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Computer-Based Assessment of Visual Function

 PSYNDEX Tests-Dokument: 9007114
 

CAV - Computer-Based Assessment of Visual Function (PSYNDEX Tests Review)

 

Computer-Based Assessment of Visual Function/zpid

 Niedeggen, M. & Hoffmann, M.
 (2016). CAV. Computer-based Assessment of Visual Function. Deutsche Version [Testmappe mit Manual und Programm-CD]. Göttingen: Hogrefe.

Preis: 498,00 Euro (Test komplett; Stand: 17.8.2017)

 Bezugsquelle: Testzentrale Hogrefe Verlag GmbH & Co. KG, Herbert-Quandt-Straße 4, D-37081 Göttingen ; E-Mail: testzentrale@hogrefe.de ; URL: http://www.testzentrale.de/ ; Stand: 1.11.2017.
 Adresse(n): o Prof. Dr. Michael Niedeggen, Freie Universität Berlin, Fachbereich Erziehungswissenschaft und Psychologie, Arbeitsbereich Allgemeine Psychologie und Neuropsychologie, Habelschwerdter Allee 45, D-14195 Berlin ; E-Mail: niedegg@zedat.fu-berlin.de ; URL: http://www.ewi-psy.fu-berlin.de/einrichtungen/arbeitsbereiche/allg_neuro/mitarbeiter/mniedeggen/index.html ; Stand: 17.8.2017
 WWW-Informationen:
 

Abstract

Diagnostische Zielsetzung:
Der Schwerpunkt des CAV liegt in der Erfassung der Objektwahrnehmung und visuell-räumlichen Wahrnehmung. Ziel der Testkonstruktion war es, ein Verfahren zu entwickeln, welches a) intuitiv bedienbar ist, b) eine nonverbale Bearbeitung durch den Patienten oder Testleiter ermöglicht und c) nur die Reaktionsgenauigkeit, nicht aber die Reaktionsgeschwindigkeit erfasst.


Aufbau:
Die Testbatterie setzt sich aus insgesamt sieben Modulen und 32 Untertests (UTs) zusammen. Dabei dienen die ersten beiden Module der Überprüfung grundlegender Basisfunktionen, die für die korrekte Testung der darauffolgenden Module wichtig sind. A. Modul Basisleistungen: A1) UT Screening, A2) UT Graustufendiskrimination, A3) UT Kontrastsensitivität. B. Modul Gesichtsfeld: B1) UT Gesichtsfeldscreening, B2) UT Visueller Neglect 1 (Cueing), B3) UT Visueller Neglect 2 (Simultanextinktion). C. Modul Farbwahrnehmung: C1) UT Farbscreening, C2) UT Grau-Farbe-Diskrimination, C3) UT Diskrimination (Variation Helligkeit), C4) UT Diskrimination (Variation Sättigung), C5) UT Objekt-Farbe-Zuordnung, C6) UT Gesichtsfeld. D. Modul Objektwahrnehmung: D1) UT Objektsemantik, D2) UT Basale Objektwahrnehmung, D3) UT Überlagerung, D4) UT Unkonventionelle Ansicht, D5) UT Kunstobjekte, D6) UT Objektfunktion (unbelebt), D7) Objektfunktion (belebt). E. Modul Gesichter: E1) UT Matching, E2) UT Gesichter vs. Nicht Gesichter. F. Modul Bewegung: F1) UT Bewegungs-Screening, F2) UT Geschwindigkeitsvergleich, F3) UT Bewegungskohärenz, F4) UT Bewegungsdefinierte Form, F5) UT Gesichtsfeld. G. Modul Raumwahrnehmung: G1) UT Linienteilung, G2) UT Winkelorientierung, G3) UT Längenschätzung, G4) UT Positionsschätzung, G5) UT Rotation, G6) UT Konstruktion. Die Auswertung erfolgt automatisch durch das Computerprogramm.


Grundlagen und Konstruktion:
Die Testkonstruktion beruht auf der Klassischen Testtheorie. Die Konstruktion der einzelnen Testmodule und Untertests orientierte sich vorrangig an den mit dem Instrument verbundenen klinischen Anforderungen (z. B. Abgrenzung zwischen verschiedenen funktionellen Störungen), wobei der Aufbau in Anlehnung an das Buch "Visuelle Wahrnehmungsstörungen" von Niedeggen und Jörgens (2005) erfolgte. Die Operationalisierungen der verschiedenen Erfassungsmethoden basieren auf bereits etablierten Methoden, die für die mit dem CAV verbundenen Zielsetzungen weiterentwickelt wurden.


