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Diagnostische Beobachtungsskala für Autistische Störungen - 2

 PSYNDEX Tests-Dokument: 9006932
 

ADOS-2 - Diagnostische Beobachtungsskala für Autistische Störungen - 2 (PSYNDEX Tests Review)

 

Autism Diagnostic Observation Schedule, Second Edition (ADOS-2; Lord, C., Rutter, M., DiLavore, P.C., Risi, S., Gotham, K., Bishop S.L., 2012, Modules 1-4; Lord, C., Luyster, R.L., Gotham, K. & Guthrie, W., 2012, Toddler Module) - German version/author

 Poustka, L., Rühl, D., Feineis-Matthews, S., Bölte, S., Poustka, F. & Hartung, M.
 (2015). ADOS-2. Diagnostische Beobachtungsskala für Autistische Störungen-2. Deutschsprachige Fassung der Autism Diagnostic Observation Schedule-2 von Catherine Lord, Michael Rutter, Pamela C. DiLavore, Susan Risi, Katherine Gotham und Somer L. Bishop (Module 1 bis 4) bzw. Catherine Lord, Rhiannon J. Luyster, Katherine Gotham und Whitney Guthrie (Kleinkind-Modul) [Manual, je 5 Protokollbögen zu den Modulen 1-4 und dem Kleinkindmodul sowie umfangreiche Stimulusmaterialien in Plastiktruhe; Modul 1: Vorsprachlich/Einzelne Worte, Modul 2: Sprache in Sätzen, Modul 3: Fließende Sprache Kinder/Jugendliche, Modul 4: Fließende Sprache Jugendliche/Erwachsene, Kleinkind-Modul: Vorsprachlich/Einzelne Worte]. Bern: Huber.

Preis: 2995,00 Euro (Test komplett mit Manual, je 5 Protokollbögen zu den Modulen 1-4 und dem Kleinkindmodul sowie umfangreichen Stimulusmaterialien in Plastiktruhe; Stand: 17.3.2017)

 Bezugsquelle: Testzentrale Hogrefe Verlag GmbH & Co. KG, Herbert-Quandt-Straße 4, D-37081 Göttingen ; E-Mail: testzentrale@hogrefe.de ; URL: http://www.testzentrale.de/ ; Stand: 1.5.2016.
 Adresse(n): o Dr. Sven Bölte, Professor, Department of Women's and Children's Health, Division of Neuropsychiatry, Karolinska Institutet, Gävlegatan 22B, SE-11330 Stockholm, Schweden ; E-Mail: sven.bolte@ki.se ; URL: http://ki.se/en/people/svebol ; Stand: 23.9.2016
o Prof. i.R. Dr. Fritz Poustka, Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie des Kindes- und Jugendalters, Klinikum der Johann Wolfgang Goethe-Universität, Deutschordenstraße 50 (Haus 92), D-60528 Frankfurt am Main ; E-Mail: Poustka@em.uni-frankfurt.de ; URL: http://praxis-kaiserstrasse47.de/website/poustka_lebenslauf.html ; Stand: 4.2.2016
o Dr. med. Dorothea Rühl, Uhlandstraße 52, D-60314 Frankfurt am Main ; E-Mail: anmeldung@kjp-praxis-dr-ruehl.de ; URL: http://kjp-praxis-dr-ruehl.de/kontakt/ ; Stand: 13.01.2017
o Dr. Sabine Feineis-Matthews, Praxisgemeinschaft für Psychotherapie, Altkönigstraße 22, D-61476 Kronberg ; E-Mail: info@zweitherapeuten.de ; URL: http://www.zweitherapeuten.de/kontakt.html ; Stand: 17.3.2017
o Dr. phil. Martin Hartung, Institut für Deutsche Sprache, Postfach 101621 D-68016 Mannheim ; E-Mail: hartung@gespraechsforschung.de ; URL: http://www1.ids-mannheim.de/prag/personal/hartung.html ; Stand: 17.3.2017
 WWW-Informationen:
 

Abstract

Diagnostische Zielsetzung:
ADOS-2 von Poustka et al. (2015) dient zur Erfassung des sozialen, kommunikativen und spielerischen Verhaltens von Personen, bei denen der Verdacht auf Autismus vorliegt. Therapeuten nutzen ADOS-2 als Diagnosehilfsmittel. Damit können praktische Vorschläge und Fördermöglichkeiten für Eltern und Schulen oder Therapeuten abgeleitet werden. Das Verfahren wird auch in der Forschung eingesetzt.


