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Brief-Symptom-Checklist

 PSYNDEX Tests-Dokument: 9007350
 

BSCL - Brief-Symptom-Checklist (PSYNDEX Tests Review)

 

Brief Symptom Inventory (BSI; DeRogatis, L. R. & Melisaratos, N., 1983) - German abbreviated version/author
Synonym(e): Brief Symptom Checklist

 Franke, G. F.
 (2017). BSCL. Brief-Symptom-Checklist [Testbox mit Manual, 5 Fragebögen, 5 Auswertungsbögen und 5 Profilbögen]. Göttingen: Hogrefe.

Preis: 158,00 Euro (Test komplett; Stand: 31.7.2017)

 Bezugsquelle: Testzentrale Hogrefe Verlag GmbH & Co. KG, Herbert-Quandt-Straße 4, D-37081 Göttingen ; E-Mail: testzentrale@hogrefe.de ; URL: http://www.testzentrale.de/ ; Stand: 1.11.2017.
 Adresse(n): o Prof. Dr. Gabriele Helga Franke, Hochschule Magdeburg-Stendal (FH), Studiengang Rehabilitationspsychologie, Osterburger Straße 25, D-39576 Stendal ; E-Mail: gabriele.franke@hs-magdeburg.de ; URL: http://www.franke-stendal.de/ ; Stand: 3.5.2016
o Dr. Leonard R. DeRogatis, Ph.D., Clinical Psychometric Research, Inc., 1228 Wine Spring Lane, Towson, MD 21204, USA ; E-Mail: MDero@aol.com ; URL: http://www.derogatis-tests.com/aboutus.asp ; Stand: 1.3.2017
 WWW-Informationen:
 

Abstract

Diagnostische Zielsetzung:
Die BSCL ist ein Screeninginstrument zur Erfassung der subjektiven Beeinträchtigung durch körperliche und psychische Symptome und kann als Einzel- oder Gruppentest im Rahmen der klinisch-medizinischen Praxis und Forschung eingesetzt werden.


Aufbau:
Der Fragebogen besteht aus insgesamt 53 Items, welche auf einer fünfstufigen Likert-Skala hinsichtlich der vergangenen sieben Tage beurteilt werden. Es lassen sich die Skalen (1) Aggressivität/Feindseligkeit, (2) Ängstlichkeit, (3) Depressivität, (4) Paranoides Denken, (5) Phobisches Denken, (6) Psychotizismus, (7) Somatisierung, (8) Unsicherheit im Sozialkontakt und (9) Zwanghaftigkeit bilden. Vier Items sind keiner Skala zuzuordnen. Zur Übersicht über die allgemeine psychische Belastung können drei Globale Kennwerte erstellt werden: 1 Global Severity Index, 2 Positive Symptom Distress Index, 3 Positive Symptom Total.


Grundlagen und Konstruktion:
Dem Verfahren liegt die Klassische Testtheorie zugrunde. Die BSCL beruht auf dem Brief Symptom Inventory (BSI; DeRogatis & Melisaratos, 1983) und stellt eine Kurzform der SCL-90 dar. Für die vorliegende Version wurden die Skalen in alphabetische Reihenfolge gebracht, sodass eine zum BSI veränderte Itemreihenfolge besteht.


Empirische Prüfung und Gütekriterien:
Reliabilität: Die interne Konsistenz in den drei Normierungsstichproben liegt zwischen Alpha = .69 und Alpha = .88 für die einzelnen Skalen. Der Globale Kennwert (GSI) weist eine Reliabilität von Alpha > = .96 auf. In den zwei klinischen Stichproben wurde eine interne Konsistenz von Alpha = .70 bis Alpha = .90 für die Skalen und Alpha > = .95 für den GSI ermittelt. Die Retestreliabilität für ein Zeitintervall von einer Woche variiert für die Skalen zwischen rtt = .64 und rtt = .82 und liegt für den GSI bei rtt = .87. Die Profilreliabilität wurde nicht berechnet.
Validität: Die Augenscheinvalidität der Items wird angenommen. Es konnten fünf (Normierungsstichproben) bzw. sieben (klinische Stichprobe) der a priori festgelegten neun Skalen in exploratorischen Faktorenanalysen bestimmt werden. Darüber hinaus liegen zahlreiche Untersuchungsergebnisse über die Zusammenhänge der BSCL-Skalen sowie der drei globalen Kennwerte mit unterschiedlichen konstruktnahen und konstruktfernen Verfahren vor.
Normen: Normwerte liegen von einer bevölkerungsrepräsentativen Stichprobe von insgesamt N = 2 025 Personen (16-75 Jahre) aus den Jahren 2011 und 2012 vor. Darüber hinaus wurden Normwerte anhand der Daten von n = 1 659 Studierenden und n = 525 Berufsschülern berechnet. Es liegen alters- und geschlechtsspezifische Normen in Form von T-Werten vor.

