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Kinder-Angst-Test-III

 PSYNDEX Tests-Dokument: 9007355
 

KAT-III - Kinder-Angst-Test-III (PSYNDEX Tests Review)

 

Children Anxiety Test III/zpid

 Tewes, A. & Naumann, A.
 (2016). KAT-III. Kinder-Angst-Test-III. Drei Fragebögen zur Erfassung der Ängstlichkeit und von Zustandsängsten bei Kindern und Jugendlichen [Testbox mit Manual, 10 Fragebögen A, 10 Fragebögen P, 10 Fragebögen R, 10 Auswertungsbögen und 10 Explorationsbögen]. Göttingen: Hogrefe.

Preis: 120,00 Euro (Test komplett; Stand: 20.8.2017)

 Bezugsquelle: Testzentrale Hogrefe Verlag GmbH & Co. KG, Herbert-Quandt-Straße 4, D-37081 Göttingen ; E-Mail: testzentrale@hogrefe.de ; URL: http://www.testzentrale.de/ ; Stand: 1.11.2017.
 Adresse(n): o Dr. Alexander Tewes, Psychiatrische Klinik Lüneburg, Am Wienebütteler Weg 1, D-21339 Lüneburg ; E-Mail: info@pk.lueneburg.de ; URL: http://www.pk.lueneburg.de/kinder-jugendpsychiatrie-psychosomatik-psychotherapie-team/ ; Stand: 20.8.2017
o Dr. med. Alexander Naumann, Psychiatrische Klinik Lüneburg, Am Wienebütteler Weg 1, D-21339 Lüneburg ; E-Mail: info@pk.lueneburg.de ; URL: http://www.pk.lueneburg.de/kinder-jugendpsychiatrie-psychosomatik-psychotherapie-team/ ; Stand: 20.8.2017
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Abstract

Diagnostische Zielsetzung:
Der KAT-III stellt eine modifizierte und neu normierte Version seiner Vorgängerversion, dem KAT-II (Thurner & Tewes, 2000), dar. Er erfasst sowohl die allgemeine Ängstlichkeit im Sinne eines stabilen Persönlichkeitsmerkmals (Trait) als auch die an bestimmte Auslöser gekoppelte situationsspezifische Angst (State) von Kindern und Jugendlichen im Alter zwischen 6 und 18 Jahren.


Aufbau:
Das Verfahren setzt sich aus insgesamt vier Fragebögen zusammen: einem Fragebogen zur Erfassung der allgemeinen Ängstlichkeit (Form A, 18 Items), zwei Fragebögen zur Erfassung der akuten Zustandsangst (Form P für prospektiv und Form R für retrospektiv, jeweils 10 Items) und einem Explorationsbogen zur Unterstützung von Gesprächen mit Eltern oder anderen Bezugspersonen.


Grundlagen und Konstruktion:
Die Testkonstruktion beruht auf der Klassischen Testtheorie. Bei den Itemanalysen fanden zusätzliche Untersuchungen auf der Basis des dichotomen Rasch-Modells statt. Die inhaltliche und strukturelle Grundlage bilden die beiden Vorgängerversionen, der ursprüngliche Kinder-Angst-Test (Thurner & Tewes, 1969) und der KAT-II (Thurner & Tewes, 2000). Im Vergleich zum KAT-II wurden beim KAT-III nur minimale inhaltliche Veränderungen vorgenommen (Entfernung der Einstiegsitems, sprachliche Veränderung eines Items, Erweiterung der Altersgruppe, Validierung an einer klinischen Stichprobe).


Empirische Prüfung und Gütekriterien:
Reliabilität: Die interne Konsistenz für Form A beträgt Alpha = .81, die Retestreliabilität nach 14 Tagen rtt = .80. Die interne Konsistenz für die Formen P und R beträgt Alpha = .77 (Form P) bzw. Alpha = .78 (Form R). Die Profilreliabilität wurde nicht berechnet.

