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Stressverarbeitungsfragebogen für Kinder und Jugendliche (2016)

 PSYNDEX Tests-Dokument: 9007083
 

SVF-KJ (2016) - Stressverarbeitungsfragebogen für Kinder und Jugendliche (2016) (PSYNDEX Tests Review)

 

German Coping Questionnaire for Children and Adolescents (2016 edition)/author

 Hampel, P. & Petermann, F.
 (2016). SVF-KJ. Stressverarbeitungsfragebogen nach Janke und Erdmann angepasst für Kinder und Jugendliche. Unter Mitarbeit von Boris Dickow (2., vollständig überarbeitete und neu normierte Auflage) [Testbox mit Manual, 5 Fragebögen, 5 Auswertungsbögen, 5 Profilbögen situationsspezifisch, 5 Profilbögen situationsübergreifend und Schablonensatz]. Göttingen: Hogrefe.

Preis: 148,00 Euro (Test komplett; Stand: 20.04.2017)

 Bezugsquelle: Testzentrale Hogrefe Verlag GmbH & Co. KG, Herbert-Quandt-Straße 4, D-37081 Göttingen ; E-Mail: testzentrale@hogrefe.de ; URL: http://www.testzentrale.de/ ; Stand: 1.5.2016.
Anmerkung: Eine Computerform ist im Rahmen des Hogrefe TestSystems (HTS) erhältlich.
 Adresse(n): o Prof. Dr. Petra Hampel, Europa-Universität Flensburg, Institut für Gesundheits-, Ernährungs- und Sportwissenschaften, Abteilung Gesundheitspsychologie und bildung, Auf dem Campus 1, D-24943 Flensburg ; E-Mail: petra.hampel@uni-flensburg.de ; URL: https://www.uni-flensburg.de/gesundheitspsychologie-und-gesundheitsbildung/wer-wir-sind/das-team/petra-hampel/ ; Stand: 19.04.2016
o Prof. Dr. Franz Petermann bei PsychAuthors: https://www.zpid.de/psychauthors/index.php?wahl=forschung&uwahl=psychauthors&uuwahl=p00366FP
 WWW-Informationen:
 

Abstract

Diagnostische Zielsetzung:
Mit dem SVF-KJ kann die habituelle Stressverarbeitung im Altersbereich von 8 bis 16 Jahren erfasst werden. Es handelt sich um ein mehrdimensionales Verfahren, das sowohl Risiko- als auch Schutzfaktoren bzw. psychische Ressourcen im Umgang mit Alltagsbelastungen abbildet.


Aufbau:
Der SVF-KJ besteht aus insgesamt 72 Items, die als Satz von zweimal 36 Items mit Bezug auf soziale und schulische Stressoren zu beantworten sind ("Wenn mich andere Kinder unter Druck setzen ... " und "Wenn mich etwas in der Schule unter Druck setzt ... "). Die 36 Items sind neun Subtests à 4 Items zugeordnet, die relevante Stressverarbeitungsstrategien repräsentieren: (1) Bagatellisierung, (2) Ablenkung/Erholung, (3) Situationskontrolle, (4) Positive Selbstinstruktionen, (5) Soziales Unterstützungsbedürfnis, (6) Passive Vermeidung, (7) Gedankliche Weiterbeschäftigung, (8) Resignation, (9) Aggression. Die Subtests (1) bis (5) sind Ausdruck günstiger, die Subtests (6) bis (9) ungünstiger Stressverarbeitungsweisen. Sie können einzeln oder zusammengefasst zu Sekundärtests (Emotionsregulierende Bewältigung, Problemlösende Bewältigung, Negative Stressverarbeitung) und situationsspezifisch oder situationsübergreifend ausgewertet werden.


Grundlagen und Konstruktion:
Der SVF-KJ ist die vollständig überarbeitete und neu normierte Auflage der Erstfassung aus dem Jahr 2001, bei der 4 Items verändert und der Altersbereich auf 8 bis 16 Jahre erweitert wurde. Es handelt sich um die altersgemäße Anpassung des Stressverarbeitungsfragebogens von Janke und Erdmann (Janke, Erdmann & Kallus, 1997). Ziel der Fragebogenentwicklung war es, ein mehrdimensionales Instrument zur Erfassung der individuellen Stressbewältigungskompetenz von Kindern und Jugendlichen zu entwickeln. Wichtige theoretische Grundlagen sind das transaktionale Stresskonzept von Lazarus (Lazarus, 1993; Lazarus & Launier, 1981), das subjektive Bewertungs- und Bewältigungsprozesse betont, sowie das stresstheoretische Konzept von Hobfoll (1989), bei dem Fragen der Ressourcenerhaltung oder -bedrohung im Zentrum stehen. Die Auswahl der neun Substests orientierte sich an empirischen Befunden zur Stressverarbeitung im Kindes- und Jugendalter. Nach der Erprobung von drei Vorformen (mit unterschiedlicher Anzahl von Subtests und Items je Subtest sowie unterschiedlichen Antwortformaten) war die erste Fragebogenfassung entwickelt worden. Für die Zweitauflage wurden aufgrund von Einsatzerfahrungen mit der Erstauflage zwei Items umformuliert, um die Verständlichkeit zu verbessern, ein Item wurde überarbeitet, um es an das veränderte Freizeitverhalten von Kindern und Jugendlichen anzupassen, ein weiteres Item, um die Trennschärfe zu verbessern.


