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Skala für Einstellungen, Haltungen und Bedenken zu Inklusiver Pädagogik / Skala zu Lehrer/innenwirksamkeit in Inklusiver Pädagogik (PSYNDEX Tests Abstract)

 PSYNDEX Tests-Dokument: 9007118
 

SACIE-R/TEIP - Skala für Einstellungen, Haltungen und Bedenken zu Inklusiver Pädagogik / Skala zu Lehrer/innenwirksamkeit in Inklusiver Pädagogik (PSYNDEX Tests Abstract)

 

Sentiments, Attitudes and Concerns about Inclusive Education Revised Scale (SACIE-R; Forlin, C., Earle, C., Loreman, T. & Sharma, U. 2011) / Teacher Efficacy to Implement Inclusive Practices (TEIP; Sharma, Loreman & Forlin, 2012) - German versions/author

 Feyerer, E., Reibnegger, H., Hecht, P., Niedermair, C., Soukup-Altrichter, C. & Plaimauer, C., Prammer-Semmler, E., Moser, I. & Bruch, I.
 (2016). Deutsche Version SACIE-R & TEIP. Skala für Einstellungen, Haltungen und Bedenken zu Inklusiver Pädagogik und Skala zu Lehrer/innenwirksamkeit in Inklusiver Pädagogik. In Leibniz-Zentrum für Psychologische Information und Dokumentation (ZPID) (Hrsg.), Elektronisches Testarchiv. Online im Internet, URL: https://www.zpid.de/index.php?wahl=products&uwahl=frei&uuwahl=testarchiveintro (Stand: 1.12.2016).