Aufbau:
ADOS-2 erfasst den sozialen Affekt (Kommunikation und wechselseitige soziale Interaktion) sowie restriktive und repetitive Verhaltensweisen. Es liegen fünf Module (Kleinkind-Modul, Modul 1-4) vor, die je nach Sprachniveau der Testperson und dem chronologischen Alter und/oder der Eignung der Aufgaben für die Person entsprechend eingesetzt werden. Jedes Modul enthält eigene Instruktions- und Durchführungshinweise und beschreibt, auf welche Verhaltensweisen der Fokus der Beobachtung sich richtet. Vor der eigentlichen Testung durchläuft die Testperson eine Aufwärmphase. Die Kodierung der Module gliedert sich in die fünf Hauptbereiche (A) Sprache und Kommunikation, (B) Wechselseitige soziale Interaktion, (C) Spiel/Vorstellungsvermögen/Kreativität, (D) Stereotype Verhaltensweisen und eingeschränkte Interessen und (E) Andere auffällige Verhaltensweisen.


Grundlagen und Konstruktion:
ADOS-2 basiert auf der Klassischen Testtheorie. Die englischsprachige Originalversion ADOS wurde Ende der Achtziger Jahre des vorigen Jahrhunderts zunächst für Forschungszwecke zusammengestellt, dann jedoch für die klinische Praxis weiterentwickelt. Sie wurde an 381 Kindern mit einer Diagnose ASS vs. Autismus vs. ASS ohne Autismus vs. Störungen außerhalb des Autismus-Spektrums validiert. Für die Revision der Originalversion wurde eine Gesamtstichprobe aus N = 1 619 Personen rekrutiert, die entweder mit der Diagnose Autismus (n = 905), ASS ohne Autismus (n = 431) oder einer Störung außerhalb AS (n = 283) diagnostiziert wurden. Für die Berechnung der Retestreliabilität wurde eine Replikationsstudie mit insgesamt N = 1 282 Personen durchgeführt; davon waren n = 970 Fälle mit der Diagnose Autismus, n = 98 mit ASS ohne Autismus und n = 214 mit Störungen außerhalb AS. Die Kodierung bei der Testdurchführung wurde von einem Testleiter und dem primären Kliniker separat und unabhängig gemacht. Insgesamt 12 geschulte Beurteiler ermittelten die Daten für die Stichprobe der ersten Testversion und 14 geschulte Beurteiler für die Stichprobe der Revision. Die Beobachterübereinstimmung lag bei über 80% bzw. 85%. Die Items des Kleinkind-Moduls wurden so ausgewählt, dass sie zwischen zwei klinischen Diagnosen differenzieren können und als theoretisch wertvoll beurteilt wurden. Das deutsche Manual der Revision ADOS-2 wurde überarbeitet und um das Kleinkind-Modul ergänzt. Die Protokollbögen der Module wurden hinsichtlich Genauigkeit und Verständlichkeit der Instruktionsanweisungen verbessert. Aufgrund neuerer Erkenntnisse wurden die Algorithmen für die Module 1 bis 3 überarbeitet und es wurden Vergleichswerte ermittelt.


Empirische Prüfung und Gütekriterien:
Reliabilität: Die Retestreliabilität der englischsprachigen ADOS-2 variiert für den Gesamttest je nach Modul zwischen rtt = .83 bis .95. Für die deutsche ADOS-2 werden keine Reliabilitätsangaben gemacht.
Validität: ADOS-2 ist inhaltsvalide. Kamp-Becker und Kollegen (2016) überprüften in einem Vergleich zwischen ADOS und ADOS-2 die diagnostische Validität der Algorithmen für die Module 1 bis 3. Demnach fällt die Sensitivität des ADOS-2-Algorithmus mit 85% höher und die Spezifität mit 86% etwas niedriger aus als die ADOS-Algorithmen (Sensitivität: 84%, Spezifität: 89%). Mit der ADOS-2 (und ADOS) werden Mädchen besser klassifiziert als Jungen.
Normen: Das Verfahren wurde nicht normiert. Es liegen Cut-off- und Vergleichswerte aus dem englischsprachigen Bereich vor.

 

Testkonzept

 