 

Testkonzept

 

Theoretischer Hintergrund

Die Brief-Symptom-Checklist (BSCL; Franke, 2017) erfasst die subjektiv empfundene Belastung durch körperliche und psychische Symptome. Die BSCL stellt eine Kurzform der 90 Items umfassenden Symptom-Checklist-90-Standard (SCL-90-S; Franke, 2014) dar und ersetzt die bisherige deutschsprachige Adaptation des Brief Symptom Inventory (BSI; Franke, 2000; englischsprachiges Original von DeRogatis & Melisaratos, 1983; DeRogatis, 1993). Die SCL-90 und ihre Kurzform zählen international zu den am häufigsten eingesetzten Verfahren in der psychologischen Diagnostik sowie bei der Evaluation klinischer Interventionen.
 

Testaufbau

Der Fragebogen umfasst insgesamt 53 Items, welche die aktuelle psychische Beeinträchtigung auf symptomatischer Ebene erfassen. Die Items sind auf einer fünfstufigen Likert-Skala von 0 = "überhaupt nicht" bis 4 = "sehr stark" mit einem zeitlichen Bezugsrahmen der letzten sieben Tage zu beantworten. Die BSCL setzt sich aus neun Skalen zusammen, welche im Folgenden kurz beschrieben werden:
(1) Aggressivität/Feindseligkeit (AGGR): Die Skala erfasst mittels fünf Items die Reizbarkeit und Unausgeglichenheit einer Person bis hin zur starken Aggressivität.
(2) Ängstlichkeit (ANGS): Die sechs Items der Skala beschreiben körperlich spürbare Nervosität bis hin zu starker Angst.
(3) Depressivität (DEPR): Die Skala umfasst sechs Items, die Traurigkeit bis hin zur schweren Depression erfassen.
(4) Paranoides Denken (PARA): Die Skala besteht aus fünf Items, die Misstrauen und Minderwertigkeitsgefühle bis hin zu starkem paranoiden Denken beschreiben.
(5) Phobische Angst (PHOB): Mittels fünf Items wird ein leichtes Gefühl von Bedrohung bis hin zur starken phobischen Angst erfasst.
(6) Psychotizismus (PSYC): Die fünf Items der Skala beschreiben ein leichtes Gefühl von Isolation und Entfremdung bis hin zu klinisch manifesten psychotischen Episoden.
(7) Somatisierung (SOMA): Die sieben Items der Skala beziehen sich auf psychische Beeinträchtigungen, die durch die Wahrnehmung körperlicher Dysfunktionen entstehen.
(8) Unsicherheit im Sozialkontakt (UNSI): Die Skala erfasst mittels vier Items leichte soziale Unsicherheit bis hin zu dem Gefühl persönlicher Unzulänglichkeit.
(9) Zwanghaftigkeit (ZWAN): Die sechs Items der Skala fragen nach Symptomen, die eng mit dem klinischen Syndrom der Zwanghaftigkeit zusammenhängen.
Darüber hinaus existieren vier Zusatzitems, welche nach schlechtem Appetit, Einschlafschwierigkeiten, Gedanken an den Tod und Schuldgefühlen fragen und keiner Skala zugeordnet werden können.
Die BSCL ermöglicht die Bestimmung von drei globalen Kennwerten: Der "Global Severity Index" (GSI) erfasst die grundsätzliche psychische Belastung, der "Positive Symptom Distress Index" (PSDI) die Intensität der Antworten und der "Positive Symptom Total" (PST) gibt die Anzahl der Symptome an, bei denen eine Belastung vorliegt.
 