 Bezugsquelle: Das Verfahren ist im "Elektronischen Testarchiv" des ZPID enthalten und steht unter der "Creative Commons Namensnennung-NichtKommerziell-KeineBearbeitung 3.0 Unported (CC BY-NC-ND 3.0)"-Lizenz (http://creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/3.0/deed.de); es kann für nichtkommerzielle Forschungs- und Unterrichtszwecke kostenlos eingesetzt werden. ; URL: https://www.zpid.de/index.php?wahl=products&uwahl=frei&uuwahl=userlog ; Stand: 1.5.2016.
 Adresse(n): o Prof. Dr. Ewald Feyerer, Institut Inklusive Pädagogik, Pädagogische Hochschule Oberösterreich, Kaplanhofstraße 40, A-4020 Linz, Österreich ; E-Mail: ewald.feyerer@ph-ooe.at ; URL: http://www.ph-ooe.at/iip/FeyererE/ewald1.htm ; Stand: 12.07.2016
o Dr. Harald Reibnegger, M. Ed., Institut Inklusive Pädagogik, Pädagogische Hochschule Oberösterreich, Kaplanhofstraße 40, A-4020 Linz, Österreich ; URL: https://www.ph-online.ac.at/ph-ooe/visitenkarte.show_vcard?pPersonenId=1580D118AC72ED83&pPersonenGruppe=3 ; Stand: 7.9.2016
o Dr. Petra Hecht, Pädagogische Hochschule Vorarlberg, Abteilung Forschung, Liechtensteinerstraße 33-37, A-6800 Feldkirch, Österreich ; E-Mail: petra@hechte.at ; URL: https://www.ph-online.ac.at/ph-vorarlberg/visitenkarte.show_vcard?pPersonenId=0FCB18087E01C989&pPersonenGruppe=3 ; Stand: 12.07.2016
o Dr. Klaudia Niedermair, Pädagogische Hochschule Vorarlberg, Liechtensteinerstraße 33-37, A-6800 Feldkirch, Österreich ; E-Mail: claudia.niedermair@inode.at ; URL: https://www.ph-online.ac.at/ph-vorarlberg/visitenkarte.show_vcard?pPersonenId=04CFE8B73AFC1A21&pPersonenGruppe=3 ; Stand: 12.07.2016
o Dr. Katharina Soukup-Altrichter, Institut Inklusive Pädagogik, Pädagogische Hochschule Oberösterreich, Kaplanhofstraße 40, A-4020 Linz, Österreich ; E-Mail: katharina.soukup-altrichter@ph-ooe.at ; URL: https://www.ph-online.ac.at/ph-ooe/visitenkarte.show_vcard?pPersonenId=8EA278A3174EA93E&pPersonenGruppe=3 ; Stand: 12.07.2016
o Dr. Christine Plaimauer, Institut Inklusive Pädagogik, Pädagogische Hochschule Oberösterreich, Kaplanhofstraße 40, A-4020 Linz, Österreich ; E-Mail: christine.plaimauer@ph-ooe.at ; URL: http://www.oefeb.at/personen.php?action=detail&dbuserid=christine.plaimauer&PHPSESSID=80ae5816f19b52b68b0af4a3164582b4 ; Stand: 12.07.2016
o Eva Prammer-Semmler, M.A., Institut Inklusive Pädagogik, Pädagogische Hochschule Oberösterreich, Kaplanhofstraße 40, A-4020 Linz, Österreich ; E-Mail: Eva.Prammer-Semmler@ph-ooe.at ; URL: https://www.ph-online.ac.at/ph-ooe/visitenkarte.show_vcard?pPersonenId=987DCF575B13B52D&pPersonenGruppe=3 ; Stand: 12.07.2016
o Dipl.-Päd. Irene Moser, M.A., Pädagogische Hochschule Salzburg, Akademiestraße, A-5020 Salzburg, Österreich ; E-Mail: Irene.moser@phsalzburg.at ; URL: https://www.ph-online.ac.at/phsalzburg/visitenkarte.show_vcard?pPersonenId=93D53D424565EFA0&pPersonenGruppe=3 ; Stand: 02.09.2016
 WWW-Informationen:
  • Feyerer, E., Dlugosch, A., Prammer-Semmler, E., Reibnegger, H., Niedermair, C. & Hecht, P. (2014). Einstellungen und Kompetenzen von LehramtstudentInnen und LehrerInnen für die Umsetzung inklusiver Bildung. Forschungsprojekt BMUKK-20.040/0011-I/7/2011. Endbericht, April 2014. Linz: Pädagogische Hochschule Oberösterreich. [PDF] (http://www.ph-ooe.at/fileadmin/Daten_PHOOE/Inklusive_Paedagogik_neu/Sammelmappe1.pdf) (Stand: 13.07.2016)
 

Abstract

Diagnostische Zielsetzung:
Im Rahmen des österreichischen Forschungsprojekts "Einstellungen und Kompetenzen von LehramtstudentInnen und LehrerInnen für die Umsetzung inklusiver Bildung", das in Zusammenarbeit mit den Pädagogischen Hochschulen Oberösterreich (PH OÖ) und Vorarlberg (PH V) gestartet wurde, wurden die Skalen "Sentiments, Attitudes and Concerns about Inclusive Education - Revised" (SACIE-R; Forlin, Earle, Loreman & Sharma, 2011) und "Teacher Efficacy for Inclusive Practice" (TEIP; Sharma, Loreman & Forlin, 2012) ins Deutsche übersetzt und weiterentwickelt.
"Das Konzept der Inklusion wird zumeist als eine optimierte und qualitativ erweiterte Integration verstanden, die das gesamte Bildungssystem und alle Kinder und Jugendlichen mit ihren jeweiligen pädagogischen Bedürfnissen einbezieht, egal ob sie nun 'schwerstbehindert' oder 'schwerstbegabt', mit oder ohne Migrationshintergrund, arm oder reich sind, aus intakten oder gestörten, reichen oder armen Familienverhältnissen kommen. Die vorhandene gesellschaftliche Diversität verlangt eine inklusive Schule, in der die Vielfalt nicht als Hindernis, sondern als Chance gesehen wird" (Feyerer, 2015). Österreich hat sich für die Umsetzung eines inklusiven Schulsystems verpflichtet. Zur Ermöglichung einer erfolgreichen Umsetzung bedarf es der entsprechenden Haltung und Einstellung der Pädagogen sowie der Integration und Schwerpunktsetzung der Studiengänge in inklusive Pädagogik (Hecht, Niedermair & Feyerer, 2016).
Als theoretische Grundlage dient die Theorie der Selbstwirksamkeit von Bandura (1997). Hochschuldidaktische Lernarrangements sollen eine positive Einstellung und Selbstwirksamkeitsüberzeugung bewirken. Hecht et al. (2016) nehmen an, dass diese beiden Konzepte stabil, jedoch im Zuge der Lehrerausbildung positiv veränderbar sind (S. 87-88). Die mit inklusiver Pädagogik verbundenen Auswirkungen werden im Vergleich zu den 80er und 90er Jahren eher positiv eingeschätzt laut Schwab und Kollegen (2012; zitiert nach Hecht et al., 2016, S. 88). Dies gilt insbesondere für jüngere Lehrer. Laut einer Studie hatten Lehrer mit 20-jähriger Berufserfahrung und keinem außerschulischen Kontakt mit behinderten Menschen eher eine skeptischere Haltung hinsichtlich eines inklusiven Schulsystems (Dessemontet, Benoit & Bless, 2011, S. 301-302).
Mit diesem Instrument sollen die Inklusion betreffenden Einstellungen und Kompetenzen von Studierenden und Lehrkräften erfasst werden.