Validität: Die Konstruktvalidität ist aufgrund erwartungskonformer Skaleninterkorrelationen gegeben. Darüber hinaus liegen vielfältige Informationen zur Kriteriumsvalidität vor, die auf eine Ähnlichkeit zwischen dem im KAT und dem im IPAT Anxiety Scale Questionnaire verwendeten Ängstlichkeitskonstrukt hinweisen. Außerdem scheint es Zusammenhänge zum Neurotizismus- und Depressionskonzept zu geben, wie sie im HANES-KJ und DTK erfasst werden. Mit dem KAT-III liegen nun erstmals auch Hinweise zur klinischen Validität des Verfahrens vor. Weiterhin liegen für die beiden Angstzustandsskalen Informationen zur situationsspezifischen Validität des Verfahrens vor, und zwar für schulische Leistungsanforderungen, sportliche Wettbewerbe, Belastungen durch medizinische Maßnahmen und Eingriffe sowie Trennungsbelastungen.
Normen: Normwerte liegen lediglich für die Ängstlichkeitsskala (Form A) vor. Diese werden geschlechtsspezifisch in Form von Centil- und Prozentrangwerten für Kinder und Jugendliche im Alter zwischen 6 und 18 Jahren aufgeführt. Die zugrundeliegende Stichprobe setzt sich aus zwei Teilstichproben zusammen: Zum einen die Normstichprobe des KAT-II (N = 2 036 Kinder und Jugendliche im Alter zwischen 9 und 15 Jahren) und zum anderen die Normstichprobe des KAT-III (N = 816 Kinder und Jugendliche im Alter zwischen 6 und 18 Jahren). Da sich die Rohwertverteilungen der beiden Stichproben nicht signifikant voneinander unterschieden, wurden beide Teilstichproben zu einer Gesamtnormstichprobe zusammengefasst (N = 2 852; n = 1 494 Jungen und n = 1 358 Mädchen).

 

Testkonzept

 

Theoretischer Hintergrund

Der Kinder-Angst-Test-III (KAT-III; Tewes & Naumann, 2016) stellt eine modifizierte und neu normierte Version seiner Vorgängerversion, des KAT-II (Thurner & Tewes, 2000), dar. Er erfasst sowohl die allgemeine Ängstlichkeit im Sinne eines stabilen Persönlichkeitsmerkmals (Trait) als auch die an bestimmte Auslöser gekoppelte situationsspezifische Angst (State) von Kindern und Jugendlichen im Alter zwischen 6 und 18 Jahren.
Analog zur Vorgängerversion wird das Ängstlichkeitskonstrukt auch im KAT-III als die Disposition einer Person zu angstbetontem Verhalten und Erleben verstanden. Dieses ist zwar bei allen Kindern vorhanden, kann aber bei verschiedenen Kindern unterschiedlich hoch ausgeprägt sein. Als ätiologisches Modell beziehen sich die Testautoren auf das integrierte Behavioral-Inhibition-Attachment Modell (Manassis, 2001), welches auf den Konzepten der Verhaltenshemmung (Kagan, Reznick & Snidman, 1988) und Bindung (Bowlby, 1984) basiert. Diesem Modell zufolge entstehen Angststörungen durch eine Kombination aus Verhaltenshemmung als prädestinierendem Temperamentsmerkmal und einem unsicheren Bindungsstil. Umgekehrt profitiert ein eher zurückgezogenes, scheues Kind (hoch ausgeprägte Verhaltenshemmung) von einem liebevollen und unterstützenden Erziehungsverhalten (sicherer Bindungsstil), so dass bei diesem Beispiel die Entstehung einer Angststörung eher unwahrscheinlich ist (Kendall, 1994).
Dem KAT-III liegt die Annahme zugrunde, dass sich die zu erfassende Persönlichkeitsdimension durch beobachtbare Aspekte der Verhaltens- und Erlebensebene auszeichnet und dementsprechend durch ein Verfahren zur Selbstbewertung empirisch erfassbar ist. Der Grad der individuellen Ängstlichkeitsausprägung wird dabei über die Anzahl der Angstsymptome geschätzt, womit indirekt der Generalisierungsgrad der Angstsensitivität und auch jener der Angstreaktion erfragt wird.
 

