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Angstfragebogen für Schüler (2016)

 PSYNDEX Tests-Dokument: 9007174
 

AFS (2016) - Angstfragebogen für Schüler (2016) (PSYNDEX Tests Review)

 

Anxiety Questionnaire for Students/zpid

 Wieczerkowski, W., Nickel, H., Janowski, A., Fittkau, B., Rauer, W. & Petermann, F.
 (2016). AFS. Angstfragebogen für Schüler (7., überarbeitete und neu normierte Auflage) [Testmappe mit Manual, 25 Fragebögen und Schablone; zusätzlich erhältlich: Testauswerteprogramm]. Göttingen: Hogrefe.

Preis: 128,00 Euro (Test komplett in 7., überarbeiteter und neu normierter Auflage 2016; Stand: 22.3.2017)

 Bezugsquelle: Testzentrale Hogrefe Verlag GmbH & Co. KG, Herbert-Quandt-Straße 4, D-37081 Göttingen ; E-Mail: testzentrale@hogrefe.de ; URL: http://www.testzentrale.de/ ; Stand: 1.5.2016.
Anmerkung: Eine Computerversion wird ist im Hogrefe TestSystem (HTS) erhältlich, außerdem ist Testing on Demand im Internet möglich.
 Adresse(n): o Prof. Dr. Wulf Rauer, Universität Hamburg, Schulpädagogik, Sozialpädagogik, Behindertenpädagogik und Psychologie in Erziehung und Unterricht (EW 2), Von-Melle-Park 8, D-20146 Hamburg ; E-Mail: Wulf.Rauer@uni-hamburg.de ; URL: https://www.ew.uni-hamburg.de/ueber-die-fakultaet/personen/rauer.html ; Stand: 7.7.2016
o Prof. Dr. Franz Petermann bei PsychAuthors: https://www.zpid.de/psychauthors/index.php?wahl=forschung&uwahl=psychauthors&uuwahl=p00366FP
o Prof. Dr. Bernd Fittkau, Coaching zu Gesundheitsförderung und Persönlichkeitsentwicklung, Justus-Strandes-Weg 8, D-22337 Hamburg ; E-Mail: bernd.fittkau@t-online.de ; URL: http://www.berndfittkau.com/kontakt.php ; Stand: 21.10.2016
o Prof. Wilhelm Wieczerkowski (1927-2014), Universität Hamburg, Pädagogische Psychologie und Entwicklungspsychologie. ; URL: https://www.pb.uni-hamburg.de/ueber-die-fakultaet/aktuelles/nachruf-wieczerkowski.html ; Stand: 31.10.2016
o Prof. Dr. Horst Nickel (1929-2012), Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, Institut für Entwicklungs- und Sozialpsychologie, Abt. Entwicklungs- und Erziehungspsychologie ; Stand: 31.10.2016
 WWW-Informationen:
 

Abstract

Diagnostische Zielsetzung:
Der AFS dient der Erfassung ängstlicher und unlustvoller Erfahrungen von Schülern der 4. bis 12. Jahrgangsstufe. Er kann sowohl im Einzel- als auch Gruppensetting eingesetzt werden und eignet sich für den Einsatz im schulischen und klinischen Kontext. Darüber hinaus kann der Fragebogen als Forschungsinstrument eingesetzt werden.


Aufbau:
Der Fragebogen setzt sich aus den vier Skalen (1) Prüfungsangst, (2) Manifeste Angst, (3) Schulunlust sowie (4) Soziale Erwünschtheit zusammen. Insgesamt umfasst der Fragebogen 50 Items mit einem dichotomen Antwortformat.


