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Frühkindliche Entwicklungsdiagnostik für Kinder von 0-3 Jahren

 PSYNDEX Tests-Dokument: 9007346
 

FREDI 0-3 - Frühkindliche Entwicklungsdiagnostik für Kinder von 0-3 Jahren (PSYNDEX Tests Review)

 

Early Developmental Diagnostics for Children Aged 0 to 3 Years/zpid

 Mähler, C., Cartschau, F. & Rohleder, K.
 (2016). FREDI 0-3. Frühkindliche Entwicklungsdiagnostik für Kinder von 0-3 Jahren [Testkoffer mit Manual FREDI 0-3, Durchführungsanleitung FREDI 0-1, Durchführungsanleitung FREDI 2-3, jeweils 10 Elternfragebögen 0-1, 2-3, 4-5, 6-7, 8-9, 10-11, 12-14, 15-17, 18-20, 21-23, 24-26, 27-29, 30-32, 33-35, jeweils 10 Protokollbögen 0-1, 2-3, 4-5, 6-7, 8-9, 10-11, 12-14, 15-17, 18-20, 21-23, 24-26, 27-29, 30-32, 33-35, Bildkarten FREDI 2-3, Bildmappe FREDI 2-3 sowie verschiedene Testmaterialien]. Göttingen: Hogrefe.

Preis: 1898,00 Euro (Test komplett; Stand: 6.11.2017)

 Bezugsquelle: Testzentrale Hogrefe Verlag GmbH & Co. KG, Herbert-Quandt-Straße 4, D-37081 Göttingen ; E-Mail: testzentrale@hogrefe.de ; URL: http://www.testzentrale.de/ ; Stand: 1.11.2017.
 Adresse(n): o Prof. Dr. Claudia Mähler, Stiftung Universität Hildesheim, Universitätsplatz 1, D-31141 Hildesheim ; URL: https://www.uni-hildesheim.de/fb1/institute/psychologie/mitglieder/claudia-maehler/ ; Stand: 28.02.2017
 WWW-Informationen:
 

Abstract

Diagnostische Zielsetzung:
Die Frühkindliche Entwicklungsdiagnostik für Kinder von 0-3 Jahren (FREDI 0-3; Mähler, Cartschau & Rohleder, 2016) erfasst als allgemeiner Entwicklungstest die motorische, sprachliche, sozial-emotionale und kognitive Entwicklung von Kindern der Altersspanne Geburt bis drei Jahre. Die Anwendungsbereiche sind (Neuro-)Pädiatrie, Psychologie, Frühpädagogik und Forschung.


Aufbau:
Der FREDI 0-3 umfasst die vier Entwicklungsbereiche (1) Motorik (Grob- und Feinmotorik), (2) Kognition, (3) Sprache (rezeptiv und expressiv) und (4) Sozial-emotionale Entwicklung. Sie werden für 14 Altersgruppen mit unterschiedlich vielen Items in vorgegebener Reihenfolge und dichotomem Antwortformat (ja vs. nein) erhoben. Der Testleiter begleitet die spielerischen Aufgaben für die verschiedenen Altersstufen mit Fredi, einer Maus als Handpuppe. Für jeden Entwicklungsbereich werden zusätzlich zu den Handlungsaufgaben auch Informationen von den Eltern über Elternfragebögen eingeholt.


Grundlagen und Konstruktion:
Der Test wurde nach den Prinzipien der Klassischen Testtheorie entwickelt. Es wurden alle in der Literatur vorkommenden Entwicklungsbereiche berücksichtigt. Zum Pool wurden aussagekräftige und leicht durchführbare Items aufgenommen. Diese wurden aus empirischen Studien zur frühkindlichen Entwicklung, allgemeinen und spezifischen Entwicklungsverfahren sowie mithilfe von Expertenurteilen gewonnen und anschließend überarbeitet, weiter- und neuentwickelt. Im Sinne der Informationsausschöpfung wurde zusätzlich ein Elternfragebogen entwickelt. In einer Pilotstudie wurden dann alle Items mithilfe von geschultem Personal erprobt. Die Testung wurde aufgezeichnet und für die Gestaltung einer standardisierten Testung genutzt. Eine zweite Untersuchung an n = 50 null- bis dreijährigen Kindern diente zur Gewinnung qualitativer und quantitativer Erkenntnisse (Befragung der Testleiter, Itemanalyse). Im Rahmen der Normierung zwischen 2012 und 2013 wurden Schwierigkeits- und Trennschärfeanalysen gemacht, die zur weiteren Eliminierung von Items (p = 0) geführt haben.