Testaufbau

Der KAT-III setzt sich aus insgesamt vier Fragebögen zusammen: einem Fragebogen zur Erfassung der allgemeinen Ängstlichkeit (Form A), zwei Fragebögen zur Erfassung der akuten Zustandsangst (Form P und Form R) und einem Explorationsbogen zur Unterstützung von Gesprächen mit Eltern oder anderen Bezugspersonen.
Fragebogen Form A (18 Items): Mithilfe von 18 Items wird der Ausprägungsgrad der Persönlichkeitsdimension "Ängstlichkeit" erfasst.
Fragebogen Form P (10 Items): Mithilfe von 10 Items sollen die in einer konkreten Belastungssituation auftretenden Zustandsängste prospektiv erfasst werden. Hierzu wird der Fragebogen typischerweise vor oder während eines Ereignisses vorgegeben, bei welchem mit einer hohen Erwartungsangst des Kindes gerechnet werden kann (z. B. anstehende Prüfungen).
Fragebogen Form R (10 Items): Mithilfe von 10 Items sollen die in einer konkreten Belastungssituation aufgetretenen Zustandsängste retrospektiv erfasst (erinnert) werden. Analog zu Form P wird Form R typischerweise im Anschluss an ein befürchtetes oder tatsächlich angstvoll verlaufendes Ereignis vorgegeben.
Die beiden Fragebögen Form P und R entsprechen sich in ihren Frageninhalten und sind zudem in der gleichen Reihenfolge angeordnet. Dabei können jeweils sechs Items dem Fragebogen A zugeordnet werden. Alle Items sind mit "Ja" oder "Nein" zu beantworten und können folgenden Inhaltsklassen zugeordnet werden:
(1) Denk- und Vorstellungsinhalte: Sorgen und Ängste ohne konkrete Inhalte;
(2) Denk- und Vorstellungsinhalte: Konkrete Befürchtungen (Existenzängste, soziale Ängste, Bewertungs- und Leistungsängste);
(3) Häufigkeit von Angsterlebnissen (Form A) bzw. Auftreten von Angst (Form P und R);
(4) Psychophysische Begleitsymptome von Angst und Sorgen;
(5) Direkte und indirekte Zuschreibungen von Verhaltens- und Reaktionsweisen, die auf Ängstlichkeit (Form A) bzw. Angst (Form P und R) hinweisen.

Der KAT-III verfügt weiterhin über einen Explorationsbogen, welcher als Interviewleitfaden für Gespräche mit Eltern und anderen Bezugspersonen genutzt werden kann. Auf diese Weise können die Selbsteinschätzungen der Kinder oder Jugendlichen durch Fremdeinschätzungen ergänzt bzw. abgesichert werden. Die Items des Explorationsbogens beziehen sich dabei auf die Items des Fragebogens Form A.
 

Auswertungsmodus

Zunächst werden die Rohwerte der eingesetzten Skalen bestimmt. Diese ergeben sich aus der Summe der Ja-Antworten, wobei jedes "Ja" mit 1 Punkt gezählt wird. Eine Ausnahme bildet lediglich Item 10 der Formen P und R, bei welchem für "Nein" ein Punkt vergeben wird. Anschließend werden die Rohwerte von Form A anhand der entsprechenden Tabellen im Anhang des Testmanuals in geschlechtsspezifische Normwerte transformiert. Hierfür liegen sowohl Centil- als auch Prozentrangwerte vor. Während die Centilwerte (M = 5, SD = 2) einen Rohwert von mindestens 8 als überdurchschnittlich ängstlich kategorisieren, geben die Prozentrangwerte an, wie viel Prozent der Kinder einen Wert erzielen, der genauso hoch oder niedriger ist als der Probandenwert. Hingegen werden die Rohwerte der Formen P und R nicht transformiert, sondern lediglich einem Quartil zugeordnet. Dabei deckt jedes Quartil etwa 25% der Bevölkerung ab und umfasst a) nicht verängstigte Kinder (1. Quartil), b) wenig verängstigte Kinder (2. Quartil), c) leicht verängstigte Kinder (3. Quartil) und d) stark verängstigte Kinder (4. Quartil).
Neben der allgemeinen Einordnung der einzelnen Skalenrohwerte kann für die klinische Diagnostik zudem auch die Differenz zwischen erwarteter Angst (Form P) und erinnerter Angst (Form P) von besonderem Interesse sein. Diese kann Hinweise darauf geben, wie das entsprechende Kind eine bevorstehende Belastungssituation eingeschätzt hat: Hat es sie realistisch eingeschätzt (geringe Differenz) oder vielmehr unter- bzw. überschätzt (große Differenz)? Zur Beurteilung der erzielten Differenz liegen im Anhang des Testmanuals relative Häufigkeiten in Bezug auf konkrete Belastungssituationen (z. B. schulische Leistungsanforderungen) vor.
 

