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Peabody Picture Vocabulary Test - 4. Ausgabe

 PSYNDEX Tests-Dokument: 9007065
 

PPVT-4 - Peabody Picture Vocabulary Test - 4. Ausgabe (PSYNDEX Tests Review)

 

Peabody Picture Vocabulary Test (PPVT-4; Dunn, L. M. & Dunn, D. M., 2007) - German version/author

 Dunn, L. M. & Dunn, D. M.
 (2015). PPVT-4. Peabody Picture Vocabulary Test - 4. Ausgabe. Amerikanische Originalfassung von Lloyd M. Dunn, PhD & Douglas M. Dunn, PhD. Deutsche Fassung von A. Lenhard, W. Lenhard, R. Segerer & S. Suggate [Testkoffer mit Manual, Aufsteller und 25 Protokollbögen]. Frankfurt: Pearson.

Preis: 214,00 Euro (Test komplett; Stand: 27.4.2017)

 Bezugsquelle: Testzentrale Hogrefe Verlag GmbH & Co. KG, Herbert-Quandt-Straße 4, D-37081 Göttingen ; E-Mail: testzentrale@hogrefe.de ; URL: http://www.testzentrale.de/ ; Stand: 1.5.2016.
 Adresse(n): o Prof. Dr. Wolfgang Lenhard, Bayerische Julius-Maximilians-Universität Würzburg, Lehrstuhl für Psychologie IV, Wittelsbacherplatz 1, D-97074 Würzburg ; E-Mail: wolfgang.lenhard@uni-wuerzburg.de ; URL: http://www.i4.psychologie.uni-wuerzburg.de/mitarbeiter/prof_dr_wolfgang_lenhard/ ; Stand: 27.4.2017
o Dr. Alexandra Lenhard, Am Kreuz 14, D-97337 Dettelbach ; E-Mail: alexandra@lenhard.info ; URL: http://www.alexandra.lenhard.info/ ; Stand: 27.4.2017
o Dr. Robin Segerer, Assistent, Fakultät für Psychologie, Universität Basel, Missionsstrasse 60/62, CH-4055 Basel, Schweiz ; E-Mail: robin.segerer@unibas.ch|u https://psycho.unibas.ch/fakultaet/personen/profil/person/segerer/ ; Stand: 27.4.2017
o PD Dr. Sebastian Suggate, Universität Regensburg, Universitätsstraße 31, D-93053 Regensburg ; E-Mail: sebastian.suggate@ur.de ; URL: http://www.uni-regensburg.de/psychologie-paedagogik-sport/schulpaedagogik/team/dr-sebastian-suggate/ ; Stand: 27.4.2017
 WWW-Informationen:
 

Abstract

Diagnostische Zielsetzung:
Der PPVT-4 ist die deutsche Adaptation des amerikanischen Originalverfahrens von Dunn und Dunn (2007) und erfasst den Wortschatz von Kindern im Alter von 3 bis 16 Jahren. Eingesetzt wird er in Kindergärten und Schulen zur Bewertung des Wortschatzerwerbs, der Schulfähigkeit und zur Ableitung von Fördermaßnahmen. Die Besonderheit liegt weiterhin in der Einsatzfähigkeit für besondere klinische Gruppen (z. B. Autismus, neurologisch bedingte Krankheiten, Sehschwäche). Er ist auch als Einstiegstest bei der Anwendung von Testbatterien geeignet. Auch wird er in der Forschung eingesetzt.


Aufbau:
Der PPVT-4 besteht aus 228 Items, die in 19 Itemsets á 12 Items zusammengefasst sind. Die Reizitems, welche zusammen mit drei Distraktoren präsentiert werden, sind nach steigender Schwierigkeit sortiert. Die eigentliche Testung erfolgt, wenn mindestens zwei der zuvor vorgelegten Übungsitems richtig beantwortet wurden. Die Testperson zeigt entweder auf das entsprechende Bild oder nennt die zugehörige Nummer. Erfasst wird der rezeptive Hörwortschatz.


