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Früherkennung entwicklungsgefährdeter Kinder bis 6 Jahre

 PSYNDEX Tests-Dokument: 9006993
 

FegK 0-6 - Früherkennung entwicklungsgefährdeter Kinder bis 6 Jahre (PSYNDEX Tests Review)

 

Early Detection of Children Aged 3 to 6 at Risk for Developmental Delay/zpid
Synonym(e): Früherfassung entwicklungsgefährdeter Kinder von 3-6 Jahren; Verfahren zur Früherkennung entwicklungsgefährdeter Kinder bis 6 Jahre und zur Ermittlung ihres Unterstützungsbedarfs

 Burgener Woeffray, A.
 (2014). Entwicklungsgefährdung früh erkennen. FegK 0-6: Ein Verfahren zur Früherkennung entwicklungsgefährdeter Kinder bis 6 Jahre und zur Ermittlung ihres Unterstützungsbedarfs [Testbox mit Handbuch, Begleitheft "Gesprächsleitfaden zur Einschätzung der Risiko- und Schutzfaktoren", 5 Protokollbögen, 5 Gesprächsleitfäden zur Einschätzung der Risiko- und Schutzfaktoren mit Protokollblatt zum Gesprächsleitfaden]. Bern: Edition SZH/CSPS.

ISBN: 978-3-90589017-4
Preis: 79,00 CHF (Test komplett; Stand: 29.01.2016)

 Bezugsquelle: Edition SZH/CSPS, Haus der Kantone, Speichergasse 6, Postfach, CH-3001 Bern, Schweiz; E-Mail: szh@szh.ch; URL: http://www.szh.ch/; Stand: 05.01.2017
 Adresse(n): o Dr. phil. Andrea Burgener Woeffray, Interkantonale Hochschule für Heilpädagogik Zürich, Schaffhauserstrasse 239, Postfach 5850, CH-8050 Zürich, Schweiz ; E-Mail: info@hfh.ch ; URL: https://www.hfh.ch/de/kontakte-und-lageplan/ ; Stand: 16.3.2017
 WWW-Informationen:
 

Abstract

Diagnostische Zielsetzung:
Das "Verfahren zur Früherkennung entwicklungsgefährdeter Kinder bis 6 Jahre und zur Ermittlung ihres Unterstützungsbedarfs" (FegK 0-6) dient als systematische Definitions- und Entscheidungshilfe zur Bestimmung von vorhandenen Risiko- und Schutzfaktoren und entsprechender auf das Individuum zugeschnittener Unterstützungsmaßnahmen. Es wird bei Kindern mit Entwicklungsproblemen (z. B. Entwicklungsverzögerung, -abweichung, -behinderung) und im Hinblick auf die Schulfähigkeit sowie zur Bestimmung des Unterstützungsbedarfs eingesetzt.


Aufbau:
Das Verfahren besteht aus vier Stufen bzw. Teilen: (A) Vorabklärung, (B) Erfassung des Entwicklungsstandes, (C) Einschätzung der Risiko- und Schutzfaktoren und (D) Synthese und Maßnahmenempfehlung. Der zweite und dritte Schritt dient zur Problemidentifikation, d. h. der Entwicklungstand und die Risikobelastung werden abgeklärt. Eine modulare Anwendbarkeit der Teile B und C sind möglich. Teil B wird anhand von Entwicklungstests erhoben. Für Teil C liegen 26 Items vor, die Schutz- und Risikofaktoren auf personaler und psychosozialer Ebene erfassen.


Grundlagen und Konstruktion:
Das Verfahren basiert teilweise auf der Klassischen Testtheorie. Aus der Mannheimer Risikokinderstudie wurden die 26 Items des Gesprächsleitfadens für den Verfahrensteil C entnommen. Diese wurden zusammen mit den anderen Teilen des Verfahrens in zwei Untersuchungsphasen (Erprobungsphase 1: n = 26 Kinder; Erprobungsphase 2: n = 119 Kinder) erprobt und weiterentwickelt.


Empirische Prüfung und Gütekriterien:
Es wurden keine Reliabilitäts- und Validitätsberechnungen durchgeführt. Inhaltsvalidität kann jedoch angenommen werden, da der Test an die ICF-Kriterien angepasst wurde.
Normen: Das Verfahren ist nicht normiert.

