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Selbstwertinventar für Kinder und Jugendliche

 PSYNDEX Tests-Dokument: 9007085
 

SEKJ - Selbstwertinventar für Kinder und Jugendliche (PSYNDEX Tests Review)

 

Self-Esteem Inventory for Children and Adolescents/author

 Schöne, C. & Stiensmeier-Pelster, J.
 (2016). SEKJ. Selbstwertinventar für Kinder und Jugendliche [Testbox mit Manual, 10 Fragebögen und Schablonensatz]. Göttingen: Hogrefe.

Preis: 99,00 Euro (Test komplett; Stand: 23.8.2017)

 Bezugsquelle: Testzentrale Hogrefe Verlag GmbH & Co. KG, Herbert-Quandt-Straße 4, D-37081 Göttingen ; E-Mail: testzentrale@hogrefe.de ; URL: http://www.testzentrale.de/ ; Stand: 1.11.2017.
 Adresse(n): o Dr. Claudia Schöne, Akademische Rätin, Justus-Liebig-Universität Giessen, Pädagogische Psychologie, Otto-Behaghel-Straße 10F, D-35394 Gießen ; E-Mail: claudia.schoene@psychol.uni-giessen.de ; URL: http://www.uni-giessen.de/cms/fbz/fb06/psychologie/abt/paed-psy/ag-stiens/t/schoene/schoene-1 ; Stand: 29.04.2013
o Prof. Dr. Joachim Stiensmeier-Pelster, Justus-Liebig-Universität Gießen, Fachbereich 06 Pädagogische Psychologie, Otto-Behagel-Straße 10F, D-35394 Giessen ; E-Mail: Joachim.Stiensmeier-Pelster@psychol.uni-giessen.de ; URL: http://www.uni-giessen.de/cms/fbz/fb06/psychologie/abt/paed-psy/ag-stiens/t/h-stiens ; Stand: 27.11.2015
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Abstract

Diagnostische Zielsetzung:
Das SEKJ erfasst den Selbstwert bei Kindern und Jugendlichen im Alter zwischen 10 und 16 Jahren. Ziel ist die präzise Erfassung mehrerer, voneinander unterscheidbarer Selbstwertfacetten. Im Einzelnen erfasst das Verfahren die Facetten Selbstwerthöhe, Selbstwertstabilität und Selbstwertkontingenz.


Aufbau:
Das SEKJ setzt sich aus den drei Fragebogenskalen "Selbstwerthöhe" (SWH), "Selbstwertstabilität" (SWS) und "Selbstwertkontingenz" (SWK) zusammen. Jede dieser Skalen umfasst 10 bis 12 Items, d. h. insgesamt 32 Items. Die einzelnen Items werden auf einer fünfstufigen Likertskala beurteilt, welche von "stimmt gar nicht" und "stimmt eher nicht" über "weder noch" bis zu "stimmt eher" und "stimmt ganz genau" reicht.


Grundlagen und Konstruktion:
Ziel der Testkonstruktion auf der Grundlage der Klassischen Testtheorie war die Entwicklung eines Verfahrens zur Erfassung drei hinreichend voneinander unterscheidbarer Skalen zur Messung der Selbstwertfacetten Selbstwerthöhe, Selbstwertstabilität und Selbstwertkontingenz. Die Items sollten die einzelnen Facetten präzise erfassen und dabei möglichst nicht mit den jeweils anderen konfundiert sein. Darüber hinaus sollte das zu entwickelnde Verfahren ökonomisch einsetzbar sein. Die Testkonstruktion wurde zunächst an einer Stichprobe von N = 490 Schülern der 5. bis 10. Klasse (n = 260 Mädchen, n = 229 Jungen) erprobt. Im Zuge der Prüfung auf Verständlichkeit und zentraler Itemcharakteristika (Trennschärfen) wurden vier Items der ursprünglichen 36 Items entfernt.