Grundlagen und Konstruktion:
Dem PPVT-4 liegen die Klassische und die Probabilistische Testtheorie zugrunde. Die Originalversion wurde in den 50er Jahren entwickelt und seither viermal revidiert. Davon sind bisher die erste und die vierte Ausgabe ins Deutsche übersetzt. Grund für die Revisionen waren Verbesserungen der Testdurchführung, der Auswertungsgenauigkeit und des Testmaterials sowie die Erweiterung der Zielgruppen um Kinder mit geringem Wortschatz. Aus einem Itempool mit 3885 Wörtern der ersten Testversion, die aus dem Webster's New Collegiate Dictionary (1953) stammten, wurden 200 Bildseiten mit jeweils vier Bildern erstellt. Drei ausgewählte Reizwörter á 200 Bildseiten (= 600) wurden getestet, aus denen 300 Reizwörter selegiert und daraus zwei Parallelformen gebildet wurden. In den nächsten beiden englischsprachigen Testversionen wurden 19 verschiedene Inhaltskategorien entwickelt. Zur Reduktion von Boden- und Deckeneffekten wurden einfache und schwierige Items in den Itempool aufgenommen. Zur Erhöhung der Testfairness wurde eine Rasch-Analyse durchgeführt. Für die dritte englischsprachige Testversion resultierten zwei aus je 204 Items bestehende Parallelversionen. Für die vorliegende "4. Ausgabe" wurde die Parallelform A ins Deutsche übersetzt und in einer Pilotstudie mit n = 389 Kindern der Klassen 3 bis 10 erprobt.


Empirische Prüfung und Gütekriterien:
Reliabilität: Die Split-half-Reliabilität (Odd-even-Methode) beträgt für die Gesamtskala getrennt nach Alter und Klassenstufe rtt = .97. Die Gesamtskala der PPVT-4 erreicht eine interne Konsistenz von Cronbachs Alpha = .87. Für die Itemblöcke variieren sie zwischen Alpha = .82 bis .95. Suggate et al. (2014) schätzten mit einer Vorform des PPVT-4 die Retestreliabilität nach einem Zeitraum von etwa einem Jahr auf rtt = .84. Eine getrennte Analyse für Kindergarten und Schule zeigte, dass bei den Vorschulkindern der Wert (rtt = .63) geringer ausfällt als bei den Grundschulkindern (rtt = .88).

Validität: Der PPVT-4 ist augenscheinvalide bzw. inhaltsvalide. Die Items stammten aus Wörterbüchern und wurden von Sprachstatistikern überprüft. Außerdem bildet die Skala Wortschatz als erworbenes Wissen die kristalline Intelligenz ab - nachgewiesen durch den typischen Kurvenverlauf der kristallinen Intelligenz. Korrelationen mit ähnlichen Verfahren (z. B. WISC-IV) bestätigen die konvergente Validität. Auch für den amerikanischen PPVT-4 liegen Nachweise mit anderen Sprachtests vor. Es wurden gruppenspezifische Untersuchungen mit der Normstichprobe durchgeführt, die allesamt signifikante Unterschiede aufzeigten (z. B. lösen Jungen, Kinder höherer Schulformen oder mit deutscher Herkunft mehr Items). Des Weiteren wurden 35 Schüler mit einer Lernbehinderung untersucht, die hochsignifikant weniger Punkte im PPVT-4 erreichten als die Normstichprobe (p < .001). Entsprechende Studienergebnisse in Amerika mit besonderen Personengruppen (Menschen mit Sprachbehinderung, Sprachentwicklungsverzögerung, Sprachstörung, Hörbehinderung, spezifischer Lesestörung, geistiger Behinderung, Hochbegabung, emotionaler Störung oder Verhaltensstörung oder ADHS) zeigen, dass diese sich im Vergleich mit der Normstichprobe in dem Testergebnis signifikant unterscheiden.
Normen: Die Normierung erfolgte von 2013 bis 2014 an einer repräsentativen Stichprobengröße von N = 3 555 Kindergarten- und Schulkindern aus mehreren deutschen Bundesländern (Alter: 2;6-17;11 Jahre, M = 10.43, SD = 3.34; 51% Jungen, 49% Mädchen). Es liegen Normen (Prozentrang-, z-, T-Werte mit 90%- und 95%-Konfidenzintervallen) für die Altersklassen 3 bis 16 Jahre vor.

 

Testkonzept

 

Theoretischer Hintergrund

Der Peabody Picture Vocabulary Test in der vierten Ausgabe (Dunn & Dunn, 2015) ist ein standardisiertes Verfahren zur Erfassung des rezeptiven (Hör-)Wortschatzes, welcher für den Altersbereich 3;0 bis 16;11 Jahre konzipiert wurde. Der Wortschatz hängt sehr eng mit dem Leseverständnis zusammen. Personen mit einem großen Wortschatz können Laute innerhalb von Wörtern besser analysieren (Metsala, 1999). Auch kognitive Fähigkeiten sind mit dem Wortschatz eng verknüpft. Der Wortschatz als erworbenes Wissen stellt nach dem Cattell-Horn-Carroll-Modell (McGrew, 2005) eine Facette der kristallinen Intelligenz dar. Kristalline Intelligenz umfasst die Sprachentwicklung, das Leseverständnis sowie andere sprachbezogenen Kompetenzen wie Wortschatz.
 

