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Scale for Teacher Self-Efficacy - deutsche adaptierte Fassung (PSYNDEX Tests Review)

 PSYNDEX Tests-Dokument: 9007043
 

STSE - Scale for Teacher Self-Efficacy - deutsche adaptierte Fassung (PSYNDEX Tests Review)

 

Teacher's Sense of Efficacy Scale (TSES; Tschannen-Moran, M. & Woolfolk Hoy, A., 2001) - German adapted version/author

 Pfitzner-Eden, F., Thiel, F. & Horsley, J.
 (2016). STSE. Scale for Teacher Self-Efficacy [Verfahrensbeschreibung und Fragebogen]. In Leibniz-Zentrum für Psychologische Information und Dokumentation (ZPID) (Hrsg.), Elektronisches Testarchiv. Online im Internet, URL: https://www.zpid.de/index.php?wahl=products&uwahl=frei&uuwahl=testarchiveintro (Stand: 1.6.2016).

Online im Internet: https://www.zpid.de/index.php?wahl=products&uwahl=frei&uuwahl=testarchiveintro

 Bezugsquelle: Das Verfahren ist im "Elektronischen Testarchiv" des ZPID enthalten und steht unter der "Creative Commons Namensnennung-NichtKommerziell-KeineBearbeitung 3.0 Unported (CC BY-NC-ND 3.0)"-Lizenz (http://creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/3.0/deed.de); es kann für nichtkommerzielle Forschungs- und Unterrichtszwecke kostenlos eingesetzt werden. ; URL: https://www.zpid.de/index.php?wahl=products&uwahl=frei&uuwahl=userlog ; Stand: 1.5.2015.
 Adresse(n): o Dr. Franziska Pfitzner-Eden, Freie Universität Berlin, Fachbereich Erziehungswissenschaft und Psychologie, Schulpädagogik/Schulentwicklungsforschung, Support-Mentorenqualifizierung, Habelschwerdter Allee 45, Raum KL 24/214, D-14195 Berlin ; E-Mail: franziska.pfitzner-eden@fu-berlin.de ; URL: http://www.ewi-psy.fu-berlin.de/einrichtungen/arbeitsbereiche/schulentwicklungsforschung/mitarbeiter/pfitznereden/index.html ; Stand: 25.04.2016
o Prof. Dr. Felicitas Thiel, Freie Universität Berlin, Fachbereich Erziehungswissenschaft und Psychologie, Schulpädagogik/Schulentwicklungsforschung, Habelschwerdter Allee 45, D-14195 Berlin ; E-Mail: felicitas.thiel@fu-berlin.de ; URL: http://www.ewi-psy.fu-berlin.de/einrichtungen/arbeitsbereiche/schulentwicklungsforschung/mitarbeiter/thiel/index.html ; Stand: 25.04.2016
o Jenny Horsley, PhD, MEd (Hons), Higher Dip Tchg, Senior Lecturer, Victoria University of Wellington, School of Education, Room 508, Malcolm Block, Karori Campus, PO 600, Kelburn, Wellington 6140, New Zealand ; E-Mail: jenny.horsley@vuw.ac.nz ; URL: http://www.victoria.ac.nz/education/about/staff/sedu/jenny-horsley ; Stand: 22.04.2016
 WWW-Informationen:
 

Abstract

Diagnostische Zielsetzung:
Die STSE wird zur Erfassung der Lehrer-Selbstwirksamkeit eingesetzt.


Aufbau:
Die STSE umfasst drei Skalen mit je 4 Items: (1) Instructional Strategies ("Instruktions-Strategien"), (2) Classroom Management ("Klassen-Management") und (3) Student Engagement ("Schüler/innen-Motivation").


