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Modularer Kurzintelligenztest

 PSYNDEX Tests-Dokument: 9007115
 

M-KIT - Modularer Kurzintelligenztest (PSYNDEX Tests Review)

 

Short Modular Intelligence Test/zpid

 Dantlgraber, M.
 (2015). M-KIT. Modularer Kurzintelligenztest. Unter Mitarbeit von Benedikt Hell, Franziska Fischer, Johannes Schult [Testbox mit Manual, Aufgabenheften 1-6 (Wortfolgen, Bildteile, Zahlenvergleiche, Kurztexte, Kartenstapel, Ungleichungen), je 5 Antwortbögen 1-6 (Wortfolgen, Bildteile, Zahlenvergleiche, Kurztexte, Kartenstapel, Ungleichungen), 5 Auswertebögen, 5 Präsentiermappen, Auswerteschablonen 1-3 (Wortfolgen & Kurztexte/Bildteile & Kartenstapel/Zahlenvergleiche & Ungleichungen) und Gesamtübersicht]. Göttingen: Hogrefe.

Preis: 244,00 Euro (Test komplett; Stand: 20.4.2017)

 Bezugsquelle: Testzentrale Hogrefe Verlag GmbH & Co. KG, Herbert-Quandt-Straße 4, D-37081 Göttingen ; E-Mail: testzentrale@hogrefe.de ; URL: http://www.testzentrale.de/ ; Stand: 1.5.2016.
 Adresse(n): o Prof. Dr. Benedikt Hell, Fachhochschule Nordwestschweiz FHNW, Hochschule für Gestaltung und Kunst, Institut Mensch in komplexen Systemen, Riggenbachstrasse 16, CH-4600 Olten, Schweiz ; E-Mail: benedikt.hell@fhnw.ch ; URL: http://www.fhnw.ch/personen/benedikt-hell ; Stand: 31.10.2013
o Michael Dantlgraber, Universität Konstanz, Fachbereich Psychologie, Arbeitsgruppe Reips - Psychologische Methoden & Diagnostik, Universitätsstraße 10, D-78464 Konstanz ; E-Mail: Michael.Dantlgraber@uni-konstanz.de ; URL: https://scikon.uni-konstanz.de/personen/michael.dantlgraber/ ; Stand: 20.4.2017
 WWW-Informationen:
 

Abstract

Diagnostische Zielsetzung:
Mit dem M-KIT lässt sich die fluide Intelligenz bei Personen ab 15 Jahren erfassen. Das Verfahren kann in der Eignungsdiagnostik, im Rahmen der Bildungsberatung oder im Forschungskontext eingesetzt werden.


Aufbau:
Der Test besteht aus fünf optionalen Modulen (ausbalanciert, kernfokussiert, verbal, figural-bildhaft und numerisch), welche sich aus zwei bis drei Aufgabengruppen zusammensetzen. Die sechs Aufgabengruppen (1) Wortfolgen, (2) Bildteile, (3) Zahlenvergleiche, (4) Kurztexte, (5) Kartenstapel und (6) Ungleichungen umfassen jeweils 16 Items. Es handelt sich um Multiple-Choice-Aufgaben mit neun Antwortalternativen.


Grundlagen und Konstruktion:
Dem M-KIT liegt ein Operationalisierungsmodell zugrunde, welches anerkannte Intelligenztheorien integriert. Es wurden überwiegend neuartige Aufgabenformate entwickelt, mit denen das fluid-schlussfolgernde Denken kernfokussiert oder durch eine etwas stärkere konstruktferne Prägung ausbalanciert erfasst wird. Insgesamt wurden 11 unterschiedliche Aufgabenformate mit jeweils 18 Items konstruiert. Die Auswahl der Items erfolgte anhand theoretischer Überlegungen sowie teststatistischer Kriterien, welche in drei Untersuchungen an der Universität Konstanz an insgesamt N = 189 Studierenden erhoben wurden. Darüber hinaus wurde bei der Konstruktion des Tests besonders auf die Aspekte Genderfairness und Akzeptanz geachtet.


