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Early Rehabilitation Bedside Screening Equipment

 PSYNDEX Tests-Dokument: 9007398
 

ERBSE - Early Rehabilitation Bedside Screening Equipment (PSYNDEX Tests Review)

 

Early Rehabilitation Bedside Screening Equipment/author

 Lück, M.
 (2016). Early Rehabilitation Bedside Screening Equipment (ERBSE). Manual und Materialsammlung für ein neuropsychologisches Funktions-Screening auf der Intensivstation und in der neurologischen Frührehabilitation [Manual und CD-ROM mit einer Vorlagenblätter-Sammlung zur neuropsychologischen Diagnostik in der frühen Frührehabilitation sowie Auswertungsbogen]. Dortmund: Verlag modernes lernen.

ISBN: 978-3-8080-0786-0
Preis: 34,80 Euro (Test komplett; Stand: 14.11.2017)

 Bezugsquelle: verlag modernes lernen Borgmann GmbH & Co. KG, Schleefstraße 14, D-44287 Dortmund ; E-Mail: info@verlag-modernes-lernen.de ; URL: http://www.verlag-modernes-lernen.de/ ; Stand: 15.3.2016.
 Adresse(n): o Dipl.-Psych. Martina Lück, m&i-Fachklinik Bad Heilbrunn, Neuropsychologie, Wörnerweg 30, D-83670 Bad Heilbrunn ; E-Mail: martina.lueck@fachklinik-bad-heilbrunn.de ; URL: https://www.gnp.de/arbeitskreise-und-regionalgruppen/ak-fruehrehabilitation ; Stand: 14.11.2017
 WWW-Informationen:
 

Abstract

Diagnostische Zielsetzung:
Das Early Rehabilitation Bedside Screening Equipment (ERBSE; Lück, 2016) unterstützt das neuropsychologische Funktionsscreening bei Patienten auf der Intensivstation oder in der Frührehabilitation (Phase B). Diese Patienten haben oft erhebliche neurologische Defizite, die sich nicht mit den herkömmlichen Tests diagnostizieren lassen. ERBSE erlaubt insbesondere neuropsychologischen Berufsanfängern eine erste Untersuchung kognitiver Basisfunktionen (Gedächtnis, Praxie, Visuokonstruktion und Exekutive) nach Hirnläsionen, um Aussagen über vorhandene Leistungsressourcen und noch erhaltene Leistungsbereiche machen zu können und darauf basierend sinnvolle Therapieansätze abzuleiten.


Aufbau:
Das Verfahren besteht aus einem Diagnoseleitfaden, Druckvorlagen für Untersuchungsmaterial sowie Empfehlungen für geeignete Alltagsgegenstände, die für die Untersuchung verwendet werden können. Es werden Untersuchungen an mehreren Terminen mit spezifischen Handlungssets empfohlen und ihr Einsatz detailliert im Manual beschrieben. Die Termine bzw. Sets haben jeweils eigene diagnostische Schwerpunkte: Ersttermin (Abklärung Kontaktfähigkeit, Etablierung geeigneter Antwortmodus); Set 1 Kalenderaufgabe (Aussagen über visuelle und sprachliche Fähigkeiten); Set 2 Postkarte/Geld/Uhr (Gedächtnis und Visuokonstruktion); Set 3 Übungen (Vertiefungsmöglichkeit nach individueller Befundlage zu Gedächtnis, Praxie, Visuokonstruktion, Exekutive). Die Datenerhebung erfolgt dichotom (Leistung liegt vor/wird nicht gezeigt), die Auswertung qualitativ-beschreibend.


Grundlagen und Konstruktion:
Die verwendeten Materialien sind bewusst einfach gestaltet und möglichst selbsterklärend, um auch Frührehabilitationspatienten mit starken Kommunikations- und Verhaltenseinschränkungen untersuchen zu können. Ziel der Verfahrensentwicklung war es auch, insbesondere neuropsychologische Berufsanfänger bei der Diagnose und Therapieplanung dieser Patienten zu unterstützen. Bei den untersuchten Fähigkeiten sowie bei der Materialgestaltung orientiert sich das Verfahren an der ICF der WHO (2012). Des Weiteren sind Aufgaben an ähnliche Verfahren aus Intelligenztest-Batterien wie z. B. dem HAWIE-R angelehnt. Für die Bildvorlagen wurden Bilder aus der Sammlung prototypischer Zeichnungen von Snodgrass und Vanderwart (1980) übernommen, die verwendeten sprachlichen Begriffe wurden aus dem Deutschen Wortschatzportal der Universität Leipzig (2015) nach der mittleren Häufigkeit im Sprachgebrauch ausgewählt.


