalysen durchgeführt (Scheck & Schünemann, 2012a, 2012b; Steurer, 2011). Großen Stellenwert nahmen dabei die inhaltliche Interpretierbarkeit und die Robustheit der Faktorenlösung ein. Die überarbeitete Version des psychologisch-diagnostischen Verfahrens umfasst schließlich 25 Items, die zu 11 Faktoren zusammengefasst und 5 übergeordneten Faktoren zugeordnet sind. Diese hierarchische Faktorenstruktur konnte mittels einer konfirmatorischen Faktorenanalyse bestätigt werden (RMSEA = 0.036; 90 %-Konfidenzintervall: 0.035-0.038; CFI = 0.858; TLI = 0.832; Scheck & Schünemann, 2012b).
Die diskriminante Validität des IMPULS-Tests wurde von Steurer (2011) auf Basis einer Skala zur Arbeitszufriedenheit (Neuberger & Allerbeck, 1978) geprüft. Es wurden für inhaltlich gleichartige Skalen Zusammenhänge größer als .4 gefunden. Diese Ergebnisse wurden von Scheck und Schünemann (2012b) im Wesentlichen bestätigt. Zusammenfassend zeigten die Analysen, dass zwar in erwarteten und inhaltlich nachvollziehbaren Bereichen relevante Korrelationen mit den Fragen zur Arbeitszufriedenheit bestehen, dies allerdings nicht in einem Umfang, der nahe legt, dass identische Konstrukte erfasst werden.
 

Normierung

Basis für die Eichung (Prozentränge, z-Werte) bildete ein 4 014 Personen umfassender online erhobener Datensatz des "Ich mess' den Stress"-Projekts (Molnar & Steurer, 2012a; Steurer, 2011) aus dem Jahr 2010. Da diese Stichprobe in bedeutsamen soziodemografischen und sozioökonomischen Merkmalen von den Erwartungswerten an eine bevölkerungsrepräsentative Stichprobe der Erwerbstätigen in Österreich abwich, wurden für die repräsentativen Eichtabellen sekundäre Quotenstichproben gezogen. Die Auswahlkriterien, nach denen die Personen zufällig ausgewählt wurden, waren Alter, Bildungsgrad und Geschlecht. Die Zusammensetzung basiert auf der Mikrozensus-Arbeitskräfteerhebung 2011 der Statistik Austria (ÖSTAT). Die zur Verfügung stehenden repräsentativen Eichtabellen lassen sich Tabelle 4 entnehmen.

Tabelle 4
Überblick Eichtabellen des IMPULS-Test|2 Professional (Molnar, Scheck & Schünemann, 2012)
-------------------------------------------------------------------------------- 
Repräsentative Eichtabellen
--------------------------------------------------------------------------------
Repräsentative Gesamtstichprobe
Repräsentative Stichprobe Männer
Repräsentative Stichprobe Frauen
Repräsentative Stichprobe 15 bis 29 Jahre
Repräsentative Stichprobe 30 bis 39 Jahre
Repräsentative Stichprobe 40 bis 49 Jahre
Repräsentative Stichprobe ab 50 Jahre
Repräsentative Stichprobe Pflichtschule, Berufsausbildung (z. B. Lehre)
Repräsentative Stichprobe Höherbildende Schule ohne Matura/Abitur
Repräsentative Stichprobe Höherbildende Schule mit Matura/Abitur
Repräsentative Stichprobe Studium
--------------------------------------------------------------------------------
Anmerkungen. Die Betitelung der Eichtabellen erfolgte entsprechend den Antwortmöglichkeiten bei der Erhebung. So umfasst z. B. die repräsentative Stichprobe "Studium" jene Personen, die bei der Frage nach der höchsten abgeschlossenen Ausbildung "Studium" angegeben haben.