Theoretischer Hintergrund

Die Diagnostische Beobachtungsskala für Autistische Störungen - 2 (ADOS-2; Poustka et al., 2015) ist die deutsche Adaptation des Autism Diagnostic Observation Schedules von Lord, Luyster, Gotham und Guthrie (2012; Toddler Module) und Lord, Rutter et al. (2012; Module 1-4). Kinder mit Verdacht auf Autismus werden mit dem ADOS-2 hinsichtlich des sozialen, kommunikativen und spielerischen Verhaltens standardisiert beobachtet.
Autismus-Spektrum-Störungen (ASS) bzw. Tiefgreifende Entwicklungsstörungen (TE) sind gekennzeichnet durch einen Mangel an zwischenmenschlichen Kompetenzen sowie Verhaltensweisen, die restriktiv und stereotypisch sind (Poustka et al., 2015, S. 17). Die Störung liegt bereits im frühen Lebensalter vor, ist genetisch verursacht und bleibt lebenslang erhalten. Die Beeinträchtigungen der ASS-Personen sind jedoch heterogen. Nach der ICD-10 (Weltgesundheitsorganisation, 1993) werden unterschieden: der frühkindliche Autismus, das Asperger-Syndrom, der atypische Autismus und die nicht näher bezeichneten TE. Neuere Erkenntnisse zeigen, dass die ASS weniger kategorial sind als vielmehr ein Kontinuum von qualitativ ähnlichen Einheiten bilden (Poustka et al., 2015, S. 17). In DSM-5 (American Psychiatric Association, 2013) werden die verschiedenen autistischen Störungen unter ASS zusammengefasst und nach qualitativen und quantitativen Phänomenen unterschieden, eingeteilt in die drei Bereiche Interaktion und Kommunikation, restriktive und repetitive Verhaltensmuster und "Symptomatik bereits im Kindesalter manifestiert".
 

Testaufbau

ADOS-2 erfasst den sozialen Affekt (Kommunikation und wechselseitige soziale Interaktion) sowie restriktive und repetitive Verhaltensweisen. Es liegen fünf Module vor (Poustka et al., 2015, S. 15):
(1) Kleinkind-Modul: Für Kinder, die nicht durchgängig Sätze benutzen (12-30 Monate);
(2) Modul 1: Für Kinder, die nicht durchgehend Sätze benutzen (31 Monate und älter);
(3) Modul 2: Für Kinder, die durchgehend, aber nicht fließend Sätze benutzen;
(4) Modul 3: Für Kinder und Jugendliche mit fließender Sprache;
(5) Modul 4: Für Jugendliche und Erwachsene mit fließender Sprache.
Abhängig vom Sprachniveau der Testperson und chronologischem Alter und/oder der Eignung der Aufgaben für die Person wird das entsprechende Modul vorgegeben (Poustka et al., 2015, S. 19, S. 23). Jedes Modul enthält eigene Instruktions- und Durchführungshinweise und beschreibt, auf welche Verhaltensweisen der Fokus der Beobachtung sich richtet (S. 36-37). Vor der eigentlichen Testung durchläuft die Testperson eine Aufwärmphase (S. 41).
Die Kodierung der Module gliedert sich in fünf Hauptbereiche (Poustka et al., 2015, S. 37):
(A) Sprache und Kommunikation
(B) Wechselseitige soziale Interaktion
(C) Spiel/Vorstellungsvermögen/Kreativität
(D) Stereotype Verhaltensweisen und eingeschränkte Interessen
(E) Andere auffällige Verhaltensweisen.
 

Auswertungsmodus

Aus den Beobachtungen und Notizen wird nach Beendigung der Testung eine Gesamtbeurteilung vorgenommen - unabhängig von den Videoaufzeichnungen (Poustka et al., 2015, S. 20). Für jedes Modul liegt ein eigener Algorithmus vor, anhand dessen eine Diagnose erstellt werden kann. Die Algorithmen umfassen bestimmte Items eines Moduls, welche zur Maximierung der Sensitivität und Spezifität einer ASS-Diagnose dienen. Der Algorithmus wurde entwickelt, um die alters- und/oder sprachlich-bedingten Effekte für jedes Modul zu berücksichtigen (S. 111).
Das Kodierungssystem umfasst folgende Punkte (S. 29-30):
- Kodierung 0: kein beobachtbar auffälliges Verhalten.
- Kodierung 1: ein etwas auffälliges/merkwürdiges Verhalten.
- Kodierung 2: eindeutig abnormes Verhalten.
- Kodierung 3: deutliches, abnormes oder eingeschränktes Verhalten; nicht beurteilbar.
- Kodierung 4: gilt für Item 1; Proband zeigt keine spontane Verwendung von Worten oder Wort-Äquivalenten.
- Kodierung 7: abnormes Verhalten, das nicht durch andere Kodierung abgedeckt wird.
- Kodierung 8: beurteilungsrelevantes Verhalten nicht aufgetreten; keine Beurteilung möglich.
- Kodierung 9: keine Beurteilung möglich (z. B. Verhalten nicht erfasst).
Es wird darauf hingewiesen, dass eine Kodierung mit 8 und 9 möglichst vermieden werden soll, da sie beide im Algorithmus als Null behandelt werden müssen. Vielmehr sollen sich die Testleiter "mit den Definitionen der Items vertraut machen und die Kodierungen als Zwischenwerte auf einem Kontinuum betrachten, in dem das beobachtete Verhalten so passend wie möglich eingeordnet werden soll" (Poustka et al., 2015, S. 30). Auf dem Protokollbogen wird erläutert, dass der Kodierungswert 3 in 2er Werte und die Werte 7, 8 und 9 in 0 umzuwandeln sind. Die Werte 0, 1 und 2 werden ohne Umkodierung in den Bogen eingetragen.
Es gibt zusammenfassende Items und spezifische Beobachtungsitems. Die zusammenfassenden Items (z. B. "Qualität der sozialen Annäherungen", "Qualität der sozialen Reaktionen") werden anhand der aus allen ADOS-2-Aktivitäten gewonnenen Informationen kodiert. Die Kodierung der spezifischen Beobachtungs-Items basieren auf den Beobachtungen einzelner Aktivitäten. Ein bestimmter Verhaltensabschnitt darf nur einmal als "auffällig" kodiert werden, mehrere Aspekte eines Verhaltens dürfen dagegen mehr als einmal als "auffällig" kodiert werden (Poustka et al., 2015, S. 30-32).
Auf dem Protokollbogen ist eine Tabelle mit Vergleichswerten abgebildet, anhand der man die Werte einer Testperson zu den Vergleichswerten 1 bis 10 zuordnen kann (1-2 = minimal bis kein Anzeichen, 3-4 = niedrig, 5-7 = mäßig, 8-10 = hoch). Die Vergleichswerte beschreiben den Ausprägungsgrad der Symptomatik. Auch werden Cut-off-Werte für die ADOS-2-Diagnosen genannt (siehe Tabelle 1).