Auswertungshilfen

Neben den Auswertungshinweisen im Manual werden im Anhang Normwerte, Quartilangaben sowie Rohwertdifferenzen zwischen den beiden Zustandsangst-Skalen in verschiedenen Belastungssituationen angegeben.
 

Auswertungszeit

Es liegen keine Angaben zur Dauer der Auswertung vor. Aufgrund der sehr einfachen Auswertung sowie der ebenfalls einfachen Normwerttransformationen dürften jedoch nicht mehr als 10 Minuten dafür veranschlagt werden.
 

Itembeispiele

Form A (Item 8): "Ich glaube, ich mache mir mehr Sorgen um meine Schulleistungen als die meisten meiner Mitschüler, die ungefähr die gleichen Noten haben wie ich." (32% Zustimmung)
Form P (Item 2): "Ich bin beunruhigt darüber, was jetzt wohl auf mich zukommen wird." (39% Zustimmung)
Form R (Item 8): "Ich war beunruhigt." (35% Zustimmung)
 

Durchführung

 

Testformen

Die drei Skalen des KAT-III können sowohl in Indivdual- als auch in Gruppensettings eingesetzt werden. Dabei werden die entsprechenden Fragebögen von den Kindern selbst ausgefüllt. Es existieren keine parallelen oder anderssprachigen Testformen.
 

Altersbereiche

Der KAT-III kann bei Kindern und Jugendlichen im Alter zwischen 6 und 18 Jahren eingesetzt werden. Im Vergleich zur Vorgängerversion wurde der Altersbereich damit auf bis 18 Jahre angehoben.
 

Durchführungszeit

Werden alle Fragebögen (Form A, Form P und Form R) des KAT-III eingesetzt, beträgt die Durchführungszeit je nach Alter und Entwicklungsstand des Kindes zwischen 10 und 25 Minuten. Dabei entfallen 5 bis 15 Minuten auf Form A und 5 bis 10 Minuten auf die Formen P und R. Für den Einsatz des Explorationsbogens sind zusätzlich maximal 20 Minuten zu veranschlagen.
 

Material

Das Testmaterial ist in der Testbox vollständig enthalten. Zur Bearbeitung der Fragebögen wird darüber hinaus lediglich ein Stift benötigt.

Materialliste Testbox (Stand: 20.02.2017):
- Manual
- 10 Fragebögen A
- 10 Fragebögen P
- 10 Fragebögen R
- 10 Auswertungsbögen
- 10 Explorationsbögen.
 

Instruktion

Die Instruktionen sind standardisiert und den einzelnen Fragebögen zu entnehmen. Die Kinder lesen sich die Instruktionen selbstständig durch. Bei jüngeren Kindern, Kindern mit Verständnisschwierigkeiten oder Kindern mit Leseschwäche können sowohl die Instruktionen als auch die Items durch den Testleiter vorgelesen werden.
 

Durchführungsvoraussetzungen

Zur Gewährleistung einer zuverlässigen Testdurchführung sollten die Kinder ein ihrem Alter entsprechendes Entwicklungsniveau aufweisen und die deutsche Sprache hinreichend gut verstehen. Da Instruktionen und Items auch vom Testleiter vorgelesen werden können, müssen die Kinder aber (noch) nicht in der Lage sein, alles selbst zu lesen.
Bei Gruppentests muss der Testleiter dafür sorgen, dass die Kinder nicht abgucken können. Außerdem darf den Kindern nur jeweils ein Fragebogen vorliegen. Insbesondere wenn Form R nach Form P ausgefüllt wird, sollten die Kinder keine Gelegenheit haben, ihre Antworten von Form P zu sehen.
 