Auswertungsmodus

Für die Auswertung des Fragebogens werden die einzelnen Itemwerte der Skalen in die dafür vorgesehenen Felder auf dem Auswertungsbogen eingetragen und anschließend zu einem Summenwert addiert. Um den Skalenwert zu erhalten, wird der Summenwert durch die Itemanzahl der jeweiligen Skala dividiert. Bei fehlenden Werten wird der Divisor der jeweiligen Skala entsprechend reduziert. Die Auswertung der Skalen sollte allerdings bei mehr als einem fehlenden Wert nicht vorgenommen werden. Im Anschluss wird die Belastungstendenz ermittelt. Diese erhält man, indem die Items pro Skala gezählt werden, bei denen die Testperson einen Wert größer als Null angegeben hat. Für die vier Zusatzitems werden lediglich der Summenwert und die Belastungstendenz ermittelt.
Zur Bestimmung des GSI werden die Summenwerte der Skalen und der vier Zusatzitems addiert (GS) und durch die Anzahl beantworteter Items dividiert (53 - Anzahl fehlender Werte). Bei mehr als 13 fehlenden Werten sollte die Berechnung des GSI unterbleiben. Die Summe der Items, bei denen die Testperson eine Belastung angibt (Belastungstendenz), ergibt den PST. Für die Bestimmung des PSDI wird der GS-Wert durch den PST-Wert geteilt. Dem Anhang des Manuals können die entsprechenden T-Werte für die Skalenwerte und globalen Kennwerte entnommen und auf dem Auswertungsbogen vermerkt werden. Für eine übersichtliche Darstellung können die T-Werte auf dem Profilbogen graphisch abgetragen werden. Zusätzlich können die im Manual aufgeführten Standardfehler, Konfidenzintervalle und kritische Differenzen bei einer Messwiederholung herangezogen werden (Franke, 2017, S. 27 ff.)
Neben der manuellen Auswertung ist ein PC-gestütztes Auswertungsprogramm erhältlich.
 

Auswertungshilfen

Auf dem Auswertungsbogen ist eine Anleitung zur Auswertung abgedruckt. Weitere Hilfen sind in Form von Hinweisen zur Auswertung und Interpretation der Testwerte im Manual gegeben. Daneben ist eine computergestützte Auswertung möglich.
 

Auswertungszeit

Die Auswertung des Fragebogens beansprucht ca. 5 bis 10 Minuten.
 

Itembeispiele

Anmerkung: Aufgeführt wird für jede Skala das trennschärfste Item (rit; N = 2 025; Franke, 2017, S. 76 ff.).
"Wie sehr litten Sie in den vergangenen sieben Tagen unter..."
(1) Aggressivität/Feindseligkeit: Gefühlsausbrüchen, denen gegenüber Sie machtlos waren (.53)
(2) Ängstlichkeit: Furchtsamkeit (.60)
(3) Depressivität: Schwermut (.77)
(4) Paranoides Denken: dem Gefühl, dass andere Sie beobachten oder über Sie reden (.62)
(5) Phobische Angst: Furcht auf offenen Plätzen oder auf der Straße (.55)
(6) Psychotizismus: Einsamkeitsgefühlen, selbst wenn Sie in Gesellschaft sind (.65)
(7) Somatisierung: Schwächegefühl in einzelnen Körperteilen (.62)
(8) Unsicherheit im Sozialkontakt: Minderwertigkeitsgefühlen anderen gegenüber (.70)
(9) Zwanghaftigkeit: Konzentrationsschwierigkeiten (.76)
 

Durchführung

 

Testformen

Die BSCL ist ein Selbstbeurteilungsinstrument und kann sowohl im Einzel- als auch im Gruppensetting angewandt werden. Sie stellt eine Kurzform der SCL-90-S (Franke, 2014) dar und entspricht weitgehend dem englischsprachigen "Brief Symptom Inventory" (DeRogatis & Melisaratos, 1983).
 

Altersbereiche

Der Fragebogen kann bei Erwachsenen und Jugendlichen ab 12 Jahren eingesetzt werden.
 

Durchführungszeit

Für die Durchführung werden etwa 10 Minuten benötigt.
 

Material

Die Testbox enthält neben dem Manual fünf Fragebögen, fünf Auswertungsbögen sowie fünf Profilbögen. Daneben ist nur ein Schreibgerät vonnöten.
 

Instruktion

Die Instruktion ist schriftlich auf dem Fragebogen abgedruckt und kann bei Bedarf vom Testleiter mündlich erläutert werden.
 

Durchführungsvoraussetzungen

Das Verfahren sollte ausschließlich von geschulten Testleitern durchgeführt werden.
 

Testkonstruktion

Die Testkonstruktion erfolgte nach den Kriterien der Klassischen Testtheorie. Die BSCL geht auf das Brief Symptom Inventory (BSI) zurück, welches von DeRogatis und Melisaratos 1983 veröffentlicht wurde. Es stellt eine auf 53 Items verkürzte Version der SCL-90 dar, welche in manchen Untersuchungssituationen als zu lang empfunden wurde. Die deutsche Version des BSI wurde im Jahr 2000 veröffentlicht (Franke, 2000). Bei der vorliegenden Version wurde die Itemreihenfolge des BSI modifiziert, da die Skalen in eine alphabetische Reihenfolge gebracht wurden. Darüber hinaus wurde das Untersuchungsmaterial überarbeitet. Bei der Testentwicklung wurde Wert darauf gelegt, eine möglichst einfache und klare Sprache zu verwenden. Für die englischsprachige Originalversion wurde hierbei "The Teacher's Word Book of 30 000 Words" (Thorndike & Lorge, 1944) herangezogen (S. 11). Für detailliertere Informationen zur Entwicklung der SCL-90 wird auf Franke (2000) verwiesen.
 