Aufbau:
Das zweiteilige Instrument besteht aus jeweils drei Subskalen (Feyerer & Reibnegger, 2014, S. 13-17):
(A) SACIE-R (insg. 15 Items mit vierstufiger Skala):
(1) Negative Einstellungen bzgl. Beeinträchtigung ("sentiments", 5 Items)
(2) Positive Haltungen zur inklusiven Schule ("attitudes", 5 Items)
(3) Bedenken bzgl. der konkreten Umsetzung inklusiven Unterrichts ("concerns", 5 Items).
(B) TEIP (insg. 18 Items mit sechsstufiger Skala):
(4) Zutrauen in die eigenen Fähigkeiten für eine individualisierende Unterrichtsgestaltung ("Efficacy to use inclusive instructions", 6 Items)
(5) Zutrauen in die eigenen Fähigkeiten bzgl. interdisziplinärer Kooperation ("Efficacy in collaboration", 6 Items)
(6) Zutrauen in die eigenen Fähigkeiten im wirksamen Umgang mit störendem Verhalten ("Efficacy in managing behaviour", 6 Items).
Die Items der SACIE-R-Skalen werden folgendermaßen kodiert: 1 = "stimmt überhaupt nicht", 2 = "stimmt eher nicht", 3 = "stimmt eher" und 4 = "stimmt völlig". Bei der TEIP liegt eine sechsstufige Antwortskala mit 1 = "trifft überhaupt nicht zu", 2 = "trifft fast nicht zu", 3 = "trifft eher nicht zu", 4 = "trifft eher zu", 5 = "trifft fast zu" und 6 = "trifft voll zu" vor. Für jede Skala werden die Punkte aufsummiert. Ein hoher Wert bedeutet eine starke Ausprägung bzw. ein niedriger Wert eine niedrige Ausprägung in der jeweiligen Subskala (Feyerer & Reibnegger, 2014, S. 17). Anzumerken ist, dass die Skalen zu den negativen Einstellungen und Bedenken umkodiert wurden, sodass hohe Werte für positive Einstellungen und geringe Bedenken stehen. Für die Ermittlung eines Gesamtwertes müssen die Skalen umgepolt werden (Hecht et al., 2016, S. 91).
Vor dem Ausfüllen der beiden Verfahren sollen Studierende insgesamt 11 und Lehrpersonen 13 unabhängige Variablen zur Demografie, Ausbildung, Vorkenntnisse und zur Qualität der Studien- bzw. Berufsumwelt beantworten. Ein Beispiel lautet: Mein Vertrauen in meine Fähigkeiten, Kinder zu unterrichten, ist sehr niedrig, gering, durchschnittlich, hoch oder sehr hoch.


