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Skalen zur Erfassung Zyklothymen Erlebens (PSYNDEX Tests Review)

 PSYNDEX Tests-Dokument: 9007104
 

SEZE - Skalen zur Erfassung Zyklothymen Erlebens (PSYNDEX Tests Review)

 

Cyclothymia Experiences Scales/zpid

 Bühler, K.-E. & Wichelmann, A.
 (2016). SEZE. Skalen zur Erfassung Zyklothymen Erlebens [Verfahrensbeschreibung, Fragebogen State-Version, Fragebogen Trait-Version, Tabellen]. In Leibniz-Zentrum für Psychologische Information und Dokumentation (ZPID) (Hrsg.), Elektronisches Testarchiv. (Stand: 1.6.2016).

Online im Internet: https://www.zpid.de/index.php?wahl=products&uwahl=frei&uuwahl=testarchiveintro

 Bezugsquelle: Das Verfahren ist im "Elektronischen Testarchiv" des ZPID enthalten und steht unter der "Creative Commons Namensnennung-NichtKommerziell-KeineBearbeitung 3.0 Unported (CC BY-NC-ND 3.0)"-Lizenz (http://creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/3.0/deed.de); es kann für nichtkommerzielle Forschungs- und Unterrichtszwecke kostenlos eingesetzt werden. ; URL: https://www.zpid.de/index.php?wahl=products&uwahl=frei&uuwahl=userlog ; Stand: 1.5.2016.
 Adresse(n): o Prof. Dr. med. habil. Dr. med. Dipl.-Psych. Karl-Ernst Bühler, Institut für Psychotherapie und Medizinische Psychologie der Julius-Maximilians-Universität Würzburg, Haafstraße 12, D-97082 Würzburg ; E-Mail: karlernstbuehler@gmx.de ; Stand: 5.9.2014
o Alice Christine Wichelmann, Kasernenweg 3, 59494 Soest ; E-Mail: alice_arnhold@web.de ; Stand: 20.4.2016
 

Abstract

Diagnostische Zielsetzung:
Der Fragebogen mit seinen vier State- und fünf Trait-Skalen stellt ein differenziertes Erhebungsinstrument zur mehrdimensionalen Erfassung depressiven Erlebens dar. Er kann im Rahmen der phänomenologischen Syndromatologie neben differentialdiagnostischen und therapeutischen Anwendungsgebieten auch zu Forschungszwecken genutzt werden.


Aufbau:
Der Fragebogen "Skalen zur Erfassung Zyklothymen Erlebens" gliedert sich in zwei Erhebungsverfahren (State- und Trait-Version) auf. Die insgesamt 68 State-Items verteilen sich auf vier Skalen: Depression (20 Items), Hypomanie (20 Items), Körperliche Erschöpfung (acht Items), Agitiertheit (20 Items). Die insgesamt 81 Trait-Items bilden fünf Skalen: Depression (20 Items), Agitiertheit (21 Items), der "Gute Mensch" (sieben Items), Hypomanie (16 Items) und Unsicherheit (selbstunsicher/vermeidend; 17 Items). Jedem Statement sind vier (State) bzw. fünf (Trait) Antwortmöglichkeiten zugeordnet. Für die Testauswertung werden die jeweils symptomatischen Items addiert.


Grundlagen und Konstruktion:
Die Testkonstruktion beruht auf der Klassischen Testtheorie. Im Rahmen der symptomatologischen Klassifikation des depressiven Syndroms steht man einer großen Vielfalt depressiver Symptome gegenüber, die das Fehlen typischer Leitsymptome bedingen kann. Sie können zu Beeinträchtigungen auf unterschiedlichen Ebenen führen, die individuell die Bereiche der Emotion, Kognition, Vegetation, Motivation und Interaktion betreffen können (Hautzinger & Meyer, 2002, S. 15). Zahlreiche Selbstbeurteilungsverfahren versuchen bereits, die individuelle Symptomausprägung zu erfassen. Allerdings berücksichtigen sie jeweils unterschiedliche Ebenen und damit jeweils andere depressive Symptomausprägungen. Mit dem vorliegenden Fragebogen soll ein Inventar geschaffen werden, das die Depression mehrdimensional zu erfassen versucht. Dabei steht neben einem typischen depressiven Grunderleben auch der Prägnanztyp der Antriebsveränderung sowohl im Sinne einer motorischen Komponente als auch als innerer Unruhe bzw. innerer Apathie im Fokus. Zudem werden maniforme Symptome im Rahmen eines zyklothymen Erlebens erfasst. Mit dem Ziel, die symptomatische Gestalt der Depression klarer herauszuarbeiten, sind sowohl State- als auch Trait-Aussagen zur Erfassung aktueller und überdauernder Stimmungen berücksichtigt worden. Ausgangspunkt für die Konstruktion war eine systematisch zusammengestellte Fragesammlung. Die Items entstammten zum einen aus Anamneseschemata der psychiatrischen Praxis. Zum anderen wurden sie breit gefächert der Literatur entnommen. Zwei Primärfragebögen mit 220 (State) und 216 (Trait) Items wurden einer Zufallsstichprobe mit 402 (State) bzw. 853 (Trait) Personen aus einer nicht-klinischen Population vorgelegt. Mittels faktoren- und itemanalytischer Untersuchungen wurden vier (State) bzw. fünf (Trait) Skalen ermittelt, die in der vorliegenden Testform durch die 68 trennschärfsten State- und 81 trennschärfsten Trait-Items erhoben werden.


Empirische Prüfung und Gütekriterien:
Reliabilität: Die Zuverlässigkeit der Skalen wurde mittels Cronbachs Alpha, Spearman-Brown-Koeffizient und Kuder-Richardson erfasst. Die Reliabilitäten können als zuverlässig bezeichnet werden. Mit Ausnahme der dritten Trait-Skala ("Der gute Mensch"), deren Reliabilitätskoeffizienten im Bereich zwischen .73 und .81 liegen, variieren die Werte der anderen Skalen zwischen > .80 und > .90.
Validität: Bisher wurden keine speziellen Validitätsstudien durchgeführt.
Normen: Es liegt eine Transformationstabelle der Skalenrohwerte in Stanine-, T-Werte und Prozentrangwerte vor, berechnet auf der Grundlage der Eichstichproben mit 402 (State) und 853 (Trait) Probanden.