Grundlagen und Konstruktion:
Der AFS wurde in seiner ersten Version 1974 auf Basis der Klassischen Testtheorie entwickelt. Die Items wurden in Anlehnung an verschiedene Inventare zur Erfassung von Angst erstellt. Die Vorform der AFS bestand aus 96 Items, welche an einer Stichprobe von N = 768 Schülern geprüft wurde. Es wurden einige Items aufgrund mangelnder psychometrischer Kennwerte eliminiert, sodass die Endform verteilt auf die vier Skalen 50 Items umfasste. Die vier Faktoren des AFS ließen sich mehrfach bestätigen. Für die vorliegende siebte Auflage des AFS wurde die Faktorenstruktur anhand der Daten der Normstichprobe (N = 2 373) erneut überprüft und repliziert.


Empirische Prüfung und Gütekriterien:
Reliabilität: Es liegen Werte der internen Konsistenz (Cronbachs Alpha) für die vier Skalen zwischen Alpha = .73 und Alpha = .89 vor (n = 219). Die Retestreliabilität für einen Zeitraum von zwei Monaten variiert zwischen rtt = .55 und rtt= .71 (n = 88).
Validität: Die Konstruktvalidität des AFS wird durch Korrelationen mit konstruktnahen Verfahren gestützt, wie dem PAF (Hodapp et al., 2011), den SELLMO (Spinath et al., 2012), den Skalen SWSCH und SWSOZ (Satow & Schwarzer, 2003), der SSL (Petermann & Petermann, 2014) sowie dem FEESS 3-4 (Rauer & Schuck, 2003). Darüber hinaus liegen zahlreiche Befunde vor, welche die Veränderungssensitivität des AFS hinsichtlich des Angstniveaus belegen.
Normen: Die Normierung wurde 2015 anhand von insgesamt N = 2 373 Schülern von 35 Schulen in den Bundesländern Berlin, Bremen, Hessen, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Sachsen durchgeführt. Es wurden Grundschulen, Hauptschulen, Realschulen, Gesamtschulen, Gymnasien sowie Förderschulen und Berufsbildende Schulen berücksichtigt. Es liegen Gesamtnormen und geschlechtsspezifische Normen in Form von Prozenträngen und T-Werten vor.

 

Testkonzept

 

Theoretischer Hintergrund

Der Angstfragebogen für Schüler (AFS; Wieczerkowski et al., 2016) ist ein Selbstbeurteilungsinstrument zur mehrdimensionalen Erfassung von ängstlichen und unlustvollen Erfahrungen von Schülern des 4. bis 12. Schuljahres. Entsprechend der Konzeption von Angst wird im AFS zwischen einer manifesten Ängstlichkeit im Sinne eines überdauernden Persönlichkeitsmerkmals (Cattell & Scheier, 1961) und einer situationsspezifischen Leistungsangst unterschieden. Verschiedene Untersuchungen weisen auf eine Wechselwirkung zwischen Angst und Leistung hin. So ist anzunehmen, dass eine höhere Ängstlichkeit in einfachen Lernsituationen mit besseren Leistungen einhergeht (Sweetbaum, 1963). In komplexen Lernsituationen, welche überwiegend im schulischen Alltag gegeben sind, führt eine höhere Ängstlichkeit dagegen zu schlechteren Leistungen (Schell, 1972). So wurden vielfach negative Zusammenhänge zwischen Angst und schulischen Leistungen gefunden (McCandless & Castaneda, 1956; Nickel & Schlüter, 1970).
Das Verfahren wurde erstmals im Jahre 1974 veröffentlicht (Wieczerkowski, Nickel, Janowski, Fittkau & Rauer, 1974) und findet seitdem eine breite Anwendung. Für die vorliegende siebte Auflage wurde der AFS neu normiert. Zudem wurden die Einschätzskalen zur Fremdbeurteilung durch Lehrkräfte aufgrund der geringen Akzeptanz weggelassen.
 