Testaufbau

Der PPVT-4 besteht aus 228 Items, die in 19 Itemsets zu je 12 Items zusammengelegt sind. Die Reizitems, welche zusammen mit drei Distraktoren präsentiert werden, sind nach steigender Schwierigkeit angeordnet (Dunn & Dunn, 2015, S. 19). Zuvor werden Übungsitems dargeboten. Die eigentliche Testung beginnt, wenn mindestens zwei der Übungsitems richtig beantwortet wurden. Die Testperson zeigt entweder auf das entsprechende Bild oder nennt die zugehörige Nummer. Jüngere Testpersonen werden gebeten, auf das gesuchte Item zu zeigen (S. 31-32).
 

Auswertungsmodus

Es gibt vier Antwortmöglichkeiten. Die richtige Antwortmöglichkeit ist auf dem Protokollbogen rot markiert. Berechnet wird die Fehleranzahl für jedes Itemset, für die ein getrennter Summenwert ermittelt wird. Es wird immer mit dem niedrigsten Itemset begonnen. Wird kein oder maximal ein Fehler gemacht, wird das Bodenset berechnet und es findet ein Übergang zum nächsthöheren Itemset statt. Wird jedoch mehr als ein Fehler gemacht, werden alle 12 Items des niedrigen Itemsets zu Ende bearbeitet und es wird anschließend zum nächstniedrigeren Itemset übergegangen (wenn es denn ein solches gibt). Dieses Itemset wird vollständig absolviert. Bearbeitet der Proband wieder mehr als ein Item falsch, so wird erneut das nächstniedrigere Itemset vorgelegt. Es wird solange so fortgefahren, bis das Kriterium für das Bodenset erreicht wurde. Sollte der Proband bereits im ersten Itemset (Item 1-12) mehr als einen Fehler gemacht haben, dann ist es automatisch das Bodenset. Nach der Ermittlung des Bodensets wird das Deckenset berechnet (= Set mit einer Fehlerzahl > 8, d. h. dann ist das Abbruchkriterium erreicht). Das Deckenset beschreibt das Höchstmaß der erreichbaren Leistung eines Probanden (Dunn & Dunn, 2015, S. 38).
Der Wert aller verwendeten Itemsets wird aufsummiert (Gesamtzahl an Fehlern). Der Rohwert ergibt sich aus der Subtraktion "Deckenitem - Gesamtzahl an Fehlern". Das Deckenitem ist das letzte Item eines Itemsets. Die Rohwerte werden in T- und Prozentrang-Werte umgewandelt, für die jeweils 90%- und 95%-Konfidenzintervalle ermittelt wurden. Es kann auch ein IQ-Wert berechnet werden. Zudem kann anhand von Verhaltensbeobachtungen, die auf einem separaten Platz auf dem Protokollbogen festgehalten werden, eine qualitative Bewertung gemacht werden. Zudem wird das chronologische Alter berechnet (Dunn & Dunn, 2015, S. 29).
 

Auswertungshilfen

Es liegen Interpretationshinweise (Dunn & Dunn, 2015, S. 23-24, Kapitel 3: Auswertung und Interpretation), Auswertungsbeispiele und -übungen (S. 38-48), Fallbeispiele (S. 133-137), ein Protokollbogen zum Eintragen der Antworten und Verhaltensbeobachtungen sowie Normtabellen (S. 100-126) als Auswertungshilfen vor.
 

Auswertungszeit

Während der Testung werden die Antworten der Testperson notiert und anschließend ausgewertet. Über die genaue Auswertungsdauer fehlen Angaben.
 

Itembeispiele

Anmerkung: Im Folgenden werden die vier Antwortalternativen für die Übungsbilder als Zahlen vorgestellt, das Bildmaterial kann an dieser Stelle nicht wiedergegeben werden.
Übungsitems für Kinder unter 4 Jahren 
A1. Junge 1 2 3 4 (korrekt: 3)
A2. Stuhl 1 2 3 4 (korrekt: 2)
A3. Hund 1 2 3 4 (korrekt: 1)
A4. Fahrrad 1 2 3 4 (korrekt: 4)

Übungsitems für Testpersonen ab 4 Jahren
B1. lachen 1 2 3 4 (korrekt: 2)
B2. schlafen 1 2 3 4 (korrekt: 3)
B3. gehen 1 2 3 4 (korrekt: 4)
B4. knuddeln 1 2 3 4 (korrekt: 1)
 

Durchführung

 

Testformen

Das Verfahren liegt als Papier-Bleistift-Form vor und wird im Einzelsetting durchgeführt. Eine Parallelversion liegt im Gegensatz zur englischsprachigen Originalfassung nicht vor (Dunn & Dunn, 2015, S. 19, S. 63).
 

