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Organizational Fit and Fitness - Instrument zur Erfassung der arbeitsbezogenen Belastung

 PSYNDEX Tests-Dokument: 9007409
 

OrgFit - Organizational Fit and Fitness - Instrument zur Erfassung der arbeitsbezogenen Belastung (PSYNDEX Tests Review)

 

Organizational Fit and Fitness - Assessment of Mental Stress at Work/author

 Jimenez, P. & Dunkl, A.
 (2015). OrgFit. Ein Instrument zur Erfassung der arbeitsbezogenen Belastungen. Graz: Karl-Franzens-Universität Graz.

 Bezugsquelle: research-team Jiménez-Schmon-Höfer GmbH, Brandhofgasse 7, A-8010 Graz, Österreich; E-Mail: office@research-team.at; URL: http://research-team.at/; Stand: 9.5.2017
Anmerkung: Der Test kann auch online durchgeführt werden.
 Adresse(n): o Dr. Paul Jimenez bei PsychAuthors: https://www.zpid.de/psychauthors/index.php?wahl=forschung&uwahl=psychauthors&uuwahl=p00634PJ
 WWW-Informationen:
 

Abstract

Diagnostische Zielsetzung:
Mit dem OrgFit können alle Dimensionen und Subtests arbeitsbezogener Belastung nach den Normen DIN EN ISO 10075-1, 10075-2 und 10075-3 im Sinne des Leitfadens für die Arbeitsinspektion bzw. der Leitlinie Beratung und Überwachung bei psychischer Belastung am Arbeitsplatz ökonomisch, universell und branchenungebunden erfasst werden. Der OrgFit eignet sich für eine Vorgabe im Rahmen der Arbeitsplatzevaluierung psychischer Belastung. Das Verfahren ist nicht für individualdiagnostische Untersuchungen vorgesehen und geeignet.


Aufbau:
Der OrgFit umfasst 54 Items, wobei diese 24 Subtests und vier übergeordneten Dimensionen zugeordnet werden können. Jede der vier Dimensionen verfügt über 6 bis 17 Items, die dazugehörigen Subtests bestehen aus zwei bis drei Items. Die ProbandInnen können auf einer siebenstufigen Häufigkeitsskala ankreuzen, inwieweit die jeweiligen Aussagen auf sie zutreffen (nie, selten, manchmal, mehrmals, oft, sehr oft, immer). Die Items sollen in Bezug auf die vergangenen 4 Wochen ausgefüllt werden ("Wie oft haben Sie in den letzten 4 Wochen folgende Aspekte wahrgenommen?"). Die Items sind dabei in vier Gruppen angeordnet, die die vier Dimensionen widerspiegeln. Innerhalb der vier Dimensionen sind die Items in randomisierter Reihenfolge vorgegeben. Der Orgfit kann sowohl als Papier-Bleistift-Version als auch online vorgegeben werden.


Grundlagen und Konstruktion:
Der OrgFit basiert auf dem theoretischen Hintergrund des Belastung-Beanspruchungskonzepts und den in der DIN EN ISO 10075-1 (2000) definierten Begriffen für Belastung und Beanspruchung. Das Konzept der Fehlbeanspruchung betrachtet die möglichen negativen Konsequenzen von Belastung. Um arbeitsbedingte Belastungsquellen, die zu Fehlbeanspruchungen führen können, erschöpfend erfassen zu können, wurde der OrgFit so konstruiert, dass er alle relevanten Belastungsbereiche abdeckt. Demnach werden folgende Dimensionen, die auch in Anlehnung an die Normen DIN EN ISO 10075-1 (2000), DIN EN ISO 10075-2 (2000) und DIN EN ISO 10075-3 (2002) abgeleitet wurden, erfasst: (1) Arbeitsaufgaben und Tätigkeiten, (2) Sozial- und Organisationsklima, (3) Arbeitsplatzumgebung und (4) Arbeitsabläufe und Arbeitsorganisation. Zusätzlich zu den vier Dimensionen erfasst der OrgFit 24 Subtests, die eine tiefergehende Belastungsanalyse ermöglichen. Das Verfahren wurde nach der Klassischen Testtheorie konstruiert. Die Itemgenerierung basiert auf Literaturrecherchen und Experteneinschätzungen im Bereich der psychischen Belastung. Die Items wurden so formuliert, dass sie branchenübergreifend eingesetzt werden können. Der endgültige Fragebogen wurde in mehreren Schritten entwickelt.