Empirische Prüfung und Gütekriterien:
Reliabilität: Zur Bestimmung der Split-half-Reliabilität wurden die Items (Trials) in parallele Tests aufgeteilt. Die Berechnungen erfolgten für die Summenscores von sieben Funktionsbereichen, wobei Cronbachs Alpha als mittleres Maß aller Split-half-Reliabilitäten berichtet wird. Es resultierten Werte zwischen Alpha = .38 (Apperzeptive Gesichtswahrnehmung) und Alpha = .86 (Farbdiskrimination).
Validität: Zur Überprüfung der inhaltlichen Validität wurde das CAV bei N = 30 Patienten zwischen 31 und 78 Jahren mit posterioren Läsionen eingesetzt. Zusätzlich zur CAV bearbeiteten diese Patienten die Testbatterie für visuelle Objekt- und Raumwahrnehmung (VOSP). Beim Vergleich der Testwerte mit der Normstichprobe zeigten sich signifikante Unterschiede in den beiden Bereichen Apperzeptive Gesichtswahrnehmung (p < .001) und Raumkognition (p = .05). Die Korrelation mit der VOSP ergab signifikante Zusammenhänge zwischen dem Objektteil der VOSP und den Funktionsbereichen Apperzeptive Objektwahrnehmung (r = .51) und Apperzeptive Gesichtswahrnehmung (r = .49). Außerdem ergaben sich signifikante Zusammenhänge zwischen dem Raumteil der VOSP und den Funktionsbereichen Apperzeptive Gesichtswahrnehmung (r = .60), Dorsale Bewegungswahrnehmung (r = .46), Raumperzeption (r = 70) und Raumkognition (r = .38).
Normen: Die Normierungsstichprobe umfasste N = 150 gesunde Personen. Die Normwerte wurden für alle Untertests altersspezifisch erfasst, und zwar für die drei Altersgruppen 18-30 (n = 41), 31-55 (n = 55) und 56-77 (n = 54). Es liegen Mittelwerte, Standardabweichungen und Kennwerte für die Prozentränge < 25 und < 10 vor. Neben den Normwerten liegen auch klinische Vergleichsdaten (n = 26) vor. Die Normierung fand zwischen 2009 und 2011 statt.

 

Testkonzept

 

Theoretischer Hintergrund

Das Computer-based Assessment of Visual Function (CAV; Niedeggen & Hoffmann, 2016) wurde vor dem Hintergrund derzeit unzureichender Möglichkeiten zur standardisierten und theoretisch fundierten Erfassung visueller Objekt- und Raumwahrnehmungsfunktionen entwickelt. Dabei liegt der Schwerpunkt des Verfahrens in der Erfassung der Objektwahrnehmung und visuell-räumlichen Wahrnehmung. Ziel der Testkonstruktion war es, ein Verfahren zu entwickeln, welches a) intuitiv bedienbar ist, b) eine nonverbale Bearbeitung durch den Patienten oder Testleiter ermöglicht und c) nur die Reaktionsgenauigkeit, nicht aber die Reaktionsgeschwindigkeit erfasst.
Im Testmanual werden die theoretischen Hintergründe der verschiedenen Module und Untertests dargestellt. Dabei wird auch auf die in den einzelnen Bereichen herrschenden "Goldstandards", d. h. etablierte und valide Testverfahren zur Erfassung eines Funktionsbereichs, eingegangen und es werden entsprechende Abgrenzungen bzw. Ergänzungen zum CAV erläutert.
 

Testaufbau

Die Testbatterie setzt sich aus insgesamt sieben Modulen und 32 Untertests (UTs) zusammen. Dabei dienen die ersten beiden Module der Überprüfung grundlegender Basisfunktionen, die für die korrekte Testung der darauffolgenden Module wichtig sind. So werden mit dem Modul "Basisleistungen" die Helligkeits- und Kontrastwahrnehmung erfasst, welche insbesondere für die Leistungen im Modul "Objektwahrnehmung" von zentraler Bedeutung sind. Mit dem Modul "Gesichtsfeld" wiederum werden Ausfälle im engeren Gesichtsfeldbereich erfasst und vorhandene funktionelle Störungen von einem visuellen Neglect abgegrenzt.
Im Folgenden werden die einzelnen Module und UTs, die jeweiligen Bearbeitungszeiten, Items (Trials), und Aufgabenstellungen aufgeführt. Die Zeitangaben sind als Circaangaben zu verstehen.