 

Testkonzept

 

Theoretischer Hintergrund

Bei dem "Verfahren zur Früherkennung entwicklungsgefährdeter Kinder bis 6 Jahre und zur Ermittlung ihres Unterstützungsbedarfs" (FegK 0-6; Burgener Woeffray, 2014) handelt es sich um ein klinisches Instrument, das sich an der Internationalen Klassifikation der Funktionsfähigkeit, Behinderung und Gesundheit (ICF; Weltgesundheitsorganisation, 2001) orientiert, speziell an der Version für Kinder und Jugendliche (ICF-CY). Nach ICF kann die Entwicklung einer Person unterschiedlich beeinträchtigt sein. Beeinträchtigungen können in den Funktionen und Strukturen des Körpers sowie (sozialen) Aktivitäten liegen. Bei Kindern kann eine Beeinträchtigung bzw. ein Risikozustand erst dann bestimmt werden, nachdem bestimmte personenbezogene Informationen wie Alter, Motivation oder Temperament sowie Informationen über materielle, soziale und einstellungsbezogene Umweltfaktoren vorliegen (Burgener Woeffray, 2014, S. 23). Das Verfahren FegK 0-6 basiert auf dem ICF-Modell sowie dem sog. "Four Front Approach"-Ansatz (Denken im Kreuz) von Wright und Lopez (2002). Der Ansatz umfasst die Diagnostik von personen- und umweltbedingten Beeinträchtigungen und Schutzfaktoren und erlaubt ein "Denken im Kreuz". So kann jede Problemsituation kind- und umweltbezogen betrachtet und analysiert werden. Jede Unterstützungsmaßnahme trägt zur Reduzierung von Risikofaktoren oder zur Erhöhung von Schutzfaktoren bei (Burgener Woeffray, 2014, S. 23). Risikofaktoren, d. h. gefährdende Bedingungen, die Kinder in ihrer Entwicklung schaden, werden in der Regel in sogenannten Risikokinderstudien ermittelt. Anders fokussiert man in der Resilienzforschung auf Schutzfaktoren, die zur Reduzierung von Belastungen beitragen. In der Mannheimer Risikokinderstudie (Laucht, Esser & Schmidt, 1998, 1999; Laucht, Schmidt & Esser, 2002) konnte ein Zusammenhang zwischen den Risiko- und Schutzfaktoren und auffälligem Entwicklungsverlauf auf motorischer, kognitiver und sozialer Entwicklungsebene festgestellt werden (S. 9). Mit dem FegK 0-6 sollen entwicklungsgefährdete Kinder aufgrund ihrer Risikosituation früh erkannt und ihnen und ihren Eltern passende Unterstützungsmaßnahmen angeboten werden (S. 24). Bisher gibt es das Standardisierte Abklärungsverfahren (SAV; Hollenweger & Lienhard, 2008, 2009), welches nach den Anforderungen der ICF entwickelt wurde. Das SAV eignet sich jedoch nicht für den Frühbereich (S. 9).
 