Altersbereiche

Das Verfahren ist für 3;0 bis 16;11-jährige Kinder und Jugendliche geeignet.
 

Durchführungszeit

Die Durchführungszeit liegt in der Regel zwischen 10 und 20 Minuten, wobei kein Zeitlimit gesetzt wird. Den Angaben von Dunn und Dunn (2015, S. 25-26) zufolge benötigen Vorschulkinder für i. d. R. 96-108 Items durchschnittlich 13 Minuten, Grundschulkinder für 120 Items 16 Minuten und Sekundarschüler für 108 Items 10.5 Minuten für die Testung.
 

Material

In dem Testkoffer sind enthalten das Manual, der Aufsteller mit den 228 Items und 25 Protokollbögen. Benötigt wird ein Schreibgerät. Verbrauchsmaterial (Protokollbögen) ist auch separat erhältlich.

Materialliste Testkoffer (Stand: 30.03.2016):
- Manual (Artikel-Nr. 3669.11)
- 25 Protokollbögen (Artikel-Nr. 3669.12)
- Aufsteller.
 

Instruktion

Die Instruktionen sind wortwörtlich wiederzugeben. Es gibt mehrere Fragemöglichkeiten (Dunn & Dunn, 2015, S. 32-33):
(1) "Zeige mit dem Finger auf [Wort]." bzw. "Zeigen Sie mit dem Finger auf [Wort]."
(2) "Zeige mir [Wort]." bzw. "Zeigen Sie mir [Wort]."
(3) "Deute auf [Wort]." bzw. "Deuten Sie auf [Wort]."
(4) "Finde [Wort]." bzw. "Finden Sie [Wort]."
(5) "Wo ist [Wort]?"
oder
(6) "Welche Nummer hat [Wort]?"
Sollte die Testperson sowohl die Nummer des Bildes nennen als auch darauf zeigen und diese sich widersprechen, sollte die Testperson aufgefordert werden, auf das gewählte Bild zu zeigen. Motorisch oder sprachlich Beeinträchtigte können anhand eines Signalzeichens antworten. Das gesuchte Item soll deutlich und nicht monoton ausgesprochen werden. Wenn notwendig, kann das Item wiederholt werden. Auf eine strikte Einhaltung der Instruktionen während der gesamten Durchführung wird hingewiesen (Dunn & Dunn, 2015, S. 23, S. 32-33).
 

Durchführungsvoraussetzungen

Der Testleiter sollte für die Durchführung und Auswertung, insbesondere aber für die Interpretation, mit ausreichendem testdiagnostischem Wissen ausgestattet sein und sich vor der Testdurchführung intensiv mit dem PPVT-4 auseinandersetzen. Eine spezielle Schulung wird nicht angeboten. Es wird empfohlen, die Hilfe eines erfahrenen Testleiters einzuholen. Es wird gebeten, mit den Testinhalten sehr vertraulich umzugehen, d. h. Bewahrung der Anonymität und keine Verbreitung oder Offenlegung der Testitems oder des Protokollbogens (Dunn & Dunn, 2015, S. 13).
Probanden, die innerhalb von 10 Sekunden nicht geantwortet haben, sollen zur Beantwortung eines Items angeregt werden (Dunn & Dunn, 2015, S. 25).
Der Testraum sollte ruhig, frei von Ablenkungen, angenehm warm und gut beleuchtet sein. Das Bildmaterial sollte auf einem Tisch gut platziert werden (keine blendenden Reflektionen durch die Beleuchtung). Die Sitzordnung ist vorgegeben. Proband und Testleiter sitzen über Eck. Der Proband sieht nur die Seite mit den Items, während der Testleiter beide Seiten (Item und Instruktion) sieht (Dunn & Dunn, 2015, S. 26). Besondere Eigenschaften des Probanden sollten mitnotiert werden (z. B. Informationen über Gehör, sprachlichen Hintergrund, körperliche oder emotionale Beeinträchtigungen, S. 28).
 