Gütekriterien

 

Objektivität

Die Durchführung und Auswertung können aufgrund der Fragebogenform mit gebundener Beantwortung und der schriftlichen Instruktion als objektiv gelten. Die Objektivität der Interpretation der Ergebnisse ist durch Normwerte und Interpretationshinweise gewährleistet.
 

Reliabilität

Die interne Konsistenz (Cronbachs Alpha) der neun Skalen liegt in der bevölkerungsrepräsentativen Eichstichprobe (N1; siehe unter "Normierung") zwischen Alpha = .72 und Alpha = .88 (siehe Tabelle 1). Der Global Severity Index (GSI) erreichte eine interne Konsistenz von Alpha = .97. Für die studentische Normstichprobe (N2; siehe unter "Normierung") wurden Werte zwischen Alpha = .69 und Alpha = .83 für die neun Skalen sowie Alpha = .96 für den GSI ermittelt. In der Stichprobe der Berufsschüler (N3; siehe unter "Normierung") liegen die Reliabilitätskennwerte zwischen Alpha = .78 und Alpha = .87 für die neun Skalen sowie Alpha = .97 für den GSI.
Daneben wurden zwei klinische Stichproben für die Prüfung der Reliabilität herangezogen. Eine Stichprobe von insgesamt N = 3 200 Patienten (P1; 67.5% Frauen, M = 34.8 Jahre, SD = 13.2 Jahre) der Institutsambulanz und Tagesklinik für Psychotherapie des Instituts für Klinische Psychologie und Psychotherapie der Technischen Universität Dresden wurde in den Jahren 2004 bis 2012 untersucht. Eine zweite klinische Stichprobe (P2) aus den Jahren 2013/2014 bestand aus N = 402 Patienten (79.1% Frauen, M = 53.9 Jahre, SD = 9.8 Jahre) der stationären orthopädischen Rehabilitation der Paracelsus Klinik an der Gande in Bad Gandersheim (Franke, Stenzel, Rank, Herbold & Küch, 2015). In der klinischen Stichprobe P1 ergaben sich Reliabilitätskennwerte von Alpha = .74 bis Alpha = .85 für die einzelnen Skalen. In der Stichprobe P2 lag die interne Konsistenz zwischen Alpha = .74 und Alpha = .90. Für den GSI wurde eine interne Konsistenz von Alpha = .95 (P1) bzw. Alpha = .97 (P2) ermittelt.
Des Weiteren wurde die Retestreliabilität für ein Zeitintervall von einer Woche an einer Teilstichprobe der studentischen Stichprobe (N2) von n = 343 Studierenden ermittelt. Die neun Skalen wiesen eine Reliabilität von rtt = .64 bis rtt = .82 auf. Der GSI erreichte eine Reliabilität von rtt = .87 (siehe Tabelle 1).
Zusätzlich werden im Manual die Ergebnisse internationaler Studien zur Reliabilität des Verfahrens berichtet, welche den vorgestellten Befunden ähneln.
Die Profilreliabilität wurde nicht berechnet.

Tabelle 1
Interne Konsistenzen (Cronbachs Alpha) der Skalen der BSCL bei der bevölkerungsrepräsentativen Normstichprobe (N1), der Normstichprobe der Studierenden (N2), der Normstichprobe der Berufsschüler (N3), der klinischen Stichprobe der Psychotherapieklienten (P1) und Orthopädiepatienten (P2) sowie Retestreliabilitäten der BSCL-Skalen einer Teilstichprobe der Studierendenstichprobe (N2-1) (nach Franke, 2017, S. 46)
---------------------------------------------------------------------- 
Interne Konsistenz Retestreliabilität
(Cronbachs Alpha) (rtt)
Skala N1 N2 N3 P1 P2 N2-1
----------------------------------------------------------------------
1 AGGR .72 .69 .79 .74 .74 .66
2 ANGS .80 .78 .79 .80 .84 .64
3 DEPR .88 .83 .87 .85 .90 .79
4 PARA .80 .75 .81 .77 .83 .70
5 PHOB .72 .72 .81 .79 .80 .72
6 PSYC .81 .71 .78 .70 .77 .78
7 SOMA .80 .78 .85 .79 .80 .67
8 UNSI .80 .75 .79 .79 .84 .82
9 ZWAN .85 .80 .83 .81 .88 .87
----------------------------------------------------------------------
GSI .97 .96 .97 .95 .97 .87
----------------------------------------------------------------------
 