Empirische Prüfung und Gütekriterien:
Reliabilität: Die interne Konsistenz variiert je nach Modul zwischen Alpha = .80 bis Alpha = .92 (N = 1 054). Für die Retestreliabilität in einem Intervall von 6 bis 10 Wochen wurden Werte von Alpha = .75 bis Alpha = .90 ermittelt (n = 105).
Validität: Das einfaktorielle Modell des M-KIT konnte mittels exploratorischer und konfirmatorischer Faktorenanalysen bestätigt werden. Die Konstruktvalidität wird durch Zusammenhänge der einzelnen Module des M-KIT mit einem anderen Verfahren zur Erfassung des Schlussfolgernden Denkens in Höhe von r = .64 bis r = .74 gestützt. Weitere Hinweise zur Konstruktvalidität des Verfahrens liefern Untersuchungen anhand des Operationalisierungsmodells. Die Kriteriumsvalidität wurde mittels eines Vergleichs mit Schulnoten (n = 608), Abiturnoten (n = 360) sowie Leistungsbewertungen durch Vorgesetzte von Auszubildenden (n = 52) überprüft. Es wurden signifikante Korrelationen für den Gesamttest des M-KIT zu Schulnoten (Mathematik: r = .42, Deutsch: r = .21, Englisch: r = .23), dem Abiturdurchschnitt (r = .36) sowie der abschließenden Auszubildendennote (r = .32) ermittelt.
Normen: Der M-KIT wurde 2013/2014 an zwei Stichproben normiert: einer Stichprobe von n = 608 gymnasialen Schülern aus Baden-Württemberg (49% Frauen; Durchschnittsalter: 17 Jahre) sowie einer Stichprobe von n = 360 Studierenden der Universität Konstanz (64% Frauen; Durchschnittsalter: 22 Jahre). Es liegen Normwerte in Form von Prozenträngen und flächentransformierten Standardwerten für beide Vergleichsgruppen vor.

 

Testkonzept

 

Theoretischer Hintergrund

Der Modulare Kurzintelligenztest (M-KIT; Dantlgraber, 2015) ist ein Verfahren zur Erfassung der fluiden Intelligenz. Das Verfahren basiert auf den Ergebnissen des Projekts "Genderfairness berufs- und studieneignungsdiagnostischer Tests" an der Universität Konstanz. Es erhebt den Anspruch, die fluide Intelligenz besonders (gender-)fair und weitgehend unabhängig von Faktoren wie erworbenem Schulwissen und spezifischen Berufskenntnissen zu messen. Der M-KIT ist modular aufgebaut, sodass ein individueller Einsatz unterschiedlicher Testteile je nach Fragestellung möglich ist.
Nach Cattell und Horn (Cattell, 1963; Horn & Cattell, 1966) kann die allgemeine Intelligenz in eine fluide und eine kristalline Komponente differenziert werden. Die fluide Intelligenz beschreibt "die Fähigkeit, in figuralem, symbolischem und semantischem Kontext zu abstrahieren, Beziehungen zu erkennen, Zusammenhänge abzuleiten und Schlüsse zu ziehen" (Dantlgraber, 2015, S. 15). Im Gegensatz dazu umfasst die kristalline Intelligenz das kulturspezifisch erworbene Faktenwissen. Nach Jensen (1998) stellt die fluide Intelligenz den Kern der allgemeinen Intelligenz dar, da sie sich unter identischen Umweltbedingungen nicht mehr voneinander unterscheiden lassen.
Der M-KIT orientiert sich an der Konstruktdefinition nach McGrew (2005, 2009), welche die fluide Intelligenz mit dem schlussfolgernden Denken gleichsetzt. Das schlussfolgernde Denken wird weiterhin in Induktion und Deduktion unterschieden (McGrew, 2005). Nach Carroll (1993) wird das schlussfolgernde Denken dagegen in einen sequentiellen, einen induktiven und einen quantitativen Faktor differenziert. Wieder ein anderes Modell wird in dem Intelligenz-Struktur-Test 2000 R (I-S-T 2000 R; Liepmann, Beauducel, Brocke & Amthauer, 2007) vorgeschlagen. Hier wird das schlussfolgernde Denken durch Aufgaben der drei inhaltsbezogenen Faktoren verbal, numerisch und figural erfasst.
Dem M-KIT liegt ein Operationalisierungsmodell der fluiden Intelligenz zugrunde, welches die verschiedenen Ansätze integriert (Dantlgraber, 2015). Basierend auf der Annahme, dass jede Testaufgabe eine spezifische konstruktferne Komponente aufweist (z.B. durch das Darbietungsmaterial), gehen die Autoren davon aus, dass es unmöglich ist, ausschließlich den Kern der fluiden Intelligenz zu messen. Für den M-KIT wurden neuartige Aufgabenformate entwickelt, mit denen das fluid-schlussfolgernde Denken kernfokussiert oder durch eine etwas stärkere konstruktferne Prägung ausbalanciert erfasst wird.
 