Testaufbau

Der Fragebogen umfasst die drei Skalen (1) Prüfungsangst (PA), (2) Manifeste Angst (MA) und (3) Schulunlust (SU). Darüber hinaus besteht eine Skala zur Erfassung der sozialen Erwünschtheit (SE). Die Skala "Prüfungsangst" erfasst Ängste vor einem Leistungsversagen sowie Hilflosigkeit in Leistungssituationen. Die Skala "Manifeste Angst" beschreibt eine allgemeine Ängstlichkeit, welche mit unterschiedlichen Angstsymptomen wie Herzklopfen und Nervosität einhergeht. Die Skala "Schulunlust" enthält Items zur Erfassung der schulischen Motivation. Insgesamt setzt sich der Fragebogen aus 50 Items zusammen, welche in einem dichotomen Antwortformat mit den beiden Möglichkeiten "stimmt" und "stimmt nicht" zu beantworten sind. Drei Items sind negativ gepolt und müssen für die Auswertung umgepolt werden.
Auf dem Deckblatt des Testheftes werden Angaben zur Person gemacht (Name, Alter, Geschlecht, Schule/Schulart, Klasse, Anzahl der Geschwister sowie Berufe der Eltern). Darunter erfolgt eine schriftliche Instruktion sowie ein Beispielitem, um sich mit dem Antwortformat vertraut zu machen. Die Items des Fragebogens erstrecken sich auf zwei Seiten.
 

Auswertungsmodus

Die Auswertung erfolgt auf der Rückseite des Testheftes. Für die Ermittlung der vier Skalenwerte wird die Schablone auf die Fragebögen gelegt und die Antworten werden entsprechend den Farbmarkierungen abgelesen. Hierbei wird je ein Punkt für die Antwort "stimmt" vergeben. Bei den drei invertierten Items (6, 21, 46) wird ein Punkt für die Antwort "stimmt nicht" vergeben. Die Punktwertsummen der vier Skalen werden jeweils am unteren Rand der Testseite vermerkt und anschließend auf die Rückseite des Fragebogens übertragen. Für die endgültigen Skalenwerte werden die Punktwertsummen der beiden Testblätter addiert. Anschließend können den Normtabellen im Anhang des Manuals die entsprechenden Prozentränge und T-Werte entnommen werden.
 

Auswertungshilfen

Zur Unterstützung bei der Auswertung liegt eine Schablone vor. Darüber hinaus werden Hinweise zur Auswertung und Interpretation mit Abbildungen der Testmaterialien im Manual gegeben. Eine computergestützte Auswertung des Fragebogens ist ebenso möglich.
 

Auswertungszeit

Für die Auswertung werden ca. fünf Minuten benötigt.
 

Itembeispiele

Anmerkung: Nachfolgend wird für jede Skala das Item mit der höchsten Trennschärfe (rit) als Beispiel gegeben.

(1) Prüfungsangst: "Ich habe bei Prüfungen immer Angst, dass ich schlechte Zensuren bekomme." (.68)
(2) Manifeste Angst: "Ich habe sehr oft Angst, dass ich nicht das Richtige tue." (.60)
(3) Schulunlust: "Ich gehe gern zur Schule." (.56)
(4) Soziale Erwünschtheit: "Ich sage immer die Wahrheit." (.56)
 

Durchführung

 

Testformen

Der AFS ist ein Paper-Pencil-Verfahren und kann je nach diagnostischer Zielsetzung als Einzel- oder Gruppentest durchgeführt werden. Das Verfahren ist ebenso als computergestützte Version erhältlich.
 

Altersbereiche

Das Verfahren kann bei Schülern von 9 bis 18 Jahre eingesetzt werden.
 

Durchführungszeit

Die Durchführung nimmt je nach Alter der Testperson 10 bis 25 Minuten in Anspruch.
 

Material

Die Testbox enthält ein Manual, 25 Fragebögen sowie eine Auswertungsschablone. Alle Testmaterialien sind separat erhältlich. Für die Durchführung wird zudem ein Stift benötigt.

Materialliste Testbox (Stand: 28.09.2016):
- Manual (Artikelnr. 02 002 02)
- 25 Fragebögen
- Schablone (Artikelnr. 02 002 03).
 