Empirische Prüfung und Gütekriterien:
Reliabilität: Zur Berechnung der Reliabilität wurden sowohl die Itemmittelwerte, -standardabweichungen und -trennschärfen als auch die internen Konsistenzen der einzelnen Skalen berechnet. An einer Teilstichprobe der Normierungsstichprobe (n = 145) wurde darüber hinaus auch die Retestreliabilität bestimmt. Die Trennschärfen betragen bei fast allen Items rit > .40. Die internen Konsistenzen (Cronbachs Alpha) liegen zwischen Alpha = .82 (SWK, jüngere Schüler) und Alpha = .90 (SWS, ältere Schüler), die Retestreliabilität (Testintervall: sechs Wochen) zwischen rtt = .70 (SWH, Gesamtschule) und rtt = .80 (SWK, Gymnasium).
Validität: Zur Bestimmung der Validität wurden explorative Faktorenanalysen sowie Korrelationen zum DIKJ, TAI, einer analog zum CERQ erstellten Skala, sowie zum SESSKO durchgeführt. Die Faktorenanalysen ergaben eine stabile Dreifaktorenlösung mit 43.7% bzw. 50.4% Varianzaufklärung für die jüngeren bzw. älteren Schüler. Die Korrelationen zu verwandten und nicht verwandten Verfahren lieferten durchweg erwartungskonforme Ergebnisse.
Normen: Die Normierungsstichprobe umfasst N = 3 121 Kinder und Jugendliche (n = 1 547 Mädchen, n = 1 560 Jungen) aus 31 unterschiedlichen Schulen. Hierbei wurden alle Schulformen (Gymnasien, Haupt-, Real-, Sekundar- und Gesamtschulen) sowie verschiedene Bundesländer (Baden-Württemberg, Brandenburg, Hessen, Niedersachsen, Rheinland-Pfalz, Nordrhein-Westfalen und Sachsen-Anhalt) aus Nord-, Süd-, West- und Ostdeutschland berücksichtigt. Die Erhebungen fanden im Schulhalbjahr 2012/2013 statt, wobei nur Schüler und Schülerinnen der 5. bis 10. Klassenstufe untersucht wurden. Die Normierungsstichprobe kann als repräsentativ für die Schüler und Schülerinnen der untersuchten Altersklassen in Deutschland angesehen werden. Die Normwerte liegen getrennt für Schüler der 5. und 6. Klasse und Schüler der 7. bis 10. Klasse in Form von Prozentrangwerten und T-Werten bzw. T-Wert-Bändern vor.

 

Testkonzept

 

Theoretischer Hintergrund

Das Selbstwertinventar für Kinder und Jugendliche (SEKJ; Schöne & Stiensmeier-Pelster, 2016) erfasst den Selbstwert bei Kindern und Jugendlichen im Alter zwischen 10 und 16 Jahren. Ziel der Testkonstruktion war die Entwicklung eines standardisierten Verfahrens zur präzisen Erfassung mehrerer, voneinander unterscheidbarer Selbstwertfacetten. Im Einzelnen sollte das Verfahren die Facetten Selbstwerthöhe, Selbstwertstabilität und Selbstwertkontingenz erfassen. Die Neuentwicklung des Verfahrens war insofern notwendig, als bislang kein Verfahren vorliegt, welches diese drei Facetten nicht nur abdeckt, sondern auch voneinander abgrenzbar erfasst und zudem für die intendierte Altersgruppe normiert ist.

Selbstwerthöhe: In Anlehnung an z. B. Brown und Marshall (2006), MacDonald und Leary (2012) und Schöne, Dickhäuser, Spinath und Stiensmeier-Pelster (2012) wird das Konstrukt des Selbstwerts im SEKJ in Abgrenzung zum Konzept des Selbstkonzepts gebraucht. Anders als bspw. bei Rosenberg (1965) umfasst das SEKJ damit nicht die affektive und kognitive Repräsentation des Selbst; vielmehr steht hier die emotionale Bewertung und Einschätzung der eigenen Person als Ganzes im Vordergrund des Verfahrens (Schöne & Stiensmeier-Pelster, 2016, S. 10 ff.). Rein kognitive Repräsentationen und bereichsspezifische Bewertungen des Selbstwertes sind hingegen nicht Gegenstand des Verfahrens.

Selbstwertstabilität: Die Stabilität des Selbstwerts wird im SEKJ im Sinne geringer Schwankungen der Selbstwerthöhe im Verlauf der Zeit und eines gefestigten und robusten (vs. unsicheren oder zerbrechlichen) Selbstwerts verstanden. Dabei wird die Stabilität des Selbstwerts über die subjektive Wahrnehmung operationalisiert und definiert, nicht etwa über die Unterschiedlichkeit der Selbstwerthöhe zu verschiedenen Zeitpunkten.

