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Fragebogen zu Ressourcen im Kindes- und Jugendalter

 PSYNDEX Tests-Dokument: 9007175
 

FRKJ 8-16 - Fragebogen zu Ressourcen im Kindes- und Jugendalter (PSYNDEX Tests Review)

 

Questionnaire on Resources in Childhood and Adolescence/zpid

 Lohaus, A. & Nussbeck, F. W.
 (2016). FRKJ 8-16. Fragebogen zu Ressourcen im Kindes- und Jugendalter [Testmappe mit Manual, 10 Fragebögen, 10 Auswertungsbögen und einem Schablonensatz]. Göttingen: Hogrefe.

Preis: 89,00 Euro (Test komplett; Stand: 21.3.2017)

 Bezugsquelle: Testzentrale Hogrefe Verlag GmbH & Co. KG, Herbert-Quandt-Straße 4, D-37081 Göttingen ; E-Mail: testzentrale@hogrefe.de ; URL: http://www.testzentrale.de/ ; Stand: 1.5.2016.
 Adresse(n): o Prof. Dr. Arnold Lohaus, Universität Bielefeld, Fakultät für Psychologie und Sportwissenschaft, Abteilung für Psychologie, Postfach 100131, D-33501 Bielefeld ; E-Mail: arnold.lohaus@uni-bielefeld.de ; URL: http://www.uni-bielefeld.de/psychologie/ae/AE03/hp/alohaus/ ; Stand: 18.2.2011
o Prof. Dr. Fridtjof W. Nussbeck, Universität Bielefeld, Fakultät für Psychologie und Sportwissenschaft, Abteilung für Psychologie, Postfach 100131, D-33501 Bielefeld ; E-Mail: fridtjof.nussbeck@uni-bielefeld.de ; URL: http://www.uni-bielefeld.de/psychologie/personen/ae06/nussbeck.xml ; Stand: 21.10.2016
 WWW-Informationen:
 

Abstract

Diagnostische Zielsetzung:
Der FRKJ 8-16 erfasst personale und soziale Entwicklungsressourcen bei Kindern und Jugendlichen. Als Einzel- und Gruppentest eignet er sich für den Einsatz in der klinischen Praxis sowie im Rahmen von gesundheitspsychologischen Programmen und Forschungsprojekten.


Aufbau:
Der Fragebogen setzt sich aus insgesamt 60 Items zur Erfassung der personalen und sozialen Ressourcen zusammen, welche sich gleichmäßig auf die folgenden 10 Skalen verteilen: (1) Empathie und Perspektivenübernahme, (2) Selbstwirksamkeit, (3) Selbstwertschätzung, (4) Kohärenzsinn, (5) Optimismus, (6) Selbstkontrolle, (7) Elterliche Unterstützung, (8) Autoritativer Erziehungsstil, (9) Integration in die Peergruppe und (10) Schulische Integration. Zur Bearbeitung steht ein vierstufiges Antwortformat zur Verfügung.


Grundlagen und Konstruktion:
Die Testkonstruktion beruht auf der Klassischen Testtheorie. Basierend auf vorliegenden Forschungsbefunden wurde eine Vorform mit 10 Skalen mit jeweils 10 Items erstellt. In einer Pilotstudie an unterschiedlichen Schulen wurde die Vorform des FRKJ 8-16 an einer Stichprobe von N = 568 Kindern und Jugendlichen zwischen 9 und 14 Jahren geprüft. Mittels konfirmatorischer Faktorenanalysen wurde die interne Struktur des Fragebogens überprüft sowie der Itempool auf 60 Items reduziert. Es konnte eine eindimensionale Lösung für alle 10 Ressourcen mit jeweils 6 Items bestätigt werden. In einer Hauptuntersuchung an N = 2 513 Schülern wurde die Endform getestet. Die Struktur des Fragebogens konnte erneut in unidimensionalen konfirmatorischen Faktorenanalysen sowie als Gesamtmodell mit 10 Faktoren bestätigt werden.