A. Modul Basisleistungen/Basisfunktionen:
A1) UT Screening (2-5 Minuten, 6 Trials): Identifikation der gesehenen Muster
A2) UT Graustufendiskrimination (1-2 Minuten, 12 Trials): Wahl des helleren Feldes
A3) UT Kontrastsensitivität (3-4 Minuten, 24 Trials): Diskrimination der Orientierung der Balkenmuster.

B. Modul Gesichtsfeld
B1) UT Gesichtsfeldscreening (3-4 Minuten, 25 Trials): Lokalisation der Testpunkte
B2) UT Visueller Neglect 1 (Cueing) (3-4 Minuten, 24 Trials): Orientierung der Dreiecke erkennen
B3) UT Visueller Neglect 2 (Simultanextinktion) (2 Minuten, 12 Trials, 2 Übungstrials): Gleichheit der Orientierung der Dreiecke prüfen.

C. Modul Farbwahrnehmung
C1) UT Farbscreening (2 Minuten, 8 Trials): Identifikation des achromatischen Reizes unter vier Testreizen
C2) UT Grau-Farbe-Diskrimination (3-5 Minuten, 18 Trials): Identifikation des achromatischen Reizes unter vier Testreizen
C3) UT Diskrimination (Variation Helligkeit) (2-4 Minuten, 12 Trials): Identifikation des Farbreizes, der aus einem anderen Farbraum stammt
C4) UT Diskrimination (Variation Sättigung) (2-4 Minuten, 12 Trials): Identifikation des Farbreizes, der aus einem anderen Farbraum stammt
C5) UT Objekt-Farbe-Zuordnung (1-2 Minuten, 6 Trials): Zuordnung der typischen Farbe zu einem Objekt
C6) UT Gesichtsfeld (3-4 Minuten, 16 Trials): Zuordnung der typischen Farbe zu einem Objekt.

D. Modul Objektwahrnehmung
D1) UT Objektsemantik (1-2 Minuten, 5 Trials): Identifikation der beiden assoziierten Objekte
D2) UT Basale Objektwahrnehmung (2-3 Minuten, 11 Trials): Abgleich eines maskierten Testobjekts mit einem unmaskierten Zielobjekt
D3) UT Überlagerung (4-5 Minuten, 12 Trials): Abgleich eines rotierten Testobjekts mit einem unmaskierten Zielobjekt
D4) UT Unkonventionelle Ansicht (2-3 Minuten, 11 Trials): Identifikation der Zahl der Objekte, die überlagert dargestellt sind
D5) UT Kunstobjekte (2-3 Minuten, 12 Trials): Diskrimination real existierender Objekte und Kunstfiguren
D6) UT Objektfunktion (unbelebt) (2-4 Minuten, 10 Trials): Beurteilung der Assoziation zweier Objekte
D7) Objektfunktion (belebt) (2-4 Minuten, 10 Trials): Identifikation des Nutz-/Haustieres.

E. Modul Gesichter
E1) UT Matching (3-4 Minuten, 11 Trials): Identifikation der beiden identischen Gesichter
E2) UT Gesichter vs. Nicht Gesichter (1-2 Minuten, 14 Trials): Unterscheidung normaler und veränderter Gesichter.

F. Modul Bewegung
F1) UT Bewegungs-Screening (2-3 Minuten, 9 Trials): Identifikation des Musters, in dem die Richtung abweicht
F2) UT Geschwindigkeitsvergleich (1-2 Minuten, 12 Trials): Identifikation des Musters, in dem die lokale Geschwindigkeit höher ist
F3) UT Bewegungskohärenz (2-3 Minuten, 12 Trials): Identifikation des Musters, in dem die globale Bewegung nach oben deutlicher ist
F4) UT Bewegungsdefinierte Form (1-2 Minuten, 10 Trials): Abgleich der Identität der bewegten Formen
F5) UT Gesichtsfeld (1-2 Minuten, 10 Trials): Angabe der Bewegungsrichtung im peripher präsentierten Muster.