Zusätzlich stehen nicht repräsentative Eichtabellen für folgende Gruppen zur Verfügung: Führungskraft (ja/nein); Vollzeit/Teilzeit; Schichtarbeit (ja/nein).
Weiters liegen sieben branchenspezifische Eichtabellen vor. Basis bildete ein 1 670 Personen umfassender Teildatensatz des "Ich mess' den Stress"-Projekts, welcher von Molnar und Steurer (2012a) entsprechend dem ÖNACE-System codiert wurde. Bei der ÖNACE 2008 handelt es sich um die österreichische Version der europäischen Wirtschaftstätigkeitenklassifikation NACE Rev.2. "NACE" steht für "Nomenclature générale des activités économiques dans les communautés européennes" (Wirtschaftskammer Österreich, 2014). Sie umfasst alle Wirtschaftstätigkeiten hierarchisch auf Basis eines fünfstufigen Systems. Alle Unternehmen in der EU sind entsprechend ihrer Haupttätigkeiten einer NACE-Kategorie zugeordnet, um Vergleichbarkeit auf europäischer Ebene zu gewährleisten). Folgende Branchennormen stehen zur Verfügung:
C: Herstellung von Waren;
G: Handel, Instandhaltung und Reparatur von Kraftfahrzeugen;
J: Information und Kommunikation;
K: Erbringung von Finanz- und Versicherungsdienstleistungen;
O: Öffentliche Verwaltung, Verteidigung, Sozialversicherung;
P: Erziehung und Unterricht;
Q: Gesundheit und Sozialwesen.
 

Anwendungsmöglichkeiten

Das Screening-Verfahren ist als schlankes Online-Erhebungsinstrument für alle Fragestellungen einsetzbar, in denen es um eine normorientierte und damit objektivierte und qualitätsgesicherte Erhebung und Bewertung psychischer Belastungen am Arbeitsplatz gemäß EN ISO 10075 geht (Austrian Standards Institute, 2000a, 200b, 2004).
Das Online-Verfahren IMPULS-Test|2 Professional erfasst mittels 25 Items psychische Belastungsfaktoren der Arbeitsbedingungen und interpretiert sie anhand der fünf Skalen Umgebungsbedingungen, Aufgaben und Abläufe, Arbeitsanforderungen, Soziales Umfeld, Perspektiven und Beteiligung auf Basis von Normwerten in Form von Prozenträngen (unkritische Werte: grün = 0 bis 25 %, durchschnittliche Werte: orange = 25 bis 75 %, kritische Werte: rot = 75 bis 100 %).
 

Bewertung

Mit dem IMPULS-Test|2 Professional liegt ein ökonomisches, praxiserprobtes und gut fundiertes psychologisch-diagnostisches Verfahren zur Erfassung psychischer Belastungsfaktoren am Arbeitsplatz gemäß EN ISO 10075 vor. Anzudenken wären weitere (Validierungs-)Studien, insbesondere die Übersetzungen betreffend, die diskriminante und konvergente Validität und das Konzept der Verbesserungspriorität. Das Konzept branchenspezifischer Eichtabellen wirkt vielversprechend, hier wäre eine Ergänzung um weitere Branchen in Form von repräsentativen Eichtabellen wünschenswert.
 