 

Testkonzept

 

Theoretischer Hintergrund

Allgemeiner Überblick
In der Literatur werden verschiedenartige Erscheinungsbilder der Depression beschrieben. Neben den Definitionen der ICD-10 (Dilling, Mombour, Schmidt, 2000) und DSM-IV (Saß, Wittchen & Zaudig, 1996), die die depressive Störung unter einem als prototypisch deklarierten Ansatz klassifizieren, werden unter phänomenologischen Gesichtspunkten eine Vielzahl von depressiven Erscheinungsformen (Subtypen) aufgeführt. Eine Reihe von gängigen Selbsteinschätzungsinventaren versucht bereits die individuellen Symptomausprägungen und die subjektiv erlebte Schwere einer Depression zu erfassen. Sie beruhen jedoch auf unterschiedlichen Auffassungen des Konstrukts Depression und heben mal mehr affektive, mal mehr vegetative oder eher kognitive Merkmale hervor (Stieglitz, 1994, S. 69). In Kenntnis der großen phänomenologischen Vielfalt und individuellen Symptomausprägung wurde ein State-Fragebogen, ein Selbstbeurteilungsinstrument, auf seine depressiven Subsyndrome untersucht. Depressive Erlebnisqualitäten im Rahmen eines zyklothymen Erlebens wurden dabei auf sprachlicher Ebene operationalisiert mit dem Ziel, depressive Beschwerdebilder mehrdimensional zu erfassen. In einem mehrstufigen Entwicklungsprozess wurden zunächst über Faktor- und Clusteranalysen fünf relativ eigenständige Beschwerdebilder bestimmt. Zuletzt konnten über Itemanalysen geeignete Indikatoren der einzelnen Dimensionen ermittelt werden.
Diese fünf Skalen weisen mitunter Parallelen zu den in der Literatur beschriebenen Nominalsyndromen auf. Der erste, statistisch sehr prägnante Faktor bildet ein depressives Grunderleben ab. Er erfasst depressive Komponenten auf emotionaler, kognitiver und motivationaler Ebene. Der zweite Faktor repräsentiert maniforme Symptome im Rahmen eines zyklothymen Erlebens. Der dritte Faktor ist geprägt von einer körperlichen Erschöpfung, die sich auch auf Kognition und Motivation auswirkt. Der vierte Faktor stellt eine Antriebsveränderung im Sinne einer Agitiertheit auf vegetativer und motorischer Ebene dar. Zudem konnte mit dem fünften Faktor "Flucht aus der Wirklichkeit" ein neues depressives Zustandsbild repräsentiert werden.
Einzelne Faktoren wie der dritte Faktor "Erschöpfung" sowie der vierte Faktor "Agitiertheit" lassen Vergleiche mit anderen psychopathologischen Phänomenen wie dem Burn-out-Syndrom und dem ADHS zu.
Zusammenfassend kann die Depression als ein Symptomspektrum mit individueller Akzentuierung einzelner psychopathologischer Merkmale beschrieben werden. Es stellt einen groben Orientierungsrahmen zur Beschreibung depressiver Erscheinungsformen dar. Basierend auf dieser Annahme wurde zum weiteren Vergleich ein zweiter Depressions-Fragebogen entwickelt. Dieser bildet im Gegensatz zum State-Fragebogen keine Momentaufnahme einer depressiven Erlebnisschilderung ab. Als Trait-Fragebogen enthält dieser Items, die das situationsunabhängige Allgemeinbefinden beschreiben. Drei der insgesamt sechs mittels einer Faktorenanalyse extrahierten Faktoren weisen Parallelen zu den State-Faktoren auf.

Der Fragebogen
Der Fragebogen "Skalen zur Erfassung Zyklothymen Erlebens" (SEZE) dient der mehrdimensionalen Erfassung zyklothymer Symptommuster. Dabei wird einerseits der depressive Ist-Zustand (State) im Sinne einer Momentaufnahme und andererseits das situationsunabhängige Allgemeinbefinden (Trait) analysiert. Während sich die Klassifikationssysteme ICD-10 und DSM-IV operationalisierter Kriterien bedienen und einen polythetischen Ansatz verfolgen (Stieglitz & Freyberger, 2012, S. 44), der Patienten trotz eines heterogenen, depressiven Erscheinungsbildes unter der gleichen Diagnose zusammenfasst, versucht der vorliegende Fragebogen im Rahmen der phänomenologischen Syndromatologie die große Vielfalt depressiver Äquivalente als individuelle Beeinträchtigungen auf verschiedenen Funktionsebenen aufzuzeigen. Neben der Erfassung von Antriebsveränderungen und typischen depressiven Merkmalskomplexen, die als ein Grunderleben der Depression zu werten sind, werden auch hypomane Aspekte im Rahmen zyklothymen Erlebens abgebildet.
 

Testaufbau

Das Instrument, bestehend aus zwei Erhebungsverfahren (State und Trait), ist ein Papier-Bleistift-Test. Um die Beantwortung möglichst individuell zu gestalten, enthält jede Feststellung vier (State) bzw. fünf (Trait) Antwortmöglichkeiten. Dabei sind jeweils zwei Pole, die Zahlen 1 und 4 bzw. 1 und 5 vorgegeben, zwischen denen die Zahlen 2 und 3 bzw. 2, 3 und 4 stehen. Die Zahlen haben folgende Bedeutung:
---------------------------------------------------------------------- 
1 = Trifft ueberhaupt nicht zu 1 = Trifft überhaupt nicht zu
2 = Trifft wenig zu 2 = Trifft wenig zu
3 = Trifft ziemlich genau zu 3 = Teils trifft es zu, teils nicht
4 = Trifft sehr genau zu 4 = Trifft ziemlich genau zu
5 = Trifft sehr genau zu
----------------------------------------------------------------------
Am Ende des Fragebogens werden soziodemographische Daten erfragt.