Empirische Prüfung und Gütekriterien:
Reliabilität: Die interne Konsistenz (Cronbachs Alpha) variiert hoch zwischen und innerhalb der vier Skalen. Sie liegt zwischen Alpha = .31 und .89. Die Profilreliabilität wurde nicht berechnet.
Validität: Der FREDI 0-3 ist inhaltsvalide. Für die Konstruktvalidität liegen Ergebnisse zur Skaleninterkorrelation vor. Die Kriteriumsvalidität für die Skala Sprache wurde mit den Verfahren ELAN-R und SETK-2 untersucht. Mit Ausnahme von zwei Korrelationskoeffizienten konnten hohe Zusammenhänge (r = .64-.91) gefunden werden. Belege für die anderen Skalen des FREDI 0-3 stehen noch aus. Bei Frühgeborenen (n = 27, M = 8 Monate, SD = 2.1 Monate) konnten erwartungsgemäß Entwicklungsrückstände erkannt werden. Hierfür wurden die unkorrigierten und korrigierten Werte miteinander verglichen. Mit Ausnahme der Sprachentwicklung konnte nachgewiesen werden, dass bei Nichtkorrektur des Alters die Werte unter dem Mittelwert der Norm liegen. Bei 23 Frühgeborenen, die zum Messzeitpunkt 21-23 Monate alt waren, konnten signifikante Unterschiede zwischen korrigiertem und unkorrigiertem Alter über alle Skalen hinweg festgestellt werden, was ein Beleg dafür ist, dass die Skalen ansteigende Schwierigkeiten abbilden. Mit einer Alterskorrektur ergeben sich bessere Ergebnisse, für die Normwerte ergeben sich jedoch keine signifikanten Unterschiede. Die Mittelwerte für das unkorrigierte Alter liegen nämlich noch in der Norm der reifgeborenen Kinder. Frühgeborene holen in der späteren Entwicklung auf. Mit dem FREDI 0-3 können auch Kinder mit Entwicklungsverzögerung oder Entwicklungsstörung identifiziert werden: Je nach Störung wurden Werte in der entsprechenden Skala erzielt, die unter den Normwerten lagen.
Normen: Die Normierung wurde zwischen 2012 und 2013 an insgesamt N = 717 Kindern (51% weiblich; Alter: 0-35 Monate) durchgeführt. Es liegen Normdaten (Wertpunkte, C-Werte) getrennt für 14 Altersgruppen vor.

 

Testkonzept

 

Theoretischer Hintergrund

Die Frühkindliche Entwicklungsdiagnostik für Kinder von 0-3 Jahren (FREDI 0-3) von Mähler, Cartschau und Rohleder (2016) erfasst ein großes Spektrum frühkindlicher Entwicklungsaspekte. Zu den Entwicklungsbereichen gehören Motorik, Kognition, Sprache und die sozial-emotionale Entwicklung. Die Frühdiagnostik ist ein Forschungsfeld, welches in den letzten Jahren immer mehr an Bedeutung gewonnen hat; insbesondere aufgrund neuer empirischer Erkenntnisse aus der Neuropsychologie (S. 7).
Ein Entwicklungstest gibt für jede Altersstufe (z. B. in Zweimonatsabschnitten im ersten Lebensjahr) typische Anforderungen vor. Die Fähigkeit jedes Kindes wird dann an altersspezifischen Normen gemessen. "Diesem Vorgehen liegt die Überzeugung zugrunde, dass die menschliche Entwicklung gewissen Gesetzmäßigkeiten folgt und es trotz großer Variationsbreite eine übereinstimmende Entwicklungsabfolge in einem umgrenzten Zeitraum gibt" (Mähler et al., 2016, S. 8). Als theoretische Grundlage wurden u. a. drei bekannte entwicklungspsychologische Konzepte herangezogen: Das Konzept der Assimilation und Akkomodation nach Piaget (1966), die Entwicklungstheorie von Wygotski (1977) und die ökologische Entwicklungstheorie von Bronfenbrenner (1981). Nach Piaget (1966) formen eigene Handlungen und Erfahrungen durch Anpassungsprozesse die Entwicklung. Wygotski (1977) betont die sozialen und kulturellen Einflüsse auf den Entwicklungsprozess und Bronfenberenner (1981) differenziert zwischen mehreren Systemen (Mikro-, Meso- und Makrosystem), die mittelbar und unmittelbar Einfluss auf die Entwicklung ausüben (Mähler et al., 2016, S. 10-11).
 