Grundlagen und Konstruktion:
Die STSE ist die deutsche Adaptation der Teacher's Sense of Efficacy Scale (TSES; Tschannen-Moran & Woolfolk Hoy, 2001). Die Items der TSES wurden von einer Muttersprachlerin ins Deutsche übersetzt und von einer weiteren Person rückübersetzt. Als Nächstes wurden die Items umformuliert und nach den Richtlinien zur Konstruktion von LSW-Skalen nach Bandura überarbeitet. Die Endversion der STSE besteht wie die TSES aus 12 Items (Unterschied: Itemauswahl und Itemformulierung) und wurde an N = 851 Studierenden empirisch überprüft.


Empirische Prüfung und Gütekriterien:
Reliabilität: Cronbachs Alpha für die Subskalen liegt zwischen Alpha = .68 und .94.
Validität: Konfirmatorische Mehrgruppen-Faktorenanalysen und Berechnungen zur Messinvarianz weisen einen guten Fit (Kennwerte: x2-Wert, RMSEA, CFI) der erwarteten Dreifaktorenstruktur und äquivalente Messeigenschaften für alle Gruppen nach. Zusätzlich konnte die konvergente Validität anhand von Korrelationen mit anderen Konstrukten wie Generelle Selbstwirksamkeit (GSW) und Studienzufriedenheit belegt werden. Die GSW korreliert mit dem Gesamtwert der STSE zu r = .49 bis .51 und mit den Subskalenwerten zu r = .35 bis .45. Studienzufriedenheit korreliert mit dem Gesamtwert der STSE zu r = .15 bis .37 (Ausnahme: Skala "Klassen-Management" mit r = .01) und die Korrelationskoeffizienten mit den Subskalenwerten liegen zwischen r = .19 und .35. Weiterhin konnte nachgewiesen werden, dass die Lehrer-Selbstwirksamkeit mit positiven Praktikumserfahrungen zunimmt und bei einem Anstieg der Lehrer-Selbstwirksamkeit wiederum die Studienabbruchneigung sinkt.
Normen: Zur Normierung liegen keine Angaben vor.

 

Testkonzept

 

Theoretischer Hintergrund

Die deutsche Adaptation der Teacher's Sense of Efficacy Scale (TSES; Tschannen-Moran & Woolfolk Hoy, 2001), die Scale for Teacher Self-Efficacy von Pfitzner-Eden, Thiel und Horsley (2014), dient der Erfassung der Lehrer-Selbstwirksamkeit (LSW). Unter LSW versteht man die "Überzeugung einer Lehrkraft von ihren eigenen Fähigkeiten als Lehrperson" (Böttcher, 2013, S. 5). Als theoretische Grundlage wird die sozial-kognitive Lerntheorie (Bandura, 1977) herangezogen. Bandura unterscheidet die Konstrukte Selbstwirksamkeit und Ergebniserwartung: die Selbstwirksamkeit als zukunftsorientiertes Konstrukt, welches zeitlich gesehen vor einer Handlung steht, und die Ergebniserwartung als das erwünschte Resultat einer abgeschlossenen Handlung. Diese beiden Variablen entscheiden darüber, ob eine Handlung ausgeführt wird.
Nach der Theorie Banduras (1977, 1997) sind es vier Quellen, die das Maß der Selbstwirksamkeit beeinflussen: (1) Erfahrungen mit erfolgreicher Bewältigung schwieriger Situationen (mastery experience), (2) physiologischer und emotionaler Zustand (physiological and emotional state), (3) Beobachtung von Modellen (vicarious experience) und (4) soziale Unterstützung (social persuasion).
Mit dem LSW-Konstrukt können positive Ergebnisse für Schüler und Lehrer abgeleitet werden (Pfitzner-Eden et al., 2014). So korreliert LSW positiv mit der Leistung und Motivation von Schülern (Woolfolk Hoy & Burke Spero, 2005). Auch konnten die Autoren nachweisen, dass LSW einen positiven Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit eines Lehrers hat.
 