Den insgesamt 68 State-Items sind vier Auswertungsskalen zugeordnet:
Skala-1 "Depression": 20 Items, die Aspekte der Melancholie, Freudlosigkeit sowie Insuffizienzgefühle und soziale Rückzugsgedanken abbilden.
Skala-2 "Hypomanie": 20 Items, die durch eine euphorische Grundstimmung charakterisiert sind. Sie thematisieren ein Gefühl des Wohlbefindens sowie eine gesteigerte Aktivität und kognitive Leistungsfähigkeit.
Skala-3 "Körperliche Erschöpfung": acht Items, die eine bleierne Müdigkeit mit Abbau der kognitiven Leistungsfähigkeit und Motivation beschreiben.
Skala-4 "Agitiertheit": 20 Items, die Zeichen einer motorischen und inneren Unruhe sowie Beschreibungen von Affektregulationsstörungen aufweisen.

Den insgesamt 81 Trait-Items sind fünf Auswertungsskalen zugeordnet:
Skala-1 "Depression": 20 Items, die neben Melancholie, Freudlosigkeit und Insuffizienzgefühlen (siehe Skala-1 der State-Items) auch ein ängstliches Temperament beschreiben.
Skala-2 "Agitiertheit": 21 Items, die Streitsucht, Jähzorn und Geringschätzung thematisieren.
Skala-3 "Der gute Mensch": sieben Items, die neben Fürsorglichkeit und Hilfsbereitschaft auch Aspekte von Daseinsfreude und Zuversicht abbilden.
Skala-4 "Hypomanie": 16 Items, die einerseits eine euphorische Grundstimmung beschreiben. Diese ist geprägt sowohl durch eine expansive Gefühlslage als auch durch ein Gefühl der Vitalität und Lebenskraft. Andererseits zeigt sich auf dieser Skala ein Aktivitätsüberschuss, der mit vermehrtem Tatendrang, Risikofreude und Begeisterungsfähigkeit einhergeht.
Skala-5 "Unsicherheit"/"selbstunsicher/vermeidend": 17 Items, die eine konfliktscheue Persönlichkeitsstruktur mit mangelndem Selbstbewusstsein und sozialphobischen Zügen beschreiben.
 

Auswertungsmodus

Zur Auswertung werden pro Antwort je nach dem Grad der angegebenen Zustimmung Punkte zwischen 1 und 4 (State) bzw. 1 und 5 (Trait) vergeben. Diese Punktwerte, d. h. die symptomatisch beantworteten Items, werden für jede Skala addiert. Die so gewonnenen Skalenrohwerte können anhand von Transformationstabellen in T-Werte, Stanine und Prozentrangwerte umgerechnet werden.
 

Auswertungshilfen

Als Auswertungshilfen liegen Normtabellen zur Verfügung. Auswertungsschablonen o. ä. sind nicht erforderlich.
 

Auswertungszeit

Die Auswertung pro Fall beansprucht ca. 30 Minuten.
 

Itembeispiele

Anmerkung: Wiedergegeben wird jeweils das trennschärfste Item einer jeden Skala.
State:
Skala-1: "Ich fühle mich wie in einer Sackgasse, in der es nicht mehr weiter geht."
Skala-2: "Mir geht es blendend."
Skala-3: "Ich fühle mich ständig müde."
Skala-4: "Ich explodiere gegenwärtig schnell."

Trait:
Skala-1: "Alles erscheint mir oftmals so grau und leer."
Skala-2: "Viele Sachen bringen mich auf die Palme."
Skala-3: "Ich bin anderen gerne behilflich."
Skala-4: "Manchmal fühle ich mich wie im siebten Himmel."
Skala-5: "Meist bin ich sehr unsicher und lasse mich lieber von anderen beraten und leiten."
 

Alle Items

Anmerkung: Mit UP sind Items mit negativer Ladung angegeben. Sie müssen bei der Auswertung umgepolt erfasst werden. Die zugehörigen Itemkennwerte (Trennschärfe, korrigierte Trennschärfe, Ladung in der Faktoranalyse, Kommunalität in der Faktoranalyse) sind in einer separaten Tabellendatei im Elektronischen Testarchiv des ZPID enthalten (https://www.zpid.de/index.php?wahl=products&uwahl=frei&uuwahl=testarchiveintro).

State-Items:
Skala-1: "Depressivität"
01 Zur Zeit ist das Leben für mich eine Qual.
02 Mir kommt alles so sinnlos vor.
03 Dauernd verfolgen mich düstere Gedanken.
04 Ich fühle mich wie in einer Sackgasse, in der es nicht mehr weiter geht.
05 Augenblicklich fühle ich mich einfach miserabel.
06 Ich fühle mich elend und bedrückt.
07 Ich komme mir innerlich wie versteinert vor.
08 Ich bin zur Zeit richtig trübsinnig.
09 Ich bin völlig ratlos.
10 Alles ist so trist zur Zeit.
11 Ich bin so unglücklich.
12 Ich habe jetzt oft das Gefühl, die Welt bricht über mir zusammen.
13 Ich bin völlig verzweifelt.
14 Ich komme mir vor wie innerlich abgestorben.
15 Ich bin jetzt oft entmutigt.
16 Mir steht das Wasser bis zum Hals.
17 Momentan würde ich mich am liebsten in ein Mauseloch verkriechen.
18 Ich weiß nicht mehr ein noch aus.
19 Mir wächst gegenwärtig alles über den Kopf und überwältigt mich.
20 Mir hängt alles zum Hals heraus.

Skala-2: "Hypomanie"
01 Ich bin froh.
02 Ich bin zur Zeit ausgeglichen.
03 Ich bin voller Energie und Tatendrang.
04 Ich erreiche gegenwärtig mühelos gute Leistungen.
05 Die Arbeit geht zur Zeit mühelos.
06 Gegenwärtig sprühe ich nur so vor Ideen.
07 Gegenwärtig geht mir alles leicht von der Hand.
08 Mir geht es ausgezeichnet.
09 Gegenwärtig bin ich richtig agil.
10 Momentan bin ich meist heiter gestimmt.
11 Zur Zeit bin ich sehr schwungvoll.
12 Mir geht es blendend.
13 Ich bin guter Dinge.
14 Ich fühle mich mit der Welt in Einklang.
15 Gegenwärtig könnte ich Bäume ausreißen.
16 Ich könnte in die Luft springen vor Freude.
17 Ich bin zur Zeit oft richtig ausgelassen.
18 Ich bin jetzt ganz zufrieden mit mir.
19 Zur Zeit lebe ich unbeschwert.
20 Ich bin ganz locker.