Testaufbau

Das Verfahren umfasst vier Schritte (Burgener Woeffray, 2014, S. 25 ff., S. 29-32):
Schritt 1: Vorabklärung (Teil A)
Eine Fachperson oder die Eltern haben das Kind als entwicklungsauffällig wahrgenommen. In dem Protokollbogen muss notiert werden, wer die Auffälligkeit gemeldet hat. Die Eltern des Kindes sollten über die einzelnen Verfahrensteile und die Ziele informiert werden. Für den Einsatz des Verfahrens wird die Zustimmung der Eltern benötigt. Außerdem muss geprüft werden, ob Probleme in der Verständigung (z. B. sprachlicher, inhaltlicher oder kultureller Art) auftreten. In diesem Fall kann ein interkultureller Übersetzer eingeschaltet werden, der sich an dem Gespräch beteiligt. Sollte die Verständigung weiterhin unmöglich sein bzw. weigern sich die Eltern gegen eine nähere Abklärung, so wird die Person an eine Fachstelle weiterverwiesen. Ist dies nicht der Fall, kann das Verfahren durchgeführt werden.
Schritt 2: Erfassung des Entwicklungsstandes (Teil B)
Ist die Entwicklung gefährdet vs. verzögert vs. abweichend vs. in der Norm? Hierfür werden standardisierte Tests eingesetzt, die den testtheoretischen Ansprüchen genügen, aktuelle Normen haben sowie die kognitiven, motorischen und sozial-emotionalen Entwicklungsbereiche erfassen. Im Idealfall wird ein allgemeiner Entwicklungstest durchgeführt, der alle Entwicklungsbereiche abdeckt. Entwicklungswerte, die extern gewonnen wurden, können auch herangezogen werden, wenn sie nicht älter als sechs Monate sind. Es wird empfohlen, die sozial-emotionale Komponente der Entwicklung mit der deutschen Fassung der Child Behavior Checklist 1 1/2-5 (CBCL 1 1/2-5; Arbeitsgruppe Deutsche Child Behavior Checklist, 2002) oder dem Fragebogen zu Stärken und Schwächen (SDQ-Deu; Goodman, 1999-2001) einzusetzen.
Schritt 3: Einschätzung der Risiko- und Schutzfaktoren (Teil C mit 26 Items: 11 Items für Schutzfaktoren, 15 Items für Risikofaktoren)
Die Risikobelastung und die Schutzfaktoren werden anhand des Gesprächsleitfadens mit 26 Fragen erhoben und die Werte in das Protokollblatt eingetragen. Schließlich werden die Werte auf einer individuellen Landkarte skizziert. Drei Fragen können bereits vor Beginn beantwortet werden (Item 16-18: Geschlecht, Intelligenz & Sozialverhalten; Begleitheft, S. 21). Die restlichen Fragen können anhand von Arztberichten, Gesprächen mit den Eltern oder Beobachtungen beantwortet werden.
Schritt 4: Synthese und Maßnahmenempfehlung (Teil D)
Die Risiko- und Schutzfaktoren werden den Ergebnissen der Entwicklungsabklärung zur Bestimmung des Unterstützungsbedarfs bzw. Implementierung einer Intervention gegenübergestellt, d. h. alle Ergebnisse aus Teil A, B und C werden zusammengetragen. Folgende fünf Klassifikationen von Entwicklungszuständen werden unterschieden (Burgener Woeffray, 2014, S. 31):
(1) Entwicklungsabweichung = untypische Entwicklung mit leicht oder schwer abweichendem Verlauf.
(2) Entwicklungsverzögerung = Entwicklungsalter unterhalb des Lebensalters.
(3) Entwicklungsgefährdung = Risikofaktoren sind vorhanden oder Schutzfaktoren fehlen mit grenzwertigen, entwicklungsdiagnostischen Ergebnissen.
(4) Kinder in Risikosituationen = normale Entwicklung mit vorhandenen Risikofaktoren.
(5) Entwicklung im Normalbereich = normale Entwicklung ohne Belastung.
Aus der Bewertung der Entwicklungsergebnisse und beim Vorliegen einer Risikobelastung wird die Art der Maßnahme (kindorientiert vs. umfeldorientiert vs. kind- und umfeldorientiert) herausgearbeitet (Burgener Woeffray, 2014, S. 29-32).
 