G. Modul Raumwahrnehmung
G1) UT Linienteilung (2 Minuten, 8 Trials): Identifikation der Linie im unteren Bildschirmbereich, die genau halb so lang wie die oben dargestellte Linie ist
G2) UT Winkelorientierung (2-3 Minuten, 10 Trials): Identifikation der Linie (Trial 1-5) bzw. des Winkels (Trial 6-10), die in ihrer Orientierung (Trial 1-5) bzw. im Winkelgrad (Trial 6-10) von den simultan dargestellten Linien bzw. Winkeln abweichen.
G3) UT Längenschätzung (2 Minuten, 10 Trials): Identifikation der Linie, die von den anderen drei dargebotenen Linien hinsichtlich ihrer Länge abweicht
G4) UT Positionsschätzung (3-4 Minuten, 12 Trials): Abgleich der Lage eines Punktes in einem Feld (Trial 1-6) bzw. der Konstellation von drei Punkten (Trial 7-12) mit einer Vorlage
G5) UT Rotation (3-4 Minuten, 12 Trials): Abgleich von rotierten Figuren mit einer Vorlage und Ausschluss der spiegelverkehrten Form
G6) UT Konstruktion (2-3 Minuten, 8 Trials): Entscheidung, ob sich drei Elemente zu einer dargestellten Gesamtform zusammenfügen lassen.
 

Auswertungsmodus

Die Auswertung erfolgt automatisch durch das Computerprogramm des CAV.
 

Auswertungshilfen

Da die Auswertung automatisch erfolgt, sind keine weiteren Hilfsmittel notwendig.
 

Auswertungszeit

Aufgrund der durch das Computerprogramm automatisch generierten Ergebnisse, ist für die Auswertung der Testergebnisse keine Zeit zu veranschlagen.
 

Itembeispiele

Aufgrund der visuellen Darbietung der einzelnen Items (Trials), können diese nicht dargestellt werden. Die folgenden Instruktionsbeispiele vermitteln dennoch einen Eindruck der verschiedenen Aufgabenstellungen:

A2) Modul Basisfunktionen, UT Graustufendiskrimination: "Sie sehen je 2 Quadrate auf dem Bildschirm. Bitte zeigen Sie auf das Quadrat, welches Ihnen heller erscheint."

D4) Modul Objektwahrnehmung, UT Unkonventionelle Ansicht: "Auf dem Bildschirm erscheint gleich auf der linken Seite ein Gegenstand für kurze Zeit, der aus einem etwas ungewöhnlichen Blickwinkel aufgenommen wurde. Direkt danach sehen Sie im rechten Bildschirmbereich eine weitere Figur aus einer normalen Ansicht. Sie sollen entscheiden, ob die beiden Figuren, die Sie kurz hintereinander gesehen haben, gleich oder ungleich sind. Es spielt keine Rolle, ob Sie die Figuren benennen können. Zeigen Sie einfach auf die '1', wenn die Figuren gleich sind, und auf die '0', wenn sie verschieden sind."

G6) Modul Raumwahrnehmung, UT Konstruktion: "Auf dem Bildschirm erscheint im oberen Bereich eine Figur. Diese soll durch die drei Elemente, die im unteren Bereich dargestellt sind, in Gedanken nachgebaut werden. In einigen Durchgängen lässt sich die Figur nachbauen, aber manchmal ist eines der Elemente nicht passend. Bitte sagen Sie, ob sich die Figur aus den drei Elementen ergeben würde oder nicht."
 

Durchführung

 

Testformen

Das CAV ist ein ausschließlich computergestütztes Verfahren. Parallele oder anderssprachige Testformen existieren nicht.
 

Altersbereiche

Das Verfahren kann bei Erwachsenen zwischen 18 und 77 Jahren eingesetzt werden. Es existieren Normwerte für die drei Altersgruppen 18-30, 31-55 und 56-77 Jahre.
 

Durchführungszeit

Werden alle Module und Untertests bearbeitet, beträgt die Durchführungszeit etwa 75 Minuten; für die alleinige Durchführung der Screeningtests (Basisleistungen und Gesichtsfeld) werden hingegen nur ca. 15 Minuten veranschlagt. Die Testautoren weisen darauf hin, dass eine Bearbeitung des vollständigen CAV in einer Sitzung meist nicht möglich ist (Niedeggen & Hoffmann, 2016, S. 33).
Da je nach Untersuchungszweck auch die Durchführung einzelner Module sinnvoll ist, sind die damit verbundenen Bearbeitungszeiten von den im Einzelfall eingesetzten Modulen abhängig. Diese sind unter "Testaufbau" aufgeführt.
 

