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Münchener Funktionelle Entwicklungsdiagnostik für Kinder von 4 bis 6 Jahren

 PSYNDEX Tests-Dokument: 9006994
 

MFED 4-6 - Münchener Funktionelle Entwicklungsdiagnostik für Kinder von 4 bis 6 Jahren (PSYNDEX Tests Review)

 

Munich Functional Development Test for 4 to 6 Year Old Children/zpid
Synonym(e): Münchener Funktionelle Entwicklungsdiagnostik für Kinder von 4 bis 6 Jahren (MFED 3-6)

 Ernst, B.
 (2007). MFED 4-6. Münchener Funktionelle Entwicklungsdiagnostik für Kinder von 4 bis 6 Jahren. Ein Entwicklungs- und Intelligenztest für das Vorschulalter [Testkoffer mit Handbuch, Elternfragebögen, Protokoll- und Auswertungsbögen, Arbeitsunterlage für Puzzles, Mosaiken etc., Ringbüchern zu den Untertests, Wer-zu-was-Karten, Puzzles im Reißverschlussbeutel, Box mit 50 kleinen Perlen und Auffädelschnur, Box mit 30 großen Perlen und Auffädelschnur, Mosaiksteinen, CD mit 16 Klammern im Reißverschlussbeutel, 12 Bauklötzen im Reißverschlussbeutel und weiterem Testmaterial]. München: Medimont.

Preis: 668,00 Euro (Test komplett inkl. 7 % UST exkl. Versandkosten; Stand: 29.02.2016)

 Bezugsquelle: Medimont Verlag GmbH, Waldgartenstraße 26, D-81377 München ; E-Mail: info@medimont.de ; URL: http://www.medimont.eu/ ; Stand: 9.3.2016.
Anmerkung: Seit 2015 liegt die 3., überarbeitete und erweiterte Auflage als MFED 3-6 vor (Ernst, 2015).
 Adresse(n): o Dipl.-Psych. Dr. Barbara Ernst, Psychologische Psychotherapeutin und Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin, Rathausplatz 2, D-82110 Germering ; E-Mail: barbara-ernst@t-online.de ; Stand: 9.3.2016
 

Abstract

Diagnostische Zielsetzung:
Die Münchener Funktionelle Entwicklungsdiagnostik für Kinder von 3 bis 6 Jahren (MFED 3-6; Ernst, 2015) erfasst die Entwicklung und Intelligenz. Der Test wird von Kinderärzten, Psychologen, Erziehern, Ergo-, Physio- und Sprachtherapeuten eingesetzt.


Aufbau:
Die MFED 3-6 erfasst fünf bzw. sechs Entwicklungsbereiche anhand von insgesamt 19 Untertests und einem zweiteiligen Elternfragebogen. Diese sind (1) Feinmotorik, (2) Visu-Intelligenz, (3) Sprache, (4) Zahlenverständnis, (5) Selbstständigkeit und (6) Logik (= nur für die ältere Altersgruppe).


Grundlagen und Konstruktion:
Die Testkonstruktion basiert auf den Prinzipien der Klassischen Testtheorie. Die MFED 3-6 ist eine Erweiterung der MFED 4-6, welche 2007 für den Altersbereich 4 bis 6 Jahre konzipiert wurde. Mit der neuen Version wurden die Zielgruppe erweitert, die Normen aktualisiert und neues Material integriert.