Tabelle 1
Cut-off-Werte der ADOS-2-Diagnosen
------------------------------------------------------------ 
Wenige bis keine Worte Einige Worte
------------------------------------------------------------
Autismus 16-28 12-28
------------------------------------------------------------
Autismus-Spektrum 11-15 8-11
------------------------------------------------------------
Nicht im Spektrum 0-10 0-7
------------------------------------------------------------

Neben der ADOS-2-Diagnose wird eine Gesamtdiagnose (= Gesamtsumme von ausgewählten Items) erstellt. Die beiden Diagnosen sollten weitestgehend miteinander übereinstimmen (Poustka et al., 2015, S. 113).
 

Auswertungshilfen

Als Auswertungshilfen liegen vor der Protokollbogen für jedes Modul mit den Algorithmen und Vergleichswerten, Auswertungs- und Interpretationshinweisen sowie Fallbeispiele im Manual. Außerdem werden Cut-off-Werte genannt.
 

Auswertungszeit

Die Auswertung dauert etwa 10 Minuten. %
 

Itembeispiele

Anmerkung: Es wird eine Kodierung aus dem Modul 1, Bereich "A. Sprache und Kommunikation" vorgestellt.
A3. Intonation der Lautäußerungen oder sprachlichen Äußerungen
"Dies ist eine allgemeine Kodierung, die sich auf alle stimmlichen oder sprachlichen Äußerungen bezieht, einschließlich Schreien oder Weinen. Repetitive oder eigenartige nicht sprachliche Lautäußerungen sollten hier kodiert werden, wenn ihre Intonation ungewöhnlich ist. Bewerten Sie hier nicht, wenn das Kind insgesamt laut ist; kodieren Sie jedoch wiederholtes Flüstern.
0 = Normale, angemessen variierende Intonation, nicht ungewöhnlich oder eigenartig.
1 = Wenig Variation in Tonhöhe und Betonung; eher flach oder übertrieben, gelegentlich merkwürdige Intonation.
2 = Merkwürdige Intonation oder unangemessene Tonhöhe und Betonung UND/ODER deutlich flache und tonlose, mechanisch wirkende Äußerungen ODER ein merkwürdiges Schreien oder Weinen und wenig andere Lautäußerungen.
8 = Nicht anwendbar; das Kind zeigt zu wenig Lautäußerungen für eine Beurteilung der Intonation, auch bei Vorhandensein normalen Weinens oder Schreiens und vereinzelter anderer Lautäußerungen."
 

Durchführung

 

Testformen

Das Beobachtungsinstrument ist für dasn Einzelsetting konzipiert. Es liegen die englischsprachige Originalversion (Lord et al., 2012) sowie zahlreiche Übersetzungen in andere Sprachen vor. Zu der ADOS-2 gibt es das zugehörige Diagnostische Interview für Autismus - Revidiert (ADI-R; Bölte, Poustka, Rühl & Schmötzer, 2006; siehe PSYNDEX Tests-Nr. 9004432).
 

Altersbereiche

Das Verfahren kann bei Kindern (ab einem Jahr), Jugendlichen und Erwachsenen eingesetzt werden.
 

Durchführungszeit

Für jedes Modul werden ca. 40 bis 60 Minuten benötigt (Poustka et al., 2015, S. 15).
 