Testaufbau

Die STSE erfasst folgende drei Skalen mit je 4 Items (Pfitzner-Eden et al., 2014, Böttcher, 2013, S. 38):
(1) Instructional Strategies ("Instruktions-Strategien"),
(2) Classroom Management ("Klassen-Management"),
(3) Student Engagement ("Schüler/innen-Motivation").
 

Auswertungsmodus

Die Items werden auf einer neunstufigen Ratingskala (1 = "gar nicht überzeugt" bis 9 = "völlig überzeugt") beantwortet. Mithilfe des Auswertungsprogramms werden die Rohwerte für alle Subskalen getrennt aufaddiert und ein Skalenscore sowie ein Gesamtscore ermittelt.
 

Auswertungshilfen

Die STSE-Auswertung erfolgt mit einer Evaluationssoftware.
 

Auswertungszeit

Die Auswertung erfolgt elektronisch und beansprucht wenig Zeit.
 

Itembeispiele

Im Folgenden werden die Items der Skala "Schüler/innen-Motivation" vorgestellt: Student Engagement:
Wie überzeugt sind Sie davon, dass Sie ...
... Schülern den grundsätzlichen Wert schulischen Lernens vermitteln können?
... Schüler, die wenig Interesse am Unterricht haben, motivieren können?
... auch die Schüler motivieren können, die in der Schule häufig Misserfolge erzielen?
... kritisches Denken bei Schülern fördern können?
 

Alle Items

"Im Folgenden sind Aussagen zu typischen Aufgaben, die ein(e) LehrerIn im Berufsalltag ausführt, aufgelistet. Bitte schätzen Sie ein, wie überzeugt Sie davon sind, diese Aufgaben erfolgreich ausführen zu können."

"1 gar nicht überzeugt - - - - - - - 9 völlig überzeugt"

Instructional Strategies:
Wie überzeugt sind Sie davon, dass Sie ...
... eine alternative Erklärung oder ein anderes Beispiel finden können, wenn Schüler etwas nicht verstehen?
... das Anforderungsniveau des Unterrichts an das Leistungsniveau einzelner Schüler anpassen können?
... einschätzen können inwiefern Schüler den Unterrichtsstoff verstehen können?
... angemessene Herausforderungen für leistungsstarke Schüler schaffen können?

Classroom Management:
Wie überzeugt sind Sie davon, dass Sie ...
... störendes Verhalten im Unterricht kontrollieren können?
... Schüler dazu bringen können, Regeln im Unterricht zu folgen?
... einen lauten, störenden Schüler dazu bringen können, ruhig zu sein?
... es schaffen können, eine gesamte Stunde nicht durch ein paar störende Schüler ruinieren zu lassen?

Student Engagement:
Wie überzeugt sind Sie davon, dass Sie ...
... Schülern den grundsätzlichen Wert schulischen Lernens vermitteln können?
... Schüler, die wenig Interesse am Unterricht haben, motivieren können?
... auch die Schüler motivieren können, die in der Schule häufig Misserfolge erzielen?
... kritisches Denken bei Schülern fördern können?
 

Durchführung

 

Testformen

Der Test liegt als Paper-Pencil-Version vor. Er kann sowohl als Einzel- als auch als Gruppentest eingesetzt werden.
 

Altersbereiche

Die STSE ist für Lehramtsstudierende konzipiert (Pfitzner-Eden, 2015, S. 51).
 

Durchführungszeit

Die Probanden benötigen zum Ausfüllen im Durchschnitt 10-15 Minuten (Böttcher, 2013, S. 32).
 

Material

Als Materialien werden der Fragebogen und ein Schreibgerät benötigt.
 

Instruktion

Die Instruktionen sind auf dem Fragebogen abgedruckt.
 

Durchführungsvoraussetzungen

Es werden keine speziellen Durchführungsbedingungen genannt.
 