Literatur

  • Austrian Standards Institute. (Hrsg.). (2000a). Ergonomische Grundlagen bezüglich psychischer Arbeitsbelastung - Teil 1: Allgemeines und Begriffe (ISO 10075:1991). ÖNORM EN ISO 10075-1: 2000 11 01. Wien: Austrian Standards Institute.
  • Austrian Standards Institute. (Hrsg.). (2000b). Ergonomische Grundlagen bezüglich psychischer Arbeitsbelastung - Teil 2: Gestaltungsgrundsätze (ISO 10075-2:1996). ÖNORM EN ISO 10075-2: 2000 06 01. Wien: Austrian Standards Institute.
  • Austrian Standards Institute. (Hrsg.). (2004). Ergonomische Grundlagen bezüglich psychischer Arbeitsbelastung - Teil 3: Grundsätze und Anforderungen an Verfahren zur Messung und Erfassung psychischer Arbeitsbelastung (ISO 10075-3:2004). ÖNORM EN ISO 10075-3:2004 11 01. Wien: Austrian Standards Institute.
  • humanware GmbH. (2015). Von IMPULS-Test zu IMPULS-Test|2. Wien: humanware GmbH. Online im Internet, URL: http://www.impulstest2.info/!wissenschaft/c1agn (Stand: 28.10.2015).
  • Kubinger K. D. (2009). Psychologische Diagnostik. Theorie und Praxis psychologischen Diagnostizierens (2., überarbeitete und erweiterte Auflage). Göttingen: Hogrefe.
  • Molnar, M. (2006-2012). IMPULS-Projektleitfaden. Durchführung eines betrieblichen Anti-Stress-Projektes mit Hilfe des IMPULS-Tests. Für alle, die ein IMPULS-Projekt im Betrieb planen (5. Auflage). Wien: AUVA, Bundesarbeiterkammer, IV, ÖGB, WKO.
  • Molnar, M. (2013). IMPULS-Test|2 Professional als Onlinefragebogen zur Analyse psychischer Belastungsfaktoren am Arbeitsplatz. In H. Nold & G. Wenninger (Hrsg.), Rückengesundheit und psychische Gesundheit. 1. Regionaltagung der BG RCI und des Burnout-Zentrums Bödlhof (S. 91-102). Kröning: Asanger.
  • Molnar, M. (2014). Betriebliche Analyse der Arbeitsbedingungen - IMPULS-Test|2. In Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) (Hrsg.), Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastung. Erfahrungen und Empfehlungen (S. 234-238). Berlin: Erich Schmidt.
  • Molnar, M., Haiden, C. Geißler-Gruber, B (2002-2012a). IMPULS-Broschüre. Erkennen von Stressfaktoren und Optimieren von Ressourcen im Betrieb. Gefördert von der Europäischen Agentur für Sicherheit und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz (18. Auflage). Wien: AUVA, Bundesarbeiterkammer, IV, ÖGB, WKO.
  • Molnar, M., Haiden, C. Geißler-Gruber, B (2002-2012b). IMPULS-Test. Analyse von Stressfaktoren und Ressourcen im Betrieb. Gefördert von der Europäischen Agentur für Sicherheit und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz (18. Auflage). Wien: AUVA, Bundesarbeiterkammer, IV, ÖGB, WKO.
  • Molnar, M., Scheck, T. & Schünemann, L. (2012). IMPULS Test|2 Professional. Wien: humanware GmbH.
  • Molnar, M., Scheck, T. & Schünemann, L. (2014). IMPULS-Test|2 Professional - Online-Fragebogen zur arbeitsbezogenen Bewertung psychischer Belastungsfaktoren. In M. Eigenstetter, T. Kunz, R. Portuné & R. Trimpop (Hrsg.), Psychologie der Arbeitssicherheit und Gesundheit. Psychologie der gesunden Arbeit. 18. Workshop 2014 (S. 117-120). Kröning: Asanger.
  • Molnar, M. & Steurer, J. (2012a). Ergebnisübersicht "Ich mess' den Stress". Online-Befragung zu arbeitsbedingten psychischen und physischen Belastungen, Arbeitszufriedenheit, Befinden und Gesundheit. Unveröffentlichter Bericht. Wien: humanware GmbH.
  • Molnar, M. & Steurer, J. (2012b). Gütekriterien, Branchen- und Demografie-Profile des IMPULS-Tests. In G. Athanassiou, S. Schreiber-Costa & O. Sträter (Hrsg.), Psychologie der Arbeitssicherheit und Gesundheit. Sichere und gesunde Arbeit erfolgreich gestalten - Forschung und Umsetzung in die Praxis (17. Workshop 2012; S. 263-266). Kröning: Asanger.
  • Molnar, M., v.d. Klaauw, N., Zimpel, S. (2012). Wirkungsanalyse von elf betrieblichen IMPULS-Projekten zur Stressreduktion. In G. Athanassiou, S. Costa-Schreiber & O. Sträter (Hrsg.), Psychologie der Arbeitssicherheit und Gesundheit. Sichere und gute Arbeit erfolgreich gestalten - Forschung und Umsetzung in die Praxis. 17. Workshop 2012. Kröning: Asanger.
  • Neuberger, O., & Allerbeck, M. (1978). Arbeitsbeschreibungsbogen (ABB). Stuttgart: Huber.
  • Prümper, J., Hartmannsgruber, K. & Frese, M. (1995). KFZA - Kurzfragebogen zur Arbeitsanalyse. Zeitschrift für Arbeits- und Organisationspsychologie, 39 (3), 125-132.
  • Scheck, T. & Schünemann, L. (2012a). Testtheoretische Weiterentwicklung des IMPULS-Tests: 1. Teil (von 2). Unveröffentlichter Ergebnisbericht, Wien.
  • Scheck, T. & Schünemann, L. (2012b). Testtheoretische Weiterentwicklung des IMPULS-Tests: 2. Teil (von 2). Unveröffentlichter Ergebnisbericht, Wien.
  • Steurer, J. (2011). IMPULS-Test - eine testtheoretische Untersuchung. Unveröffentlichte Diplomarbeit, Universität Wien, Fakultät für Psychologie.
  • van der Klauuw, N. (2010). Evaluierung von verhältnisbezogenen Arbeitsstress-Interventionen von drei betrieblichen IMPULS-Projekten. Unveröffentlichte Diplomarbeit, Universität Wien, Fakultät für Psychologie.
  • Wirtschaftskammer Österreich (WKO). (2014). ÖNACE 2008. Klassifikation der Wirtschaftstätigkeiten. Wien: WKO. Online im Internet, URL: https://www.wko.at/Content.Node/Interessenvertretung/ZahlenDatenFakten/Oenace_2008_2014.html (Stand: 28.10.2015).
  • Zimpel, S. (2011). IMPULSe gegen Arbeitsstress: Gesamtevaluation von 11 betrieblichen Projekten zur Reduktion von Arbeitsstress. Unveröffentlichte Diplomarbeit, Universität Wien, Fakultät für Psychologie.
 