Material

Das Testmaterial besteht aus einem Testmanual und einer CD, auf der die CAV-Software sowie alle für die Testung notwendigen Unterlagen (z. B. Normwerte) enthalten sind. Darüber hinaus ist für eine erfolgreiche Testung ein funktionsfähiger Computer mit möglichst aktuellem Windows-Betriebssystem notwendig.
Materialliste CAV-Mappe (Stand: 26.4.2016):
- Manual (Artikel-Nr. 5079002)
- Programm-CD (Artikel-Nr. 5079003).
 

Instruktion

Die Instruktionen sind standardisiert und für jeden Untertest vorgegeben. Sie werden vom Testleiter vorgelesen.
 

Durchführungsvoraussetzungen

Es bestehen keine spezifischen Durchführungsvoraussetzungen zur Bearbeitung des CAV. Es sollte jedoch selbstverständlich sein, dass zur Testung ein ruhiger Raum zur Verfügung steht, in dem die Testbatterie ungestört bearbeitet werden kann. Außerdem bedarf es eines geeigneten Computers mit möglichst aktuellem Windows-Betriebssystem, um technisch bedingte Verzögerungen zu vermeiden. Außerdem sollte die Interpretation der Testergebnisse von einer einschlägig qualifizierten Person erfolgen.
 

Testkonstruktion

Die Testkonstruktion beruht auf der Klassischen Testtheorie. Die Konstruktion der einzelnen Testmodule und Untertests orientierte sich vorrangig an den mit dem Instrument verbundenen klinischen Anforderungen (z.B. Abgrenzung zwischen verschiedenen funktionellen Störungen), wobei der Aufbau in Anlehnung an das Buch "Visuelle Wahrnehmungsstörungen" von Niedeggen und Jörgens (2005) erfolgte. Die Operationalisierungen der verschiedenen Erfassungsmethoden basieren auf bereits etablierten Methoden, die für die mit dem CAV verbundenen Zielsetzungen weiterentwickelt wurden.
Im Zuge der Normierung wurde das CAV auf Verständlichkeit und Durchführbarkeit geprüft. Hierbei konnten keine Schwierigkeiten festgestellt werden, so dass keine Modifikationen vorgenommen werden mussten.
 

Gütekriterien

 

Objektivität

Aufgrund der standardisierten und zudem automatisierten Durchführung und Auswertung liegen Durchführungs- und Auswertungsobjektivität vor. Wenngleich zur korrekten Interpretation der Testergebnisse zusätzliche Informationen (z. B. Informationen aus der Anamnese) notwendig sind, kann auch die Interpretationsobjektivität als gegeben angesehen werden. Schließlich liegen sowohl Interpretationshilfen als auch Vergleichswerte (Norm- und klinische Werte) vor.
 

Reliabilität

Zur Bestimmung der Reliabilität wurde die Split-half-Reliabilität bestimmt. Die hierfür notwendigen parallelen Tests wurden durch die Aufteilung der Items (Trials) in den jeweiligen Untertests erreicht. Die Berechnungen erfolgten für die Summenscores der folgenden sieben Funktionsbereiche, wobei Cronbachs Alpha als mittleres Maß aller Split-half-Reliabilitäten berichtet wird (z. B. Warrens, 2015).

1) Farbdiskrimination (UTs Farbscreening und Grau-Farbe-Diskrimination): Alpha = .86;
2) Apperzeptive Objektwahrnehmung (UTs Basale Objektwahrnehmung, Überlagerung, Unkonventionelle Ansicht): Alpha = .66;
3) Assoziative Objektwahrnehmung (UTs Objektsemantik, Kunstobjekte, Objektfunktion unbelebt): Alpha = .58;
4) Apperzeptive Gesichtswahrnehmung (UTs Matching, Gesicht vs. Nicht-Gesicht): Alpha = .38;
5) Dorsale Bewegungswahrnehmung (UTs Bewegungs-Screening, Geschwindigkeit, Kohärenz): Alpha = .76;
6) Raumperzeption (UTs Winkelorientierung, Längenschätzung, Positionsschätzung): Alpha = .68;
7) Raumkognition (UTs Linienteilung, Rotation, Konstruktion): Alpha = .77.
 