Empirische Prüfung und Gütekriterien:
Reliabilität: Für die interne Konsistenz (Cronbachs Alpha) der Skalen wurden Werte von Alpha = .69 bis Alpha = .89 ermittelt. Die Retestreliabilität variiert von rtt = .60 bis rtt = .87 für einen Zeitraum von zwei Wochen bzw. Werte von rtt = .53 bis rtt = .86 für einen Zeitraum von drei Monaten. Die Profilreliabilität wurde nicht überprüft.
Validität: Es liegen zahlreiche Befunde vor, welche die Kriteriumsvalidität des Verfahrens stützen. Beispielsweise werden als Beleg der konvergenten Validität signifikante positive Korrelationen mit adaptiven Emotionsregulationsstrategien bei Angst (r = .45) und Wut (r = .61), erhoben mit dem FEEL-KJ (Grob & Smolenski, 2009), berichtet. Für die divergente Validität sprechen die negativen Zusammenhänge mit Verhaltensproblemen, gemessen mit dem SDQ (Goodman, 1997). Die Werte bewegen sich zwischen r = -.31 bis r = -.34 (Emotionale Probleme, Verhaltensprobleme, Hyperaktivität, Verhaltensprobleme mit Peers).
Normen: Das Verfahren wurde an einer Stichprobe von N = 2 513 Schülern der 3. bis 10. Jahrgangstufe normiert. Es liegen alters- und geschlechtsspezifische Normen in Form von Prozenträngen und Staninewerten vor. Das Normierungsjahr wird nicht angegeben.

 

Testkonzept

 

Theoretischer Hintergrund

Der Fragebogen zu Ressourcen im Kindes- und Jugendalter (FRKJ 8-16; Lohaus & Nussbeck, 2016) ist ein Selbstbeurteilungsinstrument zur Erfassung von personalen und umgebungsbezogenen Entwicklungsressourcen bei Kindern und Jugendlichen im Alter von 8 bis 16 Jahren.
Der Begriff Ressource wird je nach Kontext unterschiedlich verwendet. Dem FRKJ 8-16 liegt eine Definition von Petermann und Schmidt (2009) zugrunde, welche Ressourcen als verfügbare Kompetenzen und Bedingungen zur Unterstützung der persönlichen Entwicklung sieht. Weiterhin dient das Risiko-Schutzfaktoren-Modell als theoretische Grundlage (Scheithauer & Petermann, 1999). Nach dem Modell führen Risikofaktoren, wie z. B. ungünstige Erziehungspraktiken der Eltern, mit erhöhter Wahrscheinlichkeit zu Entwicklungsdefiziten des Kindes. Insbesondere bei Zusammenwirken mehrerer Risikofaktoren oder dem Vorliegen einer allgemeinen Vulnerabilität (z. B. eine chronische Erkrankung oder schwierige Temperamentsmerkmale) kann die weitere Entwicklung eines Kindes beeinträchtigt werden (Laucht, Schmidt & Esser, 2000). Schutzfaktoren stehen permanent in Wechselwirkung mit Risikofaktoren. Sie können der negativen Wirkung auf die Kindesentwicklung entgegenwirken oder eine präventive Funktion entwickeln (Lohaus & Glüer, 2014). Die Ressourcen eines Heranwachsenden werden als Schutzfaktoren angesehen, sobald sie ihre protektive Wirkung bei Auftreten von Risikofaktoren entfalten (Rutter, 1990; Scheithauer & Petermann, 1999). Somit erhöhen sie die Resilienz eines Kindes. Davon abzugrenzen sind allgemein förderliche Ressourcen (z. B. Fähigkeit zum Belohnungsaufschub), welche eine positive Wirkung auf die Entwicklung der Heranwachsenden aufweisen, ohne dass spezifische Entwicklungsrisiken vorliegen. Den Ressourcen von Kindern und Jugendlichen kommt daher eine bedeutende Rolle in der Entwicklungsförderung zu. Durch die spezifische Erfassung von personalen und umgebungsbezogenen Ressourcen kann eine gezielte Ressourcenstärkung vorgenommen werden, welche zur Korrektur bei Entwicklungsdefiziten bzw. protektiv zu einer positiven Entwicklung beiträgt.
 