Testaufbau

Der M-KIT setzt sich aus insgesamt 96 Items im Multiple-Choice-Format zusammen, welche sich auf die folgenden sechs Aufgabengruppen verteilen:
(1) Wortfolgen (16 Items): In dieser Aufgabe sollen Wortfolgen sinnvoll fortgesetzt werden. Hierfür stehen jeweils neun Alternativen zur Verfügung, aus denen ein Wort ausgewählt werden soll.
(2) Bildteile (16 Items): Bei dieser Aufgabe müssen Bildteile gedanklich übereinandergelegt werden und aus neun Alternativen das daraus entstehende Gesamtbild ausgesucht werden.
(3) Zahlenvergleiche (16 Items): Die Aufgabe besteht darin, aus neun Zahlen diejenige herauszufinden, welche am wenigsten zu den anderen passt.
(4) Kurztexte (16 Items): In dieser Aufgabe sollen aus den Informationen eines kurzen Textes die richtigen Schlussfolgerungen gezogen werden. Es stehen jeweils neun verschiedene Schlussfolgerungen zur Auswahl.
(5) Kartenstapel (16 Items): Bei dieser Aufgabe geht es darum, anhand der gegebenen Informationen die richtige Reihenfolge eines Kartenstapels zu erschließen.
(6) Ungleichungen (16 Items): In dieser Aufgabe sollen aus mathematischen Gleichungen die richtigen Schlüsse gezogen werden. Es stehen neun Alternativen zur Auswahl.
Die ersten drei Aufgabengruppen sind etwas leichter und nehmen weniger Zeit (acht Minuten) in Anspruch als die Aufgabengruppen (4) bis (6). Letztere werden mit einer Zeitvorgabe von 12 Minuten unter Zuhilfenahme eines Notizpapiers bearbeitet. Die einzelnen Aufgabengruppen sind in separaten Testheften abgedruckt. Auf der ersten Seite befindet sich eine ausführliche Anleitung mit einem Beispielitem. Für die Bearbeitung stehen der Testperson separate Antwortbögen zur Verfügung.
Die sechs Aufgabengruppen können als Gesamttest durchgeführt oder in unterschiedlicher Zusammensetzung fünf verschiedenen Modulen zugeordnet werden können: (1) Modul K (kernfokussiert), (2) Modul A (ausbalanciert), (3) Modul V (verbal), (4) Modul F (figural-bildhaft) und (5) Modul N (numerisch). Das Modul K (Kurztexte, Kartenstapel, Ungleichungen) ermöglicht eine kernfokussierte Messung der fluiden Intelligenz, durch sequentiell-deduktiv ausgerichtete Aufgaben. Das Modul A (Wortfolgen, Bildteile, Zahlenvergleiche) erfasst die fluide Intelligenz etwas breiter, da die Aufgaben nicht ausschließlich durch sequentielles Schlussfolgern zu lösen sind. Je nach Darbietungsmaterial werden die Module (3) bis (5) unterschieden. Das Modul V (Wortfolgen, Kurztexte) enthält verbale Aufgabengruppen, das Modul F (Bildteile, Kartenstapel) besteht aus figural-bildhaften Aufgabenformaten und das Modul N (Zahlenvergleiche, Ungleichungen) erfasst die fluide Intelligenz mittels numerischem Darbietungsmaterial. Welche Module durchgeführt werden, richtet sich nach der individuellen Fragestellung. Entscheidungshilfen befinden sich im Manual.
 