Selbstwertkontingenz: Als Selbstwertkontingenz wird die Abhängigkeit des Selbstwerts vom Erreichen bestimmter selbst- oder fremdgesetzter Standards (z. B. Kompetenz und Leistung, Aussehen, Anerkennung anderer etc.) verstanden. In Anlehnung an den Bereich "Academic Competence" von Crocker und Mitarbeitern (Crocker, Luhtanen, Cooper & Bouvrette, 2003; Crocker & Wolfe, 2001) wird im SEKJ der Bereich "schulische Leistung/Kompetenz" erfasst, da davon ausgegangen werden kann, dass dieser Bereich für Schülerinnen und Schüler von besonders großer Relevanz ist.
 

Testaufbau

Das SEKJ setzt sich aus den drei Fragebogenskalen "Selbstwerthöhe" (SWH), "Selbstwertstabilität" (SWS) und "Selbstwertkontingenz" (SWK) zusammen. Jede dieser Skalen umfasst 10 bis 12 Items, d. h. insgesamt 32 Items. Die einzelnen Items werden auf einer fünfstufigen Likertskala beurteilt, welche von "stimmt gar nicht" und "stimmt eher nicht" über "weder noch" bis zu "stimmt eher" und "stimmt ganz genau" reicht.
(1) Selbstwerthöhe: Die 12 Items der Skala treffen Aussagen über die affektive Evaluation der eigenen Person als mehr oder weniger wertvoll (emotionale Wertschätzung). Dabei beziehen sich die Formulierungen immer implizit oder explizit auf die gesamte Person. Hohe Werte repräsentieren einen hohen Selbstwert.
(2) Selbstwertstabilität: Die 11 Items der Skala thematisieren zum einen die wahrgenommene Fragilität des Selbstwerts und beschreiben zum anderen die wahrgenommene Neigung zu (zeitlichen) Fluktuationen im Selbstwertgefühl. Auch hier repräsentieren hohe Werte eine hohe Stabilität.
(3) Selbstwertkontingenz: Die 13 Items der Skala beziehen sich auf die Abhängigkeit des Selbstwerts in Bezug auf Kompetenzen und Leistungen im schulischen Bereich. Hohe Werte repräsentieren einen unabhängigen, bedingungslosen Selbstwert.
 

Auswertungsmodus

Mithilfe der Auswertungsschablonen werden die Rohwerte der einzelnen Skalen ermittelt, zu einem Skalenrohwert addiert und auf dem Auswertungsbogen auf der Rückseite des Fragebogens notiert. Die Skalenrohwerte werden dann anhand der im Anhang des Testmanuals aufgeführten Normwerttabellen in Prozentränge und T-Werte bzw. T-Wert-Bänder transformiert und im entsprechenden Feld des Auswertungsbogens eingetragen. Darüber hinaus können die T-Werte bzw. T-Wert-Bänder zusätzlich in einem T-Wert-Profil abgebildet werden. Dies erleichtert den Vergleich der Skalenwerte untereinander oder mit Skalenwerten anderer Verfahren.
Wenngleich auf die Auswertung unvollständig bearbeiteter Fragebögen verzichtet werden sollte, liegt im Testmanual eine Formel zur Rohwertkorrektur vor. Diese sollte jedoch nur dann eingesetzt werden, wenn maximal ein Item pro Skala nicht bearbeitet oder nicht eindeutig markiert wurde.
 

Auswertungshilfen

Zur Auswertung der drei Fragebogenskalen liegen drei entsprechende Auswertungsschablonen vor sowie Auswertungshinweise und ein Fallbeispiel (Schöne & Stiensmeier-Pelster, 2016, S. 49-50).
 

Auswertungszeit

Die Auswertungszeit beträgt ca. 5 bis 7 Minuten.
 