Material

Zu den Testmaterialien zählen das Manual, die Protokollbögen für jedes der fünf Module (Kleinkind-Modul, Modul 1-4) und umfangreiches Stimulusmaterial (Spielzeug) in einer Plastiktruhe. Darüber hinaus wird zusätzliches Material benötigt, welches selbst angeschafft werden muss, wie z. B. Batterien für die Spielzeuge, eine aktuelle Tageszeitung und Zeitschrift, weißes Zeichenpapier für die "Pause" sowie Getränke und Essen für den "Snack" (Poustka et al., 2015, S. 27). Verbrauchsmaterial (Protokollbögen) kann separat bezogen werden. Auch die Materialien in der Truhe müssen nachgefüllt bzw. ersetzt werden (z. B. Luftballons, Seifenblasenflüssigkeit, Spielknete, Pappgeschirr und Stifte). Außerdem wird ein Aufnahmegerät für die Aufzeichnung benötigt.
Für bereits mit ADOS arbeitende Anwender wird ein Ergänzungs-Kit angeboten mit:
- Kleinkind-Modul mit Stimulusmaterial
- aktualisiertes Manual
- aktualisierte Protokollbogen für alle 5 Module

Materialliste ADOS-2 (Stand: 01.12.2016):
- Manual (Artikelnummer 0318102)
- 5 Protokollbögen Kleinkind-Modul (Artikelnummer 0318107)
- 5 Protokollbögen Modul 1 (Artikelnummer 0318103)
- 5 Protokollbögen Modul 2 (Artikelnummer 0318104)
- 5 Protokollbögen Modul 3 (Artikelnummer 0318105)
- 5 Protokollbögen Modul 4 (Artikelnummer 0318106)
- Umfangreiches Stimulusmaterial in Plastiktruhe (Artikelnummer 03 181 09).
 

Instruktion

Es werden umfangreiche Instruktionsanweisungen vorgegeben. Für jedes Modul bzw. jede Aktivität werden der Zweck, die nötigen Materialien, Instruktionen und besondere Durchführungshinweise genannt (Poustka et al., 2015; z. B. S. 42-43).
 

Durchführungsvoraussetzungen

Für die Testung wird vorausgesetzt, dass die Testperson in der Lage ist, eigenständig zu laufen. Eine Hör- und Sehschwäche ist auszuschließen (Poustka et al., 2015, S. 23). Der Testleiter sollte über testdiagnostische und störungsspezifische Kenntnisse verfügen.
Vor der Durchführung muss der Untersuchungsraum vorbereitet werden. Z. B. sollte der Testraum angenehm und groß sein (freie Spielfläche) und mit einem kindgerechten Tisch und Stuhl ausgestattet sein. Die Spielsachen sollten griffbereit, aber fern vom Kind gelagert sein (Poustka et al., 2015, S. 41). Der Testleiter muss aktiv sein, indem er mit dem spielerischen Material die Kinder animiert und so eine kommunikative und interaktive Testsituation herstellt. Hierfür muss das Manual einstudiert werden und der Testleiter sollte für die Testung gut vorbereitet sein, sodass er während der Testung lediglich den Protokollbogen ausfüllt (S. 11, S. 37).
 