Empirische Prüfung und Gütekriterien:
Reliabilität: Für die Reliabilitätsprüfung (Jiménez & Dunkl, 2017) wurde eine repräsentative Stichprobe österreichischer Berufstätiger (mit Quotierung auf Geschlecht, Alter und Schulbildung) analysiert (N = 1 200). Die interne Konsistenz (Cronbachs Alpha) des gesamten OrgFit-Fragebogens beträgt Alpha = .94, die internen Konsistenzen der vier Dimensionen liegen im hohen bis sehr hohen Bereich (Arbeitsaufgaben und Tätigkeiten: Alpha = .80; Sozial- und Organisationsklima: Alpha = .93; Arbeitsumgebung: Alpha = .89; Arbeitsabläufe und Arbeitsorganisation: Alpha = .84).
Validität: Zum Nachweis der faktoriellen Validität wurden die Subtests der vier Dimensionen mit einer Hauptachsenanalyse mit Oblimin-Rotation geprüft und bestätigt. Die Konstruktvalidität wurde geprüft, indem die Zusammenhänge der Dimensionen des OrgFit mit den Dimensionen des EBF-Work (Jiménez & Kallus, 2016), der Fehlbeanspruchung misst, analysiert wurden. Die Korrelationen der OrgFit-Dimensionen mit den Beanspruchungsdimensionen (Sozial emotionale Beanspruchung, Fehlbeanspruchung, Sinnverlust/Burnout) lagen im Bereich von r = .39 bis r = .61 und können als Beleg für vorhandene konvergente Validität betrachtet werden. Die Korrelationen der OrgFit-Dimensionen mit den Erholungsdimensionen (Erholung, Freizeit/Pausen, Soziale Unterstützung, Tätigkeitsbezogene Ressourcen) variierten zwischen r = -.01 und r = -.72 und waren vor allem für die OrgFit-Dimension Sozial- und Organisationsklima hoch, während die Korrelationskoeffizienten für die OrgFit-Dimension Arbeitsumgebung geringer ausfielen.
Normen: Es liegen Normwerte aus einer hinsichtlich Alter, Geschlecht und Bildungsabschluss repräsentativen österreichischen Normstichprobe (N = 1 200) vor, die im Jahre 2015 erhoben wurden. Kritische Maximalwerte, die aus der Normstichprobe gewonnen wurden, unterstützen die Interpretation der Ergebnisse.

 

Testkonzept

 

Theoretischer Hintergrund

Der OrgFit (Organizational Fit and Fitness; Jiménez & Dunkl, 2017) basiert auf dem theoretischen Hintergrund des Belastung-Beanspruchungskonzepts (Rohmert, 1984; Rohmert & Rutenfranz, 1975) und den in der DIN EN ISO 10075-1 (2000) definierten Begriffen für Belastung und Beanspruchung. Das Konzept der Fehlbeanspruchung betrachtet die möglichen negativen Konsequenzen von Belastung. Um arbeitsbedingte Belastungsquellen, die zu Fehlbeanspruchungen führen können, erschöpfend zu erfassen, wurde der OrgFit so konstruiert, dass er alle relevanten Belastungsbereiche abdeckt. Demnach werden folgende Dimensionen, die auf der Basis des aktuellen Forschungsstandes der Arbeitspsychologie und damit auch in Anlehnung an die Normen DIN EN ISO 10075-1 (2000), DIN EN ISO 10075-2 (2000) und DIN EN ISO 10075-3 (2002; Demerouti et al., 2012) abgeleitet wurden, erfasst:
(1) Arbeitsaufgaben und Tätigkeiten: Diese Dimension betrifft die kognitiven Anforderungen (z. B. Aufmerksamkeit und Konzentration) sowie die emotionalen Anforderungen der Tätigkeiten (z. B. Umgang mit negativen Gefühlen).
(2) Sozial- und Organisationsklima: Das Sozial- und Organisationsklima beschreibt jene Anteile der Arbeit, in denen es zu Interaktionen mit anderen Mitarbeitenden - Führungskräften oder gleichgestellten ArbeitskollegInnen - kommt.
(3) Arbeitsplatzumgebung: Diese Dimension bezieht sich auf alle physikalischen, biologischen und chemischen Aspekte der Arbeit. Hierunter fallen visuelle, akustische und klimatische Belastungsquellen, sowie die Ausstattung und flächenmäßige Verteilung des Arbeitsplatzes.
(4) Arbeitsabläufe und Arbeitsorganisation: Hier werden Aspekte erfasst, welche nicht direkt die Inhalte der Aufgabe betreffen, sondern deren Ablauf, wie etwa die Reihenfolge der Ausführung der Arbeitsschritte, die Planbarkeit, Störungsfreiheit sowie das quantitative Ausmaß der Aufgaben.
 