Itembeispiele

Anmerkung: Die u. g. Trennschärfen beziehen sich jeweils auf die Gruppe der älteren Schüler der Normierungsstichprobe.
(1) Selbstwerthöhe, Item 9: "Meine Meinung über mich selbst ist sehr positiv." (rit = .79)
(2) Selbstwertstabilität, Item 13: "Mein Selbstwertgefühl gerät irgendwie schnell aus dem Gleichgewicht." (rit = .77)
(3) Selbstwertkontingenz, Item 26: "Mein Selbstwertgefühl wird stark davon beeinflusst, wenn andere merken, dass ich mit einer Aufgabe überfordert bin." (rit = .66)
 

Durchführung

 

Testformen

Das SEKJ kann sowohl im Einzel- als auch im Gruppensetting durchgeführt werden. Parallele oder anderssprachige Testformen existieren keine.
 

Altersbereiche

Das Verfahren eignet sich für Schüler aller altersgemischten Regelschulen, ab der 5. bis zur 10. Klassenstufe. I. d. R. sind dies Kinder zwischen 10 und 16 Jahren.
 

Durchführungszeit

Es müssen ca. 5 bis 10 Minuten für Instruktion und Erläuterungen sowie ca. 13 bis 25 Minuten für die Bearbeitung des Fragebogens veranschlagt werden.
 

Material

Das Testmaterial besteht aus einer Testbox, welche 10 Fragebögen sowie jeweils eine Auswertungsschablone für die drei Fragebogenskalen enthält. Zur Bearbeitung des Fragebogens ist lediglich ein Stift notwendig.

Materialliste Testbox (Stand: 20.04.2016):
- 1 Manual (Artikelnr. 0151302)
- 10 Fragebögen (Artikelnr. 0151303)
- 1 Schablonensatz (Artikelnr. 0151304).
 

Instruktion

Die Instruktionen sind standardisiert und auf den Fragebögen abgedruckt. Bei Verständnisschwierigkeiten können diese auch vom Testleiter vorgelesen bzw. erläutert werden.
 

Durchführungsvoraussetzungen

Vor dem Beginn der Fragebogenbearbeitung sollte der Testleiter sicherstellen, dass die auf dem Fragebogen abgedruckten Instruktionen vollständig gelesen und verstanden wurden. Letzteres kann der Testleiter bspw. durch gezieltes Nachfragen beim Bearbeiten der Beispielitems überprüfen.
Die Durchführung selbst, mindestens aber die Auswertung und Interpretation der Testergebnisse, sollte eine diagnostisch geschulte Person vornehmen.
 

Testkonstruktion

Die Testkonstruktion erfolgte auf der Grundlage der Klassischen Testtheorie und nach dem Prinzip der rationalen Testkonstruktion. Ziel dabei war es, drei hinreichend voneinander unterscheidbare Skalen zur Messung der Selbstwertfacetten Selbstwerthöhe, Selbstwertstabilität und Selbstwertkontingenz zu entwickeln. Die Items sollten die einzelnen Facetten präzise erfassen und dabei möglichst nicht mit den jeweils anderen konfundiert sein. Darüber hinaus sollte das zu entwickelnde Verfahren ökonomisch einsetzbar sein.
Zur Überprüfung der Verständlichkeit der Items wurde die ursprüngliche Testversion mit 36 Items einer Stichprobe von N = 490 Schülern der 5. bis 10. Klasse (n = 260 Mädchen, n = 229 Jungen) zur Bearbeitung vorgelegt. Diese Stichprobe wird im Folgenden als Konstruktionsstichprobe bezeichnet. Die Schüler besuchten verschiedene Schulformen in Baden-Württemberg, Hessen, Nordrhein-Westfalen und Sachsen-Anhalt. Wenngleich die Schüler nur geringe Verständnisschwierigkeiten zeigten, wurden aus Gründen der Testökonomie vier Items aus dem ursprünglichen Itempool entfernt. Dabei handelte es sich um diejenigen Items mit den häufigsten Verständnisschwierigkeiten, welche zudem eine vergleichsweise geringe Trennschärfe aufwiesen. Die Itemmittelwerte liegen für die meisten Items oberhalb des theoretischen Mittelwerts von M = 3 und sind damit leicht in Richtung eines positiven, stabilen und unabhängigen Selbstwerts verschoben. Gleiches gilt für die Skalenmittelwerte und ist sowohl bei der Konstruktions- als auch der Normierungsstichprobe zu beobachten. Die Itemtrennschärfen fast aller Items betragen in beiden Altersgruppen der Konstruktions- und Normierungsstichprobe rit > .40. Bei der Konstruktionsstichprobe weist lediglich ein Item geringere Kennwerte auf (Item 10 bei den jüngeren Schülern und Item 8 bei den älteren), in der Normierungsstichprobe sind es zwei Items bei den jüngeren Schülern (Items 10 und 31) sowie ein Item bei den älteren Schülern (Item 8). Insgesamt fallen die Trennschärfen bei den älteren Schülern etwas höher aus als bei den jüngeren (für die Stichprobenbeschreibung siehe unter "Reliabilität").
Die verbleibenden 32 Items wurden so angeordnet, dass durch deren Bearbeitung ein möglichst geringer Einfluss auf die nachfolgend zu bearbeitenden Items erwartet werden kann. So wurde die Skala SWH vor der Skala SWS und diese wiederum vor der Skala SWK angeordnet (vgl. hierzu z. B. auch Brown & Brown, 2011).
 