Testaufbau

Der Fragebogen setzt sich aus 10 Skalen zur Erfassung der personalen und umgebungsbezogenen Ressourcen zusammen. Die Skalen werden nachfolgend kurz beschrieben.
Personale Ressourcen:
(1) Empathie und Perspektivenübernahme (EMP): Beschreibt die Fähigkeit, sich in andere hineinversetzen und Gefühle nachempfinden zu können.
(2) Selbstwirksamkeit (SWK): Erfasst wird das generalisierte Vertrauen in die eigenen Kompetenzen.
(3) Selbstwertschätzung (SWS): Erfasst die Bewertung der eigenen Person. Im Vordergrund stehen dabei weniger selbstbezogene Gedanken, sondern Gefühle bezogen auf die eigene Person.
(4) Kohärenzsinn (KOH): Beschreibt "die Grundeinstellung, die Welt als zusammenhängend, vorhersagbar und sinnvoll zu erleben" (Lohaus & Nussbeck, 2016, S. 10).
(5) Optimismus (OPT): Erfasst wird Optimismus als überdauernde Persönlichkeitseigenschaft, d. h. eine generelle Zuversicht in Hinblick auf zukünftige Ereignisse.
(6) Selbstkontrolle (SEK): Es wird die Fähigkeit zum Belohnungsaufschub als ein Aspekt der Selbstkontrolle erfasst.
Soziale Ressourcen:
(7) Elterliche Unterstützung (ELT): Beschreibt die wahrgenommene direkte Hilfe bei Problemen und emotionale Zuwendung der Eltern.
(8) Autoritativer Erziehungsstil (AUT): Beschreibt einen Erziehungsstil, welcher durch ein hohes Ausmaß an Lenkung und Responsivität durch die Eltern geprägt ist.
(9) Integration in die Peergruppe (ITP): Erfasst die Qualität und Quantität der Kontakte zu Gleichaltrigen.
(10) Schulische Integration (ITS): Es wird das Schul- und Klassenklima erfasst.
Jede Skala besteht aus jeweils sechs Items, sodass der Fragebogen insgesamt 60 Items umfasst. Zur Bearbeitung steht ein vierstufiges Antwortformat mit den Stufen 1 = "stimmt nie", 2 = "stimmt manchmal", 3 = "stimmt oft" und 4 = "stimmt immer" zur Verfügung. Auf dem Deckblatt des Testheftes werden Angaben zur Person gemacht (Name, Alter, Geschlecht und Klasse) sowie eine schriftliche Instruktion und ein Beispielitem gegeben, um sich mit dem Antwortformat vertraut zu machen. Die Items des Fragebogens erstrecken sich über drei Seiten.
 

Auswertungsmodus

Die Auswertung erfolgt auf einem separaten Auswertungsbogen. Zur Ermittlung der Rohwerte und Skalenzugehörigkeit der einzelnen Items werden die Schablonen auf den Fragebogen gelegt. Es werden je nach Antwortkategorie ein bis vier Rohwertpunkte vergeben, sodass die Rohwertsumme einer Skala 6 bis 24 Punkte betragen kann. Bei einem Item erfolgt eine Umkodierung, welche bereits auf der Schablone vorgegeben wird. Die Skalenrohwerte werden auf dem Auswertungsbogen in die dafür vorgesehenen Felder notiert. Bei mehr als einer fehlenden Antwort pro Skala sollte keine Auswertung der Skala vorgenommen werden. Bei einer fehlenden Antwort wird der Wert durch das arithmetische Mittel der anderen fünf Items dieser Skala ersetzt. Für die Skalenrohwerte und den Gesamtrohwert können anschließend Prozentränge und Staninewerte in den Tabellen im Anhang des Manuals abgelesen werden. Anhand der Staninewerte kann auf dem Auswertungsbogen ebenso ein Profil der zehn Skalen erstellt werden.
 