Testaufbau

Der OrgFit umfasst 54 Items, wobei diese 24 Subtests und vier übergeordneten Dimensionen zugeordnet werden können. Jede der vier Dimensionen (siehe unter "Theoretischer Hintergrund") verfügt über 6 bis 17 Items, die dazugehörigen Subtests bestehen aus 2 bis 3 Items. Die ProbandInnen können auf einer siebenstufigen Häufigkeitsskala ankreuzen, inwieweit die jeweiligen Aussagen auf sie zutreffen (nie, selten, manchmal, mehrmals, oft, sehr oft, immer). Die Items sollen in Bezug auf die vergangenen vier Wochen ausgefüllt werden ("Wie oft haben Sie in den letzten vier Wochen folgende Aspekte wahrgenommen?"). Die Items sind dabei in vier Gruppen angeordnet, die die vier Dimensionen widerspiegeln. Innerhalb der vier Dimensionen sind die Items in randomisierter Reihenfolge vorgegeben.
 

Auswertungsmodus

Für den OrgFit werden die Dimensions- sowie Subtestbildungen erstellt (Mittelwertbildung bei voriger Invertierung von inversen Items). Im weiteren Verlauf wird mittels Signifikanzprüfung, je nach Anzahl der zu unterscheidenden Merkmale (z. B. Anzahl Arbeitsplätze) eine Unterschiedsprüfung durchgeführt, um statistisch bedeutsame Belastungsunterschiede in den einzelnen Belastungsquellen zwischen den am Arbeitsplatz ermittelten Werten und den Normwerten zu bestimmen. Für die Rechtskonformität in Österreich und Deutschland wurden zusätzliche Vorgaben berücksichtigt, z. B. auch die Verwendung einer gesicherten Normierung (Zentrales Arbeitsinspektorat Österreich, siehe Bundesministerium für Arbeit, Soziales und Konsumentenschutz [BMASK], 2013; Deutschland: Leitline Beratung und Überwachung bei psychischer Belastung am Arbeitsplatz, Geschäftsstelle der Nationalen Arbeitsschutzkonferenz, 2015). Für den OrgFit gibt es Normwerte, die aus einer repräsentativen Stichprobe von N = 1 200 österreichischen Arbeitskräften gewonnen wurden. Zudem liegen kritische Werte vor. Eine Überschreitung der Belastung über einen kritischen Wert (kritischer Maximalwert) bedeutet, dass dieses Ergebnis primär als beachtenswert gesehen werden muss. Die Beurteilung, ob eine Belastung zu einer Fehlbeanspruchung führen kann, ist das erste Ziel der Analyse mit dem Verfahren. Daher werden im OrgFit kritische Werte pro Subtest angegeben, bei deren Überschreitung die ExpertInnen die möglichen Gefährdungsquellen beurteilen müssen.
 