Auswertungsmodus

Alle Ergebnisse aus den Verfahrensteilen A-C werden zusammengeführt. Für den Teil B (Erfassung des Entwicklungsstandes) werden die Ergebnisse aus den Entwicklungstests für die Bereiche Kognition, Motorik und Sozialverhalten getrennt als "auffällig", "grenzwertig" oder "unauffällig" bewertet (siehe Protokollbogen). Anschließend wird anhand von zwei Fragen die Entscheidung für eine Maßnahme getroffen (Burgener Woeffray, 2014, S. 31-32):
Frage 1: "Liegt eine Risikobelastung vor?" Die Risikobelastung wird auf personaler und psychosozialer Ebene in einem Drei-Stufensystem bewertet:
Stufe 1 = keine Risikobelastung: Es liegen keine personalen oder psychosozialen Risikofaktoren vor.
Stufe 2 = leichte Risikobelastung: Entweder liegt auf der personalen Ebene eine Präeklampsie (= Schwangerschaftsvergiftung) oder eine drohende Frühgeburt bzw. Frühgeburt (> 1500g Geburtsgewicht) oder ein bis zwei psychosoziale Risikomerkmale vor.
Stufe 3 = schwere Risikobelastung: Es liegen auf personaler Ebene ein sehr niedriges Geburtsgewicht oder eine deutliche Asphyxie (= Störung der Atemfunktion) mit einer Behandlungsdauer von mehr als einer Woche oder neonatale Komplikationen vor (z. B. Krampfanfälle, Sepsis). Oder es liegen auf der psychosozialen Ebene mehr als drei Risikomerkmale vor.
Eine Risikobelastung ist vorhanden bei:
- drei oder mehr personalen und/oder psychosozialen Risikofaktoren (RF > = 3) oder
- zwei oder weniger personalen und/oder psychosozialen Schutzfaktoren (SF = < 2).
Frage 2: "Ist die Entwicklung des Kindes auffällig?"
Hierfür müssen die Ergebnisse aus den Entwicklungstests (Teil B) im Hinblick auf eine bestehende Risikobelastung ausgewertet werden. Es wurden Grenzwerte zur genauen Festlegung der Entwicklungsauffälligkeit bestimmt und angezeigt, wann ein Unterstützungsbedarf gegeben ist (Burgener Woeffray, 2014, S. 21, S. 31):
(1) Bei einer Entwicklungsabweichung (= 2 SD unter der Norm) ist ein sonderpädagogischer Unterstützungsbedarf gegeben.
(2) Bei einer Entwicklungsverzögerung (= 1 1/2 SD unter der Norm) ist ein (sonderpädagogischer) Unterstützungsbedarf im Sinne einer indizierten Prävention gegeben.
(3) Bei einer Entwicklungsgefährdung (= 1 1/2 SD unter der Norm) ist ein sonderpädagogischer Unterstützungsbedarf gegeben, da Entwicklungsauffälligkeit und Risikobelastung kumulieren.
(4) Bei Kindern in Risikosituationen (= 2/3 SD unter der Norm) ist ein gezielter Unterstützungsbedarf im Sinne einer selektiven Prävention gegeben.
(5) Bei einer Entwicklung im Normalbereich (= M) besteht kein Unterstützungsbedarf. Kontrolluntersuchungen sind eventuell nötig.
Aus der Bewertung der Entwicklungsergebnisse und beim Vorliegen einer Risikobelastung wird nun die Art der Maßnahme herausgearbeitet, die entweder kind- oder umfeldorientiert ist oder beide Arten betrifft (Burgener Woeffray, 2014, S. 32):
(A) Es muss kindorientiert gearbeitet werden, wenn auf der personalen Ebene mehr Risikofaktoren als Schutzfaktoren vorliegen.
(B) Es muss umfeldorientiert gearbeitet werden, wenn auf der psychosozialen Ebene mehr Risikofaktoren als Schutzfaktoren vorliegen.
(C) Es muss kind- und umfeldorientiert gearbeitet werden, wenn auf der personalen und psychosozialen Ebene mehr Risikofaktoren als Schutzfaktoren vorliegen.
Auf dem zusätzlichen "Protokollblatt zum Gesprächsleitfaden" ist auf der Rückseite ersichtlich, welche Items höher gewichtet sind. Es wird darauf hingewiesen, dass die Items 20 und 21 in ihrer Kombination stark gewichtet werden. Die "persönliche Landkarte", die auf dem Protokollblatt sowie auf dem Protokollbogen farblich abgebildet ist, vereinfacht die Zuordnung der Items auf die Faktoren (personale vs. psychosoziale Ebene, Risiko- vs. Schutzfaktor, kind- vs. umfeldorientiert).
 

Auswertungshilfen

Im Handbuch sowie im Begleitheft werden Bewertungs- und Interpretationshinweise geschildert (Burgener Woeffray, 2014, S. 29-32, Begleitheft, S. 23 ff.). Die Abbildung "Persönliche Landkarte" dient zum Verständnis der Itemzuordnung auf die Faktoren. Zudem wird ein Fallbeispiel erläutert (S. 33-34).
 

Auswertungszeit

Es liegen keine Angaben vor.
 

Itembeispiele

Anmerkung: Es werden zwei Items aus Teil C "Gesprächsleitfaden zur Einschätzung der Risiko- und Schutzfaktoren" des FegK 0-6 vorgestellt, je eins für Schutzfaktor und Risikofaktor.
Item 22 (Schutzfaktor): Freude im Kontakt und Spiel mit anderen Kindern
"Hat Ihr Kind Kontakte zu anderen Kindern oder sogar Freundschaften? Was können Sie da beobachten? Wie verhält sich Ihr Kind? Wie geht es auf andere Kinder zu?"
o ja
o nein
"Beurteilen Sie einerseits, ob das Kind bereits Möglichkeiten hat, ausserhalb der Familie mit gleichaltrigen Kindern in Kontakt zu treten. Ist dieser Kontakt zudem regelmässig und kann wiederholt beobachtet werden, dass das Kind freudvoll und offen auf die Kinder zugeht, kann dies als Schutzfaktor bewertet werden. "

Item 12 (Risikofaktor): Wohnsituation
"Wie schätzen Sie Ihre Wohnsituation ein? Genügen die Bedingungen Ihren Bedürfnissen und denjenigen Ihrer Familie? Inwiefern würden Sie sich etwas anderes wünschen?"
o Die Wohnung hat mehrere Räume (inkl. Küche) als Personen.
o Die Wohnung hat mehr Personen als Räume (inkl. Küche).
o Die Wohnung ist kleiner als 50m2.
"Finden Sie Ihre Wohnung sei gross genug?"
o ja
o nein
"Ein Risikofaktor liegt vor, wenn die Wohnung objektiv zu klein ist (weniger Räume, inkl. Küche, als Personen in der Wohnung leben, oder wenn die Wohnung weniger als 50m2 gross ist) aber auch, wenn die befragte Person angibt, dass ihrer subjektiven Einschätzung nach die Wohnung nicht gross genug sei, obwohl die 'objektiven' Massgaben erfüllt wären."
 