Auswertungshilfen

Zur Unterstützung bei der Auswertung liegt ein Schablonensatz vor. Darüber hinaus werden im Manual Hinweise zur Auswertung und Interpretation mit einem Anwendungsbeispiel gegeben.
 

Auswertungszeit

Für die Auswertung werden 5-10 Minuten benötigt.
 

Itembeispiele

Anmerkung: Nachfolgend wird für jede Skala das Item mit der höchsten Trennschärfe (rit) als Beispiel gegeben.

(1) Empathie und Perspektivenübernahme: "Ich kann gut nachempfinden, wie sich andere fühlen." (.67)
(2) Selbstwirksamkeit: "Wenn ich mir etwas vornehme, schaffe ich es auch." (.64)
(3) Selbstwertschätzung: "Ich mag mich selbst." (.71)
(4) Kohärenzsinn: "Ich kann mein Leben beeinflussen." (.48)
(5) Optimismus: "Ich glaube fest daran, dass ich ein schönes Leben vor mir habe." (.51)
(6) Selbstkontrolle: "Ich kann gut warten, wenn ich dafür später etwas besonders Tolles bekomme." (.52)
(7) Elterliche Unterstützung: "Wenn ich Unterstützung brauche, sind meine Eltern für mich da." (.75)
(8) Autoritativer Erziehungsstil: "Meine Eltern erklären mir die Regeln, die bei uns zu Hause gelten." (.60)
(9) Integration in die Peergruppe: "Ich fühle mich wohl, wenn ich mit Freunden zusammen bin." (.60)
(10) Schulische Integration: "Ich fühle mich wohl in meiner Klasse." (.74)
 

Durchführung

 

Testformen

Der FRKJ 8-16 ist ein Paper-Pencil-Verfahren und kann je nach diagnostischer Zielsetzung als Einzel- oder Gruppentest durchgeführt werden.
 

Altersbereiche

Das Verfahren kann bei Kindern und Jugendlichen im Alter von 8 bis 16 Jahren bzw. bei Dritt- bis Zehntklässlern eingesetzt werden.
 

Durchführungszeit

Für die Durchführung werden 20 bis 30 Minuten benötigt. Es wird kein Zeitlimit gesetzt.
 

Material

Die Testbox enthält neben einem Manual, 10 Fragebögen und 10 Auswertungsbögen einen Schablonensatz. Alle Testmaterialien sind separat erhältlich.

Materialliste Testbox (Stand: 28.9.2016):
- Manual (Artikelnr. 01 491 02)
- 10 Fragebögen
- 10 Auswertungsbögen
- Schablonensatz (Artikelnr. 01 491 05).
 

Instruktion

Die Instruktionen sind schriftlich auf der ersten Seite des Fragebogens abgedruckt und von der Testperson selbstständig zu lesen.
 

Durchführungsvoraussetzungen

Der Testleiter hat darauf zu achten, dass die Instruktion von der Testperson verstanden wurde.
 