Empirische Prüfung und Gütekriterien:
Reliabilität: Die internen Konsistenzen liegen für die situationsspezifischen Subtests zwischen .66 und .89, für die situationsübergreifenden Subtests zwischen .74 und .92, für die Sekundärtests zwischen .76 und .90 (situationsspezifisch) und zwischen .80 und .92 (situationsübergreifend). Die Retestreliabilitäten nach 6 Wochen liegen für die situationsspezifischen Subtests zwischen .48 und .77, für die situationsübergreifenden Subtests zwischen .62 und .83 sowie für die Sekundärtests zwischen .59 und .78 (situationsspezifisch) und .75 und .81 (situationsübergreifend). Die Profilreliabilität wurde nicht berechnet.
Validität: Die Konstruktvalidität wird durch Interkorrelationen und Faktorenanalysen sowie über Korrelationen mit anderen Fragebogenverfahren (KIDSCREEN-27, FEEL-KJ, HAPEF-K, HiPIC und ESF) belegt. Die kriterienbezogene Validität wurde für die erste Fragebogenfassung anhand verschiedener Kriteriumsvariablen nachgewiesen. Für die Zweitfassung werden keine eigenen Belege zur Kriteriumsvalidität genannt.
Normen: Es liegen nach Geschlecht und Klassenstufe differenzierte Normen (Prozentrangwerte und T-Werte) aus einer Erhebung im Jahr 2015 vor (1 087 Personen).

 

Testkonzept

 

Theoretischer Hintergrund

Der Stressverarbeitungsfragebogen für Kinder und Jugendliche (SVF-KJ; Hampel & Petermann, 2016) erfasst die habituelle Stressverarbeitung im Altersbereich von 8 bis 16 Jahren. Es handelt sich um die altersgerechte Anpassung des Stressverarbeitungsfragebogens nach Janke und Erdmann, der für das Erwachsenenalter entwickelt wurde (SVF; Janke, Erdmann & Kallus, 1997; siehe PSYNDEX Tests-Nr. 9001272). Die erste Auflage des SVF-KJ wurde 2001 veröffentlicht (SVF-KJ; Hampel, Petermann & Dickow, 2001; siehe PSYNDEX Tests-Nr. 9004278). Mit der vorliegenden zweiten Auflage wird eine neu normierte und auf Itemebene leicht modifizierte Fassung vorgelegt.

Zahlreiche Studien zeigen, dass bereits Kinder und Jugendliche Stress erleben und unter psychischen und körperlichen Beanspruchungssymptomen wie Schlafstörungen, Nervosität oder Unwohlsein leiden (z. B. Hampel & Petermann, 2003; Lohaus, 1990; Sharrer & Ryan-Wenger, 2002). Individuelle Unterschiede im Umgang mit belastenden Alltagssituationen spielen schon im Kindes- und Jugendalter eine wichtige Rolle im Stressgeschehen. Ziel der Konstruktion war es, ein Instrument zu entwickeln, mit dem sowohl Defizite als auch Ressourcen in der Stressbewältigungskompetenz erfasst werden können, um frühzeitig Interventionsmaßnahmen einleiten zu können. Das Instrument soll auch der Evaluation von Anti-Stress-Trainings dienen und bei der klinischen Verhaltens- und Psychodiagnostik die Erfassung von psychosozialen Kompetenzen des Kindes oder Jugendlichen ermöglichen (Hampel & Petermann, 2016, S. 9).

Als zentrale theoretische Grundlage dient die Stresskonzeption von Lazarus, bei der kognitive Bewertungsvorgänge eine zentrale Rolle im Belastungs-Beanspruchungs-Geschehen und bei der Stressbewältigung spielen (Lazarus, 1993; Lazarus & Launier, 1981). Des Weiteren werden Überlegungen Hobfolls einbezogen, wonach objektive Umweltvariablen stärker zu berücksichtigen sind und Stress durch den tatsächlichen oder drohenden Verlust von Ressourcen entsteht (Hobfoll, 1989). Schließlich wird die Fähigkeit zur Emotionsregulation als eine wichtige Komponente im Stressgeschehen berücksichtigt (Hampel & Petermann, 2016, S. 14).

Mit Bezug auf empirische Befunde zur Stressverarbeitung im Kindes- und Jugendalter unterscheiden die Autoren günstige, stressvermindernde und ungünstige, stressvermehrende Verarbeitungsformen (vgl. Hampel & Petermann, 2016, S. 29-32). Die günstige Stressverarbeitung kann noch einmal unterschieden werden in eine problemlösende (die Person-Umwelt-Beziehung verändernde) und eine emotionsregulierende (stressbedingten Ärger, Zorn oder Depression regulierende) Form (S. 12). Der ungünstige Umgang mit Stress ist durch die vier Verarbeitungsformen der Vermeidung, gedanklichen Weiterbeschäftigung, Resignation und Aggression gekennzeichnet (S. 32). Für die Entwicklung psychischer und körperlicher Störungen sind die alltäglichen Belastungen vor allem in schulischen Leistungssituationen und bei sozialen Konflikten mit Eltern, Freunden und Geschwistern bedeutsamer als kritische Lebensereignisse (S. 7). Während günstige Stressverarbeitungsweisen einen Schutzfaktor beim Umgang mit solchen Alltagsstressoren darstellen, werden ungünstige kindliche Stressverarbeitungsweisen als Risikofaktoren für die Entwicklung psychischer Störungen diskutiert (zusammenfassend Aldao, Nolen-Hoeksema & Schweizer, 2010).
 

Testaufbau

Der SVF-KJ besteht aus 72 Items. Dabei handelt es sich um einen Satz von 36 Items, die zweimal mit Bezug auf unterschiedliche Stressorbereiche verwendet werden (sozial: "Wenn mich andere Kinder unter Druck setzen ... " und schulisch: "Wenn mich etwas in der Schule unter Druck setzt ... "). Die 36 Items sind neun Subtests (mit je 4 Items) zugeordnet, die relevante Stressverarbeitungsstrategien repräsentieren. Aufgabe des Probanden ist es, auf einer fünfstufigen Skala anzugeben, wie er mit Situationen umgeht, die ihn unter Druck setzen (0 = auf keinen Fall bis 4 = auf jeden Fall). Günstige, stressreduzierende Strategien werden mit fünf, ungünstige, stressvermehrende Strategien mit vier Subtests erfasst.