Testkonstruktion

Die Testkonstruktion beruht auf der Klassischen Testtheorie. Bei den Itemanalysen fanden zusätzliche Untersuchungen auf der Basis des dichotomen Rasch-Modells statt (Tewes & Naumann, 2016, S. 25). Der KAT-III basiert inhaltlich und strukturell auf seinen beiden Vorgängerversionen, dem KAT (Thurner & Tewes, 1969) und dem KAT-II (Thurner & Tewes, 2000). Im Vergleich zum KAT-II wurden beim KAT-III nur minimale inhaltliche Veränderungen vorgenommen:
(1) Aufgrund häufiger Fehler bei der Testauswertung wurden die jeweils ersten beiden Items der drei Skalen (Form A, P und R) entfernt. Diese Items dienten im KAT-II lediglich der Einstimmung des Kindes, so dass weiterhin die gleichen 18 Items wie beim KAT-II in die Auswertung eingehen.
(2) Item 15 wurde leicht verändert. Von "Ich bin leicht verzagt" im KAT-II zu "Ich bin leicht entmutigt" im KAT-III.
(3) Die Altersgruppe wurde von 9 bis 15 Jahre im KAT-II auf 6 bis 18 Jahre im KAT-III erweitert. Die Autoren des KAT-III (Tewes & Naumann, 2016, S. 20) rechtfertigen diesen Schritt mit der Tatsache, dass sich bereits im Rahmen der Konstruktion der ersten Testversion (Thurner & Tewes, 1969) kein Effekt der Art der Testbearbeitung (eigenständiges Ausfüllen vs. Vorlesen und Ausfüllen durch den Testleiter) auf die Testwerte zeigen ließ.
(4) Die aktuelle Testversion wurde zusätzlich an einer klinischen Stichprobe (n = 76 Kinder und Jugendliche) validiert.

Die für die Anordnung der Skalenitems wichtigen Itemschwierigkeiten und damit auch die Itemreihenfolgen sind im Vergleich zur Vorgängerversion annähernd gleichgeblieben (Rho = .83).
Form A: Die Itemschwierigkeiten für Form A liegen zwischen p = .15 (Item 15) und p = .39 (Item 3), die Trennschärfen zwischen rit = .29 (Item 6) und rit = .51 (Item 4).
Form P und R: Die Itemschwierigkeiten für die Formen P und R liegen zwischen p = .07 (Item 5, Form P und R) und p = .41 (Item 3, Form P und R), die Trennschärfen zwischen rit = .29 (Item 5, Form P) bzw. rit = .33 (Item 5, Form R) und rit = .54 (Items 1 und 8, Form P) bzw. rit = .55 (Item 8, Form R); die Änderungssensitivität zwischen .09 (Item 5) und .23 (Items 1, 3, 8).
 

Gütekriterien

 

Objektivität

Aufgrund der standardisierten Testdurchführung und -auswertung liegen sowohl Durchführungs- als auch Auswertungsobjektivität vor. Hingegen hängt die Interpretationsobjektivität vom Umfang der Testanwendung ab. So erlauben die geschlechtsspezifischen Normwerte nur die objektive Einordnung der Testergebnisse der allgemeinen Ängstlichkeitsskala. Zur Interpretation der Zustandsangstskalen müssen jedoch individuelle Aspekte der Testdurchführung wie etwa die Anamnese und die spezifische Belastungssituation berücksichtigt werden.
 

Reliabilität

Zur Bestimmung der Reliabilität der drei Fragebögen wurden die internen Konsistenzen (Cronbachs Alpha) und die Retestreliabilität (nur Form A) berechnet. Außerdem liegen Angaben zu den Standardmessfehlern und 90%- bzw. 95%-Vertrauensintervalle vor. Die Berechnungen erfolgten mehrheitlich auf der Grundlage von Daten des KAT-II.
Form A: Die interne Konsistenz beträgt Alpha = .81, die Retestreliabilität nach 14 Tagen rtt = .80.
Form P und R: Die interne Konsistenz beträgt Alpha = .77 (Form P) bzw. Alpha = .78 (Form R).
Die Profilreliabilität des Verfahrens wurde nicht berechnet.
 