Testkonstruktion

Die Testkonstruktion beruht auf der Klassischen Testtheorie. Die Auswahl der einzelnen Ressourcen erfolgte auf Basis von existierenden Forschungsbefunden. Es wurde eine Vorform mit 10 Ressourcen erstellt, welche jeweils anhand von 10 Items erfasst werden sollten. In einer Pilotstudie an unterschiedlichen Schulen wurde die Vorform des FRKJ 8-16 an einer Stichprobe von N = 568 Kindern und Jugendlichen zwischen 9 und 14 Jahren (45.4% Mädchen; 54.6% Jungen) geprüft. Ziel war es, den Itempool zu reduzieren sowie Verständnisschwierigkeiten von Items zu erkennen, um gegebenenfalls Umformulierungen vorzunehmen. Mittels einer konfirmatorischen Faktorenanalyse wurde die interne Struktur des Fragebogens überprüft sowie der Itempool auf 60 Items reduziert. Es konnte eine eindimensionale Lösung für alle 10 Ressourcen mit jeweils 6 Items bestätigt werden (RMSEA = .03; CFI = .90).
Die resultierende Fragebogenversion wurde in einer Untersuchung an N = 2 513 Schülern (n = 1 229 Mädchen; n = 1 146 Jungen) validiert. Die Struktur des Fragebogens konnte erneut in unidimensionalen konfirmatorischen Faktorenanalysen sowie als Gesamtmodell mit 10 Faktoren bestätigt werden (RMSEA = .04; CFI = .95). Die Ressourcen weisen bedeutsame Zusammenhänge untereinander auf. Insbesondere die Ressourcen Kohärenzsinn, Optimismus und Selbstwirksamkeitserwartung sowie Optimismus, Selbstwirksamkeitserwartung, Selbstwertschätzung und Selbstkontrolle weisen hohe Korrelationen untereinander auf. Ebenso bestehen hohe Zusammenhänge zwischen schulischer Integration und Integration in die Peergruppe sowie elterlicher Unterstützung und autoritativem Erziehungsstil.
 

Gütekriterien

 

Objektivität

Die Durchführung kann aufgrund der Fragebogenform mit gebundener Beantwortung und der schriftlichen Instruktion als objektiv gelten. Die Objektivität der Auswertung und Interpretation der Ergebnisse ist durch das Vorliegen der Auswerteschablonen, Normwerte und Interpretationshinweise als hoch einzuschätzen.
 

Reliabilität

Zur Überprüfung der Reliabilität wurden die interne Konsistenz der Skalen und die Retestreliabilität nach einem Zeitintervall von zwei Wochen sowie drei Monaten ermittelt. Die interne Konsistenz der Skalen variiert zwischen Alpha = .69 bis Alpha = .89 (siehe Tabelle 1). Für die Retestreliabilität wurden Werte von rtt = .60 bis rtt = .87 für den Zeitraum von zwei Wochen bzw. Werte von rtt = .53 bis rtt = .86 für den Zeitraum von drei Monaten ermittelt (siehe Tabelle 1). Die Profilreliabilität wurde nicht überprüft.

Tabelle 1
Interne Konsistenzen (Cronbachs Alpha) und Retestreliabilität (rtt) der Skalen des FRKJ 8-16 (nach Lohaus & Nussbeck, 2016, S. 21)
---------------------------------------------------------------------- 
Skala Cronbachs Alpha rtt
14 Tage 3 Monate
(N = 2 513) (n = 66) (n = 78)
----------------------------------------------------------------------
1 Empathie .78 .81 .68
2 Selbstwirksamkeit .81 .84 .65
3 Selbstwertschaetzung .82 .87 .80
4 Kohaerenzsinn .69 .60 .53
5 Optimismus .72 .85 .71
6 Selbstkontrolle .68 .65 .70
7 Elterliche Unterstuetzung .89 .78 .86
8 Autoritativer Erziehungsstil .77 .68 .77
9 Integration Peergruppe .79 .67 .84
10 Schulische Integration .87 .81 .79
----------------------------------------------------------------------
Anmerkungen. N = Normstichprobe, n = Teilstichprobe.
 