Testkonstruktion

Die STSE ist die deutsche Adaptation der Teacher's Sense of Efficacy Scale (TSES; Tschannen-Moran & Woolfolk Hoy, 2001). Die englischen Items wurden durch eine bilinguale Muttersprachlerin ins Deutsche übersetzt und dann von einer weiteren bilingualen Person ins Englische. Somit lag eine übersetzte Version der TSES mit 24 Items vor. Die Items und die Antwortskala der deutschen TSES-Version wurden dann nach den Richtlinien zur Konstruktion von LSW-Skalen nach Bandura (2006) überarbeitet, umformuliert und selegiert. So entstand die Endversion der STSE, die ähnlich wie die Kurzfassung des Originalfragebogens aus 12 Items besteht, jedoch aus anderen und anderslautenden Items zusammengesetzt wurde (siehe Tabelle 1).
Die deutsche Version der TSES, deren Kurzform, die STSE-Itemauswahl sowie die Endversion der STSE wurden an drei Gruppen mit insgesamt N = 851 Studierenden empirisch überprüft (Böttcher, 2013, S. 26-27):
(1) zu Beginn ihres Studiums im Bachelor: n = 438, Alter: M = 22.81 Jahre, SD = 4.93, 63% weiblich;
(2) zum Ende ihres Studiums im Master an einer deutschen Universität: n = 282, Alter: M = 25.93 Jahre, SD = 4.88, 68% weiblich;
(3) gegen Ende ihres Studiums an einer neuseeländischen Universität: n = 131, Alter: 20-41 Jahre, 82% weiblich.
Die Ergebnisse werden unter "Validität" vorgestellt.

Tabelle 1
Überblick über die Itemaufteilung in der Lang- und Kurzfassung der TSES sowie der STSE-Itemauswahl (Böttcher, 2013, S. 39, Tabelle 7)
---------------------------------------------------------------------- 
TSES-Skalen TSES-Items der TSES-Items der STSE-Item-
Langfassung Kurzfassung auswahl (a)
----------------------------------------------------------------------
Schueler/innen- tses1
Motivation tses2 tses2
tses4 tses4 tses4
tses6 tses6
tses9 tses9 tses9
tses12
tses14 tses14
tses22 tses22
----------------------------------------------------------------------
Skala-Itemanzahl 8 4 4
----------------------------------------------------------------------
Klassen- tses3 tses3 tses3
Management tses5
tses8
tses13 tses13 tses13
tses15 tses15 tses15
tses16 tses16
tses19 tses19
tses21
----------------------------------------------------------------------
Skala-Itemanzahl 8 4 4
----------------------------------------------------------------------
Instruktions- tses7
Strategien tses10 tses10
tses11 tses11
tses17 tses17
tses18 tses18
tses20 tses20 tses20
tses23 tses23
tses24 tses24
----------------------------------------------------------------------
Skala-Itemanzahl 8 4 4
----------------------------------------------------------------------
Gesamt-Itemanzahl 24 12 12
----------------------------------------------------------------------
Anmerkungen. (a) Die Items der STSE wurden umformuliert.
 

Gütekriterien

 

Objektivität

Durchführungs- und Auswertungsobjektivität können durch die standardisierte Instruktion und Auswertung (Auswertungsprogramm) als gegeben angenommen werden.
 

Reliabilität

Die Interne Konsistenz wurde berechnet. Cronbachs Alpha liegt zwischen Alpha =.68 und .94 für die Subskalen (Böttcher, 2013, S. 26).
 