Empirische Prüfung und Gütekriterien:
Reliabilität: Angaben zur Reliabilität fehlen im Manual.
Validität: Er werden signifikante Zusammenhänge (Kendall tau b) zwischen den Subskalen ermittelt, die zwischen .26 und .61 für die Altersgruppe 3-4 und zwischen .26 und .74 für die Altersgruppe 4-6 liegen. Die Subskalen und die Untertests korrelieren signifikant mit dem Lebensalter (ca. r = .50). Als Beleg für die Validität werden auch die (hohen) Trennschärfen für die Dimensionen und die Subskalen herangezogen. Ein Vergleich zwischen den Geschlechtern zeigt, dass Mädchen selbstständiger als Jungen sind. Zudem waren die älteren Mädchen sprachlich weiterentwickelt. Die Mehrsprachigkeit als weiteres Entwicklungskriterium wirkt sich zwar signifikant, aber nur geringfügig auf vier von sechs Entwicklungsdimensionen aus.
Normen: Die Normierung fand an N = 752 Kindern im Alter von 33-84 Monaten statt. Es liegen Prozentrangwerte für 36-75 Monate alte Kinder in Vierteljahresabständen und für alle Subskalen jeweils für die Altersgruppe 3-4 und 4-6 vor. Die Prozentrangwerte werden in diesem Test in IQ- und EQ-Werte umgewandelt. Das Normierungsjahr wird nicht angegeben.

 

Testkonzept

 

Theoretischer Hintergrund

Die Münchener Funktionelle Entwicklungsdiagnostik für Kinder von 3 bis 6 Jahren (MFED 3-6; Ernst, 2015) dient zur Erfassung der Entwicklung und Intelligenz von Kindern der Altersstufen drei bis sechs. Die Diagnose des Entwicklungsstandes von Kleinkindern ist wichtig, um Entwicklungsrisiken rechtzeitig zu entdecken und in Form von Förderung und Therapie zu beseitigen. Ein frühzeitiger Eingriff kann spätere Entwicklungsprobleme verhindern. Das Ziel dieses Verfahrens ist nun die Identifikation von Entwicklungsauffälligkeiten und eine allgemeine Ermittlung des Entwicklungstandes und - was sich von anderen Entwicklungstests unterscheidet - des Intelligenzniveaus (S. 16-18).
 

Testaufbau

Die MFED 3-6 umfasst 19 Untertests; davon gehören sieben dem Verbalteil und 12 dem Handlungsteil an. Diese Untertests werden fünf von sechs Subskalen zugeordnet (Ernst, 2015, S. 125-126). Einen weiteren Untertest bildet der Elternfragebogen, der einige Fragen zu der Subskala "Feinmotorik" enthält und die sechste Subskala "Selbstständigkeit" erfasst. Aus der Tabelle 1 wird ersichtlich, dass die Untertests 1 bis 4 nur für die Altersgruppe 3-4 und die Subskala "Logik" für die Altersgruppe 4-6 bestimmt sind. Die Nummerierungen der Untertests (Wechsel zwischen Verbal- und Handlungsteil) geben die Reihenfolge der Testung vor, die jedoch nicht eingehalten werden muss (Ernst, 2015, S. 24-25).
Ernst (2015, S. 126) weist darauf hin, dass sie zugunsten der Durchführungsobjektivität den Entwicklungsbereich der Körpermotorik nicht mit der MFED 3-6 erfasst.

Tabelle 1
Testaufbau der MFED 3-6 (Ernst, 2015, S. 64-65, S. 79, S. 125-126)
-------------------------------------------------- 
Teil Nummerierung &
Bezeichnung der Untertests
--------------------------------------------------
Handlungsteil
--------------------------------------------------
Subskala 4 (Einfache) Kurven
Feinmotorik 5 Kurvige Straße
6 Labyrinthe
9 Perlenauffädeln
14 Klammern auf CD
20a Elternfragebogen
(Item 3, 4, 5, 11, 12)
--------------------------------------------------
Subskala 1 Mit Wuerfeln bauen
Visu-Intelligenz 2 Zuordnung von Mengen
8 Mosaike
11 Puzzles
16 Eins ist anders
17 Bilderfolgen
18 Wer-zu-Was
--------------------------------------------------
Subskala 13 Rechnen
Logik 16 Eins ist anders
17 Bilderfolgen
--------------------------------------------------
Verbalteil
--------------------------------------------------
Subskala 3 Bilder benennen
Sprache 7 Gegensätze
10 Wissensquiz
15 Wörterzug
19 Lesen
--------------------------------------------------
Subskala 12 Zählen
Zahlenverstaendnis 13 Rechnen
--------------------------------------------------
Selbststaendigkeit 20b Elternfragebogen
--------------------------------------------------
Anmerkungen. Kinder von 36 bis 48 Monaten bearbeiten die Untertests 0 (= Holzwürfelturm; nicht in der Tabelle aufgeführt) bis 12. Kinder ab 49 Monate bearbeiten die Untertests 5 bis 19. Der Elternfragebogen ist unterteilt in 20a (36-48 Monate) und 20b (ab 49 Monate).
 