Validität

Die Erkenntnisse zur Validität des KAT-III beziehen sich hauptsächlich auf Untersuchungen, die bereits im Rahmen der Testkonstruktion der beiden Vorgängerversionen (KAT, KAT-II) stattfanden. Entsprechend der unterschiedlichen Konstruktausrichtungen wurden die beiden Zustandsangstskalen (Form P und R) situationsspezifisch validiert, die Skala zur Erfassung der allgemeinen Ängstlichkeit (Form A) hingegen durch die Korrelation mit anderen konstruktnahen Testverfahren.

Konstruktvalidität: Die drei Skalen korrelieren erwartungskonform positiv miteinander, wobei die beiden Zustandsangstskalen höher miteinander korrelieren (r = .70; gemeinsame Varianz = 49%) als mit der allgemeinen Ängstlichkeitsskala (r = .54 für die Erwartungsangst und r = .53 für die erinnerte Angst; gemeinsame Varianz = 27%).

Kriteriumsvalidität (Form A): Zur Bestimmung der Kriteriumsvalidität wurden der KAT und KAT-II mit dem IPAT Anxiety Scale Questionnaire (IAS; Cattel & Scheier, 1963), dem Persönlichkeitsfragebogen für Kinder (PFK 9-14; Seitz & Rausche, 1992), dem Angstfragebogen für Schüler (AFS; Wieczerkowski, Nickel, Janowski, Fittkau & Rauer, 1974), der Neurotizismusskala der Hamburger Neurotizismus- und Extraversionsskala für Kinder und Jugendliche (HANES-KJ; Buggle & Baumgärtel, 1975) und den drei Skalen des Depressionstests für Kinder (DTK; Rossmann, 1993) korreliert. Hierbei zeigte sich, dass der KAT offenbar gut den allgemeinen Faktor "Ängstlichkeit" des IAS erfasst. Hingegen scheint das Verfahren (KAT-II) nicht das im PFK verwendete Ängstlichkeitskonstrukt abzubilden. Vielmehr kann aufgrund der hohen Zusammenhänge mit dem Neurotizismuskonzept des HANES-KJ und der ersten Skala des DTK vermutet werden, dass die allgemeine Ängstlichkeit des KAT-II emotionale Labilität oder Erregbarkeit erfasst.

Klinische Validität (Form A): Die im Rahmen eines Aufenthaltes in einer Kinder- und Jugendpsychiatrie untersuchten Kinder und Jugendlichen (n = 76) zeigten im KAT-III eine im Vergleich zur Normalpopulation signifikant höhere allgemeine Ängstlichkeit, die fast eine Standardabweichung oberhalb des Erwartungswertes lag. Dabei zeigten sich die Mädchen signifikant auffälliger als die Jungen.

Situationsspezifische Validität (Form P und R): Die beiden Zustandsangstskalen wurden in folgenden Belastungssituationen untersucht: (1) schulische Leistungsanforderungen, (2) sportliche Wettbewerbe, (3) Belastungen durch medizinische Maßnahmen und Eingriffe und (4) Trennungsbelastungen. Lediglich bei Belastungen durch medizinische Maßnahmen (zahnärztliche Behandlung) und Eingriffe (Operationen) ergab sich ein signifikanter Unterschied zwischen erwarteter und erinnerter Angst; in allen anderen Situationen divergierten die beiden Aspekte der Zustandsangst nicht bedeutsam. In den meisten Situationen gab es zudem einen signifikanten Geschlechterunterschied, wobei Mädchen sich i.d.R. belasteter fühlten als Jungen. Darüber hinaus hatte die allgemeine Ängstlichkeit in allen Situationen einen bedeutsamen Effekt auf die Ausprägung der Zustandsängste insgesamt.
 