Validität

Böttcher (2013, S. 26-27) konnte durch eine konfirmatorische Faktorenanalyse eine Dreifaktorenstruktur analog zur TSES nachweisen (die Informationen über die Stichprobenzusammensetzung sind unter "Testkonstruktion" aufgeführt). Die Fit-Indizes (Chi-quadrat-Wert, Root-mean-square error of approximation RMSEA und der Comparative fit index CFI) nach Hu und Bentler (1999) sowie Beauducel und Wittmann (2005) liegen im normalen bis hohen Bereich (Pfitzner-Eden et al., 2014, S. 87, Table 1) sowohl für die Dreifaktorenstruktur der einzelnen Stichproben als auch in einem Dreigruppenmodell: alle Chi-quadrat-Werte lagen unter 2, alle CFIs über .96 und alle RMSEAs unter .06. Damit konnte auch die Messäquivalenz bestätigt werden (S. 88). Es wurden zur Überprüfung der Konstruktvalidität Korrelationen mit den Konstrukten Generelle Selbstwirksamkeit (GSW) und Studienzufriedenheit berechnet. So konnten signifikante Zusammenhänge mit der Generellen Selbstwirksamkeit und dem Gesamt-Score der STSE bei allen drei Gruppen nachgewiesen werden: r = .51 bei Studienanfängern, r = .49 bei den deutschen Fortgeschrittenen und r = .50 bei den neuseeländischen Fortgeschrittenen. Innerhalb der Subskalen betrugen die Korrelationen zwischen r = .35 und .45 (p < .05). Diese Zusammenhänge unterschieden sich in den drei erhobenen Gruppen nicht signifikant voneinander. Die Korrelationskoeffizienten mit Studienzufriedenheit lagen bei r = .15 (p < .05) bei den Studienanfängern und r = .37 (p < .05) bei den Fortgeschrittenen. Die Korrelationskoeffizienten für die Subskalen fielen höher aus (r = .19-.35). Eine Ausnahme bildete die Skala Klassen-Management bei den Studienanfängern mit r = .01 (Böttcher, 2013, S. 26-27, Pfitzner-Eden et al., 2014, S. 89, Table 3). Dieses Ergebnis begründen Pfitzner-Eden et al. (2014) damit, dass Erstsemester aufgrund fehlender Studiumserfahrung ungenaue Aussagen zur Studienzufriedenheit geben können. Vielmehr geht es für sie dabei um die Zufriedenheit mit der Entscheidung für ein Lehramtsstudium als für ein anderes Studienfach.
Pfitzner-Eden (2016) untersuchte in einer Längsschnittstudie, wie sich der Zusammenhang zwischen der Lehrer-Selbstwirksamkeit und der Studienabbruchneigung bei Studienanfängern (n1 = 559) und Fortgeschrittenen (n2 = 352; mindestens 3. Studienjahr; 80% Masterstudierende) über drei Messzeitpunkte (n1: Beginn des ersten Studienjahres, Ende des ersten Studienjahres vor einem ersten Schulpraktikum, Anfang des nächsten Studienjahres nach dem Praktikum; n2: Beginn des Semesters, Ende des Semesters vor einem Unterrichtspraktikum, Anfang des nächsten Semesters nach dem Praktikum) verändert. Die Berechnungen (latent-true-change-Analysen) zeigen folgende Ergebnisse: Die Lehrer-Selbstwirksamkeit bei Studienanfängern sank in Abhängigkeit der Skala während des ersten Studienjahres oder blieb konstant und stieg dann während des Praktikums an. Auch bei den Fortgeschrittenen verhält sich die Lehrer-Selbstwirksamkeit in Abhängigkeit der Skala und steigt ebenso mit der Praktikumserfahrung. Je höher die Lehrer-Selbstwirksamkeit, desto weniger Lehramtsstudierende brechen ihr Studium ab (S. 248, Table 5).
Pfitzner-Eden (2015, under review) untersuchte in einer anderen Studie die Vorhersagekraft der vier Quellen der Lehrer-Selbstwirksamkeit nach Bandura: (1) Erfahrungen mit erfolgreicher Bewältigung schwieriger Situationen, (2) physiologischer und emotionaler Zustand, (3) Beobachtung von Modellen und (4) soziale Unterstützung. Untersucht wurden zwei Stichproben (n1 = 359 Studienanfänger, n2 = 395 Fortgeschrittene), die beide ein Praktikum absolviert haben. Veränderungen der Lehrer-Selbstwirksamkeit konnten durch alle vier Quellen erwartungsgemäß vorhersagt werden. Ein Modellvergleich, der die unterschiedlichen Beziehungen zwischen den Quellen annahm, weist daraufhin, dass positive Praktikumserfahrungen wie Erfolg (= erste Quelle) zu einem Anstieg der Lehrer-Selbstwirksamkeit führt und dass die Einschätzung dieser positiven Erfahrung in Abhängigkeit der anderen drei Quellen getroffen wird (Pfitzner-Eden, 2015, under review, S. 123-131). Tabelle 2 zeigt die Zusammenhänge zwischen den vier Quellen und der Lehrerselbstwirksamkeit (im Englischen: Teacher's Sense of Efficacy = TSE).