Validität

Die Augenscheinvalidität der Items ist anzunehmen.
Die faktorielle Validität der BSCL wurde anhand der bevölkerungsrepräsentativen (N1; N = 2 025) und studentischen (N2; N = 1 659) Normstichproben sowie einer klinischen Stichprobe (P1; N = 3 200) geprüft. In die explorativen Faktorenanalysen gingen, unter Ausschluss der vier Zusatzitems, 49 Items ein. In den beiden Normstichproben (N1 und N2) konnten mit einer Varianzaufklärung von 48.4% bzw. 47.5% jeweils fünf Faktoren mit 45 bzw. 42 Items gefunden werden: Depressivität/Verletzlichkeit (N1, N2), Misstrauen/Unsicherheit (N1), Somatisierung (N1, N2), Phobische Angst (N1, N2), Konzentrationsstörungen/Reizbarkeit (N2) und Aggressivität/Feinseligkeit (N1, N2). In der klinischen Stichprobe ergab sich eine Lösung mit sieben Faktoren, die 52.5% der Varianz aufklärten und insgesamt 45 Items umfassten: Depressivität/Unsicherheit, Paranoides Denken, Somatisierung, Phobische Angst, Ängstlichkeit, Zwanghaftigkeit und Aggressivität/Feinseligkeit (Franke, 2017, S. 53 ff.). In der ersten faktorenanalytischen Überprüfung der neun Skalen der BSCL durch DeRogatis und Melisaratos (1983) wurden sieben Faktoren gut bis sehr gut repliziert. Lediglich bei den beiden Skalen "Ängstlichkeit" und "Unsicherheit im Sozialkontakt" ergaben sich Probleme. Dennoch hat sich die Neunfaktorenstruktur in der Auswertung durchgesetzt (Franke, 2017, S. 50 f.).
Hinsichtlich der konvergenten und diskriminanten Validität liegen zahlreiche Untersuchungsergebnisse über die Zusammenhänge der BSCL mit unterschiedlichen konstruktnahen und konstruktfernen Verfahren vor. Diese wurden sowohl mit Hilfe der Normstichproben als auch der beiden klinischen Stichproben ermittelt.
(1) Zusammenhänge mit Persönlichkeitsfaktoren: Es wurde eine von den Autoren erstellte Kurzfassung des NEO-Fünf-Faktoren-Inventars (NEO-FFI; Borkenau & Ostendorf, 2008) mit insgesamt 25 Items (5 pro Skala), welche jeweils die höchsten Faktorladungen aufwiesen, verwendet. Es zeigten sich erwartungskonform mittlere Zusammenhänge zwischen der Skala DEPR (r = .58), UNSI (r = .56) und dem GSI (r = .56) mit Neurotizismus. Zu den anderen Faktoren des NEO-FFI (Extraversion, Offenheit für neue Erfahrungen, Verträglichkeit und Gewissenhaftigkeit) zeigten sich niedrige bis niedrig negative Zusammenhänge. Daneben wurden den Erwartungen entsprechend wenige und niedrige Korrelationen mit dem Need Inventory of Sensation Seeking (NISS; Roth & Hammelstein, 2012; Roth, Hammelstein & Brähler, 2007) gefunden, welches das Bedürfnis nach neuen, abwechslungsreichen und intensiven Sinneseindrücken und Erfahrungen misst. Ein Zusammenhang in Höhe von r = .67 wurde zwischen dem GSI der BSCL und dem Gesamtwert des Inventars zur Erfassung Interpersonaler Probleme (IIP-C; Horowitz, Strauß & Kordy, 2000) ermittelt. Das IIP-C erfasst mit acht Skalen unterschiedliche Aspekte zwischenmenschlicher Probleme, wie z. B. dominantes, abweisendes oder unterwürfiges Verhalten. (Franke, 2017, S. 56 ff.)
(2) Zusammenhänge mit Facetten der psychischen Belastung: Unter anderem wurden die Zusammenhänge der BSCL zu dem State-Trait-Ärgerausdrucks-Inventar (STAXI-2; Rohrmann et al., 2013), dem State-Trait-Angstinventar (STAI; Laux, Glanzmann, Schaffner & Spielberger, 1981) und dem Beck-Depressions-Inventar (BDI; Beck, 1995) untersucht. Hinsichtlich des STAXI-2 zeigten sich Korrelationen in Höhe von r = .55 bis r = .78 zwischen der Ärger-Zustands-Skala und den drei globalen Kennwerten (PST, PSDI und GSI) der BSCL. Darüber hinaus zeigten sich erwartungsgemäß die höchsten Korrelationen zwischen der BSCL-Skala AGGR und der Ärger-Zustands- (r = .57) sowie Ärger-Temperaments-Skala (r = .51). Zwischen den BSCL-Skalen ANGS und PHOB und dem STAI fielen die erwarteten Zusammenhänge mit r = .34 bzw. r = .37 niedrig aus. Dagegen wurden Korrelationen zwischen dem GSI der BSCL sowie der Skala DEPR und dem BDI in Höhe von r = .80 bzw. r = .79 ermittelt (Franke, 2017, S. 60 ff.).
(3) Zusammenhänge mit Maßen der somatischen Belastung: Es liegen unter anderem Befunde über Zusammenhänge mit dem Screening für Somatoforme Störungen (SOMS; Rief & Hiller, 2008) sowie der Beschwerden-Liste (BL; Zerssen, 1976) vor. Zwischen der BSCL-Skala SOMA sowie dem PST-Wert und der SOMS-Screening Skala nach ICD-10 liegt eine Korrelation in Höhe von r = .40 vor. Die BL, welche das Ausmaß körperlicher Beschwerden wie z. B. "Kurzatmigkeit" und "Schwächegefühl" erhebt, weist Korrelationen in Höhe von r = .71 zur BSCL-Skala SOMA, r = .66 zum GSI, r = .65 zum PST sowie r = .60 zur Skala ANGS auf (Franke, 2017, S. 62 f.).
(4) Zusammenhänge mit Aspekten der psychischen, familiären und beruflichen Belastung: Der GSI und der PST-Wert der BSCL weisen einen negativen Zusammenhang von r = -.32 zur Global Assessment of Functioning Skala (GAF; Wittchen & Pfister, 1997; Aas, 2014) auf. Die GAF ist ein Verfahren zur Fremdbeurteilung des allgemeinen Funktionsniveaus einer Person. Es wird eine Einschätzung der psychischen, sozialen und beruflichen Funktion auf einer Skala von 1 bis 100 vorgenommen, wobei 100 eine hervorragende Leistungsfähigkeit darstellt. Darüber hinaus liegen Zusammenhänge von r = .47 (PST) bzw. r = .45 (GSI) zur Skala "Berufliche Belastung" sowie r = .53 (GSI) bzw. r = .52 (PST) zur Skala "Familiäre Belastung" des Ultrakurzscreenings (UKS; Küch, Arndt, Grabe, Manthey, Schwabe & Fischer, 2011) vor (Franke, 2017, S. 63 f.).
 