Durchführung

 

Testformen

Der Test wird im Einzelsetting durchgeführt.
 

Altersbereiche

Das Verfahren wurde für Kinder im Alter von 0 bis 6 Jahren konzipiert (Burgener Woeffray, 2014, S. 24).
 

Durchführungszeit

Über die Durchführungsdauer der vier Teile werden keine Angaben gemacht. Es ist anzunehmen, dass Teil A (Vorabklärung) von Individuum zu Individuum unterschiedlich lang dauert, insbesondere dann, wenn bei Sprachverständigungsproblemen ein Dolmetscher beteiligt ist. Die Dauer für Teil B ist abhängig von den frei wählbaren Entwicklungstests und kann dementsprechend variieren.
 

Material

In der Testmappe sind enthalten das Handbuch, fünf Protokollbögen für FegK 0-6, fünfmal "Gesprächsleitfaden zur Einschätzung der Risiko- und Schutzfaktoren mit Protokollblatt", fünf Protokollblätter zum Gesprächsleitfaden sowie das Begleitheft. Es wird ein Schreibgerät benötigt.

Materialliste Testbox (Stand Dezember 2015):
- Handbuch
- Begleitheft "Gesprächsleitfaden zur Einschätzung der Risiko- und Schutzfaktoren"
- 5 Protokollbögen für FegK 0-6
- 5 "Gesprächsleitfaden zur Einschätzung der Risiko- und Schutzfaktoren mit Protokollblatt"
- 5 Protokollblätter zum Gesprächsleitfaden.
 

Instruktion

Das Gespräch ist halbstrukturiert. Die Fragen sind vorgegeben, sollten aber offen und kurz formuliert werden (Burgener Woeffray, 2014, Begleitheft, S. 11). Die Items aus Teil C sind standardisiert. Der Testleiter liest die Fragen ab.
 

Durchführungsvoraussetzungen

Vor der Testung soll auf dem Deckblatt notiert werden, mit wem das Gespräch geführt wurde. Im Idealfall ist es die Hauptbezugsperson. Das Gespräch kann auch mithilfe eines kulturellen Übersetzers geführt werden. Bei der Erhebung der Items sollte berücksichtigt werden, wo das Kind lebt (z. B. Pflegefamilie) und die meiste Zeit verbringt (z. B. Kindergarten, Tagesmutter), um abschätzen zu können, inwieweit Risiko- und Schutzfaktoren die momentane Situation beeinflussen (Burgener Woeffray, 2014, S. 29).
Die einzelnen Teile des Instruments können von mehreren Fachpersonen einer Fachstelle durchgeführt werden. Die Verfahrensteile B und C können auch modular eingesetzt werden. Die Reihenfolge von Teil B und C kann beliebig erfolgen (Burgener Woeffray, 2014, S. 28-29).
 

Testkonstruktion

Das Verfahren basiert auf der Klassischen Testtheorie. Aus der Mannheimer Risikokinderstudie wurden die 26 Items des Gesprächsleitfadens für den Verfahrensteil C entnommen (Burgener Woeffray, 2014, S. 10). Zwei der Items aus der Risikostudie wurden nicht aufgenommen, eins wurde umformuliert und zwei weitere Items wurden zu einem Item vereint (Burgener Woeffray, 2014, Begleitheft, S. 18). Diese wurden zusammen mit den anderen Teilen des Verfahrens in zwei Untersuchungen erprobt (Burgener Woeffray & Bortis, 2009a, 2009b, 2009c; Burgener Woeffray & Meier, 2011, 2012a). Das vierteilige Verfahren wurde theoriegeleitet entwickelt. Die erste Erprobungsphase (September 2008 bis Januar/Juni 2009) wurde mithilfe von acht heilpädagogischen Früherziehern in dem deutschsprachigen Umfeld der Schweiz (Bern, Freiburg, Graubünden, Luzern, Solothurn, Zug) durchgeführt. Die Stichprobe bestand aus n = 26 Kindern (15% weiblich, 85% männlich; Altersspanne: unter 4 Jahre bis über 6 Jahre). Die heilpädagogischen Früherzieher wurden zudem zur Einschätzung der Praktikabilität befragt (Burgener Woeffray & Bortis, 2009a, S. 37-38). Eine Optimierung fand hinsichtlich der Zielgruppenbestimmung und der Anpassung an die Anforderungen der ICF statt. Das Verfahren wurde zunächst auf die Altersgruppe drei bis sechs Jahren reduziert (Burgener Woeffray & Meier, 2012b, S. 19-21). Für die zweite Erprobungsphase (Zeitraum: September 2010 und April 2011) führten 74 heilpädagogische Früherzieher aus 18 Kantonen der deutschen Schweiz den Test an n = 119 Kindern durch; davon n = 35 weiblich (29%) und n = 84 männlich (71%) mit einem Durchschnittsalter von 4.5 Jahren (Burgener Woeffray & Meier, 2012a, S. 4). Neun Kinder (8%) wiesen keine Entwicklungsbeeinträchtigung auf. Bei 20 Kindern (17%) fielen die Testwerte in mindestens einem Entwicklungsbereich in den grenzwertigen Bereich (Testwert zwischen M-4/3SD und M-2/3SD). Bei 90 Kindern (76%) waren die Testwerte auffällig, sodass bei ihnen eine Entwicklungsverzögerung oder eine Entwicklungsabweichung bzw. -behinderung anzunehmen war (S. 6). Die 26 Items des Gesprächsleitfadens wurden auf inhaltlicher und sprachlicher Ebene verbessert. Aus dem Feedback der Früherzieher wurden fünf Items (Item-Nr. 11, 16, 18, 25, 26) als kritisch (d. h. nicht theoriegeleitet und sozial erwünschte Antwortneigung) bewertet. Außerdem konnten vermehrt Sprachverständigungsprobleme aufgezeigt werden (S. 8).
 