Empirische Prüfung und Gütekriterien:
Reliabilität: Da sich in dieser frühen Rehabilitationsphase täglich wechselnde Leistungsveränderungen entlang des Genesungsverlaufs ergeben können, sind zuverlässige Aussagen hier nur über das Vorhandensein von Leistungsressourcen und über erhaltene Leistungsbereiche möglich.
Validität: Aufgrund der eingeschränkten diagnostischen Möglichkeiten in der neurologischen Frührehabilitation und der daran angepassten Verfahrenskonzeption lassen sich Augenscheinvalidität und Inhaltsvalidität des Verfahrens feststellen.
Normen: Normwerte liegen nicht vor.

 

Testkonzept

 

Theoretischer Hintergrund

Das Early Rehabilitation Bedside Screening Equipment (ERBSE; Lück, 2016) bietet einen Diagnoseleitfaden und Materialvorlagen für das neuropsychologische Funktionsscreening von Patienten auf der Intensivstation sowie in der Frührehabilitation (Phase B). Ziel war es, ein Instrumentarium zu entwickeln, das eine erste Untersuchung kognitiver Funktionen nach Hirnläsionen erlaubt. Bis dato existierende Beurteilungsskalen für die Frührehabilitation waren relativ stark abhängig vom Sprachverständnis oder stellten abstrakte Handlungsanforderungen, so dass sie für neurologische Patienten nicht geeignet waren (Lück, 2016, S. 11). Die bei ERBSE verwendeten Materialien sind daher bewusst einfach gestaltet und möglichst selbsterklärend, um auch Patienten mit starken Kommunikations- und Verhaltenseinschränkungen untersuchen zu können. Ein weiteres Entwicklungsziel war es, insbesondere neuropsychologische Berufsanfänger bei der Diagnose und Therapieplanung zu unterstützen (S. 12).
 