Günstige Stressverarbeitung (Stressreduktion):
(1) Bagatellisierung (BAG): Die Bedeutung einer unkontrollierbaren Belastung relativieren.
(2) Ablenkung/Erholung (ABL): Sich von unkontrollierbaren Belastungen aktiv ablenken oder passiv erholen.
(3) Situationskontrolle (STK): Kontrollierbare Belastungssituationen analysieren, Problemlösungen planen und umsetzen.
(4) Positive Selbstinstruktionen (POS): Sich Bewältigungskompetenz zusprechen.
(5) Soziales Unterstützungsbedürfnis (SOUB): Sich informationelle Unterstützung bei anderen Personen suchen.

Ungünstige Stressverarbeitung (Stressvermehrung):
(6) Passive Vermeidung (VER): Der Auseinandersetzung mit Belastungen ausweichen.
(7) Gedankliche Weiterbeschäftigung (GED): Gedanklich nicht von der belastenden Situation loskommen, beständig darüber grübeln.
(8) Resignation (RES): Gefühle von Hilflosigkeit oder Hoffnungslosigkeit empfinden.
(9) Aggression (AGG): Gereizt, ärgerlich oder aggressiv reagieren.

Gestützt auf korrelationsstatistische Ergebnisse können die Subtests zu sogenannten Sekundärtests zusammengefasst werden (Hampel & Petermann, 2016, S. 34):

(1) Emotionsregulierende Bewältigung (EMO): Subtests BAG und ABL
(2) Problemlösende Bewältigung (PRB): Subtests STK, POS und SOUB

(3) Negative Stressverarbeitung (NCO): Subtests VER, GED, RES und AGG

Für die günstigen Stressverarbeitungsweisen kann anstelle von EMO und PRB auch ein Sekundärtest Positive Stressverarbeitung (PCO) berechnet werden (Subtests BAG, ABL, STK, POS und SOUB). Das Verhältnis günstiger (EMO und PRB bzw. PCO) zu ungünstiger Stressverarbeitung (NCO) gibt Hinweise auf das Verhältnis von individuellen Stressbewältigungs-Ressourcen und Risikofaktoren und auf einen möglichen Trainingsbedarf (Hampel & Petermann, 2016, S. 48).
 

Auswertungsmodus

Für jedes Item wird mit einer Auswertungsschablone der zugehörige Subtest ermittelt und der Punktwert auf dem Auswertungsbogen für die beiden Stressorbereiche (S1 = andere Kinder, S2 = Schule) eingetragen. Anschließend werden für jeden Stressorbereich die situationsspezifischen Subtestrohwerte summiert (maximal 16 Punkte). Die Sekundärtestwerte können ebenfalls auf dem Auswertungsbogen eingetragen werden (Summe der betreffenden Subtestrohwerte geteilt durch die Anzahl der verwendeten Subtests). Durch Addieren der Subtestrohwerte für S1 und S2 können situationsübergreifende Subtestrohwerte (maximal 32 Punkte) und Sekundärtestrohwerte gebildet werden (Hampel & Petermann, 2016, S. 46).

Für die Rohwerte können anhand von Normtabellen T-Werte und Prozentrangwerte bestimmt und in zwei Profilbögen (situationsspezifisch und situationsübergreifend) eingetragen werden, um das individuelle Stressverarbeitungsmuster zu diagnostizieren. Die Werte können als Zahlen und zusätzlich grafisch eingetragen werden. Bei fehlenden Werten sollte auf eine Auswertung verzichtet werden, wenn mehr als 1 Item pro Subtest nicht oder falsch bearbeitet wurde. Damit ergibt sich als zulässige Obergrenze 9 fehlende Items je Situation bzw. 18 fehlende Items für beide Situationen. Einzelne fehlende Werte können durch den gerundeten Mittelwert der drei verbleibenden Subtest-Items ersetzt werden (Hampel & Petermann, 2016, S. 45).
 

Auswertungshilfen

Als Auswertungshilfen stehen Auswertungsschablonen sowie Auswertungsbögen und Profilbögen zur Verfügung. Als Interpretationshilfen werden Konfidenzintervalle und kritische Differenzen mitgeteilt (Hampel & Petermann, 2016, S. 47).
 

Auswertungszeit

Die Auswertung nimmt ca. 5-10 Minuten in Anspruch.
 

Itembeispiele

Anmerkung: Nachfolgend ist jeweils das trennschärfste Item für die situationsübergreifenden Subtests des SVF-KJ aufgeführt (Hampel & Petermann, 2016, S. 100 ff.; Trennschärfekoeffizienten in Klammern).

Wenn mich andere Kinder unter Druck setzen und ich ganz aufgeregt bin, dann .../
Wenn mich etwas in der Schule unter Druck setzt und ich ganz aufgeregt bin, dann ...
(1) Bagatellisierung: ... sage ich mir: Alles halb so wild! (.66)
(2) Ablenkung: ... mache ich etwas, was mir Spaß macht! (.71)
(3) Situationskontrolle: ... überlege ich, was ich tun kann! (.74)
(4) Positive Selbstinstruktion: ... sage ich mir: Ich kriege das in den Griff! (.76)
(5) Soziales Unterstützungsbedürfnis: ... frage ich jemanden um Rat! (.86)
(6) Passive Vermeidung: ... möchte ich mich am liebsten krank stellen! (.67)
(7) Gedankliche Weiterbeschäftigung: ... kreisen meine Gedanken nur noch um diese Sache! (.83)
(8) Resignation: ... denke ich mir: Es hat sowieso keinen Zweck mehr! (.69)
(9) Aggression: ... kriege ich schlechte Laune! (.64)
 

Durchführung

 

Testformen

Der SVF-KJ kann als Einzel- oder Gruppentest durchgeführt werden. Neben der Papierfassung wird eine Computerfassung im Hogrefe TestSystem (HTS) angeboten.
 

Altersbereiche

Das Verfahren ist für Kinder und Jugendliche von 8 bis 16 Jahren konzipiert.
 

Durchführungszeit

10-25 Minuten, abhängig von Alter und Lesefähigkeit, die Bearbeitung erfolgt ohne Zeitvorgabe.
 