Testkonstruktion

Dem PPVT-4 liegen die Klassische und die Probabilistische Testtheorie zugrunde. Die US-amerikanische Originalversion des PPVT wurde in den 50er Jahren von Lloyd Dunn (1959) entwickelt und seither viermal revidiert. Davon sind bisher die erste und die vierte Ausgabe ins Deutsche übersetzt. Grund für die Revisionen waren Verbesserungen der Testdurchführung, der Auswertungsgenauigkeit, des Testmaterials, die Rückmeldungen von Anwendern (z. B. hinsichtlich farbiger Bilder) und die Erweiterung der Zielgruppen um Kinder mit geringem Wortschatz (Dunn & Dunn, 2015, S. 59).
Der Itempool der ersten Testversion bestand aus 3885 Wörtern, die aus dem Webster's New Collegiate Dictionary (1953) stammten. Es wurden 200 Bildseiten mit jeweils vier Bildern konstruiert. Drei ausgewählte Reizwörter a 200 Bildseiten (= 600) wurden getestet, aus denen 300 Reizwörter selegiert und eine Parallelversion A mit der einen Hälfte und eine Parallelversion B mit der anderen Hälfte erstellt wurden. Die erste deutsche Fassung erschien 1971 im Rahmen der Testbatterie für geistig behinderte Kinder TBGB (Bondy, Cohen, Eggert & Lüer, 1971; Eggert, 1972). In den nächsten beiden Testversionen wurden die Items, die auf einer Schwierigkeitsebene waren, in eine Inhaltskategorie zusammengefasst, sodass 19 verschiedene Inhaltskategorien entstanden. Zur Reduktion von Boden- und Deckeneffekten wurden einfache und schwierige Items in den Itempool aufgenommen. Zur Erhöhung der Testfairness wurde eine Rasch-Analyse durchgeführt. Das Wort- und Bildmaterial wurde überarbeitet. Neue Items wurden itemanalytisch und psychometrisch überprüft. Für die dritte Testversion resultierten zwei aus je 204 Items bestehende Parallelversionen (Dunn & Dunn, 2003, 2015, S. 60).
Die 4. Ausgabe des PPVT ist erweitert und überarbeitet worden. Die Grundlage für den Itempool waren die Einträge aus dem Merriam Webster's Collegiate Dictionary (2003) sowie aus den früheren Ausgaben des Webster's Dictionary (1953, 1967, 1981). Nur die Parallelform A wurde ins Deutsche übersetzt und in einer Pilotstudie mit N = 389 Kindern der Klassen drei bis 10 erprobt. Die Bilditems sind größer und farbig. Außerdem wurde ihre Position auf der Tafel verändert. Mehrere Reizwörter wurden ersetzt. Zur Vermeidung von Boden- und Deckeneffekten wurde der Test um sehr einfache und schwierige Items ergänzt. Die Vorgabe der Übungsitems ist strukturierter. Zudem enthält das Manual nun eine Vorlage für den Elternbrief und -report (Dunn & Dunn, 2015, S. 19, S. 21, S. 60-65, S. 81, S. 129-132).
 

Gütekriterien

 

Objektivität

Spezifische Angaben zur Objektivität liegen im Manual (Dunn & Dunn, 2015) nicht vor. Objektivität der Durchführung scheint nur gegeben zu sein, wenn sich der Untersucher präzise an die Vorgaben hält.
 

Reliabilität

Die Split-half-Reliabilität (Odd-even-Methode) wurde getrennt für die Altersgruppen und Klassenstufen berechnet. Für die Gesamtskala (nach Alter und Klassenstufe sortiert) ergab sich ein Wert von rtt = .97; für die einzelnen Altersgruppen bewegen sich die Werte zwischen rtt = .93 bis .99 und für die Klassenstufen (Vorschule, 1.-10. Klasse) zwischen rtt = .92 und .99. Für den gesamten Itempool sowie 11 zusammengelegte Itemblöcke wurde Cronbachs Alpha ermittelt. Die Gesamtskala der PPVT-4 erreicht einen Reliabilitätskoeffizienten von Alpha = .87. Für die Itemblöcke variieren die Werte zwischen Alpha = .82 und .95 (Dunn & Dunn, 2015, S. 76-77).
Als Nachweis für die Retestreliabilität wurde in Amerika nach einem Intervall von vier Wochen ein Wert von rtt = .93 erreicht. In Deutschland wurde bisher mit einer Vorform des PPVT-4 die Retestreliabilität berechnet (Suggate, Reese, Lenhard & Schneider, 2014, S. 1401, S. 1404). Die Forscher schätzten die Retestreliabilität nach einem Zeitraum von etwa einem Jahr auf rtt = .84. Eine getrennte Analyse für Kindergarten und Schule zeigte, dass bei den Vorschulkindern der Wert (rtt = .63) geringer ausfällt als bei den Grundschulkindern (rtt = .88).
 