Instruktion

Die Instruktionen sind schriftlich auf der ersten Seite des Fragebogens abgedruckt. Der Testleiter liest sie laut vor.
 

Durchführungsvoraussetzungen

Für die Durchführung ist vom Testleiter für eine ungestörte Untersuchungssituation zu sorgen. Der Testleiter sollte an der Tafel demonstrieren, wie der Fragebogen ausgefüllt werden soll, insbesondere für jüngere Schüler. Für leseschwache Schüler sollte die Durchführung im Einzelsetting und bestenfalls mit Lesehilfe erfolgen (Wieczerkowski et al., 2016, S. 36). Um eine möglichst positive Einstellung der Testperson zu gewährleisten, sollte darauf hingewiesen werden, dass es sich nicht um eine Leistungssituation handelt.
 

Testkonstruktion

Die Testkonstruktion beruht auf der Klassischen Testtheorie. Der AFS wurde ursprünglich 1974 von Wieczerkowski und Kollegen entwickelt. Die Items wurden in Anlehnung an die Manifest Anxiety Scale (MAS; Taylor, 1953), die Children's Manifest Anxiety Scale (CMAS; Castaneda, McCandless & Palermo, 1956) sowie die Test Anxiety Scale for Children (TASC; Sarason, Davidson, Lighthall & Waite, 1958) erstellt. Darüber hinaus wurden von den Autoren Items nach eigenen Kriterien formuliert. Die Vorform der AFS bestand aus 96 Items, welche sich nahezu gleichmäßig auf die vier Skalen verteilten. An einer Stichprobe von N = 768 Schülern (n = 407 Jungen; n = 361 Mädchen) der Jahrgangsstufen 5, 6 und 8 norddeutscher Volks- und Realschulen sowie Gymnasien wurde die Vorform geprüft. Unter Ausschluss der Skala "Soziale Erwünschtheit" wurde eine exploratorische Faktorenanalyse durchgeführt, welche eine dreifaktorielle Lösung nahelegte. Für die Endform wurden jene Items eliminiert, welche einen Geschlechtereffekt, eine zu geringe Trennschärfe (rit < = .20) oder eine zu geringe bzw. zu hohe Schwierigkeit (.15 > = p < = .85) aufwiesen. Die Endform des AFS setzte sich aus jeweils 15 Items zur Erfassung der Skalen "Prüfungsangst" und "Manifeste Angst" sowie jeweils 10 Items zur Erfassung der Skalen "Schulunlust" und "Soziale Erwünschtheit" zusammen. In nachfolgenden faktorenanalytischen Untersuchungen, welche die Skala "Soziale Erwünschtheit" berücksichtigten, ließen sich die vier Faktoren der AFS bestätigen (Bärsch, Gehrken & Janowski, 1976; Kury & Bäuerle, 1975).
Für den AFS in seiner siebten Auflage wurde die Faktorenstruktur anhand der Daten der Normstichprobe (N = 2 373) erneut überprüft. Das Vierfaktorenmodell ließ sich replizieren (CFT = .69; RMSEA = .06; SRMR = .08). Es wurden allerdings Interkorrelationen in Höhe von r = .72 für die Skalen "Prüfungsangst" und "Manifeste Angst", r = -.40 für die Skalen "Soziale Erwünschtheit" und "Schulunlust" sowie Korrelationen von r = .26 bis r = .29 zwischen den beiden Angstskalen und der Skala "Schulunlust" ermittelt. Die Itemkennwerte wurden an einer zufällig erstellten Teilstichprobe der Normstichprobe von n = 219 Schülern berechnet. Die Schwierigkeitsindizes der Items liegen überwiegend im mittleren Bereich. Die korrigierten mittleren Trennschärfekoeffizienten variieren von rit = .20 bis rit = .68.
 