Normierung

Für die Ängstlichkeitsskala (Form A) liegen im Anhang des Testmanuals geschlechtsspezifische Normwerte in Form von Centil- und Prozentrangwerten für Kinder und Jugendliche im Alter zwischen 6 und 18 Jahren vor. Die zugrundeliegende Stichprobe setzt sich aus zwei Teilstichproben zusammen: Zum einen die Normstichprobe des KAT-II (N = 2 036 Kinder und Jugendliche im Alter zwischen 9 und 15 Jahren) und zum anderen die Normstichprobe des KAT-III (N = 816 Kinder und Jugendliche im Alter zwischen 6 und 18 Jahren). Da sich die Rohwertverteilungen der beiden Stichproben nicht signifikant voneinander unterschieden, wurden beide Teilstichproben zu einer Gesamtnormstichprobe zusammengefasst (N = 2 852; n = 1 494 Jungen und n = 1 358 Mädchen).
Wie bereits bei der Vorgängerversion liegen auch für den KAT-III keine Normwerte für die beiden Zustandsangstskalen (Form P und R) vor. Auf deren Bestimmung wurde aufgrund des durch die Transformation zu befürchtenden Informationsverlustes, der mangelnden Repräsentativität der Belastungssituationen und der ungleich großen Teilstichproben verzichtet. Zur Einordnung der erzielten Rohwerte liegen für verschiedene Belastungssituationen Quartile und relative Häufigkeiten der Rohwertdifferenzen zwischen Erwartungsangst (Form P) und erinnerter Angst (Form R) vor. Im Unterschied zu Form A wurde an dieser Stelle nur auf die im Rahmen der Normierung des KAT-II erzielten Ergebnisse zurückgegriffen.
 

Anwendungsmöglichkeiten

Das Verfahren eignet sich insbesondere für den pädagogischen oder klinischen Bereich (z. B. Jugendämter, Schulen, Erziehungsberatung, Psychotherapie etc.), aber auch für den Einsatz in der Forschung. Je nach Anwendungsbereich oder diagnostischem Interesse können alle oder nur ein Teil der Fragebögen eingesetzt werden. Während Form A Aufschluss über den Ausprägungsgrad der Angstsensitivität eines Kindes oder Jugendlichen gibt, kann mithilfe der beiden Angstzustandsskalen bspw. das Ausmaß der erlebten Belastung erfasst werden sowie ob bzw. inwiefern sich erwartete und erinnerte Angst voneinander unterscheiden. Der Einsatz des Explorationsbogens erlaubt zudem eine zusätzliche Einordnung der Testergebnisse durch die Fremdeinschätzungen der Eltern bzw. anderer Bezugspersonen.
 

Bewertung

Mit dem Kinder-Angst-Test-III (KAT-III) liegt eine aktuelle, überarbeitete Version des etablierten Kinder-Angst-Tests vor. Aufgrund der inhaltlich nur geringfügigen Änderungen sind die zentralen Testkennwerte des KAT-III (Objektivität, Reliabilität, Validität) vergleichbar mit jenen der Vorgängerversion des Verfahrens. So weist auch der KAT-III eine hohe Testökonomie auf und ist gut im praktischen Alltag einzusetzen. Die Durchführungs- und Auswertungsobjektivität des KAT-III ist als hoch zu bewerten; die Interpretationsobjektivität hingegen hängt aufgrund der fehlenden Normierung der Angstzustandsskalen sowohl von der Qualifikation des Testanwenders als auch von zusätzlichen Faktoren ab. Schließlich liegen nur für einige wenige Belastungssituationen Normwerte vor. Das Verfahren verfügt weiterhin über eine hohe interne Konsistenz sowie eine hohe Retestreliabilität. Die Itemtrennschärfen wiederum sind als eher mittelmäßig zu bewerten, wobei diese für die beiden Zustandsangstskalen besser ausfallen als für die Ängstlichkeitsskala. Die Konstrukt- und Kriteriumsvalidität ist als insgesamt gut zu bewerten, wenngleich sich die Ergebnisse mit Ausnahme der klinischen Validierung auf die im Rahmen der Konstruktion der Vorgängerversionen durchgeführten Untersuchungen beziehen. Die Befunde zur klinischen Validierung erweitern das Anwendungsspektrum des KAT-III, sollten jedoch durch weitere Untersuchungen ergänzt werden. Die Normstichprobe ist durch das Zusammenfügen der beiden Teilstichproben aus KAT-II und KAT-III hinreichend groß und als repräsentativ zu bezeichnen. Wünschenswert wären hingegen zusätzliche Informationen zur situationsspezifischen Validität gewesen.
 