Auswertungsmodus

Zur Ermittlung der Rohwerte der bearbeiteten Aufgabengruppen werden die entsprechenden Auswerteschablonen auf die Antwortbögen gelegt und die Anzahl richtiger Lösungen rechts unten notiert. Anschließend werden die Rohwerte auf der Rückseite des Auswertebogens vermerkt. Da die eingesetzten Aufgabengruppen je nach Fragestellung variieren, erfolgt im nächsten Schritt die Auswertung der erwünschten Module. Hierfür werden für die materialspezifischen Module (V, F, N) die Rohwerte der Aufgabengruppen spaltenweise aufsummiert. Für die Module A und K erfolgt die Aufsummierung zeilenweise. Zur Ermittlung des Gesamtwertes werden die Rohwerte aller sechs Aufgabengruppen addiert. Die Rohwerte werden mithilfe der Normtabellen in Standardwerte und Prozentränge transformiert und auf dem Antwortbogen graphisch in einer Standardwerteverteilung der Normierungsstichprobe abgetragen.
Auf der Vorderseite des Antwortbogens befinden sich Hinweise zur Auswertung. Darüber hinaus gibt es hier neben den Angaben zur Person (Name, Alter, Geschlecht) Platz für Bemerkungen.
Alternativ kann die Auswertung computergestützt vorgenommen werden.
 

Auswertungshilfen

Für die Auswertung stehen dem Testanwender Schablonen zur Verfügung, welche eine schnelle Ermittlung der Rohwerte gewährleisten. Weitere Unterstützung geben Hinweise zur Auswertung mit Abbildungen des Testmaterials sowie zur Interpretation der Ergebnisse. Alternativ ist eine computergestützte Auswertung möglich.
 

Auswertungszeit

Die Auswertungszeit variiert in Abhängigkeit der durchgeführten Module zwischen einer und drei Minuten.
 

Itembeispiele

Die Items sind unter "Testaufbau" beschrieben. Die Abbildungen können nicht wiedergegeben werden.
 

Durchführung

 

Testformen

Der M-KIT ist je nach Fragestellung als Einzel- oder Gruppentest einsetzbar. Das Verfahren liegt in einer Paper-Pencil-Version sowie einer computergestützten Testversion vor.
 

Altersbereiche

Das Verfahren kann ab einem Alter von 15 Jahren eingesetzt werden.
 

Durchführungszeit

Die Durchführungszeit ist abhängig von den gewählten Modulen und variiert zwischen 25 und 85 Minuten.
 

Material

Die Testbox enthält ein Manual, je ein Aufgabenheft 1-6 (Wortfolgen, Bildteile, Zahlenvergleiche, Kurztexte, Kartenstapel, Ungleichungen), je fünf Antwortbögen 1-6, fünf Auswertebögen, fünf Präsentiermappen, Auswerteschablonen 1-3 (Wortfolgen/Kurztexte, Bildteile/Kartenstapel, Zahlenvergleiche/Ungleichungen) sowie eine Gesamtübersicht. Alle Testmaterialien sind auch separat erhältlich.
Für die Durchführung werden darüber hinaus ein Stift, eine Stoppuhr sowie für einige Aufgabengruppen ein DIN-A4-Papier als Notizblatt benötigt.