Gütekriterien

 

Objektivität

Aufgrund der insgesamt hohen Standardisierung, der einfachen Auswertung, der vorliegenden Normwerte und des Interpretationsbeispiels sind sowohl Durchführungs- und Auswertungs- als auch Interpretationsobjektivität gegeben.
 

Reliabilität

Zur Berechnung der Reliabilität des Verfahrens wurden sowohl die Itemmittelwerte, -standardabweichungen und -trennschärfen als auch die internen Konsistenzen der einzelnen Skalen berechnet. Die Berechnungen erfolgten zunächst auf der Grundlage der Konstruktionsstichprobe (N = 490) und anschließend auf Grundlage der Normierungsstichprobe (N = 3 121), wobei die Kennwertebestimmung jeweils getrennt für Schüler der 5. und 6. Klassenstufe (n = 114 bzw. n = 854) und für Schüler der 7. bis 10. Klassenstufe (n = 376 bzw. n = 2 267) erfolgte. An einer Teilstichprobe der Normierungsstichprobe (n = 145) wurde darüber hinaus auch die Retestreliabilität bestimmt.
Interne Konsistenzen: Die internen Konsistenzen wurden in Form von Cronbachs Alpha bestimmt und unterscheiden sich nur unwesentlich zwischen der Konstruktions- und Normierungsstichprobe. Bei den jüngeren Schülern betragen sie Alpha = .82 bzw. .81 (SWK), Alpha = .83 bzw. .86 (SWS) und Alpha = .84 bzw. .85 (SWK), bei den älteren Schülern Alpha = .87 (SWK), Alpha = .90 (SWS) und Alpha = .87 bzw. .88 (SWH) in der Konstruktions- bzw. Normierungsstichprobe. Betrachtet man die Kennwerte der Normierungsstichprobe getrennt nach den einzelnen Schulformen fällt auf, dass jüngere Kinder aus Haupt- und Sekundarschulen geringere interne Konsistenzen (Alpha = .67) bei der Skala "Selbstwertkontingenz" aufweisen.
Retestreliabilität: Das Testintervall zur Bestimmung der Retestreliabilität betrug sechs Wochen. Bei den Schülern handelte es sich um n = 82 Schüler der 9. Klasse eines Gymnasiums sowie um n = 63 Schüler der 5. und 6. Klasse einer Gesamtschule. Die Kennwerte betragen rtt = .78 bzw. .70 (SWH), rtt = .76 bzw. .70 (SWS) und rtt = .80 bzw. .78 (SWK) für das Gymnasium bzw. die Gesamtschule.
Die Profilreliabilität als Indikator für die separate Interpretation der drei Skalen wurde nicht berechnet und ist aufgrund der hohen Interkorrelationen (Schöne & Stiensmeier-Pelster, 2016, S. 33) vermutlich nicht gegeben.
 

Validität

Zur Bestimmung der Validität des SEKJ wurde die Konstruktvalidität sowohl an der Konstruktions- als auch an der Normierungsstichprobe analysiert. Die Untersuchungen zur Kriteriumsvalidität (diskriminante und konvergente Validität) erfolgten hingegen an verschiedenen Teilstichproben der Normierungsstichprobe.