Material

Die Testbox enthält das Manual und das vollständige Testmaterial (fünf Fragebögen, fünf Auswertungsbögen, fünf Profilbögen situationsspezifisch, fünf Profilbögen situationsübergreifend sowie zwei Auswertungsschablonen). Das Verbrauchsmaterial (Fragebögen, Auswertungsbögen und Profilbögen) kann separat bezogen werden. Zusätzlich ist nur Schreibgerät erforderlich. Für die Computerversion sind die entsprechenden Hard- und Softwarevoraussetzungen zu erfüllen.

Materialliste Testbox SVK-KJ (2016) (Stand: 20.04.2016):
- Manual (Artikelnr. 0126002)
- 5 Fragebögen
- 5 Auswertungsbögen
- 5 Profilbögen "Situationsspezifisch"
- 5 Profilbögen "Situationsübergreifend"
- Schablonensatz (Artikelnr. 0126007).
 

Instruktion

Eine standardisierte Instruktion ist wörtlich vorzugeben (Hampel et al, 2016, S. 45).
 

Durchführungsvoraussetzungen

Der Testanwender sollte nach Möglichkeit Erfahrung im Umgang mit Kindern und Jugendlichen haben und sich vor der Durchführung mit den theoretischen Grundlagen des Verfahrens und mit der Instruktion vertraut machen. Die Probanden sollten über ein ausreichend differenziertes Verständnis der deutschen Sprache und über entsprechende Lesefähigkeiten verfügen.
 

Testkonstruktion

Bei der vorliegenden Fassung des SVF-KJ handelt es sich um die zweite vollständig überarbeitete und neu normierte Auflage der Erstfassung aus dem Jahr 2001. In der Überarbeitung wurden vier Items verändert und der Altersbereich von ursprünglich 8 bis 13 Jahre auf 8 bis 16 Jahre erweitert.

Der Test wurde nach den Prinzipien der Klassischen Testtheorie konstruiert. Basis für das Verfahren war der Stressverarbeitungsfragebogen von Janke und Erdmann, der für Erwachsene konzipiert wurde (SVF; Janke et al., 1997; siehe PSYNDEX Tests-Nr. 9001272). Der SVF-KJ wurde als Selbstbeurteilungsverfahren angelegt, weil die Forschung zur klinischen Kinder- und Jugendpsychologie zeigt, dass bei internalisierten Problemen wie Depression oder Angst die Selbstberichte der Kinder valider sind als Fremdbeurteilungen durch Eltern oder Lehrer und dass die kognitiven Fähigkeiten von Kindern ausreichen, um die Problemstellung des Fragebogens zu verstehen (Rossmann & Pichler-Janisch, 1998; Hampel & Petermann, 2016, S. 33). Die neun Subtests des SVF-KJ wurden mit Bezug auf empirische Forschungsergebnisse zur Stressverarbeitung zusammengestellt und repräsentieren die bei Kindern und Jugendlichen besonders relevanten Schutz- und Risikofaktoren im Umgang mit Alltagsbelastungen (Hampel & Petermann, 2016, S. 31 f.).

Anlass für die Entwicklung war, dass die Autoren ein Instrument zur Evaluierung eines von ihnen entwickelten Anti-Stress-Trainings für Kinder und Jugendliche benötigten. Sie entwickelten und erprobten zunächst insgesamt drei Vorformen des SVF-KJ mit unterschiedlicher Anzahl von Subtests (zehn und neun) und Items je Subtest (3 und 4) sowie unterschiedlichen Antwortskalenformaten (Schätzung der Auftrittshäufigkeit vs. Schätzung der Auftrittswahrscheinlichkeit der Stressverarbeitungsmaßnahmen). Aus diesen Vorerprobungen und damit einhergehenden Konsistenz- und Faktorenanalysen resultierte die Version der Erstauflage mit neun Subtests à 4 Items und dem Antwortformat mit Schätzung der Auftrittswahrscheinlichkeit (SVF-KJ, Hampel, Petermann & Dickow, 2001). Diese Merkmale wurden auch für die Zweitauflage beibehalten (siehe unter "Testaufbau").

Aufgrund von Einsatzerfahrungen mit der Erstauflage wurden 4 Items für die Neuauflage modifiziert (Hampel & Petermann, 2016, S. 39). So zeigten sich bei 2 Items des Subtests Aggression zunehmend Verständnisschwierigkeiten der Probanden, weswegen sie umformuliert wurden (erstes Item, alt: "... zanke ich mich schnell mit jemandem, der mir über den Weg läuft!", neu: "... bekomme ich schneller Streit mit jemandem!"; viertes Item, alt: "... nörgel ich an allem herum!", neu: "... habe ich an allem etwas auszusetzen! "). Im Subtest Ablenkung wurde das zweite Item überarbeitet, um es an das veränderte Freizeitverhalten von Kindern und Jugendlichen anzupassen, die immer weniger lesen (alt: "... lese ich etwas, was mir Spaß macht!", neu: "... mache ich etwas, was mir Spaß macht!"). Im Subtest Gedankliche Weiterbeschäftigung wurde ein Item verändert, weil es in einigen Studien eine geringe (korrigierte) Trennschärfe von .26 aufwies (erstes Item, alt: "... fällt es mir schwer, an etwas anderes zu denken!", neu: "... muss ich immer wieder über die Situation nachdenken!"). Die Itemveränderungen wurden an einer Stichprobe von 56 Kindern aus zwei Grundschulen in Schleswig-Holstein (3. Klasse, im Alter zwischen 8 und 11 Jahren) geprüft. Die Kinder bearbeiteten eine Testversion, in der sowohl die vier alten als auch die vier neuen Items enthalten waren. Die teststatistischen Kennwerte der vier neuen Items (korrigierte Trennschärfen und interne Konsistenzen der betroffenen Subtests) waren durchgängig besser als die Werte der alten Items. Vergleichbare Werte ergaben sich für die faktorielle Validität, mit einer leicht verbesserten Zuordnung der neuen Items (Hampel & Petermann, 2016, S. 39).