Grundlagen und Konstruktion:
Die Testkonstruktion beruht auf der Klassischen Testtheorie. Für das vorliegende Instrument wurden zwei englische Skalen, SACIE-R (Forlin et al., 2011) und TEIP (Sharma et al., 2012), von einer Muttersprachlerin ins Deutsche übersetzt und kontinuierlich weiterentwickelt, bis die fünfte Vorversion vorlag. Diese diente zur Analyse der Faktorenstruktur und Verständlichkeit an N = 131 Probanden. Die faktorenanalytischen Ergebnisse werden unter "Validität" näher erläutert. Neben quantitativen Untersuchungen wurden qualitative Analysen in Form von Gruppendiskussionen mit Studenten durchgeführt, die sich im 1., 2., 4. und 6. Semester befanden. Außerdem wurden in 10 Lehrerfallstudien die Haltungen und Kompetenzen von Absolventen der beteiligten Hochschulen erfasst, die ihr erstes bzw. zweites Dienstjahr im integrativen Bereich absolvierten. Auch wie sich diese Haltungen und Kompetenzen entwickelt haben, wurde querschnittlich untersucht. Schließlich wurde das schulische Umfeld dieser Absolventen befragt (Feyerer & Reibnegger, 2014, S. 14 ff.). Tabelle 1 gibt einen Überblick über den Ablauf des Forschungsprojekts.

Tabelle 1
Projektablauf (modifiziert nach Feyerer, 2014, S. 5)

---------------------------------------------------------------------- 
WS 2011/12 Entwicklung der Instrumente
Pretestung
----------------------------------------------------------------------
SS 2012 Datenerhebung bei den 2., 4. und 6. Semestrigen
Datenerhebung bei den LehrerInnen im 1. & 2. Dienstjahr
----------------------------------------------------------------------
WS 2012/13 Datenerhebung bei den 1. Semestrigen
Fertigstellen der Fallstudien
Auswertung und Interpretation der quantitativen Daten
----------------------------------------------------------------------
SS 2013 Fallstudienvergleich
Erstellen des Abschlussberichts
Dissemination
----------------------------------------------------------------------
WS 2013/14 Fortsetzung der echten Laengsschnittstudie nach Projekt-
bis 2017/18 ende (gegen Ende des 3. und 6. Semesters sowie zu Ende
des 1. und 2. Dienstjahres)
----------------------------------------------------------------------
Anmerkungen. WS = Wintersemester, SS = Sommersemester.