Auswertungsmodus

Für jede richtig gelöste Aufgabe erhält der Proband einen Punkt. Für jede nicht oder falsch gelöste Aufgabe werden null Punkte vergeben. Für die Untertests 2, 6, 8, 10, 11, 12, 13, 17, 18 werden spezifische Abbruchkriterien definiert. In der Regel gilt nach zwei falschen Antworten das Abbruchkriterium. Die Anzahl der Items pro Untertest variiert, sodass pro Untertest unterschiedlich viele Punkte erreicht werden können (Ernst, 2015, S. 29 ff.). Auch müssen für die Untertests 9, 14 und 19 die Umwandlungstabellen für die Punkteberechnung beachtet werden. Alle Punkte des jeweiligen Untertests werden aufaddiert und auf dem Protokollbogen (A oder B) zweimal eingetragen; einmal in die Spalte "Rohwerte" und einmal in das weiße Kästchen der jeweiligen Zeile, welches in der Spalte der dazugehörigen Subskala ist. Für die Kinder zwischen 46 und 53 Monaten können beide Protokollbögen verwendet werden. Die Entscheidung sollte im Voraus gemacht werden (S. 26). Anschließend wird die Summe aller Rohwerte für jede einzelne Skala berechnet. Insgesamt werden fünf bzw. sechs Skalenwerte (die Subskala Logik wird nicht für Drei- bis Vierjährige erfasst) ermittelt, die dann anhand der Normtabellen im Anhang in Prozentrangwerte transformiert werden (S. 62-73). Ein Gesamtwert wird nicht gebildet (S. 74, S. 128). Die Prozentrangwerte können mithilfe der Umrechnungstabelle (S. 132) in fünf bzw. sechs IQ-Werte umgewandelt werden. Entsprechend der 16 Prozentrangwerte gibt es lediglich 16 IQ-Werte. Auf dem Deckblatt des Protokollbogens können die Prozentrang- bzw. IQ-Werte grafisch abgebildet werden (S. 74-77). Auf diesem Profilbogen werden die berechneten IQ-Werte in fünf Bewertungskategorien eingestuft:
IQ-Wert von 76 und 80 = auffällig
IQ-Wert von 85 = untere Norm
IQ-Wert von 87, 90, 92, 95, 100, 104, 108, 110, 112 = normale Intelligenz
IQ-Wert von 115, 120, 124 = hohe Intelligenz
IQ-Wert von 130 = hochbegabt.
Optional kann auch das Entwicklungsalter oder Entwicklungsquotient (EQ) berechnet werden. Hierfür sind zwei Umrechnungstabellen verfügbar (Ernst, 2015, S. 78-82).
 

Auswertungshilfen

Als Auswertungshilfen stehen zur Verfügung die Protokollbögen A und B, die Bewertungsrichtlinien und -hilfen für jede Aufgabe, Umrechnungstabellen für Prozentrangwerte in IQ- und EQ-Werte (Ernst, 2015, S. 132, S. 79-80) und Interpretationshinweise (S. 83-85, S. 129-130). Die Auswertung wird in dem Kapitel "Auswertung" schrittweise und beispielhaft erklärt (S. 62 ff.).
 

Auswertungszeit

Zur Auswertungszeit liegen keine Angaben vor.
 

Itembeispiele

Anmerkungen: Im Folgenden wird die Aufwärmaufgabe "0 Holzwürfelturm" vorgestellt (Ernst, 2015, S. 28).
Material: 12 Holzwürfel
Alle 12 Holzwürfel werden vor das Kind gelegt, während Sie sagen:
"Bau mal einen ganz hohen Turm!"
 