Skala-3: "Körperliche Erschöpfung" 01 Ich werde zur Zeit schnell müde.
02 Ich würde am liebsten den ganzen Tag schlafen.
03 Ich fühle mich ständig müde.
04 Ich fühle mich augenblicklich todmüde.
05 Ich muss mich zur Zeit zur Arbeit zwingen.
06 Ich bin jetzt irgendwie lahm und schlapp.
07 Ich kann so klar denken wie immer. (UP)
08 Ich bin richtig schläfrig.

Skala-4: "Agitiertheit"
01 Ich bin jetzt zappelig.
02 Ich bin momentan ziemlich überreizt.
03 Ich habe das Gefühl zu ersticken.
04 Ich bin momentan stark reizbar.
05 Ich kann beim besten Willen nicht abschalten.
06 Ich fühle mich innerlich unruhig und aufgewühlt.
07 Augenblicklich verliere ich leicht die Kontrolle über mich, wenn mich eine Sache aufregt.
08 Ich bin aufgebracht.
09 Ich bin zur Zeit so ruhelos, dass ich nicht lange stillsitzen kann.
10 Ich bin jetzt stinksauer.
11 Ich bin ziemlich wütend.
12 Ich bin jetzt rasch zornig.
13 Ich koche jetzt innerlich.
14 Ich bin neuerdings leicht nervös.
15 Ich bin gegenwärtig leicht erregbar.
16 Ich explodiere gegenwärtig schnell.
17 Ich gehe jetzt schnell vor Wut in die Luft.
18 Ich fühle mich momentan wie ein Pulverfass kurz vor der Explosion.
19 Ich fahre jetzt schnell aus der Haut.
20 Neuerdings bin ich richtig bissig.

Trait-Items:
Den insgesamt 81 Trait-Items sind fünf Auswertungsskalen zugeordnet (UP = Items mit negativer Ladung, die bei der Auswertung umgepolt werden müssen).

Skala-1: "Depressivität"
01 Oft weiß ich nicht mehr ein noch aus.
02 Mir kommt alles oft so trostlos vor.
03 Das Leben erscheint mir oft schwarz und grau.
04 Mir ist nicht selten zum Weinen zumute.
05 In vielen Situationen fühle ich mich unwohl und ängstlich.
06 Meist steht mir das Wasser bis zum Hals.
07 Meist ist mir alles zu viel.
08 Immer wieder krampft sich in mir alles zusammen.
09 Nicht selten steht mir alles bis zum Hals.
10 Mitunter beschleicht mich ein grauenhaftes Gefühl und ich bin wie versteinert.
11 Ich fühle mich des Öfteren zurückgestoßen und verlassen.
12 Vielfach scheint es mir, dass mein Leben sinnlos vertan.
13 Oft lastet die Situation wie ein Alp auf mir.
14 An vielen Tagen habe ich das Gefühl, die Welt bricht über mir zusammen.
15 Alles erscheint mir oftmals so grau und leer.
16 Oft will ich die Flinte ins Korn werfen.
17 An vielen Tagen fühle ich mich niedergeschlagen und weiß nicht warum.
18 Vor lauter Furcht wage ich oft nicht zu handeln.
19 Oft fühle ich mich so bedrückt.
20 Mitunter habe ich einen Kloß im Hals.

Skala-2: "Agitiertheit"
01 Wenn ich jemanden nicht ausstehen kann, bin ich meist ziemlich verletzend.
02 Manchmal könnte ich Gift und Galle spucken.
03 Ich könnte des Öfteren in die Luft gehen.
04 Über manche Leute rümpfe ich öfters die Nase.
05 Manche Menschen würdige ich keines Wortes.
06 Von Zeit zu Zeit mache ich anderen die Hölle heiß.
07 Zuweilen begegne ich anderen mit beißendem Hohn.
08 Im Allgemeinen bin ich leicht aufbrausend.
09 Auch in weniger wichtigen Angelegenheiten heize ich anderen mitunter tüchtig ein.
10 Nicht selten liege ich im Streit mit meiner Umgebung.
11 Es gibt Menschen, bei denen stört mich jede Kleinigkeit.
12 Es gibt Vorfälle, bei denen kann ich unversöhnlich werden.
13 Des Öfteren platzt mir der Kragen.
14 An den meisten Menschen finde ich etwas auszusetzen.
15 Viele Sachen bringen mich auf die Palme.
16 Es fällt mir schwer, gewissen Leuten die Hand zu geben.
17 Meine Heftigkeit hat mir schon manchen Streich gespielt.
18 Nicht selten versalze ich anderen die Suppe.
19 Wenn ich jemanden nicht leiden kann, dann kann ich nur schwer meine Haltung ändern.
20 Bestimmte Menschen kann ich einfach nicht mehr riechen.
21 Manchmal packt mich die kalte Wut und ich sage Dinge, die ich später lieber nicht gesagt hätte.

Skala-3: "Soziabilität"
01 Häufig spreche ich anderen Mut zu und tröste sie.
02 Wenn ich jemanden gern habe, so kann ich es dieser Person im Allgemeinen auch zeigen.
03 Schon das kleinste Ding kann für mich Anlass zur Freude sein.
04 Ich bin oft guter Dinge.
05 Immer wieder stehe ich anderen zur Seite.
06 Oft freue ich mich schon auf den nächsten Tag.
07 Ich bin anderen gerne behilflich.

Skala-4: "Hypomanie" 01 Manche Dinge begeistern mich so, dass ich ganz hingerissen bin.
02 Es kommt nicht selten vor, dass ich für jemanden Feuer und Flamme bin.
03 Auch bei kleinen Anlässen kann ich richtig ausgelassen sein.
04 Von Zeit zu Zeit schlage ich so richtig über die Stränge.
05 Manchmal ist mir schwindelig vor Glück.
06 Ich bin öfters wie aufgekratzt.
07 Nicht selten fühle ich mich leicht und beschwingt, dass ich das Gefühl habe davonzuschweben.
08 Häufig könnte ich die ganze Welt umarmen.
09 Es gibt Anlässe da möchte ich in die Luft springen.
10 Manchmal geht es so richtig rund bei mir.
11 Ich kann sehr stürmisch und leidenschaftlich sein.
12 Manchmal fühle ich mich wie im siebten Himmel.
13 Oftmals könnte ich richtig Bäume ausreißen.
14 Manchmal bin ich ganz aus dem Häuschen vor Freude.
15 Häufig ist mir danach etwas Aufregendes zu erleben.
16 Es brennt oft eine innere Glut in mir.