Testaufbau

Der FREDI 0-3 umfasst folgende vier Skalen (Mähler et al., 2016, S. 33, Abbildung 3):
(1) Motorik;
(1a) Grobmotorik;
(1b) Feinmotorik;
(2) Kognition;
(3) Sprache;
(3a) Rezeptive Sprache;
(3b) Expressive Sprache;
(4) Sozial-emotionale Entwicklung.
Die Entwicklungsbereiche werden für 14 Altersgruppen mit unterschiedlich vielen Items in vorgegebener Reihenfolge erhoben (Mähler et al., 2016, S. 30). Das Antwortformat ist dichotom (ja vs. nein).
Der Testleiter begleitet die spielerischen Aufgaben für die verschiedenen Altersstufen mit Fredi, einer Maus als Handpuppe. Für jeden Entwicklungsbereich werden zusätzlich zu den Handlungsaufgaben auch Informationen von den Eltern über Elternfragebögen eingeholt.
 

Auswertungsmodus

Für jede Ja-Antwort wird ein Punkt vergeben. Für jede Nein- und fehlende Antwort werden null Punkte vergeben. Die Rohpunkte werden auf dem Protokollbogen der jeweiligen Altersgruppe eingetragen. Zunächst werden die Itemrohwerte für jede Seite und entsprechend der Skala bzw. Unterskala zusammengezählt und in die obere Tabelle des Protokollbogens eingetragen. Dort wird dann bei der Skala Motorik die Punktesumme für Grob- und Feinmotorik aufaddiert; analog für die Skala Sprache die Punktsumme für rezeptive und expressive Sprache. Die vier Skalenrohwerte werden dann in die zweite Tabelle eingetragen und in Wertpunkte und C-Werte umgewandelt. Diese werden aus den Normtabellen im Anhang abgelesen. Weiterhin besteht auf den Bögen die Möglichkeit, die Wertepunkte grafisch abzubilden, um ein Entwicklungsprofil zu erhalten. Auf dem Profil wird angezeigt, welche Wertpunkte als überdurchschnittlich vs. durchschnittlich vs. leicht durchschnittlich vs. unterdurchschnittlich gelten (Mähler et al., 2016, S. 32-34).
 

Auswertungshilfen

Als Auswertungshilfen stehen die Protokollbögen, die Normtabellen sowie Auswertungshinweise anhand von Fallbeispielen und Beispielitems zur Verfügung (Mähler et al., 2016, S. 35-38).
 

Auswertungszeit

Es liegen keine Hinweise zur Auswertungszeit vor. Es ist jedoch anzunehmen, dass im Hinblick auf die Itemzahl und Geübtheit des Testleiters die Berechnung der Itemrohwerte und Subskalenwerte, die Umwandlung in Standardwerte und das Erstellen des Entwicklungsprofils maximal 10 Minuten pro Person beanspruchen.
 

Itembeispiele

Anmerkung: Im Folgenden wird für jede Altersstufe ein Item aus dem Elternfragebogen vorgestellt.
FREDI 0-1: Elternfragebogen 0-1 Monate
Item 1 (Grobmotorik):
"Hält Ihr Kind seinen Kopf zur Seite gedreht, ohne dabei eine der beiden Seiten zu favorisieren?"

FREDI 2-3: Elternfragebogen 12-14 Monate
Item 7 (Kognition):
"Ahmt Ihr Kind einfache Handlungen wie zum Beispiel Haare kämmen, Telefonieren, umrühren u.a. nach?"

FREDI 2-3: Elternfragebogen 24-26 Monate
Item 12 (Sprache):
"Versucht Ihr Kind, durch die Frage "warum", mehr über bestimmte Dinge zu erfahren?"
 

Durchführung

 

Testformen

Der FREDI 0-3 kommt als Einzeltest zum Einsatz. Im Testkoffer stehen die Versionen FREDI 0-1, FREDI 2-3 und FREDI 0-3 zur Auswahl.
 

Altersbereiche

Das Verfahren ist für Kinder ab Geburt bis Ende des zweiten Lebensjahres (0-35 Monate) konzipiert (Mähler et al., 2016, S. 20).
 

Durchführungszeit

Die Testdauer sollte bei Säuglingen maximal 20 Minuten und bei Kleinkindern 30-45 Minuten lang sein (Mähler et al., 2016, S. 30).
 

Material

Der Testkoffer enthält neben dem Manual eine Durchführungsanleitung für das erste und eine für das zweite und dritte Lebensjahr. Dann gibt es je 10 Elternfragebögen und Protokollbögen in Zweimonatsabständen im ersten Jahr und in Dreimonatsabständen im zweiten und dritten Lebensjahr. Weiterhin gibt es reichlich Spielzeugmaterial (siehe Materialliste unten), das auch separat bezogen werden kann. Es werden zudem Papier, eine Stoppuhr sowie Papiertücher (Tissue-Papier) benötigt (Mähler et al., 2016, S. 21-28).