Gütekriterien

 

Objektivität

Aufgrund der Verfahrensgliederung in Teil A, B, C und D erweist sich der Test als strukturiert. Für den Teil C liegen ausführliche Erläuterungen zu den Items und Kriterien für die Bewertung der Items vor. Die Durchführungsobjektivität wird durch die modulare Anwendung des Verfahrens und des Gesprächsleitfadens eingeschränkt. Da für den Teil B (Erfassung des Entwicklungsstandes mit standardisierten Tests) andere (Entwicklungs-)Tests zum Einsatz kommen, und Burgener Woeffray (2014, S. 27) standardisierte Entwicklungstests, die möglichst alle Entwicklungsbereiche abdecken, empfiehlt, kann an dieser Stelle lediglich angenommen werden, dass die Objektivität für den Teil B angestrebt wird. Die Auswertungs- und Interpretationsobjektivität werden für den Teil B durch die Einordnung der Testergebnisse in die Kategorien "auffällig", "grenzwertig" und "unauffällig" und für den Teil C durch ausführliche Bewertungskriterien und mithilfe des zusätzlichen "Protokollblatts zum Gesprächsleitfaden" angezielt.
 

Reliabilität

Mit dem Gesprächsleitfaden (Verfahrensteil C) kann laut der Autorin keine Reliabilität erreicht werden (Burgener Woeffray, 2014, Begleitheft, S. 15).
 

Validität

Dem Verfahren kann Inhaltsvalidität zugesprochen werden, da es an die Anforderungen der ICF angepasst wurde. Der Autorin nach ist die Validität des Gesprächsleitfadens angeblich nicht numerisch überprüfbar (Burgener Woeffray, 2014, Begleitheft, S. 15).
 

Normierung

Das Verfahren ist nicht normiert.
 

Anwendungsmöglichkeiten

Als systematisierte Definitions- und Entscheidungshilfe können mit dem Verfahren Einflussfaktoren (Risikofaktoren, mangelnde Schutzfaktoren) erkannt und beschrieben werden, die sich negativ auf die Entwicklung eines Kindes auswirken. Daraus können notwenige Schutzfaktoren und Unterstützungsmaßnahmen abgeleitet werden. Zu den Zielgruppen gehören auch Kinder mit einer Entwicklungsverzögerung oder -abweichung oder mit einer Behinderung. Weiterhin kann es bei Kindergartenkindern angewendet werden, wenn es darum geht zu entscheiden, ob bisherige Maßnahmen genügen, die bei Schuleintritt weitergeführt werden müssen, oder ob ein Unterstützungsbedarf auf Seiten der Eltern besteht (Burgener Woeffray, 2014, S. 24).
 