Validität

Zur Überprüfung der Kriteriumsvalidität wurden Zusammenhänge des FRKJ 8-16 mit verschiedenen Außenkriterien ermittelt. An einer Stichprobe von n = 340 Schülern der Klassen 4 bis 10 wurden für alle Ressourcen positive Zusammenhänge zur Intelligenz, gemessen mit dem Grundintelligenztest Skala 2 - Revision (CFT 20-R; Weiß, 2006), in Höhe von r = .12 für den Gesamtscore des FRKJ 8-16 ermittelt. Die Autoren weisen darauf hin, dass Intelligenz eine kognitive Ressource darstellt, welche im FRKJ 8-16 eine untergeordnete Rolle spielt.
In einer weiteren Untersuchung an n = 129 Schülern der 5. bis 9. Jahrgangsstufe konnte gezeigt werden, dass 40% der Varianz des FRKJ 8-16 von den "Big Five" Persönlichkeitsdimensionen (Costa & McCrae, 1992) aufgeklärt werden können. Insbesondere Neurotizismus und Gewissenhaftigkeit weisen einen hohen negativen bzw. positiven Zusammenhang (r = -.42; r = .43) zu der Gesamtskala des FRKJ 8-16 auf.
Des Weiteren wurde die Hypothese geprüft, dass personale und soziale Ressourcen mit einem geringeren Erleben von Stress sowie einer angemessenen Stressbewältigung zusammenhängen. Hierfür wurde der Fragebogen zur Erhebung von Stress und Stressbewältigung im Kindes- und Jugendalter (SSKJ 3-8; Lohaus, Eschenbeck, Kohlmann & Klein-Heßling, 2006) einer Stichprobe von N = 164 Schülern vorgelegt. Es konnte gezeigt werden, dass die FRKJ 8-16-Gesamtskala negativ mit Stresssymptomen sowie positiv mit der problemorientierten Bewältigung, der Suche nach sozialer Unterstützung und der konstruktiv-palliativen Emotionsregulation assoziiert ist. Zusätzlich wurde an n = 170 Schülern der Zusammenhang zur Emotionsregulation untersucht. Es wurden signifikante positive Korrelationen der Gesamtskala des FRKJ 8-16 zu den adaptiven Emotionsregulationsstrategien bei Angst (r = .45) und Wut (r = .61) gefunden, erhoben mit dem Fragebogen zur Erhebung der Emotionsregulation bei Kindern und Jugendlichen (FEEL-KJ; Grob & Smolenski, 2009).
Ebenso konnte der Zusammenhang zwischen Ressourcen und Wohlbefinden bestätigt werden. Es können 56% der Varianz des Gesamtwertes des FRKJ 8-16 durch Wohlbefinden, gemessen mit der KIDSCREEN-52 (KIDSCREEN Group Europe, 2006), aufgeklärt werden. Die durchweg hohen Korrelationen der einzelnen Skalen - mit Ausnahme der Skala "Empathie und Perspektivenübernahme" - weisen ebenso auf die konvergente Validität des Verfahrens hin.
Mit derselben Stichprobe wurde die Annahme überprüft, dass hohe personale und soziale Ressourcen mit weniger Verhaltensproblemen einhergehen. Es zeigten sich negative Zusammenhänge der Gesamtskala zu Verhaltensproblemen, gemessen mit dem Strenghts and Difficulties Questionnaire (SDQ; Goodman, 1997), zwischen r = -.31 bis r = -.34 (Emotionale Probleme, Verhaltensprobleme, Hyperaktivität, Verhaltensprobleme mit Peers) sowie ein positiver Zusammenhang in Höhe von r = .44 zu Prosozialem Verhalten.
In einer Untersuchung zum Zusammenhang von Ressourcen und elterlichem Erziehungsstil (n = 461) konnte bestätigt werden, dass ein Erziehungsstil, welcher durch Wärme und Unterstützung charakterisiert ist, positiv mit den Ressourcen von Heranwachsenden assoziiert ist.
Zusätzlich wurde überprüft, inwieweit die Bewertungen von Kindern und ihren Eltern übereinstimmen (n = 314 Eltern-Kind-Dyaden). Es wurden Korrelationen zwischen r = .04 (autoritativer Erziehungsstil) und r = .47 (schulische Integration) ermittelt. Tendenziell schätzten Kinder und Jugendliche ihre Ressourcen höher ein als ihre Eltern.
Schließlich wurde in einer Untersuchung mit einer klinischen Stichprobe von n = 29 Kindern (n = 16 Eltern-Kind-Dyaden) an einer universitären Psychotherapie-Ambulanz die Verfügbarkeit von Ressourcen bei psychischen Problemen überprüft (Nussbeck & Lohaus, 2016). Zum Vergleich wurden die Daten der Stichprobe von n = 314 Eltern-Kind-Dyaden aus der zuvor beschriebenen Untersuchung herangezogen. Es zeigte sich ein signifikanter Unterschied zwischen der klinischen und der gesunden Vergleichsstichprobe hinsichtlich der eingeschätzten Ressourcenverfügbarkeit zugunsten der Vergleichsstichprobe. Dieser Unterschied fiel im Elternurteil noch deutlicher aus.
 