Auswertungshilfen

Eine Auswertungssyntax erleichtert die Dimensions- und Subtestbildung. Zur Unterstützung der Ergebnisinterpretationen sind im Manual Interventionsbeispiele in verschiedenen Anwendungskontexten detaillierter beschrieben. Für eine umfassende Auswertung sind im Manual kritische Werte abgebildet, die zum Vergleich für die in der Organisation erhobenen Werte herangezogen werden können. Eine inhaltliche Einordnung des Vergleichs von erhobenen und kritischen Werten soll anschließend von ExpertInnen im Bereich Human Factors Arbeitspsychologie durchgeführt werden.
 

Auswertungszeit

Die Zeitdauer für die Erstellung von Ergebnisübersichten hängt von der Komplexität der Befragung und der Organisation ab. Bei Verwendung der Auswertungssyntax dauert die Auswertungszeit nur wenige Minuten. Für einen Bericht müssen die Auswertungen jedoch durch ExpertInnen inhaltlich interpretiert werden.
 

Itembeispiele

Anmerkung: Im Folgenden wird für jede der vier Dimensionen ein Item vorgestellt.
Dimension Arbeitsaufgaben und Tätigkeiten: "Meine Arbeit erforderte hohe Aufmerksamkeit."
Dimension Sozial- und Organisationsklima: "Bei meiner Arbeit gab es Konflikte mit meiner direkten Führungskraft."
Dimension Arbeitsumgebung: "Mir fehlte Platz für die Durchführung meiner Tätigkeiten."
Dimension Arbeitsabläufe und Arbeitsorganisation: "Bei meiner Arbeit kam es zu Unterbrechungen bzw. Störungen (z.B. Anrufe, Anfragen, Ausfall der Arbeitsgeräte etc.)."
 

Alle Items

Die kompletten Items sind auf Anfrage bei den AutorInnen erhältlich.
 

Durchführung

 

Testformen

Der OrgFit ist in einer Langform (54 Items) und in einer Kurzform (16 Items) erhältlich. Die Kurzform sollte nur für Forschungszwecke und nicht für die Belastungsmessung im Sinne der Arbeitsplatzevaluierung psychischer Belastung in Organisationen verwendet werden. Der Orgfit kann sowohl als Papier-Bleistift-Version als auch online vorgegeben werden. Neben der deutschen Originalversion sind englische, slowenische, kroatische, ungarische, rumänische und türkische Übersetzungen erhältlich.
 

Altersbereiche

Altersmäßige Einschränkungen sind nicht definiert. Nachdem es sich um die Erfassung von arbeitsbedingter psychischer Belastung handelt, wird eine Vorgabe an Personen zwischen 15 und 65 empfohlen.
 

Durchführungszeit

Die durchschnittliche Durchführungszeit beträgt ca. 10 Minuten.
 

Material

Benötigt werden bei Verwendung der Papier-Bleistift-Version pro Testperson ein Fragebogen und Schreibgerät. Bei der Online-Version ist ein eigener Zugang zu einem PC für die Person notwendig, um die anonyme Beantwortung zu ermöglichen. Neben dem Fragebogen steht eine Auswertungssyntax für die korrekte Bildung von Dimensionen und Subtests zur Verfügung. Beispiele im Manual dienen zur Interpretationshilfe der Ergebnisse.
 

Instruktion

Die Instruktion befindet sich auf dem Fragebogen bzw. der Einstiegsseite im Onlinefragebogen. Der Fragebogen und die zugehörige Instruktion werden demnach gemeinsam vorgegeben.
 

Durchführungsvoraussetzungen

Der OrgFit kann von FachpsychologInnen, aber auch von geschulten Hilfskräften vorgelegt und ausgewertet werden (DIN EN ISO 10667-2, 2011, Kapitel 5.4). Die Interpretation der Ergebnisse sollten bevorzugt ArbeitspsychologInnen durchführen. Für die korrekte Anwendung, Auswertung und Interpretation des OrgFit in der Praxis ist eine vorangegangene Schulung notwendig.
 