Materialliste Testkoffer (Stand: 23.02.2017):
- Manual FREDI 0-3 (Artikelnummer: 0142404)
- Durchführungsanleitung FREDI 0-1 (Artikelnummer: 0142405)
- Durchführungsanleitung FREDI 2-3 (Artikelnummer: 0142406)
- 10 Elternfragebögen 0-1
- 10 Elternfragebögen 2-3
- 10 Elternfragebögen 4-5
- 10 Elternfragebögen 6-7
- 10 Elternfragebögen 8-9
- 10 Elternfragebögen 10-11
- 10 Elternfragebögen 12-14
- 10 Elternfragebögen 15-17
- 10 Elternfragebögen 18-20
- 10 Elternfragebögen 21-23
- 10 Elternfragebögen 24-26
- 10 Elternfragebögen 27-29
- 10 Elternfragebögen 30-32
- 10 Elternfragebögen 33-35
- 10 Protokollbögen 0-1
- 10 Protokollbögen 2-3
- 10 Protokollbögen 4-5
- 10 Protokollbögen 6-7
- 10 Protokollbögen 8-9
- 10 Protokollbögen 10-11
- 10 Protokollbögen 12-14
- 10 Protokollbögen 15-17
- 10 Protokollbögen 18-20
- 10 Protokollbögen 21-23
- 10 Protokollbögen 24-26
- 10 Protokollbögen 27-29
- 10 Protokollbögen 30-32
- 10 Protokollbögen 33-35
- Bildkartensatz FREDI 2-3 (Artikelnummer: 0142435)
- Bildmappe FREDI 2-3 (Artikelnummer: 0142436)
- Handpuppe FREDI (Artikelnummer: 0142437)
- Mäuse (Artikelnummer: 0142448)
- Rote Becher (Artikelnummer: 0142460)
- O-Ball (Artikelnummer: 0142444)
- Ringrassel (Artikelnummer: 0142438)
- Hängender Mausgreifling (Artikelnummer: 0142443)
- Rasselstab (Artikelnummer: 0142445)
- Bilderbuch (Artikelnummer: 0142446)
- Holzwürfel (Artikelnummer: 0142447)
- 2 Mäusehäuser (Artikelnummer: 0142449)
- gelber Schaumstoffball (Artikelnummer: 0142450)
- Glocke (Artikelnummer: 0142451)
- Rotes Tuch (Artikelnummer: 0142452)
- Durchsichtige Plastikröhre (mit Deckel) (Artikelnummer: 0142453)
- Fischpuzzle (Artikelnummer: 0142454)
- Formenbrett (Artikelnummer: 0142455)
- Steckbrett für Stifte (Artikelnummer: 0142456)
- Holzperlen (Artikelnummer: 0142457)
- Holzscheiben (Artikelnummer: 0142458)
- Plastikbausteine (Artikelnummer: 0142459)
- Plastikmännchen Peter (Artikelnummer: 0142461)
- Auto (Artikelnummer: 0142462)
- Hund (Artikelnummer: 0142463)
- Baum (Artikelnummer: 0142464)
- Schlüssel (Artikelnummer: 0142465)
- blaue Plastiktasse (Artikelnummer: 0142466)
- Teelöffel (Artikelnummer: 0142467)
- Schere (Artikelnummer: 0142468)
- Spiegel (Artikelnummer: 0142469)
- Schminke (schwarz und weiß) (Artikelnummer: 0142470)
- Teppichstreifen (Artikelnummer: 0142471)
- 2 Bleistifte (Artikelnummer: 0142472)
- 1 Paar Schnürsenkel (Artikelnummer: 0142473).
 

Instruktion

Die Instruktionen sind standardisiert und sollten korrekt wiedergegeben werden. Die Autoren raten davon ab, die Instruktionen während der Testung nachzulesen, weil der Kontakt zum Kind dadurch unterbrochen wird und ein reibungsloser Ablauf verhindert werden könnte (Mähler et al., 2016, S. 30).
 