Gütekriterien

 

Objektivität

Die Durchführung kann aufgrund der Fragebogenform mit gebundener Beantwortung und der schriftlichen Instruktion als objektiv gelten. Die Objektivität der Auswertung und Interpretation der Ergebnisse ist durch das Vorliegen einer Auswerteschablone, der Normwerte und Interpretationshinweise als hoch einzuschätzen.
 

Reliabilität

Die Reliabilität des AFS wurde mithilfe der internen Konsistenz (Cronbachs Alpha) geschätzt. Hierfür wurden die Daten einer zufällig gezogenen Teilstichprobe der Normstichprobe von n = 219 Schülern analysiert. Es wurden Werte von Alpha = .89 für die Skala "Prüfungsangst" und Alpha = .86 für die Skala "Manifeste Angst" ermittelt. Die interne Konsistenz der Skalen "Schulunlust" und "Soziale Erwünschtheit" fallen mit Alpha = .73 und Alpha = .77 etwas geringer aus.
Daneben wurde die Retestreliabilität für ein Intervall von zwei Monaten berechnet (n = 88). Sie erreicht Werte von rtt = .71 für die Skala "Prüfungsangst", rtt = .63 für die Skala "Manifeste Angst", rtt = .55 für die Skala "Schulunlust" und rtt = .65 für die Skala "Soziale Erwünschtheit". Für die Retestreliabilität liegen ebenso Ergebnisse einer Untersuchung aus dem Jahr 1974 über einen Zeitraum von einem Monat vor (n = 368). Die ermittelten Werte liegen zwischen rtt = .71 (Manifeste Angst) und rtt = .76 (Prüfungsangst, Schulunlust). Die Skala "Soziale Erwünschtheit" wurde in dieser Untersuchung nicht überprüft.
 

Validität

Zur Überprüfung der Konstruktvalidität wurde der AFS mit anderen konstruktnahen Verfahren verglichen. Dies erfolgte im Rahmen der Neunormierung anhand von Teilstichproben. Es konnten bedeutsame Zusammenhänge in Höhe von r = .35 bis r = .66 zwischen den beiden Angstskalen des AFS und dem Gesamtwert sowie den einzelnen Dimensionen (Besorgtheit, Mangel an Zuversicht, Interferenz und Aufgeregtheit) des Prüfungsangstfragebogens (PAF; Hodapp, Rohrmann & Ringeisen, 2011) ermittelt werden (n = 699).
Eine Teilstichprobe von n = 424 Schülern bearbeitete zusätzlich die Skalen zur Erfassung der Lern- und Leistungsmotivation (SELLMO; Spinath, Stiensmeier-Pelster, Schöne & Dickhäuser, 2012). Hierbei wurde ein bedeutsamer Zusammenhang der Skala "Schulunlust" des AFS mit der SELLMO-Skala "Arbeitsvermeidung" in Höhe von r = .37 festgestellt. Des Weiteren korrelierten die AFS-Skalen "Prüfungsangst" und "Manifeste Angst" mit der SELLMO-Skala "Vermeidungs-Leistungszielorientierung" (r = .41; r = .43), welche leistungsängstliche Aspekte erfasst.
Zudem konnten niedrige bis mittlere Zusammenhänge zwischen den Skalen des AFS und den Skalen zur schulischen und sozialen Selbstwirksamkeitserwartung (SWSCH und SWSOZ; Satow & Schwarzer, 2003) ermittelt werden (n = 168). Die Skalen "Prüfungsangst" und "Schulunlust" des AFS korrelieren in Höhe von r = -.25 und r = -.34 mit der Skala "Schulische Selbstwirksamkeit", welche die Kompetenzüberzeugung hinsichtlich schulischer Aspekte misst. Mit der Skala "Soziale Selbstwirksamkeit", welche die Kompetenzüberzeugung hinsichtlich sozialer Anforderungen erfasst, ergaben sich ebenso negative Zusammenhänge (r = -.25 und r = -.29) mit den Skalen "Manifeste Angst" und "Schulunlust".
Einer weiteren Teilstichprobe von n = 50 Viertklässlern wurde der Fragebogen zur Erfassung emotionaler und sozialer Schulerfahrungen von Grundschulkindern dritter und vierter Klassen (FEESS 3-4; Rauer & Schuck, 2003) vorgelegt. Es zeigte sich, dass hohe Werte auf der AFS-Skala "Prüfungsangst" mit niedrigen Werten auf der FEESS-Skala "Selbstkonzept der Fähigkeit" einhergingen (r = -.38). Ebenso wurden durchweg negative Korrelationen der FEESS-Skalen (Selbstkonzept der Fähigkeit, Schuleinstellung, Anstrengungsbereitschaft, Lernfreude und Gefühl des Angenommenseins) zur AFS-Skala "Schulunlust" ermittelt.
Ferner ergaben sich negative Zusammenhänge (r = -.23 bis -.33) zwischen der AFS-Skala "Schulunlust" und den Skalen zum Lernverhalten der Schülereinschätzliste für Sozial- und Lernverhalten (SSL; Petermann & Petermann, 2014).
Einen Hinweis auf die Kriteriumsvalidität liefern die Zusammenhänge zwischen der Skala "Prüfungsangst" und den Mathematik- und Deutschnoten. So zeigten sich leichte Zusammenhänge in Höhe von r = .22 für die Deutschnote und r = .23 für die Mathematiknote (n = 814).
Darüber hinaus liegen einige Befunde zur Sensitivität des AFS gegenüber Veränderungen hinsichtlich des Angstniveaus nach unterschiedlichen Interventionen vor (Dobe, Hechler, Behlert, Kosfelder & Zernikow, 2011; Geis, 2003; Käßler & Breme, 1998; Lambert & Spinath, 2013; Stett, 2009).
Überdies zeigte sich ein signifikanter Unterschied zwischen Jungen und Mädchen hinsichtlich der Skalen "Prüfungsangst" und "Manifeste Angst". Mädchen weisen insgesamt höhere Angstwerte auf.
 