Validität

Zur Überprüfung der inhaltlichen Validität wurde das CAV bei N = 30 Patienten (n = 17 Frauen, n = 13 Männer) zwischen 31 und 78 Jahren (mittleres Alter = 62.4 Jahre, SD = 13) mit posterioren Läsionen eingesetzt. Zusätzlich zur CAV bearbeiteten diese Patienten die Visual Object and Space Perception Battery (VOSP, dt. Testbatterie für visuelle Objekt- und Raumwahrnehmung; Warrington & James, 1992).
Die Testwerte im CAV wurden zunächst mithilfe einer Varianzanalyse mit den Kennwerten der Normstichprobe verglichen. Hierfür wurden die Summenscores der bereits unter "Reliabilität" beschriebenen sieben Funktionsbereiche herangezogen. Es zeigte sich, dass wenngleich die Testwerte der Patienten in allen Funktionsbereichen geringer ausfielen als in der Normstichprobe, die Unterschiede nur in zwei Bereichen signifikant wurden: (4) Apperzeptive Gesichtswahrnehmung (p < .001) und (7) Raumkognition (p = .05).
Anschließend wurden die Testwerte im CAV mit den Testwerten in der VOSP korreliert. Mit Ausnahme der beiden Funktionsbereiche (1) Farbdiskrimination und (3) Assoziative Objektwahrnehmung wurden alle Korrelationen signifikant. Dabei korrelierten die beiden Funktionsbereiche (2) Apperzeptive Objektwahrnehmung (r = .51) und (4) Apperzeptive Gesichtswahrnehmung (r = .49) signifikant mit dem Objektteil der VOSP. Mit dem Raumteil der VOSP wiederum korrelierten die Funktionsbereiche (4) Apperzeptive Gesichtswahrnehmung (r = .60), (5) Dorsale Bewegungswahrnehmung (r = .46), (6) Raumperzeption (r = 70) und (7) Raumkognition (r = .38).
 

Normierung

Die Normierungsstichprobe umfasste N = 150 gesunde Personen aus den Jahren 2009-2011, wovon n = 83 Frauen (mittleres Alter: 52.1 Jahre) und n = 67 Männer (mittleres Alter: 40.4 Jahre) waren. Die Normwerte wurden für alle Untertests altersspezifisch erfasst, und zwar für die drei Altersgruppen 18-30 (n = 41), 31-55 (n = 55) und 56-77 (n = 54). Es liegen Mittelwerte, Standardabweichungen und Kennwerte für die Prozentränge < 25 und < 10 vor.
Neben den Normwerten sind zur Einordnung der Testwerte eines Patienten auch klinische Vergleichsdaten von Interesse. Hierfür liegen die Kennwerte aus der klinischen Validierungsstichprobe (n = 26) vor (siehe auch unter "Validität").
 

Anwendungsmöglichkeiten

Das Computer-based Assessment of Visual Function (CAV) wurde vorrangig für den Einsatz in der Neuropsychologie entwickelt, eignet sich aber gleichermaßen zur Überprüfung der Fahreignung oder zur Überprüfung medikamentöser Nebenwirkungen. Das Verfahren soll laut den Testautoren dabei helfen, die subjektiven Beschwerden von Patienten besser einzuordnen, d. h. diese funktionell einzuordnen und von anderen kognitiven Funktionen (z. B. Gedächtnis oder Aufmerksamkeit) abzugrenzen. Die Testergebnisse können sowohl die weitere Abklärung mittels anderer neuropsychologischer Tests beeinflussen als auch zur Gestaltung geeigneter Interventionen herangezogen werden.
 