Konstruktvalidität: Die Konstruktvalidität wurde mittels explorativer Faktorenanalysen (Hauptachsenanalysen mit drei zu extrahierenden Faktoren) und Iteminterkorrelationen ermittelt. Hierbei ergaben die Faktorenanalysen erwartungskonform in beiden Stichproben eine Dreifaktorenlösung. Diese klärte 43.7% bzw. 35% der Gesamtvarianz bei den jüngeren Schülern und 50.4% bzw. 44% der Gesamtvarianz bei den älteren Schülern in der Normierungs- bzw. Konstruktionsstichprobe auf. Während bei der Konstruktionsstichprobe noch sechs Items der jüngeren Schüler auf jeweils zwei Faktoren mit a > .30 luden, waren es bei der Normierungsstichprobe nur noch zwei Items. Bei den älteren Schülern gab es in der Konstruktionsstichprobe lediglich bei einem Item eine Doppelladung, in der Normierungsstichprobe tauchte diese dann gar nicht mehr auf. Die ermittelten Iteminterkorrelationen sind durchgehend signifikant und bilden die theoretisch erwarteten Zusammenhänge der einzelnen Skalen auch empirisch ab. Dementsprechend korrelieren insbesondere die beiden Skalen SWS und SWK (jüngere Schüler: r = .52; ältere Schüler: r =. 55) sowie SWH und SWS (jüngere Schüler: r = .46; ältere Schüler: r =. 57) hoch miteinander. Hingegen korrelieren die Skalen SWH und SWK etwas geringer miteinander (jüngere Schüler: r = .30; ältere Schüler: r =. 37). Dieser Zusammenhang scheint über die Skala SWS vermittelt zu sein; die entsprechende Partialkorrelation ergibt einen deutlich geringeren Zusammenhang in Höhe von r = .08.

Kriteriumsvalidität: Zur Bestimmung der Kriteriumsvalidität bearbeiteten n = 1 981 Kinder und Jugendliche der Normierungsstichprobe zusätzlich zum SEKJ auch das Depressionsinventar für Kinder und Jugendliche (DIKJ; Stiensmeier-Pelster, Braune-Krickau, Schürmann & Duda, 2014) und die beiden Prüfungsangstskalen "Emotionality" und "Worry" des Test Anxiety Inventory (TAI; Hodapp, 1991); n = 81 Kinder und Jugendliche der Normierungsstichprobe bearbeiteten nach einer missglückten Mathematikarbeit eine analog zum Cognitive Emotion Regulation Questionnaire (CERQ; Loch, Hiller & Witthöft, 2011) erstellte Skala; n = 1 833 Kinder und Jugendliche der Normierungsstichprobe bearbeiteten die Skala "Fähigkeitsselbstkonzept - absolut" der Skalen zur Erfassung des schulischen Selbstkonzepts (SESSKO; Schöne et al., 2012). Alle Zusammenhänge spiegelten die theoretisch zu erwarteten Zusammenhänge wider, wobei sich diese besonders deutlich nach Auspartialisierung der jeweils beiden anderen SEKJ-Skalen zeigten. So korrelieren bspw. die beiden Skalen SWH und SWS relativ hoch mit dem DIKJ (r = -.48 bzw. r = -.20, jeweils p < .001), jedoch nur gering mit den beiden Prüfungsangstskalen (r = -.05 bzw. r = -.04, jeweils r > .05). Der Zusammenhang zur CERQ-Skala wurde mit r = -.37 (p < .01) nur für die Skala SWK, nicht aber für die Skala SWH signifikant. Und schließlich zeigte sich mit einer Partialkorrelation von r = .18 (p < .01) nur ein geringer Zusammenhang zwischen SWH und SESSKO.
 