Normierung

Für die vorliegende Version wurde eine Neunormierung in dem Zeitraum von März bis September 2015 vorgenommen. Bei der Erhebung der Stichprobe wurde auf eine möglichst repräsentative Verteilung der Schularten sowie ein ausgeglichenes Geschlechterverhältnis geachtet. Hierfür wurden Grundschulen, Hauptschulen, Realschulen, Gesamtschulen, Gymnasien sowie Förderschulen und Berufsbildende Schulen berücksichtigt. Es wurden Daten von insgesamt N = 2 373 Schülern (n = 1 212 Jungen; n = 1 161 Mädchen) von 35 Schulen in den Bundesländern Berlin, Bremen, Hessen, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Sachsen erhoben. Es werden sowohl Gesamtnormen als auch geschlechtsspezifische Normen in Form von Prozenträngen und T-Werten berichtet.
 

Anwendungsmöglichkeiten

Der AFS kann als Einzel- oder Gruppentest durchgeführt werden und eignet sich für den Einsatz in der klinischen Einzelfalldiagnostik und Evaluation von Präventions- und Interventionsmaßnahmen. Im schulischen Bereich kann er zur Erfassung der Angstatmosphäre in Schulklassen sowie im Forschungskontext eingesetzt werden. Bisher wurden zahlreiche Untersuchungen im Schulkontext durchgeführt, die überprüft haben, ob bestimmte Sachverhalte wie genetisch bedingte Syndrome, chronische Schmerzen, Diabetes, Schulverweigerung, Umschriebene Entwicklungsstörungen schulischer Fertigkeiten, PTBS oder spezifische Phobien eine Steigerung der Schulangst verursacht haben. Ebenso kann er für spezielle Fragestellungen angewendet werden. Die Autoren nennen z. B. den Einsatz zur dimensionalen Erfassung von Leistungsängsten bei jungen Patienten mit Sozialer Phobie (Wieczerkowski et al., 2016, S. 17-18).
 