Validität

Der PPVT-4 ist augenscheinvalide. Die amerikanischen Items wurden aus Einträgen des Webster's Dictionary entnommen, die bildlich abbildbar waren. Die deutschen Items wurden an der Universität Leipzig mit den Sprachstatistiken des Projekts "Wortschatz" abgeglichen (Dunn & Dunn, 2015, S. 81).
Der Wortschatz als erworbenes Wissen - gemäß der kristallinen Intelligenz und laut mehrerer Studien - soll in der Kindheit einen hohen Anstieg zeigen, im jungen Erwachsenenalter stetig bleiben und im hohen Alter abnehmen. Die Ergebnisse der Normstichprobe (siehe unter "Normierung") zeigen - natürlich für die Altersspanne 3-16 Jahre - erwartungsgemäß eine steigende Kurve. Ein Vergleich mit der Kurve, die man mit der amerikanischen Stichprobe erhielt, zeigt, dass beide Kurven parallel verlaufen (Dunn & Dunn, 2015, S. 81-82, siehe Abbildung 5.2.).
Als Nachweis für die Kriteriumsvalidität wurden Korrelationsberechnungen mit anderen Testverfahren durchgeführt. Eine Korrelation mit dem Wortschatztest des Wechsler Intelligence Scale for Children - Fourth Edition (Petermann & Petermann, 2011), durchgeführt an 67 Sechst- und Siebtklässlern, ergab nach Auspartialisierung der Altersvariable einen Wert von r = .66. Die amerikanische Originalfassung wurde mit den Verfahren Expressive Vocabulary Test - Second Edition (EVT-2; Williams, 2007), Comprehensive Assessment of Spoken Language (CASL; Carrow-Woolfolk, 1999) und Clinical Evaluation of Language Fundamentals (CELF-4; Semel, Wiig & Secord, 2003) korreliert. Die Koeffizienten variieren zwischen r = .41 und .84. Zur Untersuchung des Zusammenhangs mit der Lesefähigkeit wurde der deutsche PPVT-4 mit dem Leseverständnistest für Erst- bis Sechstklässler (ELFE 1-6; Lenhard & Schneider, 2006) korreliert. So wie die Korrelationsberechnung zwischen der amerikanischen Fassung und dem Group Reading Assessment and Diagnostic Evaluation-Test (GRADE; Williams, 2001) lag der Zusammenhang zwischen dem deutschen PPVT-4 und dem ELFE in ähnlicher Höhe (siehe Tabelle 1).

Tabelle 1
Korrelation (r) des deutschen und amerikanischen PPVT-4 (Dunn & Dunn, 2015) mit anderen Verfahren
-------------------------------------------------- 
PPVT-4
deutsch amerikanisch
--------------------------------------------------
GRADE
Wortschatz - .58
Verstaendnis - .62
Gesamtskala - .63
--------------------------------------------------
ELFE
Wortverstaendnis .68 (.40) -
Satzverstaendnis .65 (.36) -
Textverstaendnis .69 (.46) -
Gesamtskala .70 (.44) -
--------------------------------------------------
Anmerkungen. GRADE = Group Reading Assessment and Diagnostic Evaluation-Test (Williams, 2001). ELFE 1-6 = Leseverständnistest für Erst- bis Sechstklässler (Lenhard & Schneider, 2006). In Klammern stehen die altersbereinigten Korrelationskoeffizienten.

Es wurden gruppenspezifische Untersuchungen mit der Normstichprobe durchgeführt, die allesamt signifikant geworden sind (siehe auch unter "Normierung"): Jungen lösen mehr Items als Mädchen. Kinder mit Migrationshintergrund schneiden signifikant schlechter ab, insbesondere dann, wenn beide Elternteile aus dem Ausland stammten (= eine Standardabweichung unter dem Mittelwert). Bezogen auf die einzelnen Schulformen erzielten Gymnasiasten erwartungsgemäß mehr Punkte als Realschüler, diese wiederum mehr als Haupt- und Gesamtschüler (Dunn & Dunn, 2015, S. 70-71, S. 92). Des Weiteren wurden 35 Schüler mit einer Lernbehinderung untersucht, die durchschnittlich 16.5 Punkte weniger im PPVT-4 erreichten als die Normstichprobe. Der Gruppenunterschied wurde hochsignifikant (p < .001; S. 92).
Im Manual werden Studienergebnisse mit besonderen Personengruppen aus Amerika berichtet (S. 88-91). Die untersuchten Gruppen waren Menschen mit Sprachbehinderung, Sprachentwicklungsverzögerung, Sprachstörung, Hörbehinderung, spezifischer Lesestörung, geistiger Behinderung, Hochbegabung, emotionaler Störung oder Verhaltensstörung und ADHS. Ein Vergleich mit der Normstichprobe weist in allen Gruppen signifikante Unterschiede auf (Dunn & Dunn, 2015, S. 88-89).
 