Im Zuge einer Neunormierung wurden 1 109 Kinder und Jugendliche in Deutschland und Österreich in verschiedenen Bundesländern und an verschiedenen Schulformen untersucht (Hampel & Petermann, 2016, S. 55 f.). Nach Bereinigung der Stichprobe verblieben N = 1 087 Kinder (558 weiblich, 529 männlich, 8 bis 16 Jahre, M = 11.81 Jahre, SD = 1.97 Jahre, Klassen 3 bis 9). Anhand dieser Normierungsstichprobe bzw. Teilen davon wurden auch die Itemkennwerte ermittelt und die psychometrischen Gütekriterien geprüft. Die Kennwerte pro Item und Subtest sind im Anhang des Manuals für die beiden Auswertungsperspektiven situationsspezifisch und situationsübergreifend aufgeführt (S. 100-107). Wenngleich die Interkorrelationen der situationsübergreifenden Subtests bei 10 Subtestpaaren größer .45 waren und damit "klinisch bedeutsam" in der Einschätzung der Autoren, spricht dies ihrer Ansicht nach aber nicht gegen die Eigenständigkeit der Subskalen - mit Ausnahme der Korrelation zwischen den Subtests Situationskontrolle und Positive Selbstinstruktionen (r = .70, p < .001; S. 57 f.). Die Beziehung zwischen den letztgenannten Subtests sei zwar eng, aber nicht so ausgeprägt, dass ihre diskriminante Validität bezweifelt werden müsse (S. 65). Im Fragebogen werden die beiden Subtests entsprechend getrennt geführt und somit neun Subtests unterschieden. Die beiden Sekundärtests Negative Stressverarbeitung und Positive Stressverarbeitung korrelierten mit r = -.35, was die Autoren als Hinweis auf die relative Unabhängigkeit der beiden Dimensionen werten und deshalb von der Berechnung eines Gesamtwertes abraten (S. 59). Die situationsspezifischen Subtests korrelierten so hoch (.60 < = r < = .73), dass sie die Annahme der Situationskonstanz der Stressverarbeitungsdisposition stützen. Eine situationsspezifische Auswertung bleibt dennoch interessant, da die Varianz nicht vollständig aufgeklärt werden konnte (S. 59).

Zur Überprüfung der Faktorenstruktur wurden Hauptkomponentenanalysen mit anschließender Varimaxrotation durchgeführt. Eine Faktorenanalyse mit den situationsübergreifenden Items bestätigte die angenommene Struktur von acht Faktoren weitgehend (67.67% Varianzaufklärung). Wie schon in der ersten Normierungsstudie luden die Variablen der Subtests Situationskontrolle und Positive Selbstinstruktionen auf einem gemeinsamen Faktor. Zwei Items erwiesen sich als faktorunrein (das vierte Item der positiven Selbstinstruktionen mit einer Nebenladung auf dem Bagatellisierungsfaktor sowie das zweite Resignationsitem mit einer bedeutsamen Ladung auf dem Vermeidungsfaktor). Alle weiteren Items konnten eigenständigen Faktoren zugeordnet werden (Hampel & Petermann, 2016, S. 61). Eine weitere Faktorenanalyse auf Subtestebene (situationsübergreifend) ergab eine Dreifaktorenlösung mit 71.53% Varianzaufklärung und bestätigte die Bildung der Sekundärtests Emotionsregulierende Bewältigung, Problemlösende Bewältigung und Negative Stressverarbeitung (S. 62).
 

Gütekriterien

 

Objektivität

Die Durchführungsobjektivität ist durch die schriftliche Instruktion, genaue Angaben im Manual und die Fragebogenform mit geschlossenem Antwortformat gegeben. Auswertungsobjektivität (Schablonen) und Interpretationsobjektivität (Normen und Interpretationshinweise) sind gewährleistet.
 

Reliabilität

Die internen Konsistenzen (Cronbachs Alpha) des SVF-KJ wurden mit den Daten der Normierungsstichprobe berechnet (N = 1 087). Für die situationsspezifischen Subtests liegen die Koeffizienten zwischen .66 und .89, für die situationsübergreifenden Subtests (Summenwerte der Situationen) zwischen .74 und .92 (Hampel & Petermann, 2016, S. 57) und für die Sekundärtests zwischen .76 und .90 (situationsspezifisch) bzw. zwischen .80 und .92 (situationsübergreifend). Die Retestreliabilitäten nach 6 Wochen (n = 116) liegen für die situationsspezifischen Subtests zwischen .48 und .77, für die situationsübergreifenden Subtests zwischen .62 und .83 sowie für die Sekundärtests zwischen .59 und .78 (situationsspezifisch) und .75 und .81 (situationsübergreifend; vgl. Tabelle 1).

Tabelle 1
Interne Konsistenzen (Cronbachs Alpha) und Retestreliabilitäten nach sechs Wochen für die situationsspezifischen und situationsübergreifenden Subtests sowie für die Sekundärtests (N = 1 087, Retest n = 116; Hampel & Petermann, 2016, S. 57)
-------------------------------------------------------------------------------- 
Soziale Schulische Situations-
Subtest Bezugssituation Bezugssituation übergreifend
Alpha Retest Alpha Retest Alpha Retest
--------------------------------------------------------------------------------
- Bagatellisierung .66 .60 .69 .64 .74 .75
- Ablenkung .71 .67 .76 .54 .79 .72
- Situationskontrolle .76 .48 .81 .64 .85 .62
- Positive Selbst-
instruktionen .77 .64 .84 .65 .87 .73
- Soziales Unter-
stuetzungsbeduerfnis .86 .74 .89 .77 .92 .83
- Passive Vermeidung .69 .66 .79 .66 .80 .72
- Gedankliche Weiter-
beschaeftigung .86 .67 .88 .62 .92 .73
- Resignation .70 .67 .79 .68 .82 .73
- Aggression .71 .60 .75 .60 .79 .70
--------------------------------------------------------------------------------
- Positive Stress-
verarbeitung .86 .73 .88 .75 .90 .81
- Emotionsregulierende
Bewaeltigung .74 .70 .76 .59 .80 .75
- Problemloesende
Bewaeltigung .87 .71 .90 .78 .92 .81
- Negative Stress-
verarbeitung .87 .74 .90 .68 .91 .76
--------------------------------------------------------------------------------
Anmerkungen. Emotionsregulierende Bewältigung = Bagatellisierung, Ablenkung; Problemlösende Bewältigung = Situationskontrolle, Positive Selbstinstruktionen, Soziales Unterstützungsbedürfnis; Positive Stressverarbeitung = Subtests der emotionsregulierenden und problemlösenden Bewältigung zusammengefasst; Negative Stressverarbeitung = Passive Vermeidung, Gedankliche Weiterbeschäftigung, Resignation, Aggression.