Tabelle 2
Latent intercorrelations between all constructs and bivariate correlations between the source variables and TSE2-1 (Pfitzner-Eden, 2015, under review, S. 124, Table 3)
---------------------------------------------------------------------- 
Source Variable ME VE VPm VPo PAS TSE TSE
1 2-1
----------------------------------------------------------------------
Beginning cohort
Mastery Experiences (ME) - .48*
Vicarious Experiences (VE).45* - .33*
Verbal Persuasion
Mentor (VPm) .44* .32* - .32*
Verbal Persuasion
Others (VPo) .39* .25* .62* - .30*
Physiological and
Affective States (PAS) -.50* -.43* -.29* -.23* - -.35*
TSE1 .35* .25* .15 .19* -.13 - -
TSE2-1 .25* .17 .26* .20* -.28* -.31* -
----------------------------------------------------------------------
Advanced cohort
Mastery Experiences (ME) - .51*
Vicarious Experiences (VE).48* - .33*
Verbal Persuasion
Mentor (VPm) .61* .56* - .40*
Verbal Persuasion
Others (VPo) .48* .38* .55* - .37*
Physiological and
Affective States (PAS) -.47* -.26* -.31* -.15 - -.35*
TSE1 .25* .19* .13 .10 -.36* - -
TSE2-1 .36* .19* .26* .32* -.09 -.57* -
----------------------------------------------------------------------
Anmerkungen: TSE = Teacher's Sense of Efficacy. TSE2-1 = latent change variable; bivariate correlations are reported in the right-hand column. * p < .05.
 

Normierung

Zur Normierung liegen keine Angaben vor.
 

Anwendungsmöglichkeiten

Das Verfahren dient der Messung der Lehrer-Selbstwirksamkeit bei Lehramtsstudierenden.
 

Bewertung

Die STSE erfasst mit den Subskalen "Instruktions-Strategien", "Klassen-Management" und "Schüler/innen-Motivation" die Lehrer-Selbstwirksamkeit. Mit 12 Items ist sie in der Durchführung und Auswertung sehr ökonomisch. Es konnte eine zufriedenstellende bis sehr gute Interne Konsistenz erreicht werden. Auch die Validität wurde ausreichend überprüft. Für die Konstruktvalidität sprechen z. B. die Ergebnisse der konfirmatorischen Faktorenanalyse sowie die signifikant gewordenen Zusammenhänge zu den Konstrukten Studienzufriedenheit und Generelle Selbstwirksamkeit. Eine Normierung wäre erwünscht, um Vergleichswerte zu haben.
Die STSE ist theoretisch gut fundiert, reliabel und valide. Ihre Anwendbarkeit ist ökonomisch gestaltet und erweist sich somit als ein nützliches Verfahren.
 