Materialliste M-KIT (Testbox Artikelnr. 0320201; Stand 27.04.2016):
- Manual (Artikelnr. 0320202)
- Aufgabenheft 1 (Wortfolgen) (Artikelnr. 0320203)
- Aufgabenheft 2 (Bildteile) (Artikelnr. 0320204)
- Aufgabenheft 3 (Zahlenvergleiche) (Artikelnr. 0320205)
- Aufgabenheft 4 (Kurztexte) (Artikelnr. 0320206)
- Aufgabenheft 5 (Kartenstapel) (Artikelnr. 0320207)
- Aufgabenheft 6 (Ungleichungen) (Artikelnr. 0320208)
- 5 Antwortbögen 1 (Wortfolgen) (Artikelnr. 0320209)
- 5 Antwortbögen 2 (Bildteile) (Artikelnr. 0320210)
- 5 Antwortbögen 3 (Zahlenvergleiche) (Artikelnr. 0320211)
- 5 Antwortbögen 4 (Kurztexte) (Artikelnr. 0320212)
- 5 Antwortbögen 5 (Kartenstapel) (Artikelnr. 0320213)
- 5 Antwortbögen 6 (Ungleichungen) (Artikelnr. 0320214)
- 5 Auswertebögen (Artikelnr. 0320215)
- 5 Präsentiermappen (Artikelnr. 0320216)
- Auswerteschablone 1 (Wortfolgen & Kurztexte) (Artikelnr. 0320217)
- Auswerteschablone 2 (Bildteile & Kartenstapel) (Artikelnr. 0320218)
- Auswerteschablone 3 (Zahlenvergleiche & Ungleichungen) (Artikelnr. 0320219)
- Gesamtübersicht (Artikelnr. 0320220).
 

Instruktion

Die Instruktionen sind schriftlich in den Aufgabenheften vorgegeben und von der Testperson selbstständig zu lesen. Der Testleiter weist mündlich auf die Rahmenbedingungen des Tests hin, welche zum Teil wortwörtlich oder als Hinweis im Manual zu finden sind.
 

Durchführungsvoraussetzungen

Das Verfahren ist ausschließlich bei Personen mit ausreichenden Deutschkenntnissen anzuwenden. Eine ruhige Arbeitsatmosphäre sowie ausreichend Platz und Licht sollten gewährleistet sein.
 

Testkonstruktion

Der M-KIT ist nach der Klassischen Testtheorie konzipiert. Die Entwicklung der Aufgabenformate orientierte sich an Aufgaben klassischer Intelligenztests (Carroll, 1993), wobei solche gewählt wurden, die das Konstrukt kernfokussiert oder ausbalanciert messen. Es wurden 11 unterschiedliche Aufgabenformate mit jeweils 18 Items konstruiert. 27% der Items basierten auf etablierten Aufgaben der psychologischen Intelligenzdiagnostik, 73% wurden dagegen neu konzipiert. Für die Testentwicklung wurden drei Untersuchungen an der Universität Konstanz an insgesamt N = 189 Studierenden durchgeführt. Die Auswahl der geeigneten Aufgaben erfolgte anhand theoretischer Überlegungen sowie anhand der psychometrischen Kennwerte.
Für die Aufgabe "Wortfolgen" wurden ausschließlich Wörter und Wortbeziehungen ausgewählt, die als allgemein bekannt gelten, um gewährleisten zu können, dass kein Vorwissen (kristalline Intelligenz) zur Bearbeitung benötigt wird. Die Schwierigkeit der Aufgaben sollte sich allein aus der Kombination mehrerer allgemein bekannter Wörter und Wortbeziehungen ergeben.
Für die Aufgabe "Bildteile" wurden Bilder verwendet, welche sich aus einzelnen geometrischen Figuren zusammensetzen und im westlichen Kulturraum als allgemein bekannt vorausgesetzt werden können. Die Lösung der Aufgaben erfordert daher systematisch schlussfolgerndes Denken und weniger visuelles Vorstellungsvermögen.
Die Aufgabe "Zahlenvergleiche" besteht aus Zahlen, welche über spezifische mathematische Regeln in einem Zusammenhang miteinander stehen. Es wurden lediglich leichte, allgemein bekannte Regeln verwendet, um mit der Aufgabe möglichst kein mathematisches Vorwissen zu messen. Die Schwierigkeit der Aufgaben wird durch die Kombination mehrerer leichter Gruppierungsregeln erreicht.
Für die Aufgabe "Kurztexte" wurde auf die Verwendung kurzer und eindeutiger Texte ohne Fremdwörter geachtet. Eine Lösung der Aufgabe ist allein durch logisches und sequentielles Denken möglich.
Die Aufgabe "Kartenstapel" enthält einfache und leicht unterscheidbare Bilder und Symbole, welche als allgemein bekannt angenommen werden können. Das figural-bildhafte Material dient ausschließlich einer abstrakt logischen und sequentiell zu lösenden Fragestellung.
Für die Aufgabe "Ungleichungen" wurde numerisches Darbietungsmaterial für ein sequentiell-deduktives Aufgabenformat verwendet.
Bei der Entwicklung des Verfahrens wurde außerdem stark auf Genderfairness und Akzeptanz bei den Testpersonen geachtet. Die Genderfairness wurde auf der Ebene des Modells, der Aufgabenformate sowie der Items berücksichtigt. Zur Prüfung der Akzeptanz des Verfahrens wurde eine abgewandelte Version des AKZEPT!-L Fragebogens (Kersting, 2008) eingesetzt. Der M-KIT weist nach dem Schulnotensystem insgesamt eine Bewertung von 2.28 auf.
 