Bewertung

Mit dem Computer-based Assessment of Visual Function liegt ein komplexes, computergestütztes Verfahren zur Erfassung der visuellen Objekt- und Raumwahrnehmungsfunktionen vor. Das Verfahren ist hoch standardisiert und verfügt dementsprechend über eine hohe Durchführungs- und Auswertungsobjektivität. Aufgrund der computerbasierten Verfahrensweise sind sowohl Durchführung als auch Auswertung bei korrekter Eingabe nicht fehleranfällig. Wenngleich für die Interpretationsobjektivität zusätzliche Informationen eingeholt werden sollten (z. B. anamnestische Daten), kann auch diese als sehr hoch angesehen werden. Hierfür sorgen die vorliegenden Normwerte wie auch die klinischen Vergleichswerte und Interpretationshilfen. Die ermittelten Reliabilitätskennwerte können insgesamt als mittelmäßig bis gut bewertet werden. An dieser Stelle wären jedoch ausführlichere Angaben zur Berechnung der Kennwerte hilfreich gewesen, da sich die von den Testautoren gewählte Vorgehensweise nicht eindeutig aus den Angaben im Testmanual ergibt. Gleiches gilt für die Testkonstruktion insgesamt. So gibt es z. B. nur unzureichende Informationen darüber, wie die Testautoren zu den einzelnen Untertests gekommen sind. Auch an dieser Stelle wären ausführlichere Angaben wichtig gewesen. Die Validität des CAV kann aufgrund der Orientierung an bereits etablierten Testverfahren und der bisherigen Untersuchungsergebnisse als mittelmäßig bis gut bewertet werden. Da es sich bei dem Verfahren um eine Neuentwicklung handelt und die untersuchte (klinische) Stichprobe mit N = 30 sehr klein war, sollten für ein umfassenderes Bild jedoch weitere Untersuchungen folgen. Die Normstichprobe ist aufgrund der zu erwartenden Deckeneffekte bei gesunden Personen völlig ausreichend.
 

Literatur

  • Niedeggen, M. & Hoffmann, M. (2016). CAV. Computer-based Assessment of Visual Funktion. Deutsche Version. Göttingen: Hogrefe.
  • Niedeggen, M. & Jörgens, S. (2005). Visuelle Wahrnehmungsstörungen. Göttingen: Hogrefe.
  • Warrens, M. J. (2015). On Cronbach's Alpha as the mean of all split-half reliabilities. In R. Millsap, D. Bolt, L. van der Ark & W. C. Wang (Eds.), Quantitative Psychology Research (pp. 293-300). Cham: Springer.
  • Warrington, E. K. & James, M. (1992). Testbatterie für visuelle Objekt- und Raumwahrnehmung (VOSP). Frankfurt: Swets.
 
 Jennifer Schroth (07.07.2017)
 APA-Schlagworte/PSYNDEX Terms:

Classical Test Theory; Computer Assisted Testing; Pictorial Stimuli; Screening Tests; Test Battery; Test Norms; Clinical Psychology; Neuropsychology; Vision Disorders; Visual Field; Visual Stimulation; Brightness Perception

Klassische Testtheorie; Computerunterstütztes Testen; Bild-Stimuli; Screening Tests; Testbatterie; Testnormen; Klinische Psychologie; Neuropsychologie; Sehstörungen; Sehfeld; Visuelle Stimulation; Helligkeitswahrnehmung

 weitere Schlagworte:

2016; Visuelle Wahrnehmungsstörungen; visuelle Objekt- und Raumwahrnehmungsfunktionen; 7 Module; 32 Untertests; Module mit Untertests: 1 Basisfunktionen: 1a Screening, 1b Helligkeit, 1c Kontrast, 2 Gesichtsfeld: 2a Gesichtsfeldscreening, 2b Visueller Neglect 1, 2c Visueller Neglect 2, 3 Farbwahrnehmung: 3a Farb-Screening, 3b Grau-Farbe, 3c Diskrimination/Helligkeit, 3d Diskrimination/Sättigung, 3e Objekt-Farbe-Zuordnung, 3f Gesichtsfeld, 4 Objekte: 4a Basale Objektwahrnehmung, 4b Überlagerung, 4c Unkonventionelle Ansicht, 4d Objektsemantik, 4e Kunstobjekte, 4f Objektfunktion (belebt), 4g Objektfunktion (unbelebt), 5 Gesichter: 5a Matching, 5b Gesicht/Nicht-Gesicht, 6 Bewegung: 6a Bewegungs-Screening, 6b Geschwindigkeit, 6c Kohärenz, 6d Bewegungsdefinierte Form, 6e Gesichtsfeld, 7 Raum/Visuell-räumliche Funktionen: 7a Winkelorientierung, 7b Längenschätzung, 7c Positionsschätzung, 7d Linienteilung, 7e Rotation, 7f Konstruktion; Normierungsjahr: 2011; Normstichprobe: 150
 Klassifikation:

Neuropsychologische Diagnostik; Visuelle Wahrnehmung
Verfahren zur Erfassung des Sehvermögens
5.6
 Anwendungstyp: Clinical Diagnosis
 Art der Publikation: Test; Test in Print (90; 911)
 Sprache: German
 Land: Germany
 Publikationsjahr: 2016
 Änderungsdatum: 201709
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