Testkonstruktion

Der OrgFit wurde nach den Kriterien der Klassischen Testtheorie in mehreren Arbeitsschritten konstruiert:
(1) Festlegung der Dimensions- und Subteststruktur in Anlehnung an die Normen DIN EN ISO 10075-1 (2000), DIN EN ISO 10075-2 (2000) und DIN EN ISO 10075-3 (2002; Demerouti et al., 2012).
(2) Zusammenstellung eines ersten Itempools von 136 Items, die arbeitsbezogene Belastung in den vier Dimensionen und dazugehörigen Subtests abbilden sollen.
(3) Beurteilung der Items durch ExpertInnen im Bereich Belastungsmessung und weitere Umformulierungen der Items sowie Auswahl der geeignetsten 54 Items für den Fragebogen
(4) Erste Analyse der ausgewählten 54 Items hinsichtlich Itemkennwerte (Trennschärfen, Itemschwierigkeit, interne Konsistenz, Konstruktvalidität) anhand einer repräsentativen Stichprobe von n = 674 österreichischen Arbeitskräften (Jiménez, Dunkl & Kallus, 2014).
(5) Teilweise Umformulierung von kritischen Items aufgrund der Ergebnisse dieser ersten Befragung sowie nach nochmaligen Diskussionen mit ExpertInnen im Bereich Belastungsmessung.
(6) Nochmalige, zweite, Analyse von Itemkennwerten (Trennschärfen, Itemschwierigkeit, interne Konsistenz, Konstruktvalidität) des adaptierten Fragebogens in einer weiteren Stichprobe von 517 österreichischen Arbeitskräften (Jiménez et al., 2014).
(7) Weitere, dritte, Analyse von Itemkennwerten (Trennschärfen, Itemschwierigkeit, interne Konsistenz, Konstruktvalidität) des Fragebogens in einer repräsentativen Stichprobe von N = 1 200 österreichischen Arbeitskräften (Jiménez et al., 2016). Teilweise Umstrukturierung der Subtestzuweisungen zu den jeweiligen Dimensionen.
 

Gütekriterien

 

Objektivität

Durchführungs- und Auswertungsobjektivität sind durch standardisierte Instruktionen und vorgegebene Auswertungssyntax vollständig gegeben. Auch die Interpretationsobjektivität ist durch die Verwendung von Normwerten und kritischen Maximalwerten hinreichend gewährleistet.
 

Reliabilität

Für die Reliabilitätsprüfung wurde eine repräsentative Stichprobe österreichischer Berufstätigen (mit Quotierung auf Geschlecht, Alter und Schulbildung) analysiert (N = 1 200). Eine genaue Darstellung der Analyse findet sich bei Jiménez und Dunkl (2017). Die innere Konsistenz (Cronbachs Alpha) des gesamten OrgFit-Fragebogens beträgt Alpha = .94, die der vier Dimensionen liegen im guten bis sehr guten Bereich (Arbeitsaufgaben und Tätigkeiten: Alpha = .80; Sozial- und Organisationsklima: Alpha = .93; Arbeitsumgebung: Alpha = .89; Arbeitsabläufe und Arbeitsorganisation: Alpha = .84).
 

Validität

Zur Überprüfung der faktoriellen Validität sowie der Konstruktvalidität wurde dieselbe repräsentative Stichprobe österreichischer Berufstätiger (mit Quotierung auf Geschlecht, Alter und Schulbildung) wie für die Prüfung der Reliabilität analysiert (N = 1 200). Zum Nachweis der faktoriellen Validität wurden die Subtests der vier Dimensionen einer Hauptachsenanalyse mit Oblimin-Rotation unterzogen (genaue Darstellung bei Jiménez & Dunkl, 2017). Die Analyse mit Berücksichtigung des Eigenwertkriteriums ergab vier Faktoren, die 59.4% der Gesamtvarianz aufklärten (KMO = .92, Chiquadrat(276) = 11739.23, p < .001). Die Konstruktvalidität muss mit theoretischen Modellen passen und wurde daher geprüft, indem die Zusammenhänge der Dimensionen des OrgFit mit den Dimensionen des Erholungs-Beanspruchungsfragebogen für die Arbeit (EBF-Work; Jiménez & Kallus, 2016), der Fehlbeanspruchung misst, analysiert wurden. Die Korrelationen der OrgFit-Dimensionen mit den Beanspruchungsdimensionen (Sozial emotionale Beanspruchung, Fehlbeanspruchung, Sinnverlust/Burnout) lagen in einem Bereich von r = .39 bis r = .61 und können als Beleg für vorhandene konvergente Validität betrachtet werden. Die Korrelationen der OrgFit-Dimensionen mit den Erholungsdimensionen (Erholung, Freizeit/Pausen, Soziale Unterstützung, Tätigkeitsbezogene Ressourcen) variierten zwischen r = -.01 und r = -.72 und waren vor allem für die OrgFit-Dimension Sozial- und Organisationsklima hoch, während die Korrelationskoeffizienten für die OrgFit-Dimension Arbeitsaufgaben und Tätigkeiten geringer ausfielen.
 