Gütekriterien

 

Objektivität

Die Durchführungsobjektivität wird durch standardisierte Instruktionen gesichert. Durch eindeutige Auswertungsregeln wird eine hohe Objektivität in Hinblick auf die Auswertung gewährleistet. Die Objektivität der Interpretation der Ergebnisse ist durch Interpretationsrichtlinien und Normwerte als hoch einzuschätzen.
 

Reliabilität

Für die einzelnen Module sowie für den Gesamttest wurden die internen Konsistenzen an der Normierungsstichprobe (N = 608) (siehe unter "Normierung"), einer Stichprobe von Auszubildenden (n = 52) aus sieben verschiedenen Unternehmen (35% Frauen; Durchschnittsalter: 22 Jahre) sowie der Gesamtstichprobe (N = 1 054), welche alle Teilstichproben umfasst (siehe unter "Validierung"), geschätzt. Der Gesamttest weist in allen Stichproben eine interne Konsistenz von Alpha > .90 auf. Für die einzelnen Module wurden Werte von Alpha = .78 bis Alpha = .93 ermittelt (siehe Tabelle 1).

Tabelle 1
Interne Konsistenzen der Module und des Gesamttests in der Gesamtstichprobe (N = 1 054), der Normierungsstichprobe (N = 608) und der Auszubildendenstichprobe (n = 52) (nach Dantlgraber, 2015, S. 58)
------------------------------------------------------------ 
Cronbachs Alpha
Modul N = 1 054 N = 608 n = 52
------------------------------------------------------------
ausbalanciert .80 .79 .83
kernfokussiert .90 .90 .93
------------------------------------------------------------
verbal .80 .78 .85
figural-bildhaft .85 .84 .84
numerisch .82 .81 .87
------------------------------------------------------------
Gesamttest .92 .91 .94
------------------------------------------------------------

Darüber hinaus wurde die Retestreliabilität an einer Teilstichprobe von n = 105 Studierenden (66% Frauen) in einem Zeitintervall von sechs bis zehn Wochen überprüft. Für den Gesamttest beträgt die Retestreliabilität rtt = .90. Für die einzelnen Module variiert der Wert von rtt = .75 (numerisch) bis rtt = .86 (kernfokussiert). Die Profilreliabilität wurde nicht berechnet.
 