Literatur

  • Bowlby, J. (1984). Bindung. Frankfurt/Main: Fischer.
  • Buggle, F. & Baumgärtel, F. (1975). Hamburger Neurotizismus- und Extraversionsskala für Kinder und Jugendliche (HANES-KJ) (2. Auflage). Göttingen: Hogrefe.
  • Cattel, R. B. & Scheier, I. H. (1961). Handbook for the IPAT Anxiety Scale Questionnaire. Champaign, IL: Institute for Personality and Ability Testing.
  • Kagan, J., Reznick, J. S. & Snidman, N. (1988). Biological bases of childhood shyness. Science, 240, 167-171.
  • Kendall, P. C. (1994). Treating anxiety disorders in children: Results of a randomized clinical trial. Journal of Consulting and Clinical Psychology, 62, 100-110.
  • Manassis, K. (2001). Child-parental relations: Attachment and anxiety disorders. In W. K. Silverman & P. D. A. Treffers (Eds.), Anxiety disorders in children and adolescents: Research, assessment and intervention (pp. 255-272). New York: Cambridge University Press.
  • Rossmann, P. (1993). Depressionstest für Kinder (DTK). Göttingen: Hogrefe.
  • Seitz, W. & Rausche, A. (1992). PFK 9-14. Persönlichkeitsfragebogen für Kinder zwischen 9 und 14 Jahren. Westermann Test (3., überarbeitete und ergänzte Auflage). Göttingen: Hogrefe.
  • Tewes, A. & Naumann, A. (2016). KAT-III. Kinder-Angst-Test III. Drei Fragebögen zur Erfassung der Ängstlichkeit und von Zustandsängsten bei Kindern und Jugendlichen. Göttingen: Hogrefe.
  • Thurner, F. & Tewes, U. (1969). Der Kinder-Angst-Test (KAT). Göttingen: Hogrefe.
  • Thurner, F. & Tewes, U. (2000). Der Kinder-Angst-Test-II (KAT-II). Göttingen: Hogrefe.
  • Wieczerkowski, W., Nickel, H., Janowski, A., Fittkau, B. & Rauer, W. (1974). Angstfragebogen für Schüler. AFS. Westermann Test. Göttingen: Hogrefe.
 
 Jennifer Schroth (25.06.2017)
 APA-Schlagworte/PSYNDEX Terms:

Classical Test Theory; Item Response Theory; Questionnaires; Test Norms; Rating Scales; Patient History; Clinical Psychology; Child Psychotherapy; Anxiety; Educational Counseling

Klassische Testtheorie; Item-Response-Theorie; Fragebögen; Testnormen; Rating-Skalen; Krankengeschichte; Klinische Psychologie; Kinderpsychotherapie; Angst; Bildungsberatung

 weitere Schlagworte:

1969 (KAT); 2000 (KAT-II); 2016 (KAT-III); Rasch-Modell; Testbatterie; 38 Items; ab 6 Jahre; bis 18 Jahre; Fragebögen: 1 Allgemeine Ängstlichkeit, 2 Prospektive Erfassung von Zustandsängsten, 3 Retrospektive Erfassung von Zustandsängsten, 4 Explorationsbogen für Eltern- oder Bezugspersonen; Normierungsjahr: keine Angaben; Normstichprobe: 2036+816
 Klassifikation:

Persönlichkeitstests; Klinische Psychodiagnostik; Neurosen und Angststörungen
Persönlichkeitstests zur Angst
9.3
 Anwendungstyp: Clinical Diagnosis
 Art der Publikation: Test; Test in Print (90; 911)
 Sprache: German
 Land: Germany
 Publikationsjahr: 2016
 Änderungsdatum: 201708
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