Normierung

Die Normierung erfolgte an einer Stichprobe von N = 2 513 Schülerinnen und Schülern (n = 1 229 Mädchen, n = 1 146 Jungen) der 3. bis 10. Jahrgangsstufe an Regelschulen. Es werden alters- und geschlechtsspezifische Normen in Form von Prozenträngen und Staninewerten berichtet. Das Normierungsjahr wird nicht angegeben.
 

Anwendungsmöglichkeiten

Das Verfahren eignet sich für den Einsatz in der klinisch-entwicklungspsychologischen Praxis sowie bei gesundheitspsychologischen Interventionen. Darüber hinaus kann das Verfahren zur Untersuchung von Forschungsfragen, z. B. zur Bedeutung von Ressourcen auf das kindliche Verhalten und Erleben, angewandt werden.
 

Bewertung

Der Fragebogen zu Ressourcen im Kindes- und Jugendalter ist ein neu entwickeltes und ökonomisches Verfahren zur Erfassung von relevanten Entwicklungsressourcen. Positiv hervorzuheben ist die klare und übersichtliche Gestaltung des Manuals mit Informationen zu den wesentlichen Aspekten des Verfahrens. Lediglich zur Durchführung der Normierung wären ausführlichere Informationen wünschenswert. Die Durchführungs-, Auswertungs- und Interpretationsobjektivität kann als uneingeschränkt gegeben angesehen werden. Die interne Konsistenz des Fragebogens ist als zufriedenstellend bis gut zu beurteilen, wobei die Skalen "Kohärenzsinn" und "Selbstkontrolle" fragliche Werte aufweisen. Die Retestreliabilität ist zufriedenstellend. Hinsichtlich der Gültigkeit des Verfahrens liegen ausreichend stützende Befunde vor, welche die Kriteriumsvalidität sowie die faktorielle Validität stützen. Wünschenswert wären weitere Untersuchungen zur Überprüfung der Konstruktvalidität. Da das Verfahren in seiner ersten Auflage vorliegt, sind weitere Untersuchungen zu erwarten. Insgesamt handelt es sich um ein brauchbares Verfahren für Forschung und Praxis.
 