Normierung

Im Rahmen einer breit angelegten Studie der Universität Graz im Jahr 2015 wurde der OrgFit in Kooperation mit einem Marktforschungsinstitut in allen Bundesländern branchenübergreifend einer großen zufällig ausgewählten Zahl an Personen vorgegeben (Jiménez, Dunkl & Bramberger, 2015; Jiménez et al., 2016). Die Selektion der Personen erfolgte nach den Vorgaben "berufstätig", Alter ab 18 Jahre. Um eine möglichst repräsentative Stichprobe zu erhalten, wurden Quoten für Geschlecht (50% weiblich, 50% männlich) und Alter (jünger oder gleich 40 Jahre: 50%, älter als 40 Jahre: 50%) gesetzt. Insgesamt 1 557 Personen nahmen an der Studie teil. Nach Datenbereinigung (u. a. Entfernen unplausibler Datensätze) konnte eine Stichprobe von N = 1 200 erzielt werden. Für die Bildung der Normwerte wurden Gewichtungsfaktoren für Schulbildung gesetzt (österreichische Registerzählung, Statistik Austria, 2011: Pflichtschule: 17.8%, Lehre ohne Matura: 50.9%, Matura: 16.6%, FH/Uni: 14.7%). Die Werte können als Normwerte für einen durchschnittlich beurteilten Arbeitsplatz (übergreifend über alle erhobenen Variablen wie Branche, Alter, Geschlecht etc.) in Bezug auf die Belastung herangezogen werden. Beim OrgFit wird zwar von Normwerten gesprochen, aber es wird in diesem Zusammenhang darauf hingewiesen, dass es in Bezug auf Belastung (noch) keine wirkliche Vorgabe für "Normen" gibt und daher die erhaltenen Werte zwar als repräsentativ für die arbeitende Bevölkerung gelten können, sie aber nicht im Sinne von "maximaler Konzentration", wie bei Stoffen, bezeichnet werden dürfen. Die Differenzen zwischen den Befragungsergebnissen und den Werten der Normstichprobe müssen auch auf ihre praktische Bedeutsamkeit hin geprüft werden. Diese Prüfung erfolgt in diesem Konzept über die Berechnung von Effektgrößen. Im Falle der Ermittlung von psychischer Belastung wird grundlegend davon ausgegangen, dass bereits kleine bis mittlere Effekte erkannt werden müssen. Für die praktische Vorgehensweise werden kritische Werte für jeden Subtest berechnet.
 

Anwendungsmöglichkeiten

Das Ziel des Verfahrens besteht in der detaillierten Erfassung von arbeitsbezogener Belastung in Übereinstimmung mit Normen (DIN EN ISO 10075-1, -2und -3; Demerouti et al., 2012) und dem aktuellen Stand der wissenschaftlichen Belastungsforschung. Damit handelt es sich um ein Instrument zur Diagnostik arbeitsplatzbezogener Belastung auf Gruppen- und Organisationsebene (ISO 10667-2, 2011, Kapitel 0.5) im Sinne der Arbeitsplatzevaluierung psychischer Belastung (AschG, ArbSchG); somit ist der Test nicht auf der individuellen Ebene einzusetzen. Aus der Ableitung können gemeinsam mit den betreffenden Personen Maßnahmen ausgearbeitet werden, um die als kritisch erkannten Belastungsquellen zu reduzieren. Auch im Rahmen von betrieblicher Gesundheitsförderung kann das Verfahren mit eingesetzt werden (Jiménez & Dunkl, 2014). Hier bietet sich besonders die Kombination mit anderen Verfahren zur Erhebung der Beanspruchungen an, z. B. dem EBF-Work. Dadurch kann eine gezielte Ableitung der vorhandenen Belastung am Arbeitsplatz (OrgFit) hinsichtlich möglicher Fehlbeanspruchungen (EBF-Work) vorgenommen werden und gleichzeitig werden Ressourcen erkannt, die persönlichkeitsförderlich sind. Eine Möglichkeit zur Kombination von Arbeitsplatzevaluierung psychischer Belastung und betrieblicher Gesundheitsförderung wird im Projekt "Kombi AG" durchgeführt (Nähere Informationen siehe: Netzwerk Betriebliche Gesundheitsförderung, o. J.).
 