Empirische Prüfung und Gütekriterien:
Reliabilität: Die Interne Konsistenz (Cronbachs Alpha) liegt für die SACIE-R-Skalen bei Alpha = .62 ("sentiments"), .65 ("concerns") und .80 ("attitudes"). Bei den drei TEIP-Skalen fallen die Koeffizienten höher aus. Sie bewegen sich zwischen Alpha = .75 und .82 (Hecht et al., 2016, S. 93, Tabelle 1).
Validität: Eine Faktorenanalyse mit Rotation ergab eine Vierfaktorenstruktur bei SACIE-R. Die Items der Skala "Negative Einstellungen bzgl. Beeinträchtigung" luden im Gegensatz zum Originalfragebogen auf zwei Faktoren. Bei TEIP fand sich analog zum Original eine dreifaktorielle Lösung, jedoch gab es Abweichungen, z. B. luden einige Items des zweiten Faktors auch auf dem ersten Faktor. Die Faktorladungen der dritten Skala unterschieden sich von denen des Originals. Als Grund wird angenommen, dass die untersuchten Stichproben sich stark voneinander unterschieden: deutsche Lehramtsstudierende (50% Erstsemestler; 21.6% Zweit- und Drittsemestler) und Lehrpersonen im Berufseinstieg (6.8%) vs. englische Lehrende (Hecht et al., 2016, S. 91-92). Die Items sind vielmehr auf bereits Lehrende abgestimmt (z. B. "Ich kann genau abschätzen, was Schüler/innen von dem, was ich gelehrt habe, verstanden haben.").
Hecht et al. (2016) konnten nachweisen, dass Studierende im zweiten (M2, SD2) und im dritten Studienjahr (M2, SD3) im Vergleich zu Erstsemestlern und Berufseinsteigern - erhoben mit dem SACIE-R - signifikant positivere Haltungen (M2 = 3.26, SD2 = .55; M3 = 3.24, SD3 = .55) und zugleich höhere Bedenken (M2 = 2.37, SD2 = .57; M3 = 2.38, SD3 = .56) zeigten. Erstsemestler und Berufseinsteiger zeigten gleich hohe Bedenken. Zudem zeigte sich, dass mit zunehmender Ausbildungserfahrung die Selbstwirksamkeitsüberzeugung (TEIP-Skala 3 "Zutrauen in die eigenen Fähigkeiten im wirksamen Umgang mit störendem Verhalten/Efficacy in managing behaviour") signifikant steigt (S. 93-94). Eine Regressionsanalyse mit dem Gesamtscore in SACIE-R als Prädiktor erbrachte folgendes Ergebnis: Hohe Werte in den TEIP-Skalen 2 und 3, d. h. das Zutrauen in die eigenen Fähigkeiten zur interdisziplinären Kooperation und im Umgang mit herausforderndem Verhalten, tragen signifikant zur Aufklärung der Einstellungen bei. Eine qualitative Analyse der oben aufgeführten Ergebnisse anhand von Gruppendiskussionen mit den Studienteilnehmern ergab, dass die "positivere Haltung bei gleichzeitigem, gesteigertem Bedenken" der Höhersemestrigen damit erklärt werden kann, dass diese sich mit dem Konzept Inklusion differenzierter und tiefgründiger auseinandersetzen und sich mehr Gedanken über mögliche Schwierigkeiten im inklusiven Setting machen (S. 97). Die gesteigerte Selbstwirksamkeitsüberzeugung erklären die Autoren damit, dass Studienanfänger vor allem "Gefühle der Überforderung" beschreiben, die sie nicht näher erläutern können aufgrund von "Mangel an Wissen und Erfahrung", die sich mit der Studiendauer positiv verändert. Was die regressionsanalytische Auswertung angeht, so werden die Ergebnisse in den Gruppendiskussionen widergespiegelt. Studierende betonen die Relevanz von Teamarbeit für die Umsetzung inklusiver Bildung sowie beim Umgang von schwierigen Verhalten (S. 98).
Internationale Vergleichsergebnisse zeigen, dass Lehramtsstudierende und Lehrkräfte aus Hongkong, Indonesien, Kanada, Österreich und Australien in allen TEIP-Subskalen über dem theoretischen Mittelwert von 3 liegen. Den niedrigsten Mittelwert (M = 3.84, SD = .54) weisen Pädagogen aus Hongkong auf (Feyerer & Reibnegger, 2014, S. 23-24). Mit dem SACIE-R wurden Mittelwertvergleiche zwischen Österreich und den USA angestellt, die signifikante Gruppenunterschiede erbrachten (siehe Tabelle 2).

Tabelle 2
SACIE und TEIP im Vergleich Österreich - New York (M, SD; modifiziert nach Feyerer & Reibnegger, 2014, S. 23, Tabelle 17)

---------------------------------------------------------------------- 
Dimension Oesterreich New York Signifikanz
(N = 1433) (N = 122)
----------------------------------------------------------------------
Attitudes 3.15 (.57) 2.66 (.52) .000**
Concerns 2.56 (.57) 2.50 (.49) .24
Sentiments 1.96 (.51) 2.13 (.41) .000**
Efficacy to Use
Inclusive Instructions 4.71 (.65) 4.89 (.58) .004**
Efficacy in Collaboration 4.44 (.83) 5.00 (.59) .000**
Efficacy in Managing behavior 4.61 (.66) 4.64 (.69) .71
----------------------------------------------------------------------
Anmerkungen. Mittelwertangaben, in Klammern stehen die Standardabweichungen. ** = signifikant (p < .05).