Testkonstruktion

Die Grundlage für die englischsprachige Originalversion Autismus Diagnostic Observation Schedule (ADOS; Lord et al., 1989) bildet die Klassische Testtheorie dar. Ende der Achtziger wurde die Originalfassung zunächst für Forschungszwecke entwickelt. ADOS wurde an 381 Kindern, die mit einer Diagnose (Autismus-Spektrum-Störungen vs. Autismus vs. ASS ohne Autismus vs. Störungen außerhalb des Autismus-Spektrums) in eine Klinik in Chicago eingewiesen wurden, validiert. Nachdem der Bedarf im klinischen Kontext stieg und um die Störung umfassender zu erfassen, wurde ADOS immer wieder verbessert und von Rühl, Bölte, Feineis-Matthews und Poustka (2004) ins Deutsche übersetzt. Für die Revision der Originalversion wurde eine Gesamtstichprobe aus N = 1 619 Personen (Modul 1: n = 847, Modul 2: n = 329, Modul 3: n = 398, Modul 4: n = 45) rekrutiert, die entweder mit der Diagnose Autismus (n = 905), ASS ohne Autismus (n = 431) oder einer Störung außerhalb des Autismus-Spektrums (n = 283) diagnostiziert wurden. Die Replikationsstudie, anhand der die Retestreliabilität gemessen wurde, bestand aus insgesamt N = 1 282 Personen; davon waren n = 970 Fälle mit der Diagnose Autismus, n = 98 mit ASS ohne Autismus und n = 214 mit Störungen außerhalb des Autismus-Spektrums. Die Kodierung bei der Testdurchführung wurde von einem Testleiter und dem primären Kliniker separat und unabhängig durchgeführt. Vor der Testung durchliefen sie kognitive Tests und die Eltern füllten den ADI-R aus; z. B. wurden am häufigsten angewendet die Wechsler Intelligence Scale for Children (WISC-IV) von Wechsler (2003) und/oder die Mullen Scales of Early Learning (MSEL) von Mullen (1995; = mehrere aufeinanderfolgende Untersuchung zur Erfassung des Entwicklungsstands). Insgesamt 12 geschulte Beurteiler ermittelten die Daten für die Stichprobe der ersten Testversion und 14 geschulte Beurteiler für die Stichprobe der Revision. Die Beobachterübereinstimmung lag bei über 80% bzw. 85%. Die Items der Module 1 bis 4 blieben nach den Analysen erhalten. Die Items des Kleinkind-Moduls wurden so ausgewählt, dass sie zwischen zwei klinischen Diagnosen differenzieren können und als theoretisch wertvoll beurteilt wurden (Poustka et al., 2015, 149-158).
Für die Revision ADOS-2 wurde das Manual gänzlich überarbeitet und um das Kleinkind-Modul (entspricht dem Toddler Module von Lord et al., 2012) ergänzt. Die einzelnen Protokollbögen der verschiedenen Module wurden hinsichtlich Genauigkeit und Verständlichkeit der Instruktionsanweisungen verbessert. Aufgrund neuerer Erkenntnisse wurden die Algorithmen für die Module 1 bis 3 überarbeitet und Vergleichswerte ermittelt (Poustka et al., 2015, S. 21, S. 159 ff.).
 

Gütekriterien

 

Objektivität

Die ADOS sieht eine weitgehend standardisierte Untersuchung vor. Hinsichtlich der Durchführungsobjektivität ergeben sich mögliche Einschränkungen daraus, dass explizit Freiräume bei der Auswahl der Materialien und der Aktivitätensequenz gewährt werden, um die Interaktion zwischen Testleiter und Proband zu optimieren. Eine hohe Auswertungsobjektivität erscheint unter Beachtung der im Manual und auf den Protokollbögen abgedruckten Kodiervorschriften prinzipiell erreichbar. Sie setzt jedoch eine umfassende Einarbeitung in das Verfahren und Erfahrung mit fehl- und normalentwickelten Kindern voraus. Die Interpretationsobjektivität kann als gesichert angenommen werden, da für alle Module ein diagnostischer Algorithmus mit Cut-off-Werten und für einige Module Vergleichswerte vorliegen.
Als Nachweis für die Interraterreliabilität der englischsprachigen Originalversion wurde Cohens Kappa berechnet (Poustka et al., 2015, S. 160-163). Der mittlere Kappa-Wert lag bei K = .78 (Modul 1), .70 (Modul 2), .65 (Modul 3), .66 (Modul 4) und .67 (Kleinkind-Modul).
 

Reliabilität

Poustka und Kollegen (2015, S. 163, S. 246) berichten im Manual von der Retestreliabilität der englischsprachigen ADOS-2. Diese lag für den Gesamtwert bei rtt = .87 (Modul 1), rtt = .83 (Modul 2), rtt = .87 (Modul 3) und für das Kleinkind-Modul bei rtt = 86 (Alle Jüngeren/Älteren, die wenige bis keine Worte sprechen) und .95 (Ältere, die einige Worte sprechen). Für die deutschsprachige Ausgabe liegen keine Befunde vor.
 

Validität

Die Inhaltsvalidität kann aufgrund des Bezugs zur ICD-10 und zum DSM-5 angenommen werden.
In einer Studie mit N = 1 080 Personen (Alter: 1;7-20;5 Jahre; 88% männlich, 12% weiblich) untersuchten Kamp-Becker, Langmann, Stehr, Custodis, Poustka und Becker (2016, S. 6) die diagnostische Validität der Algorithmen für die Module 1 bis 3 der Originalversion sowie der Revision mithilfe von ROC-Kurven. Zudem wurde geprüft, ob die ADOS-2 zwischen bestimmten Diagnose-Gruppen (frühkindlicher Autismus vs. Non-Spektrum; ASS-Subtypen vs. Non-Spektrum; alle ASS vs. Non-Spektrum) differenzieren kann sowie ob ein Geschlechtereffekt vorliegt. Es konnte gezeigt werden, dass die Sensitivität des ADOS-2-Algorithmus mit 85% höher und die Spezifität mit 86% etwas niedriger als die ADOS-Algorithmen (Sensitivität: 84%, Spezifität: 89%) ausfallen (S. 7). Genauer betrachtet, ist die Spezifität des ADOS-2-Algorithmus für die Diagnosegruppen internalisierende Störungen (79%), Störungen des Sozialverhaltens (80%) und ADHS (89%) geringer als die des ADOS-Algorithmus. D. h. für diese Gruppen differiert die ADOS-2 schlechter als ADOS (S. 9). Zudem konnten sie belegen, dass mit der ADOS-2 (und ADOS) bei Mädchen bessere Diagnosen erstellt werden können als bei Jungen (S. 10).
 