Skala-5: "Unsicherheit"
01 Mir ist es lieber, wenn ein anderer die Verantwortung trägt und ich nur ausführe.
02 Wenn mir jemand das Wort abschneidet, dann lasse ich mir das meist gefallen.
03 Meist bin ich sehr unsicher und lasse mich lieber von anderen beraten und leiten.
04 Offenen Widerstand scheue ich im Allgemeinen.
05 Nur im engsten Kreis kann ich meinem Ärger wirklich Luft machen.
06 Im Allgemeinen fresse ich die Dinge in mich hinein.
07 Ich habe Schwierigkeiten, wenn ich vor einem größeren Kreis sprechen muss.
08 Größtenteils fehlt mir ein gewisser Schneid.
09 Ich setze mich für gewöhnlich auch gegen Widerstände durch. (UP)
10 Mut und Durchsetzungsvermögen waren noch nie meine Stärke.
11 Es kommt immer wieder vor, dass ich mich über etwas ärgere und mich nicht getraue dies auszudrücken.
12 Auf keinen Fall möchte ich mich bei anderen unbeliebt machen.
13 Vor manchen Terminen bin ich schon stundenlang vorher ganz aufgeregt.
14 Es ist mir ganz lieb, wenn andere in schwierigen Lagen den Anfang machen.
15 Wenn ich mich allein einer Sache stellen muss, beschleicht mich oft das Gefühl zu unterliegen.
16 Gegenüber Autoritäten fühle ich mich rasch unsicher.
17 Ich richte mich öfters nach anderen, auch wenn mir dies eigentlich zuwider ist.
 

Durchführung

 

Testformen

Es gibt nur eine Testform für Einzel- und Gruppentests. Parallelformen liegen nicht vor.
 

Altersbereiche

Das Verfahren eignet sich für ältere Jugendliche und Erwachsene.
 

Durchführungszeit

Die Durchführungszeit der beiden Erhebungsbögen wird mit ca. 40 Minuten angegeben.
 

Material

Für die Testpersonen werden lediglich Fragebögen (= Verbrauchsmaterial) und Schreibgerät benötigt, für die Auswertung zusätzlich Schablonen und Normtabellen.
 

Instruktion

Den Fragebögen sind eine standardisierte, schriftliche Instruktion und ein Beispielitem vorangestellt. Die Testperson wird aufgefordert, sich frei und unbefangen zu den verschiedenen Befindlichkeitsschilderungen zu äußern. Die Erklärung zur Testdurchführung endet mit der Beantwortung eines Items zur Klärung des Verständnisses.

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Anleitung State-Fragebogen:
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Im Folgenden finden Sie einige Angaben, die Ihre Meinung und Interessen betreffen, sowie persönliche Angaben über Ihre Befindlichkeit und Person.
- Jeder Mensch hat seine eigenen Ansichten und Auffassungen über sich und sein Leben, es gibt also keine richtigen und keine falschen Antworten.
- Sie können sich frei und unbefangen äußern, Ihre Angaben werden streng vertraulich behandelt.
- Die Beantwortung ist natürlich nur dann sinnvoll, wenn Sie nach bestem Wissen antworten. Überlegen Sie also bitte nicht erst, welche Antwort wohl den "besten Eindruck" macht, sondern antworten Sie so, wie es Ihrer Meinung nach zutrifft.
- Sie sollten sich nicht an einzelnen Fragen festbeißen, sondern die Antwort geben, welche Ihnen zuerst in den Sinn kommt.
- Durch mehrere Antwortmöglichkeiten haben wir versucht, die Beantwortung möglichst individuell zu gestalten. Aber auch dies hat Grenzen. Es wird daher wohl einige Fragen geben, deren Beantwortung für Sie nicht ganz einfach sein wird. Kreuzen Sie trotzdem bitte immer eine Antwort an, die am ehesten bei Ihnen zutrifft.
Zu den Antwortmöglichkeiten:
- Es sind zwei Pole, die Zahlen "1" und "4", vorgegeben, zwischen denen die Zahlen "2" und "3" stehen. Sie sollen entscheiden, wie stark die jeweilige Aussage auf Sie zutrifft und die entsprechende Zahl ankreuzen.
Dabei haben die Zahlen folgende Bedeutungen:
1 = Trifft überhaupt nicht zu
2 = Trifft wenig zu
3 = Trifft ziemlich genau zu
4 = Trifft sehr genau zu

Beispiel:
Häufig könnte ich die ganze Welt umarmen.
1 X 3 4
Im Beispiel ist die "2" angekreuzt, das heißt in Worten: "Es kommt selten vor, dass ich die ganze Welt umarmen könnte."
Falls Sie sich beim Ankreuzen geirrt haben, machen Sie bitte einen Kreis um die nicht gültige Antwort und kreuzen Sie dann die zutreffende Antwort in der üblichen Weise an, wie im obigen Beispiel.
Bitte setzen Sie Ihre Markierung auf die Zahlen und nicht in die Zwischenräume.
Bevor Sie nun beginnen, die folgende Auskunft:
"Ich habe die Anweisung verstanden und bin entschlossen offen zu antworten."
O Ja O Nein

---------------------------------------------
Anleitung Trait-Fragebogen (Ausgangsfassung):
---------------------------------------------
Hier sind zwei Pole, die Zahlen "1" und "5" vorgegeben, zwischen denen die Zahlen "2", "3" und "4" stehen. Sie sollen entscheiden, wie stark die jeweilige Aussage auf Sie zutrifft und die entsprechende Zahl ankreuzen.
Im folgenden Beispiel sind die Pole "1 = Trifft überhaupt nicht zu" und "5 = Trifft sehr genau zu" vorgegeben. Die Zahl "2" bedeutet "Trifft wenig zu", die Zahl "3" "Teils trifft es zu, teils nicht" und die "4" "Trifft ziemlich genau zu".
Beispiel:
1 = Trifft überhaupt nicht zu
5 = Trifft sehr genau zu
Häufig könnte ich die ganze Welt umarmen.
1 X 3 4 5
Im Beispiel ist die "2" angekreuzt, das heißt in Worten: "Es kommt selten vor, dass ich die ganze Welt umarmen könnte."
Falls Sie sich beim Ankreuzen geirrt haben, machen Sie bitte einen Kreis um die nicht gültige Antwort und kreuzen Sie dann die zutreffende Antwort in der üblichen Weise an, wie in obigem Beispiel.
Setzen Sie Ihre Markierung auf die Zahlen und nicht in die Zwischenräume.
Es wird Aussagen geben, deren Beantwortung Ihnen nicht leicht fallen wird.
Bevor Sie nun beginnen, die folgende Auskunft:
"Ich habe die Anweisung verstanden und bin entschlossen offen zu antworten."
O Ja O Nein
 