Literatur

  • Bandura, A. (1977). Self-efficacy. Toward a unifying theory of behavioral change. Psychological Review, 54 (2), 191-215.
  • Bandura, A. (1997). Self-efficacy. The exercise of control. New York: W. H. Freeman.
  • Bandura, A. (2006). Guide for constructing self-efficacy scales. In F. Pajares & T. C. Urdan (Eds.), Self-efficacy beliefs of adolescents (pp. 307-337). Greenwich, Connecticut: IAP - Information Age Publishing.
  • Beauducel, A. & Wittmann, W. W. (2005). Simulation study on fit indexes in CFA based on data with slightly distorted simple structure. Structural Equation Modeling, 12, 41-75.
  • Böttcher, F. (2013). Beitrag zur Validierung eines Instrumentes zur Erfassung der Lehrerinnen- und Lehrerselbstwirksamkeit. Unveröffentlichte Masterarbeit, Freie Universität Berlin, Berlin.
  • Hu, L. & Bentler, P. M. (1999). Cutoff criteria for fit indexes in covariance structure analysis: Conventional criteria versus new alternatives. Structural Equation Modeling: A Multidisciplinary Journal, 6 (1), 1-55.
  • Pfitzner-Eden, F. (2015). Evaluation of a teacher preparation program using the development of teacher self-efficacy as an outcome - a longitudinal study. Unveröffentlichte Dissertation, Freie Universität Berlin.
  • Pfitzner-Eden, F. (2015, under review). Why do I feel more confident? Bandura's sources predict preservice teachers' latent changes in teacher self-efficacy. Contemporary Educational Psychology.
  • Pfitzner-Eden, F. (2016). I feel less confident so I quit? Do true changes in teacher self-efficacy predict changes in preservice teachers' intention to quit their teaching degree? Teaching and Teacher Education, 55, 240-254.
  • Pfitzner-Eden, F., Thiel, F. & Horsley, J. (2014). An adapted measure of teacher self-efficacy for preservice teachers: Exploring its validity across two countries. Zeitschrift für Pädagogische Psychologie, 28 (3), 83-92. (DOI: http://dx.doi.org/10.1024/1010-0652/a000125) [English items included p. 88]
  • Tschannen-Moran, M. & Woolfolk Hoy, A. (2001). Teacher efficacy: Capturing an elusive construct. Teaching and Teacher Education, 17, 783-805.
  • Woolfolk Hoy, A. & Burke Spero, R. (2005). Changes in teacher efficacy during the early years of teaching: A comparison of four measures. Teaching and Teacher Education, 21, 343-356.
 

Originalfassung/Anderssprachige Fassungen

  • Tschannen-Moran, M. & Woolfolk Hoy, A. (2001). Teacher efficacy: Capturing an elusive construct. Teaching and Teacher Education, 17, 783-805.
 
 Gülay Karadere (02.05.2016)
 APA-Schlagworte/PSYNDEX Terms:

Classical Test Theory; Questionnaires; Preservice Teachers; Teacher Student Interaction; Classroom Management; Teacher Effectiveness Evaluation; Educational Quality; Teaching; Student Engagement

Klassische Testtheorie; Fragebögen; Angehende Lehrer; Lehrer-Schüler-Interaktion; Klassenführung; Lehrereffizienzbeurteilung; Bildungsqualität; Lehren; Schüler- und Studierendenengagement

 weitere Schlagworte:

2001 (TSES, englische Originalfassung); 2016 (STSE, deutsche adaptierte Fassung); Open Access; Selbsteinschätzung; Lehrerselbstwirksamkeit; 12 Items; Skalen: 1 Instructional Strategies, 2 Classroom Management, 3 Student Engagement; Normierungsjahr: keine Angaben!; Normstichprobe: 851
 Klassifikation:

Berufs- und arbeitspsychologische Tests; Pädagogische Messung und Beurteilung; Bildungsorganisation und pädagogisches Personal
Lehrereinstellungstests
7.5.5
 Anwendungstyp: Educational Diagnosis
 Art der Publikation: Test; Electronic Resources (90; 94)
 Sprache: German
 Übersetzungen: English
 Land: United States
 Publikationsjahr: 2016
 Änderungsdatum: 201604
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