Normierung

Eine Normierung in Deutschland fand nicht statt. Die Vergleichswerte (= keine Normwerte) wurden aus der Originalversion eins zu eins übernommen. Es liegen Cut-off-Werte vor, anhand der eine Diagnose (Autismus, Autismus-Spektrum oder "Nicht im Spektrum") erstellt werden kann.
 

Anwendungsmöglichkeiten

Die ADOS-2 wird in der klinischen Praxis als Diagnosehilfsmittel zur Klärung des Vorliegens einer Autismus- bzw. Autismus-Spektrum-Störung eingesetzt. Es können praktische Vorschläge und Fördermöglichkeiten für Eltern, Schulen oder Therapeuten abgeleitet werden (Poustka et al., 2015, S. 136). Das Verfahren wird auch in der Forschung eingesetzt.
 

Bewertung

Das Beobachtungsinstrument ADOS-2 von Poustka et al. (2015) erfasst mittels standardisierter Beobachtung das soziale, kommunikative und spielerischen Verhalten von Personen, bei denen der Verdacht auf Autismus vorliegt. Das Manual ist sehr umfangreich. Es gliedert sich in zwei Teile. Im ersten Teil werden die Module 1 bis 4 erläutert, im zweiten Teil das Kleinkind-Modul. Das Manual könnte jedoch kompakter gehalten werden, weil durch die Trennung Informationen mehrfach wiederholt werden. Der Test enthält sehr viel Stimulusmaterial. Für die Testung wird zudem noch Zusatzmaterial benötigt, das selbst angeschafft werden muss. Verbrauchtes Material aus der Plastiktruhe kann nicht nachbestellt werden und muss ebenfalls selbst besorgt werden. Dann sind die Kodierungen zum Teil sehr vage formuliert. Für den Algorithmus werden die Kodierungswerte zum Teil nochmal umkodiert. Es gibt Cut-off-Werte für die Diagnoseerstellung und zusätzlich Vergleichswerte (keine Normwerte!) nur für bestimmte Module, die aus dem Original übernommen wurden. Auch finden sich im Manual nur psychometrische Ergebnisse der englischsprachigen Version. Wünschenswert wären Nachweise der psychometrischen Qualität der deutschen Version. Kamp-Becker und Kollegen (2016) liefern Befunde zur diagnostischen Güte, indem sie ADOS und ADOS-2 miteinander verglichen haben: "Die Ergebnisse sprechen für eine gute Anwendbarkeit der ADOS-2 für klinische Populationen. Voraussetzung ist jedoch eine sorgfältige und breite Diagnostik durch erfahrene Untersucher" (S. 1).
 

Literatur

  • American Psychiatric Association. (2013). Diagnostic and statistical manual of mental disorder. DSM-5. American Psychiatric Pub.
  • Bölte, S., Rühl, D., Schmötzer, G. & Poustka, F. (2006). ADI-R. Diagnostisches Interview für Autismus - Revidiert. Deutsche Fassung des Autism Diagnostic Interview - Revised von Michael Rutter, Ann Le Couteur und Catherine Lord. Bern: Huber.
  • Kamp-Becker, I., Langmann, A., Stehr, T., Custodis, K., Poustka, L. & Becker, K. (2016). Zur Validität der deutschen Fassung der ADOS-2 unter Berücksichtigung von Geschlechtseffekten. Zeitschrift für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie, 44 (1), 1-15.
  • Lord, C., Luyster, R., Gotham, K. & Guthrie, W. (2012). Autism Diagnostic Observation Schedule, Second Edition (ADOS-2) Manual (Part II): Toddler Module. Torrance, CA: Western Psychological Services.
  • Lord, C., Rutter, M., DiLavore, P. C., Risi, S., Gotham, K., Bishop S. L. (2012). Autism Diagnostic Observation Schedule, Second Edition (ADOS-2). Manual (Part I): Module 1-4. Torrance, CA: Western Psychological Services.
  • Mullen, E. (1995). Mullen Scales of Early Learning. Circle Pines, MN: American Guidance Services.
  • Poustka, L., Rühl, D., Feineis-Matthews, S., Bölte, S., Poustka, F. & Hartung, M. (2015). ADOS-2. Diagnostische Beobachtungsskala für Autistische Störungen-2. Deutschsprachige Fassung der Autism Diagnostic Observation Schedule-2 von Catherine Lord, Michael Rutter, Pamela C. DiLavore, Susan Risi, Katherine Gotham und Somer L. Bishop (Module 1-4) bzw. Catherine Lord, Rhiannon J. Luyster, Katherine Gotham und Whitney Guthrie (Kleinkind-Modul). Bern: Huber.
  • Bölte, S., Rühl, D., Schmötzer, G. & Poustka, F. (2006). ADI-R. Diagnostisches Interview für Autismus - Revidiert. Deutsche Fassung des Autism Diagnostic Interview - Revised von Michael Rutter, Ann Le Couteur und Catherine Lord. Bern: Huber.
  • Rühl, D., Bölte, S., Feineis-Matthews, S. & Poustka, F. (2004). ADOS. Diagnostische Beobachtungsskala für Autistische Störungen. Bern: Huber.
  • Wechsler, D. (2003). Wechsler Intelligence Scale for Children: Administration and scoring manual (4th. ed.). San Antonio, TX: Psychological Corporation.
  • World Health Organization (WHO). (1993). The ICD-10 Classification of Mental and Behavioural Disorders: Diagnostic criteria of research. Genf: WHO.
 