Literatur

  • Costa, P. T. & McCrae, R. R. (1992). Revised NEO Personality Inventory (NEO-PI-R) and NEO Five-Factor Inventory (NEO-FFI) manual. Odessa, FL: Psychological Assessment Resources.
  • Goodman, R. (1997). The Strengths and Difficulties Questionnaire: A research note. Journal of Child Psychology and Psychiatry, 38, 581-586.
  • Grob, A. & Smolenski, C. (2009). FEEL-KJ. Fragebogen zur Erhebung der Emotionsregulation bei Kindern und Jugendlichen (2., aktualisierte und ergänzte Auflage). Bern: Huber.
  • KIDSCREEN Group Europe. (2006). The KIDSCREEN questionnaires. Quality of life questionnaires for children and adolescents. Lengerich: Pabst.
  • Laucht, M., Schmidt, M. H. & Esser, G. (2000). Risiko- und Schutzfaktoren in der Entwicklung von Kindern und Jugendlichen. Frühförderung interdisziplinär, 19, 97-108.
  • Lohaus, A., Eschenbeck, H., Kohlmann, C.-W. & Klein-Heßling, J. (2006). Fragebogen zur Erhebung von Stress und Stressbewältigung im Kindes- und Jugendalter (SSKJ 3-8). Göttingen: Hogrefe.
  • Lohaus, A. & Glüer, M. (2014). Grundlagen der Entwicklungsförderung. In A. Lohaus & M. Glüer (Hrsg.), Entwicklungsförderung im Kindesalter (S. 11-41). Göttingen: Hogrefe.
  • Lohaus, A. & Nussbeck, F. W. (2016). FRKJ 8-16. Fragebogen zu Ressourcen im Kindes- und Jugendalter. Göttingen: Hogrefe.
  • Nussbeck, F. & Lohaus, A. (2016). Personale und soziale Ressourcen von Kindern und Jugendlichen mit psychosozialen Auffälligkeiten: Ein Beitrag zu einer Fragebogenvalidierung. Empirische Pädagogik, 30 (2), 156-174.
  • Petermann, F. & Schmidt, M. H. (2009). Ressourcenorientierte Diagnostik - eine Leerformel oder nützliche Perspektive? Kindheit und Entwicklung, 18 (1), 49-56.
  • Rutter, M. (1990). Psychological resilience and protective mechanisms. In J. Rolf, A. S. Masten, D. Chichetti, K. H. Nuechterlein & S. Weintraub (Eds.), Risk and protective factors in the development of psychopathology (pp. 181-214). New York: Cambridge University Press.
  • Scheithauer, H. & Petermann, F. (1999). Zur Wirkungsweise von Risiko- und Schutzfaktoren in der Entwicklung von Kindern und Jugendlichen. Kindheit und Entwicklung, 8, 3-14.
  • Weiß, R.H. (2006). CFT 20-R. Grundintelligenztest Skala 2 - Revision. Göttingen: Hogrefe.
 
 Lena Antony (23.01.2017)
 APA-Schlagworte/PSYNDEX Terms:

Classical Test Theory; Questionnaires; Rating Scales; Test Norms; Personality Measures; Developmental Psychology; Clinical Psychology; Coping Behavior; Social Support; Interpersonal Interaction; Resilience (Psychological)

Klassische Testtheorie; Fragebögen; Rating-Skalen; Testnormen; Persönlichkeitstests; Entwicklungspsychologie; Klinische Psychologie; Bewältigungsverhalten; Soziale Unterstützung; Interpersonale Interaktion; Resilienz

 weitere Schlagworte:

2016; Risiko-Schutzfaktoren-Modell; 60 Items; Personale Ressourcen: 1 Empathie und Perspektivenübernahme, 2 Selbstwirksamkeit, 3 Selbstwertschätzung, 4 Kohärenzsinn, 5 Optimismus, 6 Selbstkontrolle; Soziale Ressourcen: 7 Elterliche Unterstützung, 8 Autoritativer Erziehungsstil, 9 Integration in die Peergruppe, 10 Schulische Integration; Normierungsjahr: keine Angaben; Normstichprobe: 2513
 Klassifikation:

Persönlichkeitstests; Klinische Psychodiagnostik; Soziale Wahrnehmung und soziale Kognition; Persönlichkeitseigenschaften und Persönlichkeitsprozesse
Verfahren zur Erfassung des sozialen Netzwerks und der sozialen Unterstützung; Sonstige Verfahren im Bereich der Klinischen Psychologie
11.18; 11.99
 Anwendungstyp: Individual Diagnosis
 Art der Publikation: Test; Test in Print (90; 911)
 Sprache: German
 Land: Germany
 Publikationsjahr: 2016
 Änderungsdatum: 201705
 info@zpid.de | © 1996-2017 ZPID