Durchführung

 

Testformen

Der Test besteht aus zwei Versionen, Version A für 3-4 Jahre und Version B für 4-6 Jahre. Er ist für das Einzelsetting konzipiert. Weiterhin gibt es eine Variante für das erste Lebensjahr (MFED-1; Hellbrügge, Lajosi, Menara, Schamberger & Rautenstrauch, 1994; PSYNDEX Tests-Nr. 9000330) und eine für das zweite und dritte Lebensjahr (MFED 2-3; Hellbrügge et al., 1994; PSYNDEX Tests-Nr. 9000354).
 

Altersbereiche

Das Verfahren wurde für 3;0 bis 6;3 Jahre alte Kinder konzipiert.
 

Durchführungszeit

Die Testung sollte pro Kind 30 bis max. 60 Minuten dauern (Ernst, 2015, S. 24).
 

Material

Im Testkoffer sind das Handbuch, Protokollbögen A und B, Elternfragebögen A und B und jede Menge Aufgabenmaterial wie Schreibutensilien, Ringbücher mit den Untertests, Reisewecker und Spielzeug enthalten. Verbrauchsmaterial kann separat bezogen werden.

Materialliste Testkoffer (Stand: 1.1.2016):
- Manual
- 1 Satz Elternfragebogen A
- 1 Satz Elternfragebogen B
- 1 Satz Protokoll- und Auswertungsbögen A
- 1 Satz Protokoll- und Auswertungsbögen B
- Arbeitsunterlage
- 1 Papierblock
- 2 Bleistifte
- 1 Spitzer
- 1 Ringbuch mit: 3. Bilder benennen (8 Bildkarten), 8. Mosaike (13 Mosaikbilder)
- 1 Ringbuch mit: 11. Puzzle-Vorlagen (7 Bilder), 16. Eins ist anders (8 Eins-ist-anders-Karten) 19. Lesen (1 Zahlenkarte 1 Buchstabenkarte)
- 1 Ringbuch mit: 12. Zählen (7 Bildtafeln zum Zählen), 18. Wer zu was? (5 Wer-zu-was-Karten)
- 7 Puzzles im Reißverschlussbeutel
- 7 Sätze zu Bilderfolgen
- Box mit 50 kleinen Perlen und Auffädelschnur
- Box mit 30 großen Perlen und Auffädelschnur
- Mosaiksteine (Vierecke: 4 gelbe, 2 grüne; Dreiecke: 6 rote, 4 blaue, 4 grüne)
- CD mit 16 Wäscheklammern im Reißverschlussbeutel
- 12 Bauklötze im Reißverschlussbeutel
- 3 Tellerchen
- 17 weiße Bohnen und 15 Hölzchen im Reißverschlussbeutel
- 1 Satz "Malbuch" mit: 4. Kurven, 5. Kurvige Straße, 6. Labyrinthe
- 1 Reisewecker.
 

Instruktion

Die standardisierten Instruktionen werden wörtlich wiedergegeben. Umformulierungen sind nicht erlaubt (Ernst, 2015, S. 27).
 

Durchführungsvoraussetzungen

Für die Testung der MFED 3-6 wird ein Einführungsseminar vorausgesetzt (Ernst, 2015, S. 15). Vor der Testung sollte der Testleiter die Durchführungsanleitungen genau kennen und sich mit dem Test insgesamt vertraut machen. Es sollte ein natürliches, ruhiges, warmes und helles Setting gewählt werden. Der Testleiter sollte freundlich und motivierend sein. Bezugspersonen sollten möglichst nicht im Blickfang, die Kinder gesund und in den Grundbedürfnissen befriedigt sein, um eine hohe Konzentration der Kinder zu gewährleisten. Die Testung sollte möglichst ohne Unterbrechung oder zumindest in zwei zeitnahen Sitzungen abgeschlossen werden (Ernst, 2015, S. 23-24). Zu jeder Frage sollen alle Antworten notiert werden (S. 27).
 