Bewertung

Das Verfahren FegK 0-6 von Burgener Woeffray (2014) dient als systematische Definitions- und Entscheidungshilfe zur Bestimmung von vorhandenen Risiko- und Schutzfaktoren anhand eines Gesprächsleitfadens und zur Ableitung und Empfehlung von Unterstützungsmaßnahmen, die auf das Individuum zugeschnitten sind. Ob bei einem Kind Entwicklungsdefizite vorliegen, wird jedoch mithilfe anderer Entwicklungstests erhoben und darauf aufbauend geprüft, ob und welche Risiko- und Schutzfaktoren da sind. Die drei Arbeitsbögen bzw. ihre Bezeichnungen führen zunächst zur Verwirrung. Sie wurden ähnlich benannt, sodass es auf dem ersten Blick nicht klar ist, auf welchem Bogen was einzutragen ist. Das "Protokollblatt zum Gesprächsleitfaden" ist ein separates Blatt, obwohl auf dem anderen Bogen "Gesprächsleitfaden zur Einschätzung der Risiko- und Schutzfaktoren mit Protokollblatt" steht. Der dritte Bogen ist mit "Protokollbogen" beschriftet. Dann müssen auf jedem Bogen alle personenbezogenen Daten stehen. So können diese Bögen von unterschiedlichen Fachpersonen ausgefüllt werden, aber dies schränkt die Anwendungsökonomie ein, da der Test in seinen vier Teilen bereits zeitaufwendig ist. Positiv hervorzuheben ist die Abbildung "Persönliche Landkarte", die aufzeigt, welche Items nach dem "Four Front Approach" (Denken im Kreuz) von Wright und Lopez (2002) in welches Kästchen gehören, und die die Auswertung erleichtert. Zur Güte des Verfahrens kann nicht viel gesagt werden, da die einzelnen Teile von unterschiedlichen Fachpersonen in unterschiedlicher Reihenfolge durchgeführt werden können, es weitere Tests einbezieht, der Gesprächsleitfaden teilstrukturiert ist und so eine standardisierte Überprüfung des Gesamtverfahrens erschwert wird.
Weiss (2015) betont den angeblichen Mangel an Verfahren, die potentiell entwicklungsgefährdete Kinder rechtzeitig aufdecken und präventive Maßnahmen empfehlen. Zudem berichten Burgener Woeffray und Bortis (2009c, S. 28) aus der ersten Erprobungsphase des Tests, dass bei den Anwendern eine gute Akzeptanz erzielt wurde, sodass es sich bei FegK 0-6 um ein möglicherweise nützliches Verfahren handeln könnte.
 