Normierung

Die Normierung erfolgte von 2013 bis 2014 an einer repräsentativen Stichprobengröße von N = 3 555 Kindergarten- und Schulkindern aus mehreren deutschen Bundesländern (Alter: 2;6-17;11 Jahre, M = 10.43, SD = 3.34; 51% Jungen, 49% Mädchen; Dunn & Dunn, 2015, S. 19, S. 65-66). Es liegen Normen (Prozentrang-, z-, T-Werte mit 90%- und 95%-Konfidenzintervallen) für alle Altersklassen und jeweils mit unterschiedlicher Unterteilung innerhalb einer Altersklasse vor. Für die jüngeren Gruppen (Alter: 3-6 Jahre) liegen differenziertere Normen vor. Trotz eines signifikant gewordenen Geschlechtereffekts (p < .01; Jungen lösen ca. 3 Items mehr als Mädchen) wurde auf eine Trennung der Normen nach Geschlecht verzichtet. Auch im Hinblick auf die Familiensprache wurde ein Effekt gefunden. Kinder mit Migrationshintergrund schneiden signifikant schlechter ab. Bezogen auf die einzelnen Schulformen, haben Gymnasiasten erwartungsgemäß mehr Punkte erzielt als Realschüler, diese wiederum mehr als Haupt- und Gesamtschüler (S. 70-71). Für diese Gruppen liegen keine getrennten Normen vor.
 

Anwendungsmöglichkeiten

Der PPVT-4 wird zur Bewertung des Wortschatzerwerbs eingesetzt. Er kann auch im Schulkontext Einsatz finden, nämlich zur Anpassung der Unterrichtsinhalte an das sprachliche Kompetenzniveau der Kinder, oder im Kindergarten zur Einschätzung der Schulfähigkeit. Es können individuelle Fördermaßnahmen abgeleitet werden. Die Erfassung des Wortschatzes dient auch zur Bewertung von Krankheits- und Unfallfolgen, der umfangreiche Itemsatz zur Diagnose von neurologischen Auffälligkeiten oder Krankheiten (z. B. Zerebralparese). Das reine Bildmaterial kann bei Kindern mit schriftsprachlichen Problemen, sprachproduktiven Auffälligkeiten oder mit Sehschwäche vorteilhaft eingesetzt werden. Als weitere Zielgruppen sind zu nennen Kinder mit Schizophrenie, Autismus oder introvertierte Kinder. Es wird auch empfohlen, den PPVT-4 als Einstiegstest zur Reduktion von Testangst bei größeren Testungen einzusetzen. Nicht zuletzt wird der PPVT als Forschungsinstrument verwendet (Dunn & Dunn, 2015, S. 19, S. 21).
 

Bewertung

Der Peabody Picture Vocabulary Test - 4. Ausgabe ist die deutsche Adaptation des amerikanischen Originalfragebogens von Dunn und Dunn (2007) und erfasst den rezeptiven Hörwortschatz von Kindern im Alter von 3 bis 16 Jahren. Der Test ist an einer repräsentativen Stichprobe normiert und die Normen sind aktuell. Auch ist er ökonomisch in der Durchführung. Die theoretische Grundlage wird allerdings nur sehr kurz beschrieben, der Bezug zu entsprechenden Befunden fehlt. Insgesamt ist festzustellen, dass der PPVT-4 im Hinblick auf Validität, Fairness und Attraktivität verbessert wurde und dass der Wortschatz nun genauer ermittelt wird.
 