Weitere Unterschiede zeigen sich (Feyerer & Reibnegger, 2014, S. 24-57) ...
(1) ... im Geschlecht: Männliche Pädagogen haben signifikant niedrigere Werte als Frauen in der SACIE-R-Subskala "Positive Haltungen zur inklusiven Schule". Frauen zeigen in den TEIP-Subskalen "Zutrauen in die eigenen Fähigkeiten für eine individualisierende Unterrichtsgestaltung" und "Zutrauen in die eigenen Fähigkeiten bzgl. interdisziplinärer Kooperation" signifikant höhere Mittelwerte als Männer.
(2) ... im Alter (ähnliche Ergebnisse wie die von Hecht et al., 2016, siehe oben): Z. B. weisen junge Pädagogen (bis 30 Jahre) niedrigere Werte in der TEIP-Subskala "Zutrauen in die eigenen Fähigkeiten bzgl. interdisziplinärer Kooperation" als Ältere auf (über 35 Jahre).
(3) ... in der Vorbildung: Studenten mit praktischer Ausbildung haben signifikant höhere Werte in der TEIP-Subskala "Umgang mit dem Verhalten von Schülern".
(4) ... zwischen Oberösterreich und Vorarlberg:
- OÖ mit signifikant höheren Werten in "Attitudes" (= SACIE-R-Subskala 3) und TEIP-Subskala "Zutrauen in die eigenen Fähigkeiten für eine individualisierende Unterrichtsgestaltung".
- Lehrer aus Vorarlberg mit höheren Werten in der TEIP-Subskala "Umgang mit dem Verhalten von Schülern" als Lehrer aus Oberösterreich .
- Studenten aus Oberösterreich mit meist signifikant höheren Werten als Studenten aus Vorarlberg.
(5) ... zwischen Studenten unterschiedlicher Lehramtsstudiengänge: Sonderschulstudenten haben im Gegensatz zu den anderen Lehrämtern (Volksschule Klasse 1-4, entspricht der deutschen Grundschule; Sekundarstufe 1 = Klasse 5-8, steht in diesem Fall für Hauptschulen oder Neue Mittelschulen) weniger Bedenken bei der Umsetzung inklusiven Unterrichts, weniger Scheu im Umgang mit behinderten Menschen und eine positivere Haltung zum inklusiven Schulsystem. Auch zeigen sie eine höhere Selbstwirksamkeit.
(6) ... in der Studiendauer: Hier ergeben sich je nach Skala bzw. Subskala heterogene Ergebnisse. Einerseits verbessert sich die Haltung gegenüber dem inklusiven Unterrichten, andererseits entstehen im Hinblick auf die konkrete Umsetzung eines inklusiven Unterrichts mehr Bedenken.
(7) ... zwischen Lehrern unterschiedlicher Schulen: Sonderschullehrer weisen geringere Bedenken bzgl. der Umsetzung eines inklusiven Unterrichts auf als Regelschullehrer.
(8) ... in der Erfahrung im Unterrichten von Kindern mit Beeinträchtigung: Erwartungsgemäß haben erfahrene Lehrer positivere Werte in den beiden Instrumenten.
(9) ... in der inklusiven Qualität des beruflichen Umfeldes bzw. der Ausbildungsstätte: Diejenigen, die eine hohe Qualität zuschreiben, erzielen in allen Skalen positive Werte.
Normen: Eine Normierung wurde nicht durchgeführt. Es liegen jedoch Mittelwerte und Standardabweichungen vor (siehe Tabelle 3).