 Autorenbeschreibung: Martina Molnar, Thomas Scheck und Leonard Schünemann (26.10.2015)
 APA-Schlagworte/PSYNDEX Terms:

Classical Test Theory; Questionnaires; Rating Scales; Screening Tests; Test Norms; Job Analysis; Clerical Personnel; Industrial and Organizational Psychology; Working Space; Occupational Stress; Work Load; Employee Attitudes; Job Characteristics; Organizational Structure; Business Management

Klassische Testtheorie; Fragebögen; Rating-Skalen; Screening Tests; Testnormen; Arbeitsanalyse; Büropersonal; Arbeits- und Organisationspsychologie; Arbeitsplatzumgebung; Beruflicher Stress; Arbeitsbelastung; Arbeitnehmereinstellungen; Arbeitsplatzmerkmale; Organisationsstruktur; Betriebsführung

 weitere Schlagworte:

2002 (IMPULS-Test); 2012 (IMPULS-Test2); Module; Belastungsfaktoren; Arbeitsbedingte psychische Belastungen; Arbeitsstress; IMPULS-Stern; Arbeitspsychologie; Stressfaktoren; Ressourcen; Anti-Stress-Maßnahmen; 25 Items; Skalen: 1 Umgebungsbedingungen, 2 Aufgabe und Abläufe, 3 Arbeitsanforderungen, 4 Soziales Umfeld, 5 Perspektiven und Beteiligung; Subskalen: Expositionen, Ergonomie, Vielseitigkeit, Ganzheitlichkeit, Gestaltungsspielraum, Quantitative und qualitative Arbeitsanforderungen, Kommunikation, Rückhalt, Perspektiven, Beteiligung; Normierungs-/Untersuchungsjahr: 2010; Stichprobe(n): 4014
 Klassifikation:

Berufs- und arbeitspsychologische Tests; Arbeitsbedingungen und Arbeitssicherheit
Verfahren zur Ermittlung psychischer Belastungen am Arbeitsplatz; Arbeitspsychologische Verfahren
7.3.1.4; 7.3.2.2
 Anwendungstyp: Job, Task, & Behavior Analysis
 Art der Publikation: Test; Electronic Resources (90; 94)
 Sprache: German
 Übersetzungen: English, Serbo-Croatian (Roman)
 Land: Austria
 Publikationsjahr: 2012
 Änderungsdatum: 201510
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