Testaufbau

Das Verfahren bietet einen Untersuchungsleitfaden sowie einen Vorlagenkatalog für die strukturierte Überprüfung der kognitiven Funktionen in der Frührehabilitation. Einzelne, geeignete Aufgabenblätter müssen vom Untersucher hypothesengeleitet für den Patienten ausgewählt werden. Vor dem Ersttermin sind auf der Basis einer ausführlichen Aktenschau läsionsspezifische Hypothesen zu formulieren (Lück, 2016, S. 12). Sie bilden die Basis für das weitere Vorgehen, das im Kern Untersuchungen an drei bzw. vier Terminen vorsieht, mit jeweils zugehörigen Handlungs- bzw. Materialsets. Je nach Leistungsfähigkeit des Patienten können auch mehr Untersuchungstermine erforderlich sein.
Zu den "Kern-Terminen" ist im Manual jeweils die Fragestellung formuliert, es werden das erforderliche Equipment (Alltagsgegenstände, Visualisierungshilfen oder technische Geräte) sowie Vorlagenblätter aufgelistet und der genaue Ablauf mit Formulierungsvorschlägen wird beschrieben. Zu jedem Termin werden Hinweise auf "Downgrade"-Möglichkeiten gegeben, wenn das Standardmaterial den Patienten noch überfordert (Lück, 2016, S. 20-53).
Ersttermin: Hier ist die Kontaktfähigkeit des Patienten abzuklären und ein geeigneter Antwortmodus entlang seiner Möglichkeiten zu etablieren (z. B. Hinsehen, Ja-Nein-Code, Zeigen, Schreiben, Sprechen; Lück, 2016, S. 20).
Set 1: Kalenderaufgabe zur Prüfung der visuellen und sprachlichen Fähigkeiten. Bei guter Mitarbeitsfähigkeit des Patienten als zweiter Teil des Ersttermins, andernfalls als separater Termin am Folgetag durchzuführen. Anhand der gemeinsamen Arbeit mit einer Kalendervorlage wird beurteilt, ob der Patient Material sehen und finden, Bilder und Ziffern erkennen kann sowie in der Lage ist, Sprache und Schrift zu verstehen und selbst zu sprechen (Lück, 2016, S. 23-33). Bei stark eingeschränkter Sprach- und/oder Sehfähigkeit sind darauf abgestimmte "Downgrade"-Aufgaben zu stellen (z. B. unter Verwendung von Vorlagenblättern mit einfachen Bild-Motiven oder Ziffern aus dem Testmaterial oder von Material, das vom Testleiter bereitzustellen ist wie Magnettafel mit Farbmagneten, Farb- oder Punktewürfel mit Sortierbox).
Set 2: Postkarte/Geld/Uhr zur Prüfung des Gedächtnisses und der Visuokonstruktion bei Kulturtechniken. Idealerweise ist dieses Set am Folgetag zum Set 1 durchzuführen, da zum einen die Erinnerung von Fakten und Materialien des Vortages geprüft werden. Weiterhin wird geprüft, ob der gefundene Antwortmodus noch stabil ausgeführt werden kann, ob der Patient mit Uhrzeiten und mit dem Therapieplan umgehen kann, und ob er rechnen und mit Geld umgehen kann. Als Hauptmaterial wird hierzu neben dem Kalender des Vortages eine leere Postkarte verwendet, die der Patient "nach daheim" schreiben soll, um so seine Schreib- und Lesefähigkeit zu überprüfen. Patientenaufgabe ist es auch, auszurechnen, wie die Karte ausreichend frankiert werden kann, dafür Geldstücke und -scheine zu sortieren und den passenden Betrag herauszusuchen. Auch hier stehen verschiedene "Downgrade"-Varianten zur Verfügung, z. B. als Alternativen zur Postkartenaufgabe nach verbaler Vorgabe Objekte auf eine Tafel zu zeichnen bei Aphasie oder einfache Steckpuzzles für das Kindergartenalter zu lösen bei starker kognitiver oder motorischer Einschränkung, um zumindest die visuell-räumliche Wahrnehmung und das Arbeitsgedächtnis beurteilen zu können (Lück, 2016, S. 33-45). Anhand von Aufgaben mit Uhren wird geprüft, ob der Umgang mit Uhrzeiten (ablesen und einstellen) gelingt und der Patient in der Lage ist, den Therapieplan zu verstehen und den Tag strukturiert wahrzunehmen. Als "Downgrade"-Varianten können z. B. für Aphasiker chronologische Sortieraufgaben mit vorbereiteten Uhrzeiten-Kartenvorlagen verwendet werden.
Set 3: Übungen. Optionale Folgetermine zur Weiterbearbeitung von Fragestellungen, die sich aus den Verhaltensbeobachtungen und der Performanz des Patienten zu den vorherigen Terminen bzw. Sets ergeben haben. Basierend auf den Vorbefunden kann überprüft werden, ob der Patient in der Lage ist, auch höhere Anforderungen in einem der vier ERBSE-Untersuchungsschwerpunkte Gedächtnis, Praxie, Visuokonstruktion und Exekutive zu bewältigen (Lück, 2016, S. 45-53).
 

Auswertungsmodus

Das Verfahren ERBSE erfasst keine standardisierten Scores, sondern ist nur qualitativ-beschreibend auswertbar, weil es sich jeweils an die Fähigkeiten bzw. an den momentanen Genesungszustand des Patienten anpasst (Lück, 2016, S. 55). Dabei spiegelt jedes Performanzproblem ein deutliches Defizit im Vergleich zur Normalbevölkerung wider, da die ERBSE-Aufgaben sehr einfach gehalten sind. Es liegen ICF-Kodierungen vor, die eine Klassifikation der Performanzleistung erlaubt.
 

Auswertungshilfen

Für die schriftliche Dokumentation des Screenings steht ein Auswertungsbogen zur Verfügung, auf dem aktuell eindeutig vorhandene oder definitiv nicht erbringbare Leistungen dichotom (+ für vorhanden, - für nicht vorhanden) notiert werden und zusätzlich als Freitext besonders aussagekräftige Verhaltensbeobachtungen und eindeutige Reaktionen sowie die Untersuchungsbedingungen beschrieben werden können (Lück, 2016, S. 57). Auf dem Auswertungsbogen sind diejenigen Funktionen des Kategoriensystems der International Classification of Functioning, Disability and Health der Weltgesundheitsorganisation (ICF; WHO, 2012) zusammengestellt, die in der Frührehabilitation relevant sind (Lück, 2016, S. 55-56).
Als weitere Auswertungshilfen stehen Formulierungsvorschläge für den schriftlichen Befund sowie drei ausführliche Fallbeispiele zur Verfügung, in denen jeweils der vollständige Diagnostikablauf mit sämtlichen relevanten Informationen und verwendeten Materialien dokumentiert ist (Krankheitsbild, läsionsspezifische Untersuchungshypothesen, verwendete Materialien, ausgefüllte Auswertungsbögen und Befund; Lück, 2016, S. 57-80).
 