Validität

Die Inhaltvalidität des M-KIT ist durch die Orientierung an der anerkannten Konstruktdefinition von McGrew (2005, 2009) gegeben.
Die faktorielle Validität wurde anhand der Gesamtstichprobe von N = 1 054 Personen überprüft. Diese setzte sich aus den folgenden vier Stichproben zusammen: n = 608 gymnasiale Schüler (49% Frauen), n = 34 Schüler des einjährigen Berufskollegs zum Erwerb der Fachholschulreife (n = 4 Frauen; n = 30 Männer), n = 52 Auszubildende verschiedener Berufe (35% Frauen), n = 360 Studierende der Universität Konstanz aus unterschiedlichen Fachbereichen (64% Frauen). Sowohl explorativ (53.32% Varianzaufklärung) als auch konfirmatorisch (CFI = .999, RMSEA = .016) konnte die einfaktorielle Struktur des Verfahrens belegt werden. Auch für das Modul A und das Modul K konnte die einfaktorielle Struktur bestätigt werden, wobei der extrahierte Faktor des Modul K erwartungskonform mehr Varianz aufklärt (69.58%) als der des Modul A (56.22%).
Zur Überprüfung der Konstruktvalidität wurden die einzelnen Module des M-KIT mit dem Grundmodul A des I-S-T 2000 R (Liepmann et al., 2007) zur Messung des schlussfolgernden Denkens korreliert. Die Untersuchung erfolgte anhand einer Teilstichprobe der Studierendenstichprobe von n = 145 Personen. Der Gesamttest des M-KIT korreliert zu r = .78 mit dem Modul "Schlussfolgerndes Denken" des I-S-T 2000 R. Die Zusammenhänge der einzelnen Module des M-KIT mit dem I-S-T 2000 R variieren zwischen r = .64 bis r = .74. Weitere Hinweise zur Konstruktvalidität des Verfahrens zeigen Untersuchungen zur Überprüfung des Operationalisierungsmodells. Hierbei konnte gezeigt werden, dass der M-KIT eine geringere Materialprägung als der I-S-T 2000 R aufweist.
Für die Überprüfung de Kriteriumsvalidität wurden Schulnoten in Deutsch, Mathematik und Englisch der Schülerstichprobe (N = 608), Abiturnoten der Studierendenstichprobe (N = 360) sowie Leistungsbewertungen durch Vorgesetzte der Auszubildendenstichprobe (n = 52) herangezogen. Die Autoren weisen darauf hin, dass die Zusammenhänge mit Vorsicht zu interpretieren sind, da Prüfungsleistungen zu großen Teilen auf gelerntem Wissen basieren und dadurch kristalline Intelligenz erfassen. Für den Gesamttest des M-KIT wurden signifikante Korrelationen zu den Schulnoten (Mathematik: r = .42, Deutsch: r = .21, Englisch: r = .23), dem Abiturdurchschnitt (r = .36) sowie der abschließenden Auszubildendennote (r = .32) ermittelt.
 

Normierung

Die Normierung wurde in den Jahren 2013/2014 an einer Stichprobe von insgesamt N = 968 Personen durchgeführt. Die Stichprobe setzt sich zum einen aus n = 608 gymnasialen Schülern der 11. und 12. Klasse aus Baden-Württemberg (49% Frauen; Altersdurchschnitt: 17 Jahre) sowie n = 360 Studierenden der Universität Konstanz mit deutscher Muttersprache (64% Frauen; Altersdurchschnitt: 22 Jahre) zusammen. Letztere wurden über Aushänge und E-Mail angeworben und stammen aus unterschiedlichen Studiengängen (29% Kultur- und Geisteswissenschaften, 35% Human- und Naturwissenschaften, 36% Wirtschafts- und Sozialwissenschaften). Normwerte sind für beide Stichproben separat in Form von Prozenträngen und flächentransformierten Standardwerten gegeben.
 

Anwendungsmöglichkeiten

Das Verfahren dient der Diagnostik der fluiden Intelligenz bei Personen ab 15 Jahren und kann im Rahmen der Eignungsdiagnostik, Bildungsberatung oder in der Forschung verwendet werden.
 