Durchführungsvoraussetzungen

Das Verfahren kann von Hilfskräften sowohl durchgeführt als auch ausgewertet werden. Die Testpersonen sollten über ein hinreichendes Leseverständnis verfügen, um die Befindlichkeitsaussagen zu verstehen. Die Untersuchung sollte in einer störungsfreien Atmosphäre durchgeführt werden. Es ist besonders darauf zu achten, dass die Anonymität der Testpersonen gewahrt bleibt.
 

Testkonstruktion

Die Testkonstruktion beruht auf der Klassischen Testtheorie. Der vorliegenden Form des Tests mit vier Skalen im State-Verfahren und fünf Skalen im Trait-Verfahren gingen zwei Primärfragebögen mit 220 Items (State) und 216 Items (Trait) voraus. Mit dem Ziel, zyklothymes Erleben möglichst breit in unterschiedlichen Erscheinungsformen abzubilden, wurden die Items einer systematisch zusammengestellten Fragesammlung entnommen. Die Items dieser Fragesammlung entstammen zum einen aus der psychiatrischen Praxis und wurden von Herrn Prof. Dr. Bühler aufgrund klinischer Erfahrung im Umgang mit zyklothymen Patienten erstellt. Sie spiegeln deren Erleben wieder. Zum anderen wurden die Items breit gefächert der Literatur entnommen. Das befragte Kollektiv, das den State-Primärfragebogen mit 220 Items beantwortete, setzte sich aus 402 Probanden im Alter zwischen 16 und 80 Jahren (im Mittel 34.1+/-15.2 vollendete Lebensjahre) zusammen. Diese Stichprobe wurde per Zufallsprinzip aus der Normalbevölkerung ausgewählt. Mithilfe einer Faktorenanalyse (Hauptkomponentenanalyse) und Rotation der Faktoren zur orthogonalen Einfachstruktur ließen sich nach dem Scree-Test von Cattell (1966) fünf Faktoren extrahieren. Aus diesen konnten durch Selektion der Items nach dem Fürntrattschen Kriterium (Fürntratt, 1969) und einer festgesetzten Ladungsgrenze von > .30 fünf Skalen ermittelt werden, die jeweils zwischen 2 und 57 Items enthielten. Items mit Mehrfachladungen wurden nicht berücksichtigt.
Zum Vergleich erfolgte im Anschluss an die Faktorenanalyse eine hierarchisch-agglomerative Clusteranalyse nach Ward (1963). Hier konnten vier der fünf Faktoren im Rahmen eines anderen statistischen Verfahrens, annähernd repliziert werden.
Die Itemzusammensetzung der Faktoren und der Cluster wiesen dabei deutliche Ähnlichkeiten auf. Während der Faktor "Hypomanie" in der Clusteranalyse durch zwei Cluster abgebildet wurde, fand sich der fünfte Faktor "Flucht aus der Wirklichkeit" mit gerademal zwei Items in keinem eigenen Cluster wieder. Aufgrund seiner zu geringen Itemanzahl wurde er zudem in der nachfolgenden Itemanalyse nicht mehr berücksichtigt.
Über iterative Analysen wurden mithilfe des Trennschärfekoeffizienten (korrigierte Trennschärfe = ritk > .50) und der Vereinbarung, nicht mehr als 20 Items innerhalb einer Skala aufzuführen, die bedeutsamsten Items der vier Faktoren (1 Depression, 2 Hypomanie, 3 Körperliche Erschöpfung, 4 Agitiertheit) ermittelt und itemanalytisch überprüft. Für die erste Skala "Depression" variieren die Itemtrennschärfen zwischen rit = .78 und .85. Die Ladungen liegen zwischen a = .58 und .79. Die zweite Skala "Hypomanie" weist Trennschärfen im Bereich von rit = .65 bis .82 und Ladungen zwischen a = .52 und .76 auf. Die dritte Skala "Körperliche Erschöpfung" zeigt Trennschärfen zwischen rit = .51 und .79 sowie Ladungen von a = .42 bis .61. Die Itemtrennschärfen der letzten Skala "Agitiertheit" variieren zwischen rit = .53 und .81. Die Ladungen liegen im Bereich zwischen von a = .48 und .69.
Um zu überprüfen, ob die Itemrohwerte, d. h. die symptomatisch beantworteten Items, zur einfachen Testauswertung lediglich addiert werden können, wurden Korrelationsberechnungen durchgeführt. Die Korrelationen der Faktorwerte mit den Werten der Kurzskalen sind mit Werten zwischen r = .73 bis .89 signifikant (siehe Tabelle 1 in der Tabellendatei im Elektronischen Testarchiv des ZPID; URL: https://www.zpid.de/index.php?wahl=products&uwahl=frei&uuwahl=testarchiveintro). Somit kann mithilfe des Skalenwertes Rückschluss auf den jeweiligen Faktorwert gezogen werden.
Ein vergleichbares statistisches Prozedere wurde auch für den Trait-Primärfragebogen mit 216 Items durchgeführt. Die 853 Versuchsteilnehmer waren zwischen 14 und 84 Jahre (im Mittel 43.2+/-17.5 vollendete Lebensjahre) alt. 379 Probanden waren männlich (44.8%) und 467 waren weiblich (55.2%).
Bei der nachfolgenden Faktorenanalyse unter orthogonaler Rotation (Hauptkomponentenanalyse) ließen sich nach dem Scree-Test von Cattell (1966) sechs Faktoren (1 Depressivität, 2 Agitiertheit, 3 Soziabilität, 4 Hypomanie, 5 Unsicherheit, 6 Ausgeglichenheit) extrahieren. Diese enthielten durch Selektion mittels Fürntratt-Kriterium (Fürntratt, 1969) und einer festgelegten Ladungsgrenze von > .40 zwischen 9 und 70 Items. In einer anschließenden Clusteranalyse ließen sich vier Faktoren eindeutig einem entsprechenden Cluster zuordnen (Depressivität, Agitiertheit, Soziabilität, Hypomanie). Die Items des 5. Faktors (Unsicherheit) sowie des 6. Faktors (Ausgeglichenheit) bildeten hingegen Cluster, die auch Items anderer Faktoren beinhalteten. So tauchen im Cluster "Unsicherheit" auch depressive Komponenten und im Cluster "Ausgeglichenheit" auch Items auf, die eine positive Lebenseinstellung zum Ausdruck bringen (Aspekte der Hypomanie und des Faktors Soziabilität).
Im Anschluss wurden die Items mittels einer Itemanalyse nach dem Trennschärfekoeffizienten (korrigierte Trennschärfe ritk > .50) und der Vorgabe, dass eine Kurzskala maximal aus 20 Items bestehen soll, erneut selektiert. Es wurden fünf Skalen mit den jeweils bedeutsamsten Items gebildet. Für den sechsten Faktor "Ausgeglichenheit" konnte aufgrund unzureichender Trennschärfe keine Kurzskala generiert werden. Die Trennschärfen der ersten Skala "Depressivität" variieren zwischen rit = .63 und .78 und die Ladungen zwischen a = .56 und .79. Die zweite Skala "Agitiertheit" zeigt Trennschärfen im Bereich von rit = .45 bis .59 und Ladungen von a = .40 bis .54. Die dritte Skala "Soziabilität" weist Trennschärfen zwischen rit = .43 und .54 auf sowie Ladungen im Bereich von a = .45 bis .59. Die Trennschärfen der vierten Skala "Hypomanie" liegen zwischen rit = .40 und .63, die Ladungen zwischen a = .40 bis .66. Die letzte Skala "Unsicherheit" zeigt Trennschärfen zwischen rit = .40 und .66 und Ladungen von a = .36 bis .59.
Die Korrelationen der Faktoren mit den Skalen sind in Tabelle 2 in der Tabellendatei im Elektronischen Testarchiv des ZPID (URL: https://www.zpid.de/index.php?wahl=products&uwahl=frei&uuwahl=testarchiveintro) aufgeführt. Die höchsten signifikanten Korrelationen finden sich zwischen den Faktoren und ihren zugehörigen Kurzskalen (Faktor 1 mit Kurzskala 1 r = .92, tau = .72; Faktor 2 mit Kurzskala 2 r = .84, tau = .65; Faktor 3 mit Kurzskala 3 r = .81, tau = .63; Faktor 4 mit Kurzskala 4 r = .92, tau = .75; Faktor 5 mit Kurzskala 5 r = .81, tau = .63). Somit wäre auch hier die Voraussetzung für eine leichtere Testauswertung mittels Addition der Itemrohwerte erfüllt.
 