Normierung

Die BSCL wurde an drei deutschsprachigen Stichproben normiert. Die größte Normstichprobe (N = 2 025) wurde von November 2011 bis Januar 2012 im Rahmen einer Repräsentativbefragung der deutschen Bevölkerung durch das Berliner Markt-, Meinungs- und Sozialforschungsinstituts USUMA im Auftrag des Hogrefe Verlages in einer dreistufigen Zufallsziehung erhoben. Es nahmen Personen im Alter von 16 bis 75 Jahren teil (M = 46 Jahre, SD = 17 Jahre), das Geschlechterverhältnis war ausgewogen (n = 1 013 Frauen). Die Mehrheit der Befragten war verheiratet (55.1%) und mit dem Partner zusammenlebend (66.4%). Hinsichtlich der schulischen Ausbildung wiesen 33.6% der Befragten einen Hauptschulabschluss, 30.1% einen Realschulabschluss, 12.9% das Abitur und 14.1% ein abgeschlossenes Hochschulstudium auf (4.6% Schüler, 4.1% ohne Abschluss, 0.5% ohne Angabe). Eine weitere Stichprobe wurde 2013 und 2014 nach dem Schneeballprinzip an Universitäten in Sachsen-Anhalt, Sachsen, Thüringen und Schleswig-Holstein erhoben. Es nahmen insgesamt N = 1 659 Studierende (n = 940 Frauen; n = 719 Männer) mit einem durchschnittlichen Alter von 23 Jahren (SD = 4 Jahre, Spannweite = 18-59 Jahre) an der Befragung teil. Die Teilnehmer studierten BWL (11.2%), Pädagogik (22.2%), Psychologie (21.0%), Medizin (23.9%) oder ein naturwissenschaftliches Studienfach (21.6%). Darüber hinaus wurde eine dritte Stichprobe in den Jahren 2010 und 2011 an Berufsschulen in sieben Städten Sachsen-Anhalts erhoben. Die Stichprobe besteht aus insgesamt N = 525 Berufsschülern (n = 333 Männer, n = 192 Frauen) im Alter von 16 bis 39 Jahren (M = 20, SD = 3; Franke, 2017, S. 32 ff.).
Es liegen Normen in Form von T-Werten nach Alter (sechs Altersgruppen) und Geschlecht getrennt sowie altersunabhängig für Studierende und Berufsschüler vor.
 