Bewertung

Der Modulare Kurzintelligenztest (Dantlgraber, 2015) ist ein modernes und ökonomisches Verfahren zur Erfassung der fluiden Intelligenz überwiegend unabhängig von Vorwissen aus Schule und Beruf. Eine besondere Stärke des Tests ist seine Anwenderfreundlichkeit. Diese spiegelt sich zum einem in dem modularen Aufbau des Tests wider, welcher eine sehr flexible und individuelle Anwendung ermöglicht. Zum anderen ist das Testmaterial modern und anwenderfreundlich gestaltet. Das Manual des Verfahrens ist übersichtlich aufgebaut und im Anhang befinden sich als Orientierung eine Kurzbeschreibung der Module und des Gesamttests sowie eine Checkliste zur Testdurchführung. Besonders positiv hervorzuheben ist zudem die hohe Akzeptanz und Genderfairness des M-KIT.
Der M-KIT gilt hinsichtlich der Durchführung, Auswertung und Interpretation als uneingeschränkt objektiv. Das Verfahren weist für den Gesamttest eine hohe interne Konsistenz und Retestreliabilität auf. Für die einzelnen kürzeren Module fallen die Werte zufriedenstellend bis sehr gut aus. Das einfaktorielle Modell konnte mittels konfirmatorischer Faktorenanalysen bestätigt werden und weist einen sehr guten Fit auf. Hinsichtlich der Konstrukt- und Kriteriumsvalidität liegen stützende Befunde vor. Der M-KIT verfügt über aktuelle Normen. Hierbei ist darauf hinzuweisen, dass der Leistungsdurchschnitt der Normierungsstichprobe über dem der allgemeinen Bevölkerung liegt, was bei der Interpretation der Ergebnisse berücksichtigt werden sollte. Eine Normierung an einer bevölkerungsrepräsentativen Stichprobe steht noch aus.
 

Literatur

  • Carroll, J. B. (1993). Human cognitive abilities: A survey of factor analytic studies. New York, NY: Cambridge University Press.
  • Cattell, R. B. (1963). Theory of fluid and crystallized intelligence: A critical experiment. Journal of Educational Psychology, 54, 1-22.
  • Dantlgraber, M. (2015). M-KIT. Modularer Kurzintelligenztest. Unter Mitarbeit von Benedikt Hell, Franziska Fischer, Johannes Schult. Göttingen: Hogrefe.
  • Horn, J. L. & Cattell, R. B. (1966). Refinement and test of the theory of fluid and crystallized general intelligences. Journal of Educational Psychology, 57, 253-270.
  • Jensen, A. R. (1998). The g factor. Westport, CT: Praeger.
  • Kersting, M. (2008). Zur Akzeptanz von Intelligenz- und Leistungstests. Report Psychologie, 33, 420-433.
  • Liepmann, D., Beauducel, A., Brocke, B. & Amthauer, R. (2007). Intelligenz-Struktur-Test 2000 R (I-S-T 2000 R) (2., erweiterte und überarbeitete Auflage). Göttingen: Hogrefe.
  • McGrew, K. S. (2005). The Cattell-Horn-Carroll theory of cognitive abilities. In D. P. Flanagan & P. L. Harrison (Eds.), Contemporary intellectual assessment: Theories, tests, and issues (pp. 136-181; 2nd ed.). New York, NY: Guilford Press.
  • McGrew, K. S. (2009). CHC theory and the human cognitive abilities project: Standing in the shoulders of the giants of psychometric intelligence research. Intelligence, 37, 1-10.
 
 Lena Antony (29.11.2017)
 APA-Schlagworte/PSYNDEX Terms:

Computer Assisted Testing; Classical Test Theory; Questionnaires; Pictorial Stimuli; Numbers (Numerals); Multiple Choice (Testing Method); Subtests; Test Norms; Intelligence Measures; Intelligence

Computerunterstütztes Testen; Klassische Testtheorie; Fragebögen; Bild-Stimuli; Zahlen; Multiple-Choice-Methode; Untertests; Testnormen; Intelligenztests; Intelligenz

 weitere Schlagworte:

2015; Hogrefe Testsystem; Fluide Intelligenz; ab 15 Jahre; 96 Items; Module: 1 Kernfokussiert, 2 Ausbalanciert, 3 Verbal, 4 Figural-bildhaft, 5 Numerisch; Aufgabengruppen: 1 Wortfolgen, 2 Bildteile, 3 Zahlenvergleiche, 4 Kurztexte, 5 Kartenstapel, 6 Ungleichungen; Normierungsjahr: 2014; Normstichprobe: 968
 Klassifikation:

Persönlichkeitstests; Persönlichkeitseigenschaften und Persönlichkeitsprozesse; Kognitive Prozesse
Intelligenztests für Jugendliche und Erwachsene
2.4
 Anwendungstyp: Individual Diagnosis
 Art der Publikation: Test; Test in Print (90; 911)
 Sprache: German
 Land: Germany
 Publikationsjahr: 2015
 Änderungsdatum: 201704
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