Originalfassung/Anderssprachige Fassungen

  • Lord, C., Rutter, M., DiLavore, P.C., Risi, S., Gotham, K., Bishop S.L. (2012). ADOS-2. Autism Diagnostic Observation Schedule. Manual. Second Edition. Torrance, CA: Western Psychological Services.
  • Lord, C., Luyster, R.L., Gotham, K. & Guthrie, W. (2012). ADOS-2. Autism Diagnostic Observation Schedule. Manual. Second Edition. (Part II): (Toddler Module). Torrance, CA: Western Psychological Services.
 

Rezensionen

  • McCrimmon, A. & Rostad, K. (2014). Lord, C., Luyster, R.J., Gotham, K., & Guthrie, W. (2012). Autism Diagnostic Observation Schedule, Second Edition (ADOS-2) Manual (Part II): Toddler Module. Torrance, CA: Western Psychological Services, 2012. Lord, C., Rutter, M., DiLavore, P.C., Risi, S., Gotham, K., & Bishop, S. Autism Diagnostic Observation Schedule, Second Edition. Torrance, CA: Western Psychological Services, 2012 (Test Review). Journal of Psychoeducational Assessment, 31 (1), 88-92.
 
 Gülay Karadere (12.12.2016)
 APA-Schlagworte/PSYNDEX Terms:

Classical Test Theory; Interviews; Observation Methods; Rating Scales; Clinical Psychology; Social Behavior; Autism Spectrum Disorders; Communication Skills; Stereotyped Behavior; Autism Spectrum Disorders

Klassische Testtheorie; Interviews; Beobachtungsmethoden; Rating-Skalen; Klinische Psychologie; Soziales Verhalten; Autismus-Spektrum-Störungen; Kommunikationsfertigkeiten; Stereotypes Verhalten; Autismus-Spektrum-Störungen

 weitere Schlagworte:

1989 (ADOS; englischsprachige Originalfassung); 2004 (ADOS; deutsche Fassung); 2012 (ADOS-2; englischsprachige Revision); 2015 (ADOS-2; deutsche Revision); Fremdeinschätzung; ab 12 Monate; Bereiche: 1 Sprache und Kommunikation, 2 Wechselseitige soziale Interaktion, 3 Spiel/Vorstellungsvermögen/Kreativität, 4 Stereotype Verhaltensweisen und eingeschränkte Interessen, 5 Andere auffällige Verhaltensweisen; Module: 1 Vorsprachlich/Einzelne Worte, 2 Sprache in Sätzen, 3 Fließende Sprache Kinder/Jugendliche, 4 Fließende Sprache Jugendliche/Erwachsene; Kleinkind-Modul: Vorsprachlich/Einzelne Worte; Normierungsjahr: keine Angaben; Normstichprobe: 1619+1282
 Klassifikation:

Entwicklungstests; Klinische Psychodiagnostik; Entwicklungsstörungen und Autismus
Klinische Klassifikations- und Dokumentationssysteme
11.2
 Anwendungstyp: Clinical Diagnosis
 Art der Publikation: Test; Test in Print (90; 911)
 Sprache: German
 Übersetzungen: Bulgarian, Czech, Danish, Dutch, English, Finnish, French, Hebrew, Italian, Japanese, Korean, Norwegian, Polish, Romanian, Russian, Serbo-Croatian, Spanish, Swedish, Ukrainian
 Land: United States
 Publikationsjahr: 2015
 Änderungsdatum: 201705
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