Gütekriterien

 

Objektivität

Angesichts der standardisierten Untersuchungsmaterialien und Auswertungsvorschriften kann die Objektivität des Messinstruments als gesichert angesehen werden.
 

Reliabilität

Die Reliabilitätskoeffizienten wurden zum einen über Cronbachs Alpha und Kuder-Richardson (innere Konsistenz) und zum anderen als Split-half-Koeffizient nach Spearman-Brown berechnet. Mit Ausnahme der dritten Trait-Skala "Der gute Mensch", deren Reliabilitätskoeffizienten nach Cronbachs Alpha und Kuder-Richardson mit .73 bzw. .75 geringfügig niedriger ausfielen (Spearman-Brown: .81), zeigten die anderen Skalen Reliabilitäten mit Werten zwischen > .80 und > .90. Sie können demnach als durchaus zuverlässig bezeichnet werden (siehe die Tabellen 3-11 in der Tabellendatei im Elektronischen Testarchiv des ZPID; URL: https://www.zpid.de/index.php?wahl=products&uwahl=frei&uuwahl=testarchiveintro).
 

Validität

Bisher liegen keine speziellen Validitätsstudien vor.
 

Normierung

Das untersuchte Kollektiv von 402 Probanden im State-Verfahren und 853 Versuchspersonen im Trait-Verfahren wies signifikante Abweichungen von der Normalbevölkerung auf. Aus diesem Grund wurde eine Transformation in Normskalen vorgenommen. Somit kann die Verteilung der Rohwerte an eine Normalverteilung angepasst werden. Die den Skalenwerten entsprechenden T-Werte, Stanine- und Prozentrangwerte können aus den Transformationstabellen entnommen werden (siehe die Tabellen 12 bis 20 in der Tabellendatei im Elektronischen Testarchiv des ZPID; URL: https://www.zpid.de/index.php?wahl=products&uwahl=frei&uuwahl=testarchiveintro). Mithilfe dieser Normskalen können die einzelnen Skalenwerte direkt mit den Skalenwerten anderer Analysen verglichen werden. Im State-Verfahren weisen einige Skalen signifikant geschlechtsabhängige Ergebnisse auf. So sind die Merkmale "Depression" und "Körperliche Erschöpfung" signifikant häufiger bei Frauen zu beobachten, wohingegen die Skala "Hypomanie" häufiger von Männern abgebildet wird. Zudem scheinen ledige, geschiedene und vor allem verwitwete Probanden deutlich erschöpfter zu sein als die verheirateten. Auch Testpersonen mit keinem oder mehr als drei Kindern zeigen signifikant mehr Erschöpfungssymptome als Personen mit einem oder zwei Kindern. Signifikante Unterschiede fallen zudem auch im Rahmen der unterschiedlichen Ausbildungswege und der beruflichen Stellung auf. So neigen Probanden, die eine Volksschule oder Realschule besucht haben, sowie Testpersonen, die sich in einer untergeordneten oder mittleren beruflichen Stellung befinden, deutlich mehr zu einem depressiven Verhalten als diejenigen, die eine universitäre Ausbildung abgeschlossen haben und sich in einer gehobenen oder leitenden Position befinden. Alters- und geschlechtsabhängige Ergebnisse weisen auch die Skalen im Trait-Verfahren auf. So zeigen Frauen signifikant häufiger ein depressives und selbstunsicheres Verhalten als Männer. Die Älteren erzielen signifikant höhere Itemsummen in der Trait-Skala "Der gute Mensch", wohingegen die Jüngeren deutlich weniger agitierte und hypomane Aspekte aufzeigen.
 