Die Autoren sehen den SVF-KJ als ein reliables Erhebungsverfahren, besonders bei Verwendung der situationsübergreifenden Subtestwerte. Angesichts der geringen Anzahl von vier Items je Subtest sehen sie auch die internen Konsistenzen der situationsspezifischen Subtests als zufriedenstellend. Die Test-Retestreliabilitäten seien zwar nicht befriedigend, jedoch vergleichbar mit den von anderen Autoren berichteten Reliabilitäten für das Kindes- und Jugendalter (Hampel & Petermann, 2016, S. 65). Die internen Konsistenzen der situationsübergreifenden Subtests (alle über .70) sehen die Autoren als eine gute Grundlage für Aussagen über individuelle Veränderungen. Hingegen sollten Veränderungen bei den situationsspezifischen Subtestwerten in der Einzelfalldiagnostik vorsichtig interpretiert werden, könnten jedoch für Gruppendifferenzen herangezogen werden, weil alle internen Konsistenzen über .50 lagen (S. 64 f.). Die Profilreliabilität wurde nicht berechnet.
 

Validität

Zum Nachweis der Gültigkeit des Verfahrens werden mehrere Belege aufgeführt. Die Konstruktvalidität wurde zum einen anhand von Interkorrelationen der Subtests und Sekundärtests sowie über Faktorenanalysen nachgewiesen (siehe unter "Testkonstruktion"). Zum anderen wurde die diskriminante Validität über Korrelationen mit anderen Fragebogenverfahren geprüft. Hierzu wurden jedoch nur Teile der Normierungsstichprobe einbezogen (Hampel & Petermann, 2016, S. 54). Es fanden sich mittlere Korrelationen mit verwandten, jedoch nicht identischen gesundheitsbezogenen Konstrukten. Facetten der gesundheitsbezogenen Lebensqualität wurden mit dem KIDSCREEN-27 (KIDSCREEN Group Europe, 2006; siehe PSYNDEX Tests-Nr. 9004990) bei n = 634 Kindern und Jugendlichen der 4., 5., 7. und 9. Klasse erfasst: Die schulische Lebensqualität korrelierte moderat positiv mit den situationsübergreifenden Sekundärtest-Kennwerten der Problemlösenden Bewältigung (r = .39, p < .001) und moderat negativ mit der Negativen Stressverarbeitung (r = -.39, p < .001; S. 63 f.). Mit dem Fragebogen zur Erhebung der Emotionsregulation von Kindern und Jugendlichen (FEEL-KJ; Grob & Smolenski, 2009; siehe PSYNDEX Tests-Nr. 9005252) wurden Strategien zur Regulation positiver und negativer Emotionen bei n = 514 Kindern und Jugendlichen der 5., 7. und 9. Klasse erfasst. Die günstigen Stressverarbeitungsstrategien des SVF-KJ korrelierten moderat bis stark positiv mit den adaptiven Strategien des FEEL-KJ (zwischen .47 und .69 für die situationsübergreifenden Sekundärtests Emotionsregulierende Bewältigung und Problemlösende Bewältigung bzw. Positive Stressverarbeitung), die ungünstigen Stressverarbeitungsstrategien korrelierten stark positiv mit den maladaptiven Strategien des FEEL-KJ (zwischen .50 und .56 für den situationsübergreifenden Sekundärtest Negative Stressverarbeitung; S. 64). Die Autoren sehen dieses Zusammenhangsbild als Hinweis auf die ausreichende diskriminante Validität des SVF-KJ gegenüber den Konstrukten der Lebensqualität und Emotionsregulation (S. 66).

Um die Eigenständigkeit des SVF-KJ gegenüber globalen Persönlichkeitskonstrukten zu prüfen, wurden Korrelationen mit weiteren Fragebogendaten ausgewertet: Mit dem Hamburger Persönlichkeitsfragebogen für Kinder (HAPEF-K; Wagner & Baumgärtel, 1978; siehe PSYNDEX Tests-Nr. 9000246) wurden bei 148 Kindern der fünften Klasse die Dimensionen Extraversion, Neurotizismus und Reaktion auf Misserfolg sowie mit der deutschen Version des Hierarchical Personality Inventory for Children (HiPIC; Bleidorn & Ostendorf, 2009) die fünf Dimensionen Neurotizismus, Extraversion, Imagination, Gutmütigkeit und Gewissenhaftigkeit bei 183 Kindern der 7. Klasse erhoben. Es fanden sich moderate Zusammenhänge des situationsübergreifenden Sekundärtests Negative Stressverarbeitung mit den Subtests Neurotizismus (r = .44) und Reaktion auf Misserfolg (r = .40) des HAPEF-K sowie mit dem Subtest Neurotizismus (r = .41) des HiPIC (Hampel & Petermann, 2016, S. 64). Damit sehen die Autoren die Eigenständigkeit des SVF-KJ gegenüber wichtigen Persönlichkeitsdimensionen auch in der zweiten Auflage bestätigt (S. 66). Als weiterer Beleg für die diskriminante Validität wird der fehlende Zusammenhang der kindlichen Stressverarbeitung mit der elterlichen Belastung aufgeführt (S. 64). Diese wurde bei 834 Eltern mit dem Elternstressfragebogen (ESF; Domsch & Lohaus, 2010; siehe PSYNDEX Tests-Nr. 9006319) erhoben.