Bewertung

Das Verfahren stellt eine anwendungsfreundliche und zugleich fundierte und zuverlässige Möglichkeit zur Erfassung psychischer Belastung am Arbeitsplatz (nach ASchG bzw. ArbSchG) dar. Die erfassten Dimensionen des OrgFit entsprechen den gängigen Normen (DIN EN ISO 10075-1, -2, -3; Demerouti et al., 2012) sowie den gesetzlichen Anforderungen (Leitfaden des zentralen Arbeitsinspektorats bzw. Leitline Beratung und Überwachung bei psychischer Belastung am Arbeitsplatz). Die Normwerte sowie die kritischen Maximalwerte sind für die Interpretation der Daten geeignet.
 

Literatur

  • Bundesministerium für Arbeit, Soziales und Konsumentenschutz. (Hrsg.). (2013). Bewertung der Evaluierung psychischer Fehlbelastungen bei der Kontroll- und Beratungstätigkeit. Leitfaden für die Arbeitsinspektion. Wien: BMASK.
  • Demerouti, E., Fergen, A., Glaser, J., Herbig, B., Hofmann, A., Nachreiner, F., Packebusch, L. & Seiler, K. (2012). Psychische Belastung und Beanspruchung am Arbeitsplatz. Inklusive DIN EN ESO 10075-1 bis -3. Berlin: Beuth.
  • DIN EN ISO 10075-1. (2000). Ergonomische Grundlagen bezüglich psychischer Arbeitsbelastung. Teil 1: Allgemeines und Begriffe. Berlin: Beuth.
  • DIN EN ISO 10075-2. (2000). Ergonomische Grundlagen bezüglich psychischer Arbeitsbelastung. Teil 2: Gestaltungsgrundsätze. Berlin: Beuth.
  • DIN EN ISO 10075-3. (2002). Ergonomische Grundlagen bezüglich psychischer Arbeitsbelastung. Teil 3: Grundsätze und Anforderungen an Verfahren zur Messung und Erfassung psychischer Arbeitsbelastung. Berlin: Beuth.
  • ISO 10667-2. (2011). Assessment service delivery. Procedures and methods to assess people in work and organizational settings. Part 2: Requirements for service providers (Abstract). Genf: International Organization for Standardization (ISO).
  • Geschäftsstelle der Nationalen Arbeitsschutzkonferenz. (Hrsg.). (2015). Leitlinie Beratung und Überwachung bei psychischer Belastung am Arbeitsplatz. Berlin: Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin.
  • Jiménez, P. & Dunkl, A. (2014). Concepts for combining the assessment of mental workload at the workplace (AMW) and occupational health projects (OHP). A triangle of success or a contradiction? Präsentation auf der 28th Conference of the European Health Psychology Society (EHPS), Innsbruck.
  • Jiménez, P. & Dunkl, A. (2017). Assessment of psychosocial risks and mental stress at work. The development of the instrument OrgFit. Journal of Ergonomics, 7 (1), 1-6. (DOI: 10.4182/2165-7556.1000188)
  • Jiménez, P., Dunkl, A. & Bramberger, C. (2015). Die Erhebung von psychischen Belastungen. Ergebnisse zu dem Einsatz des Instruments OrgFit. Präsentation auf dem 12. Kongress der Fachgruppe Gesundheitspsychologie, Karl-Franzens-Universität Graz.
  • Jimenez, P., Dunkl, A. & Kallus, K. W. (2014). Assessing workload, strain and resources in the organization - an integrated perspective. In S. Iavicoli & P. Dewe (Eds.), 11th EAOHP Conference. "Looking at the past - planning for the future: Capitalizing on OHP multidisciplinarity". Book of Proceedings. 11th Conference European Academy of Occupational Health Psychology, London.
  • Jiménez, P. & Kallus, W. K. (2016). Erholungs-Belastungs-Fragebogen (RESTQEBF) Work-55. Frankfurt: Pearson.
  • Jiménez, P., Schmon, C., Höfer, M., Lepold, A., Diebschlag, A. & Dunkl, A. (2016). AWÖ 2015. Arbeitswelt Österreich. Eine Studie zur Erfassung von Psychischer Belastung, Beanspruchung, Erholung und Zufriedenheit am Arbeitsplatz. Graz: Karl-Franzens-Universität Graz. (DOI: 10.13140/RG.2.2.12738.17601)
  • Netzwerk Betriebliche Gesundheitsförderung. (Hrsg.). (o. J.). Kombi AG Österreich (Projektbeschreibung). Linz: Oberösterreichische Gebietskrankenkasse. Online im Internet, URL: http://www.netzwerk-bgf.at/portal27/bgfportal/content?contentid=10007.752782 (Stand: 08.05.2017)
  • Rohmert, W. (1984). Das Belastungs-Beanspruchungs-Konzept. Zeitschrift für Arbeitswissenschaft, 38 (4). 193-200.
  • Rohmert, W. & Rutenfranz, J. (1975). Arbeitswissenschaftliche Beurteilung der Belastung und Beanspruchung an unterschiedlichen industriellen Arbeitsplätzen. Bonn: Bundesminister für Arbeit und Sozialordnung, Referat Öffentlichkeitsarbeit.
  • Statistik Austria. (2011). Ergebnisse der Registerzählung 2011. Wien: Bundesanstalt Statistik Österreich, Statistik Austria.
 