Bewertung

Der Angstfragebogen für Schüler ist ein seit Jahrzehnten eingesetztes und bewährtes Verfahren zur differenzierten Erfassung von Ängstlichkeit und Unlust im schulischen Kontext. Das Verfahren kann in unterschiedlichen Bereichen der pädagogisch-psychologischen und klinischen Praxis sowie im Forschungskontext eingesetzt werden und zeichnet sich durch eine einfache und ökonomische Handhabung aus.
Durchführungs-, Auswertungs- und Interpretationsobjektivität sind uneingeschränkt gegeben. Die interne Konsistenz des Verfahrens ist als überwiegend befriedigend zu bewerten. Die Retestreliabilität für ein Intervall von einem Monat ist als akzeptabel zu bewerten, wobei die Reliabilität nach einem Zeitraum von zwei Monaten deutlich abnimmt. Die Konstruktvalidität wird durch zahlreiche Befunde gestützt. Zudem liegen Hinweise auf die Kriteriumsvalidität des Verfahrens vor. Die faktorielle Validität konnte mehrfach bestätigt werden. Jedoch liegt für das Vierfaktorenmodell lediglich eine akzeptable Passung vor. Die Normen sind aktuell und ermöglichen einen Vergleich für eine breite Altersgruppe.
Insgesamt handelt es sich um ein sinnvolles und nützliches Verfahren für den Einsatz in Praxis und Forschung.
 

Literatur

  • Bärsch, W., Gehrken, K. & Janowski, A. (1976). Wechselwirkung zwischen Schule und Familie: Materialsammlung zur Hamburger Schuluntersuchung. Materialien zum Zweiten Familienbericht der Bundesregierung. München: Deutsches Jugendinstitut.
  • Castaneda, A., McCandless, B. R. & Palermo, D. S. (1956). The children's form of the Manifest Anxiety Scale. Child Development, 27, 317-326.
  • Cattell, R. B. & Scheier, J. H. (1961). The meaning and measurement of neuroticism and anxiety. New York: Ronald Press.
  • Dobe, M., Hechler, T., Behlert, J., Kosfelder, J. & Zernikow, B. (2011). Schmerztherapie bei chronisch schmerzkranken, schwer beeinträchtigten Kindern und Jugendlichen. Langzeiterfolge einer 3-wöchigen stationären Schmerztherapie. Schmerz, 25, 411-422.
  • Geis, A. (2003). Sozialtraining an der Hauptschule Burgau. Studie zur Erfassung der Trainingseffekte. Unsere Jugend, 55, 339-346.
  • Hodapp, V., Rohrmann, S. & Ringeisen, T. (2011). Prüfungsangstfragebogen (PAF). Göttingen: Hogrefe.
  • Käßler, P. & Breme, K. (1998). Evaluation eines Trainingsprogramms für ängstliche Kinder. Praxis der Kinderpsychologie und Kinderpsychiatrie, 47, 657-667.
  • Kury, H. & Bäuerle, S. (1975). Zur faktoriellen Struktur des AFS. Psychologie in Erziehung und Unterricht, 22, 323-332.
  • Lambert, K. & Spinath, B. (2013). Veränderungen psychischer Belastung durch die Förderung von rechenschwachen Kindern und Jugendlichen. Zeitschrift für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie, 41, 23-34.
  • McCandless, B. R. & Castaneda, A. (1956). Anxiety in children, school achievement and intelligence. Child Development, 27, 379-382.
  • Nickel, H. & Schlüter, P. (1970). Angstwerte bei Hauptschülern und ihr Zusammenhang mit Leistungs- sowie Verhaltensmerkmalen, Lehrerurteil und Unterrichtsstil. Zeitschrift für Entwicklungspsychologie und Pädagogische Psychologie, 2, 125-136.
  • Petermann, U. & Petermann, F. (2014). Schülereinschätzliste für Sozial- und Lernverhalten (SSL). Göttingen: Hogrefe.
  • Rauer, W. & Schuck, K.-D. (2003). Fragebogen zur Erfassung emotionaler und sozialer Schulerfahrungen von Grundschulkindern dritter und vierter Klassen (FEESS 3-4). Göttingen: Hogrefe.
  • Sarason, S. B., Davidson, K. S., Lighthall, F. F. & Waite, R. R. (1958). A test anxiety scale for children. Child Development, 29, 105-113.
  • Satow, L. & Schwarzer, R. (2003). Entwicklung schulischer und sozialer Selbstwirksamkeitserwartung. Eine Analyse individueller Wachstumskurven. Psychologie in Erziehung und Unterricht, 50, 168-181.
  • Schell, H. (1972). Angst und Schulleistung. Göttingen: Hogrefe.
  • Spinath, B., Stiensmeier-Pelster, J., Schöne, C. & Dickhäuser, O. (2012). Skalen zur Erfassung der Lern- und Leistungsmotivation (SELLMO; 2., überarbeitete und neu normierte Auflage). Göttingen: Hogrefe.
  • Stett, D. (2009). Auswirkungen des elterlichen Konfliktniveaus auf betroffene Scheidungskinder. Empirische Untersuchung anhand einer Scheidungskindergruppe. Unveröffentlichte Dissertation, Universität Augsburg.
  • Sweetbaum, H. A. (1963). Comparison of the effects of introversion-extraversion and anxiety on conditioning. Journal of Abnormal and Social Psychology, 66, 249-254.
  • Taylor, J. A. (1953). A personality scale of manifest anxiety. Journal of Abnormal and Social Psychology, 48, 285-290.
  • Wieczerkowski, W., Nickel, H., Janowski, A., Fittkau, B. & Rauer, W. (1974). Angstfragebogen für Schüler (AFS). Braunschweig: Westermann.
  • Wieczerkowski, W., Nickel, H., Janowski, A., Fittkau, B., Rauer, W. & Petermann, F. (2016). AFS. Angstfragebogen für Schüler (7., überarbeitete und neu normierte Auflage). Göttingen: Hogrefe.
 