Normierung

Die Normierungsstichprobe umfasst N = 3 121 Kinder und Jugendliche (n = 1 547 Mädchen, n = 1 560 Jungen) aus 31 unterschiedlichen Schulen. Hierbei wurden alle Schulformen (Gymnasien, Haupt-, Real-, Sekundar- und Gesamtschulen) sowie verschiedene Bundesländer (Baden-Württemberg, Brandenburg, Hessen, Niedersachsen, Rheinland-Pfalz, Nordrhein-Westfalen und Sachsen-Anhalt) aus Nord-, Süd-, West- und Ostdeutschland berücksichtigt. Die Erhebungen fanden im Schulhalbjahr 2012/2013 statt, wobei nur Schüler und Schülerinnen der 5. bis 10. Klassenstufe untersucht wurden. Die Normierungsstichprobe kann als repräsentativ für die Schüler und Schülerinnen der untersuchten Altersklassen in Deutschland angesehen werden.
Zur Berechnung der Normwerte wurden die Kennwerte zunächst auf Unterschiede im Hinblick auf Schulform, Geschlecht und Alter untersucht. Dabei zeigte sich, dass sich die mittleren Skalenwerte im Hinblick auf Geschlecht und Alter, nicht jedoch im Hinblick auf die Schulform, signifikant unterscheiden. So zeigen Mädchen einen geringeren, weniger stabilen und stärker von Kompetenz und Leistung abhängigen Selbstwert als Jungen. Dieser sinkt bei den Mädchen zudem mit zunehmendem Alter, während er bei den Jungen weitgehend unverändert bleibt.
Im Anhang des Testmanuals (Schöne & Stiensmeier-Pelster, 2016, S. 55-58) liegen Normwerte in Form von Prozentrangwerten und T-Werten bzw. T-Wert-Bändern, getrennt für Schüler der 5. und 6. Klassenstufe und für Schüler der 7. bis 10. Klassenstufe vor.
 

Anwendungsmöglichkeiten

Das SEKJ kann in pädagogischen und klinischen Settings (z. B. Erziehungsberatung, schulpsychologischer Dienst oder psychotherapeutische Praxis), aber auch in der Forschung eingesetzt werden. Es wird insbesondere beim allgemeinen Verdacht auf Probleme mit dem Selbstwert, klinisch-psychologischen Auffälligkeiten (z. B. affektive Störungen, Aggressionen, Essstörungen, riskantes oder selbstdestruktives Verhalten, Substanzmissbrauch, narzisstische Tendenzen) oder Auffälligkeiten im Lern- und Leistungsverhalten (z. B. Self-handicapping, Prokrastination, übertriebener Perfektionismus, selbstwertdienliche Verzerrungen, Leistungs- und Prüfungsangst, Schwierigkeiten bei der Selbst- und Motivationsregulation, Underachievement) eingesetzt werden. Dabei erlauben die drei unterschiedlichen Selbstwertfacetten des SEKJ zielgerichtete Interventionen. Durch die vorliegenden Normwerte wird darüber hinaus eine wiederholte Bearbeitung des Verfahrens ermöglicht, um z. B. die Wirksamkeit von Intervention abschätzen zu können.
 

Bewertung

Mit dem Selbstwertinventar für Kinder und Jugendliche (SEKJ) liegt erstmals ein standardisiertes und normiertes Verfahren zur Erfassung verschiedener Selbstwertfacetten bei Kindern und Jugendlichen der 5. bis 10. Klassenstufe vor. Anders als bei bislang vorliegenden Instrumenten können die Facetten Selbstwerthöhe, Selbstwertstabilität und Selbstwertkontingenz mit dem SEKJ unabhängig voneinander erfasst und damit gezielt für Interventionen in pädagogischen oder klinisch-psychologischen Settings eingesetzt werden. Dieser Ansatz scheint insofern sehr vielversprechend, da gerade die Facetten der Selbstwertstabilität und Selbstwertkontingenz im Jugendalter besonders anfällig für Veränderungen zu sein scheinen (Erol & Orth, 2011; Schöne & Stiensmeier-Pelster, 2016).
Das Verfahren verfügt über einen insgesamt hohen Objektivierungsgrad und eine hohe Testökonomie. Wenngleich die Reliabilitätskennwerte für beide untersuchte Altersgruppen gut ausfallen, scheinen die einzelnen Selbstwertfacetten bei älteren Schülern zuverlässiger erfasst werden zu können. Hierfür sprechen u. a. die höheren Trennschärfen und internen Konsistenzen. Die Konstruktvalidität ist aufgrund der stabilen Faktorenstruktur als sehr gut zu bewerten. Den Testautoren ist es gelungen, drei empirisch voneinander abgrenzbare Skalen zur Erfassung unterschiedlicher Selbstwertfacetten zu konstruieren. Die bis dato durchgeführten Untersuchungen weisen zudem auf eine gute Kriteriumsvalidität mit erwartungskonformen Zusammenhängen zu verwandten und nicht verwandten Konstrukten hin. Schließlich bieten die ermittelten Normwerte Möglichkeiten zur präzisen Planung und Durchführung von Interventionen im Sinne individualdiagnostischer Zielsetzungen.
 