Auswertungszeit

Zur pro Fall bzw. Patient benötigten Auswertungszeit werden keine Angaben gemacht. Sie dürfte bei entsprechend sorgfältiger Dokumentation der einzelnen Untersuchungstage und in Abhängigkeit von der Erfahrung des Untersuchers ein bis drei Stunden betragen.
 

Itembeispiele

Siehe die Itembeispiele unter "Testaufbau".
 

Durchführung

 

Testformen

Das Verfahren wird im Einzelsetting durchgeführt. Es handelt sich bei ERBSE nicht um einen standardisierten Test, sondern um einen Untersuchungsleitfaden für ein Screening sowie um Vorlagen und Materialempfehlungen, die vom Untersucher entlang von diagnostischen Eckpunkten individuell an die aktuelle Leistungsfähigkeit des Patienten anzupassen sind.
 

Altersbereiche

Spezifische Altersangaben werden nicht mitgeteilt.
 

Durchführungszeit

Die benötigte Durchführungszeit hängt von der Leistungsfähigkeit und vom Genesungsverlauf des Patienten ab, erfordert im günstigsten Fall aber mindestens zwei verschiedenen Termine, da die Gedächtnisleistung an einem Folgetermin überprüft wird (Lück, 2016, S. 17).
 

Material

Die Publikation (Lück, 2016) umfasst das Manual sowie eine CD-ROM mit einer "Vorlagenblätter-Sammlung zur neuropsychologischen Diagnostik in der frühen Frührehabilitation" sowie einen Auswertungsbogen zum Ausdrucken. Zusätzlich ist Schreibmaterial erforderlich sowie eine Reihe von Alltagsgegenständen, die im Manual bei den einzelnen Untersuchungsterminen genau beschrieben und abgebildet sind sowie im Anhang zusammenfassend aufgelistet werden (S. 85).
 

Instruktion

Im Manual sind zu jedem Termin bzw. zu jedem Handlungsset zahlreiche Instruktionsvarianten formuliert. Da der Untersuchungsablauf und die Auswahl der Aufgaben aber in Abhängigkeit vom Patientenzustand variieren, sind diese Formulierungen primär zur Veranschaulichung des Vorgehens und als Orientierungshilfe für den Erstanwender des Screenings gedacht (Lück, 2016, S. 18).
 

Durchführungsvoraussetzungen

Das Verfahren ist für die Durchführung von Neuropsychologen vorgesehen und richtet sich insbesondere an Berufsanfänger in diesem Bereich. Bei der Durchführung sollte nicht von "Aufgaben", sondern von "Trainings" für die jeweilige Hirnleistung gesprochen werden, um Testängstlichkeit oder Überforderungsgefühle beim Patienten zu vermeiden (Lück, 2016, S. 17). Soweit es die Krankenhaussituation erlaubt, sollte eine möglichst ruhige und störungsfreie Untersuchungssituation hergestellt werden (S. 18).
 