Anwendungsmöglichkeiten

Das Verfahren eignet sich für den Einsatz in der klinisch-medizinischen Praxis und Forschung zur Erfassung der subjektiven Beeinträchtigung durch körperliche und psychische Symptome. Die BSCL wird insbesondere dann eingesetzt, wenn für die Durchführung der SCL-90-S nicht ausreichend Zeit zur Verfügung steht, weil z. B. noch weitere diagnostische Untersuchungen geplant sind. Anwendung findet das Verfahren im deutschsprachigen Raum vor allem zur Qualitäts- und Prozesskontrolle von psychotherapeutischen Interventionen sowie zur Evaluation.
 

Bewertung

Die Brief-Symptom-Checklist (BSCL; Franke, 2017) ist ein ökonomisches Screeningverfahren zur Erfassung psychischer und körperlicher Beeinträchtigungen. Die BSCL gehört in die international anerkannte und vielfach angewandte Verfahrensfamilie der Symptom-Checkliste-90 (SCL-90-S; Franke, 2014). Es zeichnet sich durch seine einfache Anwendung und internationale wissenschaftliche Vergleichsmöglichkeit aus.
Positiv hervorzuheben ist zudem die klare und übersichtliche Gestaltung des Manuals mit Informationen zu allen wesentlichen Aspekten des Verfahrens. Lediglich zum Prozess der Testentwicklung wären ausführlichere Informationen wünschenswert. Die Durchführungs-, Auswertungs- und Interpretationsobjektivität des Verfahrens sind gewährleistet. Für die Reliabilität des Verfahrens liegen zufriedenstellende bis gute Werte der internen Konsistenz vor. Die interne Konsistenz des Globalen Kennwertes GSI ist als sehr gut zu bewerten. Die BSCL weist darüber hinaus eine zufriedenstellende bis gute Retestreliabilität auf und eignet sich somit für Messwiederholungen. Die Faktorenstruktur des Verfahrens konnte in der deutschen Analysestichprobe nicht vollständig repliziert werden. Es wird auf zahlreiche internationale Studien verwiesen, welche die Neunfaktorenstruktur mit einem Globalen Faktor überwiegend bestätigen. Weitere Untersuchungen zur faktoriellen Validität des Verfahrens wären wünschenswert. Darüber hinaus werden zahlreiche stützende Befunde für die Konstruktvalidität der BSCL berichtet. Es liegen aktuelle Normen einer sehr großen Normierungsstichprobe vor.
Im Rahmen von Selbstbeurteilungen können Informationen erhoben werden, welche der Fremdbeurteilung unzugänglich sind. Dennoch ist darauf hinzuweisen, dass ein Nachteil bei der Selbstbeurteilung im Allgemeinen in der eingeschränkten Aussagekraft aufgrund von individuellen Antworttendenzen liegt.
Insgesamt betrachtet handelt es sich bei der BSCL um ein relevantes Verfahren für die klinische Praxis und Forschung, welches über gute psychometrische Eigenschaften verfügt.
 