Tabelle 3
Kennwerte zu den Einstellungen, Haltungen (SACIE-R) und inklusionsbezogenen Selbstwirksamkeitsüberzeugungen (TEIP; modifiziert nach Hecht et al., 2016, S. 93, Tabelle 1)
------------------------------------------------------------ 
N Min Max M SD
------------------------------------------------------------
SACIE-R - Einstellungen/Haltungen
---------------------------------
Sentiments 1410 1 4 3.04 .50
Attitudes 1421 1 4 3.15 .57
Concerns 1432 1 4 2.44 .54
------------------------------------------------------------
TEIP - Inklusionsbezogene SWK
---------------------------------
Efficacy to Use Inclusive
Instructions 1442 1 6 4.71 .65
Efficacy in Managing Behavior 1443 1 6 4.61 .66
Efficacy in Collaboration 1433 1 6 4.44 .83
------------------------------------------------------------
Anmerkungen. Min = Minimum der erreichbaren Punktzahl, Max = maximal erreichbare Punktzahl, M = Mittelwert, SD = Standardabweichung. SWK = Selbstwirksamkeitsüberzeugung.
 

Altersbereiche

Der Test ist für Lehramtsstudierende und amtierende Lehrkräfte konzipiert.
 

Durchführungszeit

Über die Durchführungszeit liegen keine Angaben vor.
 

Bewertung

Das Instrument erfasst mit zwei Skalen die Einstellungen und Kompetenzen von angehenden und erfahrenen Lehrpersonen hinsichtlich inklusiver Bildung. Reliabilität und Validität wurden untersucht. Es wurden mehrere mögliche Einflussvariablen untersucht. In einer qualitativen Untersuchung (Gruppendiskussionen) wurden die quantitativen Ergebnisse größtenteils bestätigt (mixed-methods-Design). Interessant wären Untersuchungen mit ähnlichen Verfahren. Trotz anderer faktorenanalytischer Ergebnisse wurde die Skalenstruktur der beiden Fragebögen beibehalten. Als Vorteil dieses Vorgehens sehen die Autoren, dass so die Möglichkeit einer internationalen Vergleichbarkeit erhalten bleibt. Das Instrument ist nicht normiert. Es liegen jedoch Mittelwerte als Vergleichswerte vor.
Die Items der TEIP-Skalen sind eher für Lehrpersonen mit Berufserfahrungen als für Lehramtsstudenten geeignet (Ausnahme: Item 34 und 43). Lehramtsstudierende können die Items nicht beantworten, weil ihnen die entsprechende Erfahrung fehlt. Die Items müssten andernfalls im Konjunktiv stehen.
Insgesamt eignet sich das Instrument gut für die Erfassung der inklusiven Einstellungen und Kompetenzen von angehenden und erfahrenen Lehrpersonen.
 