Durchführungsvoraussetzungen

Der Diagnostiker sollte über ein hohes Maß an Kompetenz und Flexibilität verfügen. Vor einer Testung sollten die Durchführungsregeln aus den Anleitungen beachtet und entsprechend vorbereitet werden. Auf Seiten der Probanden sollten die Wachzeiten, die sprachliche Barriere, das willkürliche Verhalten, das Fremdeln und weitere Störfaktoren berücksichtigt werden. Auch die Grundbedürfnisse sollte vorher befriedigt sein. Es sollte stets mit Unterbrechungen gerechnet werden. Ein zweiter Termin für die Fortsetzung der Testung sollte notfalls einkalkuliert werden. Mit dem Spielmaterial soll die Testsituation spielerisch gestaltet werden, so dass sie für die Kinder attraktiv und motivierend wirken soll. Der Testleiter sollte eine vertrauensvolle und freundliche Atmosphäre schaffen (Mähler et al., 2016, S. 21, S. 29). Der Raum sollte mit dem Nötigsten ausgestattet sein (Tisch, Stuhl, Testmaterial) und frei von Ablenkung (Geräusche, Gegenstände) sein. Es sollten keine Hilfestellungen angeboten werden. Die Reihenfolge der Itemvorgabe ist festgelegt, kann aber in Ausnahmefällen je nach Situation geändert oder vorzugsweise nach einer Unterbrechung fortgesetzt werden, um sich an den sinnvoll gestalteten Testablauf weiter halten zu können. Die Bezugspersonen sollten anwesend sein (S. 30-31). Bei Frühgeborenen wird eine Alterskorrektur bis zum 18. Lebensmonat gemacht.
 

Testkonstruktion

Bei der Testkonstruktion wurden von den Prinzipien der Klassischen Testtheorie Gebrauch gemacht. Alle in der Literatur vorkommenden Entwicklungsbereiche wurden berücksichtigt, um einen allgemeinen Entwicklungstest entwickeln zu können. Bei der Erstellung des Itempools wurden zwei Kriterien beachtet. Zum einen sollten aussagekräftige Items gewählt werden und zum anderen sollte der Test anwenderfreundlich sein, d. h. abwechslungsreich und ökonomisch in der Durchführung. Hierfür wurden empirische Studien zur frühkindlichen Entwicklung, allgemeine und spezifische Entwicklungsverfahren sowie Expertenurteile herangezogen. Als allgemeiner Entwicklungstest werden z. B. die Münchener Funktionelle Entwicklungsdiagnostik für das 1. Lebensjahr (MFED 1; Hellbrügge, Lajosi, Menara, Schamberger & Rautenstrauch, 1994) sowie für das 2. bis 3. Lebensjahr (MFED 2-3; Hellbrügge, Coulin et al., 1994) und der Entwicklungstest 6 Monate - 6 Jahre (ET 6-6) von Petermann, Stein und Macha (2008) genannt, als spezifischer Entwicklungstest z. B. der Sprachentwicklungstest für zweijährige Kinder (SETK-2; Grimm, Aktas & Frevert, 2000). Der breite Itempool wurde überarbeitet, weiter- und neuentwickelt und anschließend wurde festgelegt, für welchen Altersbereich diese geeignet sind. Um auch alle nicht spontan beobachtbaren Fertigkeiten erfassen zu können, wurde zusätzlich ein Elternfragebogen entwickelt. In einer Pilotstudie wurden dann alle Items mithilfe von geschultem Personal erprobt. Die Testung wurde aufgezeichnet und für die Gestaltung einer standardisierten Testung genutzt. Eine zweite Untersuchung wurde dann mit der Zielgruppe (n = 50 Kinder aus allen 14 Altersgruppen) durchgeführt. Der Itempool wurde aufgrund qualitativer und quantitativer Erkenntnisse aus dieser Untersuchung (Befragung der Testleiter, Itemanalyse) erneut überarbeitet. Anschließend fand eine Normierung statt (Mähler et al., 2016, S. 39-41). Im Rahmen dieser Normierung wurden Schwierigkeits- und Trennschärfeanalysen gemacht, die zur weiteren Eliminierung von Items geführt haben. Betroffen waren Items mit einer Schwierigkeit von p = 0.
 

Gütekriterien

 

Objektivität

Die Objektivität in Durchführung kann durch viele Störfaktoren aufgrund des Alters der Zielgruppe stark eingeschränkt werden (Mähler et al., 2016, S. 29). Der FREDI 0-3 versucht jedoch anhand genauer Durchführungsanweisungen (Instruktion, Proband-Testleiter-Beziehung, Testablauf) sowie vereinfachter Auswertungsbedingungen und Interpretationshilfen (dichotomes Antwortformat, Protokollbögen mit Entwicklungsprofil, Cut-off-Werte) die Objektivität zu erhöhen (S. 45).
 

Reliabilität

Für jede Skala und Altersgruppe wurde die interne Konsistenz (Cronbachs Alpha) berechnet. Sie variiert sehr stark. Bei der Skala Motorik liegt sie zwischen Alpha = .55 und .89, bei der Skala Kognition zwischen Alpha = .33 und .84, bei der Skala Sprache zwischen Alpha = .31 und .85 und bei der Skala Sozial-emotionale Entwicklung zwischen Alpha = .34 und .80 (Mähler et al., 2016, S. 46-47). Die Profilreliabilität wurde nicht berechnet.
 