Testkonstruktion

Die Testkonstruktion basiert auf den Prinzipien der Klassischen Testtheorie. Die MFED wurde erstmals 2007 für den Altersbereich 4 bis 6 Jahre konzipiert und veröffentlicht (MFED 4-6; Ernst & Hellbrügge, 2007). Der Itempool wurde durch Eliminierung von Items mit prozentual zu niedrigen (< 20) und zu hohen (> 80) Häufigkeiten und niedrigster Trennschärfe reduziert. Anschließend wurde die Interne Konsistenz (Cronbachs Alpha) berechnet, um sicherzustellen, dass die Reliabilität durch die Itemselektion erhöht wurde. Die Items wurden dann zu sechs Subskalen zugeordnet.
Erweiterungen in der dritten, überarbeiteten und erweiterten Auflage (Ernst, 2015, S. 7):
(1) Die neue Version der MFED testet auch Dreijährige.
(2) Der Testkoffer enthält neues Material für die Dreijährigen.
(3) Die Normen wurden an einer doppelt so großen Stichprobe aktualisiert.
 

Gütekriterien

 

Objektivität

Die Objektivität in Durchführung (standardisierte Instruktionen, Durchführungsanleitungen), Auswertung (Auswertungshinweise, -kriterien) und Interpretation (Normtabellen, Fallbeispiele, Profilbogen, Bewertungskategorien) wird angestrebt (Ernst, 2015, S. 135). Die Interraterreliabilität wurde nicht berechnet.
 

Reliabilität

Angaben zur internen Konsistenz fehlen. Die Profilreliabilität wurde nicht berechnet.
 

Validität

Hinsichtlich der Konstruktvalidität konnten signifikante Zusammenhänge (Kendall tau b) zwischen den Subskalen ermittelt werden, die zwischen .26 und .61 für die Altersgruppe 3-4 und zwischen .26 und .74 für die Altersgruppe 4-6 liegen (Ernst, 2015, S. 137).
Die Subskalen und die Untertests wurden mit dem Lebensalter als Außenkriterium korreliert. Die Werte (nach Spearman) liegen um r = .50 und sind auf dem Signifikanzniveau von p > .001 signifikant (Ernst, 2015, S. 138-140).
Berechnet wurden auch die Trennschärfen für die Dimensionen und die Subskalen. Diese fallen "sowohl sehr hoch als auch hoch signifikant" aus, "was eine sehr gute Validität des Tests bedeutet" (Ernst, 2015, S. 140). Die Subskalen wurden auch in Hinblick auf Geschlechtsunterschiede untersucht. Es konnten für die Subskala "Selbstständigkeit" bei den Drei- bis Sechsjährigen signifikante Unterschiede gefunden werden. Mädchen waren selbstständiger als Jungen. Zudem waren 4- bis 6-jährige Mädchen sprachlich weiter entwickelt als Jungen (Ernst, 2015, S. 143). Es wurde überprüft, ob sich die Mehrsprachigkeit auf die Entwicklung auswirkt. Bei den älteren Kleinkindern, die mehr als eine Sprache beherrschen vs. nur Deutsch als Muttersprache hatten, zeigten sich geringe negative Zusammenhänge in vier von sechs Subskalen, die signifikant geworden sind (S. 144).
 

Normierung

Die Normstichprobe besteht aus N = 752 Kindern im Alter von 33-84 Monaten. Für die Altersgruppe 3-4 und 4-6 wurden getrennte Berechnungen durchgeführt, die jeweils n = 237 bzw. n = 515 Kinder umfassten. Es liegen Prozentrangwerte für 36-75 Monate alte Kinder in Vierteljahresabständen und für alle Subskalen vor. Die Prozentrangwerte werden in diesem Test in IQ- und EQ-Werte umgewandelt (Ernst, 2015, S. 133). Das Normierungsjahr wird nicht angegeben.
 