Anwendungsmöglichkeiten

Die Skalen des State- und Trait-Verfahrens sind ein passendes Hilfsmittel, um nach erfasster Klassifikation die individuelle Symptomausprägung und mögliche Beeinträchtigung auf verschiedenen Funktionsebenen mehrdimensional aufzuzeigen und zu differenzieren. In der Anwendung als ein Fragebogen zur Erfassung zyklothymen Erlebens ist dieser sowohl zur Bestimmung von Syndromvarianten und Veränderungsmessungen im Therapieverlauf als auch zu Forschungszwecken geeignet.
 

Bewertung

Das Verfahren wurde präzise konstruiert und ist vorliegenden Befunden zufolge als reliabel einzustufen. Jedoch fehlen bislang Validitätsbelege. Die Skalen des State- und Trait-Verfahrens können nach Durchlauf weiterer Studien ein passendes Hilfsmittel darstellen, um nach erfasster Klassifikation die individuelle Symptomausprägung und mögliche Beeinträchtigung auf verschiedenen Funktionsebenen mehrdimensional aufzuzeigen und zu differenzieren. Sie beschreiben die Erlebnisfacetten von Patienten mit affektiven Störungen und decken insbesondere das breite Symptomspektrum einschließlich maniformer Symptome ab. Zyklothyme Beschwerdebilder werden dabei sowohl als State- als auch als Trait-Merkmale erfasst. Neben den Dimensionen der "Depressivität" (im Sinne eines depressiven Grunderlebens), der "Hypomanie" und der "Agitiertheit", die sowohl im State- als auch im Trait-Verfahren abgebildet werden, weist die State-Testform eine zusätzliche Skala der "Körperlichen Erschöpfung" auf. Des Weiteren beschreiben in der Trait-Form zwei Skalen spezielle Persönlichkeitsstrukturen (Soziabilität, Unsicherheit).
Mit der Konstruktion dieses Fragebogens ist es gelungen, ein Selbsteinschätzungsinventar zur mehrdimensionalen Abbildung verschiedener Komponenten zyklothymen Erlebens zu entwickeln. Depressive Beschwerdebilder werden dabei sowohl als State- als auch als Trait-Merkmale erfasst. Neben den Dimensionen der "Depression" (im Sinne eines depressiven Grunderlebens), der "Hypomanie" und der "Agitiertheit", die sowohl im State- als auch im Trait-Verfahren abgebildet werden, weist die State-Testform eine zusätzliche Skala der "Körperlichen Erschöpfung" auf. Des Weiteren beschreiben in der Trait-Form zwei Skalen spezielle Persönlichkeitsstrukturen ("Der gute Mensch", "Selbstunsicher/vermeidend"). Das Verfahren ist vorliegenden Befunden zufolge als reliabel einzustufen, jedoch fehlen bislang Validitätsbelege.
 

Literatur

  • Cattell, R. B. (1966). The Scree-Test for the number of factors. Multivariate Behavioral Research, 1 (2), 245-276. (DOI: 10.1207/s15327906mbr0102_10)
  • Dilling, H., Mombour, W. & Schmidt, M. H. (2000). Internationale Klassifikation psychischer Störungen. ICD-10 Kapitel V (F). Klinisch diagnostische Leitlinien. Bern: Huber.
  • Fürntratt, E. (1969). Zur Bestimmung der Anzahl interpretierbarer gemeinsamer Faktoren in Faktorenanalysen psychologischer Daten. Diagnostica, 15, 62-75.
  • Hautzinger, M. & Meyer, T. D. (2002). Diagnostik affektiver Störungen. Göttingen: Hogrefe.
  • Saß, H., Wittchen, H.-U. & Zaudig, M. (1996). Diagnostisches und Statistisches Manual psychischer Störungen. DSM-IV. Übersetzt nach der vierten Auflage des Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders der American Psychiatric Association (Deutsche Bearbeitung und Einführung von Henning Saß, Hans-Ulrich Wittchen und Michael Zaudig). Göttingen: Hogrefe.
  • Stieglitz, R. D. (1994). Selbstbeurteilungsverfahren. In R. D. Stieglitz & U. Baumann (Hrsg.), Psychodiagnostik psychischer Störungen (S. 67-78). Stuttgart: Enke. -PSYNDEX-Lit Dok.-Nr. 0086488
  • Stieglitz, R. D. & Freyberger, H. J. (2012). Psychiatrische Diagnostik und Klassifikation. In M. Berger (Hrsg.), Psychische Erkrankungen. Klinik und Therapie (4. Auflage, S. 41-62). München: Urban und Fischer.
  • Ward, J. H. Jr. (1963). Hierarchical grouping to optimize an objective function. Journal of the American Statistical Association, 58 (301), 236-244.
 
 Autorenbeschreibung: Karl-Ernst Bühler (12.04.2016)
 APA-Schlagworte/PSYNDEX Terms:

Classical Test Theory; Questionnaires; Clinical Psychology; Psychiatry; Major Depression; Cyclothymic Personality; Emotional States; Symptoms; Hypomania; Fatigue

Klassische Testtheorie; Fragebögen; Klinische Psychologie; Psychiatrie; Major Depression; Zyklothyme Persönlichkeit; Emotionale Zustände; Symptome; Hypomanie; Müdigkeit

 weitere Schlagworte:

2016; Open Access; Zyklothymes Erleben; Phänomenologische Syndromatologie; 68 State-Items; 81 Trait-Items; State-Skalen: 1 Depression, 2 Hypomanie, 3 Körperliche Erschöpfung, 4 Agitiertheit; Trait-Skalen: 1 Depression, 2 Agitiertheit, 3 "Der gute Mensch", 4 Hypomanie, 5 Unsicherheit (selbstunsicher/vermeidend); Normierungsjahr: keine Angaben; Normstichprobe: 402+853
 Klassifikation:

Klinische Psychodiagnostik; Affektive Störungen
Klinische Tests zu Depressivität
11.5
 Anwendungstyp: Research (Tests)
 Art der Publikation: Test; Electronic Resources (90; 94)
 Sprache: German
 Land: Germany
 Publikationsjahr: 2016
 Änderungsdatum: 201604
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