Validität

Der FREDI 0-3 kann als inhaltsvalide gelten, da Expertenurteile und mehrere Entwicklungstests herangezogen wurden (siehe unter "Testkonstruktion"). Die Skalen wurden anhand eines empirischen und theoriegeleiteten Ansatzes entwickelt (Mähler et al., 2016, S. 48). Für die Konstruktvalidität liegen Ergebnisse zur Skaleninterkorrelation vor (siehe Tabelle 1; S. 50-52).

Tabelle 1
Interkorrelation der Skalen für 14 Altersgruppen im FREDI 0-3 (modifiziert nach Mähler, Cartschau & Rohleder, 2016, S. 51-52, Tabelle 22-35)
---------------------------------------------------------------------- 
Kognition Motorik Sozial-Emotional
----------------------------------------------------------------------
AG 0-1
Motorik .41**
Sozial-Emotional .63** .39*
Sprache .60** .13 .35*
AG 2-3
Motorik .56**
Sozial-Emotional -.01 .34*
Sprache .36** .35* .16
AG 4-5
Motorik .78**
Sozial-Emotional -.10 .10
Sprache .06 .24 .16
AG 6-7
Motorik .15
Sozial-Emotional .32* .38*
Sprache .28 .06 .18
AG 8-9
Motorik .26
Sozial-Emotional .23 .34*
Sprache .20 .33* .28
AG 10-11
Motorik .38*
Sozial-Emotional .42** .28
Sprache .03 .19 .39**
AG 12-14
Motorik .32*
Sozial-Emotional .08 .33*
Sprache .20 .26 .52**
AG 15-17
Motorik .31*
Sozial-Emotional .38* .46**
Sprache .58** .23 .43*
AG 18-20
Motorik .15
Sozial-Emotional .27 .24
Sprache .48** .37* .64**
AG 21-23
Motorik .42**
Sozial-Emotional .42** .40*
Sprache .44** .37** .63**
AG 24-26
Motorik .11
Sozial-Emotional .28 .44**
Sprache .58** .07 .43**
AG 27-29
Motorik .56**
Sozial-Emotional .53** .28
Sprache .72** .36* .48**
AG 30-32
Motorik .33*
Sozial-Emotional .58** .35*
Sprache .76** .41** .66**
AG 33-35
Motorik .31*
Sozial-Emotional .44** .44**
Sprache .78** .30* .57**
----------------------------------------------------------------------
Anmerkungen. AG = Altersgruppe (in Monaten). * = p < .01 (zweiseitig) signifikant, ** = p < .05 (zweiseitig) signifikant.

Die Überprüfung der Kriteriumsvalidität wurde durch den korrelativen Vergleich zwischen zwei spezifischen Verfahren zur Wortschatz- und Sprachentwicklung und der FREDI-Skala Sprache vollzogen. Diese waren der Elternfragebogen zur Wortschatzentwicklung im frühen Kindesalter (ELAN-R; Bockmann & Kiese-Himmel, 2012) und der "Sprachentwicklungstest für zweijährige Kinder (SETK-2; Grimm et al., 2000). Es wurden Kinder der Altersspanne 18 bis 26 Monate untersucht. Mit Ausnahme von zwei Korrelationskoeffizienten liegen die signifikant gewordenen Zusammenhänge im sehr hohen Bereich (ELAN-R und Sprachskala FREDI 0-3: r = .42 bzw. r = .69-.91; SETK-2-Skalen und Sprachskala FREDI 0-3: r = .28 bzw. r = .64-.77). Die anderen Skalen des FREDI 0-3 sollen in Zukunft ebenfalls mit vergleichbaren Skalen anderer Entwicklungsverfahren korreliert werden. Es wurde auch untersucht, ob bei Frühgeborenen (n = 27; zum Messzeitpunkt war das Durchschnittsalter acht Monate) Entwicklungsrückstände erkannt werden können. Hierfür wurden die unkorrigierten und korrigierten Werte miteinander verglichen. Mit Ausnahme der Sprachentwicklung konnte nachgewiesen werden, dass bei Nichtkorrektur des Alters die Werte unter dem Mittelwert der Norm liegen. Diese Untersuchung wurde dann mit 23 Frühgeborenen, die zum Messzeitpunkt 21-23 Monate alt waren, erneut durchgeführt. Es konnten signifikante Unterschiede zwischen korrigiertem und unkorrigiertem Alter über alle Skalen hinweg festgestellt werden, was ein Beleg dafür ist, dass die Skalen ansteigende Schwierigkeiten abbilden. Mit einer Alterskorrektur ergeben sich bessere Ergebnisse. Für die Normwerte ergeben sich keine signifikanten Unterschiede. Die Mittelwerte für das unkorrigierte Alter liegen noch in der Norm der reifgeborenen Kinder. Frühgeborene holen in der späteren Entwicklung auf. Mit dem FREDI 0-3 sollten auch Kinder mit Entwicklungsverzögerung oder Entwicklungsstörung identifiziert werden können. Hierfür wurden n = 21 Kinder mit einer entwicklungsbeeinträchtigenden Störung (z. B. Down-Syndrom, Jacobson Syndrom, Microcephalie) mit dem Verfahren untersucht. Die Mittelwerte dieser Gruppe lagen weit unter dem Durchschnitt. Je nach Störung wurden niedrige Werte auch in der korrespondierenden FREDI-Skala erzielt (Mähler et al., 2016, S. 53-57).
 