 Lena Antony (16.01.2017)
 APA-Schlagworte/PSYNDEX Terms:

Classical Test Theory; Questionnaires; Personality Measures; Test Norms; Computer Assisted Testing; Elementary School Students; High School Students; Clinical Psychology; Test Anxiety; School Phobia; Social Desirability

Klassische Testtheorie; Fragebögen; Persönlichkeitstests; Testnormen; Computerunterstütztes Testen; Grundschüler; Schüler der Sekundarstufe; Klinische Psychologie; Prüfungsangst; Schulangst; Soziale Erwünschtheit

 weitere Schlagworte:

1974 (1. Auflage); 1975 (2., veränderte Auflage); 1981 (6. Auflage); 2016 (7., überarbeitete und neu normierte Auflage); Hogrefe TestSystem; Testing-on-Demand; Wiener Testsystem; Schülerbeurteilungsverfahren; ab 4. Schuljahr; bis 12. Schuljahr; ab 9 Jahre; bis 18 Jahre; 50 Items; Skalen: 1 Prüfungsangst, 2 Manifeste Angst, 3 Schulunlust; Zusatzskala: Soziale Erwünschtheit; Normierungsjahr: 2015; Normstichprobe: 2373
 Klassifikation:

Pädagogische Messung und Beurteilung; Neurosen und Angststörungen; Interaktion, Anpassung und Einstellungen
Schulbezogene Einstellungstests; Persönlichkeitstests zur Angst
7.5.1; 9.3
 Anwendungstyp: Individual Diagnosis
 Art der Publikation: Test; Test in Print (90; 911)
 Sprache: German
 Land: Germany
 Publikationsjahr: 2016
 Änderungsdatum: 201705
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