Literatur

  • Bandura, A. (1997). Self-efficacy: The exercise of control. New York: Freeman.
  • Dessemontet, R. S., Benoit, V. & Bless, G. (2011). Schulische Integration von Kindern mit einer geistigen Behinderung - Untersuchung der Entwicklung der Schulleistungen und der adaptiven Fähigkeiten, der Wirkung auf die Lernentwicklung der Mitschüler sowie der Lehrereinstellungen zur Integration. Empirische Sonderpädagogik, 3 (4), 291-307.
  • Feyerer, E. (2014). Einführung. In E. Feyerer, A. Dlugosch, E. Prammer-Semmler, H. Reibnegger, C. Niedermair & P. Hecht (Hrsg.), Einstellungen und Kompetenzen von LehramtstudentInnen und LehrerInnen für die Umsetzung inklusiver Bildung. Forschungsprojekt BMUKK-20.040/0011-I/7/2011. Endbericht, April 2014 (S. 3-10). Linz: Pädagogische Hochschule Oberösterreich.
  • Feyerer, E. (2015). Die NMS als eine Schule für alle. NMS-Schulleitungs-Newsletter No. 34 (29. Jan. 2015).
  • Feyerer, E. & Reibnegger, H. (2014). Teilstudie 1: Quantitative Ergebnisse. Forschungsprojekt BMUKK-20.040/0011-I/7/2011. In E. Feyerer, A. Dlugosch, E. Prammer-Semmler, H. Reibnegger, C. Niedermair & P. Hecht (Hrsg.), Einstellungen und Kompetenzen von LehramtstudentInnen und LehrerInnen für die Umsetzung inklusiver Bildung. Forschungsprojekt BMUKK-20.040/0011-I/7/2011. Endbericht, April 2014 (S. 11-70). Linz: Pädagogische Hochschule Oberösterreich.
  • Forlin, C., Earle, C., Loreman, T. & Sharma, U. (2011). The Sentiments, Attitudes, and Concerns about Inclusive Education Revised (SACIE-R) Scale for measuring pre-service teachers' perceptions about inclusion. Exceptionality Education International, 21 (3), 50-65. [original English scale appended pp. 64-65]
  • Hecht, P., Niedermair, C. & Feyerer, E. (2016). Einstellungen und inklusionsbezogene Selbstwirksamkeitsüberzeugungen von Lehramtsstudierenden und Lehrpersonen im Berufseinstieg. Messverfahren und Befunde aus einem Mixed-Methods-Design. Empirische Sonderpädagogik, 8 (1), 86-102.
  • Sharma, U., Loreman, T. & Forlin, C. (2012). Measuring teacher efficacy to implement inclusive practices. Journal of Research in Special Educational Needs, 12 (1), 12-21. (DOI: 10.1111/j.1471-3802.2011.01200.x) [original English scale appended pp. 18-19]
 

Originalfassung/Anderssprachige Fassungen

  • Forlin, C., Earle, C., Loreman, T. & Sharma, U. (2011). The Sentiments, Attitudes, and Concerns about Inclusive Education Revised (SACIE-R) Scale for measuring pre-service teachers' perceptions about inclusion. Exceptionality Education International, 21 (3), 50-65. [original English scale appended pp. 64-65]
  • Sharma, U., Loreman, T. & Forlin, C. (2012). Measuring teacher efficacy to implement inclusive practices. Journal of Research in Special Educational Needs, 12 (1), 12-21. (DOI: 10.1111/j.1471-3802.2011.01200.x) [original English scale appended pp. 18-19]
 
 Gülay Karadere (06.09.2016)
 APA-Schlagworte/PSYNDEX Terms:

Classical Test Theory; Questionnaires; Rating Scales; Attitude Measures; Teachers; Special Education Teachers; Teacher Personality; Teacher Attitudes; Teacher Characteristics

Klassische Testtheorie; Fragebögen; Rating-Skalen; Einstellungstests; Lehrer; Sonderschullehrer; Lehrerpersönlichkeit; Lehrereinstellungen; Lehrermerkmale

 weitere Schlagworte:

2011; Inklusive Pädagogik; Lehrerselbstwirksamkeit; SACIE-R mit 15 Items; TEIP mit 18 Items; SACIE-R: 1 Negative Einstellungen bzgl. Beeinträchtigung, 2 Positive Haltungen zur inklusiven Schule, 3 Bedenken bzgl. der konkreten Umsetzung inklusiven Unterrichts; TEIP: 1 Zutrauen in die eigenen Fähigkeiten für eine individualisierende Unterrichtsgestaltung, 2 Zutrauen in die eigenen Fähigkeiten bzgl. interdisziplinärer Kooperation, 3 Zutrauen in die eigenen Fähigkeiten im wirksamen Umgang mit störendem Verhalten; Normierungsjahr: keine Angaben; Normstichprobe: 1443
 Klassifikation:

Berufs- und arbeitspsychologische Tests; Pädagogische Messung und Beurteilung; Bildungsorganisation und pädagogisches Personal
Lehrereinstellungstests
7.5.5
 Anwendungstyp: Educational Diagnosis
 Art der Publikation: Test; Electronic Resources (90; 94)
 Sprache: German
 Übersetzungen: Chinese, Dutch, English
 Land: Canada
 Publikationsjahr: 2016
 Änderungsdatum: 201610
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