Zur kriterienbezogenen Validität werden Ergebnisse von Untersuchungen mit der ersten Fragebogenfassung bzw. mit deren Vorformen berichtet (Hampel & Petermann, 2016, S. 9 und S. 66). So konnten die aktuelle Stressverarbeitung und die emotionale Befindlichkeit in realen Leistungssituationen (sportlicher Wettkampf und Mathematikarbeit in der Schule) mit den (wenige Tage vorher bzw. am Vortag erhobenen) Subtestkennwerten der ersten Fassung vorhergesagt werden (zusammenfassend Hampel & Petermann, 2016, S. 66-69; siehe auch PSYNDEX Tests-Nr. 9004278). Als Belege für die Differenzierungsfähigkeit der ersten Version des SVF-KJ nennen die Autoren die Ergebnisse zahlreicher Studien der eigenen Arbeitsgruppe sowie von Arbeitsgruppen anderer Forscher (S. 69 ff.): Es zeigten sich Unterschiede in der Stressverarbeitung zwischen klinischen und nichtklinischen Gruppen sowie in Abhängigkeit von Täter-Opfer-Erfahrungen von Kindern oder Jugendlichen, die mit der jeweiligen Forschungslage konform sind. In einer Reihe von Studien der eigenen Arbeitsgruppe der Autoren wurde die erste Fassung des Stressverarbeitungsfragebogens als Instrument der Wirkungsprüfung von selbstentwickelten Anti-Stress-Trainings zur Primär- und Sekundärprävention für Kinder und Jugendliche eingesetzt (S. 71-75). Hierbei erwies sich der Stressverarbeitungsfragebogen als geeignet, um erwartungsgemäße bzw. aus der Forschungslage ableitbare Veränderungen anzuzeigen. Die Autoren sehen diese Befunde als erste positive Belege für eine Vorhersagevalidität und Änderungssensitivität der ersten Fassung des Stressverarbeitungsfragebogens, die aber noch weiter abgesichert werden sollten (S. 77). Eigene Studien zur kriterienbezogenen Validität der zweiten Version werden nicht genannt.
 

Normierung

Es liegen nach Geschlecht und Schulklassen differenzierte Normen (Prozentrangwerte, T-Werte) aus dem Jahr 2015 vor (N = 1 087, 558 weiblich, 529 männlich, 8-16 Jahre, 23 Schulen mit 125 Klassen in Deutschland und Österreich; 57% Grundschule, 13% Gemeinschaftsschule, 13% Mittelschule, 9% Realgymnasium/Gymnasium, 9% berufsbildende Schule; 20% 3./4. Klasse, 32% 5./6. Klasse, 31% 7./8. Klasse, 17% 9. Klasse; 37% Schleswig-Holstein, 30% Niedersachsen, 33% Steiermark; Hampel & Petermann, 2016, S. 55 und S. 117-141).

In der Akquisephase waren drei weitere Grundschulen in Bremen und sechs in Schleswig-Holstein angesprochen worden, die jedoch eine Teilnahme ablehnten. Die Ablehnungsquote bei der Rekrutierung der Normierungsstichprobe betrug insgesamt 60.76% und war bei den Kindern im Grundschulalter bzw. bei deren Eltern mit 75.27% besonders hoch (S. 55 f.). Eine Angabe zur Einbeziehung der österreichischen Stichprobe wird nicht gemacht.
 

Anwendungsmöglichkeiten

Mit dem SVF-KJ lassen sich Defizite und Ressourcen der Stressverarbeitung von Kindern und Jugendlichen im Alter von 8 bis 16 Jahren untersuchen. Das Verfahren kann sowohl für die Zustands- als auch für die Veränderungsdiagnostik genutzt werden. So liefert das mit dem SVF-KJ gewonnene individuelle Profil der günstigen und ungünstigen Stressverarbeitungsweisen eine Entscheidungsgrundlage für Interventions- und Trainingsmaßnahmen, wobei die Autoren empfehlen, im Dienste einer multimethodischen Perspektive weitere Informationsquellen wie Eltern-Kind-Gespräche oder reaktive Belastungstests hinzuziehen (Hampel & Petermann, 2016, S. 9). Der SVF-KJ kann auch als Evaluationsinstrument zur Einschätzung von Therapieerfolg oder zur Wirkungsprüfung von Anti-Stress-Trainings zum Beispiel im Rahmen von schulischen Präventionsangeboten genutzt werden. Er eignet sich auch als Forschungsinstrument für die Untersuchung stressbezogener Fragestellungen im Rahmen der Entwicklungspsychologie, Differentiellen Psychologie oder Pädagogischen Psychologie. In der klinischen Einzelfalldiagnostik können mit dem SVF-KJ die psychosozialen Ressourcen und Kompetenzen differenziert bestimmt und so die störungsbezogene Verhaltens- und Psychodiagnostik ergänzt werden (S. 9 f.).
 