Anwendungsmöglichkeiten

Das Verfahren "leistet die Diagnostik" genereller und spezieller Entwicklungsstörungen, der Hochbegabung und der Schulreife (Ernst, 2015, S. 15). Es kann von Kinderärzten im Rahmen von Vorsorgeuntersuchungen oder von Erziehern als Entscheidungshilfe bei Einschulungsfragen eingesetzt werden (S. 16). Psychologen, Ergotherapeuten, Physiotherapeuten und Logopäden können es als Diagnosehilfsmittel bei entwicklungsbedrohten Kindern anwenden (S. 15).
 

Bewertung

Das Verfahren erfasst mithilfe zahlreicher und abwechslungsreicher Aufgaben sechs Entwicklungsbereiche. Bemerkenswert ist, dass z. B. die Selbstständigkeit erfasst wird und dass ein IQ-Wert ermittelt werden kann. Auch bietet das Verfahren aufgrund der Versionen für jüngere Kinder (MFED-1, MFED 2-3) eine Fortsetzung bereits vorhandener Untersuchungsergebnisse. Es können Rückschlüsse aus eingeleiteten Förderprogrammen oder Therapiestunden gewonnen werden. Die Entwicklung eines Kindes kann von der Geburt an bis zum Schulalter verfolgt werden.
Die Gestaltung des Handbuchs ist unüblich und in der Gliederung nicht sinnvoll gestaltet. So werden z. B. anfangs Hinweise zur Durchführung gegeben, ohne dass der Leser den Gegenstand als solches mit seinen einzelnen Bestandteilen, seinem Testaufbau oder den theoretischen Kontext näher erläutert bekommt. Verwirrend ist auch, dass die Untertests als Skalen bezeichnet werden. Insgesamt hat die MFED 4-6 mit den Skalen, den Untertests, den Elternfragebögen und der Aufteilung in Verbal- und Handlungsteil sowie der Unterteilung in zwei Altersgruppen eine sehr komplexe Struktur. Auch in der Durchführung sind Unterschiede zu berücksichtigen. So gibt es lediglich für die jüngere Altersgruppe eine Aufwärmaufgabe. Die Testung kann bis zu einer Stunde andauern, was nicht zeitökonomisch, aber für einen Entwicklungstest typisch ist.
Die Normtabellen sind nicht klar definiert. Das Prozentzeichen wird für Prozentrangwerte verwendet, stellvertretend wird auch im Handbuch häufig der Begriff "Prozentwerte" benutzt, was irreführend ist. Auf Seite 132 ist eine Umrechnungstabelle der "Prozentwerte" in IQ-Werte abgebildet, was in den Normtabellen zur Verbesserung der Auswertungsobjektivität beitragen würde. Zudem ist es unüblich, dass mehrere IQ-Werte berechnet werden. Ein Gesamtwert wird nicht gebildet. Die Autorin begründet dies damit, dass ein Gesamttestwert Stärken und Schwächen nicht anzeigt (S. 74). Die Skalenwerte ermöglichen dies zwar, aber für eine Berechnung des IQs sollte der Gesamtwert gebildet und entsprechend der IQ-Formel ein IQ-Wert berechnet werden. Die Profilreliabilität wurde nicht berechnet. Aus den einzelnen Skalenwerten bzw. Prozentrangwerten können nicht mehrere IQs ermittelt werden. Es liegen insgesamt nur 16 IQ-Werte zur Einordnung der Kinder vor, sodass bestimmte Werte gar nicht zugeordnet werden können. Dieser Rechenweg widerspricht damit der Normalverteilungsannahme. Problematisch erscheint auch die Bestimmung der Bewertungskategorie bei stark abweichenden Skalenwerten (siehe Auswertungsmodus). Auch die Berechnung des Entwicklungsalters ist nicht nachvollziehbar. Die Testkonstruktion wirft einige Fragen auf, z. B. in Bezug auf die Generierung des Itempools, die Skalenbildung und die nicht näher erläuterte Faktorenanalyse. Die theoretische Grundlage fehlt gänzlich. Die Normstichprobe wird ebenfalls nicht ausführlich beschrieben. Es wird eine Altersspanne von 33-84 Monaten genannt, die Normtabellen enthalten jedoch lediglich Normen von 36-75 Monate alten Kindern. Das Normierungsjahr, die Geschlechterverteilung und insgesamt die Vorgehensweise der Datengewinnung wird nicht geschildert. Es werden Geschlechterunterschiede genannt, für die jedoch keine getrennten Normen vorliegen.
Trotz aller genannten Nachteile kann das Verfahren sinnvolle Einsatzzwecke finden. Wünschenswert sind weitergehende Untersuchungen zur Reliabilität und Validität.
 