Literatur

  • Brown, J. D. & Brown, M. A. (2011). Self-reflections and feelings of self-worth: When Rosenberg meets Heisenberg. Journal of Experimental Social Psychology, 47, 1269-1275.
  • Brown, J. D. & Marshall, M. A. (2006). The three faces of self-esteem. In M. Kernies (Ed.), Self-esteem: Issues and answers (pp. 4.9). New York: Psychology Press.
  • Crocker, J., Luhtanen, R. K., Cooper, M. L. & Bouvrette, A. (2003). Contingencies of self-worth in college students: theory and measurement. Journal of Personality and Social Psychology, 85, 894-908.
  • Crocker, J. & Wolfe, C. T. (2001). Contingencies of self-worth. Psychological Review, 108, 593-623.
  • Erol, R. Y. & Orth, U. (2011). Self-esteem development from age 14 to 30 years: a longitudinal study. Journal of Personality and Social Psychology, 101, 607-619
  • Hodapp, V. (1991). Das Prüfungsängstlichkeitsinventar TAI-G: Eine erweiterte und modifizierte Version mit vier Komponenten. Zeitschrift für Pädagogische Psychologie, 5, 121-130.
  • Loch, N., Hiller, W. & Witthöft, M. (2011). Der Cognitive Emotion Regulation Questionnaire (CERQ). Erste teststatistische Überprüfung einer deutschen Adaption. Zeitschrift für Klinische Psychologie und Psychotherapie, 40 (2), 94-106.
  • MacDonald, G. & Leary, M. R. (2012). Individual differences in self-esteem. In M. R. Leary & J. P. Tangney (Eds.), Handbook of self and identity (pp. 354-377). New York: Guilford.
  • Rosenberg, M. (1965). Society and the adolescent self-image. Princeton, NJ: Princeton University Press.
  • Schöne, C., Dickhäuser, O., Spinath, B. & Stiensmeier-Pelster, J. (2012). Skalen zur Erfassung des schulischen Selbstkonzepts - SESSKO (2., überarbeitete und neu normierte Auflage). Göttingen: Hogrefe.
  • Schöne, C. & Stiensmeier-Pelster, J. (2016). SEKJ. Selbstwertinventar für Kinder und Jugendliche. Göttingen: Hogrefe.
  • Stiensmeier-Pelster, J., Braune-Krickau, M., Schürmann, M. & Duda, K. (2014). Depressions-Inventar für Kinder und Jugendliche (DIKJ) (2., überarbeitete und neu normierte Auflage). Göttingen: Hogrefe.

 APA-Schlagworte/PSYNDEX Terms:

Classical Test Theory; Questionnaires; Rating Scales; Personality Measures; Clinical Psychology; School Psychology; Child Psychotherapy; Self-Esteem; Self-Perception; Self-Confidence; Educational Counseling

Klassische Testtheorie; Fragebögen; Rating-Skalen; Persönlichkeitstests; Klinische Psychologie; Schulpsychologie; Kinderpsychotherapie; Selbstwertgefühl; Selbstwahrnehmung; Selbstvertrauen; Bildungsberatung

 weitere Schlagworte:

2016; Selbstbild; ab 10 Jahre; bis 16 Jahre; ab 5. Schuljahr; bis 10. Schuljahr; 32 Items; Subskalen: 1 Selbstwerthöhe, 2 Selbstwertstabilität, 3 Selbstwertkontingenz; Normierungs-/Untersuchungsjahr: 2013; Stichprobe(n): 3121
 Klassifikation:

Persönlichkeitstests; Klinische Psychodiagnostik; Psychosoziale Entwicklung und Persönlichkeitsentwicklung
Selbstkonzept- und Selbstbildskalen
9.9
 Anwendungstyp: Clinical Diagnosis
 Art der Publikation: Test; Test in Print (90; 911)
 Sprache: German
 Land: Germany
 Publikationsjahr: 2016
 Änderungsdatum: 201708
 info@leibniz-psychology.org | © 1996-2018 ZPID