Literatur

  • Bondy, L., Cohen, R., Eggert, D. & Lüer, G. (1971). Tafeln zur verkürzten Ausgabe des Peabody Picture Vocabulary Test von Lloyd M. Dunn. Weinheim: Beltz.
  • Carrow-Woolfolk, E. (1999). Comprehensive Assessment of Spoken Language. Circle Pines, MN: American Guidance Service.
  • Dunn, L. M. (1959). Peabody Picture Vocabulary Test. Circle Pines, MN: American Guidance Service.
  • Dunn, L. M. & Dunn, L. M. (2003). Peabody Picture Vocabulary Test. PPVT. Deutschsprachige Fassung des PPVT-III für Jugendliche und Erwachsene: S. Bulheller und H. Häcker. Frankfurt am Main: Swets.
  • Dunn, L. M. & Dunn, D. M. (2015). PPVT-4. Peabody Picture Vocabulary Test - 4. Ausgabe. Amerikanische Originalfassung von Lloyd M. Dunn, PhD & Douglas M. Dunn, PhD. Deutsche Fassung von A. Lenhard, W. Lenhard, R. Segerer & S. Suggate. Frankfurt: Pearson.
  • Eggert, D. (Hrsg.). (1972). Zur Diagnose der Minderbegabung. Ein Handbuch und Textbuch zur Testbatterie für geistig behinderte Kinder TBGB. Weinheim: Beltz.
  • Lenhard, W. & Schneider, W. (2006). ELFE 1-6. Ein Leseverständnistest für Erst- bis Sechstklässler. Göttingen: Hogrefe.
  • McGrew, K. S. (2005). The Cattell-Horn-Carroll theory of cognitive abilities. In D. P. Flanagan & P. L. Harrison (Eds.), Contemporary intellectual assessment: Theories, tests and issues (2nd ed., pp. 136-181). New York: Guilford Press.
  • Merriam Webster's Collegiate Dictionary, eleventh edition. (2003). Springfield, MA: Merriam-Webster.
  • Metsala, J. L. (1999). Young children's phonological awareness and nonword repetition as a function of vocabulary development. Journal of Educational Psychology, 91 (1), 3-19.
  • Petermann, F. & Petermann, U. (Hrsg.). (2011). WISC-IV. Wechsler Intelligence Scale for Children - Fourth Edition. Deutschsprachige Adaptation nach D. Wechsler. Frankfurt: Pearson.
  • Semel, E., Wiig, E. H., & Secord, W. A. (2003). Clinical Evaluation of Language Fundamentals, fourth edition (CELF-4). Toronto, Canada: Harcourt Assessment.
  • Suggate, S., Reese, E., Lenhard, W. & Schneider, W. (2014). The relative contributions of vocabulary, decoding, and phonemic awareness to word reading in English versus German. Reading and Writing, 27, 1395-1412. (DOI:10.1007/s11145-014-9498-z).
  • Webster's New Collegiate Dictionary. (1953). Springfield, MA: Merriam-Webster.
  • Webster's Seventh New Collegiate Dictionary. (1967). Springfield, MA: Merriam-Webster.
  • Webster's Ninth New Collegiate Dictionary. (1981). Springfield, MA: Merriam-Webster.
  • Williams, K. T. (2001). Group Reading Assessment and Diagnostic Evaluation (GRADE). New York: Pearson.
  • Williams, K. T. (2007). Expressive Vocabulary Test, Second Edition. Circle Pines, MN: American Guidance Service.
 

Originalfassung/Anderssprachige Fassungen

  • Dunn, L. M. (1959). Peabody Picture Vocabulary Test. Circle Pines, MN: American Guidance Service.
  • *Dunn, L. M. & Dunn, D. M. (2007). Peabody Picture Vocabulary Test, Fourth Edition. Bloomington, MN: Pearson.
 

Rezensionen

  • Shaughnessy, M. F. (2007). Test Review: Peabody Picture Vocabulary Test-Four. New Mexico Learning Disabilities Association, 1 (1), 12.
 

Bibliographien im Internet

 
 Gülay Karadere (28.11.2016)
 APA-Schlagworte/PSYNDEX Terms:

Classical Test Theory; Item Response Theory; Screening Tests; Pictorial Stimuli; Multiple Choice (Testing Method); Test Norms; Developmental Measures; Naming; Educational Counseling; Vocabulary; Cognitive Ability; Verbal Ability

Klassische Testtheorie; Item-Response-Theorie; Screening Tests; Bild-Stimuli; Multiple-Choice-Methode; Testnormen; Entwicklungstests; Benennen; Bildungsberatung; Vokabular; Kognitive Fähigkeiten; Sprachliche Fähigkeit

 weitere Schlagworte:

1959 (PPVT; englischsprachige Originalversion); 1971 (deutsche Ausgabe); 1997 (PPVT-III); 2003 (deutschsprachige Fassung des PPVT-III); 2007 (englischsprachige 4. Auflage); 2015 (deutschsprachige 4. Auflage); Förderdiagnostik; ab 3 Jahre; bis 17 Jahre; 228 Items; 19 Itemsets; Normierungsjahr: 2014; Normstichprobe: 3555
 Klassifikation:

Persönlichkeitstests; Kognitive Prozesse; Schul- und Bildungsberatung
Wortschatztests; Sonstige Intelligenztests
6.2.3; 2.99
 Anwendungstyp: Educational Diagnosis
 Art der Publikation: Test; Test in Print (90; 911)
 Sprache: German
 Übersetzungen: English
 Land: United States
 Publikationsjahr: 2015
 Änderungsdatum: 201704
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