Normierung

In dem Zeitraum von Juni 2012 bis März 2013 wurde eine Normierung durchgeführt. Es wurden Daten von insgesamt N = 717 Kindern (Alter: 0-35 Monate) mit gleichgeschlechtlicher und bundesweiter Verteilung (65% aus Niedersachsen) berechnet. Die Rohdaten wurden z-standardisiert und mithilfe linearer Transformation in Wertpunkte und C-Werte getrennt für 14 Altersgruppen umgewandelt (Mähler et al., 2016, S. 42-44).
 

Anwendungsmöglichkeiten

Der FREDI 0-3 stellt eine Kombination aus Verhaltenstest, Beobachtung und Elterneinschätzung dar und kann von Praktikern aus der (Neuro-)Pädiatrie, Psychologie und Frühpädagogik (Frühförderung, Erziehungsberatung) sowie von Forschern angewendet werden (Mähler et al., 2016, S. 3, S. 7). Mithilfe des Verfahrens können Hinweise auf Entwicklungsprobleme festgestellt und weiter anhand spezifischer Tests diagnostiziert werden (S. 12).
Hasselhorn (2017, S. 103) weist darauf hin, dass keinesfalls pädagogische Fachkräfte ohne Hochschulabschluss den Test durchführen dürfen, da sie hierfür nicht qualifiziert sind.
 

Bewertung

Der FREDI 0-3 ist ein allgemeiner, multimethodaler Entwicklungstest. Er besteht aus den Teilen Verhaltenstest, Beobachtung und Elternbefragung, um alle Aspekte der Entwicklung umfassend messen zu können. Zudem hat das Verfahren aktuelle Erkenntnisse aus der frühpädagogischen Forschung als theoretische Grundlage. Die Testkonstruktion ist gut nachvollziehbar. Die psychometrische Güte wurde zum größten Teil überprüft. Eine konfirmatorische Faktorenanalyse sowie eine Überprüfung der konvergenten und divergenten Validität der Skalen Motorik, Sprache und sozial-emotionale Entwicklung fehlen allerdings. Auch die prognostische Validität könnte in einem Prä-Post-Vergleich untersucht werden. Aus dem frühkindlichen Alter könnten wertvolle Hinweise für das spätere Alter (z. B. Vorschule, Schule, Entwicklungsprobleme) rückgeschlossen werden.
Im Vergleich zu vielen Entwicklungstests, bei denen das komplette Durchführungsmaterial mit allen im Testkoffer enthaltenen Unterlagen als Gesamtpaket gekauft werden muss, können bei dem FREDI 0-3 alle Materialien (Spielzeug) separat nachgekauft werden (wobei sich allerdings die Preise in einem sehr hohen Bereich bewegen). Es handelt sich bei den meisten Spielsachen um Standardspielzeuge (z. B. der O-Ball), die in jedem Spielwarengeschäft erhältlich sind.
Hasselhorn (2017, S. 102-103) beschreibt das Verfahren als eine Alternative für den ET 6-6, wobei der FREDI 0-3 bereits ab Geburt einsetzbar ist. Die Reliabilität erlaubt ihm zufolge den Einsatz im Bereich Motorik zwischen dem 2. und 17. Lebensmonat, im Bereich Sprache ab dem 12. Lebensmonat und im Bereich Kognition und sozio-emotionale Entwicklung ab dem 27. Lebensmonat. Er betont, dass für die Entwicklung der Sprachskala einschlägige Verfahren als Grundlage gewählt wurden. Es handelt sich also mit dem FREDI 0-3 um ein wertvolles Instrument für die frühkindliche Entwicklungsdiagnostik.
 