Testkonstruktion

Bei den untersuchten Fähigkeiten sowie bei der Materialgestaltung orientiert sich das Verfahren an der International Classification of Functioning, Disability and Health der Weltgesundheitsorganisation (ICF; WHO, 2012). Dem entsprechend werden grundlegende kognitive Fähigkeiten (visuelle Wahrnehmung, Kommunikation, Gedächtnis, Auffassung, Exekutive und Konzentration) mit einfachen, alltagsnahen Aufgaben und Materialien untersucht. Der Gesundheitszustand und die momentanen Handlungsmöglichkeiten des Patienten bilden wichtige Leitlinien für das diagnostische Vorgehen. Die Instruktionen und Antwortmöglichkeiten sind darauf abgestimmt und es stehen "Downgrade"-Optionen zur Verfügung, falls sich die Standardaufgaben als zu schwer erweisen sollten. Viele Aufgaben sind angelehnt an ähnliche Verfahren aus Intelligenztestbatterien wie z. B. dem Hamburg-Wechsler-Intelligenztest für Erwachsene - Revision (HAWIE-R; Tewes, 1991; siehe PSYNDEX Tests-Nr. 9002415). Für das Bildmaterial wurden Bilder aus der Sammlung prototypischer Zeichnungen von Snodgrass und Vanderwart (1980) übernommen, wodurch sie einfach zu erkennen sein sollten. Schließlich wurden die verwendeten sprachlichen Begriffe aus dem Deutschen Wortschatzportal der Universität Leipzig (2015) nach der mittleren Häufigkeit im Sprachgebrauch ausgewählt, um auch hier ein entsprechend einfaches Niveau sicherzustellen (Lück, 2016, S. 11). Weitere wichtige Anhaltspunkte für die praktische Verfahrenskonstruktion waren klinische Erfahrungswerte der Autorin aus der Neuropsychologie mit Patienten auf der Intensivstation und in der Frührehabilitation (S. 10).
Bei der Materialauswahl bzw. der Itementwicklung (Handlungssets) wurden folgende Auswahlkriterien berücksichtigt (Lück, 2016, S. 16 ff.):
- Das Material sollte einfach und möglichst selbsterklärend sein (siehe auch unter "Theoretischer Hintergrund").
- Die Aufgaben sollten alltagsnah das Vorhandensein grundlegender kognitiver Funktionen identifizieren helfen.
- Die Items und die zugehörigen Antwortmöglichkeiten wurden so ausgewählt, dass sie z. B. bei entsprechender Einschränkung des Patienten auch von den Lippen abgelesen werden könnten (z. B. bei einer geforderten numerischen Antwort "Fünf" oder "Sieben" als Optionen statt "Eins" oder "Acht").
- Um die Untersuchung möglichst kurz zu halten, erfassen manche Items mehrere Aspekte simultan, z. B. wechselnde Schriftgröße beim Erheben der Lesefähigkeit oder Exploration und Sprachverständnis bei Suchvorlage.
- Falls der Patient die Aufgabe nicht alleine oder nur mit Hilfestellung bewältigt, stehen "Downgrade"-Aufgaben als leichtere Alternative zur Erhebung der gleichen Funktion zur Verfügung.
 

Gütekriterien

 

Objektivität

In der neurologischen Frührehabilitation muss das Untersuchungsmaterial an die motorischen und sensorischen Fähigkeiten des Patienten bzw. an die spezifische Kombination seiner Einschränkungen jeweils individuell angepasst werden. Objektivität im Sinne gleichbleibender Durchführungsbedingungen, gleichbleibenden Testleiterverhaltens und testleiterunabhängiger Auswertung ist daher nicht zu erreichen (Lück, 2016, S. 10).
 

Reliabilität

Das Kriterium der Zuverlässigkeit lasse sich unter den besonderen Bedingungen der Frührehabilitation nur als "weicher Faktor" bestimmen, so die Autorin (Lück, 2016, S. 10), da sich täglich wechselnde Leistungsveränderungen entlang des Genesungsverlaufs ergeben können. Zuverlässige Aussagen seien in dieser frühen Phase nur über "das Vorhandensein von Leistungsressourcen und über erhaltene Leistungsbereiche" (S. 11) möglich. Dabei reicht für eine positive Beurteilung bereits ein einzelnes erfolgreiches Verhaltensbeispiel aus. Aussagen über Defizite können hingegen erst nach umfangreicherer Gegentestung von Alternativursachen getroffen werden.
 

Validität

Durch die besondere, an die Bedingungen der Diagnostik in der Frührehabilitation angepasste Verfahrenskonzeption (siehe unter "Theoretischer Hintergrund") können nur eingeschränkte Aussagen zur Validität gemacht werden: Da nur grundlegende Funktionen erhoben werden, sieht die Autorin die Augenscheinvalidität der erhobenen Maße als gegeben an, ebenso die Inhaltsvalidität, da mit ERBSE klar umgrenzte Aussagen gemacht werden (z. B. "kann hören", "kann zeigen") und die Items einfach und eindeutig sind (Lück, 2016, S. 10).
 

Normierung

Eine Normierung im engeren Sinne liegt nicht vor. Das für ERBSE verwendete Material entspricht jedoch dem Grundschulniveau unseres europäischen Kulturkreises, so dass jedes Performanzproblem ein deutliches Defizit im Vergleich zur Normalbevölkerung spiegelt (Lück, 2016, S. 11).
 