 Autorenbeschreibung: Paul Jimenez und Anita Dunkl (28.04.2017)
 APA-Schlagworte/PSYNDEX Terms:

Classical Test Theory; Computer Assisted Testing; Questionnaires; Rating Scales; Job Analysis; Work Load; Industrial and Organizational Psychology; Occupational Stress; Job Characteristics; Organizational Structure; Working Conditions

Klassische Testtheorie; Computerunterstütztes Testen; Fragebögen; Rating-Skalen; Arbeitsanalyse; Arbeitsbelastung; Arbeits- und Organisationspsychologie; Beruflicher Stress; Arbeitsplatzmerkmale; Organisationsstruktur; Arbeitsbedingungen

 weitere Schlagworte:

2017; PsyBel Expert; DIN-Norm: Ergonomische Grundlagen bezüglich psychischer Arbeitsbelastung; Belastung; Beanspruchung; ab 15 Jahre; bis 65 Jahre; 54 Items; Dimensionen: 1 Aufgabenanforderungen und Tätigkeiten, 2 Sozial- und Organisationsklima, 3 Arbeitsplatzumgebung, 4 Arbeitsabläufe und Arbeitsorganisation; Normierungsjahr: 2015; Normstichprobe: 1200
 Klassifikation:

Berufs- und arbeitspsychologische Tests; Gesundheitspsychologische Tests; Arbeitsbedingungen und Arbeitssicherheit; Arbeitnehmereinstellungen und Arbeitszufriedenheit
Verfahren zur Ermittlung psychischer Belastungen am Arbeitsplatz; Arbeitspsychologische Verfahren
7.3.1.4; 7.3.2.2
 Anwendungstyp: Job, Task, & Behavior Analysis, Research (Tests)
 Art der Publikation: Test; Online Test (90; 942)
 Sprache: German
 Übersetzungen: English, Hungarian, Romanian, Serbo-Croatian, Slovenian, Turkish
 Land: Austria
 Publikationsjahr: 2015
 Änderungsdatum: 201705
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