Literatur

  • Bockmann, A.-K., Kiese-Himmel, C. (2012). ELAN-R. Eltern Antworten - Revision. Elternfragebogen zur Wortschatzentwicklung im frühen Kindesalter. Göttingen: Beltz.
  • Bronfenbrenner, U. (1981). Die Ökologie der menschlichen Entwicklung. Stuttgart: Klett.
  • Grimm, H., Aktas, M. & Frevert, S. (2000). SETK-2. Sprachentwicklungstest für zweijährige Kinder. Diagnose rezeptiver und produktiver Sprachverarbeitungsfähigkeiten. Göttingen: Hogrefe.
  • Hasselhorn, M. (2017). FREDI 0-3. Frühkindliche Entwicklungsdiagnostik für Kinder von 0 bis 3 Jahren: Ein neues Verfahren von Mähler, Cartschau und Rohleder (2016). Frühe Bildung, 6 (2), 101-103.
  • Hellbrügge, T., Coulin, S., Heiß-Begemann, E., Lajosi, F., Menara, D., Schamberger, R., Schirm, H., Ernst, B., Ernst, W. & Otte, H. (1994). Münchener Funktionelle Entwicklungsdiagnostik. 2. und 3. Lebensjahr. Durchführungs-, Beurteilungs- und Interpretationshinweise (4., korrigierte und erweiterte Auflage). München: Deutsche Akademie für Entwicklungsrehabilitation.
  • Hellbrügge, T., Lajosi, F., Menara, D., Schamberger, R. & Rautenstrauch, T. (1994). Münchener Funktionelle Entwicklungsdiagnostik - 1. Lebensjahr. München: Urban & Schwarzenberg.
  • Mähler, C., Cartschau, F. & Rohleder, K. (2016). FREDI 0-3. Frühkindliche Entwicklungsdiagnostik für Kinder von 0-3 Jahren. Göttingen: Hogrefe.
  • Petermann, F., Stein, I. A. & Macha, T. (2008). Entwicklungsdiagnostik mit dem ET 6-6 (3., veränderte Auflage). Frankfurt/Main: Pearson Assessment.
  • Piaget, J. (1966). Psychologie der Intelligenz. Zürich: Rascher.
  • Wygotski, L. S. (1977). Denken und Sprechen. Frankfurt am Main: Fischer.
 

Rezensionen

  • Hasselhorn, M. (2017). FREDI 0-3. Frühkindliche Entwicklungsdiagnostik für Kinder von 0 bis 3 Jahren: Ein neues Verfahren von Mähler, Cartschau und Rohleder (2016). Frühe Bildung, 6 (2), 101-103.
  • Macha, T. & Petermann, F. (2017). Testbesprechung. FREDI 0-3. Claudia Mähler, Friederike Cartschau und Katharina Rohleder (2016). Frühkindliche Entwicklungsdiagnostik für Kinder von 0 bis 3Jahren (FREDI 0-3). Göttingen: Hogrefe, EUR 1.898,00. Zeitschrift für Entwicklungspsychologie und Pädagogische Psychologie, 49 (1), 50-56.
  • Mähler, C. (2017). Replik auf die Testbesprechung von Thorsten Macha und Franz Petermann zu "Frühkindliche Entwicklungsdiagnostik für Kinder von 0 bis 3 Jahren (FREDI 0-3)". Zeitschrift für Entwicklungspsychologie und Pädagogische Psychologie, 49 (1), 56-58.

 APA-Schlagworte/PSYNDEX Terms:

Classical Test Theory; Observation Methods; Questionnaires; Pictorial Stimuli; Test Norms; Developmental Measures; Developmental Psychology; Cognitive Development; Motor Development; Childhood Development; Toys

Klassische Testtheorie; Beobachtungsmethoden; Fragebögen; Bild-Stimuli; Testnormen; Entwicklungstests; Entwicklungspsychologie; Kognitive Entwicklung; Motorische Entwicklung; Entwicklung in der Kindheit; Spielzeug

 weitere Schlagworte:

2016; Elternfragebogen; Frühdiagnostik; Entwicklungsrückstände; Fördermaßnahmen; ab Geburt; bis 3 Jahre; Funktionsbereiche: 1 Motorische Entwicklung, 2 Kognitive Entwicklung, 3 Sprachentwicklung, 4 Sozial-emotionale Entwicklung; Normierungs-/Untersuchungsjahr: 2013; Stichprobe(n): 717
 Klassifikation:

Entwicklungstests; Kognitive Entwicklung und Wahrnehmungsentwicklung; Entwicklungsstörungen und Autismus
Allgemeine Entwicklungstests
1.2
 Anwendungstyp: Remedial Diagnosis, Individual Diagnosis
 Art der Publikation: Test; Test in Print (90; 911)
 Sprache: German
 Land: Germany
 Publikationsjahr: 2016
 Änderungsdatum: 201712
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