Literatur

  • Ernst, B. & Hellbrügge, T. (2007). Münchener Funktionelle Entwicklungsdiagnostik für Kinder von 4 bis 6 Jahren. Ein Entwicklungs- und Intelligenztest für das Vorschulalter. München: Medimont.
  • Ernst, B. (2015). Münchener Funktionelle Entwicklungsdiagnostik für Kinder von 3 bis 6 Jahren. Ein Entwicklungs- und Intelligenztest für das Vorschulalter. Handbuch (3., überarbeitete und erweiterte Auflage). München: Medimont.
  • Hellbrügge, T., Coulin, S., Heiß-Begemann, E., Lajosi, F., Menara, D., Schamberger, R., Schirm, H., Ernst, B., Ernst, W. & Otte, H. (1994). Münchener Funktionelle Entwicklungsdiagnostik. 2. und 3. Lebensjahr. Durchführungs-, Beurteilungs- und Interpretationshinweise (4., korrigierte und erweiterte Auflage). München: Deutsche Akademie für Entwicklungsrehabilitation.
  • Hellbrügge, T., Lajosi, F., Menara, D., Schamberger, R. & Rautenstrauch, T. (1994). Münchener Funktionelle Entwicklungsdiagnostik - 1. Lebensjahr. München: Urban & Schwarzenberg.

 APA-Schlagworte/PSYNDEX Terms:

Classical Test Theory; Observation Methods; Questionnaires; Developmental Measures; Developmental Psychology; Early Childhood Development; Early Intervention

Klassische Testtheorie; Beobachtungsmethoden; Fragebögen; Entwicklungstests; Entwicklungspsychologie; Entwicklung in der frühen Kindheit; Frühförderung

 weitere Schlagworte:

2007 (1. Auflage MFED 4-6); 2012 (2. Auflage MFED 3-6); 2015 (3., überarbeitete und erweiterte Auflage MFED 3-6); Elternfragebogen; Spieltests; Allgemeine Intelligenz; ab 3 Jahre; bis 6 Jahre; Subskalen: 1 Feinmotorik, 2 Visu-Intelligenz, 3 Sprache, 4 Zahlenverständnis, 5 Selbstständigkeit, 6 Logik; Subtests: 1 Mit Würfeln bauen, 2 Zuordnung von Mengen, 3 Bilder benennen, 4 Kurven, 5 Kurvige Straße, 6 Labyrinthe, 7 Gegensätze, 8 Mosaike, 9 Perlenauffädeln, 10 Wissensquiz, 11 Puzzles, 12 Zählen, 13 Rechnen, 14 Klammern auf CD, 15 Wörterzug, 16 Eins ist anders, 17 Bilderfolgen, 18 Wer zu was?, 19 Lesen, 20a Elternfragebogen für die Altersgruppe 3-4, 20b Elternfragebogen für die Altersgruppe 4-6; Normierungs-/Untersuchungsjahr: keine Angaben; Stichprobe(n): 237+515
 Klassifikation:

Entwicklungstests; Kognitive Entwicklung und Wahrnehmungsentwicklung; Psychosoziale Entwicklung und Persönlichkeitsentwicklung; Entwicklungsstörungen und Autismus
Allgemeine Entwicklungstests
1.2
 Anwendungstyp: Remedial Diagnosis
 Art der Publikation: Test; Test in Print (90; 911)
 Sprache: German
 Land: Germany
 Publikationsjahr: 2007
 Änderungsdatum: 201710
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