Literatur

  • Arbeitsgruppe Deutsche Child Behavior Checklist. (2002). Elternfragebogen für Klein- und Vorschulkinder (CBCL 1 1/2-5). Köln: Arbeitsgruppe Kinder-, Jugend- und Familiendiagnostik (KJFD).
  • Burgener Woeffray, A. (2014). Entwicklungsgefährdung früh erkennen. FegK 0-6: Ein Verfahren zur Früherkennung entwicklungsgefährdeter Kinder bis 6 Jahre und zur Ermittlung ihres Unterstützungsbedarfs. Bern: Edition SZH/CSPS.
  • Burgener Woeffray, A. & Bortis, R. (2009a). Erfassung des Förderbedarfs von Kindern mit Entwicklungsgefährdung in früher Kindheit. Auszüge aus einem Entwicklungsprojekt. Schweizerische Zeitschrift für Heilpädagogik, 15 (5), 32-38.
  • Burgener Woeffray, A. & Bortis, R. (2009b). Entwicklungsgefährdete Kinder (2008-2010). Verfahren zur Erfassung entwicklungsgefährdeter Kinder von 0-6 Jahren und Ermittlung ihres Förderbedarfs. Projektbericht zur Phase 1. Zürich: Interkantonale Hochschule für Heilpädagogik (HfH).
  • Burgener Woeffray, A. & Bortis, R. (2009c). Entwicklungsgefährdete Kinder 0-6: wer sind sie? - was brauchen sie? Abschlussbericht der 1. Projektphase. Schweizerische Zeitschrift für Heilpädagogik, 15 (10), 22-29.
  • Burgener Woeffray, A. & Meier, S. (2011). Entwicklungsgefährdete Kinder - frühe Erfassung - geeignetes Verfahren zur Diskussion. Schweizerische Zeitschrift für Heilpädagogik, 17 (10), 39-45.
  • Burgener Woeffray, A. & Meier, S. (2012a). Früherfassung entwicklungsgefährdeter Kinder von 3-6 Jahren - FegK 3-6. Kurzbericht zur Phase 2 (Sept. 2010-Nov. 2011). Zürich: Interkantonale Hochschule für Heilpädagogik.
  • Burgener Woeffray, A. W. & Meier, S. (2012b). Entwicklungsgefährdete Kinder. Verfahren zur Früherfassung entwicklungsgefährdeter Kinder von 3-6 Jahren und Ermittlung ihres Förderbedarfs. Arbeitsbericht zur Phase 2 (Sept. 2010-Nov. 2011). Zürich: Interkantonale Hochschule für Heilpädagogik (HfH).
  • Goodman, R. (1999-2001). Fragebogen zu Stärken und Schwächen (SDQ-Deu). London: Institute of Psychiatry, Department of Child and Adolescent Psychiatry.
  • Hollenweger, J. & Lienhard, P. (2008). Entwicklung eines standardisierten Abklärungsverfahrens. Schweizerische Zeitschrift für Heilpädagogik, 14 (11-12), 10-18.
  • Hollenweger, J., Lienhard, P. (2009). Das Standardisierte Abklärungsverfahren: Konzeption und nächste Schritte. Schweizerische Zeitschrift für Heilpädagogik, 15 (10), 6-14.
  • Laucht, M., Esser, G. & Schmidt, M. (1998). Risiko- und Schutzfaktoren der frühkindlichen Entwicklung: Empirische Befunde. Zeitschrift für Kinder- und Jugendpsychiatrie, 26, 6-20.
  • Laucht, M., Esser, G. & Schmidt, M. (1999). Was wird aus Risikokindern? Ergebnisse der Mannheimer Längsschnittstudie im Überblick. In G. Opp & M. Fingerle (Hrsg.), Was Kinder stärkt. Erziehung zwischen Risiko und Resilienz (S. 71-93). München: Reinhardt.
  • Laucht, M., Schmidt, M. & Esser, G. (2002). Motorische, kognitive und sozial-emotionale Entwicklung von 11-Jährigen mit frühkindlicher Risikobelastung: späte Folgen. Zeitschrift für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie, 30 (1), 5-19.
  • Weiss, H. (2015). Burgener Woeffray, Andrea (2014): Entwicklungsgefährdung früh erkennen. FegK 0-6: Ein Verfahren zur Früherkennung entwicklungsgefährdeter Kinder bis 6 Jahre und zur Ermittlung ihres Unterstützungsbedarfs. Bern: Edition SZH/CPS. CHF 79,- (Rezensionen). Vierteljahresschrift für Heilpädagogik und ihre Nachbargebiete 84 (2), 176-177.
  • Weltgesundheitsorganisation (WHO). (Hrsg.). (2001 ff.). Internationale Klassifikation der Funktionsfähigkeit, Behinderung und Gesundheit (ICF) der Weltgesundheitsorganisation (WHO) (Entwurf der revidierten Deutschen Fassung Deutschland, Österreich, deutschsprachige Schweiz. Koordination: Michael F. Schuntermann, Frankfurt am Main). Geneva: WHO, Assessment, Classification and Epidemiology Group.
  • Wright, B. A. & Lopez, S. J. (2002). Widening the diagnostic focus: A case for including human strengths and environmental resources. In C. R. Snyder & S. J. Lopez (Eds.), Handbook of positive psychology (pp. 26-44). Oxford, UK: Oxford University Press.
 

Rezensionen

  • Weiss, H. (2015). Burgener Woeffray, Andrea (2014): Entwicklungsgefährdung früh erkennen. FegK 0-6: Ein Verfahren zur Früherkennung entwicklungsgefährdeter Kinder bis 6 Jahre und zur Ermittlung ihres Unterstützungsbedarfs. Bern: Edition SZH/CPS. CHF 79,- (Rezensionen). Vierteljahresschrift für Heilpädagogik und ihre Nachbargebiete 84 (2), 176-177.
 
 Gülay Karadere (05.01.2017)
 APA-Schlagworte/PSYNDEX Terms:

Classical Test Theory; Interview Schedules; Developmental Measures; Developmental Psychology; Early Intervention; Delayed Development; Risk Factors; Protective Factors

Klassische Testtheorie; Interviewleitfäden; Entwicklungstests; Entwicklungspsychologie; Frühförderung; Entwicklungsverzögerung; Risikofaktoren; Protektive Faktoren

 weitere Schlagworte:

2014; Förderdiagnostik; Risikofaktoren; Schutzfaktoren; Risikokinder; ab Geburt; bis 6 Jahre; Verfahrensschritte: A Vorabklärung, B Erfassung des Entwicklungsstandes, C Einschätzung der Risiko- und Schutzfaktoren, D Synthese und Maßnahmenempfehlung; Normierungsjahr: keine Angaben
 Klassifikation:

Entwicklungstests; Entwicklungsstörungen und Autismus
Allgemeine Entwicklungstests
1.2
 Anwendungstyp: Individual Diagnosis
 Art der Publikation: Test; Test in Print (90; 911)
 Sprache: German
 Land: Switzerland
 Publikationsjahr: 2014
 Änderungsdatum: 201703
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