Anwendungsmöglichkeiten

Das Verfahren ist für eine erste Untersuchung kognitiver Funktionen nach Hirnläsionen gedacht und erlaubt ein neuropsychologisches Funktionsscreening bei Patienten auf der Intensivstation sowie in der Frührehabilitation (Phase B).
 

Bewertung

ERBSE bietet eine umfangreiche Aufgaben- und Materialsammlung und detaillierte Erläuterungen zu sämtlichen Verfahrensschritten. Das Manual ist insgesamt klar aufgebaut und in einer anschaulichen Sprache verfasst. Insbesondere durch die drei Fallbeispiele von Patienten mit unterschiedlichen Krankheitsbildern wird sehr anschaulich das diagnostische Prinzip von ERBSE verdeutlicht. Auch die Beispiele und Formulierungsempfehlungen zur Befunderstellung zeigen gut, dass die Autorin über umfangreiche Expertise und Erfahrung in dem Gebiet verfügt. In der vorliegenden Form ist das diagnostische Vorgehen rein sprachlich beschrieben, hier wären zusätzliche visuelle Darstellungen des empfohlenen Untersuchungsablaufes (z. B. als Flussdiagramm) eine hilfreiche Ergänzung gewesen.
Insgesamt bietet das Verfahren eine sehr praxisnahe Hilfestellung und wird dem Anspruch, neuropsychologischen Berufsanfängern eine fundierte Unterstützung zu bieten, gut gerecht.
 

Literatur

  • Lück, M. (2016). Early Bedside Screening Equipment (ERBSE). Manual und Materialsammlung für ein neuropsychologisches Funktions-Screening auf der Intensivstation und in der neurologischen Frührehabilitation. Dortmund: Verlag modernes lernen.
  • Snodgrass, J. G. & Vanderwart, M. (1980). A standardized set of 260 pictures. Journal of Experimental Psychology: Human Learning and Memory, 6 (2), 174-215.
  • Tewes, U. (1991). Hamburg-Wechsler Intelligenztest für Erwachsene. Revision 1991. Handbuch und Testanweisung. Bern: Huber.
  • World Health Organization (WHO). (2012). International Classification of Functioning, Disability and Health (ICF). (online im Internet, URL: http://www.who.int/classifications/icf/en; Stand: 25.08.2017).
 

Rezensionen

  • Jäcker, K. (2017). Neurologische Frührehabilitation - Neues Testverfahren. Martina Lück. ERBSE - Early Rehabilitation Bedside Screening Equipment, mit CD-ROM. Manual und Materialsammlung für ein neuropsychologisches Funktions-Screening auf der Intensivstation und in der neurologischen Frührehabilitation. Dortmund: verlag modernes lernen (Rezension). Ergopraxis, 10 (2), S. 48. (DOI: 10.1055/s-0042-114380)

 APA-Schlagworte/PSYNDEX Terms:

Classical Test Theory; Neuropsychological Assessment; Observation Methods; Screening Tests; Neurorehabilitation; Intensive Care; Activities of Daily Living; Disease Course

Klassische Testtheorie; Neuropsychologische Messung; Beobachtungsmethoden; Screening Tests; Neurorehabilitation; Intensivbehandlung; Alltagsfertigkeiten; Krankheitsverlauf

 weitere Schlagworte:

2016; Strukturiertes Leistungsscreening; Alltagsnahe Handlungssets; ICF-Leistungen: 1 Hören, 2 Sehen/Erkennen, 3 Bewegen/Zeigen, 4 Initiieren/Fortsetzen, 5 Inhibieren, 6 Sprache verstehen, 7 Kommunizieren, 8 Erinnern, 9 Auffassung, 10 Kulturtechniken, 11 Selbständig Handeln; Normierungs-/Untersuchungsjahr: keine Angaben; Stichprobe(n): keine Angaben
 Klassifikation:

Neuropsychologische Diagnostik; Neurologische Störungen und Hirnschädigung; Rehabilitation
Neuropsychologische Verfahren; Verfahren zur Therapieverlaufs-, Therapieprozess- und Therapieveränderungsdiagnostik
11.22; 11.24
 Anwendungstyp: Clinical Diagnosis
 Art der Publikation: Test; Test in Print (90; 911)
 Sprache: German
 Land: Germany
 Publikationsjahr: 2016
 Änderungsdatum: 201711
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