Bewertung

Der SVF-KJ ist ein ökonomisches und kindgerechtes Verfahren, mit dem sich ein differenziertes Profil individueller Ressourcen und Risikofaktoren im Umgang mit Alltagsbelastungen abbilden lässt. Das Manual enthält eine umfassende Darstellung relevanter Theorien zur Stressbewältigung und gibt dem Leser einen guten Überblick über den Forschungsstand im Erwachsenen- und Kinder- und Jugendbereich. Die Historie der Testkonstruktion wird detailliert dargestellt, einschließlich der Arbeiten zur ersten Fassung, die teststatistischen Kennwerte sind ausführlich und übersichtlich dokumentiert. Löblich ist auch, dass der Test nicht nur neu normiert wurde, sondern auch Itemverbesserungen erfolgten und die Konstruktvalidität erneut überprüft wurde. Zur Kriteriumsvalidierung wird allerdings nur auf Studien mit der ersten Fragebogenfassung verwiesen. Hier wären weitere Untersuchungen insbesondere zur Überprüfung der Vorhersagevalidität des SVF-KJ in der zweiten Fassung wünschenswert. Auf den bestehenden Forschungsbedarf in dieser Hinsicht weisen die Autoren auch selber hin (Hampel & Petermann, 2016, S. 77). Hilfreich für den Testanwender wären auch ausführlichere Interpretationshilfen mit Fallbeispielen für die Individualdiagnostik und Therapieplanung. Der SVF-KJ bietet zweifellos vielfältige Anwendungsmöglichkeiten, zu denen eine zusammenfassende Übersicht bzw. ein eigenes Kapitel hilfreich gewesen wären.
 

Literatur

  • Aldao, A., Nolen-Hoeksema, S. & Schweizer, S. (2010). Emotion-regulation strategies across psychopathology: A meta-analytic review. Clinical Psychology Review, 30, 217-237.
  • Bleidorn, W., & Ostendorf, F. (2009). Ein Big-Five-Inventar für Kinder und Jugendliche: Die deutsche Version des Hierarchical Personality Inventory for Children (HiPIC). Diagnostica, 55 (3), 160-173.
  • Domsch, H. & Lohaus, A. (2010). ESF. Elternstressfragebogen. Göttingen: Hogefe.
  • Grob, A. & Smolenski, C. (2009). FEEL-KJ: Fragebogen zur Erhebung der Emotionsregulation bei Kindern und Jugendlichen (2., ergänzte Auflage). Bern: Huber.
  • Hampel, P. & Petermann, F. (2003). Anti-Stress-Training für Kinder (2., veränderte Auflage). Weinheim: PVU.
  • Hampel, P. & Petermann, F. (2016). SVF-KJ. Stressverarbeitungsfragebogen von Janke und Erdmann angepasst für Kinder und Jugendliche. Unter Mitarbeit von Boris Dickow (2., vollständig überarbeitete und neu normierte Auflage). Göttingen: Hogrefe.
  • Hampel, P., Petermann, F. & Dickow, B. (2001). SVF-KJ. Stressverarbeitungsfragebogen von Janke und Erdmann angepasst für Kinder und Jugendliche. Göttingen: Hogrefe.
  • Hobfoll, S.E. (1989). Conservation of resources: A new attempt at conceptualizing stress. American Psychologist, 44, 513-524.
  • Janke, W., Erdmann, G. & Kallus, W. (1997). Stressverarbeitungsfragebogen (SVF) mit SVF 120. Göttingen: Hogrefe.
  • KIDSCREEN Group Europe. (2006). The KIDSCREEN Questionnaires. Quality of life questionnaires for children and adolescents. Lengerich: Pabst.
  • Lazarus, R.S. (1993). From psychological stress to the emotions: A history of changing outlooks. Annual Review of Psychology, 44, 1-21.
  • Lazarus, R.S. & Launier, R. (1981). Stressbezogene Transaktionen zwischen Person und Umwelt. In J.R. Nitsch (Hrsg.), Stress. Theorien, Untersuchungen, Maßnahmen (S. 213-259). Bern: Huber.
  • Lohaus, A. (1990). Gesundheit und Krankheit aus der Sicht von Kindern. Göttingen: Hogrefe.
  • Rossmann, P. & Pichler-Janisch, P. (1998). Zur Mutter-Kind-Übereinstimmung bei der Beurteilung von Depressivität, Neurotizismus und Extraversion von Kindern mittels DTK und HANES-KJ: Eine Multitrait-Multiinformant-Studie. Diagnostica, 44 (4), 182-188.
  • Sharrer, V.W. & Ryan-Wenger, N.A. (2002). School-age children's stress symptoms. Pediatric Nursing, 28, 21-27.
  • Wagner, H. & Baumgärtel, F. (1978). Hamburger Persönlichkeitsfragebogen für Kinder (HAPEF-K). Göttingen: Hogrefe.
 
 Dörthe Beurer (26.02.2017)
 APA-Schlagworte/PSYNDEX Terms:

Classical Test Theory; Questionnaires; Rating Scales; Subtests; Test Norms; Stress and Coping Measures; Personality Traits; Stress; Stress Reactions; Coping Behavior; Stress Management

Klassische Testtheorie; Fragebögen; Rating-Skalen; Untertests; Testnormen; Stress- und Bewältigungsmaße; Persönlichkeitsmerkmale; Stress; Stressreaktionen; Bewältigungsverhalten; Stressverarbeitung

 weitere Schlagworte:

2001 (1. Auflage); 2016 (2., vollständig überarbeitete und neu normierte Auflage); Hogrefe TestSystem; ab 8 Jahre; bis 16 Jahre; ab 3. Schuljahr; bis 9. Schuljahr; 72 Items; Subtests: 1 Bagatellisierung, 2 Ablenkung/Erholung, 3 Situationskontrolle, 4 Positive Selbstinstruktionen, 5 Soziales Unterstützungsbedürfnis, 6 Passive Vermeidung, 7 Gedankliche Weiterbeschäftigung, 8 Resignation, 9 Aggression; Sekundärtests: 1 Emotionsregulierende Bewältigung, 2 Problemlösende Bewältigung, 3 Negative Stressverarbeitung; Normierungsjahr: 2015; Normstichprobe: 1087
 Klassifikation:

Persönlichkeitstests; Klinische Psychodiagnostik; Persönlichkeitseigenschaften und Persönlichkeitsprozesse; Kognitive Prozesse
Copingskalen und -verfahren
11.19
 Anwendungstyp: Individual Diagnosis
 Art der Publikation: Test; Test in Print (90; 911)
 Sprache: German
 Land: Germany
 Publikationsjahr: 2016
 Änderungsdatum: 201705
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