Literatur

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  • Borkenau, P. & Ostendorf, F. (2008). NEO-Fünf-Faktoren-Inventar nach Costa und McCrae: NEO-FFI. Göttingen: Hogrefe.
  • DeRogatis, L. R. (1993). Brief Symptom Inventory (BSI), administration, scoring, and procedures manual, third edition. Minneapolis: National Computer Services.
  • DeRogatis, L. R. & Melisaratos, N. (1983). The Brief Symptom Inventory: An introductory report. Psychological Medicine, 13, 595-605.
  • Franke, G. H. (2000). BSI. Brief Symptom Inventory von L. R. DeRogatis - Deutsches Manual. Göttingen: Beltz.
  • Franke, G. H. (2014). SCL-90-S. Symptom-Checklist-90-Standard. Göttingen: Hogrefe.
  • Franke, G. H. (2017). BSCL. Brief-Symptom-Checklist. Göttingen: Hogrefe.
  • Franke, G. H., Stenzel, S., Rank, C., Herbold, D. & Küch, D. (2015). Die Brief Symptom Checklist (BSCL) im Einsatz bei Patientinnen und Patienten der orthopädischen Rehabilitation (Konferenzbeitrag) [PDF]. Online unter der URL: https://www.researchgate.net/profile/Gabriele_Franke/publication/281833605_Die_Brief_Symptom_Checklist_BSCL_im_Einsatz_bei_Pa tientinnen_und_Patienten_der_orthopadischen_Rehabilitation/links/55fa5a3508aeba1d9f2fe1af.pdf (Stand: 31.7.2017)
  • Horowitz, L. M., Strauß, B. & Kordy, H. (2000). Inventar zu Erfassung interpersonaler Probleme - Deutsche Version (2., überarbeitete und neunormierte Auflage). Göttingen: Hogrefe.
  • Küch, D., Arndt, S., Grabe, A., Manthey, W., Schwabe, M. & Fischer, D. (2011). UKS - Ultrakurzscreening psychosozialer Problemlagen zur bedarfsorientierten Angebotszuweisung in der somatischen Rehabilitation. In Arbeitskreis Klinische Psychologie in der Rehabilitation BDP (Hrsg.), Psychologische Betreuung im Krankheitsverlauf. Akutversorgung - Rehabilitation - Nachsorge (S. 96-106). Berlin: Deutscher Psychologen Verlag.
  • Laux, L., Glanzmann, P., Schaffner, P. & Spielberger, C. D. (1981). Das State-Trait-Angstinventar, STAI. Theoretische Grundlagen und Handweisung. Weinheim: Beltz.
  • Rief, W. & Hiller, W. (2008). SOMS. Screening für somatoforme Störungen, Manual (2., vollständig überarbeitete und neu normierte Auflage). Bern: Huber.
  • Rohrmann, S., Hodapp, V., Schnell, K., Tibulos, A. N., Schwenkmezger, P., Spielberger, C. D. & Etzler, S. (2013). STAXI-2. Das State-Trait-Ärgerausdrucks-Inventar - 2. Bern: Huber.
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  • Roth, M., Hammelstein, P. & Brähler, E. (2007). Beyond a youthful behavior style - Age and sex differences in sensation seeking based on need theory. Personality and Individual Differences, 43, 1839-1850.
  • Thorndike, E. L. & Lorge, I. (1944). The teacher's word book of 30 000 words. New York: Bureau of Publications.
  • Wittchen, H.-U. & Pfister, H. (Hrsg.). (1997). DIA-X Interview. Frankfurt a.M.: Swets & Zeitlinger.
  • Zerssen, D. v. (1976). B-L. Beschwerden-Liste. Göttingen: Hogrefe.
 

Originalfassung/Anderssprachige Fassungen

  • *DeRogatis, L. R. (1993). Brief Symptom Inventory (BSI) (administration, scoring, and procedures manual, third edition). Minneapolis: National Computer Services.
 
 Lena Antony (06.06.2017)
 APA-Schlagworte/PSYNDEX Terms:

Classical Test Theory; Questionnaires; Rating Scales; Screening Tests; Symptom Checklists; Test Norms; Clinical Psychology; Health Complaints; Somatization; Anxiety; Depression (Emotion); Aggressiveness; Psychoticism; Social Interaction

Klassische Testtheorie; Fragebögen; Rating-Skalen; Screening Tests; Symptomlisten; Testnormen; Klinische Psychologie; Gesundheitliche Beschwerden; Somatisierung; Angst; Depressive Stimmung; Aggressivität (Persönlichkeit); Psychotizismus; Soziale Interaktion

 weitere Schlagworte:

2000 (BSI); 2017 (BSCL); Alltagsnahe psychische Belastung; Auffallende psychische Belastung; 53 Items; ab 12 Jahre; Bereiche: 1 Aggressivität/Feindseligkeit, 2 Ängstlichkeit, 3 Depressivität, 4 Paranoides Denken, 5 Phobische Angst, 6 Psychotizismus, 7 Somatisierung, 8 Unsicherheit im Sozialkontakt, 9 Zwanghaftigkeit; Globale Kennwerte: 1 Global Severity Index, 2 Positive Symptom Distress Index, 3 Positive Symptom Total; Normierungsjahr: 2014; Normstichprobe: 2025+1659+525+3200+402
 Klassifikation:

Klinische Psychodiagnostik; Psychische Störungen; Physische und psychosomatische Störungen
Befindlichkeitsskalen; Beschwerdenlisten
11.12; 11.13
 Anwendungstyp: Clinical Diagnosis
 Art der Publikation: Test; Test in Print (90; 911)
 Sprache: German
 Übersetzungen: English
 Land: Germany
 Publikationsjahr: 2017
 Änderungsdatum: 201707
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